Risikolebensversicherung für Familien – welche Summe ist sinnvoll?

Eine pauschale Versicherungssumme reicht für Familien selten aus. Entscheidend ist, wie viel Geld den Hinterbliebenen tatsächlich fehlen würde, welche Schulden bestehen und wie lange Kinder oder Partner finanziell abgesichert werden müssen.

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Eine Risikolebensversicherung soll nach einem Todesfall nicht den bisherigen Lebensstandard für immer finanzieren. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, der Familie genügend finanziellen Spielraum zu verschaffen, damit ein wegfallendes Einkommen, eine Immobilienfinanzierung und die Versorgung der Kinder nicht plötzlich zu einem existenziellen Problem werden.

Als grobe Orientierung wird häufig das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens genannt. Für eine Familie mit 60.000 Euro Bruttojahreseinkommen wären das beispielsweise 180.000 bis 300.000 Euro. Diese Faustregel kann für eine erste Größenordnung hilfreich sein, ist für Familien aber oft zu ungenau: Ein Paar ohne Schulden und mit zwei ähnlich hohen Einkommen benötigt möglicherweise weniger Schutz als eine Familie mit kleinen Kindern, nur einem Haupteinkommen und 300.000 Euro Restschuld auf dem Eigenheim.

Sinnvoller ist deshalb eine Bedarfsrechnung. Dabei werden bestehende Schulden, der vorübergehend notwendige Einkommensersatz, zusätzliche Kosten nach einem Todesfall und vorhandenes verwertbares Vermögen gemeinsam betrachtet. So lässt sich wesentlich besser beurteilen, ob beispielsweise 200.000, 400.000 oder 600.000 Euro Versicherungssumme zur eigenen Familie passen.

Die Versicherungssumme sollte den tatsächlichen finanziellen Ausfall abdecken

Die zentrale Frage lautet nicht: „Wie hoch ist mein Einkommen?“ Entscheidend ist vielmehr: „Wie groß wäre die finanzielle Lücke meiner Familie, wenn mein Einkommen ab morgen dauerhaft wegfällt?“

Diese Unterscheidung ist wichtig. Vom bisherigen Einkommen müssen nach einem Todesfall nicht zwangsläufig sämtliche Ausgaben ersetzt werden. Gleichzeitig können neue Kosten entstehen. Muss der hinterbliebene Elternteil seine Arbeitszeit reduzieren, eine Kinderbetreuung organisieren oder Dienstleistungen bezahlen, die zuvor innerhalb der Familie übernommen wurden, kann der tatsächliche Finanzbedarf sogar höher liegen als zunächst vermutet.

Bei einer Familie mit Eigenheim kommt die Restschuld hinzu. Bestehen beispielsweise noch 280.000 Euro Baufinanzierung, kann es sinnvoll sein, zumindest einen erheblichen Teil dieser Verpflichtung über die Risikolebensversicherung abzusichern. Andernfalls müsste der überlebende Partner Kreditrate, Lebenshaltungskosten und Kinderkosten künftig möglicherweise mit nur einem Einkommen tragen.

Genau deshalb ist eine reine Einkommensregel nur ein Ausgangspunkt. Die passende Versicherungssumme entsteht aus mehreren Bausteinen.

So lässt sich die Versicherungssumme für eine Familie berechnen

Eine praktische Bedarfsrechnung kann mit vier Größen arbeiten: bestehende Schulden, der benötigte Einkommensersatz, zusätzliche finanzielle Belastungen und bereits vorhandenes Vermögen.

Vereinfacht lässt sich der Bedarf so darstellen:

Restschulden + Einkommenslücke + zusätzliche Kosten + Sicherheitspuffer – verfügbares Vermögen = benötigte Versicherungssumme

Dabei sollten nur Vermögenswerte abgezogen werden, die im Ernstfall tatsächlich zur Versorgung der Familie eingesetzt werden könnten. Das Familienauto oder das selbst bewohnte Eigenheim beispielsweise einfach als verfügbares Vermögen anzusetzen, kann die Rechnung verfälschen. Schließlich soll die Familie möglicherweise gerade nicht gezwungen sein, das Haus nach einem Todesfall zu verkaufen.

1. Offene Kredite berücksichtigen

Der erste Block besteht aus größeren finanziellen Verpflichtungen. Besonders wichtig ist eine Immobilienfinanzierung. Daneben können beispielsweise Ratenkredite oder andere größere Verbindlichkeiten bestehen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sämtliche Schulden vollständig durch die Risikolebensversicherung getilgt werden müssen. Bei einer Immobilie kann beispielsweise auch eine teilweise Entschuldung genügen, wenn dadurch die monatliche Kreditrate für den hinterbliebenen Partner dauerhaft tragbar wird.

Angenommen, eine Familie hat noch 300.000 Euro Restschuld und zahlt dafür monatlich 1.500 Euro. Nach dem Tod eines Elternteils könnte diese Belastung mit nur einem Einkommen zu hoch sein. Werden über die Versicherung beispielsweise 200.000 Euro zur Rückführung des Kredits eingesetzt, verbleibt eine erheblich kleinere Restschuld. Entscheidend ist also nicht nur die ursprüngliche Kredithöhe, sondern welche Belastung danach noch finanziell tragbar wäre.

2. Wegfallendes Einkommen realistisch berechnen

Der zweite große Baustein ist die Einkommenslücke. Hier sollte nicht einfach das komplette Nettoeinkommen mit 10 oder 20 Jahren multipliziert werden. Interessanter ist die Frage, welcher monatliche Betrag der Familie nach einem Todesfall tatsächlich fehlen würde.

Verdient ein Elternteil beispielsweise 3.500 Euro netto und der andere 2.300 Euro, bedeutet der Tod des besser verdienenden Partners nicht automatisch eine Versorgungslücke von 3.500 Euro monatlich. Bestimmte persönliche Ausgaben des Verstorbenen entfallen, gleichzeitig können Hinterbliebenenleistungen hinzukommen. Auf der anderen Seite können zusätzliche Kosten entstehen.

Ergibt eine realistische Haushaltsrechnung beispielsweise eine monatliche Lücke von 1.800 Euro, entspricht das 21.600 Euro pro Jahr. Soll dieser Betrag zehn Jahre überbrückt werden, ergibt sich zunächst ein Bedarf von 216.000 Euro.

Eine solche Rechnung ist bewusst konservativ. Das ausgezahlte Kapital kann zwischenzeitlich angelegt werden und Erträge erwirtschaften. Gleichzeitig wirken Inflation und möglicherweise steigende Lebenshaltungskosten in die andere Richtung. Für eine robuste Familienplanung ist es deshalb meist sinnvoller, nicht mit optimistischen Renditeannahmen zu rechnen.

3. Betreuung und Familienarbeit nicht vergessen

Ein häufig übersehener Punkt betrifft Elternteile, die wenig oder gar kein Erwerbseinkommen haben. Eine Risikolebensversicherung kann auch für sie sinnvoll sein.

Übernimmt ein Elternteil überwiegend Kinderbetreuung, Haushalt und organisatorische Aufgaben, entsteht durch dessen Tod zwar möglicherweise kein großer unmittelbarer Einkommensverlust. Der überlebende Elternteil muss diese Leistungen jedoch ersetzen oder selbst übernehmen.

Muss beispielsweise die Arbeitszeit reduziert werden oder werden Kinderbetreuung und Haushaltshilfe benötigt, können schnell mehrere Hundert oder sogar mehr als 1.000 Euro zusätzliche monatliche Belastung entstehen.

Die Frage „Wer verdient wie viel?“ reicht deshalb bei Familien nicht aus. Entscheidend ist der wirtschaftliche Beitrag beider Elternteile zum Familienleben.

Beispiel: Wie viel Risikolebensversicherung könnte eine Familie benötigen?

Eine vierköpfige Familie besitzt ein Eigenheim. Beide Eltern sind 36 Jahre alt, die Kinder vier und sieben Jahre. Ein Elternteil verdient 3.600 Euro netto, der andere 2.000 Euro. Auf dem Haus lasten noch 260.000 Euro Schulden.

Nach einer Haushaltsrechnung geht die Familie davon aus, dass beim Tod des Hauptverdieners trotz wegfallender persönlicher Ausgaben und möglicher Hinterbliebenenleistungen zunächst rund 1.700 Euro monatlich fehlen würden. Diese Lücke soll für zwölf Jahre abgesichert werden, bis das jüngere Kind deutlich selbstständiger ist.

Bestandteil Beispielbetrag
Absicherung Immobilienkredit 260.000 €
Einkommenslücke: 1.700 € × 12 Monate × 12 Jahre 244.800 €
Zusätzlicher Sicherheitspuffer 30.000 €
Verfügbares finanzielles Vermögen –50.000 €
Rechnerischer Bedarf 484.800 €

In diesem Modell wären rund 485.000 Euro rechnerisch begründbar. Praktisch könnte die Familie beispielsweise eine Versicherungssumme von 500.000 Euro wählen.

Die Rechnung zeigt zugleich, warum pauschale Empfehlungen problematisch sind. Würde dieselbe Familie zur Orientierung lediglich das Vierfache eines Bruttojahreseinkommens von beispielsweise 65.000 Euro verwenden, käme sie auf 260.000 Euro. Allein die Immobilienrestschuld würde diese Summe vollständig aufbrauchen.

Umgekehrt kann eine hohe Pauschalsumme überdimensioniert sein, wenn kein Immobilienkredit besteht, beide Partner ähnlich verdienen, die Kinder bereits älter sind und erhebliche Rücklagen vorhanden sind.

Welche Versicherungssumme ist bei einem Immobilienkredit sinnvoll?

Für Familien mit einer laufenden Baufinanzierung gehört die Restschuld zu den wichtigsten Größen der Bedarfsrechnung. Ein Eigenheim kann ansonsten nach einem Todesfall vom Vermögenswert zur finanziellen Belastung werden.

Dabei gibt es zwei Strategien. Die vorsichtige Variante sichert die komplette Restschuld ab. Stirbt die versicherte Person, könnte der Kredit damit grundsätzlich weitgehend oder vollständig zurückgeführt werden. Der hinterbliebene Partner müsste anschließend hauptsächlich die laufenden Wohn-, Instandhaltungs- und Nebenkosten tragen.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, nur so viel Kapital für die Baufinanzierung einzuplanen, dass die verbleibende Kreditbelastung mit dem Einkommen des Hinterbliebenen sicher tragbar bleibt. Das kann die notwendige Versicherungssumme reduzieren.

Eine Familie mit 350.000 Euro Restschuld muss deshalb nicht zwangsläufig zusätzlich zum Einkommensschutz 350.000 Euro versichern. Sie sollte aber konkret durchrechnen, was mit dem Darlehen passieren würde, wenn eines der beiden Einkommen ausfällt.

Besonders kritisch wird es, wenn die Finanzierung bereits mit zwei Einkommen knapp kalkuliert wurde. Dann sollte die Todesfallabsicherung nicht nur anhand einer allgemeinen Einkommensformel bestimmt werden.

Wie lange sollte die Risikolebensversicherung laufen?

Versicherungssumme und Laufzeit gehören zusammen. Eine hohe Todesfallleistung hilft wenig, wenn der Vertrag endet, während die Familie noch stark vom Einkommen des Versicherten abhängig ist.

Bei Familien mit kleinen Kindern ist häufig ein Zeitraum sinnvoll, der mindestens die wirtschaftlich besonders abhängigen Jahre abdeckt. Ein heute zweijähriges Kind verursacht beispielsweise noch lange Betreuungs- und Lebenshaltungskosten. Bei einem bereits 17-jährigen Kind sieht die Situation anders aus.

Auch die Immobilienfinanzierung spielt eine Rolle. Läuft ein großer Teil des Darlehens noch 20 Jahre, während die Risikolebensversicherung bereits nach zehn Jahren endet, kann eine erhebliche Absicherungslücke entstehen.

Andererseits muss der Vertrag nicht zwangsläufig bis ins hohe Alter laufen. Mit zunehmender Tilgung des Immobilienkredits, wachsendem Vermögen und der finanziellen Selbstständigkeit der Kinder sinkt der Absicherungsbedarf häufig deutlich.

Die Laufzeit sollte deshalb möglichst den Zeitraum abdecken, in dem ein Todesfall für die Familie besonders schwerwiegende wirtschaftliche Folgen hätte.

Konstante oder fallende Versicherungssumme?

Eine Risikolebensversicherung kann je nach Tarif mit gleichbleibender oder sinkender Todesfallsumme vereinbart werden. Welche Variante besser passt, hängt vom Zweck der Absicherung ab.

Eine konstante Versicherungssumme ist für den allgemeinen Familienschutz häufig leichter planbar. Werden beispielsweise 400.000 Euro vereinbart, bleibt dieser Schutz grundsätzlich während der vorgesehenen Laufzeit bestehen.

Eine fallende Versicherungssumme kann dagegen zur Absicherung eines Darlehens passen. Während die Restschuld des Kredits durch die laufende Tilgung sinkt, reduziert sich auch der benötigte Versicherungsschutz.

Für Familien sollte allerdings bedacht werden, dass nicht nur der Kredit abgesichert werden muss. Die finanzielle Abhängigkeit der Kinder und der benötigte Einkommensersatz entwickeln sich nicht zwingend genauso wie die Restschuld.

Wer gleichzeitig Familie und Immobilie absichern möchte, sollte deshalb genau prüfen, ob eine stark fallende Versicherungssumme langfristig noch ausreichend Schutz bietet.

Müssen beide Elternteile versichert werden?

Bei vielen Familien lautet die Antwort: ja – allerdings nicht zwingend mit derselben Versicherungssumme.

Verdienen beide Partner und tragen beide wesentlich zum Haushaltseinkommen bei, entstehen beim Tod jedes Elternteils finanzielle Folgen. Die benötigten Summen können jedoch unterschiedlich ausfallen.

Ein Beispiel: Ein Elternteil verdient 4.000 Euro netto, der andere 2.200 Euro. Der Einkommensausfall ist beim Hauptverdiener größer. Gleichzeitig übernimmt der geringer verdienende Partner möglicherweise einen größeren Anteil der Kinderbetreuung. Stirbt dieser Elternteil, könnte der Hauptverdiener seine Arbeitszeit reduzieren müssen.

Die wirtschaftliche Bedeutung eines Elternteils lässt sich deshalb nicht allein am Gehaltszettel ablesen.

Auch Alleinerziehende sollten den Bedarf besonders sorgfältig betrachten. Sind Kinder vollständig von einem Elternteil abhängig, kann eine ausreichend hohe Todesfallabsicherung besonders wichtig sein. Dabei sollte zugleich geklärt sein, wer im Todesfall die Leistung erhält beziehungsweise für minderjährige Kinder verwaltet.

Zwei Einzelverträge oder eine verbundene Risikolebensversicherung?

Paare können jeweils einen eigenen Vertrag abschließen oder bestimmte Tarife nutzen, bei denen zwei Personen gemeinsam abgesichert werden.

Eine verbundene Risikolebensversicherung zahlt üblicherweise einmal, wenn eine der versicherten Personen während der Vertragsdauer stirbt. Für bestimmte Konstellationen kann das ausreichend sein.

Für Familien können zwei eigenständige Verträge jedoch flexibler sein. Die Versicherungssummen lassen sich individuell an die wirtschaftliche Bedeutung beider Elternteile anpassen. Außerdem besitzt jeder Partner seinen eigenen Versicherungsschutz.

Auch steuerliche und erbrechtliche Aspekte können bei der Vertragsgestaltung eine Rolle spielen. Besonders bei unverheirateten Paaren sollte deshalb nicht nur auf Beitrag und Versicherungssumme geschaut werden. Versicherungsnehmer, versicherte Person und bezugsberechtigte Person können gezielt gestaltet werden; bei größeren Summen kann eine fachkundige steuerliche oder rechtliche Beratung sinnvoll sein.

Vorhandenes Vermögen kann den Versicherungsbedarf reduzieren

Eine Familie mit 150.000 Euro frei verfügbarem Vermögen benötigt unter sonst gleichen Bedingungen weniger Versicherungsschutz als eine Familie ohne Rücklagen. Allerdings sollte Vermögen nur dann vollständig gegengerechnet werden, wenn es tatsächlich zur Versorgung der Hinterbliebenen eingesetzt werden soll.

Ein Wertpapierdepot für die Altersvorsorge beispielsweise vollständig aufzubrauchen, kann zwar kurzfristig den Lebensunterhalt sichern, verschiebt das finanzielle Problem aber möglicherweise nur in die Zukunft.

Ähnliches gilt für das Eigenheim. Ein Haus mit einem Marktwert von 500.000 Euro ist nicht dasselbe wie 500.000 Euro verfügbares Kapital. Soll die Familie dort wohnen bleiben, steht dieser Wert gerade nicht zur Finanzierung des täglichen Lebens zur Verfügung.

Sinnvoller ist es deshalb, liquide Rücklagen und frei verfügbares Anlagevermögen gesondert zu betrachten. Auch vorhandene Todesfallleistungen aus anderen Verträgen können berücksichtigt werden, sofern deren Höhe und Voraussetzungen eindeutig feststehen.

Hinterbliebenenrente nicht einfach vollständig gegenrechnen

Gesetzliche Hinterbliebenenleistungen können die finanzielle Lücke einer Familie verkleinern. Sie sollten bei einer detaillierten Planung berücksichtigt werden. Es wäre jedoch riskant, allein deshalb eine sehr niedrige Versicherungssumme zu wählen.

Die Höhe möglicher Leistungen hängt von der individuellen Situation ab. Zudem ersetzen Hinterbliebenenleistungen in vielen Fällen nicht das komplette bisherige Einkommen.

Für die Bedarfsermittlung ist deshalb eine Haushaltsrechnung sinnvoll: Welche sicheren Einnahmen würden nach dem Todesfall verbleiben und welche Ausgaben müssten weiterhin getragen werden? Erst die Differenz zeigt, wie groß die tatsächliche monatliche Versorgungslücke ungefähr wäre.

Ein Sicherheitspuffer kann sinnvoller sein als eine zu knappe Rechnung

Eine Risikolebensversicherung wird häufig für viele Jahre abgeschlossen. In dieser Zeit können sich Einkommen, Lebenshaltungskosten, Familiengröße und finanzielle Verpflichtungen verändern.

Eine Versicherungssumme von exakt 347.600 Euro zu errechnen und genau diesen Betrag abzusichern vermittelt deshalb eine Genauigkeit, die langfristig kaum erreichbar ist.

Wenn eine realistische Bedarfsermittlung beispielsweise 370.000 Euro ergibt, können 400.000 Euro Versicherungsschutz sinnvoller sein als eine knapp kalkulierte Summe von 350.000 Euro. Der zusätzliche Puffer schützt vor unvorhergesehenen Kosten und verhindert, dass kleine Veränderungen sofort zu einer Unterversicherung führen.

Der Puffer sollte allerdings nicht beliebig groß sein. Eine unnötig hohe Versicherungssumme verteuert den Vertrag.

Nachversicherungsmöglichkeiten sind für junge Familien besonders wertvoll

Bei Vertragsabschluss lässt sich die finanzielle Entwicklung der nächsten 15 oder 20 Jahre nicht exakt vorhersehen. Vielleicht kommt ein weiteres Kind hinzu, die Familie kauft eine Immobilie oder das Einkommen steigt deutlich.

Deshalb kann eine Nachversicherungsgarantie ein wichtiges Tarifmerkmal sein. Sie ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen, den Versicherungsschutz später zu erhöhen, ohne dass dafür erneut eine vollständige Gesundheitsprüfung erforderlich ist.

Welche Ereignisse eine Erhöhung erlauben, welche Fristen gelten und wie stark die Versicherungssumme angehoben werden darf, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Genau diese Bedingungen sollten vor Abschluss geprüft werden.

Für eine junge Familie kann diese Flexibilität wichtiger sein als kleinere Beitragsunterschiede zwischen zwei ansonsten geeigneten Angeboten.

Gesundheitsfragen müssen vollständig und korrekt beantwortet werden

Bei der Risikolebensversicherung bewertet der Versicherer das individuelle Todesfallrisiko. Deshalb werden beim Antrag Gesundheitsfragen gestellt. Je nach Anbieter, Versicherungssumme und persönlicher Situation können weitere Angaben oder Untersuchungen erforderlich sein.

Diese Fragen sollten weder verharmlost noch nach Erinnerung „ungefähr“ beantwortet werden. Fehlen Informationen zu früheren Erkrankungen, Behandlungen oder Diagnosen, kann das später zu Problemen führen.

Wer sich an Behandlungen oder Diagnosen nicht sicher erinnert, sollte erforderliche Informationen vor dem Antrag zusammentragen. Gerade bei einer hohen Versicherungssumme, die über viele Jahre den finanziellen Schutz einer Familie gewährleisten soll, ist ein sauber gestellter Antrag wichtiger als ein möglichst schneller Vertragsabschluss.

Der günstigste Beitrag allein reicht als Entscheidungskriterium nicht aus

Die Beiträge einer Risikolebensversicherung hängen unter anderem von Eintrittsalter, Laufzeit, Versicherungssumme, Gesundheitszustand, Rauchverhalten und teilweise beruflichen oder sonstigen Risiken ab. Deshalb lässt sich kein sinnvoller Einheitspreis für Familien nennen.

Ein Preisvergleich lohnt sich trotzdem. Bei langen Laufzeiten können selbst moderate Beitragsunterschiede erhebliche Gesamtkosten verursachen.

Familien sollten allerdings nicht ausschließlich auf den heutigen Zahlbeitrag schauen. Relevant sind beispielsweise Nachversicherungsmöglichkeiten, Verlängerungsoptionen, die konkrete Ausgestaltung einer fallenden Versicherungssumme und die vertraglichen Bedingungen.

Vor allem sollte die Versicherungssumme nicht reduziert werden, nur damit ein bestimmtes Beitragsbudget eingehalten wird. Eine günstige Police über 150.000 Euro hilft wenig, wenn der nachvollziehbar ermittelte Absicherungsbedarf bei 450.000 Euro liegt.

Typische Fehler bei der Versicherungssumme

Einer der häufigsten Fehler besteht darin, eine runde Summe wie 100.000 oder 200.000 Euro auszuwählen, ohne den tatsächlichen Bedarf zu berechnen. Solche Beträge wirken zunächst hoch. Bei einer Familie mit Immobilienkredit und kleinen Kindern können sie aber überraschend schnell aufgebraucht sein.

Problematisch ist auch die ausschließliche Orientierung am Einkommen. Ein Einkommen von 50.000 Euro jährlich kann je nach Familiensituation einen völlig unterschiedlichen Absicherungsbedarf erzeugen. Schulden, Alter der Kinder, Einkommen des Partners und vorhandenes Vermögen verändern das Ergebnis erheblich.

Ein weiterer Fehler ist die ausschließliche Absicherung des Hauptverdieners. Leistet der andere Elternteil einen großen Teil der Kinderbetreuung, kann dessen Tod ebenfalls erhebliche finanzielle Folgen verursachen.

Schließlich sollte eine einmal gewählte Summe nicht für Jahrzehnte ungeprüft bleiben. Geburt eines weiteren Kindes, Immobilienkauf, hohe zusätzliche Kredite oder größere Veränderungen des Einkommens sind gute Anlässe, den Hinterbliebenenschutz neu zu berechnen.

Checkliste: So ermittelt eine Familie ihren Absicherungsbedarf

Für eine belastbare Entscheidung hilft es, die eigene Situation einmal vollständig durchzurechnen.

  1. Aktuelle Restschulden aus Immobilien- und anderen größeren Krediten feststellen.
  2. Monatliche Haushaltsausgaben ermitteln, die nach einem Todesfall weiterlaufen würden.
  3. Verbleibendes Einkommen und realistisch zu erwartende Hinterbliebenenleistungen berücksichtigen.
  4. Daraus die monatliche Versorgungslücke berechnen.
  5. Festlegen, wie viele Jahre diese Lücke abgesichert werden soll.
  6. Zusätzliche Kosten für Kinderbetreuung, Haushalt oder Arbeitszeitreduzierung berücksichtigen.
  7. Nur tatsächlich verfügbares Vermögen vom benötigten Kapital abziehen.
  8. Einen angemessenen Sicherheitspuffer einplanen.
  9. Den Bedarf für beide Elternteile getrennt berechnen.
  10. Laufzeit und Versicherungssumme nach größeren Veränderungen der Lebenssituation erneut prüfen.

Gerade Punkt neun wird häufig übersehen. Zwei Elternteile können innerhalb derselben Familie sehr unterschiedliche Versicherungssummen benötigen. Die Berechnung sollte deshalb grundsätzlich aus Sicht jedes einzelnen Todesfalls erfolgen.

Drei typische Familiensituationen im Vergleich

Wie unterschiedlich der Bedarf ausfallen kann, zeigen drei vereinfachte Modellfälle.

Familie ohne Immobilienkredit: Beide Eltern verdienen ähnlich viel, die Kinder sind zehn und zwölf Jahre alt und es bestehen 80.000 Euro frei verfügbare Rücklagen. Hier kann der zusätzliche Versicherungsbedarf vergleichsweise moderat ausfallen, weil das verbleibende Einkommen und vorhandenes Vermögen einen Teil der Versorgung übernehmen.

Familie mit kleinen Kindern und Eigenheim: Ein Elternteil erzielt den überwiegenden Teil des Einkommens, die Kinder sind zwei und fünf Jahre alt und auf dem Haus lasten noch 320.000 Euro. Hier kann ein Schutz von mehreren Hunderttausend Euro nachvollziehbar sein, weil sowohl eine lange Versorgungslücke als auch die Immobilienfinanzierung berücksichtigt werden müssen.

Familie mit älteren Kindern und fast getilgtem Eigenheim: Die Kinder sind 16 und 19 Jahre alt, beide Eltern arbeiten und die Restschuld beträgt nur noch 60.000 Euro. Der wirtschaftliche Absicherungsbedarf kann deutlich geringer sein als zehn Jahre zuvor.

Diese Beispiele zeigen einen wichtigen Zusammenhang: Die richtige Versicherungssumme ist keine feste Zahl für das gesamte Familienleben. Sie hängt davon ab, wie groß die wirtschaftliche Abhängigkeit voneinander zu einem bestimmten Zeitpunkt ist.

Fazit: Für Familien zählt die Versorgungslücke, nicht eine pauschale Summe

Das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens kann eine erste Orientierung für die Risikolebensversicherung liefern. Familien sollten sich darauf jedoch nicht verlassen. Sobald kleine Kinder, ein Immobilienkredit oder deutlich unterschiedliche Einkommen vorhanden sind, liefert eine individuelle Bedarfsrechnung wesentlich bessere Ergebnisse.

Am sinnvollsten ist es, Restschulden und die über mehrere Jahre benötigte Versorgung der Familie zu addieren, zusätzliche Belastungen einzubeziehen und tatsächlich verfügbares Vermögen abzuziehen. Daraus ergibt sich eine Versicherungssumme, die einen konkreten Zweck erfüllt, statt lediglich einer allgemeinen Faustregel zu folgen.

Besonders wichtig ist, beide Elternteile getrennt zu betrachten. Nicht nur ein hohes Gehalt besitzt einen wirtschaftlichen Wert. Auch Kinderbetreuung, Haushaltsarbeit und die Möglichkeit des anderen Partners, weiterhin voll zu arbeiten, beeinflussen den finanziellen Absicherungsbedarf erheblich.

Die beste Versicherungssumme ist deshalb weder möglichst hoch noch möglichst günstig. Sie ist so bemessen, dass die Familie nach einem Todesfall finanziell handlungsfähig bleibt, ohne für einen unnötig großen Schutz dauerhaft höhere Beiträge zu bezahlen.

Häufige Fragen zur Risikolebensversicherung für Familien

Die passende Versicherungssumme hängt stärker von der individuellen Familienstruktur als von einer einzelnen Faustregel ab. Die folgenden Fragen betreffen deshalb besonders häufig Situationen, die bei der Planung des Hinterbliebenenschutzes auftreten.

Wie hoch sollte eine Risikolebensversicherung für eine Familie sein?

Als erste Orientierung wird häufig das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens verwendet. Aussagekräftiger ist eine individuelle Rechnung aus Restschulden, Einkommenslücke, zusätzlichem Finanzbedarf und vorhandenem verwertbarem Vermögen. Bei Familien mit kleinen Kindern und Immobilienkredit kann der erforderliche Schutz dadurch deutlich höher ausfallen.

Sind 500.000 Euro Risikolebensversicherung zu viel?

Nicht zwangsläufig. Bei beispielsweise 250.000 Euro Immobilienrestschuld und einer langfristigen Versorgungslücke von weiteren 200.000 bis 250.000 Euro kann eine Versicherungssumme von 500.000 Euro nachvollziehbar sein. Ohne Schulden und bei zwei hohen, ähnlich großen Einkommen könnte dieselbe Summe dagegen deutlich über dem tatsächlichen Bedarf liegen.

Brauchen beide Eltern eine Risikolebensversicherung?

Wenn der Tod beider Elternteile jeweils erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die Familie hätte, spricht viel für eine Absicherung beider Personen. Die Versicherungssummen müssen dabei nicht identisch sein. Einkommen, Kinderbetreuung und sonstige wirtschaftliche Beiträge sollten jeweils berücksichtigt werden.

Sollte die Risikolebensversicherung den gesamten Immobilienkredit abdecken?

Eine vollständige Absicherung der Restschuld bietet den größten finanziellen Spielraum, ist aber nicht in jeder Situation zwingend notwendig. Entscheidend ist, welche Restschuld und Kreditrate der hinterbliebene Partner nach dem Todesfall dauerhaft tragen könnte.

Wie lange sollte eine Risikolebensversicherung für Eltern laufen?

Die Laufzeit sollte mindestens die Jahre abdecken, in denen die Familie besonders stark vom Einkommen oder von der Arbeitsleistung des versicherten Elternteils abhängig ist. Bei kleinen Kindern und einer langfristigen Baufinanzierung kann deshalb eine deutlich längere Laufzeit erforderlich sein als bei fast erwachsenen Kindern und weitgehend getilgtem Eigenheim.

Ist eine Risikolebensversicherung auch für einen nicht berufstätigen Elternteil sinnvoll?

Ja, das kann sinnvoll sein. Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit haben einen wirtschaftlichen Wert. Fällt dieser Elternteil weg, können Betreuungskosten entstehen oder der andere Elternteil muss seine Arbeitszeit und damit sein Einkommen reduzieren.

Kann die Versicherungssumme später erhöht werden?

Viele Tarife bieten unter bestimmten Bedingungen Nachversicherungsmöglichkeiten, beispielsweise bei familiären oder finanziellen Veränderungen. Umfang, Anlässe und Fristen unterscheiden sich jedoch zwischen den Verträgen. Für junge Familien lohnt es sich deshalb, diese Regelungen bereits bei Vertragsabschluss genau zu prüfen.

Wann sollte eine Familie ihren Versicherungsschutz überprüfen?

Besonders sinnvoll ist eine neue Bedarfsrechnung nach der Geburt eines Kindes, einem Immobilienkauf, einer größeren Finanzierung, deutlichen Einkommensänderungen oder anderen wesentlichen Veränderungen der finanziellen Situation. Auch ohne konkreten Anlass kann eine regelmäßige Überprüfung helfen, eine Unter- oder Überversicherung zu erkennen.

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Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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