Staatsanleihen stehen in vielen Portfolios für den ruhigen Teil der Geldanlage. Gerade Bundesanleihen werden häufig nahezu selbstverständlich mit Sicherheit verbunden. Ganz falsch ist das nicht: Bei einem finanziell starken Staat kann das Risiko eines Zahlungsausfalls sehr gering sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass Anleger mit einer Staatsanleihe grundsätzlich kein Geld verlieren können.
Entscheidend ist, welche Art von Sicherheit gemeint ist. Ein Staat kann Zinsen und Rückzahlung vertragsgemäß leisten, während der Börsenkurs seiner Anleihe zwischenzeitlich deutlich fällt. Eine Anleihe kann nominal vollständig zurückgezahlt werden und trotzdem real Kaufkraft verlieren. Bei ausländischen Staatsanleihen kann zusätzlich der Wechselkurs einen großen Teil der Rendite aufzehren.
Die passende Antwort lautet deshalb: Staatsanleihen können zu den sichersten Wertpapieren überhaupt gehören – aber nicht jede Staatsanleihe ist sicher und nicht jedes Risiko verschwindet durch eine hohe Bonität des Staates. Wer Sicherheit beurteilen möchte, muss mindestens Emittent, Laufzeit, Währung und geplante Haltedauer betrachten.
Warum Staatsanleihen überhaupt als sicher gelten
Eine Staatsanleihe ist zunächst nichts anderes als ein Kredit an einen Staat. Anleger stellen dem jeweiligen Staat Kapital zur Verfügung. Dafür erhalten sie – abhängig von der Ausgestaltung – regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit normalerweise den vereinbarten Nennwert zurück.
Der wesentliche Unterschied zu einer Unternehmensanleihe liegt im Schuldner. Staaten verfügen über Steuereinnahmen, staatliches Vermögen und die Möglichkeit, ihre Einnahmen und Ausgaben über politische Entscheidungen zu beeinflussen. Staaten mit einer leistungsfähigen Volkswirtschaft, stabilen Institutionen und tragfähigen Staatsfinanzen können deshalb eine sehr hohe Kreditwürdigkeit besitzen.
Bei deutschen Bundeswertpapieren wird das Risiko eines Zahlungsausfalls beispielsweise als äußerst gering angesehen. Trotzdem ist eine Bundesanleihe kein Bankguthaben und unterliegt auch nicht der gesetzlichen Einlagensicherung. Anleger besitzen vielmehr eine Forderung unmittelbar gegenüber der Bundesrepublik Deutschland.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Bei Tages- oder Festgeld steht zunächst die Bank für die Rückzahlung ein; gesetzlich geschützte Einlagen sind darüber hinaus bis zu bestimmten Grenzen abgesichert. Bei einer Bundesanleihe hängt die Rückzahlung dagegen von der Zahlungsfähigkeit Deutschlands als Emittent ab.
Staatsanleihen sind nur so sicher wie der Staat dahinter
Der Begriff „Staatsanleihe“ sagt für sich genommen wenig über das tatsächliche Risiko aus. Eine Anleihe eines wirtschaftlich starken Staates mit hoher Bonität ist nicht mit der Anleihe eines Landes vergleichbar, das unter hoher Verschuldung, politischer Instabilität oder einem Mangel an Devisen leidet.
Ratingagenturen versuchen, dieses sogenannte Emittenten- oder Bonitätsrisiko zu bewerten. Sie untersuchen unter anderem Wirtschaftsleistung, Verschuldung, politische Stabilität und die Fähigkeit eines Staates, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Sehr gute Ratings deuten auf ein geringes erwartetes Ausfallrisiko hin. Sie sind jedoch keine Garantie.
Gerade bei Staatsanleihen zeigt sich deshalb ein grundlegendes Prinzip der Geldanlage: Eine deutlich höhere Rendite gibt es normalerweise nicht ohne Grund. Muss ein Staat für seine Anleihen erheblich mehr Zinsen zahlen als andere Länder mit vergleichbarer Laufzeit, verlangt der Markt häufig eine zusätzliche Entschädigung für Risiken.
Eine Staatsanleihe mit beispielsweise 7 Prozent Rendite ist daher nicht automatisch attraktiver als eine Bundesanleihe mit deutlich niedrigerer Rendite. Die entscheidende Frage lautet, warum Anleger diese 7 Prozent verlangen. Dahinter können höhere Inflation, schlechtere Staatsfinanzen, politische Unsicherheit, eine schwache Währung oder ein erhöhtes Ausfallrisiko stehen.
Können Staaten tatsächlich ihre Anleihen nicht zurückzahlen?
Staatspleiten sind keineswegs nur theoretische Ereignisse. Staaten können Zahlungen einstellen, Laufzeiten verlängern, Zinssätze verändern oder Gläubiger im Rahmen einer Umschuldung zu einem Forderungsverzicht zwingen.
Ein besonders bekanntes Beispiel innerhalb Europas ist Griechenland. Während der Staatsschuldenkrise wurden 2012 griechische Staatsanleihen privater Gläubiger umfangreich restrukturiert. Anleger mussten einen erheblichen nominellen Forderungsverzicht hinnehmen. Das Beispiel zeigt, dass selbst Staatsanleihen innerhalb des Euroraums nicht grundsätzlich frei von Ausfall- oder Restrukturierungsrisiken sind.
Allerdings lässt sich dieses Risiko nicht pauschal auf alle Staaten übertragen. Zwischen einer Bundesanleihe und der Anleihe eines hoch verschuldeten Schwellenlandes können hinsichtlich Bonität, Liquidität und politischer Stabilität erhebliche Unterschiede bestehen.
Auch die häufige Aussage, ein Staat könne einfach neues Geld schaffen und deshalb niemals zahlungsunfähig werden, greift zu kurz. Ein Staat mit eigener Währung besitzt zwar andere Möglichkeiten als ein Unternehmen oder ein Staat ohne vollständige Kontrolle über seine Währung. Geldschöpfung löst jedoch nicht automatisch wirtschaftliche Probleme. Im Extremfall verlagert sich das Risiko von einem nominellen Zahlungsausfall hin zu Inflation und Währungsabwertung.
Für Anleger zählt letztlich nicht nur, ob sie beispielsweise 10.000 Währungseinheiten zurückerhalten. Entscheidend ist auch, was sie sich von diesem Geld anschließend noch kaufen können.
Die sechs Risiken, die Anleger auseinanderhalten sollten
„Sicher“ ist bei Staatsanleihen keine einzelne Eigenschaft. Verschiedene Risiken wirken unabhängig voneinander und können sich gegenseitig verstärken.
| Risiko | Was dahintersteckt | Wann es besonders wichtig wird |
|---|---|---|
| Ausfallrisiko | Der Staat zahlt Zinsen oder Kapital nicht vollständig zurück | bei Staaten mit schwacher Bonität |
| Zinsänderungsrisiko | Steigende Marktzinsen lassen bestehende Anleihekurse fallen | vor allem bei langen Laufzeiten |
| Inflationsrisiko | Die Kaufkraft von Zinsen und Rückzahlung sinkt | bei langer Laufzeit und hoher Inflation |
| Währungsrisiko | Wechselkurse verändern den Wert für Euro-Anleger | bei Anleihen in Fremdwährungen |
| Liquiditätsrisiko | Verkauf ist nur mit Preisabschlägen möglich | bei kleinen oder wenig gehandelten Märkten |
| Wiederanlagerisiko | Frei werdendes Geld kann später nur niedriger verzinst werden | bei kurzen Laufzeiten und fallenden Zinsen |
Die Bonität des Staates beantwortet damit lediglich einen Teil der Sicherheitsfrage. Selbst bei praktisch unveränderter Zahlungsfähigkeit kann eine langfristige Staatsanleihe zeitweise deutlich im Minus liegen.
Warum eine sichere Staatsanleihe 10 Prozent im Kurs verlieren kann
Das Zinsänderungsrisiko gehört zu den häufigsten Missverständnissen bei Anleihen. Steigen die Marktzinsen, verlieren bereits existierende Anleihen mit niedrigeren Zinsen an Attraktivität. Ihr Börsenkurs muss sinken, damit ihre Rendite wieder konkurrenzfähig wird.
Ein vereinfachtes Beispiel macht den Effekt sichtbar. Angenommen, du kaufst eine Staatsanleihe mit 10.000 Euro Nennwert, zehn Jahren Restlaufzeit und einem jährlichen Kupon von 2 Prozent. Du erhältst also 200 Euro Zinsen pro Jahr.
Kurz danach steigt die am Markt verlangte Rendite für vergleichbare Anleihen auf 3 Prozent. Neue Käufer würden kaum 10.000 Euro für deine Anleihe bezahlen, wenn neue Papiere unter vergleichbaren Bedingungen eine höhere Verzinsung bieten. Rechnerisch müsste der Kurs der alten Anleihe auf ungefähr 9.150 Euro fallen, damit ihre zukünftigen Zahlungen zur neuen Marktrendite passen.
Auf dem Depot könnte damit plötzlich ein Minus von rund 850 Euro beziehungsweise etwa 8,5 Prozent stehen – obwohl sich an der Zahlungsfähigkeit des Staates überhaupt nichts geändert hat.
Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe ist, desto stärker reagiert ihr Kurs normalerweise auf Änderungen des Marktzinses. Eine ein- oder zweijährige Staatsanleihe schwankt deshalb in der Regel wesentlich weniger als eine Anleihe mit zwanzig oder dreißig Jahren Restlaufzeit.
Halten bis zur Fälligkeit verändert die Risikobetrachtung
Der Kursverlust aus dem Beispiel ist für einen Anleger besonders relevant, wenn er die Anleihe vorzeitig verkaufen muss. Wer das Papier dagegen bis zur Fälligkeit halten kann und der Staat sämtliche Verpflichtungen erfüllt, bekommt den vereinbarten Nennwert zurück.
Bei einer klassischen Anleihe kann das zwischenzeitliche Kursrisiko deshalb erheblich an Bedeutung verlieren, wenn Laufzeit und persönlicher Anlagehorizont zusammenpassen. Der Börsenkurs kann zwischenzeitlich bei 95, 90 oder auch noch niedriger liegen – für die vertragsgemäße Rückzahlung am Fälligkeitstag ist dieser Börsenkurs zunächst unerheblich.
Das bedeutet allerdings nicht, dass durch das Halten automatisch jedes Risiko verschwindet. Die Inflation kann die Kaufkraft reduzieren. Ein unerwarteter finanzieller Bedarf kann einen vorzeitigen Verkauf erzwingen. Und sollte sich die Bonität des Staates tatsächlich so stark verschlechtern, dass eine Umschuldung oder ein Zahlungsausfall eintritt, schützt auch das geplante Halten bis zur Fälligkeit nicht.
Außerdem spielt der Kaufkurs eine Rolle. Wer eine Anleihe beispielsweise zu 105 Prozent des Nennwerts kauft, bezahlt für 10.000 Euro Nennwert 10.500 Euro. Bei Fälligkeit werden trotzdem nur 10.000 Euro Nennwert zurückgezahlt. Der Unterschied muss deshalb bereits bei der Berechnung der tatsächlichen Rendite berücksichtigt werden.
Genau deshalb ist die Rendite bis zur Fälligkeit für den Vergleich von Anleihen meist aussagekräftiger als der aufgedruckte Kupon.
Ein hoher Kupon bedeutet nicht automatisch eine hohe Rendite
Bei älteren Anleihen können Kupon und tatsächliche Rendite erheblich auseinanderliegen. Eine Staatsanleihe mit 4 Prozent Kupon kann bei einem hohen Börsenkurs weniger als 4 Prozent Rendite bringen. Umgekehrt kann eine Anleihe mit nur 1 Prozent Kupon interessant sein, wenn sie deutlich unter ihrem Nennwert gehandelt wird.
Angenommen, eine Anleihe mit 10.000 Euro Nennwert zahlt jährlich 400 Euro Zinsen. Wird sie jedoch für 11.000 Euro gekauft und später nur zu 10.000 Euro zurückgezahlt, geht ein Teil der Zinseinnahmen durch diesen Kursverlust wieder verloren.
Wer Staatsanleihen vergleicht, sollte sich daher nicht vom Kupon leiten lassen. Ausschlaggebend sind Kaufkurs, Restlaufzeit, sämtliche zukünftigen Zahlungen und daraus abgeleitet die Rendite bis zur Fälligkeit.
Dieser Punkt wird besonders wichtig, wenn Anleihen am Sekundärmarkt gekauft werden und nicht unmittelbar bei ihrer Emission.
Inflation kann eine nominal sichere Anlage real zum Verlustgeschäft machen
Selbst eine vollständig zurückgezahlte Staatsanleihe kann wirtschaftlich einen Verlust verursachen. Der Grund ist die Inflation.
Erzielst du mit einer Anleihe beispielsweise 2 Prozent Rendite pro Jahr und die Verbraucherpreise steigen gleichzeitig durchschnittlich um 3 Prozent, wächst dein Vermögen zwar nominal. Seine Kaufkraft nimmt jedoch tendenziell ab. Vereinfacht liegt die reale Rendite vor Steuern in diesem Fall bei ungefähr minus 1 Prozent.
Bei sehr langen Laufzeiten kann dieser Effekt erheblich werden. 10.000 Euro besitzen bei einer durchschnittlichen Inflation von 2,5 Prozent nach zehn Jahren nur noch eine heutige Kaufkraft von ungefähr 7.800 Euro. Die erhaltenen Zinsen müssen deshalb ebenfalls berücksichtigt werden, wenn die tatsächliche reale Rendite beurteilt wird.
Für langfristige Anleger ist die Frage „Bekomme ich mein Geld zurück?“ daher zu eng. Mindestens ebenso wichtig lautet die Frage: Welche Kaufkraft hat das zurückgezahlte Geld dann noch?
Es existieren auch inflationsindexierte Staatsanleihen, deren Zahlungen teilweise an einen Preisindex gekoppelt sind. Sie können das Inflationsrisiko anders verteilen als klassische festverzinsliche Staatsanleihen, besitzen aber weiterhin Kursrisiken und sollten nicht mit einer vollkommen schwankungsfreien Anlage verwechselt werden.
Fremdwährungsanleihen können aus einer sicheren Anleihe eine riskante Euro-Anlage machen
Eine amerikanische Staatsanleihe kann beispielsweise hinsichtlich ihres Emittenten sehr solide erscheinen. Für einen deutschen Anleger zählt jedoch nicht allein die Entwicklung in US-Dollar.
Kaufst du eine Anleihe für umgerechnet 10.000 Euro und der Dollar verliert während deiner Haltedauer 10 Prozent gegenüber dem Euro, kann der Wechselkurs einen erheblichen Teil deiner Zinserträge vernichten. Bei einer stärkeren Währungsbewegung kann trotz pünktlicher Zinszahlungen sogar ein Verlust in Euro entstehen.
Umgekehrt kann ein stärkerer Dollar die Rendite erhöhen. Das macht Fremdwährungsanleihen jedoch nicht automatisch attraktiver – es ergänzt die Anlage lediglich um eine weitere Quelle für Gewinne und Verluste.
Wer den defensiven Teil seines Vermögens möglichst kalkulierbar halten möchte, sollte deshalb unterscheiden zwischen Sicherheit in der Anleihewährung und Sicherheit aus Sicht eines Euro-Anlegers.
Bei Staatsanleihen aus dem Euroraum entfällt für deutsche Anleger dieses unmittelbare Wechselkursrisiko. Dafür unterscheiden sich weiterhin Bonität, Rendite, Verschuldung und wirtschaftliche Situation der einzelnen Staaten.
Kurze und lange Staatsanleihen erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Die Laufzeit ist bei Staatsanleihen mehr als eine Detailfrage. Sie beeinflusst maßgeblich, wie stark der Kurs auf Veränderungen der Marktzinsen reagiert.
Kurz laufende Staatsanleihen eignen sich eher für Anleger, die ihr Kapital innerhalb überschaubarer Zeiträume wieder benötigen und größere Kursschwankungen vermeiden möchten. Wird beispielsweise in zwei Jahren Geld für einen Immobilienkauf benötigt, passt eine zwanzigjährige Staatsanleihe trotz guter Bonität normalerweise schlecht zu diesem Ziel.
Lang laufende Anleihen bieten dagegen die Möglichkeit, das aktuelle Renditeniveau für einen längeren Zeitraum festzuschreiben. Gleichzeitig reagieren ihre Kurse stärker auf Zinsänderungen. Sinkende Marktzinsen können deutliche Kursgewinne erzeugen, steigende Zinsen entsprechend deutliche Verluste.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Welche Laufzeit bringt gerade die höchste Rendite?“ Sinnvoller ist: Wann benötige ich das Geld voraussichtlich wieder, und kann ich die Anleihe bis dahin halten?
Bundesanleihen: sehr geringes Ausfallrisiko heißt nicht schwankungsfrei
Deutsche Bundeswertpapiere gehören aus Sicht des Emittentenrisikos zu den besonders defensiven Anleihen. Für ihre Rückzahlung steht die Bundesrepublik Deutschland ein. Dadurch werden sie an den internationalen Kapitalmärkten häufig als Referenz für sehr sichere Euro-Anlagen genutzt.
Trotzdem können auch Bundesanleihen erhebliche Kursschwankungen zeigen. Besonders langfristige Bundesanleihen reagieren empfindlich auf Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus. Ein Anleger, der eine dreißigjährige Bundesanleihe kauft und kurze Zeit später verkaufen möchte, kann deshalb trotz der hohen Kreditwürdigkeit Deutschlands einen deutlichen Kursverlust erleiden.
Kurz laufende Bundeswertpapiere besitzen dagegen typischerweise wesentlich geringere Zinsänderungsrisiken. Wer eine Laufzeit auswählt, die zum geplanten Zeitpunkt des Kapitalbedarfs passt, kann das praktische Kursrisiko erheblich reduzieren.
Das zeigt, warum Aussagen wie „Bundesanleihen sind sicher“ zwar eine richtige Richtung haben, aber unvollständig sind. Präziser wäre: Das Ausfallrisiko von Bundeswertpapieren ist sehr gering. Ihr Marktwert kann während der Laufzeit trotzdem schwanken.
Staatsanleihen oder Festgeld: Sicherheit funktioniert unterschiedlich
Staatsanleihen und Festgeld können beide für defensiv angelegtes Kapital interessant sein, funktionieren jedoch grundlegend verschieden.
Beim Festgeld steht die vereinbarte Verzinsung für eine feste Laufzeit fest. Innerhalb der gesetzlichen Sicherungsgrenzen schützt die Einlagensicherung Bankguthaben zusätzlich gegen eine Zahlungsunfähigkeit des Kreditinstituts. Ein laufender Börsenkurs existiert nicht. Dafür lässt sich das Geld während der Laufzeit normalerweise nicht oder nur unter besonderen Bedingungen zurückholen.
Eine börsengehandelte Staatsanleihe kann dagegen grundsätzlich vor ihrer Fälligkeit verkauft werden. Der tatsächliche Verkaufspreis steht jedoch nicht fest. Steigen die Marktzinsen, kann er unter dem ursprünglichen Kaufpreis liegen.
Dadurch entsteht ein interessanter Unterschied: Festgeld ist während der Laufzeit häufig weniger flexibel, bietet dafür aber einen klar kalkulierbaren Rückzahlungsbetrag. Eine Staatsanleihe ist handelbar, doch diese Flexibilität ist mit einem Marktpreis verbunden.
Ob eine Anleihe oder Festgeld besser passt, hängt deshalb vor allem von gewünschter Laufzeit, Liquidität und Risikostruktur ab. Ein reiner Vergleich der aktuellen Zinssätze greift zu kurz.
Einzelne Staatsanleihe und Anleihen-ETF sind nicht dasselbe
Ein besonders häufig übersehener Unterschied besteht zwischen einer einzelnen Staatsanleihe und einem Staatsanleihen-ETF.
Bei einer einzelnen Anleihe gibt es einen konkreten Fälligkeitstag. Hältst du das Papier bis dahin und der Emittent zahlt vertragsgemäß, erhältst du den vorgesehenen Nennwert zurück. Dadurch kann sich ein zwischenzeitlicher Kursverlust mit Annäherung an die Fälligkeit wieder zurückbilden.
Ein klassischer Anleihen-ETF besitzt dagegen normalerweise keine gemeinsame Fälligkeit. Auslaufende Anleihen werden regelmäßig durch neue Papiere ersetzt. Das Portfolio bleibt dadurch dauerhaft einem bestimmten Laufzeit- und Zinsänderungsrisiko ausgesetzt.
Ein Minus von 10 Prozent in einem Anleihen-ETF lässt sich deshalb nicht mit der einfachen Aussage erklären, man müsse lediglich bis zum Fälligkeitstag warten. Einen einzigen Fälligkeitstag für das gesamte Portfolio gibt es nicht.
Dafür bietet ein ETF eine wesentlich breitere Streuung. Bei einem Fonds mit Staatsanleihen verschiedener Länder verteilt sich das Emittentenrisiko. Ob diese Diversifikation wichtiger ist als die Planbarkeit einer einzelnen Anleihe, hängt vom Anlageziel ab.
Wann hohe Staatsanleiherenditen ein Warnsignal sein können
Eine der gefährlichsten Fehlannahmen besteht darin, Staatsanleihen grundsätzlich als sichere Anlageklasse zu betrachten und anschließend einfach das Land mit der höchsten Rendite auszuwählen.
Hohe Renditen können entstehen, weil Anleger eine höhere Entschädigung für Kreditrisiken verlangen. Sie können auch hohe erwartete Inflation, politische Unsicherheit oder erhebliche Währungsrisiken widerspiegeln.
Liegt die Rendite einer Staatsanleihe beispielsweise bei 9 Prozent, während besonders kreditwürdige Staaten für vergleichbare Laufzeiten nur einen Bruchteil davon zahlen müssen, sollte die erste Reaktion deshalb nicht Begeisterung sein. Die wichtigere Frage lautet: Welches zusätzliche Risiko bezahlt der Markt hier mit?
Dabei genügt es nicht, ausschließlich auf das aktuelle Rating zu schauen. Auch dessen Entwicklung, Haushaltsdefizite, Staatsverschuldung, wirtschaftliche Perspektiven und politische Rahmenbedingungen können wichtig sein.
Bei Fremdwährungsanleihen kommt hinzu, dass ein hoher Nominalzins teilweise lediglich hohe Inflation oder erwartete Abwertung der jeweiligen Landeswährung ausgleicht.
Was bei einer Staatsanleihe vor dem Kauf geprüft werden sollte
Wer einzelne Staatsanleihen kauft, muss keine umfangreiche volkswirtschaftliche Analyse durchführen. Einige grundlegende Fragen sollten jedoch beantwortet sein.
Checkliste: Staatsanleihe vor dem Kauf prüfen
- Emittent prüfen: Welcher Staat schuldet mir tatsächlich das Geld und wie solide ist dessen Bonität?
- Währung kontrollieren: Lautet die Anleihe auf Euro oder entsteht zusätzlich ein Wechselkursrisiko?
- Restlaufzeit passend wählen: Kann ich das Geld voraussichtlich bis zur Fälligkeit entbehren?
- Rendite statt Kupon vergleichen: Welche Rendite bis zur Fälligkeit ergibt sich aus aktuellem Kaufkurs und Zahlungen?
- Kosten berücksichtigen: Welche Order-, Börsen- und Depotkosten entstehen und wie stark reduzieren sie die Rendite?
- Inflation mitdenken: Welche reale Rendite bleibt nach Preissteigerungen voraussichtlich übrig?
- Verkaufsrisiko akzeptieren: Könnte ein vorzeitiger Verkauf notwendig werden und welche Kursschwankungen wären dann verkraftbar?
Gerade bei kleineren Anlagebeträgen können Transaktionskosten eine scheinbar attraktive Rendite spürbar reduzieren. Wer beispielsweise nur 1.000 Euro investiert und für Kauf und späteren Verkauf zusammen 20 Euro bezahlt, verliert allein dadurch bereits 2 Prozent des eingesetzten Kapitals.
Steuern reduzieren die Nettorendite zusätzlich
Zinsen und realisierte Kursgewinne aus Staatsanleihen zählen bei Privatanlegern grundsätzlich zu den Kapitalerträgen. Deshalb sollte eine angegebene Bruttorendite nicht mit dem tatsächlich verfügbaren Ertrag verwechselt werden.
Für private Anleger in Deutschland gilt grundsätzlich die Kapitalertragsteuer beziehungsweise Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag kann einen Teil der Kapitalerträge steuerfrei stellen. Erst oberhalb des noch verfügbaren Freibetrags wirkt sich die Besteuerung auf die Nettorendite aus.
Gerade bei niedrig verzinsten Anleihen kann der Unterschied zwischen nominaler Rendite, Rendite nach Steuern und realer Rendite nach Inflation erheblich sein. Eine Staatsanleihe mit positivem Zins kann deshalb nach Steuern und Kaufkraftverlust real trotzdem kaum Vermögenszuwachs erzeugen.
Das ist kein Argument gegen Staatsanleihen. Es zeigt lediglich, dass ihre Funktion häufig stärker in Stabilität, planbaren Zahlungsströmen und Diversifikation liegt als in maximaler Rendite.
Für welchen Teil des Vermögens Staatsanleihen sinnvoll sein können
Staatsanleihen können einen defensiven Baustein eines Portfolios bilden. Welche Anleihen dafür geeignet sind, hängt allerdings vom Zweck des Geldes ab.
Für Kapital, das zu einem festen zukünftigen Termin benötigt wird, können qualitativ hochwertige Staatsanleihen mit einer dazu passenden Fälligkeit interessant sein. Wer beispielsweise in vier Jahren über einen bestimmten Betrag verfügen möchte, kann gezielt Anleihen betrachten, deren Restlaufzeit ungefähr zu diesem Zeitraum passt.
In einem langfristigen Wertpapierportfolio können Staatsanleihen außerdem dazu beitragen, die Schwankungen gegenüber einem reinen Aktienportfolio zu verändern. Dabei sollte jedoch nicht erwartet werden, dass Anleihen unter allen Marktbedingungen automatisch steigen, sobald Aktien fallen. Besonders starke Zinsbewegungen können Aktien und Anleihen zeitweise gleichzeitig belasten.
Für den Notgroschen sind börsengehandelte Anleihen dagegen nur eingeschränkt ein Ersatz für jederzeit verfügbare Liquidität. Ein finanzieller Notfall lässt sich nicht auf den Fälligkeitstag einer Anleihe verschieben. Muss gerade in einer ungünstigen Marktphase verkauft werden, kann ein Kursverlust entstehen.
Sicherheit entsteht deshalb nicht allein durch die Wahl eines vermeintlich sicheren Produkts. Sie entsteht vor allem dadurch, dass Produkt, Laufzeit und Verwendungszweck des Geldes zusammenpassen.
Fazit: Staatsanleihen können sehr sicher sein – aber nie pauschal
Staatsanleihen gehören nicht automatisch zu einer einheitlich sicheren Anlageklasse. Eine kurz laufende Bundesanleihe in Euro besitzt aus Sicht eines deutschen Privatanlegers eine völlig andere Risikostruktur als eine langfristige Fremdwährungsanleihe eines hoch verschuldeten Staates. Beide heißen Staatsanleihe, finanziell sind sie jedoch kaum miteinander vergleichbar.
Bei Staaten mit sehr hoher Bonität kann das Ausfallrisiko ausgesprochen gering sein. Damit verschwinden jedoch weder Zinsänderungsrisiko noch Inflation. Bei Fremdwährungen kommt das Wechselkursrisiko hinzu. Und wer vor der Fälligkeit verkaufen muss, ist unabhängig von der Bonität des Staates vom aktuellen Börsenkurs abhängig.
Die wichtigste Sicherheitsregel lautet deshalb: Nicht zuerst nach der höchsten Rendite suchen, sondern zuerst definieren, welches Risiko vermieden werden soll und wann das investierte Geld wieder benötigt wird. Eine Staatsanleihe mit passender Laufzeit und hoher Bonität kann dann ein sehr defensiver Baustein sein. Das Etikett „Staatsanleihe“ allein reicht für diese Einschätzung nicht.
Häufige Fragen zu Staatsanleihen
Bei Staatsanleihen entstehen viele Missverständnisse dadurch, dass Ausfallsicherheit, Kurssicherheit und Kaufkrafterhalt miteinander vermischt werden. Die folgenden Fragen ordnen die wichtigsten Punkte noch einmal kompakt ein.
Kann man mit Staatsanleihen Geld verlieren?
Ja. Verluste können unter anderem durch einen Verkauf unter dem Kaufpreis, einen Zahlungsausfall oder eine Umschuldung des Staates sowie bei Fremdwährungsanleihen durch ungünstige Wechselkursbewegungen entstehen. Selbst bei vollständiger Rückzahlung kann Inflation zu einem realen Kaufkraftverlust führen.
Sind deutsche Staatsanleihen sicher?
Bundeswertpapiere besitzen ein sehr geringes Emittentenrisiko und zählen deshalb zu den defensivsten Euro-Anleihen. Ihr Börsenkurs kann während der Laufzeit trotzdem fallen, insbesondere bei langen Restlaufzeiten und steigenden Marktzinsen. Wer bis zur Fälligkeit hält, muss zwischenzeitliche Kursschwankungen normalerweise nicht realisieren, sofern Deutschland seinen Zahlungsverpflichtungen vollständig nachkommt.
Was passiert mit einer Staatsanleihe bei steigenden Zinsen?
Bestehende festverzinsliche Anleihen verlieren normalerweise an Marktwert, weil neu ausgegebene Anleihen attraktivere Zinsen bieten. Je länger die Restlaufzeit ist, desto stärker kann diese Kursreaktion ausfallen. Bei fallenden Marktzinsen funktioniert der Zusammenhang grundsätzlich umgekehrt.
Sind Staatsanleihen sicherer als Festgeld?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Festgeld innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung besitzt eine andere Sicherheitsstruktur als eine Staatsanleihe. Hochwertige Staatsanleihen können ein sehr geringes Ausfallrisiko besitzen, unterliegen beim vorzeitigen Verkauf jedoch Börsenkursschwankungen.
Sind Staatsanleihen bei einer Bankenpleite geschützt?
Eine über ein Depot gehaltene Staatsanleihe ist ein Wertpapier und kein klassisches Bankguthaben. Die verwahrende Bank ist außerdem nicht automatisch der Schuldner der Anleihe – der Anspruch richtet sich gegen den jeweiligen Staat. Entscheidend für die Rückzahlung bleibt deshalb grundsätzlich die Bonität des Emittenten.
Warum zahlen manche Staaten wesentlich höhere Zinsen?
Hohe Renditen können eine Entschädigung für größere Risiken darstellen. Dazu gehören schlechtere Bonität, hohe Inflation, unsichere Staatsfinanzen, politische Risiken oder eine schwache Währung. Ein ungewöhnlich hoher Zins sollte deshalb eher Anlass für eine genauere Prüfung als allein ein Kaufargument sein.
Was ist bei Staatsanleihen wichtiger: Kupon oder Rendite?
Für die Beurteilung eines Kaufs ist die Rendite bis zur Fälligkeit normalerweise aussagekräftiger. Der Kupon zeigt lediglich, welche Zinszahlung sich auf den Nennwert bezieht. Kaufst du eine Anleihe über oder unter ihrem Nennwert, kann die tatsächliche Rendite erheblich vom Kupon abweichen.
Sind Staatsanleihen-ETFs genauso sicher wie einzelne Staatsanleihen?
Nicht zwangsläufig. Ein klassischer Staatsanleihen-ETF hält viele Anleihen und bietet dadurch Diversifikation, besitzt aber meist keinen einheitlichen Fälligkeitstag. Sein Kurs bleibt daher dauerhaft vom Zinsniveau und von der Struktur des enthaltenen Anleiheportfolios abhängig.