Berufsunfähigkeitsversicherung – wie wichtig ist sie?

Wer seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit der eigenen Arbeitskraft verdient, trägt bei längerer Berufsunfähigkeit ein erhebliches finanzielles Risiko. Entscheidend ist deshalb nicht, ob eine BU grundsätzlich sinnvoll klingt, sondern wie groß die persönliche Versorgungslücke tatsächlich wäre.

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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den Versicherungen, die nicht alltägliche Schäden absichern, sondern ein finanziell existenzielles Risiko. Wer aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls seinen Beruf dauerhaft nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt ausüben kann, verliert unter Umständen einen großen Teil seines bisherigen Einkommens. Gleichzeitig laufen Miete, Kreditraten, Lebenshaltungskosten und viele andere Verpflichtungen weiter.

Für Arbeitnehmer, Selbstständige und viele junge Menschen ist die eigene Arbeitskraft häufig der größte wirtschaftliche Vermögenswert, den sie besitzen. Wer beispielsweise noch 30 Berufsjahre vor sich hat und durchschnittlich 3.000 Euro netto im Monat verdient, erzielt in diesem Zeitraum rechnerisch mehr als eine Million Euro Nettoeinkommen – zukünftige Gehaltssteigerungen noch nicht berücksichtigt. Genau dieses Einkommen kann durch eine schwere Erkrankung zumindest teilweise wegbrechen.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb für viele Erwerbstätige eine der wichtigsten privaten Absicherungen. Sie ist aber nicht automatisch für jeden Menschen zwingend notwendig. Wer bereits über ausreichend Vermögen, andere sichere Einkommensquellen oder eine außergewöhnlich starke anderweitige Absicherung verfügt, kann das Risiko teilweise oder vollständig selbst tragen. Für die meisten Haushalte trifft das jedoch nicht zu.

Warum Berufsunfähigkeit finanziell so gefährlich werden kann

Das eigentliche Problem einer Berufsunfähigkeit besteht weniger darin, dass einige Monate Einkommen fehlen. Kritisch wird die Situation, wenn die Einschränkung mehrere Jahre oder sogar dauerhaft bestehen bleibt. Schon eine Versorgungslücke von 1.000 Euro monatlich entspricht innerhalb von zehn Jahren 120.000 Euro. Bei 1.500 Euro fehlen im selben Zeitraum bereits 180.000 Euro.

Besonders schwer wiegt dieses Risiko bei Menschen, deren laufender Lebensstandard fast vollständig vom eigenen Arbeitseinkommen abhängt. Ein 35-jähriger Arbeitnehmer mit 2.800 Euro Nettoeinkommen, einer monatlichen Warmmiete von 950 Euro und weiteren regelmäßigen Ausgaben von 1.250 Euro benötigt jeden Monat bereits rund 2.200 Euro für seinen normalen Lebensunterhalt. Fallen große Teile seines Einkommens weg, lässt sich diese Differenz nicht dauerhaft durch kleinere Einsparungen auffangen.

Auch Rücklagen lösen das Problem nur begrenzt. Selbst ein Notgroschen von 15.000 oder 20.000 Euro kann mehrere Monate überbrücken und ist für kurzfristige finanzielle Schwierigkeiten äußerst wertvoll. Eine jahrelange Einkommenslücke lässt sich damit jedoch normalerweise nicht finanzieren. Berufsunfähigkeit ist deshalb kein klassisches Rücklagenproblem, sondern ein Risiko, bei dem im Extremfall jahrzehntelanges Einkommen ersetzt werden müsste.

Berufsunfähigkeitsversicherung und Erwerbsminderungsrente sind nicht dasselbe

Ein häufiger Irrtum besteht darin, Berufsunfähigkeitsversicherung und gesetzliche Erwerbsminderungsrente als nahezu identische Absicherung zu betrachten. Tatsächlich folgen beide Systeme unterschiedlichen Regeln.

Bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es grundsätzlich darauf an, ob die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf entsprechend den vereinbarten Vertragsbedingungen noch ausüben kann. Gute Tarife leisten typischerweise, wenn eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent vorliegt und diese voraussichtlich für den vertraglich festgelegten Zeitraum bestehen wird.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente orientiert sich dagegen grundsätzlich an der verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Entscheidend ist also nicht allein, ob beispielsweise ein Dachdecker weiterhin als Dachdecker oder eine Pflegekraft weiterhin in der Pflege arbeiten kann.

Absicherung Entscheidend ist vor allem
Berufsunfähigkeitsversicherung Ob der bisherige Beruf entsprechend den Vertragsbedingungen noch ausgeübt werden kann
Volle Erwerbsminderungsrente Ob grundsätzlich weniger als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann
Teilweise Erwerbsminderungsrente Ob grundsätzlich noch drei bis unter sechs Stunden täglich gearbeitet werden kann

Hinzu kommt, dass für eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Selbst wenn ein Anspruch besteht, erreicht die Leistung außerdem nicht automatisch das bisherige Nettoeinkommen.

Für die persönliche Finanzplanung bedeutet das: Die Frage lautet nicht nur, ob im Ernstfall irgendeine staatliche Leistung vorhanden wäre. Entscheidend ist, welche monatlichen Einnahmen tatsächlich verbleiben und wie groß die Differenz zu den laufenden Ausgaben wäre.

Wie groß kann die persönliche Versorgungslücke sein?

Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig ist, lässt sich am besten anhand der eigenen Zahlen beurteilen. Dafür genügt zunächst eine einfache Gegenüberstellung von benötigtem Einkommen und realistisch verfügbaren Einnahmen im Ernstfall.

Angenommen, eine Arbeitnehmerin verdient monatlich 2.700 Euro netto. Für Wohnen, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen, Freizeit und weitere laufende Verpflichtungen benötigt sie rund 2.100 Euro. Im Fall einer dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung stehen ihr beispielsweise noch 1.050 Euro aus anderen Leistungen und sicheren Einnahmen zur Verfügung.

Damit würde jeden Monat eine rechnerische Lücke von 1.050 Euro entstehen. Innerhalb von fünf Jahren summiert sich diese Differenz bereits auf 63.000 Euro. Über 20 Jahre wären es 252.000 Euro – Inflation und steigende Lebenshaltungskosten noch nicht berücksichtigt.

Genau an dieser Stelle zeigt sich, warum kleine Rücklagen das Problem nicht lösen. Selbst 50.000 Euro frei verfügbares Vermögen würden bei einer monatlichen Lücke von 1.050 Euro rechnerisch nicht einmal vier Jahre reichen, wenn daraus sämtliche Fehlbeträge finanziert werden müssten.

Für Menschen mit Familie, Immobilienfinanzierung oder anderen langfristigen Verpflichtungen kann die notwendige Absicherung noch größer sein. Gleichzeitig können einige Ausgaben im Fall einer Berufsunfähigkeit sinken. Berufliche Fahrtkosten fallen möglicherweise weg, bestimmte Sparraten lassen sich reduzieren und der bisherige Lebensstandard kann angepasst werden. Die benötigte BU-Rente muss deshalb nicht zwingend exakt dem bisherigen Nettoeinkommen entsprechen.

Wie hoch sollte eine BU-Rente sein?

Eine häufig genannte Orientierung besteht darin, einen erheblichen Teil des bisherigen Nettoeinkommens abzusichern. Eine starre Prozentregel reicht jedoch nicht aus. Entscheidender ist, wie viel Geld nach Eintritt einer Berufsunfähigkeit tatsächlich benötigt würde.

Ausgangspunkt sollten die unvermeidbaren monatlichen Ausgaben sein. Dazu gehören beispielsweise Wohnkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität, Kreditverpflichtungen sowie ein realistischer Betrag für persönliche Ausgaben. Auch langfristige Sparziele dürfen nicht vollständig ignoriert werden. Wer 20 Jahre berufsunfähig ist und in dieser Zeit überhaupt keine Altersvorsorge mehr aufbauen kann, verschiebt einen Teil des finanziellen Problems lediglich in den Ruhestand.

Wer beispielsweise aktuell 3.000 Euro netto verdient und dauerhaft ungefähr 2.300 Euro benötigt, sollte nicht automatisch nur 1.500 Euro BU-Rente versichern, weil der Beitrag dadurch günstiger wird. Eine Unterversicherung kann dazu führen, dass trotz Versicherungsleistung jeden Monat mehrere Hundert Euro fehlen.

Umgekehrt muss die BU-Rente auch finanziell tragbar bleiben. Versicherer begrenzen die versicherbare Leistung zudem normalerweise in Abhängigkeit vom Einkommen. Sehr hohe Renten, die deutlich über dem bisherigen Einkommen liegen, lassen sich deshalb üblicherweise nicht frei vereinbaren.

Nicht der Unfall, sondern häufig eine Krankheit ist das eigentliche Risiko

Viele Menschen verbinden Berufsunfähigkeit zunächst mit einem schweren Unfall. Das kann passieren, bildet das tatsächliche Risiko aber nur unvollständig ab. Auch psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere gesundheitliche Probleme können dazu führen, dass der bisherige Beruf dauerhaft nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausgeübt werden kann.

Gerade dieser Punkt ist für Büroberufe relevant. Wer überwiegend am Schreibtisch arbeitet, könnte annehmen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sei hauptsächlich für körperlich arbeitende Menschen wichtig. Ein Büroarbeitsplatz schützt jedoch weder vor schweren psychischen Erkrankungen noch vor neurologischen Erkrankungen, Krebs oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen.

Das finanzielle Risiko hängt deshalb nicht nur davon ab, wie gefährlich ein Beruf im klassischen Sinn erscheint. Körperlich belastende Tätigkeiten erhöhen zwar häufig das Berufsunfähigkeitsrisiko und können die Versicherung verteuern. Auch vermeintlich risikoarme Berufe können aber durch Erkrankungen langfristig nicht mehr ausgeübt werden.

Für wen eine Berufsunfähigkeitsversicherung besonders wichtig ist

Besonders relevant ist die Absicherung für Menschen, deren Lebensunterhalt überwiegend vom eigenen Arbeitseinkommen abhängt und die eine längerfristige Einkommenslücke nicht aus eigenem Vermögen finanzieren könnten. Das betrifft einen großen Teil der Arbeitnehmer und Selbstständigen.

Bei Familien kann das Risiko zusätzlich steigen. Fällt ein Haupteinkommen aus, betrifft dies nicht nur die versicherte Person, sondern das gesamte Haushaltsbudget. Ähnliches gilt bei einer Immobilienfinanzierung. Eine monatliche Kreditrate von beispielsweise 1.400 Euro verschwindet nicht automatisch, wenn ein Kreditnehmer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Für Selbstständige besitzt die eigene Arbeitskraft häufig eine besonders hohe Bedeutung, weil neben den privaten Ausgaben zusätzlich die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens betroffen sein kann. Bei Selbstständigen ist allerdings besonders genau auf die Vertragsbedingungen zu achten. Unter anderem kann eine Rolle spielen, ob und in welchem Umfang eine Umorganisation des Betriebs erwartet werden kann.

Auch für Berufseinsteiger, Auszubildende und Studierende kann ein früher Abschluss interessant sein. In jungen Jahren bestehen häufig noch weniger gesundheitliche Einschränkungen, die einen Abschluss erschweren oder zu Risikozuschlägen und Leistungsausschlüssen führen könnten. Gleichzeitig liegt das zukünftige Erwerbsleben noch fast vollständig vor ihnen.

Wann eine BU weniger wichtig sein kann

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Pflichtversicherung und auch nicht für jede finanzielle Situation gleichermaßen notwendig. Wer genügend frei verfügbares Vermögen besitzt, um seinen Lebensunterhalt unabhängig vom Arbeitseinkommen langfristig zu finanzieren, kann das Berufsunfähigkeitsrisiko selbst tragen.

Angenommen, eine Person benötigt monatlich 2.500 Euro und verfügt bereits über ein breit gestreutes Vermögen von mehreren Millionen Euro. Der Verlust des Arbeitseinkommens wäre zwar unangenehm, würde aber wahrscheinlich keine existenzielle finanzielle Krise auslösen. Eine BU hätte hier eine andere Bedeutung als bei einem 30-jährigen Arbeitnehmer mit 5.000 Euro Rücklagen.

Auch andere dauerhaft gesicherte Einkünfte können die erforderliche Absicherung reduzieren. Entscheidend ist allerdings, dass diese Einnahmen tatsächlich zuverlässig verfügbar wären. Eine erwartete Erbschaft, mögliche Unterstützung durch Angehörige oder zukünftige Kursgewinne eines Wertpapierdepots sind keine solide Ersatzabsicherung.

Die sinnvolle Frage lautet deshalb nicht: „Braucht jeder eine BU?“ Besser ist: „Was passiert finanziell, wenn mein Erwerbseinkommen für viele Jahre wegfällt?“ Wer darauf keine tragfähige Antwort hat, sollte das Risiko zumindest ernsthaft prüfen.

Wie teuer darf eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein?

Der Beitrag hängt von zahlreichen Faktoren ab. Besonders relevant sind das Eintrittsalter, der ausgeübte Beruf, die gewünschte BU-Rente, das Versicherungsendalter, der Gesundheitszustand und teilweise auch riskante Freizeitaktivitäten. Deshalb sind pauschale Aussagen wie „eine gute BU kostet 50 Euro im Monat“ wenig hilfreich.

Ein körperlich belastender Beruf kann erheblich teurer eingestuft werden als eine überwiegend kaufmännische Tätigkeit. Auch zwei Personen mit demselben Beruf können aufgrund unterschiedlicher Vorerkrankungen vollkommen unterschiedliche Angebote erhalten.

Interessant ist deshalb weniger der Beitrag allein als das Verhältnis zwischen Beitrag und abgesichertem Risiko. Eine rein beispielhafte Rechnung zeigt die Größenordnung: Kostet ein Vertrag 80 Euro monatlich, entspricht das 960 Euro pro Jahr. Über 40 Jahre wären das ohne Beitragsveränderungen nominal 38.400 Euro.

Dem steht möglicherweise eine BU-Rente von beispielsweise 1.800 Euro monatlich gegenüber. Bereits fünf Jahre Leistungsbezug entsprächen 108.000 Euro Versicherungsleistung. Bei 20 Jahren wären es 432.000 Euro. Diese Rechnung ist kein Beweis dafür, dass sich ein Vertrag finanziell „lohnt“. Versicherungen sollen gerade nicht zwingend einen Gewinn erzeugen. Sie übertragen ein Risiko, das der Versicherte selbst nur schwer tragen könnte.

Gute Vertragsbedingungen sind wichtiger als der günstigste Beitrag

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kann ein preislich attraktiver Vertrag langfristig teuer werden, wenn entscheidende Vertragsbedingungen ungünstig ausgestaltet sind. Ein Beitragsvergleich allein reicht deshalb nicht aus.

Besonders wichtig ist der Verzicht auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Vereinfacht bedeutet dies, dass der Versicherer nicht allein deshalb die Leistung verweigern können sollte, weil die versicherte Person theoretisch noch irgendeinen anderen Beruf ausüben könnte, der ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.

Relevant ist außerdem der Prognosezeitraum. Gute Bedingungen sehen regelmäßig vor, dass eine voraussichtliche Berufsunfähigkeit über einen überschaubaren Zeitraum ausreicht. Auch rückwirkende Leistungen, Regelungen bei verspäteter Meldung und die genaue Definition des versicherten Berufs verdienen Aufmerksamkeit.

Ebenso wichtig sind Nachversicherungsmöglichkeiten. Das Einkommen eines 25-jährigen Berufseinsteigers kann sich innerhalb von zehn oder zwanzig Jahren stark verändern. Eine ursprünglich vereinbarte BU-Rente von 1.200 Euro wäre dann möglicherweise deutlich zu niedrig. Gute Nachversicherungsgarantien ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen eine Erhöhung ohne erneute vollständige Gesundheitsprüfung, etwa bei Gehaltssteigerungen, Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienfinanzierung.

Warum die Gesundheitsfragen beim Abschluss entscheidend sind

Bei kaum einer anderen verbreiteten Versicherung können unvollständige Angaben bei Vertragsabschluss später so problematisch werden wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Der Versicherer möchte vor Vertragsannahme einschätzen können, welche gesundheitlichen Risiken bereits bestehen.

Gesundheitsfragen müssen deshalb vollständig und korrekt beantwortet werden. Wer frühere Behandlungen, Diagnosen oder Beschwerden aus Unkenntnis falsch angibt, kann im Leistungsfall erhebliche Schwierigkeiten bekommen. Gleichzeitig sollte man nicht wahllos gesundheitliche Informationen angeben, nach denen der Versicherer überhaupt nicht gefragt hat.

Vor einem Antrag kann es sinnvoll sein, die eigene Krankenhistorie aufzubereiten und beispielsweise vorhandene Arztunterlagen zu prüfen. Gerade wenn in den vergangenen Jahren mehrere Behandlungen stattgefunden haben, ist die Erinnerung allein nicht immer zuverlässig.

Bestehen Vorerkrankungen, kann eine anonyme Risikovoranfrage eine sinnvolle Möglichkeit sein, die Einschätzung verschiedener Versicherer zu prüfen, ohne direkt mehrere reguläre Anträge zu stellen. Denn Versicherer bewerten gesundheitliche Vorgeschichten nicht immer identisch.

Früh abschließen oder erst später?

Ein früher Abschluss kann mehrere Vorteile haben. Junge Menschen haben statistisch häufiger noch eine relativ kurze Krankenhistorie und können deshalb bessere Chancen auf eine normale Annahme haben. Zudem kann ein niedrigeres Eintrittsalter die Beitragskalkulation begünstigen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Student vorschnell irgendeinen Vertrag abschließen sollte. Entscheidend bleibt die Qualität der Bedingungen und die Möglichkeit, die versicherte Rente später an das steigende Einkommen anzupassen. Eine sehr niedrige BU-Rente ohne vernünftige Nachversicherungsmöglichkeiten kann nach einigen Berufsjahren ihren Zweck nur noch teilweise erfüllen.

Wer bereits Vorerkrankungen hat, sollte sich von einem möglicherweise komplizierteren Abschluss nicht automatisch abschrecken lassen. Je nach Erkrankung sind normale Annahme, Risikozuschlag, Leistungsausschluss oder Ablehnung möglich. Die Unterschiede zwischen Versicherern können erheblich sein.

Problematisch ist dagegen die Strategie, den Abschluss ohne konkreten Grund immer weiter zu verschieben. Eine Erkrankung kann jederzeit auftreten und einen späteren Vertrag verteuern oder vollständig verhindern. Versicherbar ist nicht der bereits eingetretene Schaden, sondern das zukünftige Risiko.

Bis zu welchem Alter sollte der Schutz laufen?

Die Vertragslaufzeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Absicherung. Ein günstiger Vertrag, der beispielsweise bereits mit 60 Jahren endet, kann eine gefährliche Schutzlücke hinterlassen, wenn die versicherte Person eigentlich bis 67 arbeiten muss.

Gerade die letzten Jahre vor dem Ruhestand können finanziell schwierig selbst abzusichern sein. Wer mit 61 berufsunfähig wird und noch mehrere Jahre bis zum geplanten Renteneintritt überbrücken muss, benötigt möglicherweise einen sechsstelligen Betrag.

Deshalb sollte das Endalter möglichst zur geplanten Erwerbsbiografie passen. Bei vielen Arbeitnehmern kann eine Absicherung bis zum regulären Rentenalter sinnvoll sein. Eine kürzere Laufzeit kann den Beitrag senken, verschiebt einen Teil des Risikos aber zurück auf die versicherte Person.

Wer bewusst eine kürzere Laufzeit wählt, sollte nachvollziehbar erklären können, wie die spätere Lücke finanziert wird – beispielsweise durch Vermögen, das bis dahin planmäßig aufgebaut werden soll.

Die BU-Rente muss mit dem Leben mitwachsen können

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird häufig über mehrere Jahrzehnte abgeschlossen. 1.500 Euro monatliche Rente können heute ausreichend erscheinen, in 20 Jahren aufgrund steigender Einkommen und höherer Lebenshaltungskosten jedoch deutlich weniger wert sein.

Deshalb spielen Dynamiken eine wichtige Rolle. Bei einer Beitragsdynamik erhöht sich regelmäßig die versicherte Leistung und damit normalerweise auch der Beitrag. Dadurch kann die BU-Rente schrittweise an steigende Einkommen und Preise angepasst werden.

Davon zu unterscheiden ist die Leistungsdynamik. Sie betrifft eine bereits laufende BU-Rente. Ohne entsprechende Vereinbarung bleibt eine ursprünglich vereinbarte Monatsrente möglicherweise über viele Jahre nominal gleich, während ihre reale Kaufkraft durch Inflation sinkt.

Welche Dynamik sinnvoll ist, hängt von Beitrag, Tarif und persönlicher Finanzplanung ab. Vollständig ignorieren sollte man das Thema jedoch nicht. Eine Absicherung, die heute passt, muss nicht automatisch auch in 25 Jahren ausreichend sein.

Häufige Fehler beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Einer der häufigsten Fehler besteht darin, ausschließlich nach dem niedrigsten Monatsbeitrag zu entscheiden. Bei einer Versicherung, deren Leistung im Ernstfall möglicherweise über Jahrzehnte benötigt wird, sollten Vertragsbedingungen und langfristige Tragbarkeit stärker gewichtet werden als wenige Euro Beitragsunterschied.

Problematisch ist außerdem eine zu niedrige BU-Rente. Wer beispielsweise 3.200 Euro netto verdient, aber lediglich 900 Euro absichert, besitzt zwar formal eine Berufsunfähigkeitsversicherung, trägt einen großen Teil seines Einkommensrisikos weiterhin selbst. Ähnliches gilt für ein zu niedriges Endalter.

Ein weiterer kritischer Punkt sind ungenaue Gesundheitsangaben. Die Vorstellung, eine kleinere Behandlung sei „bestimmt nicht relevant“, kann gefährlich sein, wenn der Versicherer ausdrücklich danach gefragt hat. Gesundheitsfragen sollten nicht nach persönlichem Gefühl, sondern genau nach ihrem Wortlaut beantwortet werden.

Auch ein ungeprüftes Kombiprodukt kann Nachteile haben. Berufsunfähigkeitsschutz wird teilweise mit Altersvorsorge- oder anderen Versicherungsprodukten kombiniert. Das kann im Einzelfall sinnvoll sein, erschwert aber mitunter die Vergleichbarkeit und Flexibilität. Eine eigenständige BU ist häufig transparenter, weil Absicherung und Vermögensaufbau getrennt betrachtet werden können.

Berufsunfähig ohne BU: Welche Alternativen gibt es?

Wer keinen BU-Schutz erhält oder sich einen ausreichenden Vertrag nicht leisten kann, sollte das Thema nicht einfach abhaken. Es existieren andere Versicherungsformen, beispielsweise Erwerbsunfähigkeitsversicherungen oder Grundfähigkeitsversicherungen. Diese sichern jedoch andere Risiken ab und sind kein vollständiger Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt beispielsweise unter vertraglich definierten Voraussetzungen, wenn bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten verloren gehen. Ob die versicherte Person ihren konkreten Beruf noch ausüben kann, ist dabei nicht zwangsläufig das entscheidende Kriterium.

Auch eine Unfallversicherung ersetzt eine BU nicht. Sie kann bei dauerhaften Unfallfolgen eine wichtige Leistung erbringen, greift aber grundsätzlich nicht bei sämtlichen Krankheitsursachen. Eine Person, die aufgrund einer schweren psychischen oder körperlichen Erkrankung ihren Beruf verliert, kann deshalb trotz guter Unfallversicherung ohne entsprechenden Einkommensschutz dastehen.

Welche Alternative sinnvoll sein kann, hängt stark davon ab, warum eine BU nicht möglich ist. Wer aus gesundheitlichen Gründen keinen Vertrag erhält, befindet sich in einer anderen Situation als jemand, dessen Beruf zu extrem hohen Beiträgen führt.

Checkliste: So beurteilst du deinen persönlichen BU-Bedarf

  1. Monatlichen Mindestbedarf berechnen: Ermittle, wie viel Geld du dauerhaft für Wohnen, Lebenshaltung, Versicherungen, Verpflichtungen und notwendige Rücklagen benötigst.
  2. Sichere Einnahmen im Ernstfall prüfen: Berücksichtige nur Leistungen und Einkünfte, auf die du realistisch Anspruch hättest.
  3. Versorgungslücke bestimmen: Ziehe die sicheren Einnahmen von deinem tatsächlichen Finanzbedarf ab.
  4. Vorhandenes Vermögen einbeziehen: Prüfe, wie lange deine Rücklagen eine langfristige Einkommenslücke wirklich abdecken könnten.
  5. Passende BU-Rente wählen: Die Absicherung sollte groß genug sein, damit eine Berufsunfähigkeit nicht dauerhaft zu einem finanziellen Defizit führt.
  6. Laufzeit prüfen: Der Versicherungsschutz sollte möglichst bis zu dem Alter reichen, bis zu dem das Arbeitseinkommen benötigt wird.
  7. Vertragsbedingungen vergleichen: Nicht nur Beitrag, sondern insbesondere Leistungsdefinition, Verweisung, Nachversicherung und Dynamik berücksichtigen.
  8. Gesundheitsangaben sorgfältig vorbereiten: Fragen vollständig und nachweisbar beantworten und bei komplizierter Vorgeschichte gegebenenfalls zunächst eine Risikovoranfrage prüfen.

Wie wichtig ist eine BU im Vergleich zu anderen Versicherungen?

Versicherungen sollten nicht danach bewertet werden, wie häufig ein Schaden vorkommt, sondern danach, welche finanziellen Folgen ein Schaden für den Haushalt hätte. Eine kaputte Waschmaschine ist ärgerlich, lässt sich aber normalerweise aus Rücklagen ersetzen. Ein Haftpflichtschaden in Millionenhöhe oder jahrzehntelang fehlendes Erwerbseinkommen kann dagegen die finanzielle Existenz bedrohen.

Aus diesem Grund gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung für viele Erwerbstätige gemeinsam mit einer ausreichend starken privaten Haftpflichtversicherung zu den besonders relevanten Absicherungen. Andere Versicherungen schützen häufig einzelne Gegenstände oder begrenzte Kostenrisiken. Eine BU schützt dagegen indirekt die Fähigkeit, über Jahre oder Jahrzehnte den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Das bedeutet nicht, dass jeder Vertrag um jeden Preis abgeschlossen werden sollte. Ein ungeeigneter Tarif, eine viel zu geringe BU-Rente oder ein dauerhaft unbezahlbarer Beitrag lösen das Problem nicht. Gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung zählt die Qualität der individuellen Lösung mehr als das bloße Vorhandensein einer Police.

Fazit: Für viele Erwerbstätige gehört die BU zur wichtigsten Absicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist besonders wichtig, wenn der eigene Lebensstandard hauptsächlich vom Arbeitseinkommen abhängt und eine längere Einkommenslücke nicht aus Vermögen getragen werden könnte. Das trifft auf einen großen Teil der Arbeitnehmer, Selbstständigen und jungen Berufstätigen zu. Schon eine monatliche Versorgungslücke von 1.000 bis 1.500 Euro kann über mehrere Jahre einen sechsstelligen finanziellen Fehlbetrag verursachen.

Ob ein Vertrag sinnvoll ist, sollte deshalb anhand der persönlichen Versorgungslücke entschieden werden. Wie viel Einkommen würde tatsächlich fehlen? Wie hoch sind die unvermeidbaren Ausgaben? Welche staatlichen oder privaten Leistungen wären realistisch vorhanden? Und wie lange könnte eigenes Vermögen die Differenz tragen?

Ebenso wichtig wie die Entscheidung für eine BU ist die Ausgestaltung des Vertrags. Rentenhöhe, Laufzeit, Gesundheitsangaben, Nachversicherungsmöglichkeiten und Leistungsbedingungen entscheiden darüber, wie gut die Absicherung im Ernstfall tatsächlich funktioniert. Der günstigste Vertrag ist deshalb nicht automatisch der beste – und eine zu kleine BU kann ein trügerisches Gefühl von Sicherheit erzeugen.

Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung besteht häufig mehrere Jahrzehnte. Entsprechend groß sind die Auswirkungen von Entscheidungen, die beim Abschluss getroffen werden. Die folgenden Fragen betreffen Punkte, die bei der persönlichen Einordnung besonders häufig eine Rolle spielen.

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich notwendig?

Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht. Für Menschen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend aus ihrem Arbeitseinkommen bestreiten und keine großen Vermögensreserven besitzen, kann sie jedoch zu den wichtigsten privaten Absicherungen gehören. Entscheidend ist die finanzielle Versorgungslücke, die bei dauerhafter Berufsunfähigkeit entstehen würde.

Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht aus?

Darauf sollte man sich nicht pauschal verlassen. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente orientiert sich grundsätzlich an der verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und nicht nur daran, ob der bisherige Beruf noch ausgeübt werden kann. Außerdem kann zwischen bisherigem Nettoeinkommen und gesetzlicher Leistung eine erhebliche Lücke bestehen.

Wie hoch sollte die Berufsunfähigkeitsrente sein?

Die Rente sollte sich am tatsächlichen Finanzbedarf und den sonstigen sicheren Einnahmen orientieren. Statt lediglich einen Prozentsatz des Nettoeinkommens zu übernehmen, ist eine individuelle Rechnung sinnvoll. Auch Altersvorsorge, laufende Kreditverpflichtungen und längerfristige finanzielle Ziele sollten berücksichtigt werden.

Wann sollte man eine BU abschließen?

Ein früher Abschluss kann sinnvoll sein, weil jüngere Menschen häufig noch weniger gesundheitliche Einschränkungen haben. Entscheidend ist allerdings, dass der Vertrag langfristig flexibel bleibt und die Rentenhöhe später angepasst werden kann. Ein früher, aber schlecht ausgestalteter Vertrag ist nicht automatisch besser als eine sorgfältig gewählte Lösung.

Was passiert, wenn ich bereits Vorerkrankungen habe?

Vorerkrankungen führen nicht automatisch zu einer Ablehnung. Je nach Diagnose und Versicherer können eine normale Annahme, ein Risikozuschlag, ein Leistungsausschluss oder eine Ablehnung möglich sein. Bei komplizierter Vorgeschichte kann eine anonyme Risikovoranfrage helfen, unterschiedliche Einschätzungen zu vergleichen.

Ist eine Unfallversicherung eine Alternative zur BU?

Nein, beide Versicherungen sichern unterschiedliche Risiken ab. Eine Unfallversicherung leistet bei vertraglich versicherten dauerhaften Unfallfolgen. Eine Berufsunfähigkeit kann dagegen auch durch Krankheiten oder psychische Erkrankungen entstehen, sodass eine Unfallversicherung keinen vollständigen Einkommensschutz bietet.

Brauchen Selbstständige eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Für viele Selbstständige kann sie besonders relevant sein, weil Einkommen und wirtschaftliche Existenz unmittelbar von der eigenen Arbeitsfähigkeit abhängen. Bei der Tarifauswahl sollte unter anderem geprüft werden, wie der Versicherer mögliche betriebliche Umorganisationen behandelt. Die konkrete Ausgestaltung ist deshalb besonders wichtig.

Kann man statt einer BU einfach mehr Geld sparen?

Mit ausreichend großem Vermögen grundsätzlich ja. In der Praxis müsste dieses Vermögen jedoch möglicherweise jahrzehntelanges Einkommen ersetzen können. Bei einer monatlichen Versorgungslücke von 1.500 Euro entstehen innerhalb von 20 Jahren bereits 360.000 Euro Finanzbedarf – ohne Inflation und weitere Kostensteigerungen.

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Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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