Kontaktlos bezahlen – wie sicher ist NFC?

Kontaktloses Bezahlen gilt als sicher, ist aber nicht völlig risikofrei. Entscheidend ist, wie NFC-Zahlungen technisch geschützt werden, wo echte Angriffsmöglichkeiten liegen und was du bei Karte, Smartphone und Smartwatch selbst beachten solltest.

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Die Bankkarte kurz an das Terminal halten, auf dem Smartphone die Zahlung bestätigen – fertig. Gerade weil kontaktloses Bezahlen so schnell funktioniert, wirkt es auf viele Menschen weniger sicher als eine klassische Kartenzahlung mit eingesteckter Karte und PIN. Schließlich werden Daten per Funk übertragen, und kleinere Beträge lassen sich mit einer physischen Karte teilweise sogar ohne PIN bezahlen.

Das allein macht NFC jedoch nicht unsicher. Moderne kontaktlose Kartenzahlungen arbeiten mit Sicherheitsmechanismen, die weit über eine einfache Funkübertragung von Kartendaten hinausgehen. Bei EMV-basierten kontaktlosen Zahlungen wird beispielsweise für jede Transaktion ein einmal verwendbarer Sicherheitswert erzeugt. Hinzu kommen sehr kurze Funkreichweiten, Transaktionslimits, Sicherheitsprüfungen der Bank und bei mobilen Wallets zusätzliche Authentifizierungs- und Tokenisierungsverfahren.

Die wichtigste Antwort deshalb vorweg: Kontaktloses Bezahlen per NFC ist für den normalen Alltag ein vergleichsweise sicheres Zahlungsverfahren. Das größere praktische Risiko besteht weniger darin, dass jemand aus mehreren Metern Entfernung Geld von deiner Karte abbucht, sondern beispielsweise darin, eine Karte zu verlieren, ungewöhnliche Abbuchungen zu spät zu bemerken oder ein Smartphone nur unzureichend zu schützen.

Was beim kontaktlosen Bezahlen tatsächlich passiert

NFC steht für „Near Field Communication“, also Nahfeldkommunikation. Der Name beschreibt bereits eine entscheidende Eigenschaft: Die Technik ist für sehr kurze Entfernungen gedacht. Beim Bezahlen kommunizieren Karte, Smartphone oder Smartwatch mit dem Zahlungsterminal normalerweise nur über wenige Zentimeter. Die Karte muss deshalb sehr nah an den Leser gehalten werden.

Bei einer physischen Bankkarte wird der NFC-Chip vom elektromagnetischen Feld des Terminals angesprochen. Die Karte benötigt dafür keine eigene Batterie. Erst wenn sich die Karte im Feld eines geeigneten Lesegeräts befindet, findet eine Kommunikation statt.

Technisch entscheidend ist allerdings nicht NFC allein. NFC ist zunächst lediglich der Kommunikationsweg. Die Sicherheit einer Zahlung hängt vor allem von dem darauf aufbauenden Bezahlsystem, den verwendeten kryptografischen Verfahren, der Karte beziehungsweise Wallet, dem Terminal und den Prüfungen durch Kartensystem und Bank ab.

Bei heutigen EMV-Kartenzahlungen erzeugt der Chip für eine Transaktion einen individuellen kryptografischen Sicherheitswert. Ein aufgezeichneter Zahlungsvorgang lässt sich dadurch nicht einfach unverändert kopieren und bei der nächsten Zahlung wiederverwenden.

Das unterscheidet moderne Chipzahlungen wesentlich von älteren Verfahren, bei denen statische Kartendaten eine größere Rolle spielten.

Wie sicher ist NFC wirklich?

Für eine realistische Bewertung sollte man zwei Fragen auseinanderhalten: Kann jemand mit einer NFC-Karte kommunizieren – und kann daraus tatsächlich ein finanzieller Schaden entstehen?

Dass ein NFC-fähiges Lesegerät grundsätzlich mit einer kontaktlosen Karte kommunizieren kann, ist Teil des Systems. Deshalb wäre die Aussage falsch, eine NFC-Karte könne grundsätzlich überhaupt nicht ausgelesen werden. Bestimmte Kartendaten können abhängig von Kartensystem und technischer Umsetzung in unmittelbarer Nähe erfassbar sein.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich mit den ausgelesenen Informationen beliebige Zahlungen durchführen oder eine voll funktionsfähige Kopie der Karte herstellen lässt. Moderne EMV-Zahlungen nutzen dynamische, transaktionsbezogene Sicherheitsinformationen. Der Sicherheitscode einer durchgeführten Transaktion ist für die nächste Zahlung nicht einfach wiederverwendbar.

Die entscheidende Einordnung lautet deshalb:

Szenario Praktisches Risiko Einordnung
Karte aus mehreren Metern Entfernung auslesen sehr gering NFC arbeitet nur auf sehr kurze Distanz
Kartendaten aus unmittelbarer Nähe erfassen technisch möglich daraus folgt nicht automatisch eine nutzbare Kartenkopie
Kleine Zahlung mit gestohlener Karte möglich deshalb Karte bei Verlust sofort sperren
Im Vorbeigehen heimlich abbuchen theoretisch möglich, praktisch erschwert Nähe, funktionierendes Zahlungsterminal und Zahlungsabwicklung erforderlich
Zahlung kopieren und erneut verwenden stark erschwert dynamische Sicherheitswerte schützen die Transaktion
Smartphone-Wallet ohne Entsperrung missbrauchen bei korrekt eingerichteten Wallets stark eingeschränkt Geräteauthentifizierung schützt Zahlungen

Kontaktloses Bezahlen ist damit weder unangreifbar noch ein grundsätzlich riskantes Verfahren. Das tatsächliche Risiko liegt im Alltag meist deutlich unter dem, was spektakuläre Szenarien über „heimliches Abbuchen im Vorbeigehen“ vermuten lassen.

Warum du manchmal ohne PIN bezahlen kannst

Gerade das Bezahlen ohne PIN sorgt häufig für Unsicherheit. Wenn eine Bankkarte einen Einkauf innerhalb weniger Sekunden bestätigt, ohne dass der Karteninhaber eine Geheimzahl eingeben muss, stellt sich schnell die Frage, was einen Dieb davon abhalten soll, dasselbe zu tun.

Für kontaktlose Kartenzahlungen existieren deshalb Grenzen und zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Nach den europäischen Regeln kann bei einer kontaktlosen Zahlung auf eine starke Kundenauthentifizierung verzichtet werden, wenn der einzelne Zahlungsvorgang höchstens 50 Euro beträgt und weitere Voraussetzungen eingehalten werden. Zusätzlich greifen kumulierte Grenzen: Seit der letzten starken Authentifizierung darf entweder der Gesamtbetrag früherer kontaktloser Zahlungen bestimmte Grenzen nicht überschreiten oder nur eine begrenzte Zahl aufeinanderfolgender Zahlungen ohne erneute Authentifizierung erfolgt sein. Die einschlägige EU-Regel nennt hierfür 150 Euro beziehungsweise fünf aufeinanderfolgende kontaktlose Transaktionen.

In der Praxis kann eine PIN deshalb auch bei einem Einkauf von beispielsweise 12 oder 25 Euro plötzlich verlangt werden. Das ist kein Fehler der Karte. Das System führt damit eine erneute Authentifizierung durch.

Umgekehrt bedeutet die 50-Euro-Grenze nicht, dass jede Zahlung unter 50 Euro garantiert ohne PIN funktioniert. Banken und Kartensysteme können zusätzliche Sicherheitsprüfungen vorsehen. Auch ungewöhnliche Transaktionen oder Risikoprüfungen können zu einer PIN-Abfrage führen.

Beispiel: Mehrere kleine Einkäufe hintereinander

Angenommen, du zahlst am Morgen 18 Euro im Supermarkt, später 32 Euro beim Tanken und anschließend 24 Euro in einer Drogerie.

Jeder einzelne Einkauf liegt unter 50 Euro. Trotzdem kann irgendwann eine erneute PIN-Eingabe erforderlich werden, weil nicht nur der einzelne Betrag betrachtet wird. Das System berücksichtigt auch vorausgegangene kontaktlose Zahlungen seit der letzten starken Authentifizierung.

Die gelegentliche PIN-Abfrage bei Kleinbeträgen ist deshalb ein bewusst eingebauter Sicherheitsmechanismus.

Kann jemand im Vorbeigehen 50 Euro von meiner Karte abbuchen?

Technisch darf dieses Szenario nicht als vollkommen unmöglich abgetan werden. Ein ausreichend nah an die Karte gebrachtes Zahlungsterminal kann grundsätzlich eine Kommunikation auslösen. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass mehrere NFC-Karten im Portemonnaie nicht zuverlässig verhindern, dass eine einzelne Karte erkannt wird.

Praktisch ist ein solcher Angriff jedoch deutlich komplizierter, als es oft dargestellt wird. Der Täter müsste sehr nah an die Karte gelangen, ein geeignetes Zahlungsterminal oder eine entsprechende Zahlungsinfrastruktur verwenden und die Transaktion über ein Zahlungsnetzwerk abwickeln. Das Geld verschwindet nicht anonym direkt vom Konto des Opfers auf irgendein Smartphone.

Hinzu kommt, dass NFC nur über eine kurze Entfernung funktioniert. Eine Karte tief in einer Handtasche, mehrere Materialien zwischen Leser und Karte oder eine ungünstige Position können die Kommunikation erschweren.

Wer trotzdem jede unerwünschte NFC-Kommunikation verhindern möchte, kann eine abschirmende Kartenhülle verwenden. Sie blockiert das elektromagnetische Feld und verhindert damit, dass die Karte angesprochen wird. Das kann insbesondere für Menschen sinnvoll sein, die kontaktloses Bezahlen gar nicht verwenden möchten.

Eine solche Hülle ist allerdings kein Ersatz für die wichtigsten Schutzmaßnahmen. Eine verlorene Karte muss weiterhin sofort gesperrt werden.

Können Kartendaten heimlich ausgelesen werden?

Hier lohnt sich eine präzise Antwort. Ja, kontaktlose Karten können technisch Daten an ein geeignetes Lesegerät übertragen. Je nach Kartensystem können dabei beispielsweise Angaben übertragen werden, die für die Zahlungsabwicklung erforderlich sind. Bei Visa wird bei einer kontaktlosen Zahlung unter anderem die Kontonummer beziehungsweise Kartenkennung, das Ablaufdatum und ein einmaliger Transaktionscode übermittelt.

Daraus folgt aber nicht, dass ein Angreifer anschließend eine identische kontaktlose Karte herstellen kann.

Der entscheidende Schutz ist der dynamische Bestandteil der Transaktion. Bei EMV-Zahlungen wird für jeden Zahlungsvorgang ein eigener kryptografischer Wert erzeugt. Ein abgefangener Sicherheitswert lässt sich deshalb nicht einfach für beliebig viele weitere Einkäufe wiederverwenden.

Trotzdem sollte man zwischen „nicht direkt nutzbar“ und „völlig belanglos“ unterscheiden. Zahlungsdaten gehören zu den sensiblen persönlichen Informationen. Eine Karte sollte deshalb nicht unnötig fremden Lesegeräten ausgesetzt werden.

Warum Smartphone und Smartwatch sogar Vorteile haben können

Bei einem Smartphone funktioniert das kontaktlose Bezahlen zwar ebenfalls über NFC, der Sicherheitsaufbau unterscheidet sich jedoch von der Nutzung einer normalen physischen Bankkarte.

Etablierte mobile Bezahlsysteme verwenden zusätzliche Schutzmechanismen. Bei Apple Pay wird beispielsweise nicht einfach die vollständige physische Kartennummer an das Kassenterminal übertragen. Stattdessen kommt eine gerätebezogene Kontonummer zusammen mit einem transaktionsbezogenen Sicherheitscode zum Einsatz. Vor der Zahlung muss sich der Nutzer normalerweise über Face ID, Touch ID, Gerätecode oder die entsprechende Authentifizierung der Apple Watch legitimieren.

Auch Google Wallet verlangt für kontaktloses Bezahlen eine Gerätesperre und unterstützt beispielsweise PIN, Passwort oder geeignete biometrische Verfahren zur Bestätigung.

Dadurch entsteht ein wichtiger Unterschied:

Eine verlorene physische Karte kann unter bestimmten Voraussetzungen für kleinere kontaktlose Zahlungen verwendet werden, bevor wieder eine PIN verlangt wird. Bei einem korrekt gesicherten Smartphone benötigt der Finder dagegen zusätzlich Zugriff auf das entsperrte beziehungsweise authentifizierte Gerät.

Karte oder Smartphone: Was ist sicherer?

Eine pauschale Rangliste wäre zu einfach, weil die Sicherheit stark von der Einrichtung des Smartphones und vom jeweiligen Bezahlsystem abhängt. Trotzdem lassen sich typische Unterschiede erkennen.

Merkmal Physische NFC-Karte Smartphone-Wallet
NFC-Reichweite wenige Zentimeter wenige Zentimeter
Kleine Zahlung ohne Karten-PIN teilweise möglich normalerweise Geräteauthentifizierung
Physische Kartennummer Bestandteil des Kartensystems bei modernen Wallets häufig durch Token ersetzt
Schutz bei Verlust Kartensperre erforderlich Gerätesperre plus Wallet-Schutz
Biometrische Freigabe normalerweise nein häufig ja
Remote-Sperrmöglichkeiten über Bank/Kartenaussteller zusätzlich häufig über Geräte- oder Wallet-Dienste
Abhängigkeit vom Smartphone nein ja

Wer sein Smartphone mit einem starken Gerätecode, aktueller Software und biometrischer Authentifizierung schützt, erhält beim mobilen Bezahlen damit mehrere zusätzliche Sicherheitsebenen.

Ein Smartphone mit einfacher PIN, fehlenden Updates oder unsicheren Apps kann diese Vorteile dagegen teilweise wieder zunichtemachen.

Kann eine kontaktlose Zahlung versehentlich ausgelöst werden?

Dass man an einer Ladenkasse vorbeigeht und plötzlich unbeabsichtigt bezahlt, ist praktisch sehr unwahrscheinlich. Ein Zahlungsterminal muss einen konkreten Zahlungsvorgang erwarten und das Zahlungsmittel muss sich sehr nah am Terminal befinden.

NFC funktioniert nicht wie ein weitreichendes Funknetz, das ständig wahllos Zahlungen an Geräte in der Umgebung sendet. Erst das aktive Zahlungsfeld des Terminals ermöglicht die Kommunikation mit der Karte beziehungsweise dem mobilen Gerät.

Auch eine doppelte Belastung entsteht nicht einfach dadurch, dass du die Karte zwei Sekunden länger am Terminal hältst. Eine Transaktion wird vom Terminal als einzelner Zahlungsvorgang verarbeitet. Eine zweite Belastung müsste als neuer Zahlungsvorgang ausgelöst werden. Die Bundesbank stuft das Risiko versehentlicher kontaktloser Zahlungen aufgrund der geringen Reichweite ebenfalls als sehr niedrig ein.

Trotzdem gilt unabhängig von NFC: Kontrolliere den Betrag auf dem Terminal, bevor du eine Zahlung freigibst.

Das größte Risiko: eine verlorene oder gestohlene Karte

Für viele Verbraucher ist nicht das Auslesen der NFC-Schnittstelle das entscheidende Risiko, sondern der klassische Kartenverlust.

Eine gestohlene kontaktlose Karte kann möglicherweise noch für kleinere Zahlungen genutzt werden, solange keine erneute PIN-Eingabe beziehungsweise starke Authentifizierung verlangt wird. Deshalb sollte eine verlorene Karte nicht erst abends oder am nächsten Tag gesperrt werden.

Für girocards steht in Deutschland unter anderem der Sperr-Notruf 116 116 zur Verfügung. Nach Angaben des Sperr-Notrufs sind alle girocards über diese Nummer sperrbar. Bei Kreditkarten hängt die Sperrmöglichkeit über 116 116 davon ab, ob der jeweilige Herausgeber teilnimmt; andernfalls muss die Karte direkt beim Anbieter gesperrt werden.

Viele Banken ermöglichen inzwischen außerdem die sofortige Kartensperre über ihre Banking-App.

Bei einem Diebstahl kann zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll sein.

Wer haftet bei einer missbräuchlichen NFC-Zahlung?

Nicht jede Zahlung, die technisch mit einer echten Karte durchgeführt wurde, ist automatisch eine vom Karteninhaber autorisierte Zahlung.

Das deutsche Zahlungsrecht sieht für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge umfangreiche Regeln vor. Grundsätzlich kann der Zahlungsdienstleister bei einer verloren gegangenen, gestohlenen oder missbräuchlich verwendeten Karte unter bestimmten Voraussetzungen einen Schaden bis höchstens 50 Euro auf den Kunden übertragen. Gleichzeitig enthält das Gesetz mehrere Ausnahmen. Bei vorsätzlichem oder grob fahrlässigem Verhalten des Kunden kann die Haftung dagegen deutlich weiter gehen.

Besonders relevant für kontaktlose Zahlungen ist, dass die Haftungsregeln auch berücksichtigen, ob eine starke Kundenauthentifizierung verlangt wurde. Deshalb bedeutet die häufig genannte Grenze von 50 Euro nicht, dass ein Kunde bei jeder missbräuchlichen kontaktlosen Zahlung automatisch 50 Euro selbst tragen muss.

Bei einem nicht autorisierten Zahlungsvorgang muss der Zahlungsdienstleister den Betrag grundsätzlich unverzüglich erstatten und das Konto wieder auf den Stand bringen, den es ohne die Belastung gehabt hätte. Das Gesetz nennt hierfür grundsätzlich spätestens das Ende des Geschäftstags nach der entsprechenden Anzeige, sofern nicht beispielsweise ein begründeter Betrugsverdacht des Zahlers vorliegt.

Entdeckst du eine Zahlung, die du nicht vorgenommen hast, solltest du deshalb sofort deine Bank informieren und nicht zunächst mehrere Tage abwarten.

Die PIN auf der Karte ist ein größeres Problem als NFC

Viele Sicherheitsrisiken entstehen nicht durch komplizierte Funkangriffe, sondern durch einfache Fehler.

Wer seine PIN gemeinsam mit der Karte aufbewahrt, sie auf einen Zettel im Portemonnaie schreibt oder eine leicht erkennbare Zahlenkombination verwendet, erleichtert einem Dieb den Zugriff erheblich. Nach deutschem Recht kann grob fahrlässiges Verhalten auch Auswirkungen auf die Haftung haben.

Ähnliches gilt beim Smartphone. Ein schlecht geschütztes Gerät kann verschiedene finanzielle Dienste gleichzeitig zugänglich machen: Wallet, Banking-App, E-Mail-Konto und möglicherweise sogar TAN- oder Authentifizierungsfunktionen.

Deshalb sollte der Schutz eines Smartphones immer als Gesamtsystem betrachtet werden.

So machst du kontaktloses Bezahlen noch sicherer

Schon wenige Maßnahmen reduzieren das verbleibende Risiko erheblich. Entscheidend ist nicht, NFC grundsätzlich zu meiden, sondern mögliche Schäden schnell zu begrenzen.

Checkliste: Sicher kontaktlos bezahlen

  1. Karte und Smartphone nicht unbeaufsichtigt lassen. Die meisten realistischen Angriffe beginnen mit Verlust, Diebstahl oder direktem Zugriff auf das Gerät.
  2. Kontobewegungen regelmäßig prüfen. Je schneller eine unbekannte Zahlung auffällt, desto schneller kann die Karte gesperrt und der Vorgang beanstandet werden.
  3. Push-Benachrichtigungen aktivieren. Wenn deine Bank Echtzeitmeldungen für Kartenzahlungen anbietet, erhältst du unmittelbar nach einer Belastung eine Nachricht.
  4. Bei Verlust sofort sperren. Nutze die Banking-App, deine Bank oder gegebenenfalls den Sperr-Notruf 116 116.
  5. PIN niemals gemeinsam mit der Karte aufbewahren. Auch keine vermeintlich verschlüsselte Notiz im Portemonnaie verwenden.
  6. Smartphone mit starkem Code schützen. Vierfach wiederholte Ziffern, Geburtsdaten oder einfache Muster sind ungeeignet.
  7. Biometrische Authentifizierung nutzen. Fingerabdruck oder sichere Gesichtserkennung erhöhen den Komfort, ohne auf eine Zugriffskontrolle zu verzichten.
  8. Betriebssystem und Wallet aktuell halten. Sicherheitsupdates schließen bekannte Schwachstellen.
  9. Zahlungsbetrag vor der Freigabe kontrollieren. NFC schützt nicht davor, dass am Terminal versehentlich oder absichtlich ein falscher Betrag eingegeben wurde.
  10. NFC-Schutzhülle verwenden, wenn du keinerlei Funkzugriff auf deine Karte möchtest. Sie ist optional, bietet aber einen technisch wirksamen Schutz gegen Kommunikation mit der Karte, solange diese abgeschirmt ist.

Diese Maßnahmen sind wirkungsvoller als die Annahme, dass bereits mehrere Karten im Portemonnaie ausreichenden Schutz vor dem Auslesen bieten.

Muss man NFC aus Sicherheitsgründen deaktivieren?

Wer kontaktloses Bezahlen nutzt, hat normalerweise keinen zwingenden Grund, NFC grundsätzlich abzuschalten. Die kurze Reichweite und die Sicherheitsmechanismen moderner Bezahlsysteme begrenzen das Risiko erheblich.

Wenn du die Kontaktlos-Funktion einer physischen Karte überhaupt nicht benötigst, kannst du allerdings bei deiner Bank prüfen, ob sie deaktiviert werden kann. Einige Institute bieten eine entsprechende Einstellung oder Kartensperre an.

Bei Android-Geräten kann NFC je nach Hersteller und Betriebssystem in den Einstellungen deaktiviert werden. Für die Sicherheit mobiler Zahlungen ist allerdings wichtiger, dass das Smartphone gesperrt, aktuell und vor fremdem Zugriff geschützt bleibt. Das BSI empfiehlt grundsätzlich, Funkfunktionen wie NFC nur dann aktiviert zu lassen, wenn sie benötigt werden.

Wer täglich mit Smartphone oder Smartwatch bezahlt, muss NFC deswegen nicht ständig manuell ein- und ausschalten. Der zusätzliche Sicherheitsgewinn steht im Alltag häufig in keinem Verhältnis zum Komfortverlust.

RFID-Blocker: sinnvoll oder übertrieben?

RFID- beziehungsweise NFC-Schutzhüllen enthalten leitfähiges Material, das elektromagnetische Funkfelder abschirmt. Befindet sich die Karte vollständig in einer geeigneten Hülle, kann ein Lesegerät normalerweise nicht mit ihr kommunizieren.

Technisch funktioniert das. Die wichtigere Frage lautet, ob man diesen Schutz im Alltag benötigt.

Für einen durchschnittlichen Nutzer ist eine solche Hülle keine Voraussetzung für sicheres kontaktloses Bezahlen. Das tatsächliche Risiko eines erfolgreichen heimlichen Zahlungsvorgangs ist begrenzt und durch weitere Sicherheitsmechanismen eingeschränkt.

Eine Schutzhülle kann trotzdem sinnvoll sein, wenn du häufig in dicht gedrängten Menschenmengen unterwegs bist, mehrere NFC-Karten mitführst oder grundsätzlich verhindern möchtest, dass deine Karten ohne dein bewusstes Herausnehmen mit einem Lesegerät kommunizieren.

Sie kostet wenig und beeinträchtigt die Kartennutzung kaum. Notwendig ist sie jedoch nicht für jeden.

Was du bei unbekannten NFC-Abbuchungen tun solltest

Entdeckst du eine Kartenzahlung, die du nicht zuordnen kannst, solltest du zunächst prüfen, ob der Händlername möglicherweise vom bekannten Geschäftsnamen abweicht. Auf Kontoauszügen erscheinen gelegentlich Firmennamen, Zahlungsdienstleister oder Muttergesellschaften, die nicht unmittelbar an den Laden erinnern.

Kannst du die Zahlung weiterhin nicht erklären, solltest du handeln.

Vorgehen bei einer unbekannten Kartenzahlung:

  1. Zahlung und Händlerdaten prüfen.
  2. Karte vorsorglich sperren, wenn Missbrauch möglich erscheint.
  3. Bank unverzüglich informieren.
  4. Zahlung ausdrücklich als nicht autorisiert melden.
  5. Zeitpunkt der Sperrung dokumentieren.
  6. Weitere Kontobewegungen kontrollieren.
  7. Bei Diebstahl oder erkennbarem Betrug gegebenenfalls Anzeige erstatten.

Nicht autorisierte oder fehlerhafte Zahlungsvorgänge müssen nach dem BGB unverzüglich nach ihrer Feststellung gemeldet werden. Die gesetzliche Ausschlussfrist kann grundsätzlich bis zu 13 Monate betragen, sie ist aber kein Grund, mit der Meldung zu warten.

Je früher eine verdächtige Zahlung gemeldet wird, desto leichter lassen sich weitere Belastungen verhindern.

Drei verbreitete Irrtümer über NFC

Rund um kontaktloses Bezahlen halten sich einige Vorstellungen hartnäckig, obwohl sie die tatsächlichen Risiken nur unzureichend beschreiben.

„Jeder kann meine Karte aus mehreren Metern Entfernung leerräumen.“
Normales NFC ist für sehr kurze Entfernungen ausgelegt. Ein Angreifer müsste deutlich näher an die Karte herankommen. Die Vorstellung, dass ein gewöhnliches Kassenterminal aus mehreren Metern Entfernung unbemerkt eine Zahlung auslöst, entspricht nicht der vorgesehenen Funktionsweise.

„Wenn meine Kartennummer ausgelesen wurde, kann man meine Karte kopieren.“
Auch das greift zu kurz. EMV-Zahlungen verwenden dynamische Sicherheitswerte, die für einzelne Transaktionen erzeugt werden. Statische Kartendaten allein ersetzen nicht den kryptografischen Chip.

„Mit dem Smartphone zu bezahlen ist unsicherer als mit der Karte.“
Das lässt sich nicht allgemein behaupten. Moderne Wallets kombinieren NFC mit Geräteauthentifizierung, Tokenisierung und weiteren Sicherheitsmechanismen. Ein gut geschütztes Smartphone kann deshalb sogar zusätzliche Hürden gegenüber einer verlorenen physischen Karte bieten.

Fazit: NFC ist sicher – Aufmerksamkeit bleibt trotzdem wichtig

Kontaktloses Bezahlen gehört zu den Verfahren, bei denen die gefühlte Unsicherheit häufig größer ist als das praktische Risiko. Die Funkverbindung arbeitet nur über kurze Entfernungen, moderne EMV-Zahlungen verwenden transaktionsbezogene Sicherheitswerte und Banken begrenzen Zahlungen ohne erneute Authentifizierung.

Vollständig ausschließen lässt sich Missbrauch trotzdem nicht. Besonders eine verlorene physische Karte kann für kleinere Zahlungen interessant sein, solange keine PIN verlangt wird. Deshalb sind schnelle Kartensperrung, regelmäßige Kontrolle der Kontobewegungen und ein sorgfältiger Umgang mit PIN und Smartphone wichtiger als die Angst vor einem Angreifer mit NFC-Lesegerät.

Wer über Smartphone oder Smartwatch bezahlt und sein Gerät konsequent schützt, erhält durch Geräteauthentifizierung und moderne Wallet-Technik zusätzliche Sicherheitsebenen. Für den normalen Zahlungsalltag gibt es daher keinen sachlichen Grund, kontaktloses Bezahlen allein aus Angst vor NFC grundsätzlich zu vermeiden.

Häufige Fragen zu kontaktlosem Bezahlen und NFC

Bei NFC-Zahlungen drehen sich viele Fragen weniger um die Bedienung als um mögliche Missbrauchsszenarien. Die wichtigsten Punkte lassen sich relativ klar einordnen.

Wie weit reicht NFC beim kontaktlosen Bezahlen?

Die Kommunikation erfolgt normalerweise nur über wenige Zentimeter. Karte oder Smartphone müssen deshalb sehr nah an das Zahlungsterminal gehalten werden. Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zu Funktechniken mit deutlich größerer Reichweite.

Kann jemand meine NFC-Karte heimlich auslesen?

Ein geeignetes Lesegerät kann in unmittelbarer Nähe grundsätzlich mit einer kontaktlosen Karte kommunizieren. Das bedeutet aber nicht, dass sich daraus automatisch eine funktionsfähige Kopie der Karte herstellen lässt. Moderne Kartenzahlungen verwenden zusätzliche dynamische Sicherheitsinformationen.

Wie viel kann man kontaktlos ohne PIN bezahlen?

Bei kontaktlosen Kartenzahlungen kann bis zu einem Einzelbetrag von 50 Euro unter bestimmten Voraussetzungen auf eine starke Kundenauthentifizierung verzichtet werden. Zusätzlich existieren kumulierte Sicherheitsgrenzen, weshalb auch bei kleineren Beträgen jederzeit eine PIN-Abfrage erfolgen kann.

Ist Apple Pay oder Google Wallet sicherer als eine Bankkarte?

Moderne Wallets bieten zusätzliche Sicherheitsmechanismen wie Geräteauthentifizierung und Zahlungstoken. Deshalb kann ein gut geschütztes Smartphone gegenüber einer physischen Karte Vorteile haben. Entscheidend ist allerdings, dass das Gerät selbst sicher eingerichtet und aktuell gehalten wird.

Kann meine Karte durch die Hosentasche belastet werden?

Technisch ist eine Kommunikation bei sehr geringer Entfernung möglich, sie wird durch Kleidung und andere Materialien jedoch erschwert. Für eine echte Abbuchung benötigt der Angreifer außerdem eine entsprechende Zahlungsinfrastruktur. Das Szenario ist deshalb möglich, aber erheblich aufwendiger als ein gewöhnlicher Taschendiebstahl.

Brauche ich eine NFC-Schutzhülle?

Zwingend erforderlich ist sie für die meisten Nutzer nicht. Wer jedoch jede ungewollte NFC-Kommunikation mit seiner Karte verhindern möchte, kann mit einer geeigneten abschirmenden Hülle einen zusätzlichen Schutz schaffen.

Was passiert, wenn meine kontaktlose Karte gestohlen wird?

Die Karte sollte unverzüglich gesperrt werden. Bis zur Sperrung können abhängig von den Umständen kleinere kontaktlose Zahlungen möglich sein. Unbekannte Belastungen solltest du sofort deiner Bank melden.

Kann kontaktlos zweimal abgebucht werden?

Ein bloßes längeres Halten der Karte an das Terminal löst normalerweise keine zweite Zahlung aus. Für eine weitere Abbuchung müsste ein neuer Zahlungsvorgang gestartet werden. Trotzdem sollte nach jeder Zahlung der angezeigte beziehungsweise abgebuchte Betrag kontrolliert werden.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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