Du stehst im Autohaus, der Verkäufer sagt „0,99 % Finanzierung, nur heute“ und schiebt dir gleichzeitig ein Rabatt-Angebot über den Tisch. Genau hier verlieren die meisten Geld: Sie vergleichen Monatsraten statt Gesamtkosten, unterschätzen Nebenkosten, lassen sich Extras „mitfinanzieren“ und merken erst Monate später, dass der Deal teuer war. Dieser Guide zeigt dir, wie du Autokredit und Händlerfinanzierung so vergleichst, wie es Banken intern tun: mit sauberer Kalkulation, klaren Stellhebeln und einem Ablauf, der dich in 20 Minuten zur richtigen Entscheidung bringt – inklusive konkreter Zahlen, Euro-Beträgen und typischer Fehler, die dich sonst mehrere tausend Euro kosten.
Was du wirklich vergleichst: Effektivzins, Gesamtkosten und Flexibilität
Günstig ist nicht die Rate. Günstig ist die Summe aus Zinsen, Gebühren, Pflichtpaketen, Restwert-Risiko und deiner Möglichkeit, später umzuschulden oder vorzeitig zu tilgen. Beim Autokredit (klassischer Ratenkredit) kommt das Geld von einer Bank, du kaufst das Auto „wie bar“ und verhandelst den Preis hart. Bei der Händlerfinanzierung steckt oft eine Herstellerbank oder Partnerbank dahinter, und der Deal wird über Zins und Kaufpreis gleichzeitig gesteuert: mal niedriger Zins, dafür weniger Rabatt – oder hoher Rabatt, dafür teurer Zins.
Der wichtigste Unterschied ist nicht nur der Zinssatz, sondern die Spielregeln. Autokredit ist meistens standardisiert: feste Rate, fester Zinssatz, klare Laufzeit, oft freie Sondertilgung oder günstige Ablösung. Händlerfinanzierung ist oft ein Paket: Anzahlung, Schlussrate, Restwert, Servicepakete, Garantien, manchmal Versicherungen – und genau da entstehen versteckte Kosten, die du nur siehst, wenn du konsequent auf Gesamtsumme rechnest.
Rechenregel 1: Monatsrate ist eine Verkaufszahl, Gesamtkosten sind die Wahrheit
Du brauchst für jeden Deal drei Zahlen: Auszahlungsbetrag (Kreditbetrag), effektiver Jahreszins und alle Zahlungen über die Laufzeit inklusive Schlussrate und Gebühren. Erst dann ist „günstiger“ eindeutig.
Beispiel 1: Autokredit (Bank)
Kaufpreis: 25.000 €
Anzahlung: 5.000 €
Kreditbetrag: 20.000 €
Laufzeit: 60 Monate
Effektivzins: 5,49 %
Rate (vereinfacht): ca. 382 €
Gesamtzahlung: 60 × 382 € = 22.920 €
Zinskosten: 22.920 € − 20.000 € = 2.920 €
Beispiel 2: Händlerfinanzierung mit kleiner Rate und Schlussrate
Kaufpreis: 25.000 €
Anzahlung: 5.000 €
Monatlich: 199 € für 59 Monate
Schlussrate: 12.000 €
Gebühr (z. B. Bearbeitung/Überführung/Finanzierungspaket): 390 €
Gesamtzahlung: 59 × 199 € = 11.741 €
Plus Schlussrate: 12.000 €
Plus Gebühr: 390 €
Summe: 24.131 €
Zins- und Paketkosten (gegenüber 20.000 € Kreditbedarf): 4.131 €
Auf dem Papier wirkt die Händlerfinanzierung mit 199 € „bezahlbar“. In der Realität ist sie in diesem Beispiel rund 1.211 € teurer als der Autokredit. Genau so passieren Fehlentscheidungen: Der Fokus liegt auf der Rate, nicht auf dem Endpreis.
Rechenregel 2: „0,99 %“ ist nur dann gut, wenn du den Preis nicht verlierst
Der Händler kann einen niedrigen Zins anbieten und dir gleichzeitig Rabatt wegnehmen. Deshalb musst du immer zwei Szenarien rechnen: „Händlerzins + Händlerpreis“ gegen „Autokredit + Barzahlerpreis“. Barzahlerpreis heißt nicht, dass du Bargeld dabei hast – es heißt: Du zahlst ohne Händlerfinanzierung, also mit Bankkredit oder eigenem Geld, und verhandelst wie ein Barzahler.
Beispiel:
Listenpreis: 30.000 €
Händler sagt: „0,99 % Finanzierung, aber Rabatt nur 1.000 €“ → Preis 29.000 €
Alternative: Bankkredit und Barzahler-Verhandlung → Rabatt 3.000 € → Preis 27.000 €
Jetzt die Finanzierung vergleichen bei gleichem Kreditbedarf (vereinfacht ohne Anzahlung):
Händler: 29.000 € zu 0,99 % über 60 Monate → Zinskosten grob ca. 750–900 € (je nach Tilgungsplan)
Bank: 27.000 € zu 5,49 % über 60 Monate → Zinskosten grob ca. 3.900–4.300 €
Entscheidend ist die Gesamtsumme:
Händler-Gesamtkosten: 29.000 € + ~850 € = ~29.850 €
Bank-Gesamtkosten: 27.000 € + ~4.100 € = ~31.100 €
In diesem Beispiel ist die Händlerfinanzierung trotz schlechterem Rabatt günstiger, weil der Zinsvorteil die 2.000 € Preisunterschied überkompensiert. Genau deshalb gibt es keine pauschale Antwort – aber es gibt eine pauschal richtige Methode: Preisunterschied gegen Zinsunterschied rechnen, immer.
So kalkulieren Banken beim Autokredit – und warum dein Zinssatz nicht „Glück“ ist
Banken kalkulieren deinen Zinssatz aus Risiko und Marge. Praktisch heißt das: Bonität, Einkommen, Haushaltsüberschuss, bestehende Kredite, Laufzeit und Kredithöhe steuern die Kondition. Je höher die Laufzeit, desto höher das Ausfallrisiko, desto teurer wird der Zins. Je knapper dein Budget, desto teurer wird der Zins. Je mehr offene Verpflichtungen, desto teurer wird der Zins.
Wichtig für deine Entscheidung: Ein Händler kann mit „subventioniertem Zins“ arbeiten – der Hersteller oder die Herstellerbank verdient dann weniger am Zins, weil das Ziel Absatz ist. Das ist nicht „geschenkt“, sondern eine interne Quersubvention. Dafür holen sie Geld an anderer Stelle rein: weniger Rabatt, teurere Pakete, strengere Vertragsbedingungen oder höhere Kosten bei Vertragsänderungen.
Wo versteckte Kosten entstehen: Die 6 Stellen, an denen du fast immer verlierst
Die echten Kosten sitzen selten im großen Zinssatz, sondern in den kleinen Zusatzposten und in Vertragslogik. Du musst die folgenden Punkte im Angebot aktiv suchen, sonst zahlst du sie automatisch.
- Schlussrate/Restwert-Falle: Bei Ballon- oder 3-Wege-Finanzierungen ist die Schlussrate der Kostenblock. Wenn du am Ende umschulden musst, weil du die Schlussrate nicht hast, bist du erpressbar: Du brauchst dann schnell Geld, oft zu schlechteren Konditionen.
- Mitfinanzierte Extras: Garantieverlängerung, Servicepaket, Zubehör, Winterräder – wenn das in den Kredit wandert, zahlst du dafür Zinsen. 2.000 € Zubehör kosten bei 5,49 % und 60 Monaten schnell 290–350 € extra – nur weil du es „bequem“ mitfinanzierst.
- Versicherungen am Kredit: Restschuldabsicherung oder ähnliche Produkte werden gern „sicher“ verkauft, sind aber häufig teuer und erhöhen den Kreditbetrag sofort. Beispiel: 1.500 € Einmalprämie auf 20.000 € Kredit – du zahlst Zinsen auf die Prämie und erhöhst die Rate.
- Gebühren und Paketpreise: Bearbeitungs-/Vermittlungsgebühr, Händlerpauschale, „Finanzierungsservice“ – oft klein wirkend, aber direkt echte Mehrkosten. 390 € Gebühr sind 390 € – unabhängig vom Zins.
- Vorzeitige Ablösung und Sondertilgung: Manche Händlerverträge sind unflexibler. Wenn du nach 18 Monaten umschulden willst, weil sich deine Bonität verbessert hat, kann das teuer oder kompliziert werden.
- Preispsychologie statt Kostenlogik: „Nur 30 € mehr im Monat“ klingt harmlos. Über 60 Monate sind das 1.800 € – ohne Zins gerechnet. Genau hier gewinnt der Verkäufer, wenn du nicht in Gesamtsummen denkst.
Schritt-für-Schritt: So triffst du die richtige Entscheidung in 20 Minuten
Schritt 1: Mach den Barzahlerpreis zur Pflichtzahl
Du verlangst vom Händler ein Angebot ohne Finanzierung, als reinen Kaufpreis, und ein Angebot mit Händlerfinanzierung. Du brauchst beide, sonst vergleichst du nichts. Die Frage ist nicht „Was kostet die Finanzierung?“, sondern „Was kostet das Auto in beiden Szenarien und was kostet das Geld dazu?“.
Schritt 2: Schreib dir die echte Finanzierungssumme auf
Du notierst: Kaufpreis, Anzahlung, Inzahlungnahme-Wert (realistisch, nicht Wunschwert), Kreditbetrag, Laufzeit, Rate, Schlussrate, Gebühren, und ob Extras im Kredit stecken. Wenn du eine Schlussrate hast, ist das kein Detail, das ist der zentrale Punkt. Du rechnest jede Zahlung mit.
Schritt 3: Rechne zwei Gesamtkosten und eine Differenz
Du rechnest: Gesamtsumme Händler = alle Raten + Schlussrate + Gebühren + mitfinanzierte Extras.
Gesamtsumme Bank = Kaufpreis (Barzahlerpreis) + Zinskosten des Autokredits (oder direkt: alle Raten) + Gebühren des Kredits (falls vorhanden).
Dann bildest du die Differenz. Erst diese Zahl entscheidet.
Schritt 4: Prüfe die Exit-Option nach 12–24 Monaten
Die beste Strategie ist oft: Heute günstig starten, später günstiger werden. Wenn du voraussichtlich Sonderzahlungen bekommst (Bonus, Steuererstattung, Verkauf eines Zweitwagens), willst du die Option haben, nach 12–24 Monaten umzuschulden oder sonderzutilgen. Wenn der Händlervertrag dich blockiert oder teuer macht, ist der scheinbar günstige Einstieg ein teurer Käfig.
Hier kommt dein Hebel: Wenn du nach 18 Monaten von 5,49 % auf 4,19 % umschuldest, kann das bei 18.000 € Restschuld schnell 400–700 € sparen – je nach Restlaufzeit. Das ist kein „nice to have“, das ist echtes Geld.
Schritt 5: Setz die Rate so, dass sie dich nicht zwingt
Viele nehmen lange Laufzeiten, um die Rate zu drücken – und zahlen dadurch mehr Zinsen. Du drehst das um: Du definierst eine Rate, die sicher passt, aber du verkürzt die Laufzeit so weit wie möglich. Ein Unterschied von 72 auf 60 Monate wirkt klein, spart aber oft vierstellige Beträge.
Kurzes Zahlenbild: 20.000 € bei 6,49 %
72 Monate: Zinskosten grob deutlich über 4.000 €
60 Monate: Zinskosten spürbar niedriger, oft 800–1.400 € weniger
Die exakte Zahl hängt vom Tilgungsplan ab, aber der Effekt ist immer gleich: kürzere Laufzeit = weniger Zinsfläche.
Wann Autokredit fast immer gewinnt
Autokredit ist deine Standardwaffe, wenn du Preishoheit willst und keine Paketlogik brauchst. Du kaufst wie bar, verhandelst hart und trennst Kaufentscheidung von Finanzierungsentscheidung. Das ist psychologisch und finanziell stark: Der Händler kann dich nicht über die Rate steuern, weil die Finanzierung extern ist.
Autokredit gewinnt besonders, wenn du einen hohen Rabatt als Barzahler bekommst, wenn du flexibel sein willst (Sondertilgung, Umschuldung), und wenn du Extras konsequent außerhalb des Kredits hältst. Außerdem ist ein Bankkredit oft transparenter: klare Konditionen, klare Gesamtkosten, weniger Mischpakete.
Wann Händlerfinanzierung wirklich günstiger ist
Händlerfinanzierung ist nicht automatisch schlecht. Sie ist dann stark, wenn der Zins subventioniert ist und der Kaufpreis nicht künstlich hochgezogen wird. Sie ist auch dann sinnvoll, wenn du bewusst eine Schlussrate willst, weil du planst, das Auto nach 2–3 Jahren zu wechseln und der Vertrag das sauber abbildet – ohne Restwert-Überraschung.
Das entscheidende Kriterium ist: Du darfst am Ende nicht in die Umschuldungsfalle laufen. Wenn eine Schlussrate von 12.000 € im Raum steht, musst du heute schon wissen, wie du sie bezahlst: Rücklagen, Verkauf, oder Anschlussfinanzierung zu vorher kalkulierten Konditionen. Wenn du das nicht sicher abbildest, ist die niedrige Rate nur eine Verschiebung deiner Belastung nach hinten – oft in einen ungünstigen Moment.
Typische Fehler aus dem Alltag – und wie du sie sofort eliminierst
Der häufigste Fehler ist das „Raten-Argument“. Du hörst 199 € und blendest 12.000 € Schlussrate aus. Der zweite Fehler ist das „Alles rein“-Paket: Zubehör, Garantie, Service, Versicherung – alles wird mitfinanziert, weil es „nur 18 € mehr im Monat“ sind. Das ist der direkte Weg zu unnötigen Zinskosten.
Der dritte Fehler ist die falsche Laufzeitlogik. Menschen wählen 84 Monate, weil die Rate bequem ist, und zahlen dafür über Jahre Zinsen, obwohl sie in Wahrheit nach 24 Monaten ohnehin wechseln. Dann zahlen sie Zinsen für eine Zeit, die sie gar nicht nutzen.
Der vierte Fehler ist fehlender Zinshebel. Du unterschreibst heute und prüfst nie wieder, ob ein Umschuldungs-Check dich günstiger stellt. Genau da liegt oft das leichteste Sparpotenzial, weil dein Risiko sinkt, je mehr du bereits zuverlässig gezahlt hast.
Entscheidungsmatrix: So wählst du die günstigere Option ohne Diskussion
Du brauchst nur drei Entscheidungen, und jede ist messbar.
Erstens: Wer gibt dir den besseren Endpreis fürs Auto – inklusive realistischer Inzahlungnahme? Wenn Händlerfinanzierung den Preis sichtbar verschlechtert, muss der Zinsvorteil das komplett ausgleichen und zusätzlich Flexibilität liefern.
Zweitens: Wer gibt dir die besseren Gesamtkosten des Geldes – inklusive Gebühren, Extras und Schlussrate-Logik? Wenn du eine Schlussrate hast, ist das ein separates Risiko, das du bepreist.
Drittens: Welche Option lässt dir den besseren Exit nach 12–24 Monaten? Wenn du später umschulden willst, ist Flexibilität bares Geld.
Wenn du diese drei Punkte sauber rechnest, gibt es kein „Gefühl“ mehr. Es gibt nur eine Zahl, die gewinnt.
So nutzt du NurGeld.de nach diesem Guide: rechnen, vergleichen, optimieren
Jetzt kommt der praktische Teil: Du gehst nicht zurück ins Autohaus, um zu diskutieren – du gehst zurück mit Zahlen. Nutze zuerst den Kreditrechner, um Rate, Laufzeit und Gesamtkosten in Sekunden zu prüfen, bevor du irgendeine Unterschrift setzt. Danach nutzt du den Kreditvergleich, um dir echte Konditionen zu sichern, statt den erstbesten Händlerzins zu akzeptieren. Und wenn du bereits unterschrieben hast oder eine Schlussrate droht, nutzt du den Umschuldungs-Check, um teure Restlaufzeiten zu brechen und deine Rate neu zu optimieren.
Du willst am Ende nicht „finanziert“ haben. Du willst günstig finanziert haben – mit Kontrolle über Preis, Zins und Exit.