Anleihen für Anfänger – wie funktionieren sie?

Anleihen sind im Kern Kredite, die Anleger Staaten, Unternehmen oder anderen Emittenten geben. Dafür erhalten sie in vielen Fällen regelmäßige Zinsen und am Ende der Laufzeit den vereinbarten Rückzahlungsbetrag. Entscheidend ist jedoch: Eine Anleihe ist nicht automatisch sicher, und ihre tatsächliche Rendite hängt nicht nur vom angegebenen Zinssatz ab.

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Anleihen wirken auf den ersten Blick einfacher als Aktien. Ein Emittent leiht sich Geld, verspricht Zinsen und zahlt das Kapital später zurück. Genau dieses Grundprinzip stimmt – erklärt aber noch nicht, warum der Kurs einer Anleihe steigen oder fallen kann, weshalb zwei Anleihen mit demselben Zinssatz unterschiedliche Renditen bieten oder warum ein Verkauf vor dem Laufzeitende zu einem Verlust führen kann.

Für Einsteiger ist deshalb vor allem eine Unterscheidung wichtig: Kupon, Kurs und Rendite sind drei verschiedene Dinge. Wer diesen Zusammenhang verstanden hat, kann viele Anleiheangebote bereits wesentlich besser beurteilen. Hinzu kommen Bonität des Emittenten, Restlaufzeit, Währung und mögliche besondere Bedingungen.

Anleihen können in einem Depot unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Manche Anleger nutzen sie als vergleichsweise defensiven Bestandteil ihres Vermögens, andere wollen damit planbare Erträge erzielen oder Geld für einen bestimmten zukünftigen Zeitpunkt anlegen. Ob das sinnvoll funktioniert, hängt allerdings stark davon ab, welche Anleihe gewählt wird und ob das Geld tatsächlich bis zur Fälligkeit investiert bleiben kann.

Eine Anleihe ist ein handelbarer Kredit

Kauft ein Anleger eine Aktie, erwirbt er vereinfacht gesprochen einen Anteil an einem Unternehmen. Bei einer klassischen Anleihe ist das Verhältnis ein anderes: Der Anleger wird zum Gläubiger. Er stellt dem Emittenten Kapital zur Verfügung und erhält dafür einen Anspruch auf die vertraglich vereinbarten Zahlungen.

Emittenten können beispielsweise Staaten, Bundesländer, Banken oder Unternehmen sein. Statt sich ausschließlich über klassische Bankkredite zu finanzieren, können sie Anleihen ausgeben und sich auf diese Weise Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Eine einzelne Anleiheemission kann dabei ein sehr großes Volumen umfassen, das auf viele Anleger verteilt wird.

Für den Käufer sind vor allem vier Angaben entscheidend: der Nennwert, der Kupon beziehungsweise Zinssatz, die Laufzeit und der Rückzahlungsbetrag. Bei vielen klassischen Anleihen wird das Kapital am Laufzeitende zu 100 Prozent des Nennwerts zurückgezahlt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Emittent seinen Verpflichtungen nachkommen kann und die Bedingungen der konkreten Anleihe keine abweichenden Regelungen vorsehen.

Ein wichtiger Unterschied zu einem normalen Privatkredit besteht darin, dass viele Anleihen während ihrer Laufzeit gehandelt werden können. Du musst deshalb nicht zwingend warten, bis die Anleihe zurückgezahlt wird. Verkaufst du vorher, entscheidet jedoch der aktuelle Marktpreis darüber, wie viel Geld du erhältst.

Nennwert, Kupon und Laufzeit: die drei Grundbausteine

Der Nennwert ist der Betrag, auf den sich die vertraglichen Zahlungen der Anleihe beziehen. Angenommen, eine Anleihe hat einen Nennwert von 1.000 Euro. Dieser Betrag dient bei einer klassischen Festzinsanleihe unter anderem als Grundlage für die Berechnung der Zinszahlung.

Der Kupon beschreibt die vereinbarte Verzinsung. Beträgt der Kupon 3 Prozent, werden bei einem Nennwert von 1.000 Euro grundsätzlich 30 Euro Zinsen pro Jahr gezahlt, sofern die Bedingungen eine jährliche Zinszahlung vorsehen. Ein Kupon von 3 Prozent bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Käufer tatsächlich genau 3 Prozent Rendite erzielt.

Die Laufzeit bestimmt, wann die Anleihe fällig wird. Eine heute ausgegebene zehnjährige Anleihe wird beispielsweise erst nach zehn Jahren zurückgezahlt. Kaufst du dieselbe Anleihe einige Jahre später an der Börse, ist für dich nicht mehr die ursprüngliche Gesamtlaufzeit entscheidend, sondern ihre verbleibende Restlaufzeit.

Genau an dieser Stelle beginnt der Teil, der Anleihen für Anfänger häufig verwirrend macht. Während Nennwert und Kupon vertraglich festgelegt sind, kann sich der Marktpreis einer börsengehandelten Anleihe täglich verändern.

Warum Anleihen Kurse haben

Anleihen werden häufig in Prozent des Nennwerts notiert. Ein Kurs von 100 bedeutet vereinfacht, dass du 100 Prozent des Nennwerts bezahlst. Bei einem Nennwert von 1.000 Euro wären das 1.000 Euro. Ein Kurs von 95 entspräche ungefähr 950 Euro, ein Kurs von 105 ungefähr 1.050 Euro.

Damit wird verständlich, weshalb der Kupon allein wenig über die Attraktivität einer Anleihe aussagt. Angenommen, eine Anleihe zahlt jährlich 30 Euro Zinsen und wird am Ende mit 1.000 Euro zurückgezahlt. Kaufst du sie für 1.000 Euro, sieht deine Rechnung anders aus, als wenn du lediglich 950 Euro oder sogar 1.050 Euro dafür bezahlen musst.

Für Anleger zählt deshalb nicht nur die Höhe der Zinszahlungen. Ebenso wichtig ist die Differenz zwischen Kaufpreis und späterer Rückzahlung. Wer eine Anleihe unter ihrem Nennwert kauft und bis zur Fälligkeit hält, kann zusätzlich zu den laufenden Zinsen einen Kursgewinn erzielen. Wer über dem Rückzahlungswert kauft, muss dagegen berücksichtigen, dass bei Fälligkeit ein entsprechender Kursverlust entsteht.

Kupon und Rendite sind nicht dasselbe

Ein Beispiel zeigt den Unterschied besonders deutlich. Eine Anleihe besitzt einen Nennwert von 1.000 Euro, einen festen Kupon von 3 Prozent und noch fünf Jahre Restlaufzeit. Pro Jahr werden damit 30 Euro Zinsen gezahlt. Am Ende sollen 1.000 Euro zurückgezahlt werden.

Wird diese Anleihe für 950 Euro gekauft, erhält der Anleger weiterhin 30 Euro jährlich. Allein bezogen auf den Kaufpreis entsprechen diese 30 Euro bereits rund 3,16 Prozent. Zusätzlich entsteht bei planmäßiger Rückzahlung ein Unterschied von 50 Euro zwischen Kaufpreis und Rückzahlungsbetrag.

Unter vereinfachten Bedingungen ergibt sich daraus bis zur Fälligkeit eine rechnerische jährliche Rendite von ungefähr 4,1 Prozent. Der Kupon beträgt trotzdem weiterhin nur 3 Prozent.

Beispiel Wert
Nennwert 1.000 €
Kaufpreis 950 €
Kupon 3 %
Jährliche Zinszahlung 30 €
Restlaufzeit 5 Jahre
Rückzahlung bei Fälligkeit 1.000 €
Ungefähre Rendite bis Fälligkeit ca. 4,1 % p. a.

Die Rendite bis zur Fälligkeit ist deshalb häufig die interessantere Kennzahl als der Kupon. Sie berücksichtigt neben den Zinszahlungen auch den aktuellen Kaufpreis, den Rückzahlungswert und die verbleibende Laufzeit. Gebühren, Steuern, eventuelle Zahlungsausfälle und weitere Besonderheiten können das tatsächliche Ergebnis allerdings verändern.

Gerade bei älteren Anleihen ist dieser Unterschied wichtig. Eine Anleihe mit einem Kupon von nur 1 Prozent kann bei einem entsprechend niedrigen Kurs durchaus eine höhere Rendite bieten. Umgekehrt kann eine Anleihe mit einem optisch attraktiven Kupon von 6 Prozent teuer gehandelt werden, sodass die tatsächliche Rendite wesentlich geringer ausfällt.

Warum Anleihekurse fallen, wenn die Marktzinsen steigen

Der Zusammenhang zwischen Marktzinsen und Anleihekursen gehört zu den wichtigsten Grundlagen des gesamten Anleihemarktes. Vereinfacht gilt bei klassischen festverzinslichen Anleihen:

Steigen die Marktzinsen, geraten die Kurse bestehender Anleihen tendenziell unter Druck. Fallen die Marktzinsen, können bestehende Anleihen im Kurs steigen.

Der Grund ist wirtschaftlich logisch. Angenommen, du besitzt eine Anleihe mit einem Kupon von 3 Prozent. Kurz danach werden neue vergleichbare Anleihen mit 5 Prozent Verzinsung angeboten. Kaum jemand würde für deine alte 3-Prozent-Anleihe denselben Preis bezahlen wie für ein neues Papier mit 5 Prozent. Damit die alte Anleihe für Käufer wieder konkurrenzfähig wird, muss ihr Kurs sinken.

Bei fallenden Marktzinsen passiert das Gegenteil. Wenn neue vergleichbare Anleihen plötzlich nur noch 2 Prozent bieten, gewinnt eine bestehende Anleihe mit einem Kupon von 3 Prozent an Attraktivität. Ihr Marktpreis kann entsprechend steigen.

Nehmen wir erneut eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert, 3 Prozent Kupon und fünf Jahren Restlaufzeit. Bei einer marktüblichen Rendite von rund 3 Prozent läge ihr rechnerischer Wert ungefähr bei 1.000 Euro. Steigt die geforderte Rendite auf 5 Prozent, fällt der rechnerische Wert unter sonst gleichen Bedingungen auf etwa 913 Euro. Sinkt die Marktrendite dagegen auf 2 Prozent, steigt der Wert auf ungefähr 1.047 Euro.

Diese Kursbewegungen sind besonders wichtig, wenn du eine Anleihe vor ihrer Fälligkeit verkaufen möchtest. Hältst du eine klassische Anleihe bis zur vereinbarten Rückzahlung und zahlt der Emittent tatsächlich vollständig, verlieren zwischenzeitliche Kursschwankungen für die Rückzahlung selbst an Bedeutung. Sie bleiben dennoch relevant, weil sich deine finanzielle Situation ändern kann und ein vorzeitiger Verkauf notwendig werden könnte.

Lange Laufzeiten reagieren stärker auf Zinsänderungen

Nicht jede Anleihe reagiert gleich stark auf Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus. Je länger Anleger auf die zukünftigen Zahlungen warten müssen, desto empfindlicher kann der Kurs auf neue Marktzinsen reagieren.

Eine Anleihe mit nur wenigen Monaten Restlaufzeit nähert sich bereits ihrem Rückzahlungstermin. Der Spielraum für große zinspolitisch bedingte Kursabweichungen ist deshalb typischerweise geringer als bei einer Anleihe, deren Rückzahlung noch 15 oder 20 Jahre entfernt ist.

Bei langfristigen Anleihen kann das anders aussehen. Verändert sich das Marktzinsniveau deutlich, müssen zahlreiche zukünftige Zinszahlungen und die weit entfernte Rückzahlung neu bewertet werden. Die Kursschwankungen können dadurch erheblich größer ausfallen.

Für Anleger bedeutet das: Anleihen mit langer Laufzeit sind nicht automatisch besonders sicher, nur weil die Rückzahlung vertraglich vorgesehen ist. Das Zinsänderungsrisiko kann gerade dort beträchtlich sein.

Im professionellen Anleihebereich wird die Zinsempfindlichkeit häufig über Kennzahlen wie die Duration beschrieben. Für den Einstieg reicht zunächst die Grundregel: Je länger die Kapitalbindung und je niedriger der Kupon, desto stärker kann eine klassische Anleihe auf Veränderungen der Marktrenditen reagieren.

Die Bonität entscheidet darüber, wie sicher die Rückzahlung ist

Neben dem Zinsänderungsrisiko steht bei Anleihen das Kredit- beziehungsweise Ausfallrisiko im Mittelpunkt. Schließlich ist eine Anleihe letztlich eine Forderung gegenüber dem Emittenten. Gerät dieser in finanzielle Schwierigkeiten, können Zinszahlungen ausfallen, Rückzahlungen verzögert werden oder Anleger einen Teil ihres Kapitals verlieren.

Deshalb zahlen finanziell schwächere Emittenten häufig höhere Renditen als besonders kreditwürdige Schuldner. Der zusätzliche Zins ist keine kostenlose Zusatzrendite, sondern eine Entschädigung für ein höher eingeschätztes Risiko.

Dieser Zusammenhang führt zu einer wichtigen Anlegerregel: Eine ungewöhnlich hohe Anleiherendite sollte nicht zuerst Begeisterung, sondern eine Risikoprüfung auslösen.

Wenn beispielsweise eine sehr solide Staatsanleihe vergleichbarer Laufzeit deutlich weniger Rendite bietet als eine Unternehmensanleihe, hat der Markt dafür normalerweise einen Grund. Das Unternehmen kann stärker verschuldet sein, seine Gewinne können schwanken oder Anleger können generell Zweifel an seiner zukünftigen Zahlungsfähigkeit haben.

Ratingagenturen versuchen, die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen anhand standardisierter Bonitätsnoten einzuordnen. Ratings können eine Orientierung geben, ersetzen jedoch keine eigene Prüfung und sind keine Garantie dafür, dass ein Emittent seine Verpflichtungen erfüllt.

Staatsanleihe ist nicht gleich sichere Anleihe

Staatsanleihen werden häufig pauschal als sichere Anlage bezeichnet. Diese Aussage greift zu kurz. Staaten unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Verschuldung, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, politischer Stabilität, Währung und Zahlungsfähigkeit.

Eine Anleihe eines finanzstarken Staates in der eigenen Heimatwährung kann ein völlig anderes Risikoprofil besitzen als die Anleihe eines wirtschaftlich schwächeren Landes. Höhere angebotene Renditen können entsprechend mit einem deutlich höheren Ausfall- oder Währungsrisiko verbunden sein.

Auch deutsche Bundeswertpapiere können während ihrer Laufzeit im Kurs schwanken. Das gilt insbesondere bei längeren Laufzeiten. Sicherheit hinsichtlich der Kreditwürdigkeit bedeutet daher nicht automatisch Kursstabilität zu jedem beliebigen Verkaufszeitpunkt.

Wer Staatsanleihen kauft, sollte deshalb genauso wie bei Unternehmensanleihen mindestens Emittent, Laufzeit, Rendite und Währung betrachten.

Unternehmensanleihen verlangen einen genaueren Blick auf den Emittenten

Unternehmen nutzen Anleihen unter anderem, um Investitionen, Übernahmen oder bestehende Finanzierungen zu refinanzieren. Für Anleger können Unternehmensanleihen höhere Renditen bieten als besonders sichere Staatsanleihen. Gleichzeitig steigt typischerweise das Bonitätsrisiko.

Entscheidend ist dabei nicht allein, wie bekannt ein Unternehmen ist. Eine starke Marke bedeutet nicht automatisch eine starke Bilanz. Wichtig sind unter anderem Verschuldung, Zinsbelastung, Cashflow, Geschäftsmodell und die wirtschaftliche Entwicklung der Branche.

Zusätzlich muss die konkrete Anleihe betrachtet werden. Ein Unternehmen kann mehrere Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Bedingungen ausgegeben haben. Je nach Rang der Forderung können Anleger bei finanziellen Schwierigkeiten unterschiedlich behandelt werden.

Für Anfänger können besonders komplexe oder nachrangige Schuldverschreibungen problematisch sein. Dort reicht das allgemeine Prinzip „Unternehmen zahlt Zinsen und später den Nennwert zurück“ nicht aus, um das tatsächliche Risiko angemessen zu beurteilen.

Die wichtigsten Risiken von Anleihen

Der Begriff „festverzinsliches Wertpapier“ kann einen falschen Eindruck vermitteln. Fest ist bei einer klassischen Anleihe häufig der vereinbarte Kupon – nicht ihr Marktwert und schon gar nicht das gesamte Anlageergebnis.

Das Bonitätsrisiko betrifft die Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Kann er seine Verpflichtungen nicht erfüllen, drohen Verluste. Das Zinsänderungsrisiko entsteht dadurch, dass veränderte Marktzinsen den Kurs bestehender Anleihen beeinflussen. Hinzu kommt das Liquiditätsrisiko: Bei wenig gehandelten Anleihen kann es schwierig oder teuer werden, kurzfristig einen Käufer zu finden.

Bei Fremdwährungsanleihen kommt das Währungsrisiko hinzu. Eine Anleihe kann in ihrer eigenen Währung eine positive Rendite erzielen und für einen Anleger in Euro trotzdem Verlust bringen, wenn sich der Wechselkurs ungünstig entwickelt.

Auch Inflation spielt eine Rolle. Erhältst du fünf Jahre lang einen festen Zins, während die Verbraucherpreise deutlich steigen, kann die reale Kaufkraft deiner Zahlungen sinken. Eine nominal positive Rendite muss deshalb nicht automatisch einen realen Vermögenszuwachs bedeuten.

Bei bestimmten Anleihen existieren weitere Risiken, beispielsweise vorzeitige Kündigungsrechte des Emittenten, variable Verzinsungen, Nachrangigkeit oder besondere Rückzahlungsbedingungen. Je komplizierter das Produkt aufgebaut ist, desto weniger sollte allein der auf den ersten Blick hohe Zinssatz die Kaufentscheidung bestimmen.

Was passiert, wenn du eine Anleihe bis zum Ende hältst?

Bei einer klassischen Festzinsanleihe ist die Logik vergleichsweise übersichtlich. Solange der Emittent seine Verpflichtungen erfüllt, erhältst du die vereinbarten Zinszahlungen und am Fälligkeitstag den vorgesehenen Rückzahlungsbetrag.

Zwischenzeitliche Kursbewegungen verschwinden dadurch allerdings nicht. Sie betreffen den Wert deiner Anlage im Depot. Wenn du nicht verkaufen musst, kannst du sie möglicherweise aussitzen. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Anleihe tatsächlich zu deinen finanziellen Plänen passt und du das investierte Kapital bis zur Fälligkeit entbehren kannst.

Genau deshalb kann eine Laufzeitenplanung sinnvoll sein. Weißt du beispielsweise, dass du 10.000 Euro in drei Jahren für eine größere Ausgabe benötigen wirst, ist eine Anleihe mit zwölf Jahren Restlaufzeit möglicherweise nicht das passende Instrument, selbst wenn ihre Rendite attraktiv erscheint.

Laufzeit und persönlicher Anlagehorizont sollten deshalb möglichst zueinander passen.

Kann man mit Anleihen auch Verluste machen?

Ja. Verluste sind auf mehreren Wegen möglich.

Der häufigste Denkfehler besteht darin, nur auf die versprochene Rückzahlung zu schauen. Verkaufst du eine Anleihe vorzeitig, zählt der aktuelle Marktpreis. Hast du bei 100 gekauft und kannst später nur zu 92 verkaufen, entsteht zunächst ein Kursverlust von 8 Prozentpunkten. Erhaltene Zinsen können diesen Verlust teilweise ausgleichen, müssen es aber nicht.

Noch gravierender können Probleme beim Emittenten sein. Wird ein Unternehmen zahlungsunfähig, ist keineswegs garantiert, dass Anleger ihren vollständigen Nennwert zurückerhalten. Je nach rechtlicher Position der Anleihe kann die tatsächliche Rückzahlung erheblich niedriger ausfallen.

Auch ein Kauf deutlich über dem Nennwert kann zu einem kalkulierbaren Verlust bei der Rückzahlung führen. Zahlst du beispielsweise 1.080 Euro für eine Anleihe, die bei Fälligkeit lediglich 1.000 Euro zurückzahlt, müssen die laufenden Zinserträge zunächst diese Differenz ausgleichen.

Die Frage sollte deshalb nie nur lauten: „Wie hoch ist der Zins?“ Entscheidend ist: Welche Rendite erhalte ich für welches Risiko?

Stückzinsen: Warum der Kaufpreis höher sein kann als erwartet

Bei vielen klassischen Anleihen werden Zinsen nur zu bestimmten Terminen ausgezahlt, beispielsweise einmal jährlich. Verkaufst du eine solche Anleihe zwischen zwei Zinsterminen, hat sich seit der letzten Zinszahlung bereits ein anteiliger Zinsanspruch aufgebaut.

Dieser Anteil wird als Stückzins bezeichnet. Der Käufer zahlt ihn normalerweise zusätzlich zum sogenannten Kurswert an den Verkäufer. Beim nächsten Zinstermin erhält der neue Besitzer anschließend die vollständige vereinbarte Zinszahlung.

Für Anfänger kann deshalb irritierend sein, dass der tatsächlich vom Depotkonto abgebuchte Betrag über dem einfachen Börsenkurs liegt. Neben Stückzinsen können außerdem Ordergebühren und gegebenenfalls weitere Handelskosten hinzukommen.

Für einen realistischen Vergleich verschiedener Anleihen solltest du deshalb stets auf den vollständigen Kaufbetrag und die tatsächliche Rendite schauen.

Wie kauft man Anleihen?

Für börsengehandelte Anleihen benötigst du in der Regel ein Wertpapierdepot. Die Suche erfolgt häufig über die Wertpapierkennnummer beziehungsweise ISIN oder über entsprechende Anleihe-Suchfunktionen des Brokers.

Vor dem Kauf solltest du nicht einfach nach dem höchsten Zinssatz sortieren. Wesentlich wichtiger ist eine systematische Prüfung des gesamten Produkts.

Checkliste: Sieben Punkte vor dem Kauf einer Anleihe

  1. Emittenten prüfen: Wer schuldet dir das Geld und wie solide ist dessen finanzielle Situation?
  2. Rendite statt nur Kupon betrachten: Entscheidend ist, welche Rendite sich aus aktuellem Kurs, Zahlungen und Rückzahlungsbetrag ergibt.
  3. Restlaufzeit prüfen: Passt der Rückzahlungstermin zu deiner eigenen Finanzplanung?
  4. Währung beachten: Fremdwährungsanleihen bringen zusätzliche Wechselkursrisiken.
  5. Rückzahlungsbedingungen lesen: Prüfe Kündigungsrechte, Nachrangigkeit und andere Sonderregeln.
  6. Handelskosten berücksichtigen: Gebühren und Geld-Brief-Spannen können vor allem bei kleineren Anlagebeträgen ins Gewicht fallen.
  7. Diversifikation beachten: Das gesamte Anleihevermögen bei nur einem Unternehmen anzulegen erzeugt ein vermeidbares Klumpenrisiko.

Gerade beim ersten Kauf lohnt es sich, Produkte zu bevorzugen, deren Funktionsweise nachvollziehbar ist. Ein kompliziert konstruiertes Wertpapier wird nicht automatisch besser, nur weil der angebotene Zinssatz höher aussieht.

Einzelanleihen oder Anleihen-ETF?

Anleger müssen Anleihen nicht zwingend einzeln kaufen. Alternativ gibt es Fonds und ETFs, die zahlreiche Anleihen bündeln. Dadurch lässt sich das Ausfallrisiko einzelner Emittenten breiter verteilen.

Allerdings funktioniert ein Anleihen-ETF anders als eine einzelne Anleihe mit festem Rückzahlungstermin. Bei einer klassischen Einzelanleihe weißt du grundsätzlich, wann sie fällig wird und welchen Nennwert der Emittent gemäß den Bedingungen zurückzahlen soll. Ein gewöhnlicher Anleihen-ETF besitzt dagegen normalerweise kein gemeinsames Enddatum für alle enthaltenen Papiere. Auslaufende Anleihen werden regelmäßig ersetzt.

Deshalb kann ein Anleihen-ETF auch dauerhaft Kursschwankungen zeigen. Die Vorstellung, man müsse lediglich lange genug warten und bekomme irgendwann automatisch einen festgelegten Nennwert zurück, lässt sich auf einen normalen Anleihen-ETF nicht übertragen.

Dafür bieten breit gestreute Fonds einen erheblichen Vorteil: Mit einem einzigen Produkt kann in zahlreiche Anleihen unterschiedlicher Emittenten investiert werden. Bei Einzelanleihen benötigt man für eine vergleichbare Diversifikation wesentlich mehr Kapital und Aufwand.

Welche Variante besser passt, hängt daher von deinem Ziel ab. Möchtest du eine konkrete Zahlung zu einem bestimmten Zeitpunkt planen, können einzelne passende Anleihen interessant sein. Geht es eher um einen dauerhaft diversifizierten Anleiheanteil innerhalb eines Portfolios, können Anleihenfonds oder ETFs praktischer sein.

Wann können Anleihen für Anfänger sinnvoll sein?

Anleihen können interessant sein, wenn du einen Teil deines Vermögens nicht ausschließlich den Schwankungen des Aktienmarktes aussetzen möchtest. Sie können außerdem eine Rolle spielen, wenn bestimmte zukünftige Ausgaben planbarer vorbereitet werden sollen.

Dabei darf „defensiver“ nicht mit „risikolos“ verwechselt werden. Eine kurzlaufende, qualitativ hochwertige Anleihe besitzt ein völlig anderes Risikoprofil als eine 20-jährige Unternehmensanleihe mit schwacher Bonität oder eine Anleihe in einer stark schwankenden Fremdwährung.

Die Frage „Sind Anleihen sicher?“ ist deshalb zu allgemein. Sinnvoller ist die Frage: Wie hoch sind bei dieser konkreten Anleihe Ausfall-, Zins-, Währungs- und Liquiditätsrisiko und passt dieses Gesamtpaket zu meinem Ziel?

Gerade Anfänger profitieren davon, zuerst die einfacheren Varianten zu verstehen. Wer Nennwert, Kupon, Rendite, Kurs, Restlaufzeit und Emittentenrisiko sicher auseinanderhalten kann, besitzt bereits das wichtigste Grundgerüst für weitere Entscheidungen.

Wie viel Geld sollte man in Anleihen investieren?

Eine allgemeingültige Quote gibt es nicht. Ein Anleger mit einem Anlagehorizont von 30 Jahren und hoher Risikotoleranz kann sein Vermögen anders strukturieren als jemand, der in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen möchte oder größere Ausgaben vorbereitet.

Entscheidend ist die Aufgabe, die Anleihen innerhalb des Gesamtvermögens erfüllen sollen. Sollen sie Schwankungen reduzieren, zukünftige Zahlungen vorbereiten oder vor allem laufende Zinserträge erzeugen? Erst wenn dieses Ziel feststeht, lässt sich eine vernünftige Gewichtung bestimmen.

Ebenso wichtig ist die Liquiditätsreserve. Geld, das jederzeit für unerwartete Ausgaben verfügbar sein muss, sollte nicht allein deshalb in länger laufende Anleihen investiert werden, weil deren Rendite höher erscheint. Ein Notgroschen erfüllt eine andere Aufgabe als ein langfristiges Wertpapierdepot.

Wie du eine ausreichende finanzielle Reserve aufbaust, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zum Notgroschen.

Anleihen und Inflation

Ein fester Zinssatz schafft nominale Planbarkeit, garantiert aber keine gleichbleibende Kaufkraft. Bei hoher Inflation verliert eine zukünftige Zahlung real an Wert.

Angenommen, deine Anleihe erzielt langfristig 3 Prozent Rendite pro Jahr und die Inflation liegt im gleichen Zeitraum ebenfalls bei durchschnittlich 3 Prozent. Vor Steuern und Kosten wäre die reale Rendite näherungsweise sehr gering. Bei einer Inflation von 5 Prozent läge die reale Entwicklung sogar im negativen Bereich.

Dieser Effekt ist besonders bei langen Laufzeiten wichtig. Je weiter Zahlungen in der Zukunft liegen, desto größer kann die Unsicherheit darüber sein, welche Kaufkraft das zurückgezahlte Geld später tatsächlich besitzt.

Eine hohe Nominalrendite sollte daher immer zusammen mit Inflation und Risiko betrachtet werden.

Wie werden Erträge aus Anleihen steuerlich behandelt?

Zinsen und bestimmte Gewinne aus Anleihen gehören bei privaten Anlegern grundsätzlich zu den Kapitalerträgen. Wie hoch die tatsächliche Steuerbelastung ausfällt, hängt unter anderem von der persönlichen steuerlichen Situation, bereits ausgeschöpften Freibeträgen und der konkreten Art des Wertpapiers ab.

Bei einem deutschen Depot übernimmt die Bank viele steuerliche Vorgänge normalerweise automatisch. Bei ausländischen Depots oder besonderen Wertpapieren können zusätzliche Besonderheiten entstehen.

Steuern sind deshalb bei Renditevergleichen relevant, sollten aber nicht isoliert über die Anlageentscheidung bestimmen. Eine riskantere Anleihe wird nicht dadurch attraktiver, dass ihre höhere Verzinsung nach Steuern immer noch über der einer sicheren Alternative liegt.

Typische Fehler beim Einstieg in Anleihen

Der häufigste Fehler ist die Gleichsetzung von Kupon und Rendite. Eine Anleihe mit 6 Prozent Kupon kann weniger attraktiv sein als ein anderes Papier mit 4 Prozent Kupon, wenn Kaufpreis, Laufzeit und Rückzahlungswert unterschiedlich sind.

Ebenso problematisch ist die Annahme, Anleihen könnten grundsätzlich nicht fallen. Wer während einer Phase steigender Marktzinsen eine langfristige Anleihe verkaufen muss, kann erhebliche Kursverluste erleben. Das gilt selbst dann, wenn beim Emittenten keinerlei Zahlungsschwierigkeiten bestehen.

Ein weiterer Fehler ist die Jagd nach außergewöhnlich hohen Renditen. Höhere Zinsen entstehen am Anleihemarkt häufig nicht zufällig. Sie können ein Hinweis darauf sein, dass Anleger ein höheres Ausfall-, Währungs- oder Liquiditätsrisiko übernehmen müssen.

Auch mangelnde Diversifikation wird unterschätzt. Wer 20.000 Euro in die Anleihe eines einzigen Unternehmens steckt, hat sein Risiko keineswegs breit verteilt, nur weil es sich nicht um eine Aktie handelt.

Fazit: Bei Anleihen zählt die Rendite hinter dem Zinssatz

Anleihen sind grundsätzlich gut nachvollziehbar: Du stellst einem Emittenten Kapital zur Verfügung und erhältst dafür vereinbarte Zahlungen. Komplexer wird es erst durch den Handel am Kapitalmarkt. Der aktuelle Kurs entscheidet gemeinsam mit Kupon, Restlaufzeit und Rückzahlungsbetrag darüber, welche Rendite du tatsächlich erwarten kannst.

Für Anfänger ist deshalb eine Regel besonders wertvoll: Nie eine Anleihe allein wegen ihres Zinssatzes kaufen. Prüfe immer, wer dein Schuldner ist, zu welchem Kurs du kaufst, wann das Geld zurückgezahlt werden soll und welche Risiken du bis dahin übernimmst.

Wer eine einzelne Anleihe bis zur Fälligkeit halten kann und einen soliden Emittenten auswählt, kann zukünftige Zahlungen vergleichsweise gut planen. Wer dagegen jederzeit verkaufen können muss, sollte sich bewusst sein, dass der aktuelle Börsenkurs zwischenzeitlich deutlich vom Rückzahlungswert abweichen kann.

Anleihen sind damit weder automatisch sicher noch unnötig kompliziert. Wer Kupon, Rendite, Kurs und Bonität auseinanderhalten kann, besitzt bereits die wichtigsten Grundlagen, um Angebote sachlich zu vergleichen.

Häufige Fragen zu Anleihen für Anfänger

Anleihen werfen gerade beim Einstieg einige Fragen auf, weil viele Begriffe ähnlich klingen und dennoch unterschiedliche Dinge beschreiben. Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Punkte noch einmal kompakt zusammen.

Was ist eine Anleihe einfach erklärt?

Eine Anleihe ist vereinfacht ein Kredit, den Anleger einem Staat, Unternehmen oder anderen Emittenten geben. Dafür erhalten sie je nach Anleihe Zinsen und am Ende der Laufzeit eine vereinbarte Rückzahlung. Während der Laufzeit können viele Anleihen an der Börse gehandelt werden.

Was bedeutet ein Kupon von 4 Prozent?

Bei einer klassischen Festzinsanleihe beschreibt der Kupon die jährliche Verzinsung bezogen auf den Nennwert. Bei 1.000 Euro Nennwert und 4 Prozent Kupon wären das normalerweise 40 Euro Zinsen pro Jahr. Die tatsächliche Rendite kann dennoch höher oder niedriger sein, weil auch der Kaufpreis eine Rolle spielt.

Warum fallen Anleihen, wenn die Zinsen steigen?

Neue Anleihen können bei gestiegenen Marktzinsen attraktivere Konditionen bieten. Bestehende Anleihen mit niedrigeren Kupons müssen deshalb häufig im Kurs fallen, damit ihre Rendite wieder konkurrenzfähig wird. Bei fallenden Marktzinsen kann der gegenteilige Effekt auftreten.

Bekomme ich bei einer Anleihe immer mein Geld zurück?

Nein. Die Rückzahlung hängt davon ab, ob der Emittent seine Verpflichtungen erfüllen kann und welche Bedingungen für die konkrete Anleihe gelten. Gerät ein Unternehmen oder Staat in Zahlungsschwierigkeiten, können Anleger Verluste erleiden.

Sind Staatsanleihen sicherer als Unternehmensanleihen?

Das lässt sich nicht pauschal für jede Anleihe beantworten. Sehr kreditwürdige Staaten können ein geringes Ausfallrisiko besitzen, während andere Staaten deutlich riskanter sind. Auch Laufzeit und Währung beeinflussen das Gesamtrisiko.

Kann ich eine Anleihe jederzeit verkaufen?

Viele börsengehandelte Anleihen können vor ihrer Fälligkeit verkauft werden. Dabei erhältst du jedoch den aktuellen Marktpreis und nicht automatisch den Nennwert. Bei ungünstiger Kursentwicklung kann deshalb ein Verlust entstehen.

Was ist wichtiger: Kupon oder Rendite?

Für die wirtschaftliche Beurteilung ist die Rendite meist aussagekräftiger. Der Kupon zeigt lediglich die vertragliche Zinszahlung bezogen auf den Nennwert. Die Rendite berücksichtigt zusätzlich den aktuellen Kaufpreis und die Rückzahlung am Laufzeitende.

Sind Anleihen für Anfänger geeignet?

Einfache Anleihen können für Anfänger verständlich und sinnvoll einsetzbar sein, wenn Funktionsweise und Risiken bekannt sind. Komplexe, nachrangige oder ungewöhnlich hoch verzinste Produkte verlangen dagegen wesentlich mehr Erfahrung. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung „Anleihe“, sondern die konkrete Ausgestaltung.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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