Anleihen oder Festgeld – welche Anlage ist besser?

Festgeld bietet hohe Planbarkeit und einen klaren Einlagenschutz, Anleihen eröffnen mehr Möglichkeiten bei Laufzeit, Rendite und Handelbarkeit. Entscheidend ist, welches Risiko du tragen willst und wann du dein Geld wieder brauchst.

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Wer Geld für einige Monate oder mehrere Jahre sicherheitsorientiert anlegen möchte, landet schnell bei derselben Frage: Soll das Kapital auf ein Festgeldkonto oder in Anleihen fließen? Auf den ersten Blick ähneln sich beide Anlagen. Du stellst Kapital für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung und erhältst dafür eine Verzinsung. In der Praxis unterscheiden sich Festgeld und Anleihen jedoch an entscheidenden Stellen.

Für Anleger, die vor allem Planbarkeit, Einfachheit und einen möglichst klaren Schutz des angelegten Betrags suchen, ist Festgeld häufig die naheliegendere Lösung. Innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung kann es insbesondere für Geld sinnvoll sein, das zu einem festen Termin wieder vollständig benötigt wird. Anleihen sind dagegen interessanter, wenn du bereit bist, dich mit Emittent, Börsenkurs, Restlaufzeit und Rendite auseinanderzusetzen und dafür mehr Auswahl und Flexibilität möchtest.

Die wichtigste Unterscheidung lautet deshalb nicht einfach „Welche Anlage bringt mehr Zinsen?“. Entscheidend ist vielmehr, welche Sicherheit hinter der Anlage steht, wie verlässlich der Rückzahlungsbetrag ist und was passiert, wenn du vor dem geplanten Ende an dein Geld musst. Genau dort zeigen sich die größten Unterschiede.

Die kurze Antwort: Festgeld ist einfacher, Anleihen sind flexibler

Festgeld eignet sich besonders für sicherheitsorientierte Anleger, die einen bestimmten Betrag für eine festgelegte Zeit nicht benötigen. Zinssatz und Laufzeit stehen beim Abschluss fest. Bei Banken, die einer gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen, sind Einlagen grundsätzlich bis 100.000 Euro je Einleger und Bank geschützt. Für bestimmte vorübergehend hohe Guthaben kann unter festgelegten Voraussetzungen sogar ein höherer Schutz gelten.

Eine Anleihe ist dagegen ein Wertpapier. Du stellst nicht deiner kontoführenden Bank Geld auf einem Einlagenkonto zur Verfügung, sondern leihst einem Staat, Unternehmen oder einer anderen Organisation Kapital. Dafür erhältst du je nach Konstruktion Zinszahlungen und bei regulärer Rückzahlung am Laufzeitende den festgelegten Nennwert. Ob du dieses Geld tatsächlich vollständig zurückbekommst, hängt von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten ab.

Der große Vorteil einer börsengehandelten Anleihe liegt darin, dass du sie normalerweise vor ihrer Fälligkeit verkaufen kannst. Genau daraus entsteht jedoch zugleich eines ihrer wichtigsten Risiken: Der Börsenkurs kann bis dahin gestiegen oder gefallen sein. Ein Festgeld lässt sich während der Laufzeit meistens gar nicht oder nur unter besonderen Bedingungen vorzeitig auflösen. Dafür gibt es keinen täglich schwankenden Börsenkurs.

Kriterium Festgeld Einzelne Anleihe
Verzinsung Bei Abschluss fest vereinbart Kupon meist fest, tatsächliche Rendite hängt zusätzlich vom Kaufkurs ab
Rückzahlung Kontoguthaben nach Laufzeit Nennwert bei Fälligkeit, sofern der Emittent zahlt
Schutz vor Insolvenz Gesetzliche Einlagensicherung innerhalb der Grenzen Keine Einlagensicherung; Bonität des Emittenten entscheidend
Vorzeitige Verfügbarkeit Meist stark eingeschränkt Verkauf häufig möglich
Wertschwankungen Keine sichtbaren Börsenkursschwankungen Kurs kann deutlich steigen oder fallen
Aufwand Gering Höher
Kosten Häufig keine direkten Kaufkosten Depot-, Handelskosten und Spread möglich
Auswahl Bank, Zinssatz und Laufzeit Sehr große Auswahl an Emittenten, Laufzeiten und Risikoklassen

Damit ist auch klar: Die höhere Flexibilität einer Anleihe ist nicht kostenlos. Du kannst zwar möglicherweise jederzeit verkaufen, weißt aber nicht zwingend, welchen Preis du dann erhältst.

Der Sicherheitsunterschied wird häufig unterschätzt

Beim Festgeld ist deine Forderung gegenüber der Bank grundsätzlich eine Einlage. Für gesetzlich geschützte Einlagen besteht in Deutschland ein Entschädigungsanspruch bis maximal 100.000 Euro je Einleger und Bank. Bei einem Gemeinschaftskonto können beispielsweise zwei Kontoinhaber jeweils einen eigenen Anspruch besitzen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes vermeintlich „banknahe“ Produkt genauso geschützt wäre. Kaufst du beispielsweise eine von einer Bank ausgegebene Schuldverschreibung, handelt es sich nicht plötzlich um Festgeld, nur weil hinter beiden Anlagen dieselbe Bank steht. Inhaberschuldverschreibungen fallen grundsätzlich nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Dieser Unterschied ist besonders wichtig, wenn Banken höher verzinste eigene Anleihen anbieten.

Bei einer normalen Anleihe trägst du das Ausfallrisiko des jeweiligen Emittenten. Bei Bundeswertpapieren ist dieses Risiko anders einzuschätzen als bei einer Anleihe eines hoch verschuldeten Unternehmens. Auch zwischen Staaten bestehen erhebliche Unterschiede. Deshalb ist die Rendite einer Anleihe niemals unabhängig von ihrer Bonität zu betrachten.

Ein höherer Anleihezins ist nicht automatisch ein besseres Angebot. Häufig ist er vielmehr die Entschädigung dafür, dass Anleger ein höheres Ausfallrisiko, eine längere Laufzeit oder andere Risiken übernehmen.

Der Zinssatz allein reicht für den Vergleich nicht

Beim Festgeld ist die Rechnung relativ einfach. Legst du beispielsweise 20.000 Euro für drei Jahre zu 2,5 Prozent jährlich an und werden die Zinsen jeweils wieder mitverzinst, wächst das Guthaben vor Steuern rechnerisch auf rund 21.538 Euro. Der Zinsertrag beträgt etwa 1.538 Euro.

Bei einer Anleihe kann dieselbe Betrachtung komplizierter werden. Der aufgedruckte Kupon zeigt lediglich, wie hoch die regelmäßige Zinszahlung bezogen auf den Nennwert ist. Er sagt nicht automatisch, welche Rendite du tatsächlich erzielst.

Angenommen, eine Anleihe besitzt noch drei Jahre Restlaufzeit, einen Nennwert von 20.000 Euro und zahlt jährlich 2,25 Prozent Zinsen. Das entspricht 450 Euro pro Jahr. Kannst du die Anleihe für 98 Prozent ihres Nennwertes kaufen, zahlst du 19.600 Euro. Wird sie drei Jahre später zu 100 Prozent zurückgezahlt, erhältst du zusätzlich zu den drei Zinszahlungen einen Kursgewinn von 400 Euro.

Die gesamten Zahlungsströme ergeben in diesem vereinfachten Beispiel eine Rendite von ungefähr 2,96 Prozent pro Jahr vor Steuern und Kosten. Entscheidend ist also nicht der Kupon von 2,25 Prozent, sondern die Rendite bis zur Fälligkeit.

Dasselbe funktioniert auch in die andere Richtung. Notiert eine Anleihe deutlich über 100 Prozent, kann ihre tatsächliche Rendite trotz eines hohen Kupons vergleichsweise niedrig ausfallen. Wer ausschließlich die ausgewiesene Verzinsung betrachtet, kann deshalb zu einer falschen Einschätzung kommen.

Warum Anleihekurse schwanken

Der Kurs einer bereits ausgegebenen Anleihe reagiert unter anderem auf Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus. Steigen die Zinsen für neue Anleihen, verlieren ältere Papiere mit niedrigeren Zinsen häufig an Attraktivität. Ihr Kurs fällt. Sinken die Marktzinsen, können bereits existierende Anleihen mit attraktiven Kupons dagegen im Wert steigen.

Je länger die verbleibende Laufzeit einer Anleihe ist, desto stärker kann dieser Effekt ausfallen. Eine Anleihe, die bereits in wenigen Monaten zurückgezahlt wird, reagiert normalerweise erheblich weniger auf eine Veränderung des Marktzinses als ein Papier mit zehn, zwanzig oder dreißig Jahren Restlaufzeit.

Das ist einer der größten Unterschiede zum Festgeld. Hast du dein Festgeld zu 2,5 Prozent abgeschlossen und steigen neue Angebote anschließend auf 3,5 Prozent, sinkt dein Kontostand dadurch nicht. Du hast lediglich die Gelegenheit verpasst, den höheren Zinssatz zu nutzen. Bei einer Anleihe kann dieselbe Zinsbewegung zusätzlich einen sichtbaren Kursverlust erzeugen.

Dieser Verlust ist jedoch zunächst nur ein Marktwertverlust. Hältst du eine klassische Anleihe bis zur Fälligkeit und zahlt der Emittent wie vorgesehen, wird sie grundsätzlich zum vorgesehenen Rückzahlungsbetrag getilgt. Wer vorher verkaufen muss, ist dagegen vom dann aktuellen Marktpreis abhängig.

Festgeld hat kein Kursrisiko – dafür ein anderes Flexibilitätsproblem

Ein fehlender Börsenkurs bedeutet nicht, dass Festgeld vollkommen ohne wirtschaftliche Nachteile wäre. Wenn du heute beispielsweise drei Prozent für fünf Jahre festschreibst und das allgemeine Zinsniveau kurze Zeit später deutlich steigt, sitzt du weiterhin auf deinem alten Vertrag.

Das Geld ist währenddessen meist gebunden. Eine vorzeitige Kündigung gehört bei klassischem Festgeld normalerweise nicht zum vorgesehenen Ablauf. Je nach Vertragsbedingungen gibt es Ausnahmen, einen Rechtsanspruch auf eine beliebige vorzeitige Auszahlung sollte man jedoch nicht voraussetzen.

Anleihen drehen dieses Verhältnis um. Du kannst dein Kapital häufig durch einen Verkauf freimachen, hast dafür aber keine Garantie, den ursprünglich eingesetzten Betrag zu diesem Zeitpunkt zurückzuerhalten.

Für die Finanzplanung lässt sich der Unterschied deshalb treffender so beschreiben: Festgeld bietet hohe Betragsplanbarkeit bei geringer zeitlicher Flexibilität. Anleihen bieten höhere zeitliche Flexibilität bei geringerer Kursplanbarkeit.

Wann Festgeld die bessere Wahl sein kann

Festgeld spielt seine Stärke vor allem dann aus, wenn das Geld für einen klar definierten Zeitraum nicht gebraucht wird und anschließend möglichst verlässlich zur Verfügung stehen soll.

Angenommen, du planst in drei Jahren eine größere Sondertilgung für deine Immobilienfinanzierung. Ein Börsenprodukt mit einem möglichen Kursverlust genau zum benötigten Termin kann für diesen Zweck ungeeignet sein. Ein passend laufendes Festgeld kann wesentlich besser zur finanziellen Verpflichtung passen, sofern der Betrag innerhalb des abgesicherten Rahmens liegt und während der drei Jahre wirklich nicht benötigt wird.

Ähnlich sieht es bei einem Teil einer größeren Rücklage aus. Geld, das du zwar nicht täglich brauchst, aber keinesfalls einem nennenswerten Kapitalmarktrisiko aussetzen möchtest, lässt sich über mehrere Festgeldlaufzeiten verteilen. Dadurch musst du nicht zwingend den gesamten Betrag für fünf oder zehn Jahre blockieren.

Festgeld ist außerdem attraktiv für Menschen, die ihre Geldanlage möglichst unkompliziert halten möchten. Es braucht weder ein Verständnis von Renditeberechnung und Anleihekursen noch eine laufende Bewertung der Bonität des Emittenten. Trotzdem sollte die Bank nicht ausschließlich nach dem höchsten Werbezins gewählt werden. Einlagensicherung, Land des Sicherungssystems, Vertragsbedingungen und Laufzeit bleiben wichtig.

Wann eine Anleihe interessanter sein kann

Anleihen können besser passen, wenn du dein Geld zwar verzinst anlegen möchtest, dir aber die Möglichkeit eines Verkaufs offenhalten willst. Das ist insbesondere interessant, wenn du nicht sicher bist, ob du das Kapital tatsächlich bis zum Ende der Laufzeit unangetastet lassen kannst.

Daneben ermöglichen Anleihen eine wesentlich gezieltere Auswahl. Du kannst beispielsweise unterschiedliche Laufzeiten kombinieren, zwischen verschiedenen Staaten und Unternehmen wählen oder das Zinsänderungsrisiko über kurze beziehungsweise lange Restlaufzeiten steuern. Mit dieser Auswahl steigt jedoch auch die Verantwortung des Anlegers.

Interessant können Anleihen zudem sein, wenn ihre Rendite bei vergleichbarer Laufzeit und vertretbarer Bonität attraktiver ist als verfügbare Festgeldangebote. Ein fairer Vergleich darf dann aber nicht lauten „Festgeldzins gegen Kupon“. Verglichen werden müssen der Festgeldzins und die erwartbare Anleiherendite bis zur Fälligkeit nach Berücksichtigung von Kaufkurs, Rückzahlungsbetrag, Stückzinsen und Kosten.

Bei kleineren Anlagebeträgen können Handelskosten stärker ins Gewicht fallen. Ein Unterschied von einigen Zehntelprozentpunkten bei der Rendite verliert schnell an Bedeutung, wenn Kauf und späterer Verkauf Gebühren verursachen oder zwischen Geld- und Briefkurs ein größerer Abstand liegt.

Die Laufzeit sollte zu deinem Geldbedarf passen

Viele Probleme entstehen nicht dadurch, dass Anleger das falsche Produkt wählen, sondern weil Laufzeit und Verwendungszweck nicht zusammenpassen.

Wenn du 30.000 Euro voraussichtlich in zwei Jahren für den Eigenkapitalanteil eines Immobilienkaufs brauchst, ist eine zehnjährige Unternehmensanleihe nicht allein deshalb passend, weil ihre Rendite attraktiv erscheint. Dass du sie jederzeit verkaufen kannst, garantiert nicht, dass du nach zwei Jahren noch 30.000 Euro erhältst.

Umgekehrt ist es ebenfalls wenig sinnvoll, das gesamte langfristig nicht benötigte Kapital immer nur für drei oder sechs Monate anzulegen, wenn du eigentlich mehrere Jahre Planungssicherheit möchtest. Du setzt dich dann regelmäßig dem Risiko aus, dass du nach Ablauf nur noch deutlich niedrigere Zinsen erhältst.

Eine praktische Lösung kann eine Laufzeitenstaffelung sein. Statt beispielsweise 30.000 Euro komplett für drei Jahre festzulegen, könntest du jeweils 10.000 Euro auf ein, zwei und drei Jahre verteilen. Nach jeder Fälligkeit entscheidest du neu, ob du das Geld brauchst oder erneut anlegen möchtest. Dasselbe Prinzip lässt sich mit einzelnen Anleihen unterschiedlicher Fälligkeit aufbauen, ist dort jedoch etwas anspruchsvoller.

Was steigende oder fallende Zinsen verändern

Das Zinsumfeld beeinflusst beide Anlageformen, allerdings auf unterschiedliche Weise. Am 10. September 2026 beschloss die Europäische Zentralbank eine Erhöhung ihrer drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte mit Wirkung zum 16. September 2026. Der Zinssatz der Einlagefazilität steigt damit auf 2,50 Prozent. Solche Veränderungen können sich sowohl auf neue Festgeldangebote als auch auf die Renditen am Anleihemarkt auswirken.

Bei neuem Festgeld reagieren Banken oftmals mit Verzögerung und nicht einheitlich auf veränderte Marktzinsen. Einige Institute passen Angebote schnell an, andere kaum. Bei börsengehandelten Anleihen werden neue Zinserwartungen dagegen laufend in den Kursen verarbeitet.

Wer unmittelbar vor einer möglichen Zinsänderung sehr lange Festgeldlaufzeiten abschließt, sollte deshalb besonders genau überlegen, ob die zusätzliche Verzinsung die lange Bindung rechtfertigt. Bei Anleihen gilt dasselbe aus anderer Perspektive: Eine lange Laufzeit erhöht die Empfindlichkeit gegenüber späteren Zinsbewegungen.

Für Anleger ist es meist sinnvoller, den eigenen Zeithorizont sauber festzulegen, als jede kurzfristige Zinsbewegung vorhersagen zu wollen. Niemand kennt zuverlässig den exakten Verlauf der kommenden Jahre.

Inflation betrifft beide Anlageformen

Festgeld und klassische festverzinsliche Anleihen haben gemeinsam, dass ihre nominalen Zahlungsströme weitgehend feststehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch die Kaufkraft des Geldes gesichert wäre.

Erwirtschaftet eine Anlage beispielsweise 2,5 Prozent pro Jahr, während die Preise gleichzeitig um drei Prozent steigen, wächst zwar der Kontostand, die reale Kaufkraft nimmt rechnerisch trotzdem leicht ab. Vor Steuern ergibt sich in diesem Beispiel eine reale Rendite von ungefähr minus 0,5 Prozent.

Bei Anleihen existieren zwar auch inflationsindexierte Varianten, deren Zahlungen teilweise an die Preisentwicklung gekoppelt sind. Diese Produkte funktionieren jedoch anders als klassische Festzinsanleihen und sind kein direkter Ersatz für Festgeld.

Wer lediglich Nominalzinsen miteinander vergleicht, übersieht deshalb einen wesentlichen Punkt. Entscheidend ist langfristig nicht nur, wie viele Euro zurückgezahlt werden, sondern was sich mit diesem Geld noch kaufen lässt.

Auch die Steuer entscheidet nicht automatisch zugunsten einer Seite

Zinsen aus Festgeld und Erträge aus Anleihen gehören bei Privatanlegern grundsätzlich zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Der reguläre Steuersatz der Kapitalertragsteuer beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Sparer-Pauschbetrag liegt 2026 weiterhin bei 1.000 Euro für einzelne Steuerpflichtige beziehungsweise 2.000 Euro bei zusammen veranlagten Ehegatten oder Lebenspartnern.

Bei Festgeld sind vor allem die gutgeschriebenen Zinsen relevant. Bei Anleihen können neben Zinszahlungen auch Kursgewinne steuerlich eine Rolle spielen. Kaufst du beispielsweise ein Papier unter seinem Nennwert und wird es später zu einem höheren Betrag zurückgezahlt oder verkauft, kann dadurch zusätzlich ein steuerpflichtiger Kapitalertrag entstehen.

Für die Entscheidung Festgeld oder Anleihe ergibt sich daraus normalerweise kein grundlegender Steuervorteil einer Anlageklasse. Unterschiede können sich im konkreten Einzelfall ergeben, etwa durch Verlustverrechnung, ausländische Quellensteuern, den Zeitpunkt von Zahlungen oder die persönliche steuerliche Situation.

Kosten können den vermeintlichen Renditevorteil einer Anleihe aufzehren

Festgeldkonten werden häufig ohne gesonderte Abschlussgebühren angeboten. Der wirtschaftliche Vergleich ist deshalb relativ transparent: Entscheidend sind vor allem Zinssatz, Laufzeit und Bedingungen.

Beim Anleihekauf können mehrere Kostenebenen zusammentreffen. Neben möglichen Ordergebühren spielt der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs – der sogenannte Spread – eine Rolle. Je schlechter eine Anleihe gehandelt wird, desto ungünstiger kann dieser Abstand ausfallen.

Hinzu kommen sogenannte Stückzinsen. Kaufst du eine Anleihe zwischen zwei Zinsterminen, hat der Verkäufer einen Teil des nächsten Kupons wirtschaftlich bereits verdient. Dieser Anteil wird beim Kauf normalerweise berücksichtigt. Stückzinsen sind keine zusätzliche Rendite, sondern Bestandteil der Abrechnung zwischen Käufer und Verkäufer.

Gerade bei einer kleinen Anlagesumme sollte deshalb nicht nur auf eine Renditezahl im Wertpapierprofil geschaut werden. Einige wenige Euro Gebühren oder ein ungünstiger Spread können einen kleinen Renditevorsprung gegenüber Festgeld vollständig zunichtemachen.

Der gefährlichste Vergleich: Hochverzinstes Festgeld gegen Hochzinsanleihe

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn eine Unternehmensanleihe oder nachrangige Bankanleihe deutlich mehr Rendite verspricht als klassisches Festgeld. Die Differenz existiert meist nicht zufällig.

Bietet ein Festgeld beispielsweise drei Prozent und eine Unternehmensanleihe gleicher Laufzeit sechs Prozent Rendite, erhältst du bei der Anleihe nicht einfach „doppelt so viel Zins für fast dasselbe Produkt“. Der Markt verlangt möglicherweise eine höhere Rendite, weil die Rückzahlung unsicherer ist.

Bei schlechter werdender Bonität kann außerdem der Kurs der Anleihe deutlich fallen. Gerät das Unternehmen tatsächlich in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, sind Verluste bis hin zum weitgehenden oder vollständigen Ausfall möglich.

Besonders problematisch ist die Vorstellung, eine Bankanleihe sei ähnlich sicher wie Festgeld bei derselben Bank. Das kann falsch sein. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt bestimmte Einlagen, nicht automatisch die von einer Bank selbst ausgegebenen Schuldverschreibungen.

Welche Anlage passt zu welchem Ziel?

Statt zuerst nach dem höchsten Zinssatz zu suchen, ist eine einfache Reihenfolge sinnvoller.

  1. Bestimme den Zeitpunkt, zu dem du das Geld spätestens benötigst. Eine Anlage sollte nicht länger laufen als dein realistischer Planungshorizont, wenn du auf den vollständigen Betrag angewiesen bist.
  2. Lege fest, welchen Verlust du akzeptieren könntest. Wenn ein zwischenzeitlicher oder endgültiger Kapitalverlust ausgeschlossen werden soll, ist dieser Punkt für die Auswahl entscheidend.
  3. Vergleiche bei Festgeld die Einlagensicherung und bei Anleihen die Bonität des Emittenten. Beides ist nicht dasselbe.
  4. Vergleiche echte Renditen statt Werbezinsen. Bei Anleihen zählt die Rendite bis zur Fälligkeit, bei Festgeld der tatsächlich vereinbarte Zinssatz.
  5. Berücksichtige Verfügbarkeit und Kosten. Ein höherer Zinssatz hilft wenig, wenn du das Geld zum falschen Zeitpunkt benötigst oder Handelskosten den Renditevorteil auffressen.

Diese Reihenfolge verhindert einen typischen Fehler: Zuerst ein attraktives Angebot zu finden und anschließend nach Argumenten zu suchen, warum es zur eigenen Situation passen könnte.

Festgeld und Anleihen müssen sich nicht ausschließen

Die Entscheidung muss nicht zwingend „entweder oder“ lauten. Bei größeren Beträgen können beide Anlageformen unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Ein Teil des Geldes kann beispielsweise über Tages- oder Festgeld sehr planbar bereitgehalten werden, während ein anderer Teil in kurz- oder mittelfristigen Anleihen steckt. Wer sehr sicherheitsorientiert ist, kann dabei den Schwerpunkt auf Festgeld und bonitätsstarke Emittenten legen.

Eine Aufteilung kann außerdem helfen, unterschiedliche Fälligkeiten zu erzeugen. Dadurch wird nicht das gesamte Kapital gleichzeitig gebunden und du bist weniger davon abhängig, wie das Zinsniveau an einem einzigen zukünftigen Termin aussieht.

Entscheidend bleibt jedoch, dass jede Anlage innerhalb des Gesamtkonzepts eine klare Aufgabe besitzt. Ein Sammelsurium verschiedener Produkte erhöht nicht automatisch die Diversifikation, wenn ihre Risiken vorher nicht verstanden wurden.

Fazit: Festgeld gewinnt bei Planbarkeit, Anleihen bei Gestaltungsmöglichkeiten

Für Anleger, die einen bestimmten Betrag zu einem festgelegten Zeitpunkt möglichst planbar zurückhaben möchten und innerhalb der Einlagensicherungsgrenzen bleiben, ist Festgeld häufig die einfachere Wahl. Es gibt keine laufenden Börsenkurse, keine Renditeberechnung über Kaufpreise und normalerweise kaum Verwaltungsaufwand.

Anleihen bieten dafür deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Laufzeit, Emittent, Bonität und Rendite lassen sich gezielt auswählen, und viele Papiere können vor Fälligkeit verkauft werden. Dieser Vorteil geht mit Kurs-, Bonitäts- und gegebenenfalls zusätzlichen Währungs- oder Liquiditätsrisiken einher.

Die bessere Anlage ist daher diejenige, deren Eigenschaften zu deinem konkreten Verwendungszweck passen. Geld, das in zwei Jahren sicher benötigt wird, stellt andere Anforderungen als Kapital, das über viele Jahre flexibel angelegt werden kann. Wer diese Frage zuerst beantwortet, kann Festgeld und Anleihen wesentlich sinnvoller vergleichen als mit einem bloßen Blick auf den höchsten Zinssatz.

Häufige Fragen zu Anleihen oder Festgeld

Festgeld und Anleihen wirken ähnlich, weil beide regelmäßig im Zusammenhang mit verzinslichen und eher defensiven Geldanlagen genannt werden. Bei Sicherheit, Verfügbarkeit und Renditeberechnung bestehen jedoch wesentliche Unterschiede.

Was ist sicherer: Festgeld oder Anleihen?

Festgeld innerhalb einer gesetzlichen Einlagensicherung bietet für viele Privatanleger einen besonders klaren Schutzrahmen. Bei Anleihen hängt die Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des jeweiligen Emittenten ab. Eine sehr bonitätsstarke Staatsanleihe ist daher anders zu bewerten als eine Unternehmensanleihe mit schwacher Bonität.

Sind deutsche Staatsanleihen genauso sicher wie Festgeld?

Es handelt sich um zwei unterschiedliche Sicherheitsmechanismen. Festgeld kann bis zu den gesetzlichen Grenzen von einer Einlagensicherung geschützt sein, während eine Bundesanleihe eine Forderung gegenüber der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Bundeswertpapiere gelten als sehr bonitätsstark, unterliegen aber nicht der gesetzlichen Einlagensicherung für Bankeinlagen.

Kann ich eine Anleihe jederzeit verkaufen?

Viele börsennotierte Anleihen lassen sich während der Handelszeiten verkaufen. Ein Verkauf zum gewünschten Preis ist damit jedoch nicht garantiert. Bei ungünstiger Kursentwicklung oder geringer Liquidität kann der erzielbare Betrag unter deinem ursprünglichen Kaufpreis liegen.

Kann ich Festgeld vorzeitig kündigen?

Klassisches Festgeld ist grundsätzlich für eine fest vereinbarte Laufzeit gedacht. Eine vorzeitige Verfügung ist häufig ausgeschlossen oder nur in besonderen Situationen möglich. Deshalb sollte dort kein Geld angelegt werden, das möglicherweise kurzfristig benötigt wird.

Warum kann eine Anleihe trotz festem Zinssatz an Wert verlieren?

Der Kupon einer klassischen Anleihe kann unverändert bleiben, während sich ihr Börsenkurs verändert. Steigt das allgemeine Zinsniveau, werden ältere Anleihen mit niedrigeren Zinsen häufig weniger attraktiv und ihr Kurs kann fallen. Bei langer Restlaufzeit sind solche Kursschwankungen meist stärker.

Sollte ich lieber eine Anleihe mit hohem Kupon kaufen?

Nicht allein wegen des Kupons. Entscheidend sind Kaufkurs, Restlaufzeit, Rückzahlungsbetrag und Bonität des Emittenten. Eine Anleihe mit fünf Prozent Kupon kann bei einem hohen Kaufkurs eine niedrigere Rendite besitzen als ein Papier mit drei Prozent Kupon.

Was ist besser, wenn ich das Geld in zwei Jahren brauche?

Wenn du zu einem bestimmten Termin auf den vollständigen Betrag angewiesen bist, spricht viel für eine Anlage, deren Laufzeit genau zu diesem Termin passt und bei der du kein Kursrisiko beim vorzeitigen Verkauf tragen musst. Passendes Festgeld kann dafür gut geeignet sein. Auch eine Anleihe mit entsprechender Fälligkeit kann infrage kommen, sofern du das Emittentenrisiko verstehst und bis zur Rückzahlung halten kannst.

Kann ich Festgeld und Anleihen kombinieren?

Ja. Beide Anlagen können unterschiedliche Funktionen übernehmen. Festgeld kann beispielsweise für besonders planbare Rücklagen eingesetzt werden, während Anleihen für einen anderen Teil des Vermögens mehr Laufzeiten und Handelbarkeit ermöglichen. Die Aufteilung sollte sich am Geldbedarf und an der persönlichen Risikotoleranz orientieren.

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Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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