Studium finanzieren – welche Möglichkeiten gibt es?

Ein Studium lässt sich meist nicht mit einer einzigen Geldquelle finanzieren. Entscheidend ist, BAföG, Unterstützung der Eltern, Kindergeld, Nebenjob, Stipendien und gegebenenfalls Kredite so zu kombinieren, dass die monatlichen Kosten gedeckt sind, ohne unnötig hohe Schulden aufzubauen.

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Wer für das Studium in eine andere Stadt zieht, muss schnell einen vierstelligen Betrag pro Monat finanzieren. Miete, Lebensmittel, Semesterbeitrag, Mobilität, Lernmittel, Versicherungen und Freizeit laufen unabhängig davon weiter, ob gerade Prüfungsphase oder Semesterferien sind. Hinzu kommen zu Beginn häufig einmalige Kosten für Kaution, Möbel oder einen Laptop.

Die sinnvollste Studienfinanzierung besteht deshalb selten aus „BAföG oder Nebenjob“. Meist entsteht ein Finanzierungsmix. Zuschüsse und Geld, das nicht zurückgezahlt werden muss, sollten dabei grundsätzlich vor Krediten stehen. Für viele Studierende bedeutet das: zunächst BAföG und familiäre Ansprüche prüfen, anschließend Stipendien und einen realistischen Nebenverdienst einplanen und erst eine verbleibende Finanzierungslücke mit einem Darlehen schließen.

Wie dieser Mix aussieht, hängt stark von der persönlichen Situation ab. Wer günstig bei den Eltern wohnt, braucht vielleicht nur einige Hundert Euro im Monat. Wer in München, Hamburg oder einer anderen teuren Hochschulstadt allein lebt, kann dagegen trotz BAföG und Kindergeld eine erhebliche Lücke haben.

Zuerst klären: Wie viel Geld brauchst du für dein Studium?

Bevor du einzelne Finanzierungsmöglichkeiten vergleichst, solltest du deinen tatsächlichen Monatsbedarf kennen. Sonst besteht die Gefahr, dass du entweder zu knapp kalkulierst oder einen Kredit aufnimmst, den du gar nicht in dieser Höhe benötigst.

Zu den laufenden Kosten gehören vor allem Warmmiete, Lebensmittel, Semesterbeitrag beziehungsweise dessen monatlicher Anteil, Mobilität, Telefon und Internet, Lernmittel, Kleidung, Versicherungen und persönliche Ausgaben. Wer nicht mehr familienversichert ist, muss zusätzlich die eigene Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigen.

Ein beispielhaftes Monatsbudget für einen Studenten mit eigener Unterkunft könnte so aussehen:

Ausgabe Beispiel pro Monat
Warmmiete 520 €
Lebensmittel 250 €
Semesterbeitrag, monatlich umgerechnet 55 €
Mobilität zusätzlich zum Semesterticket 35 €
Telefon und Internet 30 €
Lernmittel 40 €
Versicherungen 15 €
Kleidung, Freizeit und Sonstiges 130 €
Rücklage für unregelmäßige Ausgaben 75 €
Gesamt 1.150 €

Die 1.150 Euro sind keine allgemeingültige Empfehlung, sondern eine Modellrechnung. Schon die Miete kann den Bedarf um mehrere Hundert Euro verändern. Auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge können zusätzlich anfallen.

Wichtig ist außerdem, nicht nur einen normalen Monat zu kalkulieren. Semesterbeiträge, Mietkaution, ein defekter Laptop, Bücher oder eine notwendige Reise nach Hause verursachen Kosten, die in einem zu knapp gerechneten Budget schnell zum Problem werden.

Diese Möglichkeiten gibt es zur Studienfinanzierung

Die wichtigsten Finanzierungsquellen unterscheiden sich vor allem in einem Punkt: Manche Mittel musst du später nicht zurückzahlen, andere schon. Genau deshalb ist die Reihenfolge entscheidend.

Finanzierung Rückzahlung? Typischer Einsatz
Unterstützung der Eltern Nein Grundfinanzierung
Kindergeld Nein Laufende Kosten
BAföG Teilweise Lebensunterhalt und Studium
Stipendium Nein Ergänzung oder Grundfinanzierung
Nebenjob Nein Laufende Finanzierung
Bildungskredit Ja Begrenzte Finanzierungslücke
KfW-Studienkredit Ja, mit Zinsen Größere Finanzierungslücke

In der Praxis können mehrere dieser Quellen gleichzeitig genutzt werden. Ein Student kann beispielsweise BAföG erhalten, nebenbei arbeiten und zusätzlich ein Deutschlandstipendium bekommen.

BAföG sollte zu den ersten Prüfungen gehören

BAföG ist für viele Studierende die finanziell attraktivste staatliche Finanzierungsmöglichkeit. Ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht, hängt unter anderem vom eigenen Einkommen und Vermögen sowie in vielen Fällen vom Einkommen der Eltern ab.

Der maximale monatliche BAföG-Bedarf kann 2026 bei Studierenden, die nicht bei ihren Eltern wohnen, bis zu 992 Euro betragen. Dieser Höchstbetrag betrifft Studierende im Alter von 25 bis 29 Jahren, bei denen Zuschläge für Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt werden. Wer jünger und noch beitragsfrei familienversichert ist, hat einen niedrigeren maximalen Bedarfssatz. Entscheidend ist deshalb immer die persönliche Berechnung.

BAföG ist finanziell besonders interessant, weil Studierenden-BAföG grundsätzlich zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt wird. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden. Auch die Rückzahlung des Darlehensteils ist begrenzt.

Deshalb solltest du einen möglichen BAföG-Anspruch nicht vorschnell mit dem Argument abhaken, deine Eltern würden vermutlich zu viel verdienen. Einkommen wird nicht einfach vollständig angerechnet. Freibeträge und die familiäre Situation beeinflussen die tatsächliche Berechnung.

Auch das eigene Vermögen spielt eine Rolle. 2026 liegt der Vermögensfreibetrag für Studierende bis einschließlich 29 Jahre bei 15.000 Euro. Ab 30 Jahren beträgt er 45.000 Euro.

Nebenjob und BAföG lassen sich kombinieren

BAföG bedeutet nicht automatisch, dass du während des Studiums nicht arbeiten darfst. 2026 bleibt ein Bruttoverdienst von bis zu 603 Euro monatlich im Rahmen der entsprechenden BAföG-Regelung grundsätzlich ohne Kürzung der Förderung. Bei höheren Einkünften kann sich der BAföG-Betrag reduzieren.

Das macht eine Kombination aus BAföG und kleinem Nebenjob interessant. Statt beispielsweise 20 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten zu müssen, kann ein begrenzter Nebenverdienst die Finanzierung ergänzen, ohne dass das Studium praktisch zum Nebenjob wird.

Gerade hier lohnt sich eine Gesamtrechnung. 100 Euro mehr Arbeitseinkommen sind finanziell wenig hilfreich, wenn dadurch an anderer Stelle Leistungen sinken oder zusätzliche Belastungen entstehen.

Unterstützung der Eltern ist Teil der Studienfinanzierung

Eltern können gegenüber ihren Kindern grundsätzlich verpflichtet sein, eine angemessene Berufsausbildung zu finanzieren. Dazu kann auch ein Studium gehören. Die konkrete Höhe hängt von den wirtschaftlichen Verhältnissen und der jeweiligen Situation ab.

Eine Orientierung bietet die Düsseldorfer Tabelle. Für 2026 wird dort für ein studierendes Kind, das nicht bei seinen Eltern oder einem Elternteil wohnt, regelmäßig ein monatlicher Bedarf von 990 Euro angesetzt. Darin sind bis zu 440 Euro für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung enthalten.

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Studiengebühren sind in diesem Betrag nicht enthalten. Außerdem handelt es sich nicht um einen Betrag, den Eltern in jedem Fall zusätzlich zum Kindergeld vollständig überweisen müssen. Das Kindergeld wird auf den Unterhaltsbedarf angerechnet, und auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern spielt eine Rolle.

Gerade wenn Eltern getrennt leben, sollte deshalb nicht einfach angenommen werden, nur der Elternteil müsse zahlen, bei dem das Kind vorher gelebt hat. Bei volljährigen Studierenden kann die Unterhaltsberechnung beide Elternteile betreffen.

Kindergeld kann während des Studiums weiterlaufen

2026 beträgt das Kindergeld 259 Euro pro Kind und Monat. Auch für volljährige Kinder kann während eines Studiums grundsätzlich bis vor Vollendung des 25. Lebensjahres Kindergeld gezahlt werden, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Bei einem Erststudium ist eine Erwerbstätigkeit des Kindes für den Kindergeldanspruch grundsätzlich weniger problematisch. Bei einer zweiten Ausbildung beziehungsweise einem weiteren Studium gelten zusätzliche Regeln. Dann kann beispielsweise die regelmäßige Wochenarbeitszeit relevant werden.

Das Geld wird normalerweise an einen Elternteil ausgezahlt. Für die Studienfinanzierung sollte deshalb innerhalb der Familie geklärt sein, wie das Kindergeld tatsächlich verwendet wird. Lebt der Student nicht mehr zu Hause und erhält keinen ausreichenden Unterhalt, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine direkte Auszahlung an das Kind infrage kommen.

259 Euro monatlich entsprechen immerhin 3.108 Euro im Jahr. Im Finanzierungsplan sollte dieser Betrag deshalb nicht übersehen werden.

Stipendien sind nicht nur etwas für Einser-Studenten

Viele Studierende prüfen Stipendien überhaupt nicht, weil sie davon ausgehen, dafür ausschließlich Bestnoten zu benötigen. Das greift zu kurz.

Neben Studienleistungen können je nach Förderprogramm beispielsweise gesellschaftliches Engagement, besondere persönliche Umstände, der Bildungsweg, familiäre Belastungen oder andere Kriterien berücksichtigt werden. Die Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Stipendien erheblich.

Ein bekanntes Beispiel ist das Deutschlandstipendium. Geförderte Studierende erhalten 300 Euro monatlich. Bei der Auswahl können neben Leistungen auch gesellschaftliches Engagement sowie besondere persönliche oder familiäre Umstände berücksichtigt werden.

300 Euro pro Monat ergeben 3.600 Euro im Jahr. Über drei Jahre wären das 10.800 Euro Förderung, die im Gegensatz zu einem Studienkredit nicht zurückgezahlt werden müssen.

Genau deshalb kann sich eine Bewerbung selbst dann lohnen, wenn die Erfolgschance zunächst nicht besonders hoch erscheint. Eine Stunde für die Recherche nach passenden Förderprogrammen kann finanziell wesentlich mehr bewirken als viele klassische Spartipps.

Ein Nebenjob kann die Finanzierung stabilisieren – aber nicht unbegrenzt

Für viele Studierende gehört Arbeiten zum Studium dazu. Ein Nebenjob hat einen großen Vorteil: Das Geld verursacht keine spätere Rückzahlung. Gleichzeitig kann Berufserfahrung entstehen, die nach dem Studium beim Einstieg in den Arbeitsmarkt hilft.

Finanziell sinnvoll ist ein Nebenjob vor allem dann, wenn Arbeitszeit und Studium zusammenpassen. Wer wegen eines hohen monatlichen Finanzierungsbedarfs regelmäßig sehr viel arbeitet, kann zwar kurzfristig einen Kredit vermeiden, riskiert aber eine Verlängerung des Studiums.

Das kann teuer werden. Benötigst du beispielsweise wegen hoher Arbeitsbelastung zwei Semester länger für deinen Abschluss, entstehen nicht nur weitere Lebenshaltungskosten. Auch der Einstieg in eine Vollzeitbeschäftigung verschiebt sich möglicherweise um ein Jahr.

Ein fachnaher Werkstudentenjob kann deshalb besonders attraktiv sein: Er bringt Einkommen und gleichzeitig Berufserfahrung. Die Höhe des Verdienstes sollte allerdings immer zusammen mit BAföG, Krankenversicherung, Steuern und Sozialversicherung betrachtet werden.

Die beste Studienfinanzierung ist häufig ein Mix

Nehmen wir einen Studenten mit einem monatlichen Bedarf von 1.150 Euro. Er erhält 550 Euro BAföG und seine Eltern stellen ihm das Kindergeld von 259 Euro zur Verfügung. Damit stehen zunächst 809 Euro zur Verfügung.

Es fehlen noch 341 Euro.

Ein Nebenjob mit beispielsweise 300 Euro monatlichem Einkommen reduziert die Finanzierungslücke auf nur noch 41 Euro. Diese kleine Differenz lässt sich wesentlich leichter über eine vorhandene Rücklage oder geringfügige Anpassungen des Budgets auffangen als über einen großen Studienkredit.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn weder BAföG noch ausreichender Elternunterhalt verfügbar sind. Dann kann dieselbe Person trotz Nebenjob mehrere Hundert Euro monatlich zu wenig haben. Genau in solchen Fällen werden Kredite relevant.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, eine einzige „beste“ Finanzierungsform zu finden. Ziel ist eine Kombination, bei der möglichst wenig zurückgezahlt werden muss und gleichzeitig genügend Zeit für ein erfolgreiches Studium bleibt.

Studienstarthilfe: 1.000 Euro für bestimmte Erstsemester

Für Studienanfänger aus einkommensschwachen Haushalten kann zusätzlich die Studienstarthilfe interessant sein. Sie beträgt einmalig 1.000 Euro und wird als Zuschuss gezahlt – das Geld muss also nicht zurückgezahlt werden.

Die Förderung richtet sich unter anderem an junge Menschen unter 25 Jahren, die erstmals ein Vollzeitstudium aufnehmen und weitere Voraussetzungen erfüllen. Relevant ist insbesondere der vorherige Bezug bestimmter Sozialleistungen.

Der Antrag muss innerhalb einer begrenzten Frist nach Studienbeginn gestellt werden. Wer die Voraussetzungen erfüllen könnte, sollte die Studienstarthilfe deshalb direkt zum Studienstart prüfen und nicht erst Monate später.

Gerade am Anfang entstehen überdurchschnittlich hohe Kosten: Mietkaution, Semesterbeitrag, Umzug, Laptop und Erstausstattung können schnell mehrere Tausend Euro ausmachen. Eine einmalige Förderung von 1.000 Euro kann deshalb verhindern, dass genau diese Anfangskosten über Dispo oder Kredit finanziert werden müssen.

Wann ein Bildungskredit infrage kommt

Wenn Zuschüsse, Unterhalt und Nebenverdienst nicht ausreichen, können Darlehen eine Finanzierungslücke schließen. Dabei sollten allerdings nicht alle Kreditangebote in einen Topf geworfen werden.

Der staatliche Bildungskredit kann insbesondere in einer fortgeschrittenen Ausbildungsphase interessant sein. Pro Ausbildungsabschnitt können bis zu 7.200 Euro vergeben werden. Die Auszahlung erfolgt für maximal 24 Monate in monatlichen Raten von 100, 200 oder 300 Euro.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist außerdem eine Abschlagszahlung von bis zu 3.600 Euro möglich, beispielsweise für größere ausbildungsbezogene Ausgaben. Insgesamt darf dadurch der maximale Kreditbetrag nicht überschritten werden.

Der Bildungskredit kann grundsätzlich auch neben BAföG oder einem KfW-Studienkredit genutzt werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass mehrere Kredite gleichzeitig sinnvoll sind. Jede zusätzliche Finanzierung erhöht die spätere Belastung.

KfW-Studienkredit nur nach genauer Kostenprüfung nutzen

Der KfW-Studienkredit ermöglicht monatliche Auszahlungen zwischen 100 und 650 Euro. Bei einem Erst- oder Zweitstudium kann die Auszahlung unter bestimmten Voraussetzungen über bis zu 14 Semester erfolgen.

Damit lässt sich auch eine größere Finanzierungslücke schließen. Gleichzeitig entsteht aber eine echte verzinste Verschuldung.

Der Zinssatz ist variabel und wird jeweils zum 1. April und 1. Oktober neu festgelegt. Zum 1. April 2026 lag der effektive Jahreszins für neu abgeschlossene Verträge bei 6,53 Prozent. Für Finanzierungen mit Beginn ab Oktober gilt der jeweils neu festgesetzte Zinssatz. Wer einen solchen Kredit aufnimmt, muss deshalb die zum Vertragsabschluss aktuellen Konditionen prüfen.

Besonders leicht wird unterschätzt, wie groß aus einer monatlich scheinbar überschaubaren Summe eine Gesamtschuld werden kann.

Wer beispielsweise drei Jahre lang 500 Euro monatlich finanziert, nimmt bereits

36 Monate × 500 Euro = 18.000 Euro

Kredit auf.

Dazu kommen Zinsen. Je länger die Rückzahlung dauert, desto höher können die Gesamtkosten werden. Bei einem variablen Zinssatz besteht außerdem das Risiko, dass sich die Finanzierung verteuert.

Deshalb sollte ein Studienkredit möglichst eine konkrete Lücke schließen und nicht automatisch das gesamte Studentenleben finanzieren. Wenn statt 500 Euro beispielsweise nur 200 Euro Kredit pro Monat benötigt werden, reduziert sich die aufgenommene Kreditsumme über drei Jahre von 18.000 auf 7.200 Euro – noch bevor Zinsen berücksichtigt werden.

Warum der Dispo keine Studienfinanzierung ist

Ein dauerhaft überzogenes Girokonto kann während des Studiums zunächst bequem wirken. Die Miete wird bezahlt, obwohl das Konto eigentlich leer ist, und beim nächsten Geldeingang reduziert sich das Minus wieder etwas.

Problematisch wird es, wenn das Konto jeden Monat tiefer ins Minus rutscht. Dann finanziert der Dispokredit nicht mehr eine kurzfristige Schwankung, sondern dauerhaft den Lebensunterhalt.

Dafür ist er nicht gedacht. Dispozinsen können hoch sein, und es gibt keinen geregelten Tilgungsplan, der automatisch dafür sorgt, dass die Schulden verschwinden.

Wer mehrere Monate hintereinander auf den Dispo angewiesen ist, sollte deshalb nicht nur versuchen, das Konto irgendwie auszugleichen. Die eigentliche Finanzierungslücke muss ermittelt werden. Fehlen dauerhaft beispielsweise 250 Euro pro Monat, braucht es eine strukturelle Lösung – etwa höhere Einnahmen, geringere Fixkosten, zusätzliche Förderung oder als letzte Möglichkeit eine planbare Finanzierung.

Wohngeld ist für Studierende nur in bestimmten Fällen möglich

Ein häufiger Irrtum lautet: „Wenn ich kein BAföG bekomme, beantrage ich einfach Wohngeld.“ So funktioniert es nicht.

Studierende, deren Ausbildung dem Grunde nach BAföG-förderfähig ist, sind grundsätzlich vom Wohngeld ausgeschlossen. Das kann auch gelten, wenn tatsächlich kein BAföG ausgezahlt wird, weil beispielsweise das Einkommen der Eltern oder das eigene Vermögen zu hoch ist.

Anders kann die Situation aussehen, wenn bereits dem Grunde nach kein BAföG-Anspruch besteht. Dann kann unter bestimmten Voraussetzungen Wohngeld möglich sein. Die konkrete Situation sollte mit der zuständigen Wohngeldstelle beziehungsweise der Sozialberatung des Studierendenwerks geklärt werden.

Ähnlich ist es beim Bürgergeld beziehungsweise den Leistungen der Grundsicherung. Ein normales BAföG-förderfähiges Vollzeitstudium lässt sich grundsätzlich nicht einfach alternativ über das Jobcenter finanzieren. Es gibt jedoch Sonder- und Härtefälle.

Welche Reihenfolge bei der Studienfinanzierung sinnvoll ist

Bei mehreren möglichen Geldquellen hilft eine einfache Grundregel: Je weniger spätere Verpflichtungen eine Finanzierung verursacht, desto früher sollte sie geprüft werden.

Eine sinnvolle Reihenfolge kann deshalb so aussehen:

  1. Tatsächlichen monatlichen Finanzierungsbedarf berechnen.
  2. BAföG-Anspruch prüfen und gegebenenfalls Antrag stellen.
  3. Unterhalt und Kindergeld innerhalb der Familie klären.
  4. Passende Stipendien und Förderprogramme recherchieren.
  5. Realistischen Nebenverdienst bestimmen, der mit dem Studium vereinbar ist.
  6. Sonderleistungen wie Studienstarthilfe oder mögliche Wohngeldansprüche prüfen.
  7. Verbleibende Finanzierungslücke berechnen.
  8. Erst dann Bildungskredit oder Studienkredit vergleichen.

Besonders wichtig ist Schritt sieben. Nicht der gesamte Lebensunterhalt muss über einen Kredit finanziert werden, sondern höchstens die tatsächlich verbleibende Lücke.

Drei typische Finanzierungsmodelle

Wie unterschiedlich eine sinnvolle Finanzierung aussehen kann, zeigen drei vereinfachte Beispiele.

Eine Studentin wohnt weiterhin bei ihren Eltern und hat geringe Wohnkosten. Ihre Familie unterstützt sie, das Kindergeld fließt in ihren Lebensunterhalt und ein kleiner Nebenjob deckt persönliche Ausgaben. Ein Kredit wäre hier normalerweise unnötig.

Ein Student zieht für das Studium in eine andere Stadt und erhält BAföG. Zusammen mit Kindergeld und einem Nebenjob kann er seinen monatlichen Bedarf weitgehend decken. Für unregelmäßige Ausgaben benötigt er zusätzlich eine kleine Rücklage. Auch hier besteht kein Grund, vorsorglich einen großen Studienkredit aufzunehmen.

Anders sieht es bei einer Studentin aus, die nur geringe familiäre Unterstützung erhält und keinen ausreichenden BAföG-Betrag bekommt. Trotz Nebenjob fehlen monatlich 250 Euro. Wenn Stipendien und weitere Fördermöglichkeiten ausscheiden und sich die Kosten nicht sinnvoll reduzieren lassen, kann eine begrenzte Kreditfinanzierung vertretbar sein. Sie sollte dann möglichst genau auf diese 250-Euro-Lücke zugeschnitten werden.

Häufige Fehler bei der Studienfinanzierung

Einer der teuersten Fehler ist, BAföG oder Stipendien gar nicht erst zu prüfen. Wer stattdessen direkt einen Kredit aufnimmt, tauscht möglicherweise nicht rückzahlbare Förderung gegen verzinste Schulden.

Ebenso problematisch ist ein zu knappes Budget. Wer nur Miete, Essen und Semesterbeitrag berücksichtigt, wird von Reparaturen, Kaution, Versicherungsbeiträgen oder größeren Anschaffungen überrascht. Eine kleine monatliche Rücklage gehört deshalb auch bei Studenten in eine realistische Kalkulation.

Ein weiterer Fehler besteht darin, ausschließlich auf die monatliche Kreditrate zu schauen. 300 Euro zusätzliches Geld wirken überschaubar. Über vier Jahre entstehen daraus jedoch bereits 14.400 Euro ausgezahltes Darlehen – zuzüglich möglicher Zinsen.

Auch zu viel Erwerbsarbeit kann finanziell kontraproduktiv werden. Wenn ein hoher Nebenverdienst dazu führt, dass Prüfungen verschoben werden und sich das Studium deutlich verlängert, muss der kurzfristige Einkommensvorteil gegen zusätzliche Studienmonate und einen späteren Berufseinstieg gerechnet werden.

Baue möglichst eine kleine Notfallreserve auf

Auch mit knappem Studentenbudget ist eine kleine Rücklage hilfreich. Sie muss nicht sofort mehrere Monatsausgaben betragen. Schon 500 oder 1.000 Euro können verhindern, dass ein kaputtes Notebook oder eine unerwartete Nachzahlung direkt auf dem Dispo landet.

Wer beispielsweise 30 Euro monatlich zurücklegt, hat nach zwei Jahren ohne Verzinsung 720 Euro angespart. Bei 50 Euro sind es 1.200 Euro.

Eine solche Reserve ist besonders wertvoll, wenn das Einkommen schwankt. Nebenjobs können wegfallen, BAföG-Zahlungen können sich bei Folgeanträgen verzögern und ein Umzug kann kurzfristig mehrere Monatsbudgets beanspruchen.

Fazit: Erst Förderungen ausschöpfen, Kredite zuletzt einsetzen

Eine gute Studienfinanzierung besteht häufig aus mehreren Bausteinen. BAföG, Unterhalt, Kindergeld, Stipendien und ein angemessener Nebenverdienst können sich ergänzen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Geldquellen zu erschließen, sondern den monatlichen Bedarf zuverlässig zu decken, ohne das Studium durch zu viel Arbeit oder unnötige Schulden zu belasten.

Besonders vorsichtig solltest du mit Krediten umgehen. Ein Studienkredit kann sinnvoll sein, wenn eine klar bezifferte Finanzierungslücke besteht und der Studienabschluss dadurch abgesichert wird. Er sollte aber möglichst nicht die erste Lösung sein. Jeder Euro aus einem Zuschuss oder eigenem Einkommen, der einen verzinsten Kredit ersetzt, reduziert die spätere Belastung.

Am Anfang steht deshalb immer dieselbe Rechnung: Wie hoch sind meine realistischen monatlichen Kosten, welche nicht rückzahlbaren Mittel stehen mir zur Verfügung und wie groß ist danach tatsächlich noch die Lücke? Erst wenn diese drei Zahlen feststehen, lässt sich entscheiden, welche Studienfinanzierung wirklich passt.

Häufige Fragen zur Finanzierung des Studiums

Zur Studienfinanzierung gibt es viele Kombinationsmöglichkeiten. Besonders häufig geht es darum, welche Leistungen gleichzeitig genutzt werden können und wann ein Kredit überhaupt notwendig wird.

Wie kann man ein Studium ohne Unterstützung der Eltern finanzieren?

Zunächst sollte geprüft werden, ob BAföG, Kindergeld, Stipendien oder andere Förderungen infrage kommen. Zusätzlich kann ein Nebenjob einen Teil der Kosten decken. Bleibt danach eine Finanzierungslücke, können unter bestimmten Voraussetzungen ein Bildungskredit oder Studienkredit infrage kommen.

Wie viel BAföG können Studierende 2026 bekommen?

Die tatsächliche Höhe hängt von der persönlichen Situation ab. Für Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, können 2026 je nach Alter und Versicherungsstatus unterschiedliche Höchstbeträge gelten. Bei 25- bis 29-Jährigen mit entsprechenden Kranken- und Pflegeversicherungszuschlägen sind bis zu 992 Euro monatlich möglich.

Kann man BAföG und einen Nebenjob gleichzeitig haben?

Ja. Ein Nebenjob schließt BAföG nicht grundsätzlich aus. 2026 bleibt ein monatliches Bruttoeinkommen von bis zu 603 Euro im Rahmen der entsprechenden BAföG-Regelung grundsätzlich ohne Kürzung; höhere Einkünfte können die Förderung reduzieren.

Bekommen Studenten weiterhin Kindergeld?

Während eines Studiums kann grundsätzlich bis vor Vollendung des 25. Lebensjahres Anspruch auf Kindergeld bestehen. 2026 beträgt das Kindergeld 259 Euro monatlich pro Kind. Bei einer Zweitausbildung beziehungsweise einem weiteren Studium können zusätzliche Voraussetzungen für eine parallele Erwerbstätigkeit gelten.

Kann man gleichzeitig BAföG und ein Stipendium bekommen?

Das hängt vom jeweiligen Stipendium ab. Das Deutschlandstipendium in Höhe von 300 Euro monatlich kann beispielsweise grundsätzlich zusätzlich zu BAföG gezahlt werden. Bei anderen Förderprogrammen müssen die jeweiligen Bedingungen geprüft werden.

Ist ein Studienkredit sinnvoll?

Ein Studienkredit kann sinnvoll sein, wenn nach BAföG, Unterhalt, Stipendien und Nebenverdienst noch eine klar definierte Finanzierungslücke besteht. Wegen der Zinsen und der späteren Rückzahlung sollte nur so viel Kredit aufgenommen werden, wie tatsächlich benötigt wird.

Können Studenten Wohngeld bekommen?

Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wer dem Grunde nach BAföG-berechtigt ist, ist häufig vom Wohngeld ausgeschlossen – selbst wenn wegen zu hohen Einkommens oder Vermögens tatsächlich kein BAföG ausgezahlt wird. Besteht dagegen bereits dem Grunde nach kein BAföG-Anspruch, kann ein Wohngeldanspruch möglich sein.

Was tun, wenn das Geld während des Studiums plötzlich nicht reicht?

Zuerst sollte die monatliche Finanzierungslücke konkret berechnet werden. Danach können BAföG-Nachberechnungen, familiärer Unterhalt, Stipendien, Sozialberatung des Studierendenwerks und zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten geprüft werden. Einen Dispokredit dauerhaft für den Lebensunterhalt zu verwenden, sollte möglichst vermieden werden.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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