Wie viel Vermögen haben Deutsche im Durchschnitt?

Deutsche Haushalte besitzen im Durchschnitt ein deutlich höheres Vermögen, als viele vermuten – für den persönlichen Vergleich ist dieser Wert jedoch nur bedingt geeignet. Entscheidend ist vor allem der Median, weil wenige sehr große Vermögen den Durchschnitt stark nach oben ziehen.

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Wie viel Vermögen haben die Deutschen? Nach den aktuellsten umfassenden Daten der Deutschen Bundesbank verfügte ein privater Haushalt in Deutschland im Jahr 2023 über ein durchschnittliches Nettovermögen von rund 324.800 Euro. Das klingt zunächst nach einer enormen Summe. Wer selbst deutlich weniger besitzt, liegt damit allerdings keineswegs automatisch ungewöhnlich weit zurück.

Der Grund zeigt sich beim Median: Er lag lediglich bei 103.200 Euro je Haushalt. Der Median teilt alle Haushalte genau in zwei Hälften. Eine Hälfte besitzt weniger als 103.200 Euro Nettovermögen, die andere mehr. Dass der Durchschnitt mehr als dreimal so hoch liegt, zeigt, wie stark sehr vermögende Haushalte den Mittelwert beeinflussen.

Für einen sinnvollen Vermögensvergleich muss außerdem geklärt werden, was überhaupt als Vermögen gezählt wird. Es geht nicht nur um Geld auf Konten oder im Depot. Immobilien, Fahrzeuge und Unternehmensvermögen gehören ebenso dazu, während bestehende Schulden abgezogen werden. Noch wichtiger: Die genannten Bundesbank-Werte beziehen sich auf Haushalte und nicht auf einzelne Personen. Ein Single sollte sein Vermögen deshalb nicht ungeprüft mit dem eines Paarhaushalts vergleichen.

Durchschnittsvermögen in Deutschland: 324.800 Euro netto

Die Bundesbank untersucht mit ihrer Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ regelmäßig die Vermögenssituation deutscher Haushalte. Die derzeit aktuellste vollständig ausgewertete Erhebungswelle bezieht sich auf 2023; die Ergebnisse wurden 2025 veröffentlicht.

Das durchschnittliche Nettovermögen eines Haushalts betrug 2023 rund 324.800 Euro. Gegenüber 2021 mit 316.500 Euro entspricht das nominal einem Zuwachs von etwa 3 Prozent. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Haushalte tatsächlich wohlhabender geworden sind. Werden die Werte um die zwischenzeitliche Inflation bereinigt, sank das durchschnittliche Vermögen in Preisen von 2010 von 268.700 Euro auf 239.200 Euro.

Die wichtigsten Zahlen lassen sich kompakt gegenüberstellen:

Kennzahl Nettovermögen 2023
Durchschnitt (Mittelwert) 324.800 €
Median 103.200 €
Durchschnitt inflationsbereinigt* 239.200 €
Median inflationsbereinigt* 76.000 €

* In Preisen von 2010.

Damit steckt hinter der scheinbar einfachen Frage „Wie viel Vermögen haben Deutsche im Durchschnitt?“ bereits eine entscheidende Unterscheidung: 324.800 Euro sind der mathematische Durchschnitt, 103.200 Euro beschreiben die Mitte der Bevölkerung wesentlich besser.

Warum der Durchschnitt ein verzerrtes Bild vermittelt

Der Durchschnitt entsteht, indem die Nettovermögen sämtlicher Haushalte zusammengerechnet und anschließend durch die Zahl der Haushalte geteilt werden. Bei einer gleichmäßigen Vermögensverteilung wäre diese Kennzahl durchaus aussagekräftig. Vermögen ist allerdings ausgesprochen ungleich verteilt.

Ein vereinfachtes Beispiel macht das Problem sichtbar. Angenommen, fünf Haushalte besitzen jeweils 10.000, 30.000, 50.000, 100.000 und 1.000.000 Euro. Zusammen sind das 1,19 Millionen Euro. Das durchschnittliche Vermögen beträgt damit 238.000 Euro.

Vier der fünf Haushalte besitzen jedoch weniger als diesen Durchschnitt. Der mittlere Haushalt kommt lediglich auf 50.000 Euro. Das Millionenvermögen eines einzigen Haushalts hat den Durchschnitt massiv angehoben.

In der tatsächlichen Vermögensverteilung Deutschlands passiert genau dieser Effekt in erheblich größerem Maßstab. Nach den Bundesbank-Daten entfielen 2023 rund 54 Prozent des gesamten Nettovermögens auf die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte. Das Verhältnis von Mittelwert zu Median betrug rund 3,1.

Deshalb sollte die Aussage „Deutsche haben durchschnittlich 324.800 Euro Vermögen“ nie ohne weitere Einordnung stehen.

Der Median von 103.200 Euro ist für Vergleiche häufig hilfreicher

Beim Median werden alle Haushalte nach ihrem Nettovermögen sortiert. Anschließend wird der Haushalt betrachtet, der genau in der Mitte dieser Verteilung liegt. Extrem hohe Vermögen am oberen Ende verändern diesen Wert kaum.

2023 betrug das Median-Nettovermögen 103.200 Euro. Vereinfacht bedeutet das: Rund die Hälfte der Haushalte hatte weniger und die andere Hälfte mehr Nettovermögen.

Auch der Median ging gegenüber 2021 zurück. Damals waren es nominal noch 106.600 Euro. Inflationsbereinigt fiel der Wert sogar von 90.500 auf 76.000 Euro in Preisen von 2010.

Wer wissen möchte, ob das eigene Vermögen ungefähr in der Mitte der deutschen Vermögensverteilung liegt, erhält mit den 103.200 Euro deshalb einen wesentlich brauchbareren Anhaltspunkt als mit dem Durchschnitt von 324.800 Euro.

Aber selbst der Median ist noch kein persönlicher Sollwert. Alter, Haushaltsgröße, Wohneigentum, Einkommen und Lebenssituation können enorme Unterschiede erklären.

Was zählt überhaupt zum Vermögen?

Viele Menschen denken bei ihrem Vermögen zuerst an Girokonto, Tagesgeld und Wertpapierdepot. Für einen vollständigen Vermögensvergleich reicht das nicht. Maßgeblich ist das Nettovermögen: Sämtliche berücksichtigten Vermögenswerte werden zusammengerechnet und vorhandene Verbindlichkeiten anschließend abgezogen.

Dazu können beispielsweise Bankguthaben, Wertpapiere, Fonds, private Altersvorsorgeprodukte, Immobilien, Fahrzeuge, Wertgegenstände und Unternehmensvermögen gehören. Auf der anderen Seite stehen insbesondere Immobilienkredite, Ratenkredite und andere Schulden.

Ein Haushalt mit einem Haus im Wert von 400.000 Euro und einer verbleibenden Baufinanzierung von 250.000 Euro besitzt deshalb nicht allein aufgrund der Immobilie 400.000 Euro Nettovermögen. Vereinfacht bleiben daraus zunächst 150.000 Euro. Hat der Haushalt zusätzlich 30.000 Euro auf Konten und im Depot sowie ein Fahrzeug im Wert von 15.000 Euro und keine weiteren Schulden, ergibt sich ein Nettovermögen von ungefähr 195.000 Euro.

Gerade bei Immobilienbesitzern ist diese Unterscheidung entscheidend. Der Marktwert eines Hauses sagt allein wenig darüber aus, wie hoch das tatsächliche Nettovermögen des Eigentümers ist.

Wohneigentum macht beim Vermögensvergleich einen enormen Unterschied

Kaum ein Merkmal zeigt größere Unterschiede als der Immobilienbesitz. Nach der Bundesbank-Studie verfügten Haushalte mit einer vollständig entschuldeten eigenen Immobilie 2023 über ein Median-Nettovermögen von rund 450.200 Euro.

Bei Eigentümern, deren Immobilie noch mit einem Hypothekenkredit belastet war, lag der Median bei etwa 379.900 Euro. Mieterhaushalte kamen dagegen auf lediglich 18.300 Euro.

Diese Zahlen bedeuten nicht, dass der Kauf einer Immobilie automatisch der beste Weg zum Vermögensaufbau ist. Sie zeigen zunächst einen statistischen Zusammenhang. Eigentümer und Mieter unterscheiden sich häufig gleichzeitig bei Alter, Einkommen, Haushaltsgröße und weiteren Merkmalen. Außerdem steckt bei Eigentümern ein erheblicher Teil des Vermögens im Haus oder in der Wohnung und steht nicht kurzfristig als frei verfügbares Kapital bereit.

Trotzdem erklärt Wohneigentum einen erheblichen Teil der Unterschiede in der deutschen Vermögensstatistik. Ein Mieter mit einem Depot von 100.000 Euro kann deshalb finanziell sehr solide aufgestellt sein, obwohl er weit unter dem allgemeinen Durchschnittsvermögen von 324.800 Euro liegt.

Singles haben deutlich weniger Vermögen als Mehrpersonenhaushalte

Auch die Haushaltsgröße verändert das Bild erheblich. Die Bundesbank weist für Einpersonenhaushalte 2023 ein durchschnittliches Nettovermögen von rund 221.800 Euro aus. Der Median lag jedoch nur bei 37.700 Euro.

Bei Paarhaushalten lagen die durchschnittlichen Werte erheblich höher. Paare ohne Kinder kamen auf rund 409.700 Euro, Paare mit Kindern auf etwa 453.500 Euro durchschnittliches Nettovermögen. Alleinerziehende erreichten im Durchschnitt rund 96.900 Euro.

Gerade für Singles ist der allgemeine Haushaltsdurchschnitt von 324.800 Euro daher ein problematischer Vergleichsmaßstab. Ein Paarhaushalt vereint häufig zwei Erwerbsbiografien, möglicherweise zwei Altersvorsorgen und gemeinsam aufgebautes Wohneigentum. Ein Einpersonenhaushalt trägt dagegen sämtliche Wohn- und Lebenshaltungskosten allein und baut Vermögen nur für eine Person auf.

Für die persönliche Einordnung sollte deshalb möglichst eine vergleichbare Haushaltsgruppe betrachtet werden.

Auch zwischen Ost und West bestehen große Unterschiede

Die Vermögensunterschiede innerhalb Deutschlands bleiben erheblich. 2023 betrug das durchschnittliche Nettovermögen westdeutscher Haushalte rund 364.900 Euro, während ostdeutsche Haushalte auf etwa 170.100 Euro kamen.

Beim Median fällt die Differenz ebenfalls deutlich aus. Im Westen waren es 143.200 Euro, im Osten 35.900 Euro.

Ein wichtiger Zusammenhang ist die unterschiedliche Verbreitung von Wohneigentum. In den westlichen Bundesländern lag die Eigentümerquote in den Bundesbank-Daten bei etwa 45 Prozent, in den östlichen Bundesländern bei rund 29 Prozent. Historische Unterschiede beim Vermögensaufbau spielen ebenfalls eine Rolle.

Auch Westdeutschland ist keineswegs einheitlich. Für Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammen ermittelte die Bundesbank einen Mittelwert von 442.800 Euro und einen Median von 188.800 Euro.

Ein bundesweiter Durchschnitt sagt deshalb nur begrenzt etwas darüber aus, wie ein Haushalt im regionalen Vergleich dasteht.

Wie ungleich ist das Vermögen in Deutschland verteilt?

Die große Differenz zwischen Durchschnitt und Median ist Ausdruck einer stark ungleichen Vermögensverteilung. Die vermögendsten 10 Prozent verfügten 2023 nach den PHF-Daten über rund 54 Prozent des gesamten Nettovermögens.

Auch die Abstände innerhalb der Verteilung sind groß. Zwischen dem 10. und dem 90. Perzentil lagen nominal rund 779.000 Euro. Das bedeutet vereinfacht: Der Abstand zwischen einem Haushalt nahe dem unteren und einem Haushalt nahe dem oberen Rand der mittleren 80 Prozent der Vermögensverteilung beträgt mehrere Hunderttausend Euro.

Der Gini-Koeffizient für das Nettovermögen lag 2023 bei 72,4 Prozent. Ein Wert von null würde eine vollkommen gleichmäßige Verteilung beschreiben, während 100 Prozent einer maximalen Konzentration entsprächen.

Für den persönlichen Vermögensvergleich folgt daraus eine einfache Konsequenz: „Durchschnittlich“ ist bei Vermögen nicht dasselbe wie „typisch“. Die Vermögensverteilung ist zu ungleich, um beide Begriffe gleichzusetzen.

Ein hoher Vermögenswert bedeutet nicht automatisch viel verfügbares Geld

Eine weitere Falle bei Vermögensvergleichen besteht darin, Vermögen mit Liquidität gleichzusetzen. Ein Haushalt kann rechnerisch 500.000 Euro Nettovermögen besitzen und trotzdem nur wenige Tausend Euro frei verfügbar haben.

Ein typisches Beispiel ist ein weitgehend abbezahltes Eigenheim. Hat eine Immobilie einen Marktwert von 450.000 Euro und beträgt die Restschuld nur noch 30.000 Euro, stecken bereits 420.000 Euro Nettovermögen im Haus. Dieses Geld lässt sich aber nicht einfach für unerwartete Ausgaben verwenden. Dafür müsste die Immobilie verkauft, beliehen oder anderweitig Kapital freigesetzt werden.

Umgekehrt kann ein Mieter mit 150.000 Euro in Tagesgeld und Wertpapieren ein niedrigeres Nettovermögen besitzen, gleichzeitig aber wesentlich mehr flexibel verfügbares Kapital haben.

Für die eigene Finanzplanung lohnt es sich deshalb, neben dem Nettovermögen auch dessen Struktur zu betrachten: Wie viel steckt in Immobilien? Wie viel ist kurzfristig verfügbar? Wie viel liegt langfristig im Depot oder in der Altersvorsorge? Und wie hoch sind die verbleibenden Schulden?

Ist ein Vermögen von 100.000 Euro viel?

100.000 Euro Nettovermögen liegen sehr nah am bundesweiten Median von 103.200 Euro für Haushalte. Statistisch befindet sich ein Haushalt mit einem solchen Vermögen damit ungefähr in der Mitte der Vermögensverteilung von 2023.

Für einen 30-jährigen Single kann diese Summe jedoch etwas völlig anderes bedeuten als für ein Ehepaar kurz vor dem Ruhestand. Wer früh im Berufsleben bereits 100.000 Euro Nettovermögen aufgebaut hat, besitzt noch viele Jahre, in denen Sparraten und mögliche Kapitalerträge wirken können. Ein Haushalt kurz vor der Rente muss dagegen stärker berücksichtigen, welche laufenden Einkünfte im Ruhestand vorhanden sind und welcher Teil des Vermögens für den Lebensunterhalt benötigt wird.

Auch die Zusammensetzung entscheidet. 100.000 Euro in einem breit aufgestellten Vermögensmix ohne Konsumschulden sind anders zu bewerten als 100.000 Euro rechnerisches Immobilienvermögen bei gleichzeitig hohen monatlichen Kreditverpflichtungen.

Eine bestimmte Vermögenssumme ist deshalb niemals für jede Lebensphase gleichermaßen „viel“ oder „wenig“.

Warum das Alter beim Vermögensvergleich nicht fehlen darf

Vermögen entsteht normalerweise über Jahrzehnte. Ein Berufseinsteiger hatte schlicht weniger Zeit zum Sparen und Investieren als jemand, der bereits 30 Jahre erwerbstätig ist. Gleichzeitig verändert sich Vermögen im Lebensverlauf: Kredite werden getilgt, Immobilien können an Wert gewinnen oder verlieren, Wertpapiervermögen wächst oder schwankt, Erbschaften kommen hinzu und im Ruhestand kann Vermögen wieder verbraucht werden.

Ein Vergleich zwischen einem 28-Jährigen und einem 58-Jährigen ist deshalb nur begrenzt aussagekräftig. Selbst wenn beide das gleiche Einkommen haben, befindet sich der ältere Haushalt normalerweise in einer völlig anderen Phase des Vermögensaufbaus.

Wer die eigene Situation beurteilen möchte, sollte daher nicht versuchen, möglichst schnell den bundesweiten Durchschnitt zu erreichen. Sinnvoller ist die Frage, ob sich das persönliche Nettovermögen über längere Zeit in die gewünschte Richtung entwickelt und ob es zur eigenen Lebensplanung passt.

So berechnest du dein eigenes Nettovermögen

Für einen Vergleich mit den statistischen Werten solltest du zunächst dieselbe Grundidee verwenden: Vermögenswerte minus Schulden. Dabei reicht eine realistische Bestandsaufnahme; eine Bewertung auf den letzten Euro ist nicht erforderlich.

Angenommen, ein Haushalt besitzt 25.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten, ein Wertpapierdepot von 70.000 Euro, eine Immobilie mit einem realistischen Marktwert von 350.000 Euro und ein Auto im aktuellen Wert von 15.000 Euro. Das Bruttovermögen beträgt damit 460.000 Euro.

Bestehen noch 210.000 Euro Restschuld auf der Immobilie und ein Autokredit von 5.000 Euro, liegen die Verbindlichkeiten bei 215.000 Euro. Das Nettovermögen beträgt folglich:

460.000 Euro Vermögenswerte – 215.000 Euro Schulden = 245.000 Euro Nettovermögen.

Mit 245.000 Euro liegt dieser Beispielhaushalt über dem Median von 103.200 Euro, aber unter dem Durchschnitt von 324.800 Euro. Das ist keineswegs widersprüchlich. Wegen der ungleichen Vermögensverteilung befindet sich ein großer Teil der Haushalte unterhalb des mathematischen Durchschnitts.

Der eigene Vermögensfortschritt ist oft wichtiger als der Deutschlandvergleich

Statistiken können Orientierung geben, aber sie eignen sich schlecht als persönliches Finanzziel. Wer heute 40.000 Euro Nettovermögen besitzt und vor fünf Jahren noch bei null stand, hat finanziell eine völlig andere Entwicklung hinter sich als jemand, dessen Vermögen im gleichen Zeitraum von 100.000 auf 40.000 Euro gefallen ist.

Für die eigene Finanzplanung ist deshalb eine persönliche Vermögensbilanz besonders hilfreich. Sie kann beispielsweise einmal jährlich zum gleichen Zeitpunkt erstellt werden. Dadurch wird sichtbar, wie sich Bankguthaben, Depot, Immobilienwert, Altersvorsorge und Schulden verändern.

Noch aussagekräftiger wird diese Betrachtung, wenn die Entwicklung nicht nur in Euro gemessen wird. Auch die Vermögensstruktur verdient Aufmerksamkeit. Ein wachsendes Nettovermögen, das vollständig auf steigenden Immobilienpreisen beruht, ist anders zu beurteilen als ein Vermögenszuwachs durch regelmäßiges Sparen, Schuldentilgung und zusätzliche Kapitalanlagen.

Das Ziel muss nicht darin bestehen, einen statistischen Durchschnitt zu schlagen. Entscheidend ist, ein Vermögen aufzubauen, das zur eigenen Lebenssituation, den geplanten Ausgaben und der gewünschten finanziellen Sicherheit passt.

Drei Fehler beim Vergleich des eigenen Vermögens

Der häufigste Fehler besteht darin, den Durchschnitt von 324.800 Euro als eine Art Sollwert zu betrachten. Dafür ist der Mittelwert ungeeignet, weil hohe Vermögen ihn stark nach oben ziehen. Wer darunter liegt, ist deshalb nicht automatisch vermögensarm.

Ebenso problematisch ist der Vergleich von Bankguthaben mit dem Nettovermögen anderer Haushalte. Wer 50.000 Euro auf Konten und im Depot besitzt, aber keine Immobilie hat, kann seine 50.000 Euro nicht unmittelbar mit dem Gesamtvermögen eines Eigenheimbesitzers vergleichen. Umgekehrt darf der Eigentümer nicht den vollständigen Immobilienwert ansetzen und die Restschuld ignorieren.

Der dritte Fehler ist ein Vergleich ohne Berücksichtigung von Lebensphase und Haushaltsform. Für einen jungen Single, eine vierköpfige Familie mit Eigenheim und ein Rentnerpaar gelten völlig unterschiedliche Ausgangsbedingungen. Eine einzelne Zahl kann diese Unterschiede nicht abbilden.

Fazit: Der typische deutsche Haushalt besitzt deutlich weniger als 324.800 Euro

Das durchschnittliche Nettovermögen deutscher Haushalte beträgt nach den aktuellsten umfassenden Bundesbank-Daten 324.800 Euro. Für die Frage, wie viel Vermögen ein typischer Haushalt besitzt, ist der Durchschnitt jedoch nicht die entscheidende Zahl. Der Median von 103.200 Euro vermittelt ein wesentlich realistischeres Bild der Mitte der Vermögensverteilung.

Auch dieser Wert sollte nicht als persönliches Vermögensziel verstanden werden. Ob 50.000, 100.000 oder 300.000 Euro viel sind, hängt erheblich von Alter, Haushaltsgröße, Wohneigentum, Schulden und der Struktur des Vermögens ab. Besonders groß sind die statistischen Unterschiede zwischen Mietern und Eigentümern sowie zwischen Ein- und Mehrpersonenhaushalten.

Für die eigenen Finanzen ist daher ein anderer Vergleich meist wertvoller: das heutige Nettovermögen mit dem eigenen Nettovermögen vor einigen Jahren. Wer regelmäßig spart, Schulden reduziert und sein Vermögen langfristig sinnvoll strukturiert, kann seinen finanziellen Fortschritt damit wesentlich besser beurteilen als anhand eines bundesweiten Durchschnittswerts.

Häufige Fragen zum durchschnittlichen Vermögen in Deutschland

Bei Vermögensstatistiken führen vor allem Durchschnitt, Median und unterschiedliche Definitionen schnell zu Missverständnissen. Die folgenden Antworten ordnen die wichtigsten Zahlen noch einmal kompakt ein.

Wie hoch ist das durchschnittliche Vermögen der Deutschen?

Das durchschnittliche Nettovermögen eines privaten Haushalts in Deutschland betrug 2023 nach der aktuellen PHF-Studie der Bundesbank rund 324.800 Euro. Dabei handelt es sich um Haushaltsvermögen nach Abzug der Schulden und nicht um das durchschnittliche Vermögen einer einzelnen Person.

Wie hoch ist das Medianvermögen in Deutschland?

Das Median-Nettovermögen deutscher Haushalte lag 2023 bei 103.200 Euro. Die eine Hälfte der Haushalte besitzt weniger, die andere Hälfte mehr. Für die Beschreibung eines typischen Haushalts ist dieser Wert häufig aussagekräftiger als der Durchschnitt.

Warum sind Durchschnitt und Median so unterschiedlich?

Sehr große Vermögen erhöhen den mathematischen Durchschnitt erheblich. Der Median reagiert dagegen kaum auf einzelne besonders hohe Vermögen. Deshalb lag der Durchschnitt 2023 bei 324.800 Euro, während der Median lediglich 103.200 Euro betrug.

Gehört eine Immobilie zum Vermögen?

Ja. Der Wert von Wohneigentum wird grundsätzlich als Vermögenswert berücksichtigt. Besteht noch eine Immobilienfinanzierung, muss die verbleibende Schuld bei der Ermittlung des Nettovermögens abgezogen werden.

Sind 100.000 Euro Vermögen viel?

Ein Haushalt mit 100.000 Euro Nettovermögen liegt ungefähr beim bundesweiten Median von 103.200 Euro aus dem Jahr 2023. Ob diese Summe persönlich hoch oder niedrig ist, hängt jedoch unter anderem von Alter, Haushaltsgröße, Einkommen, Schulden und Wohneigentum ab.

Haben Eigentümer mehr Vermögen als Mieter?

Statistisch besteht ein sehr großer Unterschied. 2023 lag das Median-Nettovermögen von Mieterhaushalten bei 18.300 Euro, während Eigentümer mit vollständig entschuldeter Immobilie einen Median von 450.200 Euro erreichten. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass allein der Immobilienkauf diesen Unterschied verursacht.

Wie berechnet man sein Nettovermögen?

Dazu werden die berücksichtigten Vermögenswerte zusammengerechnet und anschließend sämtliche Schulden abgezogen. Vereinfacht gilt: Nettovermögen = Vermögenswerte – Verbindlichkeiten. Für einen langfristigen persönlichen Vergleich sollte möglichst immer nach derselben Methode gerechnet werden.

Wie aktuell sind die Zahlen zum Vermögen in Deutschland?

Die derzeit aktuellste vollständig ausgewertete PHF-Erhebung der Deutschen Bundesbank bezieht sich auf das Jahr 2023 und wurde im April 2025 veröffentlicht. Die nächste Erhebungswelle ist für 2026 vorgesehen; neue Ergebnisse liegen daher nicht automatisch bereits im Erhebungsjahr vor.

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Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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