NurGeld Finanzlexikon
Realzins
Das Wichtigste in Kürze
- Der Realzins zeigt die Verzinsung unter Berücksichtigung der Inflation und damit die Entwicklung der Kaufkraft.
- Ein positiver Nominalzins kann mit einem negativen Realzins einhergehen, wenn die Inflation höher als die Verzinsung ist.
- Überschlägig lässt sich der Realzins berechnen, indem die Inflationsrate vom Nominalzins abgezogen wird.
- Für eine mathematisch genauere Berechnung werden Nominalzins und Inflation miteinander ins Verhältnis gesetzt.
- Besonders für Tagesgeld, Festgeld und festverzinsliche Anlagen ist der Realzins eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung des tatsächlichen Ertrags.
Der Realzins zeigt, wie sich der tatsächliche Wert von verzinstem Geld entwickelt, wenn die Inflation berücksichtigt wird. Während der auf einem Tagesgeldkonto, Festgeld oder einer Anleihe angegebene Zinssatz zunächst nur den nominalen Ertrag beschreibt, beantwortet der Realzins eine für Sparer wesentlich wichtigere Frage: Steigt mit den Zinsen auch die Kaufkraft des angelegten Geldes?
Gerade in Zeiten höherer Inflation kann der Unterschied erheblich sein. Ein Guthaben kann beispielsweise mit 2,5 Prozent verzinst werden und auf dem Konto sichtbar wachsen. Liegt die Inflationsrate gleichzeitig bei 3 Prozent, können sich Sparer von ihrem Geld trotz der erhaltenen Zinsen weniger kaufen als zuvor. Der Realzins macht diesen Kaufkraftverlust sichtbar und ist deshalb eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung von Spar- und Anlageergebnissen.
Was bedeutet Realzins?
Als Realzins wird ein Zinssatz bezeichnet, bei dem die Wirkung der Inflation berücksichtigt wird. Er beschreibt damit nicht lediglich, wie stark ein Geldbetrag rechnerisch wächst, sondern wie sich dessen Kaufkraft entwickelt.
Das Gegenstück ist der Nominalzins. Dieser gibt beispielsweise an, welchen Zinssatz eine Bank für ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto zahlt. Werden 10.000 Euro mit jährlich 3 Prozent verzinst, entstehen vor Steuern zunächst 300 Euro Zinsen. Der Kontostand steigt dadurch auf 10.300 Euro.
Ob der Sparer tatsächlich wohlhabender geworden ist, lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten. Steigen die Preise innerhalb desselben Zeitraums ebenfalls, kann mit den 10.300 Euro weniger gekauft werden, als der höhere Kontostand vermuten lässt. Genau diese Veränderung berücksichtigt der Realzins.
Ein positiver Realzins bedeutet grundsätzlich, dass die Verzinsung höher als die Inflation ist und die Kaufkraft des Geldes steigt. Bei einem negativen Realzins liegt die Inflation dagegen über der Verzinsung. Das Geld wächst dann möglicherweise nominal, verliert aber real an Kaufkraft.
Wie funktioniert der Realzins?
Für den Realzins werden Nominalzins und Inflation miteinander ins Verhältnis gesetzt. Vereinfacht lässt er sich ermitteln, indem die Inflationsrate vom Nominalzins abgezogen wird.
Bietet eine Geldanlage beispielsweise 4 Prozent Zinsen und beträgt die Inflation 2 Prozent, ergibt sich überschlägig ein Realzins von rund 2 Prozent. Bei 2 Prozent Zinsen und 3 Prozent Inflation liegt er dagegen bei ungefähr minus 1 Prozent.
Diese einfache Rechnung eignet sich gut zur schnellen Orientierung. Mathematisch genauer ist allerdings eine Berechnung, bei der Nominalzins und Inflationsrate miteinander ins Verhältnis gesetzt werden. Der Unterschied zwischen beiden Methoden fällt bei niedrigen Prozentwerten meist relativ klein aus, kann bei höheren Zinssätzen und Inflationsraten aber deutlicher werden.
Wichtig ist außerdem der betrachtete Zeitraum. Ein aktueller Sparzins lässt sich nicht ohne Weiteres mit einer vergangenen Inflationsrate vergleichen, wenn beurteilt werden soll, welche reale Rendite eine Anlage künftig erzielen wird. Zinsen können teilweise im Voraus feststehen, die tatsächliche Inflation des kommenden Jahres dagegen nicht.
Beispiel: Was ein negativer Realzins für Sparer bedeutet
Ein Sparer legt 20.000 Euro für ein Jahr zu einem Nominalzins von 2,5 Prozent an. Ohne Berücksichtigung von Steuern erhält er 500 Euro Zinsen. Am Ende des Jahres stehen damit 20.500 Euro zur Verfügung.
Nehmen wir für das Beispiel an, dass die Preise während dieses Jahres durchschnittlich um 3,5 Prozent steigen. Die einfache Näherungsrechnung ergibt:
2,5 % − 3,5 % = −1,0 %
Der Realzins liegt damit ungefähr bei minus 1 Prozent. Obwohl der Sparer 500 Euro Zinsen erhalten hat und sein Kontostand gestiegen ist, hat sich seine Kaufkraft verschlechtert.
Mathematisch genauer ergibt sich ein Realzins von rund minus 0,97 Prozent. Um nach einer Preissteigerung von 3,5 Prozent dieselbe Kaufkraft wie zuvor mit 20.000 Euro zu besitzen, wären am Jahresende etwa 20.700 Euro erforderlich. Tatsächlich stehen aber nur 20.500 Euro zur Verfügung.
Das Beispiel zeigt, weshalb allein der Blick auf die gutgeschriebenen Zinsen zu kurz greift. Ein steigender Kontostand bedeutet nicht automatisch einen realen Vermögenszuwachs.
Warum ist der Realzins wichtig?
Der Realzins hilft Verbrauchern dabei, Spar- und Anlageergebnisse realistischer einzuschätzen. Besonders relevant ist er bei Geldanlagen, deren Ertrag hauptsächlich aus Zinsen besteht. Dazu gehören beispielsweise Tagesgeld, Festgeld und viele Anleihen.
Bei langfristigen Sparzielen spielt die Kaufkraft eine entscheidende Rolle. Wer Geld für die Altersvorsorge, eine größere Anschaffung oder eine finanzielle Rücklage zurücklegt, möchte in der Regel nicht nur einen höheren Kontostand erreichen. Entscheidend ist letztlich, welche Waren und Dienstleistungen mit diesem Vermögen später bezahlt werden können.
Negative Realzinsen können über längere Zeit erhebliche Auswirkungen haben. Ein jährlicher Kaufkraftverlust von beispielsweise 1 Prozent erscheint zunächst überschaubar. Wiederholt er sich jedoch über viele Jahre, summiert sich der Effekt.
Der Realzins ist deshalb auch für den Vergleich verschiedener Anlageformen interessant. Ein sehr sicher verzinstes Guthaben kann nominal einen positiven Ertrag erzielen und gleichzeitig real an Wert verlieren. Umgekehrt dürfen höhere Renditechancen anderer Anlagen nicht isoliert betrachtet werden, da mit ihnen häufig höhere Wertschwankungen und Verlustrisiken verbunden sind.
Worauf sollte man beim Realzins achten?
Ein häufiger Fehler besteht darin, Nominalzins und Realzins gleichzusetzen. Die auf einem Sparprodukt angegebenen Zinsen sagen zunächst nichts darüber aus, wie sich die Kaufkraft des Guthabens entwickelt. Dafür muss zusätzlich die Inflation betrachtet werden.
Ebenso sollte die Inflationsrate nicht als für jeden Haushalt identischer persönlicher Wert verstanden werden. Offizielle Inflationsraten basieren auf einem durchschnittlichen Warenkorb. Ein Haushalt, der einen besonders großen Teil seines Einkommens für stark verteuerte Waren oder Dienstleistungen ausgibt, kann persönlich eine höhere Teuerung wahrnehmen. Bei einem anderen Haushalt kann die individuelle Preisentwicklung niedriger ausfallen.
Auch Steuern können für das tatsächlich verfügbare Ergebnis relevant sein. Werden Zinserträge besteuert, steht nicht der vollständige Nominalzins für den Kaufkrafterhalt zur Verfügung. Ob tatsächlich Steuern anfallen, hängt unter anderem von den persönlichen Kapitalerträgen und den geltenden steuerlichen Regelungen ab.
Bei einer vorausschauenden Betrachtung kommt eine weitere Unsicherheit hinzu: Die künftige Inflation ist nicht exakt bekannt. Ein heute vereinbarter Festgeldzins lässt sich daher erst im Nachhinein mit der tatsächlich eingetretenen Inflation vergleichen, wenn der reale Wertzuwachs präzise bestimmt werden soll.
Realzins berechnen
Für eine schnelle Einschätzung wird häufig folgende Näherungsformel verwendet:
Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate
Bei einem Nominalzins von 3 Prozent und einer Inflationsrate von 2 Prozent ergibt sich damit:
3 % − 2 % = 1 %
Der Realzins beträgt näherungsweise 1 Prozent.
Genauer lässt sich der Realzins mit folgender Formel bestimmen:
Realzins = ((1 + Nominalzins) / (1 + Inflationsrate) − 1) × 100
Die Prozentsätze werden bei der Berechnung als Dezimalzahlen eingesetzt. Bei 3 Prozent Nominalzins und 2 Prozent Inflation ergibt sich:
((1,03 / 1,02) − 1) × 100 ≈ 0,98 %
Der exakte Realzins liegt damit bei rund 0,98 Prozent und nicht genau bei 1 Prozent.
Der Unterschied ist in diesem Beispiel gering. Bei höheren Werten wird er deutlicher. Angenommen, eine Anlage bringt 8 Prozent Zinsen und die Inflation beträgt 6 Prozent. Die einfache Rechnung ergibt einen Realzins von 2 Prozent. Mit der genaueren Formel ergibt sich dagegen:
((1,08 / 1,06) − 1) × 100 ≈ 1,89 %
Für überschlägige Vergleiche genügt häufig die Differenz aus Nominalzins und Inflation. Soll die tatsächliche Kaufkraftentwicklung genauer ermittelt werden, ist die Verhältnisformel aussagekräftiger.
Realzins und Nominalzins: Wo liegt der Unterschied?
Nominalzins und Realzins beschreiben zwei unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Verzinsung. Der Nominalzins zeigt die Verzinsung ohne Inflationsbereinigung, während der Realzins die Veränderung der Kaufkraft berücksichtigt.
MerkmalNominalzinsRealzinsInflation berücksichtigtNeinJaZeigt nominalen GeldzuwachsJaNicht unmittelbarZeigt KaufkraftentwicklungNeinJaKann trotz positiver Verzinsung negativ seinNeinJaGeeignet zur Beurteilung des KaufkrafterhaltsNur eingeschränktJaEin Tagesgeldkonto mit 2 Prozent Verzinsung besitzt somit einen positiven Nominalzins. Beträgt die Inflation gleichzeitig 3 Prozent, ist der Realzins dennoch negativ.
Davon zu unterscheiden ist die Realrendite. Der Begriff wird vor allem bei Geldanlagen verwendet und kann neben laufenden Erträgen beispielsweise auch Wertveränderungen einer Anlage berücksichtigen. Der Realzins bezieht sich dagegen auf einen Zinssatz, der um den Inflationseffekt bereinigt wird.
Typische Fehler und Missverständnisse beim Realzins
Ein positiver Nominalzins wird häufig automatisch als Vermögenszuwachs verstanden. Das stimmt zwar hinsichtlich des nominalen Geldbetrags, muss aber nicht für dessen Kaufkraft gelten. Bei höherer Inflation kann ein Guthaben trotz Zinsgutschrift real an Wert verlieren.
Ebenso bedeutet ein negativer Realzins nicht, dass die Bank Geld vom Guthaben abbucht. Bei 2 Prozent Zinsen und 3 Prozent Inflation wächst der Kontostand weiterhin durch die Zinszahlung. Negativ ist lediglich die reale Entwicklung: Die Preise steigen schneller als das Guthaben.
Ein weiteres Missverständnis besteht darin, einen positiven Realzins mit einer garantiert vorteilhaften Geldanlage gleichzusetzen. Der Realzins ist nur eine Kennzahl. Für eine Anlageentscheidung können zusätzlich Sicherheit, Verfügbarkeit, Laufzeit, Kosten, Steuern und mögliche Wertschwankungen relevant sein.
Schließlich sollte eine aktuelle Inflationsrate nicht einfach über viele Jahre fortgeschrieben werden. Sowohl Inflation als auch Marktzinsen können sich deutlich verändern. Der Realzins ist deshalb immer an einen bestimmten Zeitraum beziehungsweise an bestimmte Annahmen gebunden.
Für wen ist der Realzins besonders relevant?
Besonders wichtig ist der Realzins für Sparer, die größere Beträge auf Tagesgeld-, Festgeld- oder anderen verzinsten Konten halten. Er ermöglicht ihnen eine bessere Einschätzung, ob die angebotene Verzinsung zumindest ausreicht, um den allgemeinen Kaufkraftverlust auszugleichen.
Auch für Anleger und Käufer festverzinslicher Wertpapiere ist die Kennzahl relevant. Bei langfristigen Anlageentscheidungen kann eine unerwartet hohe Inflation dazu führen, dass ein zunächst attraktiv wirkender nominaler Ertrag real deutlich geringer ausfällt.
Darüber hinaus ist das Konzept für die langfristige Finanzplanung hilfreich. Wer beispielsweise Vermögen für den Ruhestand aufbaut, sollte zukünftige Beträge nicht ausschließlich nominal betrachten. 100.000 Euro in vielen Jahren besitzen bei steigenden Preisen eine andere Kaufkraft als 100.000 Euro heute.
Häufige Fragen zum Realzins
Kann der Realzins negativ sein, obwohl ich Zinsen bekomme?
Ja. Das passiert, wenn die Inflation stärker ist als die Verzinsung. Erhält ein Sparer beispielsweise 2 Prozent Zinsen, während die Preise im gleichen Zeitraum um 3 Prozent steigen, wächst sein Kontostand nominal. Seine Kaufkraft nimmt jedoch ab. Vereinfacht liegt der Realzins bei etwa minus 1 Prozent. Ein negativer Realzins bedeutet deshalb nicht, dass der Geldbetrag auf dem Konto automatisch sinkt. Er zeigt vielmehr, dass die Verzinsung nicht ausreicht, um den durch die Inflation verursachten Kaufkraftverlust vollständig auszugleichen.
Was bedeutet ein Realzins von null Prozent?
Ein Realzins von ungefähr null Prozent bedeutet, dass Verzinsung und Inflation einander weitgehend ausgleichen. Das Vermögen wächst zwar möglicherweise nominal, seine Kaufkraft bleibt jedoch ungefähr erhalten. Bei einer vereinfachten Betrachtung wäre dies beispielsweise bei 2 Prozent Zinsen und 2 Prozent Inflation der Fall. Bei einer mathematisch exakten Berechnung können sich geringfügige Abweichungen ergeben. Außerdem können Steuern auf Zinserträge dazu führen, dass das tatsächlich verfügbare Ergebnis niedriger ausfällt. Für Sparer ist deshalb nicht allein die nominelle Verzinsung entscheidend.
Ist ein positiver Realzins immer gut?
Ein positiver Realzins bedeutet zunächst, dass die Verzinsung die zugrunde gelegte Inflation übersteigt. Das ist hinsichtlich des Kaufkrafterhalts grundsätzlich positiv. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein bestimmtes Finanzprodukt insgesamt die beste Wahl ist. Laufzeit, Verfügbarkeit, Ausfallrisiko, Steuern und weitere Kosten können ebenfalls eine Rolle spielen. Bei Wertpapieren kommen mögliche Kursschwankungen hinzu. Der Realzins sollte deshalb als wichtige Kennzahl verstanden werden, aber nicht als einziges Kriterium für eine Spar- oder Anlageentscheidung.
Welche Inflationsrate sollte man für den Realzins verwenden?
Das hängt davon ab, was untersucht werden soll. Für eine rückblickende Berechnung lässt sich die tatsächlich gemessene Inflation des entsprechenden Zeitraums heranziehen. Für eine zukünftige Betrachtung muss dagegen mit einer Inflationserwartung gerechnet werden, da die tatsächliche Preisentwicklung noch unbekannt ist. Dabei sollte außerdem derselbe Zeitraum betrachtet werden: Ein Jahreszins sollte nicht unkritisch mit einer Inflationsrate aus einem völlig anderen Zeitraum verglichen werden. Für die persönliche Finanzplanung kann zusätzlich relevant sein, dass die individuelle Preisentwicklung vom allgemeinen Verbraucherpreisindex abweichen kann.
Werden Steuern beim Realzins berücksichtigt?
Der klassische Realzins berücksichtigt zunächst die Wirkung der Inflation auf einen nominalen Zinssatz. Steuern auf Zinserträge sind darin nicht automatisch enthalten. Für Verbraucher kann jedoch zusätzlich interessant sein, welche reale Rendite nach Steuern verbleibt. Werden beispielsweise Zinserträge tatsächlich besteuert, reduziert sich der Betrag, der zum Ausgleich der Inflation zur Verfügung steht. Ob und in welcher Höhe Steuern anfallen, hängt von der persönlichen steuerlichen Situation und den geltenden Regelungen ab. Für einen individuellen Vergleich kann deshalb eine Betrachtung nach Steuern aussagekräftiger sein.
Warum ist der Realzins bei Tagesgeld und Festgeld besonders interessant?
Bei Tagesgeld und Festgeld steht die Verzinsung im Mittelpunkt des Ertrags. Deshalb lässt sich besonders anschaulich vergleichen, ob die Zinsen den Kaufkraftverlust durch Inflation ausgleichen. Ein Tagesgeldangebot mit einem hohen Nominalzins kann weniger attraktiv sein, als es zunächst erscheint, wenn gleichzeitig eine hohe Inflation herrscht. Bei Festgeld kommt hinzu, dass der Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben sein kann, während sich die Inflation verändert. Der spätere reale Ertrag steht daher bei Vertragsabschluss nicht zwingend fest.
Kann man den Realzins für mehrere Jahre berechnen?
Ja, allerdings sollte bei längeren Zeiträumen nicht einfach ein einzelner Jahreswert mit der Anzahl der Jahre multipliziert werden. Zinsen und Preissteigerungen wirken über mehrere Jahre jeweils auf bereits veränderte Beträge beziehungsweise Preisniveaus. Außerdem können Zinssätze und Inflationsraten von Jahr zu Jahr schwanken. Für eine genaue Mehrjahresbetrachtung müssen deshalb die jeweiligen Entwicklungen miteinander verrechnet werden. Gerade bei langfristigem Vermögensaufbau zeigt sich dadurch, wie stark selbst scheinbar kleine Unterschiede zwischen nominaler Rendite und Inflation die spätere Kaufkraft beeinflussen können.
Fazit
Der Realzins macht sichtbar, was ein nominaler Zinssatz allein nicht zeigt: ob verzinstes Geld tatsächlich an Kaufkraft gewinnt oder verliert. Liegt die Verzinsung oberhalb der Inflation, ist der Realzins positiv. Steigen die Preise dagegen stärker als das Guthaben durch Zinsen wächst, entsteht ein negativer Realzins. Ein höherer Kontostand kann deshalb gleichzeitig mit einem realen Vermögensverlust einhergehen.
Für Sparer ist der Realzins vor allem bei Tagesgeld, Festgeld und festverzinslichen Anlagen eine hilfreiche Orientierungsgröße. Statt Angebote ausschließlich nach dem angegebenen Zinssatz zu beurteilen, lohnt sich zusätzlich der Blick auf Inflation, Steuern, Laufzeit und Verfügbarkeit. Besonders bei langfristigen Sparzielen hilft die reale Betrachtung dabei, nicht nur zukünftige Eurobeträge, sondern deren tatsächliche Kaufkraft im Blick zu behalten.