NurGeld Finanzlexikon
Beleihungswert
Das Wichtigste in Kürze
- Der Beleihungswert beschreibt den langfristig tragfähigen Sicherheitenwert einer Immobilie und ist nicht automatisch mit dem Kaufpreis oder Verkehrswert identisch.
- Banken berücksichtigen bei der Bewertung unter anderem Lage, Gebäudezustand, Nutzung und nachhaltige Ertragsmöglichkeiten.
- Das Verhältnis zwischen maßgeblicher Kreditbelastung und Beleihungswert wird als Beleihungsauslauf bezeichnet und kann die Kreditzinsen beeinflussen.
- Ein Beleihungswert unterhalb des Kaufpreises kann insbesondere bei geringem Eigenkapital die Immobilienfinanzierung erschweren.
- Die pfandbriefrechtliche Beleihungsgrenze von 60 Prozent bedeutet nicht, dass Banken grundsätzlich nur Kredite bis zu dieser Höhe vergeben dürfen.
Der Beleihungswert bezeichnet den langfristig und vorsichtig ermittelten Wert einer Immobilie, den eine Bank bei der Absicherung eines Immobilienkredits berücksichtigt. Er ist eine wichtige Grundlage dafür, wie ein Kreditinstitut die Immobilie als Sicherheit einschätzt und welche Finanzierungskonditionen es anbieten kann. Anders als der aktuelle Kaufpreis oder Marktwert soll der Beleihungswert nicht von kurzfristigen Preisschwankungen oder besonders optimistischen Verkaufserwartungen abhängen.
Wer ein Haus kauft, eine Eigentumswohnung finanziert oder eine bestehende Baufinanzierung verlängert, begegnet dem Beleihungswert häufig indirekt. Denn Banken beurteilen nicht nur das Einkommen und die Bonität des Kreditnehmers, sondern auch den Wert der Immobilie, die als Kreditsicherheit dient. Dabei kann es vorkommen, dass eine Immobilie für 400.000 Euro gekauft wird, die Bank ihren Beleihungswert jedoch niedriger ansetzt.
Für Immobilienkäufer ist dieser Unterschied finanziell bedeutsam. Der Beleihungswert beeinflusst zusammen mit der Kredithöhe und weiteren Faktoren die Risikoeinschätzung der Bank. Dadurch kann er Auswirkungen auf den angebotenen Zinssatz, die erforderlichen Eigenmittel und die Finanzierungsmöglichkeiten haben. Wer versteht, wie Banken den Beleihungswert ermitteln und verwenden, kann Finanzierungsangebote besser beurteilen und mögliche Schwierigkeiten frühzeitig erkennen.
Was bedeutet Beleihungswert?
Der Beleihungswert ist ein nachhaltig ermittelter Wert einer Immobilie, der bei der Vergabe und Besicherung von Immobilienkrediten verwendet wird. Er soll den Wert widerspiegeln, der unter vorsichtigen Annahmen und bei langfristiger Betrachtung voraussichtlich Bestand hat.
Bei einer Immobilienfinanzierung dient das Gebäude oder Grundstück üblicherweise als Sicherheit für die Bank. Kann der Kreditnehmer seine vertraglichen Zahlungsverpflichtungen dauerhaft nicht erfüllen, kann die Bank unter den gesetzlichen Voraussetzungen ihre Grundschuld verwerten. Der Beleihungswert hilft dabei einzuschätzen, welcher Immobilienwert langfristig als belastbare Sicherheit angesehen werden kann.
Im Unterschied zum aktuellen Marktwert werden bei einer Beleihungswertermittlung insbesondere nachhaltige Eigenschaften berücksichtigt. Dazu gehören die Lage, die bauliche Qualität, der Zustand, die Nutzungsmöglichkeiten und die langfristige wirtschaftliche Verwertbarkeit der Immobilie. Vorübergehende Marktübertreibungen oder spekulative Preissteigerungen sollen nicht in die Bewertung einfließen.
Der Begriff spielt vor allem bei der Baufinanzierung, Anschlussfinanzierung und Immobilienbeleihung eine Rolle. Auch bei der Vergabe von Pfandbriefdarlehen besitzt er besondere Bedeutung, weil dort gesetzliche Anforderungen an die Wertermittlung gelten.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem rechtlich geregelten Beleihungswert, insbesondere im Pfandbriefgeschäft, und bankinternen Sicherheitenbewertungen. Nicht jedes Kreditinstitut verwendet bei jeder Immobilienfinanzierung exakt dasselbe Bewertungsverfahren.
Wie wird der Beleihungswert einer Immobilie ermittelt?
Die Ermittlung des Beleihungswerts beginnt mit einer Bewertung der Immobilie. Dabei betrachtet die Bank oder ein beauftragter Sachverständiger sowohl das Grundstück als auch das darauf befindliche Gebäude. Entscheidend ist nicht allein, welchen Preis ein Käufer aktuell zahlen würde, sondern welcher Wert langfristig wirtschaftlich tragfähig erscheint.
Bei selbst genutzten Wohnimmobilien spielen häufig die Grundstücksgröße, die Wohnfläche, das Baujahr, der Modernisierungszustand und die Lage eine wesentliche Rolle. Bei vermieteten Immobilien kommt zusätzlich die nachhaltig erzielbare Miete hinzu. Auch die verbleibende wirtschaftliche Nutzungsdauer, mögliche Instandhaltungsaufwendungen und rechtliche Einschränkungen können die Bewertung beeinflussen.
Für die Bewertung werden je nach Immobilientyp unterschiedliche Verfahren herangezogen. Besonders verbreitet sind das Sachwertverfahren, das Ertragswertverfahren und das Vergleichswertverfahren. Welches Verfahren maßgeblich ist und wie die Ergebnisse zusammengeführt werden, hängt vom Bewertungszweck und den geltenden Anforderungen ab.
Sachwertverfahren
Beim Sachwertverfahren stehen das Grundstück und die baulichen Anlagen im Mittelpunkt. Zunächst wird der Bodenwert ermittelt. Anschließend wird betrachtet, welchen Wert das Gebäude unter Berücksichtigung seiner Herstellungskosten, seines Alters und seines Zustands besitzt.
Dieses Verfahren ist insbesondere bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern relevant. Ein modernisiertes Haus mit guter Bausubstanz kann beispielsweise einen höheren Gebäudewert besitzen als ein vergleichbares, stark sanierungsbedürftiges Objekt.
Ertragswertverfahren
Das Ertragswertverfahren betrachtet die nachhaltig erzielbaren Erträge einer Immobilie. Es wird insbesondere bei vermieteten Mehrfamilienhäusern und gewerblich genutzten Immobilien eingesetzt.
Entscheidend sind dabei nicht ausschließlich die momentan vereinbarten Mieten. Vielmehr wird geprüft, welche Einnahmen langfristig realistisch erscheinen und welche Bewirtschaftungskosten zu berücksichtigen sind. Überdurchschnittlich hohe Mieten, die dauerhaft möglicherweise nicht erzielbar sind, dürfen die nachhaltige Bewertung nicht unangemessen erhöhen.
Vergleichswertverfahren
Beim Vergleichswertverfahren wird die Immobilie anhand geeigneter Vergleichsobjekte bewertet. Dafür werden Immobilien mit ähnlicher Lage, Größe, Ausstattung und Nutzung herangezogen.
Das Verfahren ist besonders bei Eigentumswohnungen und anderen Immobilienarten hilfreich, für die ausreichend geeignete Vergleichsdaten vorliegen. Allerdings ist ein aktueller Vergleichspreis nicht automatisch mit dem Beleihungswert gleichzusetzen. Auch hier müssen die Anforderungen an eine langfristig tragfähige Bewertung berücksichtigt werden.
Beleihungswert berechnen: Formel und Rechenbeispiel
Für den Beleihungswert gibt es keine allgemeingültige Formel, mit der Verbraucher allein aus dem Kaufpreis den exakten Wert ihrer Immobilie berechnen können. Die Bewertung hängt von verschiedenen Objektmerkmalen und dem angewendeten Bewertungsverfahren ab.
Zur vereinfachten Veranschaulichung lässt sich jedoch mit einem angenommenen Sicherheitsabschlag arbeiten:
Vereinfachter Beleihungswert = Immobilienwert × (1 − angenommener Abschlag)
Diese Formel beschreibt lediglich ein Rechenmodell. Sie ist keine gesetzlich vorgeschriebene Methode zur Beleihungswertermittlung. Insbesondere existiert kein pauschaler Abschlag, der für sämtliche Banken und Immobilien gilt.
Beispiel: Beleihungswert bei einem Hauskauf
Ein Käufer möchte ein Einfamilienhaus für 400.000 Euro erwerben. Für das Beispiel wird angenommen, dass die Bank einen Ausgangswert von ebenfalls 400.000 Euro ermittelt und für ihre vereinfachte Sicherheitenbetrachtung einen Abschlag von 15 Prozent berücksichtigt.
Position | Betrag |
|---|---|
Kaufpreis der Immobilie | 400.000 € |
Angenommener Ausgangswert | 400.000 € |
Beispielhafter Abschlag (15 %) | 60.000 € |
Rechnerischer Beleihungswert | 340.000 € |
Die vereinfachte Rechnung lautet:
400.000 € × 0,85 = 340.000 €
Der rechnerische Beleihungswert beträgt somit 340.000 Euro. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bank höchstens 340.000 Euro als Darlehen vergeben darf. Die mögliche Kredithöhe hängt zusätzlich von der Bonität, dem Einkommen, dem Eigenkapital, der Finanzierungspolitik der Bank und weiteren Sicherheiten ab.
Für den Käufer ist vielmehr entscheidend, wie hoch sein Darlehen im Verhältnis zum angesetzten Sicherheitenwert ausfällt. Dieser Zusammenhang wird über den Beleihungsauslauf dargestellt.
Was ist der Beleihungsauslauf und wie hängt er mit dem Beleihungswert zusammen?
Der Beleihungsauslauf beschreibt das Verhältnis zwischen der maßgeblichen Kreditbelastung und dem Beleihungswert der Immobilie. Er wird in Prozent angegeben und ist eine wichtige Kennzahl bei der Risikobewertung von Immobilienfinanzierungen.
Die vereinfachte Formel lautet:
Beleihungsauslauf = maßgeblicher Darlehensbetrag ÷ Beleihungswert × 100
Bei bestehenden oder mehreren grundpfandrechtlich gesicherten Darlehen müssen gegebenenfalls weitere Belastungen und deren Rang berücksichtigt werden. Die einfache Formel eignet sich deshalb vor allem zur Veranschaulichung einer einzelnen Finanzierung ohne zusätzliche Vorbelastungen.
Angenommen, der Käufer aus dem vorherigen Beispiel benötigt ein Immobiliendarlehen über 300.000 Euro. Der Beleihungswert beträgt 340.000 Euro.
300.000 € ÷ 340.000 € × 100 = 88,24 %
Der Beleihungsauslauf liegt damit bei rund 88 Prozent.
Würde der Käufer stattdessen nur 240.000 Euro finanzieren, ergäbe sich bei unverändertem Beleihungswert ein Beleihungsauslauf von rund 70,6 Prozent.
Merkmal | Finanzierung A | Finanzierung B |
|---|---|---|
Beleihungswert | 340.000 € | 340.000 € |
Darlehensbetrag | 300.000 € | 240.000 € |
Beleihungsauslauf | 88,2 % | 70,6 % |
Die zweite Finanzierung weist aus Sicht der Bank eine geringere Kreditbelastung im Verhältnis zum Sicherheitenwert auf. Das kann zu günstigeren Zinskonditionen führen, sofern die übrigen Voraussetzungen vergleichbar sind.
Banken verwenden häufig bestimmte Beleihungsauslaufklassen zur Zinsgestaltung. Welche Grenzen dabei gelten, unterscheidet sich zwischen den Kreditinstituten.
Warum ist der Beleihungswert bei der Baufinanzierung wichtig?
Der Beleihungswert spielt bei Immobilienkrediten eine wesentliche Rolle, weil er die Einschätzung der Kreditsicherheit beeinflusst. Eine Bank muss beurteilen, welches Risiko sie übernimmt, wenn sie einen hohen Geldbetrag über viele Jahre oder Jahrzehnte verleiht.
Je höher der Darlehensbetrag im Verhältnis zum angesetzten Immobilienwert ausfällt, desto geringer ist grundsätzlich der rechnerische Sicherheitspuffer. Bei einem Zahlungsausfall könnte die Bank Schwierigkeiten haben, ihre Forderungen vollständig aus der Verwertung der Immobilie zu decken.
Ein niedrigerer Beleihungsauslauf kann deshalb günstigere Finanzierungskonditionen ermöglichen. Umgekehrt können hohe Beleihungsausläufe zu Zinsaufschlägen oder strengeren Anforderungen führen. Die tatsächlichen Konditionen hängen allerdings ebenso von Einkommen, Beschäftigungssituation, Kreditwürdigkeit, Tilgung, Zinsbindung und weiteren Faktoren ab.
Besonders relevant wird der Beleihungswert, wenn Käufer nur wenig Eigenkapital einsetzen. Wer beispielsweise den vollständigen Kaufpreis finanzieren möchte, muss damit rechnen, dass die Bank einen Beleihungswert unterhalb des Kaufpreises ansetzt. Dadurch kann der Beleihungsauslauf deutlich über 100 Prozent liegen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass eine solche Finanzierung unmöglich ist. Es kann jedoch schwieriger oder teurer werden, einen passenden Kredit zu erhalten.
Unterschied zwischen Beleihungswert, Verkehrswert und Kaufpreis
Beleihungswert, Verkehrswert und Kaufpreis werden im Zusammenhang mit Immobilien häufig miteinander verwechselt. Tatsächlich beschreiben sie unterschiedliche Größen, die bei einer Finanzierung verschiedene Aufgaben erfüllen.
Begriff | Bedeutung | Besonderheit |
|---|---|---|
Kaufpreis | Tatsächlich vereinbarter Preis für die Immobilie | Wird zwischen Käufer und Verkäufer festgelegt |
Verkehrswert | Geschätzter Marktwert zu einem bestimmten Bewertungsstichtag | Orientiert sich an den Marktverhältnissen |
Beleihungswert | Nachhaltig und vorsichtig ermittelter Sicherheitenwert | Soll langfristig tragfähig sein |
Beleihungsauslauf | Verhältnis der maßgeblichen Kreditbelastung zum Beleihungswert | Dient unter anderem der Risikoeinschätzung |
Ein hoher Kaufpreis bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Immobilie einen entsprechend hohen Beleihungswert besitzt. Käufer können beispielsweise aufgrund einer besonders starken Nachfrage oder persönlicher Vorlieben bereit sein, mehr als den nachhaltig begründbaren Wert zu bezahlen.
Ebenso kann ein Verkehrswert durch kurzfristige Entwicklungen am Immobilienmarkt beeinflusst werden. Der Beleihungswert soll solche vorübergehenden Einflüsse möglichst ausklammern.
Der Beleihungswert ist allerdings nicht grundsätzlich um einen festen Prozentsatz niedriger als der Verkehrswert. Wie groß die Differenz ausfällt, hängt vom Objekt und von der jeweiligen Bewertung ab.
Was ist die Beleihungsgrenze?
Die Beleihungsgrenze bezeichnet einen bestimmten Anteil des Beleihungswerts, bis zu dem eine Finanzierung innerhalb einer festgelegten Sicherheiten- oder Refinanzierungsgrenze berücksichtigt werden kann.
Besonders bekannt ist die 60-Prozent-Grenze im Pfandbriefgeschäft. Bei Hypothekenpfandbriefen dürfen grundpfandrechtlich gesicherte Darlehensforderungen grundsätzlich nur bis zu 60 Prozent des Beleihungswerts zur Deckung herangezogen werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Banken Immobilienkredite generell nur bis zu dieser Höhe vergeben dürfen.
Bei einem Beleihungswert von 340.000 Euro entsprechen 60 Prozent einem Betrag von 204.000 Euro.
340.000 € × 0,60 = 204.000 €
Ein Kreditinstitut kann unter entsprechenden Voraussetzungen trotzdem ein Darlehen über beispielsweise 280.000 Euro vergeben. Der über der pfandbriefrechtlichen Grenze liegende Teil kann lediglich nicht in gleicher Weise für die betreffende Pfandbriefdeckung verwendet werden.
Für Verbraucher ist deshalb die Unterscheidung zwischen Beleihungsgrenze und tatsächlich möglicher Kredithöhe wichtig.
Worauf sollte man beim Beleihungswert achten?
Beim Immobilienkauf sollten Kreditnehmer nicht ausschließlich auf den Kaufpreis und die angebotene monatliche Rate achten. Ebenso relevant ist, wie die finanzierende Bank die Immobilie bewertet und welchen Beleihungsauslauf sie für die Finanzierung zugrunde legt.
Ein häufig unterschätzter Punkt sind die Kaufnebenkosten. Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie gegebenenfalls Maklerkosten erhöhen den gesamten Finanzierungsbedarf, ohne dass sie den Beleihungswert der Immobilie entsprechend steigern. Wer diese Ausgaben ebenfalls über einen Kredit finanzieren muss, kann deshalb einen besonders hohen Beleihungsauslauf erreichen.
Auch der bauliche Zustand verdient Aufmerksamkeit. Eine Immobilie mit erheblichem Sanierungsbedarf kann trotz eines attraktiven Kaufpreises aus Sicht der Bank weniger werthaltig sein als erwartet. Umgekehrt können bestimmte wertsteigernde Modernisierungen bei einer erneuten Bewertung berücksichtigt werden. Die tatsächlichen Baukosten werden jedoch nicht automatisch in gleicher Höhe als Wertsteigerung anerkannt.
Bei ungewöhnlichen Immobilien, etwa denkmalgeschützten Gebäuden, Spezialimmobilien oder Häusern in Regionen mit geringer Nachfrage, kann die langfristige Verwertbarkeit eine besondere Rolle spielen.
Wer mehrere Finanzierungsangebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf den effektiven Jahreszins achten, sondern auch darauf, ob die Kreditinstitute unterschiedliche Sicherheitenwerte ansetzen. Abweichende Bewertungen können ein Grund für unterschiedliche Konditionen sein.
Kann sich der Beleihungswert im Laufe der Zeit verändern?
Der Beleihungswert ist auf eine langfristige Betrachtung ausgerichtet, bleibt aber nicht zwangsläufig während der gesamten Kreditlaufzeit unverändert. Veränderungen am Gebäude, erhebliche Schäden, geänderte Nutzungsmöglichkeiten oder andere wertrelevante Entwicklungen können eine Neubewertung erforderlich machen.
Auch bei einer Anschlussfinanzierung kann die Immobilie erneut bewertet werden. Ob dies geschieht und welches Verfahren angewendet wird, hängt von der Bank und der konkreten Finanzierungssituation ab.
Steigt der Immobilienwert nachhaltig und wurde das Darlehen zwischenzeitlich deutlich getilgt, kann sich das Verhältnis zwischen Kreditbelastung und Sicherheitenwert verbessern. Dies kann bei einer Anschlussfinanzierung vorteilhaft sein.
Umgekehrt können eine Verschlechterung des Gebäudezustands oder ungünstige Entwicklungen am Immobilienmarkt die Bewertung beeinflussen. Ein sinkender Beleihungswert führt bei einem laufenden, ordnungsgemäß bedienten Immobilienkredit allerdings nicht automatisch dazu, dass die Bank sofort zusätzliche Eigenmittel verlangen darf. Dafür kommt es auf die vertraglichen und gesetzlichen Voraussetzungen an.
Typische Fehler und Missverständnisse beim Beleihungswert
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, den Beleihungswert mit dem maximal möglichen Darlehen gleichzusetzen. Tatsächlich können Banken unter bestimmten Voraussetzungen auch Kredite vergeben, die oberhalb des Beleihungswerts liegen. Entscheidend ist die gesamte Kreditprüfung.
Ebenso falsch ist die Annahme, der Beleihungswert müsse immer exakt 80 oder 90 Prozent des Kaufpreises betragen. Solche Prozentwerte können in vereinfachten Beispielen vorkommen, stellen jedoch keine allgemeingültigen Bewertungsregeln dar.
Ein weiterer Fehler ist die Gleichsetzung von Beleihungswert und Grundschuld. Die Grundschuld ist ein dingliches Sicherungsrecht an der Immobilie, das im Grundbuch eingetragen wird. Der Beleihungswert ist dagegen eine Bewertungsgröße. Die eingetragene Grundschuldhöhe muss daher nicht mit dem Beleihungswert übereinstimmen.
Auch ein hoher Beleihungswert garantiert keine Kreditzusage. Selbst wenn die Immobilie aus Sicht der Bank eine gute Sicherheit darstellt, muss der Kreditnehmer wirtschaftlich in der Lage sein, die vereinbarten Raten dauerhaft zu tragen.
Für wen ist der Beleihungswert besonders relevant?
Besonders wichtig ist der Beleihungswert für Menschen, die ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen und dafür einen Immobilienkredit benötigen. Gerade bei geringem Eigenkapital kann die Bewertung darüber mitentscheiden, welche Finanzierungsmöglichkeiten und Zinssätze angeboten werden.
Auch Eigentümer mit einer bestehenden Baufinanzierung sollten den Begriff kennen. Bei einer Anschlussfinanzierung, Umschuldung oder zusätzlichen Immobilienbeleihung kann der aktuelle Sicherheitenwert erneut relevant werden.
Für Kapitalanleger besitzt der Beleihungswert ebenfalls Bedeutung. Wer vermietete Immobilien finanziert, muss berücksichtigen, dass die Bank nicht nur die aktuelle Miete, sondern auch die nachhaltige Ertragskraft und langfristige Verwertbarkeit beurteilt.
Häufige Fragen zum Beleihungswert
Die folgenden Fragen behandeln typische Situationen, die bei der Immobilienfinanzierung, einer Neubewertung oder dem Vergleich von Kreditangeboten auftreten können.
Kann der Beleihungswert höher als der Kaufpreis sein?
Ein Beleihungswert oberhalb des tatsächlich gezahlten Kaufpreises ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Das kann beispielsweise bei einem besonders günstigen Erwerb oder einer Übertragung innerhalb der Familie denkbar sein. Entscheidend ist, ob die eigenständige Bewertung einen entsprechend hohen nachhaltigen Wert rechtfertigt. Ein günstiger Kaufpreis allein genügt dafür nicht. Banken können bei der Kreditentscheidung außerdem zusätzliche interne Vorgaben anwenden und beispielsweise den niedrigeren Wert aus Kaufpreis und Bewertung berücksichtigen. Kreditnehmer sollten deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass ein günstiger Immobilienkauf zu einem entsprechend höheren verfügbaren Darlehensbetrag führt.
Wie viel Prozent vom Kaufpreis beträgt der Beleihungswert normalerweise?
Es gibt keinen allgemeingültigen Prozentsatz, der den Beleihungswert zuverlässig aus dem Kaufpreis ableitet. Zwar werden in vereinfachten Finanzierungsbeispielen häufig Abschläge von 10 oder 20 Prozent verwendet, doch solche Werte sind keine verbindlichen Regeln. Bei der tatsächlichen Bewertung kommt es auf Lage, Zustand, Nutzung, nachhaltige Erträge und das angewendete Verfahren an. Auch unterschiedliche Kreditinstitute können zu abweichenden Ergebnissen gelangen. Wer seine Finanzierung plant, sollte deshalb mit der konkreten Bewertung der jeweiligen Bank rechnen und nicht mit einem pauschalen Sicherheitsabschlag.
Kann ich den Beleihungswert meiner Immobilie selbst berechnen?
Eine grobe Einschätzung des Immobilienwerts ist mithilfe von Vergleichspreisen, Grundstücksdaten und Informationen zum Gebäude möglich. Den verbindlichen Beleihungswert für eine konkrete Kreditentscheidung können Verbraucher jedoch normalerweise nicht selbst festlegen. Dafür sind die Bewertungsanforderungen und bankinternen Verfahren zu unterschiedlich. Besonders bei vermieteten Immobilien spielen nachhaltige Erträge und Bewirtschaftungskosten eine Rolle. Eine eigene Überschlagsrechnung kann helfen, die Größenordnung einzuschätzen. Für die tatsächlichen Finanzierungskonditionen ist jedoch maßgeblich, welchen Sicherheitenwert das jeweilige Kreditinstitut anerkennt.
Was passiert, wenn die Bank den Beleihungswert zu niedrig ansetzt?
Setzt eine Bank den Beleihungswert deutlich niedriger an als erwartet, kann sich der Beleihungsauslauf erhöhen. Dadurch sind ungünstigere Zinssätze, höhere Eigenkapitalanforderungen oder Einschränkungen bei der Kreditvergabe möglich. Kreditnehmer können nachfragen, welche Objektmerkmale für die Bewertung ausschlaggebend waren und ob relevante Unterlagen fehlen. Beispielsweise können nicht berücksichtigte Modernisierungen oder fehlerhafte Flächenangaben eine Überprüfung rechtfertigen. Ein Anspruch darauf, dass die Bank eine bestimmte Bewertung übernimmt, besteht jedoch nicht allein deshalb, weil der Käufer den Immobilienwert anders einschätzt. Auch ein Vergleich mit anderen Kreditinstituten kann sinnvoll sein.
Kostet die Ermittlung des Beleihungswerts Geld?
Die Kosten hängen davon ab, wie das Kreditinstitut die Bewertung organisiert und welche Leistungen erforderlich sind. Manche Banken führen die Immobilienbewertung intern durch und verlangen dafür kein gesondertes Entgelt vom Kreditnehmer. Bei anderen Finanzierungssituationen können externe Gutachten erforderlich werden. Ob und welche Kosten der Kreditnehmer tragen muss, hängt von der konkreten Vereinbarung und der rechtlichen Zulässigkeit der Entgelte ab. Nicht jede als Schätz- oder Wertermittlungsgebühr bezeichnete Forderung ist automatisch wirksam. Verbraucher sollten deshalb vor der Beauftragung eines kostenpflichtigen Gutachtens klären, wer Auftraggeber ist und welche Kosten tatsächlich entstehen.
Verbessert eine energetische Sanierung den Beleihungswert?
Eine energetische Sanierung kann den nachhaltigen Wert einer Immobilie positiv beeinflussen, wenn sie beispielsweise die Gebäudesubstanz verbessert, den Energiebedarf senkt oder die langfristige Vermarktbarkeit erhöht. Allerdings führt eine Investition von 50.000 Euro nicht automatisch zu einer Erhöhung des Beleihungswerts um denselben Betrag. Entscheidend ist, welchen wirtschaftlichen Mehrwert die Maßnahmen tatsächlich schaffen und wie dieser im Bewertungsverfahren berücksichtigt wird. Auch die Lage und die allgemeine Marktnachfrage bleiben relevant. Bei einer geplanten Modernisierungsfinanzierung kann es sinnvoll sein, vorab mit der Bank zu klären, welche Maßnahmen bei der Bewertung anerkannt werden.
Wird bei einer Anschlussfinanzierung ein neuer Beleihungswert ermittelt?
Bei einer Anschlussfinanzierung kann die Bank den Sicherheitenwert erneut prüfen. Eine vollständige neue Immobilienbewertung ist jedoch nicht in jedem Fall erforderlich. Wird die Finanzierung beim bisherigen Kreditinstitut fortgeführt, können vorhandene Bewertungsdaten unter bestimmten Voraussetzungen weiterverwendet werden. Bei einem Bankenwechsel ist häufig eine eigene Bewertung durch den neuen Kreditgeber notwendig. Für Eigentümer kann sich eine verbesserte Finanzierungssituation ergeben, wenn die Restschuld durch laufende Tilgungen deutlich gesunken ist. Auch ohne höheren Beleihungswert kann dadurch der Beleihungsauslauf niedriger ausfallen und möglicherweise eine günstigere Zinsklasse erreicht werden.
Kann eine Bank trotz ausreichendem Beleihungswert einen Immobilienkredit ablehnen?
Ja. Der Beleihungswert beschreibt die Qualität der Immobiliensicherheit, ersetzt aber nicht die Prüfung der Kreditwürdigkeit. Banken müssen beurteilen, ob der Kreditnehmer seine Zahlungsverpflichtungen voraussichtlich erfüllen kann. Dazu werden unter anderem Einkommen, regelmäßige Ausgaben, bestehende Verbindlichkeiten und die wirtschaftliche Gesamtsituation berücksichtigt. Selbst eine Immobilie mit einem hohen Beleihungswert bietet deshalb keine Garantie für eine Kreditzusage. Umgekehrt kann eine solide Einkommenssituation allein nicht jede unzureichende Besicherung ausgleichen. Für eine erfolgreiche Immobilienfinanzierung müssen sowohl die wirtschaftliche Tragfähigkeit als auch die Anforderungen des Kreditinstituts an die Sicherheit erfüllt sein.
Fazit: Der Beleihungswert beeinflusst die Immobilienfinanzierung
Der Beleihungswert ist eine zentrale Bewertungsgröße bei der Absicherung von Immobilienkrediten. Er beschreibt nicht einfach den aktuellen Verkaufspreis einer Immobilie, sondern soll ihren langfristig tragfähigen Wert widerspiegeln. Damit schafft er eine Grundlage für die Beurteilung der Kreditsicherheit und beeinflusst insbesondere über den Beleihungsauslauf die Finanzierungskonditionen. Entscheidend ist dabei, dass der Beleihungswert weder mit dem Kaufpreis noch mit der maximal möglichen Darlehenshöhe gleichgesetzt werden darf.
Für Immobilienkäufer und Eigentümer lohnt es sich, den Zusammenhang zwischen Beleihungswert, Darlehensbetrag und Eigenkapital zu verstehen. Ein höherer Eigenkapitaleinsatz oder eine bereits deutlich reduzierte Restschuld kann den Beleihungsauslauf verbessern und unter Umständen günstigere Zinsen ermöglichen. Bei der Finanzierungsplanung sollten deshalb nicht nur Kaufpreis und monatliche Kreditrate betrachtet werden, sondern auch die Bewertung der Immobilie durch die Bank. Gerade beim Vergleich mehrerer Kreditangebote kann dieser Zusammenhang helfen, unterschiedliche Konditionen besser einzuordnen.