Eine Rechnung über 850 Euro für ein Smartphone, das du nie bestellt hast. Eine Nachricht deiner Bank über einen Kreditantrag, den du nicht gestellt hast. Oder eine E-Mail, in der ein Onlineshop bestätigt, dass deine Lieferadresse geändert wurde. Solche Vorfälle können auf Identitätsdiebstahl hindeuten. Kriminelle verwenden dabei persönliche Informationen, um sich als jemand anderes auszugeben und auf dessen Namen Geschäfte abzuwickeln. Betroffene bemerken den Missbrauch häufig erst, wenn bereits finanzielle Forderungen entstanden sind.
Wenn du Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden bist, solltest du sofort betroffene Konten sichern, deine Bank und beteiligte Unternehmen informieren, Beweise dokumentieren und bei der Polizei Anzeige erstatten. Unberechtigte Zahlungsforderungen solltest du schriftlich zurückweisen. Außerdem ist es sinnvoll, deine bei Wirtschaftsauskunfteien gespeicherten Daten zu überprüfen, damit ein möglicher Betrugsfall nicht unbemerkt deine Kreditwürdigkeit beeinträchtigt.
Dabei ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Nur weil jemand deinen Namen und deine Anschrift verwendet, bist du nicht automatisch für dessen Einkäufe oder Verträge verantwortlich. Hast du selbst keinen entsprechenden Vertrag abgeschlossen und niemanden dazu bevollmächtigt, entsteht allein durch die Verwendung deiner persönlichen Daten grundsätzlich keine Zahlungspflicht. Trotzdem musst du aktiv werden. Ohne eine Reaktion können aus einer betrügerischen Bestellung Mahnungen, Inkassoforderungen und möglicherweise sogar ein gerichtliches Mahnverfahren entstehen.
Identitätsdiebstahl: Diese sieben Schritte solltest du sofort unternehmen
Bei einem konkreten Verdacht auf Identitätsmissbrauch kommt es zunächst darauf an, weiteren Schaden zu verhindern. Welche Maßnahme zuerst erforderlich ist, hängt davon ab, ob beispielsweise dein Bankkonto betroffen ist, Fremde Zugang zu deinem E-Mail-Postfach besitzen oder lediglich eine betrügerische Bestellung auf deinen Namen entdeckt wurde. Die folgende Checkliste hilft dir, die notwendigen Schritte zu organisieren.
Checkliste für den Ernstfall
- Betroffene Zugänge sichern: Ändere kompromittierte Passwörter, melde fremde Sitzungen ab und aktiviere eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Beginne möglichst mit deinem E-Mail-Konto.
- Bank und Zahlungsdienste informieren: Melde unbekannte Umsätze sofort. Lass betroffene Karten oder Zugänge sperren und fordere bei nicht autorisierten Zahlungen eine Erstattung.
- Beweise dokumentieren: Sichere Rechnungen, Mahnungen, Nachrichten, verdächtige Kontobewegungen und Screenshots. Halte fest, wann du welchen Vorfall entdeckt hast.
- Strafanzeige erstatten: Melde den Identitätsmissbrauch bei der Polizei und bitte um eine Anzeigenbestätigung mit Aktenzeichen.
- Unberechtigte Forderungen zurückweisen: Informiere betroffene Händler, Banken und Zahlungsdienstleister schriftlich, dass du den Vertrag nicht abgeschlossen hast.
- Wirtschaftsauskunfteien überprüfen: Fordere eine kostenlose Datenkopie bei der SCHUFA an, melde den Identitätsbetrug und lass fehlerhafte Einträge korrigieren.
- Weitere Aktivitäten beobachten: Kontrolliere Kontoauszüge, E-Mails, Post und neue Zahlungsaufforderungen in den folgenden Wochen besonders aufmerksam.
Du musst diese Schritte nicht zwingend in genau dieser Reihenfolge erledigen. Werden gerade Geldbeträge von deinem Konto abgebucht, hat die Kontaktaufnahme mit der Bank Vorrang. Hast du dagegen eine unbekannte Rechnung erhalten, ohne dass deine Konten betroffen sind, solltest du zunächst die Forderung prüfen, das Unternehmen informieren und den Vorfall dokumentieren. Ein gerichtlicher Mahnbescheid erfordert unabhängig davon eine fristgerechte Reaktion.
Wichtig ist außerdem, ausschließlich offizielle Kontaktwege zu benutzen. Steht in einer verdächtigen E-Mail eine Telefonnummer oder ein Link zur angeblichen Sicherheitsabteilung deiner Bank, solltest du diese Angaben nicht ungeprüft verwenden. Öffne stattdessen die Banking-App selbst oder nutze eine bereits bekannte Telefonnummer beziehungsweise die offizielle Internetseite des Unternehmens.
Woran erkennst du, dass deine Identität gestohlen wurde?
Identitätsdiebstahl bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand deinen Personalausweis entwendet hat. Häufig reichen Kriminellen bereits digitale Informationen aus einem Datenleck, einer Phishing-Nachricht oder einem übernommenen Kundenkonto. Je nach Umfang der verfügbaren Daten können sie bestehende Konten übernehmen, neue Benutzerkonten eröffnen oder sich gegenüber Unternehmen als eine andere Person ausgeben.
Typische Warnsignale sind Rechnungen für unbekannte Bestellungen, unerklärliche Abbuchungen, Bestätigungsmails zu fremden Registrierungen oder Vertragsunterlagen, die du nicht angefordert hast. Auch unerwartete Sicherheitscodes, Passwortänderungen oder Hinweise auf neue Anmeldungen können auf einen laufenden Angriff hindeuten. Besonders ernst nehmen solltest du Mitteilungen über Kreditanfragen, neue Bankkonten oder Mobilfunkverträge, die du nicht selbst veranlasst hast.
Manchmal bemerken Betroffene den Missbrauch erst durch ein Inkassoschreiben. Betrüger können beispielsweise bei einem Händler mit fremdem Namen und fremder Rechnungsadresse einkaufen, die Ware aber an eine andere Lieferanschrift oder eine Paketstation schicken lassen. Der eigentliche Namensträger erfährt dann möglicherweise erst Wochen später von dem Geschäft.
Allerdings ist nicht jede ungewöhnliche Nachricht automatisch ein Beleg für Identitätsdiebstahl. Eine angebliche Rechnung kann selbst Teil eines Phishing-Versuchs sein. Prüfe deshalb zunächst unabhängig, ob der genannte Händler tatsächlich existiert und ob eine entsprechende Forderung vorliegt. Übermittle dabei keine zusätzlichen persönlichen Daten an unbekannte Absender.
Datenleck, Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl unterscheiden
Ein Datenleck liegt vor, wenn personenbezogene Informationen unbeabsichtigt oder unbefugt offengelegt werden. Das kann beispielsweise passieren, wenn Angreifer eine Kundendatenbank eines Unternehmens erbeuten. Sind dein Name, deine E-Mail-Adresse und deine Anschrift betroffen, bedeutet das zunächst nur, dass diese Informationen möglicherweise in fremde Hände gelangt sind.
Von Identitätsmissbrauch spricht man, wenn solche Informationen tatsächlich unbefugt verwendet werden. Das kann eine Registrierung unter deinem Namen sein, eine betrügerische Bestellung oder der Versuch, Zugang zu einem bestehenden Konto zu erhalten. Werden deine Bankdaten oder Zugangsdaten eingesetzt, um Geld zu erlangen, kann daraus ein unmittelbarer finanzieller Schaden entstehen.
Diese Unterscheidung ist für die notwendigen Maßnahmen entscheidend. Wenn ausschließlich eine alte E-Mail-Adresse in einem Datenleck auftaucht, sind eine Sicherheitsprüfung und gegebenenfalls eine Passwortänderung angebracht. Entdeckst du dagegen bereits betrügerische Vertragsabschlüsse, müssen zusätzlich die betroffenen Unternehmen informiert, Forderungen bestritten und mögliche Auswirkungen auf deine Bonität kontrolliert werden.
Konten sichern und weiteren Identitätsmissbrauch verhindern
Sobald du einen unbefugten Zugriff vermutest, solltest du zunächst die Kontrolle über deine wichtigsten digitalen Zugänge zurückgewinnen. Besonders kritisch sind E-Mail-Konten, Online-Banking, Zahlungsdienste und Kundenkonten, in denen Zahlungsmittel hinterlegt sind. Über den Zugriff auf ein E-Mail-Postfach können Betrüger häufig weitere Konten übernehmen, weil zahlreiche Internetdienste ihre Links zum Zurücksetzen von Passwörtern per E-Mail versenden.
Ändere das Passwort deines E-Mail-Kontos möglichst von einem vertrauenswürdigen Gerät aus. Überprüfe anschließend die hinterlegten Wiederherstellungsadressen und Telefonnummern. Kontrolliere außerdem, ob unbekannte Weiterleitungen, Postfachregeln oder zusätzliche Anmeldeverfahren eingerichtet wurden. Manche Angreifer hinterlassen solche Einstellungen, um auch nach einer Passwortänderung weiterhin Nachrichten mitlesen oder Sicherheitsbenachrichtigungen abfangen zu können.
Nutze für jedes wichtige Konto ein eigenes Passwort und aktiviere, wo verfügbar, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys. Bei einer Zwei-Faktor-Authentifizierung reicht das Passwort allein nicht aus, um sich anzumelden. Ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor, etwa eine Authenticator-App oder ein Sicherheitsschlüssel, erschwert die Übernahme des Kontos. Hast du ein Passwort mehrfach verwendet und ist es kompromittiert, musst du es auch bei allen anderen betroffenen Diensten austauschen.
Wurde möglicherweise Schadsoftware auf deinem Computer oder Smartphone installiert, solltest du das Gerät zunächst vom Internet trennen und die weitere Kontosicherung über ein vertrauenswürdiges Gerät durchführen. Eine Sicherheitsprüfung kann helfen, die Ursache festzustellen. Bei schwerwiegenden Infektionen oder Unsicherheit über den Zustand des Geräts kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Andernfalls besteht das Risiko, dass neu eingegebene Zugangsdaten erneut abgefangen werden.
Ist dein Mobiltelefon plötzlich ohne Netz, obwohl normalerweise Empfang besteht, und funktionieren gleichzeitig Sicherheitscodes nicht mehr, solltest du auch einen möglichen Missbrauch deiner Mobilfunknummer prüfen lassen. Bei einem sogenannten SIM-Swapping gelingt es Kriminellen unter bestimmten Umständen, die Telefonnummer einer anderen Person auf eine von ihnen kontrollierte SIM-Karte zu übertragen. Informiere in diesem Fall unverzüglich deinen Mobilfunkanbieter und sichere die betroffenen Konten.
Fremde Bestellungen und Verträge: Musst du die Rechnungen bezahlen?
Eine der häufigsten finanziellen Folgen des Identitätsdiebstahls sind Bestellungen, die Betrüger unter fremdem Namen auslösen. Dabei können sie sowohl bestehende Kundenkonten missbrauchen als auch vollständig neue Konten mit gestohlenen personenbezogenen Daten eröffnen. Die Ware wird anschließend an eine abweichende Anschrift verschickt, während die Rechnung bei der betroffenen Person landet.
Wenn du den Vertrag weder selbst abgeschlossen noch eine andere Person dazu bevollmächtigt hast, musst du die Forderung aus diesem vermeintlichen Vertrag grundsätzlich nicht bezahlen. Der Händler oder Zahlungsdienstleister muss darlegen und im Streitfall beweisen können, dass ein wirksamer Vertrag mit dir zustande gekommen ist. Dein Name auf einer Rechnung oder die Verwendung deiner Anschrift reicht dafür allein nicht aus.
Das bedeutet allerdings nicht, dass du eine unbekannte Rechnung einfach wegwerfen solltest. Informiere den Forderungssteller möglichst früh schriftlich darüber, dass du die Bestellung nicht vorgenommen hast. Verlange eine Überprüfung des Vertragsschlusses und bitte darum, die Forderung nicht weiter als deine persönliche Verbindlichkeit zu behandeln. So verhinderst du zwar nicht automatisch weitere Schreiben, dokumentierst aber eindeutig, dass du die Forderung bestreitest.
So widersprichst du einer betrügerischen Rechnung richtig
Ein wirksamer Widerspruch gegen eine unberechtigte Forderung muss nicht besonders kompliziert formuliert sein. Entscheidend ist, dass der Empfänger nachvollziehen kann, auf welchen Vorgang du dich beziehst und dass du den behaupteten Vertragsschluss ausdrücklich bestreitest.
Du kannst beispielsweise folgende Formulierung verwenden:
Betreff: Widerspruch gegen Ihre Forderung – Verdacht auf Identitätsmissbrauch
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich widerspreche Ihrer Forderung mit der Rechnungsnummer [Nummer] vom [Datum] vollständig.
Die betreffende Bestellung wurde nicht von mir vorgenommen. Ich habe keinen entsprechenden Vertrag mit Ihrem Unternehmen abgeschlossen und auch niemanden zu einem Vertragsabschluss in meinem Namen bevollmächtigt. Ich gehe davon aus, dass meine personenbezogenen Daten missbräuchlich verwendet wurden.
Bitte überprüfen Sie den Vorgang, stellen Sie weitere Zahlungsaufforderungen gegen mich ein und bestätigen Sie mir schriftlich, dass die Forderung nicht weiter gegen mich geltend gemacht wird. Sofern bereits Daten zu dieser Forderung an eine Wirtschaftsauskunftei übermittelt wurden, fordere ich Sie auf, die Richtigkeit der Übermittlung zu überprüfen und unrichtige Angaben zu berichtigen beziehungsweise deren Löschung zu veranlassen.
Ich bitte außerdem um Auskunft darüber, welche personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit der Bestellung verarbeitet wurden und welche Informationen zum angeblichen Vertragsschluss vorliegen.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
Du kannst dieses Schreiben an den Händler oder den tatsächlichen Forderungsinhaber senden. Ist bereits ein Zahlungsdienstleister oder Inkassounternehmen beteiligt, solltest du auch diesen über den bestrittenen Vertrag informieren. Verwende einen nachweisbaren Übermittlungsweg und bewahre eine Kopie sowie den Versandnachweis auf.
Eine Strafanzeige kann deine Darstellung unterstützen und den Unternehmen die Einordnung des Vorfalls erleichtern. Sie ersetzt allerdings nicht den zivilrechtlichen Widerspruch und beweist auch nicht automatisch, dass ein bestimmter Vertrag unwirksam ist.
Vermeide Formulierungen, die als Anerkennung der Forderung verstanden werden könnten. Auch eine Ratenzahlungsvereinbarung oder eine vorschnelle Teilzahlung kann die spätere Auseinandersetzung unnötig erschweren. Besteht tatsächlich keine Zahlungspflicht, solltest du die Forderung nicht allein deshalb begleichen, weil ein Schreiben mit Inkassokosten oder weiteren Konsequenzen droht.
Inkassoschreiben und Mahnbescheid: Welche Fristen sind entscheidend?
Besonders belastend wird Identitätsdiebstahl, wenn nach einer unbekannten Rechnung weitere Mahnungen oder Forderungen eines Inkassounternehmens folgen. Die Beträge können dabei steigen, weil zum ursprünglichen Kaufpreis zusätzliche Mahn-, Inkasso- und gegebenenfalls Rechtsverfolgungskosten verlangt werden.
Angenommen, Kriminelle bestellen ein Smartphone für 790 Euro. Einige Wochen später erhältst du eine Zahlungsaufforderung über insgesamt 890 Euro, weil weitere 100 Euro an Gebühren und Kosten geltend gemacht werden. Die höhere Forderung bedeutet nicht, dass du plötzlich für den Betrug verantwortlich bist. Besteht gegen dich kein wirksamer Zahlungsanspruch, können darauf grundsätzlich auch keine entsprechenden Verzugs- und Inkassokosten gestützt werden.
Du solltest sowohl gegenüber dem ursprünglichen Unternehmen als auch gegenüber dem Inkassodienstleister ausdrücklich erklären, dass du den zugrunde liegenden Vertrag nicht abgeschlossen hast. Bitte um eine nachvollziehbare Aufstellung der Forderung und dokumentiere deinen Widerspruch. Hast du die Forderung bereits gegenüber dem Händler bestritten, kannst du auf diesen Schriftverkehr verweisen.
Anders als gewöhnliche Mahnschreiben erfordern gerichtliche Dokumente besondere Aufmerksamkeit.
Gerichtlicher Mahnbescheid: Innerhalb von zwei Wochen widersprechen
Erhältst du einen echten gerichtlichen Mahnbescheid, musst du grundsätzlich innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung Widerspruch beim zuständigen Mahngericht einlegen. Das gilt auch dann, wenn du zweifelsfrei weißt, dass die Forderung auf einem Identitätsdiebstahl beruht.
Das Gericht überprüft vor Erlass eines Mahnbescheids nicht, ob die behauptete Forderung tatsächlich besteht. Der Antragsteller kann das gerichtliche Mahnverfahren deshalb auch wegen einer Forderung einleiten, die in Wahrheit unberechtigt ist. Reagierst du nicht rechtzeitig, kann anschließend ein Vollstreckungsbescheid erlassen werden.
Nutze das dem Mahnbescheid beigefügte Widerspruchsformular und sende es fristgerecht an das im Bescheid angegebene Gericht. Bestreitest du die gesamte Forderung, kannst du ihr vollständig widersprechen. Achte auf einen nachweisbaren rechtzeitigen Eingang. Eine E-Mail an den Händler oder an das Inkassounternehmen ersetzt den gerichtlichen Widerspruch nicht.
Erhältst du bereits einen Vollstreckungsbescheid, gilt grundsätzlich eine Einspruchsfrist von zwei Wochen ab Zustellung. Wegen der möglichen Zwangsvollstreckung ist in dieser Situation unverzügliche rechtliche Beratung besonders sinnvoll. Ein Einspruch allein führt nicht automatisch dazu, dass sämtliche Vollstreckungsmaßnahmen ausgesetzt werden.
Der zentrale Unterschied lautet deshalb: Eine gewöhnliche Rechnung oder Inkassomahnung musst du prüfen und eine unberechtigte Forderung schriftlich bestreiten. Ein gerichtlicher Mahn- oder Vollstreckungsbescheid verlangt dagegen einen formgerechten und fristgerechten Rechtsbehelf beim Gericht.
Geld vom Konto verschwunden: Wer haftet bei Identitätsdiebstahl?
Werden beim Identitätsdiebstahl auch Bank- oder Zahlungsdaten missbraucht, kann ein unmittelbarer finanzieller Schaden entstehen. Beispielsweise könnten Kriminelle mit gestohlenen Zugangsdaten eine Überweisung auslösen, Kartendaten für Einkäufe verwenden oder eine Lastschrift von deinem Konto veranlassen.
Informiere deine Bank unmittelbar nach Entdeckung der verdächtigen Buchung. Lass die betroffenen Zugänge oder Zahlungsmittel sperren und widersprich der Transaktion ausdrücklich. Dokumentiere die Meldung und verlange bei einer nicht autorisierten Zahlung die Erstattung des abgebuchten Betrags.
Nach § 675u BGB muss der Zahlungsdienstleister einen nicht autorisierten Zahlungsvorgang grundsätzlich unverzüglich erstatten. Die Erstattung hat spätestens bis zum Ende des Geschäftstags zu erfolgen, der auf die Kenntnisnahme durch den Zahlungsdienstleister folgt. Für bestimmte Fälle eines ordnungsgemäß gemeldeten Betrugsverdachts gegen den Kunden gelten besondere Regeln.
Allerdings sind nicht jede betrügerische Zahlung und jeder Identitätsmissbrauch rechtlich gleich zu behandeln.
Nicht autorisierte Zahlung oder selbst freigegebene Überweisung?
Entscheidend ist zunächst, ob du der konkreten Zahlung zugestimmt hast. Wenn Betrüger ohne deine Zustimmung eine Überweisung auslösen, liegt grundsätzlich ein nicht autorisierter Zahlungsvorgang vor. Hier greifen die gesetzlichen Erstattungsregeln.
Anders kann der Fall aussehen, wenn du selbst eine Überweisung freigegeben hast, weil Kriminelle dich unter einem falschen Vorwand dazu gebracht haben. Beispielsweise könnte sich jemand am Telefon als Bankmitarbeiter ausgeben und behaupten, du müsstest dein Geld sofort auf ein angebliches Sicherheitskonto überweisen. Bei einer tatsächlich selbst autorisierten Überweisung lässt sich der Erstattungsanspruch nicht ohne Weiteres auf dieselben gesetzlichen Regeln stützen.
Auch die Eingabe einer TAN oder die Nutzung einer Banking-App bedeutet nicht automatisch, dass du die betreffende Zahlung rechtlich autorisiert hast oder grob fahrlässig gehandelt hast. Ist die Autorisierung streitig, muss der Zahlungsdienstleister nach § 675w BGB entsprechende Nachweise erbringen. Für den Nachweis von Betrug, Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit reichen technische Aufzeichnungen einer Authentifizierung allein nicht notwendigerweise aus.
Deshalb solltest du gegenüber deiner Bank den tatsächlichen Ablauf möglichst genau schildern. Erkläre, ob du die Zahlung selbst veranlasst hast, welche Informationen dir angezeigt wurden, ob unbekannte Geräte beteiligt waren und welche Sicherheitsfreigaben du vorgenommen hast. Unterschreibe keine Erklärung, in der ein abweichender Sachverhalt dargestellt wird.
Verweigert die Bank eine aus deiner Sicht berechtigte Erstattung, solltest du eine schriftliche Begründung verlangen. Anschließend kommen eine Verbraucherberatung, die zuständige Schlichtungsstelle oder rechtliche Unterstützung infrage.
Welche Haftungsgrenzen und Fristen gelten?
Bei missbräuchlicher Verwendung eines verlorenen, gestohlenen oder anderweitig missbrauchten Zahlungsinstruments kann eine gesetzliche Haftung des Kunden vor der Sperrmeldung unter bestimmten Voraussetzungen auf maximal 50 Euro begrenzt sein. In verschiedenen Fällen entfällt selbst diese Haftung. Bei Betrug, Vorsatz oder grob fahrlässiger Verletzung bestimmter Pflichten kann sich die Haftung dagegen erheblich verändern.
Nach der ordnungsgemäßen Anzeige des Verlusts oder Missbrauchs haftet der Zahler für die anschließende missbräuchliche Verwendung des Zahlungsinstruments grundsätzlich nicht mehr, sofern er nicht selbst betrügerisch handelt.
Nicht autorisierte oder fehlerhaft ausgeführte Zahlungsvorgänge musst du deiner Bank unverzüglich nach ihrer Entdeckung melden. § 676b BGB sieht für die Anzeige grundsätzlich eine Höchstfrist von 13 Monaten nach der Belastung vor. Der Beginn dieser Frist setzt allerdings die gesetzlich vorgesehene Unterrichtung über die Buchung voraus. Die 13 Monate sind keine Wartefrist: Sobald du den Missbrauch bemerkst, solltest du handeln.
Bei einer SEPA-Basislastschrift gibt es zusätzlich einen wichtigen Unterschied. Eine autorisierte Lastschrift kannst du grundsätzlich innerhalb von acht Wochen nach der Belastung ohne Begründung zurückgeben lassen. Wurde dagegen überhaupt kein wirksames Mandat erteilt, kannst du die unberechtigte Lastschrift grundsätzlich bis zu 13 Monate nach der Belastung reklamieren. Auch hier solltest du deine Bank sofort informieren.
Eine Rückbuchung beseitigt im Übrigen nicht automatisch jede weitere Forderung des Händlers. Wenn ein Unternehmen anschließend eine Rechnung für den zugrunde liegenden betrügerischen Einkauf stellt, musst du auch diesen behaupteten Vertragsschluss gesondert bestreiten.
Kredit oder Bankkonto auf deinen Namen eröffnet: Was ist jetzt wichtig?
Eine besonders schwerwiegende Form des Identitätsmissbrauchs liegt vor, wenn Betrüger mit fremden Daten einen Kredit beantragen oder ein Bankkonto eröffnen. Dafür können beispielsweise gestohlene Ausweisdaten, manipulierte Dokumente oder missbräuchlich verwendete elektronische Identifizierungsverfahren eingesetzt werden.
Bemerkst du einen unbekannten Kreditantrag, solltest du die betreffende Bank unverzüglich kontaktieren und ausdrücklich erklären, dass du weder den Antrag gestellt noch einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hast. Verlange eine Überprüfung des Identifizierungs- und Vertragsabschlussverfahrens. Bitte außerdem darum, die Angelegenheit als möglichen Identitätsbetrug zu kennzeichnen und weitere Auszahlungen oder Vertragsaktivitäten zu verhindern, soweit dies noch möglich ist.
Die Verwendung deiner Personendaten bedeutet nicht automatisch, dass du einen Darlehensvertrag abgeschlossen hast oder die Rückzahlung schuldest. Die Bank muss einen wirksamen Vertragsschluss mit dir begründen und im Streitfall beweisen. Ob ein Vertrag tatsächlich zustande gekommen ist, hängt vom konkreten Ablauf und den vorhandenen Nachweisen ab.
Fordere außerdem Auskunft über die zu deiner Person gespeicherten Daten und die Herkunft der Informationen an. Besonders relevant können Vertragsunterlagen, Identifizierungsnachweise, verwendete Kontoverbindungen, Kontaktadressen und Angaben zum Auszahlungsempfänger sein. Welche Unterlagen dir vollständig zur Verfügung gestellt werden müssen, richtet sich nach den jeweiligen Auskunftsrechten und möglichen gesetzlichen Einschränkungen.
Du solltest den Vorgang zusätzlich bei der Polizei anzeigen und deine Wirtschaftsauskunfteidaten kontrollieren. Ein betrügerisch beantragter Kredit kann bereits durch unbekannte Kreditanfragen auffallen. Wurden später falsche Vertrags- oder Forderungsdaten übermittelt, können diese auch Auswirkungen auf die Beurteilung deiner Kreditwürdigkeit haben.
SCHUFA und Bonität: So verhinderst du langfristige Probleme
Identitätsdiebstahl kann finanzielle Folgen haben, obwohl zunächst kein Geld von deinem eigenen Konto verschwunden ist. Werden betrügerische Verträge oder unbezahlte Forderungen fälschlicherweise deiner Person zugeordnet, besteht das Risiko, dass entsprechende Informationen bei Wirtschaftsauskunfteien landen.
Das kann später relevant werden, wenn du einen Kredit beantragst, eine Wohnung suchst oder einen neuen Vertrag abschließen möchtest. Unternehmen verwenden Auskunfteidaten, um finanzielle Risiken zu bewerten. Fehlerhafte Informationen können deshalb über den ursprünglichen Betrugsfall hinaus Probleme verursachen.
Fordere bei der SCHUFA eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO an. Prüfe nicht nur vorhandene Negativmerkmale, sondern auch unbekannte Verträge, Anfragen und andere auffällige Informationen. Bei einem begründeten Verdacht kann es sinnvoll sein, zusätzlich Auskünfte bei weiteren Wirtschaftsauskunfteien einzuholen.
Entdeckst du unrichtige Daten, solltest du sowohl die Auskunftei als auch das Unternehmen kontaktieren, das die Information übermittelt hat. Bestreite die zugrunde liegende Forderung, schildere den Identitätsmissbrauch und verlange die Überprüfung und Berichtigung beziehungsweise Löschung unrichtiger Einträge. Während die Richtigkeit strittiger Daten geprüft wird, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch eine Einschränkung ihrer Verarbeitung verlangt werden.
Identitätsbetrug bei der SCHUFA melden
Die SCHUFA bietet eine Möglichkeit, sich als Opfer eines Identitätsbetrugs registrieren zu lassen. Diese Einmeldung ist freiwillig und dient dazu, anfragende Unternehmen auf einen bereits bekannten Missbrauch der persönlichen Identität aufmerksam zu machen.
Für die Registrierung werden unter anderem ein ausgefülltes Einwilligungsformular, ein Identitätsnachweis und eine geeignete polizeiliche Anzeigenbescheinigung benötigt. Die Registrierung ist kein Ersatz für die Korrektur fehlerhafter Einträge. Sie kann aber dazu beitragen, dass Unternehmen bei späteren Vertragsprüfungen auf einen möglichen Missbrauch aufmerksam werden.
Nach Angaben der SCHUFA verändert die Registrierung als Identitätsbetrugsopfer den SCHUFA-Score nicht. Ein vollständiger Schutz vor sämtlichen weiteren Betrugsversuchen ist damit allerdings nicht verbunden.
Du solltest deine Daten nach einem tatsächlichen Identitätsbetrug nicht nur einmal prüfen. Weitere missbräuchliche Vertragsabschlüsse können erst später sichtbar werden. Kontrolliere deshalb in den folgenden Monaten, ob neue Auffälligkeiten entstehen.
Personalausweis gestohlen oder Ausweiskopie missbraucht: Was musst du tun?
Der Diebstahl eines Personalausweises oder die missbräuchliche Verwendung einer Ausweiskopie erfordert besondere Aufmerksamkeit. Ausweisdaten können für Identitätsprüfungen verwendet werden und Kriminellen dabei helfen, gegenüber Unternehmen eine fremde Identität glaubhaft vorzutäuschen.
Wurde dein Personalausweis gestohlen oder hast du ihn verloren, musst du den Verlust unverzüglich der zuständigen Personalausweisbehörde melden. Bei einem Diebstahl solltest du zusätzlich die Polizei informieren.
Ist die Online-Ausweisfunktion aktiviert, musst du sie unverzüglich sperren lassen. Dafür steht in Deutschland die Sperrhotline 116 116 zur Verfügung. Aus dem Ausland ist sie unter +49 116 116 oder alternativ unter +49 30 40 50 40 50 erreichbar. Für die telefonische Sperrung benötigst du das persönliche Sperrkennwort. Hast du dieses nicht mehr, kannst du dich direkt an die zuständige Personalausweisbehörde wenden.
Die Sperrung der Online-Ausweisfunktion verhindert deren weitere Nutzung. Sie macht aber bereits angefertigte Fotos oder Kopien des physischen Ausweises nicht automatisch unbrauchbar. Auch eine Verlustanzeige beseitigt nicht sämtliche Risiken, wenn Kriminelle die darauf enthaltenen Daten bereits besitzen.
Ist lediglich eine Ausweiskopie in falsche Hände geraten, solltest du zunächst feststellen, welche Daten sichtbar sind und zu welchem Zweck die Kopie ursprünglich erstellt wurde. Informiere das betroffene Unternehmen über den möglichen Missbrauch und bitte um Prüfung, welche Sicherheitsmaßnahmen möglich sind. Bestehen Hinweise auf einen konkreten Betrug, solltest du Anzeige erstatten.
Ein neuer Personalausweis ist nicht in jedem Fall einer abgeflossenen Ausweiskopie zwingend erforderlich. Ein Dokumentenaustausch allein kann zudem nicht verhindern, dass bereits bekannte Angaben wie Name, Geburtsdatum oder Anschrift weiterverwendet werden. Ob ein neues Dokument sinnvoll oder notwendig ist, solltest du anhand des konkreten Sachverhalts mit der Ausweisbehörde klären.
Persönliche Daten im Internet veröffentlicht: Kannst du ihre Löschung verlangen?
Wurden deine personenbezogenen Daten bei einem Unternehmen gestohlen oder auf einer Internetseite veröffentlicht, stehen dir grundsätzlich verschiedene Datenschutzrechte zu. Dazu gehören insbesondere Auskunft, Berichtigung und unter bestimmten Voraussetzungen Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung nach der Datenschutz-Grundverordnung.
Du kannst ein betroffenes Unternehmen beispielsweise fragen, welche personenbezogenen Daten über dich gespeichert sind, zu welchem Zweck sie verarbeitet werden und welche Informationen über mögliche Empfänger vorliegen. Bei einem bekannten Sicherheitsvorfall kannst du außerdem um konkrete Informationen darüber bitten, welche Daten betroffen sind und welche Maßnahmen das Unternehmen zur Eindämmung des Vorfalls ergriffen hat.
Unrichtige personenbezogene Daten kannst du berichtigen lassen. Ein Löschungsanspruch besteht insbesondere dann, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Allerdings dürfen oder müssen Unternehmen bestimmte Informationen unter Umständen weiterhin speichern, etwa aufgrund gesetzlicher Aufbewahrungspflichten oder zur Geltendmachung beziehungsweise Verteidigung von Rechtsansprüchen.
Ist ein Datensatz bereits in kriminellen Kreisen verbreitet worden, kann auch ein Unternehmen, das seine eigenen Daten vollständig bereinigt, die Rückholung sämtlicher Kopien nicht garantieren. Deshalb reicht eine Löschungsaufforderung häufig nicht aus. Sind Zugangsdaten betroffen, solltest du diese ändern. Bei abgeflossenen Bankdaten musst du das Missbrauchsrisiko mit deiner Bank besprechen.
Reagiert ein Unternehmen auf berechtigte Datenschutzanfragen nicht angemessen oder bestehen Hinweise auf eine rechtswidrige Datenverarbeitung, kannst du dich an die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde wenden.
Wie viel kann ein Identitätsdiebstahl kosten?
Die unmittelbaren finanziellen Folgen hängen davon ab, welche Daten missbraucht wurden und ob Betrüger bereits erfolgreich Zahlungen ausgelöst oder Verträge abgeschlossen haben. Ein kompromittiertes Kundenkonto ohne hinterlegte Zahlungsdaten verursacht möglicherweise zunächst keinen Geldverlust. Bei einem übernommenen Bankkonto kann dagegen innerhalb kurzer Zeit ein erheblicher Betrag betroffen sein.
Neben direkten Vermögensschäden können weitere Kosten entstehen. Dazu gehören beispielsweise Ausgaben für einen neuen Personalausweis, professionelle Hilfe bei der Wiederherstellung kompromittierter Geräte oder eine notwendige anwaltliche Beratung. Ob diese Kosten von einem Täter, einem Unternehmen, einer Bank oder einer Versicherung ersetzt werden müssen, hängt von der jeweiligen rechtlichen Grundlage und den Umständen des Einzelfalls ab.
Eine besondere Schwierigkeit entsteht, wenn ein Kreditinstitut die Erstattung unberechtigter Kontobewegungen zunächst verweigert. Betroffene müssen dann möglicherweise vorübergehend ohne das fehlende Geld auskommen, obwohl sie einen Erstattungsanspruch geltend machen. Das kann laufende Mietzahlungen, Kreditraten oder andere finanzielle Verpflichtungen gefährden. In einer solchen Situation solltest du nicht nur die Erstattung verfolgen, sondern frühzeitig klären, wie unmittelbar bevorstehende Zahlungen abgesichert werden können.
Auch die zeitliche Belastung ist erheblich. Ein einzelner Missbrauchsfall kann Schriftverkehr mit mehreren Unternehmen, eine Strafanzeige und wiederholte Prüfungen der eigenen Daten erforderlich machen. Gerade deshalb ist es sinnvoll, von Anfang an eine vollständige Dokumentation anzulegen.
Beweise sichern: Welche Unterlagen solltest du aufbewahren?
Bei Identitätsdiebstahl ist eine nachvollziehbare Dokumentation besonders wertvoll. Sie hilft dir, gegenüber Banken, Unternehmen und gegebenenfalls Gerichten einen konsistenten Sachverhalt darzustellen. Gleichzeitig verhindert sie, dass wichtige Informationen verloren gehen, wenn mehrere Forderungen oder Betrugsversuche parallel auftreten.
Bewahre deshalb sämtliche Rechnungen, Mahnungen, Kontoauszüge und Nachrichten auf, die mit dem Vorfall zusammenhängen. Sichere bei verdächtigen Onlineaktivitäten Screenshots, auf denen möglichst auch Datum, Uhrzeit, Internetadresse und relevante Kontoinformationen erkennbar sind. Originalnachrichten solltest du nach Möglichkeit unverändert aufbewahren.
Lege eine einfache zeitliche Übersicht an: Wann hast du den Verdacht erstmals bemerkt? Welche Zahlung oder Bestellung war betroffen? Wann hast du deine Bank informiert, welche Zugänge wurden gesperrt und an welchem Tag hast du Anzeige erstattet? Ergänze zu jedem Kontakt eine Vorgangsnummer, den Namen des Unternehmens und gegebenenfalls eine schriftliche Bestätigung.
Eine solche Übersicht ist besonders hilfreich, wenn du Wochen später von einem zweiten Händler kontaktiert wirst. Du kannst dann feststellen, ob der neue Fall zeitlich mit dem ursprünglichen Datenmissbrauch zusammenhängen könnte und welche Maßnahmen bereits erfolgt sind. Bewahre sensible Unterlagen sicher auf und übermittle vollständige Ausweiskopien oder Kontoauszüge nur, wenn dies tatsächlich notwendig ist und der Empfänger zuverlässig identifiziert wurde.
Welche Fehler solltest du bei Identitätsdiebstahl vermeiden?
Der größte praktische Fehler besteht darin, einen bekannten Missbrauch nicht ernst zu nehmen, weil zunächst noch kein Geld verloren gegangen ist. Eine unbekannte Registrierung oder ein fremder Kreditantrag kann ein Hinweis auf weitere Aktivitäten sein. Frühzeitige Kontosicherung und eine Meldung an beteiligte Unternehmen können verhindern, dass aus einem einzelnen Versuch mehrere Schadensfälle entstehen.
Ebenso problematisch ist es, sämtliche Zahlungsaufforderungen ungelesen zu ignorieren. Zwar entsteht durch ein gewöhnliches Inkassoschreiben noch kein vollstreckbarer Titel. Wer jedoch einen gerichtlichen Mahnbescheid übersieht, riskiert erhebliche rechtliche Nachteile. Deshalb solltest du auch nach einem bereits erklärten Widerspruch weiterhin aufmerksam auf gerichtliche Post achten.
Ein weiterer Fehler ist die vorschnelle Zahlung einer unberechtigten Forderung, um die Angelegenheit möglichst schnell zu beenden. Damit belastest du zunächst deine eigenen Finanzen und musst das Geld gegebenenfalls anschließend zurückfordern. Besteht keine Verpflichtung, solltest du stattdessen den Vertragsschluss ausdrücklich bestreiten und bei Bedarf fachliche Unterstützung hinzuziehen.
Auch eine ausschließliche Passwortänderung kann zu kurz greifen. Haben Angreifer bereits eine fremde Wiederherstellungsadresse eingerichtet, eine aktive Sitzung behalten oder Postfachweiterleitungen verändert, kann der Zugriff trotz neuem Passwort bestehen bleiben. Die Sicherheitsprüfung muss deshalb sämtliche relevanten Kontoeinstellungen umfassen.
Schließlich solltest du nicht automatisch davon ausgehen, dass eine Strafanzeige alle Probleme löst. Die Polizei ermittelt wegen möglicher Straftaten. Die Auseinandersetzung über eine Rechnung, einen Kreditvertrag oder eine Kontobelastung muss häufig zusätzlich direkt mit dem jeweiligen Unternehmen geführt werden.
Wie kannst du dich langfristig vor Identitätsdiebstahl schützen?
Vollständig verhindern lässt sich der Missbrauch personenbezogener Daten nicht. Selbst bei sorgfältigem Umgang können Informationen durch Sicherheitslücken bei Unternehmen offengelegt werden. Du kannst das Risiko allerdings deutlich reduzieren, indem du die Folgen eines möglichen Datenlecks begrenzt und unbefugte Zugriffe erschwerst.
Verwende für wichtige Internetkonten unterschiedliche, starke Passwörter und nutze einen Passwortmanager, wenn du viele Zugangsdaten verwalten musst. Aktiviere eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und sichere insbesondere deine primäre E-Mail-Adresse. Bei Diensten, die Passkeys unterstützen, können diese eine zusätzliche Möglichkeit bieten, den Zugang besser gegen bestimmte Phishing-Angriffe abzusichern.
Überprüfe regelmäßig, welche persönlichen Daten du öffentlich preisgibst. Geburtsdatum, vollständige Anschrift, Telefonnummer und weitere Angaben können in Kombination die Identitätsprüfung bei schlecht abgesicherten Diensten erleichtern. Versende Ausweiskopien daher nicht unüberlegt und prüfe vorab, ob die vollständige Übermittlung tatsächlich notwendig ist. Werden Kopien benötigt, können klar gekennzeichnete Verwendungszwecke und das Schwärzen nicht erforderlicher Angaben das Missbrauchsrisiko reduzieren, soweit der jeweilige Identifizierungsprozess dies erlaubt.
Kontrolliere deine Konto- und Kreditkartenumsätze regelmäßig. Aktivierte Umsatzbenachrichtigungen können dabei helfen, unbekannte Transaktionen frühzeitig zu entdecken. Auch Sicherheitsmeldungen über neue Geräte oder Passwortänderungen solltest du nicht ungelesen löschen.
Besondere Vorsicht ist bei Nachrichten geboten, die unmittelbar zu einer Anmeldung, Identitätsprüfung oder Zahlung auffordern. Öffne die entsprechende Internetseite selbst, statt über einen mitgeschickten Link zu gehen. Gibt sich jemand telefonisch als Mitarbeiter deiner Bank aus und verlangt Sicherheitscodes oder eine dringende Überweisung, beende das Gespräch und kontaktiere die Bank über eine unabhängig überprüfte Telefonnummer.
Ein kostenpflichtiger Identitätsschutzdienst ist für diese grundlegenden Maßnahmen nicht zwingend erforderlich. Passwortmanager, Sicherheitsfunktionen der Kontenanbieter, Umsatzbenachrichtigungen und kostenlose Datenauskünfte ermöglichen bereits einen erheblichen Teil der notwendigen Vorsorge. Ob zusätzliche Überwachungsangebote sinnvoll sind, hängt von deren konkretem Leistungsumfang und deinem individuellen Risiko ab.
Wann solltest du rechtliche Unterstützung in Anspruch nehmen?
Nicht jeder Identitätsdiebstahl erfordert sofort einen Rechtsanwalt. Bei einer einzelnen betrügerischen Bestellung, die der Händler nach deinem Widerspruch storniert, kann sich die Angelegenheit vergleichsweise unkompliziert erledigen. Schwieriger wird es, wenn ein Unternehmen weiterhin eine erhebliche Forderung geltend macht, eine Bank die Erstattung verweigert oder bereits ein gerichtliches Verfahren läuft.
Besonders sinnvoll ist rechtliche Unterstützung, wenn ein vermeintlicher Kreditvertrag über mehrere Tausend Euro besteht, ein Vollstreckungsbescheid zugestellt wurde oder die Korrektur schwerwiegender falscher Bonitätsdaten scheitert. Auch bei mehreren parallelen Betrugsfällen kann eine rechtliche Einordnung helfen, Fristen und Ansprüche systematisch zu bearbeiten.
Eine erste Anlaufstelle können die Verbraucherzentralen sein. Je nach Fall kommen darüber hinaus die zuständigen Schlichtungsstellen für Banken, anwaltliche Beratung oder bei datenschutzrechtlichen Problemen die Datenschutzaufsichtsbehörden infrage.
Besteht eine Rechtsschutzversicherung, solltest du vor der Beauftragung eines Rechtsanwalts prüfen, ob der konkrete Streitfall versichert ist. Nicht jede Police deckt Identitätsmissbrauch oder sämtliche damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten ab. Eine mögliche Selbstbeteiligung solltest du ebenfalls berücksichtigen.
Entscheidend ist, frühzeitig Unterstützung zu suchen, wenn du mit einem komplizierten Sachverhalt oder einer laufenden Frist konfrontiert bist. Bei gerichtlichen Dokumenten darf die Suche nach einer Beratungsstelle nicht dazu führen, dass die vorgesehene Widerspruchs- oder Einspruchsfrist verstreicht.
Fazit: Identitätsdiebstahl lässt sich mit konsequentem Handeln begrenzen
Identitätsdiebstahl kann weit über eine einzelne unberechtigte Rechnung hinausgehen. Entscheidend ist deshalb, den Vorfall nicht nur als Zahlungsproblem zu behandeln, sondern auch die Sicherheit deiner Konten, mögliche weitere Vertragsabschlüsse und die Richtigkeit deiner Bonitätsdaten zu überprüfen. Wer den Schaden frühzeitig eingrenzt, betroffene Unternehmen informiert und den Vorgang sorgfältig dokumentiert, schafft eine bessere Grundlage, um weitere Folgen zu verhindern und berechtigte Ansprüche durchzusetzen.
Du bist nicht allein deshalb zahlungspflichtig, weil Kriminelle deinen Namen verwendet haben. Eine unbekannte Rechnung solltest du trotzdem ausdrücklich bestreiten, und gerichtliche Schreiben erfordern eine fristgerechte Reaktion. Bei nicht autorisierten Kontobewegungen sind die sofortige Meldung an die Bank und die genaue rechtliche Einordnung des Zahlungsvorgangs besonders wichtig.
Auch nach der ersten Klärung lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben. Gestohlene personenbezogene Daten können mehrfach verwendet werden, und weitere Betrugsversuche werden möglicherweise erst mit zeitlichem Abstand sichtbar. Eine systematische Nachkontrolle von Kontobewegungen, Vertragsmitteilungen und Auskunfteidaten kann verhindern, dass ein zunächst erledigt geglaubter Fall später erneut finanzielle Probleme verursacht.
Häufige Fragen zu Identitätsdiebstahl
Identitätsmissbrauch kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Die folgenden Antworten helfen bei typischen Unsicherheiten, die nach der Entdeckung eines Betrugsfalls entstehen.
Reicht mein Name und meine Adresse für einen Identitätsdiebstahl aus?
Ja, bereits mit Namen und Anschrift können Kriminelle versuchen, Bestellungen oder Registrierungen unter einer fremden Identität vorzunehmen. Für andere Vorgänge, insbesondere bei Banken, sind normalerweise weitergehende Identifizierungsverfahren erforderlich. Je mehr Daten Angreifer besitzen, desto größer können ihre Missbrauchsmöglichkeiten sein.
Muss ich meinen Personalausweis erneuern, wenn eine Kopie gestohlen wurde?
Nicht automatisch. Wurde der physische Ausweis gestohlen oder verloren, musst du den Verlust unverzüglich melden und die Online-Ausweisfunktion sperren lassen. Ist lediglich eine Kopie betroffen, solltest du die konkrete Gefährdung mit der Ausweisbehörde klären. Ein neues Dokument verhindert nicht zwangsläufig den Missbrauch bereits bekannter personenbezogener Daten.
Kann jemand mit meinen persönlichen Daten einen Kredit aufnehmen?
Kriminelle können versuchen, mit fremden Daten einen Kreditantrag zu stellen. Ob dies gelingt, hängt unter anderem vom Identifizierungsverfahren des Kreditinstituts ab. Entdeckst du einen unbekannten Antrag oder Vertrag, solltest du die Bank sofort informieren, den Vertragsschluss bestreiten und deine Auskunfteidaten kontrollieren.
Kostet eine Strafanzeige wegen Identitätsdiebstahls Geld?
Nein. Eine Strafanzeige bei der Polizei ist kostenlos. Kosten können allerdings bei zusätzlichen Maßnahmen entstehen, etwa für anwaltliche Beratung, technische Unterstützung oder die Neuausstellung eines Ausweisdokuments.
Bekomme ich mein Geld bei Identitätsdiebstahl immer zurück?
Eine automatische Erstattung in sämtlichen Fällen gibt es nicht. Bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen bestehen grundsätzlich gesetzliche Erstattungsansprüche gegen den Zahlungsdienstleister. Bei selbst autorisierten Überweisungen, möglichen Sorgfaltspflichtverletzungen oder Streitigkeiten über den tatsächlichen Ablauf kann die rechtliche Beurteilung abweichen.
Wie lange können gestohlene persönliche Daten missbraucht werden?
Dafür gibt es keine allgemeine zeitliche Grenze. Ein kompromittiertes Passwort verliert seine unmittelbare Bedeutung, wenn es wirksam geändert wurde und fremde Zugänge beendet sind. Name, Geburtsdatum oder andere dauerhafte Identitätsmerkmale können dagegen auch deutlich später erneut missbraucht werden. Deshalb sind Nachkontrollen nach einem konkreten Betrugsfall sinnvoll.
Sollte ich nach einem Identitätsdiebstahl eine neue E-Mail-Adresse einrichten?
Das ist nicht grundsätzlich erforderlich. Häufig genügt es, den bestehenden Zugang vollständig zu sichern, das Passwort zu ändern, fremde Sitzungen zu beenden und sämtliche Wiederherstellungs- sowie Weiterleitungseinstellungen zu kontrollieren. Kannst du die Sicherheit des Postfachs nicht wiederherstellen, solltest du mit dem Anbieter eine sichere Kontowiederherstellung oder einen Wechsel prüfen.
Kann ich verhindern, dass Betrüger erneut Verträge unter meinem Namen abschließen?
Einen vollständigen Schutz gibt es nicht. Du kannst jedoch kompromittierte Konten absichern, betroffene Unternehmen informieren und einen bekannten Identitätsbetrug bei der SCHUFA melden. Die freiwillige Registrierung kann Unternehmen auf den Missbrauch aufmerksam machen, garantiert aber nicht, dass sämtliche weiteren Betrugsversuche verhindert werden.