ETF für Anfänger – wie funktioniert ein ETF?

ETFs ermöglichen es, mit einem einzigen Wertpapier breit gestreut in Aktien oder andere Anlageklassen zu investieren. Wie das Prinzip funktioniert, welche Kosten und Risiken entstehen und worauf Einsteiger bei der Auswahl achten sollten.

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ETFs gehören inzwischen zu den bekanntesten Möglichkeiten, langfristig Geld an der Börse anzulegen. Das Grundprinzip ist erstaunlich einfach: Statt einzelne Aktien auszuwählen, investierst du mit einem ETF auf einen Schlag in viele verschiedene Unternehmen. Ein ETF kann beispielsweise die Wertentwicklung von mehreren hundert oder sogar mehreren tausend Aktien aus unterschiedlichen Ländern und Branchen abbilden.

Ganz ohne Risiken funktioniert das allerdings nicht. Ein Aktien-ETF bleibt eine Börsenanlage und kann zwischenzeitlich deutlich an Wert verlieren. Kursschwankungen von 20, 30 oder in außergewöhnlichen Marktphasen auch mehr Prozent sind grundsätzlich möglich. Wer ETFs nutzt, sollte deshalb nicht nur wissen, welche Renditechancen bestehen, sondern auch verstehen, was genau im Fonds steckt, welcher Index nachgebildet wird und warum ein ausreichend langer Anlagehorizont so wichtig ist.

Für Anfänger ist deshalb weniger entscheidend, möglichst schnell den vermeintlich besten ETF zu finden. Wichtiger ist zunächst zu verstehen, wie ein ETF aufgebaut ist, wodurch seine Wertentwicklung entsteht und welche Unterschiede zwischen verschiedenen Produkten tatsächlich eine Rolle spielen.

Die kurze Antwort: So funktioniert ein ETF

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund, auf Deutsch sinngemäß börsengehandelter Fonds. Viele ETFs verfolgen das Ziel, einen bestimmten Börsenindex möglichst genau nachzubilden. Ein ETF auf den MSCI World versucht beispielsweise, die Entwicklung dieses Aktienindex abzubilden. Steigt der Index, steigt grundsätzlich auch der Wert des ETF. Fällt der Index, verliert in der Regel ebenfalls der ETF an Wert.

Du kaufst dabei nicht direkt jede einzelne Aktie des Index. Stattdessen kaufst du Anteile an einem Investmentfonds. Dieser Fonds hält – abhängig von seiner Konstruktion – die entsprechenden Wertpapiere oder bildet deren Entwicklung über andere Finanzinstrumente nach.

Dadurch entsteht ein wesentlicher Vorteil: Bereits mit einem einzigen ETF kann dein Geld über viele Unternehmen verteilt sein. Du musst also nicht selbst zahlreiche Aktien kaufen und anschließend regelmäßig überprüfen, ob dein persönliches Portfolio noch der gewünschten Gewichtung entspricht.

Ein ETF übernimmt einen großen Teil dieser Arbeit automatisch.

Was bei einem ETF eigentlich in deinem Depot liegt

Wenn du für beispielsweise 100 Euro einen ETF-Anteil kaufst, besitzt du nicht unmittelbar einen Bruchteil jeder einzelnen Aktie des zugrunde liegenden Index. Du besitzt einen Anteil am Fondsvermögen des ETF.

Der Fonds selbst investiert das Geld seiner Anleger entsprechend seiner vorgegebenen Strategie. Bei einem klassischen Aktienindex-ETF orientiert sich diese Strategie an einem Börsenindex. Enthält der Index beispielsweise große Unternehmen aus den USA, Europa und Asien, wird auch das Portfolio des ETF entsprechend aufgebaut.

Wie stark einzelne Unternehmen vertreten sind, hängt von den Regeln des Index ab. Viele bekannte Aktienindizes gewichten Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung. Vereinfacht bedeutet das: Unternehmen mit einem hohen Börsenwert erhalten ein größeres Gewicht als kleinere Unternehmen.

Das kann dazu führen, dass einige sehr große Konzerne einen spürbaren Anteil eines Index ausmachen. Die Aussage, ein ETF investiere in 1.000 oder 2.000 Unternehmen, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Kapital gleichmäßig auf diese Unternehmen verteilt wird.

Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen Anzahl der enthaltenen Wertpapiere und tatsächlicher Diversifikation.

Der Index bestimmt, worin du investierst

Der ETF ist zunächst nur die Hülle. Was du tatsächlich bekommst, bestimmt vor allem der zugrunde liegende Index.

Ein ETF auf einen deutschen Aktienindex hat ein vollkommen anderes Risikoprofil als ein ETF auf einen globalen Aktienindex. Ebenso unterscheidet sich ein Technologieindex erheblich von einem weltweit gestreuten Marktindex.

Für Anfänger ist deshalb die Frage „Welcher ETF ist gut?“ häufig zu kurz gegriffen. Zuerst sollte geklärt werden, welche Märkte der ETF überhaupt abbildet.

Ein weltweit ausgerichteter Aktienindex kann Unternehmen aus zahlreichen Industrieländern enthalten. Andere Indizes beziehen zusätzlich Schwellenländer ein. Wieder andere konzentrieren sich ausschließlich auf Europa, die USA, einzelne Branchen oder bestimmte Investmentstrategien.

Je stärker ein ETF auf einzelne Länder, Branchen oder Themen konzentriert ist, desto stärker hängt seine Entwicklung von genau diesem Bereich ab. Ein breit gestreuter Welt-ETF verfolgt daher ein anderes Ziel als beispielsweise ein ETF auf künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien oder den europäischen Bankensektor.

Breite Streuung verhindert Verluste nicht. Sie reduziert aber das Risiko, dass die Entwicklung deines gesamten Investments von wenigen einzelnen Unternehmen abhängt.

Warum ETFs häufig günstiger als klassische Fonds sind

Viele ETFs werden passiv verwaltet. Das bedeutet nicht, dass niemand den Fonds überwacht. Es bedeutet vielmehr, dass das Fondsmanagement normalerweise nicht versucht, durch die gezielte Auswahl einzelner Wertpapiere besser als der Markt abzuschneiden.

Stattdessen folgt der ETF einem festgelegten Index.

Dadurch ist weniger aktives Research erforderlich. Es müssen beispielsweise nicht laufend Unternehmen analysiert und anschließend Kauf- oder Verkaufsentscheidungen getroffen werden, um einen Index zu schlagen. Das senkt die laufenden Verwaltungskosten vieler ETFs erheblich.

Bei klassischen aktiv verwalteten Aktienfonds können dagegen Verwaltungs- und Managementkosten deutlich höher ausfallen. Zusätzlich können je nach Vertriebsweg Ausgabeaufschläge oder weitere Kosten entstehen.

Über lange Anlagezeiträume können bereits kleine Kostenunterschiede einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben, weil jeder Euro, der für Gebühren verwendet wird, nicht mehr für dich investiert bleibt.

TER, Tracking Difference und Handelskosten verstehen

Bei der ETF-Auswahl begegnet Einsteigern sehr schnell die Abkürzung TER. Sie steht für Total Expense Ratio und beschreibt die laufende Gesamtkostenquote eines Fonds.

Hat ein ETF beispielsweise eine TER von 0,20 Prozent pro Jahr, entspricht das bei einem investierten Vermögen von 10.000 Euro rechnerisch 20 Euro jährlich. Diese Gebühr wird normalerweise nicht separat von deinem Konto abgebucht. Sie wird laufend aus dem Fondsvermögen entnommen und ist deshalb bereits in der Wertentwicklung des ETF berücksichtigt.

Die TER erzählt allerdings nicht die gesamte Geschichte.

Kostenfaktor Bedeutung
TER Laufende Kosten des ETF
Tracking Difference Tatsächliche Abweichung zwischen ETF und Index
Spread Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs
Orderkosten Gebühren deines Brokers für Kauf oder Verkauf
Sparplankosten Mögliche Gebühren bei regelmäßigen ETF-Käufen

Besonders interessant ist die Tracking Difference. Sie zeigt, wie stark sich die tatsächliche Wertentwicklung des ETF von seinem Index unterscheidet. Ein ETF kann beispielsweise eine TER von 0,20 Prozent haben, seinen Index in der Praxis aber nur um 0,10 Prozent pro Jahr verfehlen.

Umgekehrt kann ein vermeintlich besonders günstiger ETF trotz niedriger TER eine größere Abweichung aufweisen.

Für langfristige Anleger sollte deshalb nicht ausschließlich der ETF mit der niedrigsten ausgewiesenen Gebühr interessant sein. Entscheidend ist das Gesamtpaket aus Kosten, Index, Fondsgröße, Konstruktion und tatsächlicher Indexabbildung.

Physische und synthetische ETFs: Was ist der Unterschied?

ETFs können ihren Index auf unterschiedliche Weise nachbilden.

Bei einem physisch replizierenden ETF kauft der Fonds die Aktien oder anderen Wertpapiere des zugrunde liegenden Index. Bei kleineren Indizes können sämtliche Bestandteile tatsächlich gehalten werden. Bei sehr umfangreichen Indizes kann stattdessen ein optimiertes Verfahren verwendet werden, bei dem nur eine repräsentative Auswahl der Wertpapiere gekauft wird.

Bei einem synthetischen ETF erfolgt die Indexabbildung teilweise über ein Tauschgeschäft, einen sogenannten Swap. Der ETF hält dabei ein Wertpapierportfolio und vereinbart mit einem Finanzinstitut den Austausch bestimmter Zahlungsströme, damit die Wertentwicklung möglichst genau dem gewünschten Index entspricht.

Synthetische ETFs werden manchmal pauschal als gefährlich dargestellt. Das greift zu kurz. Die Konstruktion bringt zwar ein zusätzliches Kontrahentenrisiko mit sich, dieses ist bei regulierten Fonds jedoch begrenzt und wird durch Sicherungsmechanismen reduziert.

Für viele Anfänger ist ein physisch replizierender ETF leichter nachvollziehbar. Allein die Replikationsmethode sollte jedoch nicht darüber entscheiden, ob ein ETF geeignet ist.

Wichtiger bleibt die Frage, welchen Index du mit dem ETF überhaupt kaufst.

Ausschüttend oder thesaurierend: Was passiert mit Dividenden?

Unternehmen können einen Teil ihres Gewinns als Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Hält ein ETF solche Aktien, erhält zunächst der Fonds diese Dividenden.

Bei einem ausschüttenden ETF werden die entsprechenden Erträge regelmäßig an die Anleger ausgezahlt. Das Geld landet dann normalerweise auf dem Verrechnungskonto deines Depots.

Bei einem thesaurierenden ETF werden die Erträge dagegen innerhalb des Fonds wieder angelegt.

Für den langfristigen Vermögensaufbau kann die thesaurierende Variante bequem sein. Die Wiederanlage erfolgt automatisch und das Kapital bleibt investiert. Wer regelmäßige Auszahlungen erhalten möchte, kann dagegen einen ausschüttenden ETF bevorzugen.

Ein grundsätzlicher Renditevorteil entsteht allein durch die Bezeichnung „thesaurierend“ oder „ausschüttend“ nicht. Entscheidend ist, was mit ausgeschüttetem Geld anschließend passiert. Werden Ausschüttungen eines ausschüttenden ETF konsequent wieder investiert, können sich beide Varianten wirtschaftlich ähnlich entwickeln.

Warum Fondsvolumen und Alter eines ETF interessant sind

Ein weiterer Punkt ist die Größe des ETF. Das Fondsvolumen zeigt, wie viel Kapital bereits in einem Fonds investiert ist.

Ein sehr kleiner ETF ist nicht automatisch schlecht. Bei dauerhaft geringem Anlegerinteresse kann allerdings die Wahrscheinlichkeit steigen, dass ein Anbieter einen Fonds irgendwann schließt oder mit einem anderen ETF zusammenlegt.

Eine Fondsschließung bedeutet nicht automatisch, dass das investierte Geld verloren ist. Anleger erhalten grundsätzlich den Gegenwert ihrer Fondsanteile. Unpraktisch kann eine Schließung trotzdem sein, weil das Kapital anschließend neu investiert werden muss und dadurch möglicherweise Steuern oder zusätzliche Transaktionskosten entstehen.

Auch das Alter eines ETF kann bei der Beurteilung helfen. Bei einem seit mehreren Jahren bestehenden Fonds lassen sich beispielsweise Tracking Difference, Handelsvolumen und Wertentwicklung bereits über einen längeren Zeitraum betrachten.

Für Anfänger muss deshalb trotzdem nicht zwingend der größte oder älteste ETF gewählt werden. Fondsgröße und Historie sind lediglich zwei von mehreren Qualitätsmerkmalen.

Was Sondervermögen bei ETFs bedeutet

Ein häufiges Missverständnis lautet, dass das investierte Geld verloren sei, wenn der ETF-Anbieter insolvent wird.

Bei klassischen UCITS-Investmentfonds wird das Fondsvermögen grundsätzlich getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Dieses Prinzip wird als Sondervermögen bezeichnet.

Eine Insolvenz des Fondsanbieters ist deshalb etwas anderes als ein Kursverlust des ETF.

Das größere Risiko eines Aktien-ETF entsteht normalerweise durch die Wertentwicklung der enthaltenen Aktien. Fallen die Aktienmärkte kräftig, fällt auch der Wert des Fondsvermögens.

Sondervermögen schützt also nicht vor Börsenverlusten.

Diese Unterscheidung ist entscheidend: Das Insolvenzrisiko eines Fondsanbieters und das Marktrisiko des ETF sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.

Warum ETFs trotz breiter Streuung deutlich fallen können

Diversifikation wird gelegentlich so dargestellt, als könne ein breit gestreuter ETF dadurch kaum größere Verluste erleiden. Das ist falsch.

Wenn die weltweiten Aktienmärkte einbrechen, kann auch ein sehr breit diversifizierter Welt-ETF erheblich an Wert verlieren. In historischen Krisen waren an Aktienmärkten zeitweise Kursverluste von mehreren zehn Prozent zu beobachten.

Die Streuung hilft vor allem gegen das Einzelwertrisiko. Geht ein einzelnes Unternehmen insolvent, kann dessen Gewicht in einem breit gestreuten Portfolio vergleichsweise gering sein.

Gegen das allgemeine Marktrisiko schützt Diversifikation dagegen nicht.

Wer sein Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt zwingend benötigt, sollte deshalb überlegen, ob ein Aktien-ETF für diesen Teil des Vermögens überhaupt geeignet ist. Geld für die nächste Mietzahlung, den Notgroschen oder einen in zwei Jahren geplanten Autokauf gehört normalerweise nicht vollständig in Aktien.

Je länger dein Anlagehorizont ist, desto größer ist die Chance, vorübergehende Börsenrückgänge aussitzen zu können. Eine Garantie dafür, zu einem bestimmten Zeitpunkt im Gewinn zu liegen, gibt es trotzdem nicht.

ETF-Sparplan oder Einmalanlage?

Du kannst ETFs entweder mit einer größeren Einmalanlage kaufen oder regelmäßig über einen Sparplan investieren.

Bei einem ETF-Sparplan legst du beispielsweise jeden Monat 50, 100 oder 250 Euro an. Dein Broker kauft dafür automatisch ETF-Anteile. Da mittlerweile auch Bruchstücke von Fondsanteilen erworben werden können, muss deine Sparrate nicht dem Preis eines vollständigen ETF-Anteils entsprechen.

Für Berufseinsteiger und Menschen, die regelmäßig einen Teil ihres Einkommens investieren möchten, ist das besonders praktisch. Der Vermögensaufbau wird dadurch zu einem festen Bestandteil der monatlichen Finanzplanung.

Eine Einmalanlage kann dagegen sinnvoll sein, wenn bereits ein größerer Betrag zur Verfügung steht und langfristig investiert werden soll.

Die häufig anzutreffende Idee, mit einer größeren Geldsumme grundsätzlich auf den „perfekten Einstiegszeitpunkt“ warten zu müssen, ist problematisch. Niemand weiß zuverlässig, ob die Börse in den kommenden Wochen zunächst fällt oder weiter steigt.

Bei einer langfristigen Geldanlage ist deshalb häufig wichtiger, dass die gewählte Strategie zur eigenen Risikotoleranz und zum Anlagehorizont passt.

Beispiel: Was aus 150 Euro monatlich werden könnte

Ein Sparplan zeigt besonders gut, wie sich regelmäßige Einzahlungen und langfristiger Zinseszinseffekt verbinden können.

Angenommen, du investierst monatlich 150 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF. Für die Modellrechnung unterstellen wir unterschiedliche durchschnittliche Renditen. Kosten, Steuern und mögliche Abweichungen werden zur Vereinfachung nicht separat berücksichtigt.

Laufzeit Eigene Einzahlungen Bei 3 % p. a. Bei 5 % p. a. Bei 7 % p. a.
10 Jahre 18.000 € ca. 21.000 € ca. 23.300 € ca. 26.000 €
20 Jahre 36.000 € ca. 49.200 € ca. 61.700 € ca. 78.100 €
30 Jahre 54.000 € ca. 87.400 € ca. 124.800 € ca. 183.000 €

Die Tabelle ist keine Renditeprognose. Sie zeigt lediglich, welchen Einfluss unterschiedliche langfristige Durchschnittsrenditen rechnerisch haben können.

Besonders deutlich wird der Effekt bei langen Laufzeiten. Nach 30 Jahren beträgt die eigene Einzahlung in diesem Beispiel 54.000 Euro. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent jährlich läge der rechnerische Endwert bei rund 125.000 Euro.

Genau deshalb spielt Zeit beim langfristigen Investieren eine so große Rolle. Der Effekt entsteht nicht dadurch, dass ETFs automatisch hohe Renditen liefern, sondern weil mögliche Erträge über viele Jahre wiederum investiert bleiben können.

So kannst du deinen ersten ETF auswählen

Die enorme Zahl verfügbarer ETFs wirkt am Anfang komplizierter, als die grundlegende Entscheidung tatsächlich sein muss.

Bevor du einzelne Fonds miteinander vergleichst, solltest du zunächst festlegen, was du überhaupt erreichen möchtest. Erst danach lohnt sich der Blick auf konkrete Produkte.

Checkliste: ETF-Auswahl für Anfänger

  1. Entscheide, welcher Anlageklasse dein Geld zugeordnet werden soll.
  2. Lege fest, wie breit dein Investment gestreut sein soll.
  3. Prüfe, welchen Index der ETF tatsächlich abbildet.
  4. Vergleiche TER und langfristige Tracking Difference.
  5. Prüfe Fondsvolumen und bisherige Fondshistorie.
  6. Entscheide zwischen ausschüttender und thesaurierender Variante.
  7. Sieh dir Replikationsmethode und Fondsdomizil an.
  8. Prüfe bei Sparplänen, ob dein Broker den ETF günstig oder kostenlos besparen lässt.

Die Reihenfolge ist wichtig. Häufig beginnen Anfänger mit der Kostenquote und suchen anschließend den ETF mit der niedrigsten TER.

Damit wird das wichtigste Kriterium übersehen: Der Index entscheidet darüber, in welche Unternehmen und Märkte das Geld investiert wird.

Ein ETF mit 0,10 Prozent jährlichen Kosten ist nicht automatisch besser als ein ETF mit 0,20 Prozent Kosten, wenn beide vollkommen unterschiedliche Anlagestrategien verfolgen.

Wie viele ETFs braucht ein Anfänger?

Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch ein besser diversifiziertes Portfolio.

Ein einzelner breit gestreuter Aktien-ETF kann bereits Hunderte oder Tausende Unternehmen enthalten. Wer zusätzlich mehrere weitere ETFs kauft, erhöht dadurch nicht zwingend die Diversifikation.

Teilweise passiert sogar das Gegenteil.

Angenommen, ein globaler ETF enthält bereits zahlreiche große US-Technologieunternehmen. Kaufst du zusätzlich einen Technologie-ETF, besitzt du anschließend einige dieser Unternehmen doppelt und erhöhst deren Gewicht in deinem Depot.

Solche Überschneidungen werden von Anlegern häufig unterschätzt.

Für Anfänger kann deshalb ein bewusst einfaches Portfolio sinnvoller sein als eine Konstruktion aus sechs oder acht verschiedenen ETFs. Komplexität ist kein Qualitätsmerkmal einer Geldanlage.

Entscheidend ist, dass die Aufteilung nachvollziehbar ist und langfristig zur persönlichen Strategie passt.

Die wichtigsten Risiken bei ETFs

Das größte Risiko eines Aktien-ETF besteht darin, dass sein Wert sinkt. Diese einfache Aussage wird in vielen Erklärungen zu sehr relativiert.

Aktienmärkte können über Monate oder Jahre schwach laufen. Auch nach einem starken Börsenrückgang ist nicht sicher, wann frühere Höchststände wieder erreicht werden.

Hinzu kommt das sogenannte Währungsrisiko. Investiert ein ETF beispielsweise weltweit und enthält zahlreiche Unternehmen außerhalb des Euroraums, beeinflussen Wechselkurse die in Euro gemessene Wertentwicklung. Allerdings ist das wirtschaftliche Währungsrisiko eines internationalen Aktienportfolios komplexer als lediglich die Währung, in der ein ETF an der Börse gehandelt wird.

Daneben existieren spezielle Risiken bestimmter ETF-Arten. Branchen- und Themen-ETFs können erheblich stärker schwanken als breit gestreute Markt-ETFs. Anleihen-ETFs reagieren unter anderem auf Veränderungen der Marktzinsen und die Bonität ihrer Emittenten. Rohstoffprodukte wiederum können vollkommen anders konstruiert sein als klassische Aktien-ETFs.

Die Bezeichnung ETF allein sagt deshalb noch wenig über das Risiko einer Geldanlage aus.

ETF ist nicht gleich ETF

Der Begriff ETF wird gelegentlich so verwendet, als handle es sich um eine einheitliche Anlageklasse. Tatsächlich können sich ETFs fundamental voneinander unterscheiden.

Ein ETF kann internationale Aktien enthalten, europäische Staatsanleihen abbilden, Unternehmensanleihen kaufen oder sich auf einzelne Branchen konzentrieren. Es existieren außerdem ETFs mit speziellen Faktoren, Hebelprodukten oder Strategien.

Für einen Anfänger sollte deshalb nicht die Frage im Mittelpunkt stehen, ob „ETFs sicher“ sind.

Die sinnvollere Frage lautet:

Was steckt in genau diesem ETF und welches Risiko entsteht daraus?

Ein weltweit diversifizierter Aktien-ETF besitzt beispielsweise ein anderes Risikoprofil als ein gehebelter ETF auf einen einzelnen Technologieindex.

Das Wort ETF beschreibt hauptsächlich die Fondsstruktur und den Börsenhandel – nicht die Sicherheit des Investments.

Typische Fehler beim Einstieg mit ETFs

Einer der häufigsten Fehler besteht darin, den ETF auszuwählen, der zuletzt besonders stark gestiegen ist. Gute historische Renditen wirken überzeugend, sagen aber nicht zuverlässig voraus, welche Märkte oder Branchen künftig besonders gut abschneiden werden.

Problematisch ist außerdem ein zu kurzer Anlagehorizont. Wer Geld in Aktien-ETFs investiert und bereits fest damit rechnet, es in zwei oder drei Jahren für eine größere Anschaffung zu benötigen, kann zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen müssen.

Ein weiterer Fehler entsteht durch unnötige Komplexität. Manche Einsteiger bauen bereits zu Beginn Portfolios aus zahlreichen Länder-, Branchen- und Themen-ETFs auf. Anschließend ist kaum noch nachvollziehbar, welche Unternehmen tatsächlich wie stark gewichtet sind.

Auch häufiges Umschichten kann die langfristige Strategie beschädigen. Sobald ein Markt schwächer läuft, wird verkauft und der zuletzt erfolgreichere Bereich gekauft. Damit entsteht genau das Verhalten, das langfristiges Investieren eigentlich vermeiden soll: teuer kaufen und nach Kursverlusten verkaufen.

Der vielleicht wichtigste Fehler ist jedoch, die eigene Risikotoleranz zu überschätzen. Ein Depot im Wert von 20.000 Euro fühlt sich in einer ruhigen Börsenphase angenehm an. Fällt es während einer Krise innerhalb weniger Monate auf 14.000 Euro, zeigt sich erst, wie viel Schwankung jemand tatsächlich aushalten kann.

Die richtige ETF-Strategie ist deshalb nicht die theoretisch renditestärkste Strategie, sondern eine, die du auch in schwierigen Marktphasen durchhalten kannst.

Was passiert mit deinen ETF-Anteilen bei einem Börsencrash?

Bei einem Börsencrash verschwinden deine ETF-Anteile nicht. Ihr Marktwert fällt.

Ein Depot mit einem Wert von 30.000 Euro kann beispielsweise nach einem Kursrückgang von 30 Prozent nur noch rund 21.000 Euro wert sein. Solange du nicht verkaufst, handelt es sich zunächst um einen Buchverlust.

Ob sich der Markt anschließend erholt und wie lange das dauert, lässt sich nicht vorhersehen.

Gerade langfristige Anleger sollten deshalb bereits vor dem Kauf überlegen, wie sie mit erheblichen Kursverlusten umgehen würden. Die Entscheidung darüber sollte nicht erst getroffen werden, wenn die Börse bereits eingebrochen ist und Schlagzeilen täglich neue Unsicherheit erzeugen.

Ein ausreichend großer Notgroschen außerhalb des Aktienmarktes kann dabei helfen. Wer ungeplante Ausgaben aus liquiden Rücklagen bezahlen kann, muss seine ETF-Anteile nicht zwangsläufig während einer schlechten Börsenphase verkaufen.

Für wen können ETFs sinnvoll sein?

ETFs können besonders für Menschen interessant sein, die langfristig an den Kapitalmärkten investieren möchten, ohne regelmäßig einzelne Aktien analysieren zu müssen.

Ein breit gestreuter Aktien-ETF kann beispielsweise für langfristigen Vermögensaufbau oder als Bestandteil einer privaten Altersvorsorgestrategie eingesetzt werden. Entscheidend bleibt jedoch, dass Kursschwankungen finanziell und emotional ausgehalten werden können.

Weniger geeignet ist ein Aktien-ETF für Geld, das kurzfristig sicher verfügbar sein muss.

Wer seinen Notgroschen aufbauen möchte, eine größere Ausgabe in naher Zukunft plant oder generell keinerlei vorübergehende Verluste akzeptieren kann, benötigt für diesen Teil seines Vermögens andere Lösungen.

Auch die Höhe des investierten Betrags ist nicht ausschlaggebend. Durch ETF-Sparpläne kann grundsätzlich bereits mit vergleichsweise kleinen monatlichen Beträgen investiert werden.

Wichtiger als die erste Sparrate ist die langfristige Konsequenz.

ETF und Steuern in Deutschland

Erträge aus ETFs unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Besteuerung von Kapitalerträgen. Relevant können dabei unter anderem Ausschüttungen, realisierte Kursgewinne und bei bestimmten Fonds die sogenannte Vorabpauschale sein.

Bei Aktienfonds kann unter bestimmten Voraussetzungen eine steuerliche Teilfreistellung gelten. Dadurch wird ein Teil der Erträge von der Besteuerung ausgenommen.

Wie hoch die tatsächliche Steuerbelastung ausfällt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem der jeweilige Fonds, vorhandene Freibeträge, bereits erzielte Kapitalerträge und die persönliche steuerliche Situation.

Bei einem deutschen Broker wird ein großer Teil der steuerlichen Abwicklung normalerweise automatisch durchgeführt. Anleger sollten trotzdem verstehen, dass die ausgewiesene Wertentwicklung eines ETF nicht automatisch der späteren persönlichen Nettorendite entspricht.

Gerade bei langfristigen Modellrechnungen sollten deshalb Steuern und Kosten nicht vollständig ausgeblendet werden.

Was Anfänger über Renditeerwartungen wissen sollten

Aktien werden langfristig vor allem deshalb gekauft, weil Anleger für das eingegangene Risiko eine höhere Rendite erwarten als bei sehr sicheren Anlagen.

Diese Erwartung ist jedoch keine Garantie.

Historische Durchschnittsrenditen werden häufig genutzt, um langfristige Entwicklungen zu veranschaulichen. Problematisch wird es, wenn daraus eine vermeintlich feste Rendite von beispielsweise sieben oder acht Prozent jährlich abgeleitet wird.

Börsenrenditen verlaufen nicht gleichmäßig.

Ein Jahr kann sehr positiv ausfallen, im nächsten können die Kurse deutlich sinken. Auch mehrjährige Phasen mit schwacher Entwicklung sind möglich.

Für die eigene Finanzplanung sind deshalb verschiedene Szenarien sinnvoller als eine einzige vermeintlich sichere Renditeannahme. Wer langfristige Sparziele berechnet, kann beispielsweise konservative, mittlere und optimistischere Annahmen gegenüberstellen.

So wird sichtbar, wie stark das Ergebnis tatsächlich von der zukünftigen Marktentwicklung abhängt.

Einfachheit ist beim ETF-Investieren oft ein Vorteil

Die Finanzbranche bietet ständig neue Fonds, Strategien und Investmentthemen. Für Anleger entsteht dadurch schnell der Eindruck, ein erfolgreiches Portfolio müsse regelmäßig angepasst werden.

Das Gegenteil kann der Fall sein.

Eine verständliche Strategie mit breiter Streuung, niedrigen Kosten und langfristigem Anlagehorizont lässt sich häufig leichter durchhalten als ein kompliziertes Portfolio, das ständig überwacht werden muss.

Gerade Anfänger sollten deshalb nicht versuchen, jede Region, Branche und aktuelle Börsenidee separat abzubilden.

Ein Portfolio sollte so aufgebaut sein, dass du erklären kannst, warum jede Position darin enthalten ist.

Kannst du bei einem ETF nicht erklären, welchen Index er abbildet, welches Risiko du damit eingehst und welche Funktion er in deinem Portfolio hat, ist das ein gutes Signal, vor dem Kauf noch einmal genauer hinzusehen.

Fazit: Bei ETFs entscheidet das Verständnis mehr als die Anzahl der Fonds

ETFs machen langfristiges Investieren vergleichsweise einfach, weil sich mit einem einzigen Fonds viele Wertpapiere bündeln lassen. Entscheidend ist jedoch nicht die Bezeichnung ETF, sondern der Inhalt. Index, Diversifikation, Kosten, Anlageklasse und Risikoprofil bestimmen, was du tatsächlich kaufst.

Für Anfänger kann gerade diese Einfachheit ein großer Vorteil sein. Statt laufend einzelne Unternehmen auszuwählen, lässt sich eine langfristige Strategie mit vergleichsweise wenig Aufwand umsetzen. Voraussetzung ist allerdings, dass das investierte Geld längerfristig nicht benötigt wird und zwischenzeitliche Kursverluste ausgehalten werden können.

Der erste Schritt sollte deshalb nicht die Suche nach dem ETF mit der höchsten vergangenen Rendite sein. Verstehe zunächst, welchen Markt du abbilden möchtest, welches Risiko dazu gehört und welchen Zweck die Anlage in deinem persönlichen Finanzplan erfüllt. Wenn diese Grundlage stimmt, wird die Auswahl eines konkreten ETF erheblich einfacher.

Häufige Fragen zu ETFs für Anfänger

Für den Einstieg tauchen häufig ähnliche Fragen auf. Die wichtigsten Grundlagen lassen sich klar einordnen, wenn zwischen Fondsstruktur, Anlageinhalt und persönlicher Strategie unterschieden wird.

Wie funktioniert ein ETF einfach erklärt?

Ein ETF ist ein börsengehandelter Investmentfonds, der häufig einen bestimmten Index nachbildet. Kaufst du Anteile an einem ETF, investierst du damit indirekt in die im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Bei einem breit gestreuten Aktien-ETF können das Hunderte oder Tausende Unternehmen sein.

Kann man mit 50 Euro im Monat in ETFs investieren?

Ja. Viele Broker ermöglichen ETF-Sparpläne bereits mit kleinen monatlichen Sparraten. Entscheidend ist weniger die Höhe der ersten Rate als die Frage, ob das Geld langfristig investiert bleiben kann.

Kann ich mit einem ETF mein gesamtes Geld verlieren?

Bei einem breit diversifizierten Aktien-ETF wäre ein vollständiger Verlust nur in einem extremen Szenario denkbar, in dem praktisch sämtliche enthaltenen Unternehmen wertlos würden. Erhebliche zwischenzeitliche Verluste sind dagegen durchaus möglich. Ein ETF sollte deshalb nicht mit einer sicheren Spareinlage verwechselt werden.

Wie lange sollte man einen ETF halten?

Für Aktien-ETFs ist grundsätzlich ein langfristiger Anlagehorizont sinnvoll. Je kürzer der Zeitraum ist, desto größer ist das Risiko, zu einem ungünstigen Börsenzeitpunkt verkaufen zu müssen. Eine feste Mindestdauer garantiert allerdings keine positive Rendite.

Sind ETFs besser als einzelne Aktien?

Das hängt vom Anlageziel ab. Mit einem breit gestreuten ETF lässt sich das Risiko einzelner Unternehmen deutlich reduzieren, während einzelne Aktien größere Chancen, aber auch erhebliche spezifische Risiken mit sich bringen können. Für viele Einsteiger ist die breite Streuung eines ETF einfacher umzusetzen.

Was passiert, wenn ein ETF-Anbieter pleitegeht?

Das Fondsvermögen klassischer Investmentfonds wird grundsätzlich getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Die Insolvenz eines Anbieters bedeutet deshalb nicht automatisch den Verlust der ETF-Anteile. Davon unabhängig bleiben die normalen Marktrisiken der enthaltenen Wertpapiere bestehen.

Ist ein ausschüttender oder thesaurierender ETF besser?

Keine Variante ist grundsätzlich besser. Ausschüttende ETFs zahlen Erträge an Anleger aus, während thesaurierende ETFs diese automatisch wieder anlegen. Für langfristigen Vermögensaufbau kann Thesaurierung besonders bequem sein, während Ausschüttungen für Anleger interessant sein können, die laufende Erträge erhalten möchten.

Wie viele ETFs sollte ein Anfänger kaufen?

Ein einziger breit gestreuter ETF kann bereits ausreichend diversifiziert sein. Mehrere ETFs sind nicht automatisch besser und können zu unnötigen Überschneidungen führen. Entscheidend ist, welche Märkte und Anlageklassen tatsächlich abgedeckt werden sollen.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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