Eine kostenlose Kreditkarte ist nicht automatisch eine Kreditkarte, deren Nutzung nichts kostet. In den meisten Angeboten bedeutet „kostenlos“ zunächst nur, dass für die Karte selbst keine regelmäßige Jahresgebühr verlangt wird. Ob später tatsächlich 0 Euro Kosten entstehen, hängt davon ab, wie die Karte eingesetzt wird und welche Preisregeln der Anbieter für einzelne Leistungen festgelegt hat.
Besonders groß können die Unterschiede bei Bargeldabhebungen, Zahlungen außerhalb des Euroraums und einer möglichen Teilzahlungsfunktion sein. Eine Karte mit 0 Euro Jahresgebühr kann deshalb für jemanden, der ausschließlich in Euro bezahlt und jede Monatsabrechnung vollständig ausgleicht, tatsächlich nahezu kostenlos bleiben. Wer dagegen regelmäßig Geld abhebt, viel reist oder Kreditkartenschulden über mehrere Monate zurückzahlt, kann trotz kostenloser Karte erhebliche Kosten verursachen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, ob eine Kreditkarte kostenlos angeboten wird. Wichtiger ist, welche Leistungen kostenlos sind, welche kostenpflichtig werden können und welches eigene Nutzungsverhalten vorgesehen ist.
Was bedeutet „kostenlose Kreditkarte“ eigentlich?
Bei einer kostenlosen Kreditkarte entfällt normalerweise die jährliche Grundgebühr für die Hauptkarte. Statt beispielsweise 30, 60 oder 100 Euro pro Jahr kostet das reine Bereithalten der Karte dann 0 Euro. Das kann ein echter Vorteil sein, insbesondere wenn die Karte nur gelegentlich genutzt oder als zusätzliche Reise- beziehungsweise Ersatzkarte geführt wird.
Die Bezeichnung sagt allerdings zunächst nichts darüber aus, ob auch sämtliche Transaktionen kostenlos sind. Ein Anbieter kann beispielsweise auf eine Jahresgebühr verzichten und gleichzeitig für Bargeldabhebungen einen prozentualen Betrag verlangen. Ein anderer ermöglicht kostenlose Abhebungen, erhebt dafür aber ein Fremdwährungsentgelt. Wieder andere Karten verursachen vor allem dann Kosten, wenn die Kreditkartenabrechnung nicht vollständig beglichen wird.
Bei einem Vergleich sollte deshalb nicht nur die Zeile „Jahresgebühr: 0 Euro“ betrachtet werden. Das Preis- und Leistungsverzeichnis zeigt wesentlich genauer, unter welchen Voraussetzungen aus einer kostenlosen Kreditkarte tatsächlich eine günstige Kreditkarte wird.
Wo bei einer kostenlosen Kreditkarte Kosten entstehen können
Die folgende Übersicht zeigt typische Kostenbereiche. Ob diese bei einer bestimmten Karte tatsächlich anfallen und wie hoch sie sind, hängt vom jeweiligen Anbieter und Tarif ab.
| Kostenbereich | Wann Kosten entstehen können | Worauf besonders achten? |
|---|---|---|
| Jahresgebühr | teilweise erst ab dem zweiten Jahr | Dauerhaft kostenlos oder nur Aktionsangebot? |
| Bargeldabhebung | am Geldautomaten im In- oder Ausland | Mindestgebühr, Prozentgebühr, Automatenentgelt |
| Fremdwährungsentgelt | Zahlungen oder Abhebungen in Nicht-Euro-Währungen | Prozentsatz auf den Kartenumsatz |
| Währungsumrechnung | bei Auswahl einer Abrechnung in Euro im Ausland | Dynamic Currency Conversion vermeiden |
| Teilzahlung | wenn die Monatsabrechnung nicht vollständig beglichen wird | Sollzins und voreingestellte Rückzahlungsrate |
| Überweisungen | bei Übertragung vom Kreditkartenkonto auf ein Girokonto | Sonderentgelte oder Verzinsung prüfen |
| Ersatz- oder Zusatzkarte | je nach Anlass und Tarif | Preisverzeichnis beachten |
| Mahnung/Rücklastschrift | wenn die Kartenabrechnung nicht eingezogen werden kann | Girokonto ausreichend decken |
Diese Kostenarten sind nicht bei jeder Karte vorhanden. Gerade deshalb lohnt sich ein Vergleich: Eine Karte kann für den Alltag hervorragend geeignet sein und gleichzeitig für Reisen teuer werden – oder genau umgekehrt.
Jahresgebühr: Ist die Karte wirklich dauerhaft kostenlos?
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen einer dauerhaft kostenlosen Kreditkarte und einer Karte, bei der lediglich das erste Jahr kostenfrei ist. Manche Angebote werden mit 0 Euro Jahresgebühr beworben, während ab einem späteren Zeitpunkt ein regulärer Kartenpreis gilt.
Auch Bedingungen können eine Rolle spielen. Denkbar sind beispielsweise Mindestumsätze, bestimmte Kontomodelle oder eine kostenlose Karte nur in Verbindung mit einem kostenpflichtigen Girokonto. Wer für das dazugehörige Konto monatlich 8 Euro bezahlt, erhält zwar möglicherweise formal eine Kreditkarte ohne separate Jahresgebühr, verursacht für das Gesamtpaket aber dennoch 96 Euro Kosten pro Jahr.
Deshalb sollte nicht nur die Karte isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind die Gesamtkosten aller Produkte, die für die Nutzung erforderlich sind. Besonders bei Kreditkarten, die ausschließlich zusammen mit einem Girokonto angeboten werden, ist diese Betrachtung sinnvoll.
Bargeldabhebungen können trotz 0 Euro Jahresgebühr teuer werden
Das Abheben von Bargeld gehört zu den häufigsten Kostenfallen. Einige Kreditkarten ermöglichen weltweit kostenlose Bargeldabhebungen, andere nur innerhalb bestimmter Länder oder Währungsräume. Wieder andere verlangen beispielsweise einen festen Mindestbetrag oder einen bestimmten Prozentsatz der Abhebesumme.
Eine prozentuale Gebühr fällt bei kleinen Beträgen häufig weniger stark auf, kann bei größeren Abhebungen jedoch erheblich werden. Wird beispielsweise für eine Bargeldabhebung von 500 Euro eine Gebühr von 3 Prozent berechnet, entstehen allein dadurch 15 Euro Kosten. Gibt es zusätzlich eine Mindestgebühr, können insbesondere kleine Abhebungen unverhältnismäßig teuer sein.
Noch wichtiger: Selbst wenn der eigene Kreditkartenanbieter keine Abhebegebühr verlangt, kann der Betreiber des Geldautomaten ein eigenes Entgelt berechnen. Das kommt insbesondere im Ausland vor. Dieses Automatenentgelt hat mit den Gebühren des deutschen Kartenanbieters nichts zu tun und wird normalerweise vor der Auszahlung angezeigt. Wer den Vorgang bestätigt, akzeptiert in der Regel auch die angezeigten Kosten.
Der Werbesatz „weltweit kostenlos Bargeld abheben“ sollte deshalb genau gelesen werden. Gemeint sein kann lediglich, dass der eigene Kartenanbieter keine Abhebegebühr verlangt. Kosten eines fremden Automatenbetreibers können trotzdem entstehen.
Fremdwährungsentgelt: Der klassische Reisekostenpunkt
Wer ausschließlich in Deutschland und anderen Ländern des Euroraums mit der Kreditkarte bezahlt, muss sich mit Fremdwährungsentgelten meist kaum beschäftigen. Interessant wird dieser Kostenpunkt beispielsweise bei Reisen in die USA, Großbritannien, die Schweiz, Polen, Tschechien, Thailand oder andere Länder mit eigener Währung.
Manche Kreditkartenanbieter berechnen bei solchen Umsätzen ein Fremdwährungsentgelt. Beträgt dieses beispielsweise 1,75 Prozent, entstehen bei Kartenzahlungen im Gesamtwert von 2.000 Euro zusätzliche Kosten von 35 Euro. Bei einem längeren Urlaub oder häufigen Geschäftsreisen können sich solche Beträge schnell summieren.
Eine Kreditkarte ohne Fremdwährungsentgelt kann für Reisende deshalb finanziell deutlich interessanter sein als eine Karte, die lediglich keine Jahresgebühr verlangt. Wer dagegen fast ausschließlich im Euroraum unterwegs ist, sollte ein Fremdwährungsentgelt nicht automatisch zum wichtigsten Auswahlkriterium machen.
Neben dem eigentlichen Entgelt spielt auch der verwendete Wechselkurs eine Rolle. Eine Kartenzahlung in einer anderen Währung wird in Euro umgerechnet. Welcher Kurs dafür maßgeblich ist, hängt unter anderem vom Kartensystem und den Bedingungen des Anbieters ab. „Kein Fremdwährungsentgelt“ bedeutet daher nicht zwingend, dass der Umrechnungskurs exakt dem offiziellen Referenzkurs entspricht.
Im Ausland besser in Landeswährung bezahlen
Eine besonders unnötige Kostenquelle ist die sogenannte Dynamic Currency Conversion, kurz DCC. Dabei bietet ein Geldautomat oder Kartenterminal im Ausland an, einen Betrag sofort in Euro umzurechnen.
Das wirkt zunächst komfortabel. Statt beispielsweise 8.000 tschechische Kronen sieht der Reisende direkt einen Eurobetrag und weiß vermeintlich genau, was vom Konto abgebucht wird. Der angebotene Umrechnungskurs kann jedoch deutlich schlechter ausfallen als die reguläre Umrechnung über das Kreditkartensystem.
Wird an einem Terminal gefragt, ob in Euro oder in der jeweiligen Landeswährung gezahlt werden soll, ist die Abrechnung in Landeswährung normalerweise die bessere Wahl. Die Umrechnung erfolgt dann über den Kartenanbieter beziehungsweise das Kartensystem entsprechend den vereinbarten Konditionen.
Dasselbe gilt am Geldautomaten. Formulierungen wie „garantierter Wechselkurs“, „Conversion“ oder „Abrechnung in EUR“ sind kein automatischer Vorteil. Entscheidend ist der zugrunde liegende Kurs – und genau dort kann die vermeintliche Bequemlichkeit teuer werden.
Teilzahlung kann die teuerste Kostenfalle sein
Besonders genau sollte geprüft werden, wie die monatliche Kreditkartenabrechnung beglichen wird. Bei einer klassischen Charge-Kreditkarte werden die gesammelten Kartenumsätze gewöhnlich einmal monatlich vollständig vom Referenzkonto eingezogen. Werden 1.200 Euro ausgegeben, werden anschließend also auch 1.200 Euro abgebucht.
Anders funktioniert eine sogenannte Revolving-Kreditkarte mit Teilzahlungsfunktion. Hier kann lediglich ein Teil der offenen Kreditkartenschuld zurückgezahlt werden. Der verbleibende Betrag wird weiterfinanziert – und dafür können hohe Sollzinsen entstehen.
Zweistellige Zinssätze sind bei solchen Kreditkarten keine Seltenheit. Bei manchen Angeboten können sie sich in einer Größenordnung nahe 20 Prozent pro Jahr bewegen. Damit wird aus einer Karte ohne Jahresgebühr schnell ein vergleichsweise teurer Kredit.
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Größenordnung: Werden 2.000 Euro Kreditkartenschulden mit einem angenommenen Sollzins von 18 Prozent pro Jahr innerhalb von zwölf Monaten in gleich hohen Monatsraten zurückgezahlt, liegt die Rate bei rund 183 Euro. Insgesamt werden ungefähr 2.200 Euro zurückgezahlt. Rund 200 Euro entfallen damit allein auf die Finanzierung – obwohl die Kreditkarte selbst möglicherweise 0 Euro Jahresgebühr kostet.
Besonders problematisch können sehr niedrige Mindestraten sein. Wer monatlich nur einen kleinen Teil der offenen Summe zurückzahlt und gleichzeitig weiter mit der Karte einkauft, verlängert die Rückzahlungsdauer erheblich. Dadurch können immer wieder neue Zinsen entstehen.
Die Voreinstellung der Rückzahlung ist wichtiger als viele denken
Bei einer Kreditkarte mit Teilzahlungsoption lohnt sich unmittelbar nach Erhalt der Karte ein Blick in die App, das Online-Banking oder die Vertragsunterlagen. Entscheidend ist, ob standardmäßig eine vollständige Rückzahlung vorgesehen ist oder lediglich eine Teilzahlung.
Ist nur eine niedrige monatliche Rückzahlungsquote voreingestellt, kann ein Nutzer unbeabsichtigt Kreditkartenzinsen bezahlen, obwohl genug Geld auf dem Girokonto vorhanden wäre. Genau deshalb sollte die Rückzahlung möglichst bewusst eingestellt werden.
Wer die Finanzierungsmöglichkeit nicht benötigt, kann – sofern der Anbieter diese Option anbietet – die vollständige Begleichung der Monatsrechnung wählen. Dadurch bleibt die Kreditfunktion zwar für Zahlungen verfügbar, offene Umsätze werden jedoch nicht über Monate finanziert.
Eine Teilzahlung ist nicht grundsätzlich unzulässig oder in jeder Situation unsinnig. Wer kurzfristig einen finanziellen Engpass überbrücken muss, erhält damit Flexibilität. Sie sollte allerdings als Kredit betrachtet werden und nicht als kostenlose Zusatzfunktion der Karte.
Auch Bargeld kann sofort verzinst werden
Bei einigen Kreditkarten unterscheiden sich normale Kartenzahlungen und Bargeldabhebungen auch hinsichtlich der Verzinsung. Es kann vorkommen, dass ein zinsfreier Zeitraum nur für Einkäufe gilt, während Bargeldverfügungen ab einem früheren Zeitpunkt verzinst werden.
Das ist besonders relevant, wenn die Karte gleichzeitig eine Revolving-Funktion besitzt. Eine auf den ersten Blick kostenlose Bargeldabhebung kann dadurch indirekt Kosten verursachen, obwohl keine klassische Automatengebühr berechnet wird.
Vor einer häufigen Nutzung für Bargeld sollte deshalb nicht nur nach „Abhebegebühr“ gesucht werden. Auch Begriffe wie Sollzins, Bargeldverfügung, Zinsberechnung und Zahlungsziel können entscheidend sein.
Kleine Gebühren werden schnell übersehen
Neben den großen Kostenpunkten gibt es Leistungen, die im Alltag seltener auftreten, aber ebenfalls kostenpflichtig sein können. Dazu zählen je nach Anbieter zusätzliche physische Karten, Ersatzkarten in bestimmten Situationen, Expressversand, besondere Kontoauszüge, Überweisungen aus dem Kartenrahmen oder bestimmte Serviceleistungen.
Eine Ersatzkarte nach Ablauf der regulären Gültigkeit oder wegen eines technischen Defekts ist nicht dasselbe wie eine kostenpflichtige Sonderleistung. Welche Gebühren zulässig beziehungsweise vertraglich vereinbart sind, hängt von der konkreten Situation ab. Deshalb ist ein Blick in das aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis sinnvoller als die Annahme, bei einer kostenlosen Kreditkarte müsse zwangsläufig jede Nebenleistung ebenfalls kostenlos sein.
Auch Zusatzkarten für Partner oder Familienmitglieder können anders bepreist sein als die Hauptkarte. Wer mehrere Karten benötigt, sollte deshalb immer den Gesamtpreis des Kartenpakets vergleichen.
Rücklastschriften und fehlende Kontodeckung verursachen Folgeprobleme
Bei vielen Kreditkarten wird die Monatsabrechnung automatisch vom hinterlegten Girokonto eingezogen. Ist dort nicht genügend Guthaben vorhanden, kann die Lastschrift scheitern. Dadurch können zusätzliche Kosten und im weiteren Verlauf Mahnungen entstehen.
Vor allem bei hohen Reiseausgaben oder größeren Anschaffungen lohnt es sich deshalb, einige Tage vor dem Abrechnungstermin zu kontrollieren, ob das Referenzkonto ausreichend gedeckt ist. Die Kreditkarte verschiebt den Zahlungszeitpunkt, sie ersetzt aber nicht das Geld, das für die Ausgaben benötigt wird.
Gerade dieser zeitliche Abstand kann psychologisch problematisch sein. Mehrere kleinere Kartenzahlungen wirken einzeln harmlos, erscheinen aber später gesammelt auf einer Monatsabrechnung. Wer 20-mal jeweils 30 oder 40 Euro ausgibt, kann leicht unterschätzen, wie hoch die Gesamtsumme geworden ist.
Händlergebühren sind bei gewöhnlichen Verbraucherkarten in der EU weitgehend begrenzt
Bei normalen Verbraucher-Kreditkarten und Debitkarten dürfen Händler in der EU grundsätzlich nicht einfach einen zusätzlichen Aufschlag verlangen, nur weil mit der Karte bezahlt wird. Das betrifft typische Verbraucherzahlungen im Geschäft und im Online-Handel.
Es gibt allerdings Ausnahmen, insbesondere bei bestimmten Drei-Parteien-Kartensystemen sowie bestimmten Firmen- und Geschäftskarten. Auch außerhalb der EU gelten nicht automatisch dieselben Regeln. Wer international reist, sollte daher nicht davon ausgehen, dass eine Kartenzahlung weltweit immer ohne zusätzliches Händlerentgelt möglich ist.
Von solchen Händlerentgelten zu unterscheiden sind Fremdwährungsgebühren oder Wechselkurskosten des eigenen Kartenanbieters. Diese können auch dann anfallen, wenn der Händler selbst keinerlei Zuschlag verlangt.
Reiseversicherungen und Zusatzleistungen machen eine Karte nicht automatisch günstiger
Kostenlose Kreditkarten werden teilweise mit Reiseversicherungen, Rabatten oder anderen Zusatzleistungen angeboten. Diese können interessant sein, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die grundlegenden Kartenkosten weiterhin geprüft werden müssen.
Besonders bei Versicherungsleistungen gelten häufig Voraussetzungen. Teilweise muss beispielsweise eine Reise oder ein bestimmter Teil davon mit der Kreditkarte bezahlt worden sein, damit Versicherungsschutz besteht. Zusätzlich können Selbstbeteiligungen, maximale Erstattungsbeträge und Ausschlüsse vorgesehen sein.
Wer eine kostenlose Kreditkarte ausschließlich wegen eines Versicherungspakets auswählt, sollte deshalb prüfen, welchen Schutz er tatsächlich erhält. Eine scheinbar großzügige Zusatzleistung gleicht hohe Fremdwährungs- oder Finanzierungskosten nicht automatisch aus.
Welche kostenlose Kreditkarte passt zu welchem Nutzer?
Für einen Nutzer, der eine Kreditkarte überwiegend für Online-Einkäufe und gelegentliche Zahlungen innerhalb des Euroraums benötigt, sind andere Kriterien wichtig als für jemanden, der mehrmals jährlich außerhalb Europas reist. Im ersten Fall können eine dauerhaft entfallende Jahresgebühr und eine automatische Vollzahlung besonders relevant sein. Kostenlose weltweite Bargeldabhebungen besitzen möglicherweise geringere Bedeutung.
Bei Vielreisenden verschiebt sich die Gewichtung. Hier können ein fehlendes Fremdwährungsentgelt, günstige Bargeldabhebungen und eine hohe internationale Akzeptanz wesentlich wichtiger sein. Selbst eine Kreditkarte mit einer moderaten Jahresgebühr kann unter Umständen günstiger sein als eine kostenlose Karte, wenn bei jeder Auslandszahlung zusätzliche Prozentgebühren entstehen.
Wer seine Karte regelmäßig zur Finanzierung nutzt, sollte dagegen vor allem auf den effektiven beziehungsweise vereinbarten Kreditzins und die Rückzahlungsbedingungen achten. Eine Jahresgebühr von 0 Euro spart wenig, wenn gleichzeitig jedes Jahr mehrere hundert Euro Kreditzinsen entstehen.
Die beste kostenlose Kreditkarte ist daher nicht automatisch das Angebot mit den meisten kostenlos beworbenen Leistungen. Sie ist die Karte, deren Gebührenmodell zum tatsächlichen Nutzungsverhalten passt.
Kostenlose Kreditkarten sinnvoll vergleichen
Wer Angebote miteinander vergleicht, sollte zunächst das eigene Verhalten realistisch einschätzen. Eine theoretisch perfekte Reisekreditkarte bringt wenig, wenn die Karte ausschließlich für zwei Online-Einkäufe pro Monat verwendet wird. Umgekehrt sollte jemand, der mehrere Monate im Ausland verbringt, Fremdwährungs- und Bargeldkosten nicht zugunsten einer attraktiven Zusatzleistung ignorieren.
Checkliste: Diese Punkte solltest du vor dem Abschluss prüfen
- Prüfe, ob die Jahresgebühr dauerhaft 0 Euro beträgt oder nur zeitweise entfällt.
- Kontrolliere die Gebühren für Bargeldabhebungen im In- und Ausland.
- Suche nach einem möglichen Fremdwährungsentgelt.
- Prüfe, wie der Anbieter Währungsumrechnungen abrechnet.
- Kläre, ob Vollzahlung oder Teilzahlung voreingestellt ist.
- Kontrolliere den Sollzins für offene Kreditkartenbeträge.
- Prüfe Kosten für Zusatzkarten und besondere Serviceleistungen.
- Kläre, ob ein kostenpflichtiges Girokonto Voraussetzung für die kostenlose Karte ist.
- Lies die Bedingungen möglicher Versicherungs- und Zusatzleistungen.
- Vergleiche die Gesamtkosten anhand deiner voraussichtlichen Nutzung.
Ein solcher Vergleich ist aussagekräftiger als die Betrachtung einer einzelnen Jahresgebühr. Entscheidend ist nicht, welche Karte auf dem Papier die meisten kostenlosen Leistungen besitzt, sondern welche davon im eigenen Alltag tatsächlich benötigt werden.
Beispiel: Zwei kostenlose Karten können völlig unterschiedlich teuer sein
Angenommen, zwei Kreditkarten verlangen beide dauerhaft keine Jahresgebühr. Karte A verlangt jedoch 1,75 Prozent Fremdwährungsentgelt, während Karte B für entsprechende Zahlungen kein zusätzliches Fremdwährungsentgelt vorsieht.
Wer im Jahr außerhalb des Euroraums 4.000 Euro mit der Karte bezahlt, verursacht bei Karte A in diesem vereinfachten Beispiel 70 Euro zusätzliche Kosten. Für jemanden, der ausschließlich in Euro bezahlt, entsteht dieser Unterschied dagegen überhaupt nicht.
Dasselbe gilt für Bargeldabhebungen. Eine Karte mit einer Abhebegebühr von beispielsweise 3 Prozent wäre für jemanden, der jeden Monat 300 Euro am Automaten abhebt, möglicherweise deutlich teurer als eine Karte mit Jahresgebühr, aber kostenlosen Abhebungen.
„Kostenlos“ lässt sich deshalb sinnvoll nur zusammen mit einem konkreten Nutzungsprofil bewerten.
Häufige Fehler bei kostenlosen Kreditkarten
Der häufigste Fehler besteht darin, die Jahresgebühr mit den Gesamtkosten gleichzusetzen. Besonders aggressive Werbeaussagen lenken den Blick auf die gut sichtbare 0-Euro-Angabe, während Fremdwährungsentgelt, Bargeldkosten oder Sollzinsen erst in den Konditionen erscheinen.
Ein zweiter Fehler ist eine unbeabsichtigte Teilzahlung. Wer davon ausgeht, dass wie bei einer klassischen Charge-Kreditkarte jeden Monat automatisch der vollständige Rechnungsbetrag abgebucht wird, kann von den ersten Zinsbelastungen überrascht werden. Deshalb sollte die Rückzahlungsart unmittelbar nach Kartenerhalt kontrolliert werden.
Auf Reisen gehört die automatische Euro-Umrechnung am Geldautomaten oder Kartenterminal zu den besonders vermeidbaren Kosten. Wer den angezeigten Eurobetrag aus Bequemlichkeit akzeptiert, kann einen schlechteren Wechselkurs erhalten. Die Abrechnung in Landeswährung ist in solchen Situationen normalerweise sinnvoller.
Auch der umgekehrte Fehler kommt vor: Manche Verbraucher suchen unbedingt eine Karte, bei der jede denkbare Leistung kostenlos ist, obwohl sie viele davon niemals nutzen. Entscheidend ist nicht maximale Gebührenfreiheit auf dem Papier, sondern ein Kostenmodell, das zur eigenen Nutzung passt.
Wann kann sogar eine Kreditkarte mit Jahresgebühr günstiger sein?
Eine Kreditkarte mit Jahresgebühr ist nicht automatisch schlechter als eine kostenlose Karte. Angenommen, eine kostenpflichtige Karte kostet 40 Euro pro Jahr, verzichtet dafür aber auf ein Fremdwährungsentgelt, das bei einer kostenlosen Alternative 1,75 Prozent beträgt.
Wer jährlich 4.000 Euro in Fremdwährungen bezahlt, würde bei der kostenlosen Karte bereits 70 Euro Fremdwährungsentgelt verursachen. Unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen wäre die Karte mit 40 Euro Jahresgebühr in diesem Beispiel günstiger.
Ähnlich kann es bei Bargeldabhebungen oder tatsächlich genutzten Reiseleistungen aussehen. Deshalb sollte der Kreditkartenvergleich immer auf Jahresbasis erfolgen. Sämtliche wahrscheinlich anfallenden Kosten werden dabei addiert und den nutzbaren Leistungen gegenübergestellt.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen „kostenlos“ und „günstig“. Kostenlos beschreibt häufig nur einen einzelnen Preisbestandteil. Günstig ist eine Karte erst dann, wenn ihre gesamten Kosten im Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung niedrig bleiben.
Fazit: Eine kostenlose Kreditkarte kann 0 Euro kosten – muss es aber nicht
Eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr kann tatsächlich dauerhaft nahezu kostenlos genutzt werden. Dafür müssen allerdings die Konditionen und das eigene Nutzungsverhalten zusammenpassen. Wer überwiegend in Euro bezahlt, keine kostenpflichtigen Bargeldabhebungen tätigt und seine Monatsabrechnung immer vollständig ausgleicht, kann viele kostenlose Karten ohne nennenswerte Zusatzkosten verwenden.
Besonders aufmerksam sollte man bei Teilzahlung, Bargeldabhebungen und Fremdwährungstransaktionen sein. Hier können innerhalb kurzer Zeit wesentlich höhere Kosten entstehen, als durch eine klassische Jahresgebühr eingespart werden.
Der entscheidende Vergleichswert lautet deshalb nicht „Jahresgebühr“, sondern voraussichtliche Gesamtkosten pro Jahr. Wer seine typischen Kartenumsätze, Reisen und Bargeldabhebungen berücksichtigt und anschließend das Preisverzeichnis prüft, erkennt schnell, ob eine vermeintlich kostenlose Kreditkarte auch für den eigenen Alltag wirklich günstig ist.
Häufige Fragen zu kostenlosen Kreditkarten und möglichen Kosten
Bei kostenlosen Kreditkarten entstehen viele Missverständnisse dadurch, dass der Begriff „kostenlos“ unterschiedlich interpretiert wird. Die folgenden Antworten ordnen die wichtigsten Punkte kompakt ein.
Ist eine kostenlose Kreditkarte wirklich komplett kostenlos?
Nicht zwingend. Meist bedeutet die Bezeichnung zunächst, dass keine Jahresgebühr für die Hauptkarte verlangt wird. Für Bargeldabhebungen, Fremdwährungszahlungen, Teilzahlungen oder bestimmte Zusatzleistungen können trotzdem Kosten entstehen.
Können beim Bezahlen mit einer kostenlosen Kreditkarte Gebühren entstehen?
Bei normalen Zahlungen in Euro sind viele Kreditkarten gebührenfrei nutzbar. Bei Zahlungen in anderen Währungen kann der Kartenanbieter jedoch ein Fremdwährungsentgelt verlangen. Außerhalb der EU können außerdem andere Regeln und zusätzliche Händlerkosten gelten.
Kann ich mit einer kostenlosen Kreditkarte kostenlos Bargeld abheben?
Das hängt vom Anbieter ab. Manche Kreditkarten ermöglichen kostenlose Abhebungen, andere verlangen eine feste oder prozentuale Gebühr. Zusätzlich kann ein fremder Geldautomatenbetreiber ein eigenes Entgelt verlangen.
Warum ist die Teilzahlung bei Kreditkarten so teuer?
Bei der Teilzahlung bleibt ein Teil des offenen Kreditkartenbetrags als Kredit bestehen und wird verzinst. Da die Sollzinsen bei Revolving-Kreditkarten hoch sein können, entstehen insbesondere bei längerer Rückzahlung erhebliche Finanzierungskosten.
Sollte ich im Ausland mit der Kreditkarte in Euro oder Landeswährung bezahlen?
In der Regel ist die Abrechnung in der jeweiligen Landeswährung günstiger. Eine angebotene Sofortumrechnung in Euro kann einen ungünstigeren Wechselkurs oder zusätzliche Aufschläge enthalten.
Ist eine Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr automatisch kostenlos?
Nein. Es können beispielsweise Gebühren für Bargeldabhebungen, Teilzahlungen oder Zusatzleistungen anfallen. Eine Karte sollte deshalb immer anhand des gesamten Preis- und Leistungsverzeichnisses beurteilt werden.
Kann eine Kreditkarte mit Jahresgebühr günstiger sein als eine kostenlose Karte?
Ja. Wer beispielsweise häufig in Fremdwährungen bezahlt oder Bargeld abhebt, kann mit einer kostenpflichtigen Karte mit günstigeren Nutzungskonditionen insgesamt weniger bezahlen. Entscheidend sind die jährlichen Gesamtkosten.
Worauf sollte ich bei einer kostenlosen Kreditkarte am meisten achten?
Besonders wichtig sind Jahresgebühr ab dem zweiten Jahr, Bargeldkosten, Fremdwährungsentgelt, Rückzahlungsart und Sollzins. Wer diese Punkte kennt und mit seinem eigenen Nutzungsverhalten abgleicht, kann Angebote wesentlich realistischer vergleichen.