Die Frühstart-Rente soll Kindern einen möglichst frühen Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge ermöglichen. Der Staat plant, monatlich zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot einzuzahlen. Über viele Jahrzehnte könnte daraus ein deutlich höherer Betrag entstehen. Entscheidend ist allerdings, welche Rendite das angelegte Geld tatsächlich erzielt.
Für eine langfristige Modellrechnung mit einem breit gestreuten, aktienorientierten Depot sind beispielsweise fünf Prozent Rendite pro Jahr nach laufenden Kosten eine vorsichtiger gewählte Planungsannahme. Sieben Prozent können als günstigeres Szenario dienen. Beide Werte sind nominal, berücksichtigen also noch nicht die Inflation. Auch deutlich niedrigere Ergebnisse oder Verluste sind möglich.
Die Bundesregierung rechnet in ihren Beispielen zur Frühstart-Rente mit einer durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung von sieben Prozent nach Kosten. Diese Annahme orientiert sich an historischen Renditen weltweit gestreuter Aktienanlagen. Sie ist jedoch keine zugesicherte Verzinsung und bedeutet nicht, dass das Geld jedes Jahr um sieben Prozent wächst.
Gerade bei der Frühstart-Rente ist diese Unterscheidung wesentlich. Die staatlichen Einzahlungen erfolgen nur während eines begrenzten Zeitraums. Anschließend kann das angesparte Kapital über Jahrzehnte weiter investiert bleiben. Bereits kleine Unterschiede bei der tatsächlichen Rendite verändern deshalb das Ergebnis erheblich.
Welche Rendite ist bei der Frühstart-Rente realistisch?
Eine realistische Renditeerwartung muss zur gewählten Geldanlage passen. Ein Depot, das überwiegend weltweit gestreute Aktienfonds enthält, bietet andere langfristige Ertragschancen als ein Portfolio mit einem hohen Anteil an Anleihen oder sicherheitsorientierten Anlagen. Auch Gebühren und eine mögliche Veränderung der Anlagestrategie im Laufe der Jahrzehnte beeinflussen das Ergebnis.
Historische Untersuchungen zeigen, dass breit gestreute Aktienanlagen über sehr lange Zeiträume erhebliche Wertzuwächse erzielt haben. Die tatsächlichen Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Betrachtungszeitraum, Währung und Markt. Für weltweite Aktienanlagen liegen langfristige historische Durchschnittsrenditen häufig im Bereich von ungefähr sieben bis acht Prozent jährlich in nominaler Rechnung. Einzelne Jahrzehnte können erheblich davon abweichen.
Ein Blick auf die jüngere Kapitalmarktgeschichte verdeutlicht das. Weltweite Aktien erzielten im Zeitraum von Anfang 2000 bis Ende 2024 eine durchschnittliche reale Rendite von rund 3,5 Prozent jährlich. Nach Berücksichtigung der Inflation blieb Anlegern damit ein positiver Kaufkraftzuwachs, der jedoch deutlich unter manchen aus sehr langen historischen Zeitreihen abgeleiteten Erwartungen lag.
Historische Werte sind eine Orientierung, aber kein verlässlicher Maßstab für ein einzelnes zukünftiges Anlageergebnis. Niemand weiß, wie sich Unternehmensgewinne, Bewertungen, Zinsen und Aktienkurse über die kommenden 50 oder 60 Jahre entwickeln werden.
Für die persönliche Finanzplanung ist es deshalb sinnvoll, nicht ausschließlich einen einzigen Prozentsatz zu verwenden.
Drei Renditeszenarien für eine langfristige Planung
Für eine vereinfachte Modellrechnung mit einem aktienorientierten Frühstart-Renten-Depot lassen sich drei unterschiedliche Entwicklungen gegenüberstellen.
| Szenario | Rendite pro Jahr | Einordnung |
|---|---|---|
| Schwächere Entwicklung | 3 % | Niedriges Renditeszenario für eine langfristige Vergleichsrechnung |
| Mittleres Szenario | 5 % | Vorsichtiger gewählte Annahme für die persönliche Planung |
| Günstigere Entwicklung | 7 % | Annahme der staatlichen Beispielrechnungen |
Die Werte sind Modellannahmen nach laufenden Kosten, aber vor einer möglichen Besteuerung der späteren Auszahlung. Sie gelten nicht als statistisch abgesicherte Prognosen. Insbesondere sind drei Prozent keine garantierte Untergrenze und sieben Prozent keine Obergrenze.
Wichtig ist außerdem, dass diese Szenarien nur sinnvoll sind, wenn die tatsächliche Anlagestrategie dazu passt. Ein über Jahrzehnte überwiegend sicherheitsorientiertes Depot sollte nicht einfach mit den historischen Renditen eines weltweiten Aktienportfolios berechnet werden.
Die drei Varianten machen vielmehr sichtbar, wie empfindlich das langfristige Ergebnis auf unterschiedliche Wertentwicklungen reagiert.
Was aus den zehn Euro staatlicher Förderung werden kann
Nach dem Regierungsentwurf vom August 2026 soll der Bund monatlich zehn Euro vom vollendeten sechsten Lebensjahr bis zur Volljährigkeit einzahlen. Bei einer vollständigen Förderdauer von zwölf Jahren entstehen damit staatliche Einzahlungen von insgesamt 1.440 Euro.
Das Geld soll anschließend grundsätzlich bis mindestens zum vollendeten 65. Lebensjahr für die Altersvorsorge gebunden bleiben. In einer vereinfachten Rechnung ergeben sich dadurch zwölf Jahre mit laufenden Einzahlungen und weitere 47 Jahre, in denen das vorhandene Kapital ohne zusätzliche Beiträge wachsen kann.
Der folgende Vergleich zeigt, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen können.
Beispielrechnung: 1.440 Euro staatliche Förderung
Für alle drei Varianten gelten dieselben Ausgangsbedingungen: Ab dem sechsten Geburtstag werden zwölf Jahre lang monatlich zehn Euro am Monatsende angelegt. Danach erfolgen keine weiteren Einzahlungen. Die erzielte Rendite wird vollständig wieder angelegt. Die jährliche Modellrendite wird für die Berechnung in einen entsprechenden monatlichen Wachstumsfaktor umgerechnet.
| Rendite pro Jahr | Depotwert mit 18 | Depotwert mit 65 |
|---|---|---|
| 3 % | ca. 1.700 € | ca. 6.900 € |
| 5 % | ca. 2.000 € | ca. 19.300 € |
| 7 % | ca. 2.200 € | ca. 53.000 € |
Modellrechnung mit konstanter jährlicher Rendite nach angenommenen laufenden Kosten. Alle Werte sind gerundet, nominal und vor einer späteren Besteuerung. Tatsächliche Kapitalmarktverläufe sind unregelmäßig.
Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen fünf und sieben Prozent. Bei identischer staatlicher Förderung und ohne zusätzliche Einzahlungen stehen am Ende rechnerisch rund 19.300 Euro beziehungsweise 53.000 Euro gegenüber.
Der Unterschied entsteht nicht durch höhere Sparbeiträge, sondern ausschließlich durch die unterstellte Wertentwicklung über fast sechs Jahrzehnte.
Auch die schwächere Variante verdeutlicht den Effekt der langen Laufzeit. Bei drei Prozent jährlicher Rendite könnten sich aus den ursprünglichen 1.440 Euro rund 6.900 Euro entwickeln. Das wäre nominal ein deutlicher Zuwachs, dessen tatsächliche Kaufkraft allerdings gesondert betrachtet werden muss.
Die Modellrechnung unterstellt bewusst eine vollständige Förderdauer und identische Bedingungen für sämtliche Jahre. Individuelle Starttermine, Produktkosten und die konkrete Marktentwicklung können zu anderen Ergebnissen führen.
Rechtsstand: 18. September 2026. Die Frühstart-Rente befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. Nach dem Regierungsentwurf ist der operative Start für 2027 mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021 vorgesehen. Der Jahrgang 2020 soll die Förderung für 2026 rückwirkend erhalten. Die tatsächliche Umsetzung und die endgültigen Vertragsbedingungen hängen vom weiteren Gesetzgebungsverfahren ab.
Warum bereits zwei Prozentpunkte so viel verändern
Der entscheidende Faktor ist der Zinseszinseffekt. Er sorgt dafür, dass nicht nur die ursprünglichen Einzahlungen Erträge erzielen. Auch bereits erwirtschaftete Gewinne können in den folgenden Jahren weitere Gewinne erwirtschaften.
Bei der Frühstart-Rente kommt hinzu, dass das angesparte Kapital über einen besonders langen Zeitraum investiert bleiben soll. Zwischen dem sechsten und dem 65. Lebensjahr liegen 59 Jahre. Selbst wenn die staatliche Förderung bereits mit 18 endet, können die bis dahin angesammelten Beträge weitere 47 Jahre am Kapitalmarkt arbeiten.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: Ein vorhandenes Vermögen von 2.000 Euro wächst bei fünf Prozent jährlicher Rendite innerhalb von 20 Jahren rechnerisch auf rund 5.300 Euro. Bei sieben Prozent wären es bereits etwa 7.700 Euro. Nach 40 Jahren lägen die Werte bei ungefähr 14.100 beziehungsweise 30.000 Euro.
Je länger die Laufzeit, desto stärker wirken sich die unterschiedlichen Renditeannahmen aus. Deshalb ist ein Unterschied von zwei Prozentpunkten bei der Frühstart-Rente wesentlich bedeutsamer als bei einer Geldanlage, die bereits nach wenigen Jahren wieder aufgelöst wird.
Allerdings funktionieren Kapitalmärkte nicht wie ein verzinstes Sparkonto. Die in der Rechnung verwendeten konstanten Renditen dienen ausschließlich dazu, verschiedene Ergebnisse unter vergleichbaren Bedingungen darzustellen. In der Realität wechseln sich Kurssteigerungen, Rückgänge und längere Seitwärtsphasen ab.
Der Zinseszinseffekt kann nur auf dem Vermögen wirken, das tatsächlich investiert bleibt. Wer in einer Krise verkauft oder einen Teil des Geldes vorzeitig entnimmt, verändert die zukünftige Entwicklung.
Die historische Aktienrendite ist keine verlässliche Zukunftsprognose
Wer langfristige Renditen beurteilen möchte, sollte historische Durchschnittswerte richtig verstehen. Aktienanlagen haben in der Vergangenheit über sehr lange Zeiträume höhere Erträge erzielt als viele sicherheitsorientierte Anlageformen. Dafür mussten Anleger erhebliche Kursschwankungen und teilweise lang anhaltende Verlustphasen akzeptieren.
Eine weltweit gestreute Geldanlage verteilt das Kapital auf zahlreiche Unternehmen, Branchen und Länder. Dadurch hängt der Erfolg weniger stark von einem einzelnen Unternehmen ab. Die allgemeinen Risiken der Aktienmärkte bleiben jedoch bestehen.
Auch ein globales Aktienportfolio kann innerhalb einer schweren Krise vorübergehend etwa die Hälfte seines Wertes verlieren. Historisch gab es außerdem Zeiträume, in denen Anleger viele Jahre auf eine vollständige Erholung warten mussten.
Gerade bei der Frühstart-Rente ist der sehr lange Anlagehorizont deshalb ein Vorteil, aber keine Garantie für eine bestimmte Rendite.
Durchschnittsrendite und tatsächlicher Vermögenszuwachs unterscheiden sich
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Renditen einzelner Jahre einfach zu addieren oder ihren arithmetischen Durchschnitt als tatsächlichen Vermögenszuwachs zu betrachten.
Steigt ein Depot zunächst um 50 Prozent und verliert im darauffolgenden Jahr ein Drittel seines Wertes, liegt der arithmetische Durchschnitt der beiden Jahresrenditen bei ungefähr 8,3 Prozent. Das ursprüngliche Vermögen ist am Ende dennoch nahezu unverändert.
Aus 1.000 Euro werden zunächst 1.500 Euro. Ein anschließender Verlust von einem Drittel reduziert den Depotwert wieder auf 1.000 Euro.
Entscheidend für die langfristige Vermögensentwicklung ist deshalb die geometrische Durchschnittsrendite. Sie beschreibt die konstante jährliche Rendite, die rechnerisch zum tatsächlich erreichten Endvermögen führen würde.
Bei der Berechnung eines Altersvorsorgekapitals sollte grundsätzlich mit einer solchen effektiven jährlichen Wachstumsrate gearbeitet werden. Ein historischer Durchschnitt aus einzelnen Jahresrenditen darf nicht ungeprüft in einen Zinseszinsrechner übernommen werden.
Bei laufenden Einzahlungen kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Es spielt eine Rolle, zu welchen Kursen die einzelnen Beiträge investiert werden. Eine Durchschnittsrendite allein beschreibt deshalb noch nicht sämtliche möglichen Ergebnisse eines Sparplans.
Warum die tatsächliche Geldanlage entscheidend ist
Die staatliche Förderung selbst erzeugt keine feste Rendite. Ob daraus langfristig ein deutlich höheres Vermögen entsteht, hängt davon ab, wie die Mittel angelegt werden.
Der Regierungsentwurf sieht für individuelle Verträge einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag vor. Dieser soll in Form eines einfachen Sparplans ausgestaltet sein. Wer keinen individuellen Vertrag eröffnet, soll die Förderung nicht verlieren: Für diese Kinder ist eine kollektiv verwaltete Kapitalanlage vorgesehen, die weltweit diversifiziert und vor allem in Aktien beziehungsweise Aktienfonds investieren soll.
Für die Renditeerwartung ist entscheidend, welche Anlageklassen und konkreten Produkte tatsächlich eingesetzt werden.
Ein weltweit gestreutes Aktienportfolio
Ein breit gestreutes Aktienportfolio beteiligt Anleger an der wirtschaftlichen Entwicklung vieler Unternehmen. Kurssteigerungen und Dividenden können über Jahrzehnte zum Vermögensaufbau beitragen. Werden ausgeschüttete Erträge wieder angelegt, stehen sie für weiteres Wachstum zur Verfügung.
Bekannte weltweite Aktienindizes wie der MSCI All Country World oder der FTSE All-World umfassen Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Der MSCI World konzentriert sich dagegen auf Industrieländer.
Solche Indizes können die Grundlage einer langfristigen Aktienanlage bilden. Entscheidend ist jedoch das tatsächlich gewählte Produkt, seine Zusammensetzung und seine Kostenstruktur.
Ein ETF auf eine einzelne Branche oder ein bestimmtes Anlagethema bietet dagegen keine vergleichbare weltweite Streuung. Seine Wertentwicklung kann deutlich stärker von wenigen Unternehmen oder einer begrenzten wirtschaftlichen Entwicklung abhängen.
Sicherheitsorientierte Anlagen und Mischportfolios
Enthält ein Altersvorsorgedepot neben Aktien auch einen erheblichen Anteil an Anleihen oder anderen sicherheitsorientierten Anlagen, verändert sich die erwartbare Wertentwicklung.
Solche Anlagen können dazu beitragen, bestimmte Risiken zu reduzieren. Ihre langfristigen Renditechancen unterscheiden sich allerdings von denen eines vollständig aktienorientierten Portfolios. Auch Anleihen können Kursverluste verursachen, etwa wenn die Marktzinsen steigen oder ein Schuldner ausfällt.
Ein Mischportfolio muss deshalb anhand seiner tatsächlichen Zusammensetzung beurteilt werden. Die sieben Prozent aus einer aktienorientierten Modellrechnung dürfen nicht automatisch auf jede beliebige Vertragsvariante übertragen werden.
Insbesondere bei einer möglichen schrittweisen Reduzierung des Aktienanteils vor dem Rentenbeginn kann die Gesamtrendite über die gesamte Laufzeit niedriger ausfallen als bei einer unveränderten Aktienanlage.
Wie stark Kosten die langfristige Rendite reduzieren
Neben der Marktentwicklung gehören die Produktkosten zu den wichtigsten Einflussfaktoren. Gebühren werden nicht nur einmalig bezahlt. Laufende Kosten reduzieren das Vermögen Jahr für Jahr und verringern damit auch den Betrag, der in den folgenden Jahrzehnten weitere Erträge erwirtschaften kann.
Nach dem Regierungsentwurf soll für zertifizierte Standarddepot-Verträge in der Ansparphase ein Effektivkostendeckel von einem Prozent gelten. Bis zur Volljährigkeit sollen außerdem keine Abschluss- und Vertriebskosten erhoben werden dürfen.
Ein Kostendeckel bedeutet allerdings nicht, dass jeder Anbieter denselben Preis verlangt oder dass sämtliche Angebote automatisch besonders günstig sind.
Für einen aussagekräftigen Vergleich kommt es auf die insgesamt wirksamen Kosten an. Dazu gehören beispielsweise Produkt- und Verwaltungskosten, die laufenden Kosten der enthaltenen Fonds und gegebenenfalls weitere Entgelte, soweit sie nicht bereits in der ausgewiesenen Gesamtkostenkennzahl enthalten sind. Kosten dürfen bei einem Vergleich nicht doppelt abgezogen werden.
Ein Prozentpunkt weniger Rendite über Jahrzehnte
Angenommen, ein Frühstart-Renten-Depot erreicht vor sämtlichen laufenden Kosten eine jährliche Wertentwicklung von sieben Prozent. Unter vereinfachter Annahme reduziert eine jährliche Gesamtkostenbelastung von einem Prozentpunkt die Netto-Modellrendite auf etwa sechs Prozent.
Die staatlichen Einzahlungen betragen weiterhin insgesamt 1.440 Euro. Über die vollständige Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr entstehen jedoch sehr unterschiedliche rechnerische Endwerte.
Bei sieben Prozent jährlicher Nettorendite liegt das Ergebnis bei rund 53.000 Euro. Bei sechs Prozent sind es nur noch ungefähr 32.000 Euro.
Die Differenz beträgt damit rund 21.000 Euro – obwohl sich weder die Höhe der staatlichen Förderung noch die Laufzeit verändert hat.
Das Beispiel zeigt den langfristigen Effekt eines Renditeunterschieds von einem Prozentpunkt. Es ist kein konkreter Produktvergleich und unterstellt nicht, dass jeder Anbieter tatsächlich ein Prozent verlangt.
Bei einer Geldanlage, die über mehrere Jahrzehnte bestehen soll, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die ausgewiesenen Effektivkosten und die enthaltenen Anlageprodukte.
Ein vermeintlich kleiner Gebührenunterschied kann sich über die Laufzeit zu einem erheblichen Vermögensunterschied entwickeln.
Wie viel Rendite bleibt nach Abzug der Inflation übrig?
Ein Depotwert von 53.000 Euro klingt zunächst nach einem beträchtlichen Vorsorgevermögen. Allerdings kann der Betrag erst viele Jahrzehnte nach Beginn der Frühstart-Rente verfügbar sein.
Bis dahin verändern steigende Verbraucherpreise die Kaufkraft des Geldes.
Für die tatsächliche finanzielle Bedeutung des angesparten Vermögens ist deshalb nicht allein die nominale Rendite entscheidend. Aussagekräftiger ist die reale Rendite, bei der die Inflation berücksichtigt wird.
Ein Beispiel: Erzielt eine Anlage jährlich sieben Prozent nominale Rendite und steigen die Verbraucherpreise gleichzeitig um zwei Prozent, beträgt die reale Rendite rechnerisch ungefähr 4,9 Prozent. Die Inflationsrate wird dabei nicht einfach nur abgezogen. Exakt ergibt sich die Realrendite aus dem Verhältnis von Vermögenswachstum und Preissteigerung.
Die reale Rendite kann auch negativ ausfallen, obwohl der Depotwert in Euro steigt. Das geschieht beispielsweise, wenn eine Anlage zwei Prozent Rendite erzielt, die Verbraucherpreise aber um vier Prozent zulegen.
Was wären 53.000 Euro in heutiger Kaufkraft wert?
Nehmen wir an, ein Kind beginnt mit sechs Jahren und erreicht mit 65 Jahren nach der Modellrechnung einen Depotwert von 53.000 Euro. Für die gesamten 59 Jahre wird eine durchschnittliche Inflation von zwei Prozent pro Jahr unterstellt.
Unter diesen Bedingungen entsprechen die 53.000 Euro zum Auszahlungszeitpunkt nur noch einer heutigen Kaufkraft von ungefähr 16.500 Euro, bezogen auf den Beginn der Rechnung.
Anders ausgedrückt: Das Depot enthält am Ende nominal 53.000 Euro. Güter und Dienstleistungen, die zu Beginn der Laufzeit rund 16.500 Euro gekostet hätten, könnten bei dieser angenommenen Preisentwicklung dann etwa 53.000 Euro kosten.
Die Inflationsannahme von zwei Prozent ist lediglich ein Rechenbeispiel. Sie stellt keine Vorhersage über die tatsächliche Preisentwicklung der nächsten Jahrzehnte dar.
Für die Bewertung der Frühstart-Rente ist dieser Unterschied besonders wichtig. Ein hoher zukünftiger Depotwert darf nicht ohne Weiteres mit einem gleich hohen Vermögen in der heutigen Lebenswirklichkeit gleichgesetzt werden.
Wer den möglichen Beitrag zur Altersvorsorge beurteilen möchte, sollte deshalb immer beide Größen betrachten: das nominale Endvermögen und seine voraussichtliche Kaufkraft unter unterschiedlichen Inflationsannahmen.
Was passiert, wenn die Rendite deutlich niedriger ausfällt?
Die Modellrechnung mit drei Prozent zeigt bereits, dass niedrigere Erträge zu einem wesentlich geringeren Endvermögen führen können. Tatsächlich sind aber auch noch ungünstigere Entwicklungen möglich.
Aktienmärkte können lange Phasen mit schwachen Kursen durchlaufen. Zudem gibt es keine Garantie, dass sich historische Renditemuster in den kommenden Jahrzehnten wiederholen.
Besonders problematisch ist eine ungünstige Börsenentwicklung kurz vor dem geplanten Rentenbeginn. Wenn ein hoher Depotwert innerhalb kurzer Zeit deutlich fällt, bleibt möglicherweise nicht genügend Zeit, um die Verluste vor einer erforderlichen Auszahlung auszugleichen.
Ein Depot mit 50.000 Euro verliert bei einem Kursrückgang von 40 Prozent beispielsweise 20.000 Euro. Der verbleibende Wert beträgt nur noch 30.000 Euro. Um anschließend wieder 50.000 Euro zu erreichen, ist ein Kursanstieg von ungefähr 66,7 Prozent erforderlich.
Der lange Anlagehorizont kann Anlegern mehr Möglichkeiten geben, zwischenzeitliche Verluste auszusitzen. Er beseitigt jedoch weder das Marktrisiko noch die Unsicherheit über den endgültigen Depotwert.
Deshalb sollten langfristige Beispielrechnungen nicht so verstanden werden, als würde das Vermögen unabhängig von der Kapitalmarktentwicklung automatisch einen bestimmten Betrag erreichen.
Wann sollte die Renditeannahme überprüft werden?
Eine Modellrechnung, die bei einem sechsjährigen Kind erstellt wird, kann keine unveränderliche Prognose für dessen gesamten Lebensweg sein. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die verfügbaren Anlageprodukte und die persönlichen Verhältnisse können sich mehrfach verändern.
Sinnvoll ist deshalb, die Planung anhand der tatsächlichen Depotentwicklung regelmäßig neu einzuordnen.
Dabei kommt es weniger darauf an, kurzfristige Kursbewegungen vorherzusagen. Entscheidend ist, ob die gewählte Geldanlage weiterhin zur verfügbaren Laufzeit, zur persönlichen Risikobereitschaft und zum Vorsorgeziel passt.
Auch die Kosten verdienen Aufmerksamkeit. Ändern sich Vertragsbedingungen oder stehen günstigere geeignete Produkte zur Verfügung, kann ein Vergleich sinnvoll sein. Dabei müssen mögliche Wechselkosten, steuerliche Folgen und die jeweiligen gesetzlichen Übertragungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.
Mit zunehmender Nähe zum Rentenbeginn gewinnt außerdem die Frage an Bedeutung, wie viel kurzfristiges Verlustrisiko noch tragbar ist.
Wer das Vermögen zu einem festen Zeitpunkt benötigt, kann starke Kursschwankungen kurz vor der Auszahlung möglicherweise schlechter verkraften als jemand, der den Auszahlungsbeginn flexibel gestalten kann.
Eine schrittweise defensivere Anlagestrategie kann das Risiko bestimmter Kursverluste reduzieren. Gleichzeitig kann sie die Renditechancen begrenzen. Ein automatischer Wechsel in sicherheitsorientierte Anlagen ist deshalb nicht für jeden Anleger gleichermaßen passend.
Für die konkrete Frühstart-Rente müssen dabei die gesetzlichen Vorgaben und die Gestaltung des jeweiligen zertifizierten Altersvorsorgevertrags berücksichtigt werden.
Warum private Zuzahlungen oft wichtiger sind als die perfekte Renditeannahme
Die staatliche Förderung schafft einen frühen Ausgangspunkt für die Altersvorsorge. Mit monatlich zehn Euro bleibt die Summe der Einzahlungen jedoch begrenzt.
Im Regierungsentwurf sind private Zuzahlungen vorgesehen. Eltern, Großeltern oder später die volljährigen Begünstigten könnten damit zusätzliches Vorsorgekapital aufbauen, sofern die gesetzlichen und vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Bereits zehn Euro zusätzlich pro Monat während der zwölfjährigen Förderphase verdoppeln die gesamten Einzahlungen von 1.440 auf 2.880 Euro.
Bei identischer Rendite und identischen Einzahlungsterminen verdoppelt sich in der vereinfachten Modellrechnung auch das daraus entstehende Vermögen. Aus rund 19.300 Euro bei fünf Prozent jährlicher Rendite würden damit rund 38.600 Euro. Bei sieben Prozent wären es statt rund 53.000 Euro ungefähr 106.000 Euro.
Diese Werte bleiben vor Inflation und einer späteren Besteuerung.
Der größere finanzielle Hebel kann sich ergeben, wenn nach der Volljährigkeit weiterhin regelmäßig Geld eingezahlt wird. Dadurch verlängert sich die Phase mit aktivem Vermögensaufbau erheblich.
Allerdings darf eine rechnerisch attraktive Zusatzvorsorge nicht dazu führen, dass die finanzielle Stabilität der Familie vernachlässigt wird. Ausreichende Liquiditätsreserven und die Vermeidung teurer Schulden können im Einzelfall Vorrang haben.
Private Zuzahlungen sind deshalb eine Möglichkeit und keine Voraussetzung dafür, dass die staatliche Förderung einen langfristigen Nutzen entfalten kann.
Welche Rendite sollte man für den eigenen Frühstart-Renten-Rechner verwenden?
Wer das mögliche Vorsorgevermögen berechnen möchte, sollte die Rendite nicht nach dem gewünschten Endbetrag auswählen. Sinnvoller ist es, mehrere Entwicklungen nebeneinanderzustellen und die Berechnung an die tatsächlich geplante Geldanlage anzupassen.
Für ein überwiegend aktienorientiertes, weltweit gestreutes Depot können fünf Prozent jährliche Nettorendite eine vorsichtiger gewählte Planungsannahme sein. Sieben Prozent eignen sich als günstigeres Vergleichsszenario. Zusätzlich sollte ein schwächerer Verlauf berücksichtigt werden.
Die fünf Prozent sind dabei keine Untergrenze. Sie beschreiben lediglich eine gewählte Modellannahme, mit der sich finanzielle Erwartungen weniger stark von einer günstigen Aktienmarktentwicklung abhängig machen lassen.
Entscheidend ist, dass sämtliche Annahmen einheitlich verwendet werden. Wird mit einer Nettorendite gerechnet, dürfen die bereits berücksichtigten Produktkosten nicht ein zweites Mal abgezogen werden. Eine Modellrechnung vor Steuern darf außerdem nicht mit einem tatsächlich verfügbaren Netto-Auszahlungsbetrag gleichgesetzt werden.
Bei der Frühstart-Rente kommt hinzu, dass die tatsächliche Besteuerung der späteren Leistungen berücksichtigt werden muss. Der Regierungsentwurf sieht steuerfreie Erträge während der Ansparphase und eine nachgelagerte Besteuerung vor. Welche Nettosumme im Rentenalter verbleibt, hängt unter anderem von der dann geltenden Rechtslage und den individuellen steuerlichen Verhältnissen ab.
Eine seriöse Berechnung liefert deshalb kein vermeintlich exaktes Zukunftsergebnis, sondern macht die Auswirkungen verschiedener Annahmen sichtbar.
Fazit: Fünf Prozent als Planungsannahme, sieben Prozent als günstiges Szenario
Bei der Frühstart-Rente entscheidet die langfristige Entwicklung der Geldanlage darüber, wie viel aus den staatlichen Einzahlungen entstehen kann. Für ein weltweit gestreutes, aktienorientiertes Depot sind fünf Prozent jährliche Nettorendite eine vorsichtiger gewählte Rechengröße. Die sieben Prozent aus den staatlichen Beispielrechnungen können als günstigeres Szenario dienen, sollten aber nicht als zugesichertes Ergebnis verstanden werden.
Schon kleine Renditeunterschiede führen über die lange Laufzeit zu erheblichen Abweichungen. Aus insgesamt 1.440 Euro staatlicher Förderung könnten bei fünf Prozent rechnerisch rund 19.300 Euro entstehen. Bei sieben Prozent wären es etwa 53.000 Euro. Beide Beträge sind nominal, vor einer späteren Besteuerung und mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Für die tatsächliche Altersvorsorge zählen neben der Rendite auch die Kosten, die Kaufkraft des Geldes und der Umgang mit Kapitalmarktrisiken. Der große Vorteil des frühen Beginns liegt in der langen Zeit, die für den Vermögensaufbau zur Verfügung steht. Wie viel daraus tatsächlich wird, lässt sich heute nicht zuverlässig vorhersagen.
Die sinnvollste Berechnung ist deshalb nicht diejenige mit dem höchsten Endbetrag, sondern eine, die mehrere mögliche Entwicklungen berücksichtigt und ihre Voraussetzungen klar offenlegt.
Häufig bleiben nach der grundsätzlichen Renditeberechnung noch Fragen zur Sicherheit der Annahmen, zur Inflation und zur tatsächlichen Entwicklung des Depots. Die folgenden Antworten ordnen diese Punkte ein.
Häufige Fragen zur langfristigen Rendite der Frühstart-Rente
Sind sieben Prozent Rendite bei der Frühstart-Rente garantiert?
Nein. Die sieben Prozent stammen aus einer Modellrechnung und orientieren sich an historischen Renditen weltweit gestreuter Aktienanlagen. Tatsächlich kann die jährliche Wertentwicklung deutlich höher oder niedriger ausfallen. Auch langfristige Verluste sind nicht ausgeschlossen.
Ist eine Rendite von fünf Prozent realistisch?
Fünf Prozent jährlich nach laufenden Kosten können für ein langfristig aktienorientiertes Depot als vorsichtiger gewählte Planungsannahme verwendet werden. Ob dieser Wert tatsächlich erreicht wird, hängt von der Anlagestrategie und der zukünftigen Marktentwicklung ab. Für sicherheitsorientierte Anlageformen kann die Annahme zu hoch sein.
Kann die Frühstart-Rente auch Verluste machen?
Ja. Da das Geld am Kapitalmarkt investiert werden soll, können Kursschwankungen und Verluste auftreten. Bei einer aktienorientierten Anlage sind auch erhebliche zwischenzeitliche Rückgänge möglich. Die staatliche Einzahlung von zehn Euro monatlich bedeutet nicht, dass der angesparte Depotwert garantiert erhalten bleibt.
Welche Rendite bleibt nach der Inflation übrig?
Bei fünf Prozent nominaler Rendite und zwei Prozent jährlicher Inflation ergibt sich eine reale Rendite von ungefähr 2,9 Prozent. Bei sieben Prozent nominaler Rendite wären es rund 4,9 Prozent. Die tatsächliche Kaufkraftentwicklung hängt von der zukünftigen Inflation ab.
Sind die staatlichen Beispielrechnungen zu optimistisch?
Sie beruhen auf einer angenommenen jährlichen Nettorendite von sieben Prozent und zeigen damit eine mögliche langfristige Entwicklung. Ob sich diese tatsächlich realisieren lässt, ist ungewiss. Für eine umfassendere Planung sollten auch niedrigere Renditen und die Auswirkungen der Inflation berechnet werden.
Kann die Rendite jedes Jahr unterschiedlich ausfallen?
Ja. Die Wertentwicklung eines Kapitalmarktdepots schwankt. Einem Jahr mit hohen Gewinnen können Jahre mit Verlusten folgen. Die langfristige Durchschnittsrendite beschreibt deshalb keine gleichmäßige jährliche Verzinsung.
Hat die Frühstart-Rente eine Mindestrendite?
Aus der geplanten staatlichen Förderung allein ergibt sich keine garantierte Mindestrendite. Ob ein bestimmter Vertrag Garantien enthält und welchen Umfang diese haben, muss anhand seiner Bedingungen geprüft werden. Eine Zertifizierung und ein gesetzlicher Kostendeckel sind nicht mit einer Renditegarantie gleichzusetzen.
Kann aus der Frühstart-Rente allein eine ausreichende Altersvorsorge entstehen?
Die Förderung soll einen frühen Grundstein für die zusätzliche private Altersvorsorge legen. Ob das daraus entstehende Vermögen später ausreicht, hängt von der tatsächlichen Wertentwicklung, der Inflation, dem persönlichen Finanzbedarf und weiteren Altersvorsorgeansprüchen ab. Zusätzliche Einzahlungen können das Vorsorgevermögen erhöhen, sind aber mit dem verfügbaren Haushaltsbudget abzustimmen.