Welche Versicherungen braucht man wirklich?
Wirklich wichtig sind Kranken- und Pflegeversicherung sowie für nahezu jeden eine private Haftpflichtversicherung. Für viele Erwerbstätige ist zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Weitere Versicherungen hängen von Familie, Beruf, Eigentum, Fahrzeugen und persönlichen Risiken ab.
Wirklich notwendig sind vor allem Versicherungen, die existenzbedrohende Risiken absichern. Neben der vorgeschriebenen Kranken- und Pflegeversicherung gehört für nahezu jeden Haushalt eine private Haftpflichtversicherung zur Grundabsicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für viele Erwerbstätige ebenfalls besonders wichtig. Weitere Policen wie Hausrat-, Wohngebäude-, Kfz-, Rechtsschutz- oder Tierhalterhaftpflichtversicherung werden dagegen erst durch die persönliche Lebenssituation relevant.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Versicherungen
Ein guter Versicherungsschutz besteht nicht darin, möglichst viele Verträge abzuschließen. Sinnvoll ist vielmehr, zuerst diejenigen Schäden abzusichern, die aus eigener finanzieller Kraft kaum oder gar nicht getragen werden könnten. Ein kaputtes Smartphone, eine kleinere Reparatur oder ein verlorener Gegenstand können ärgerlich und teuer sein. Solche Schäden bedrohen normalerweise aber nicht die finanzielle Existenz. Anders sieht es aus, wenn man einen anderen Menschen schwer verletzt, dauerhaft nicht mehr arbeiten kann oder das eigene Haus durch einen Brand erheblich beschädigt wird. Die finanziellen Folgen können in solchen Fällen sehr groß sein. Deshalb lässt sich der persönliche Versicherungsbedarf am besten mit einer einfachen Frage prüfen: Würde mich der mögliche Schaden finanziell ernsthaft überfordern? Je eindeutiger die Antwort „Ja“ lautet, desto wichtiger ist eine passende Absicherung.Kranken- und Pflegeversicherung gehören zur Pflichtabsicherung
Eine Krankenversicherung ist in Deutschland keine freiwillige Entscheidung. Personen mit Wohnsitz in Deutschland müssen grundsätzlich über einen Krankenversicherungsschutz verfügen. Abhängig von der persönlichen Situation erfolgt dieser über die gesetzliche oder private Krankenversicherung. Mit der Krankenversicherung ist auch die Pflegeversicherung verbunden. Gesetzlich Krankenversicherte gehören grundsätzlich zur sozialen Pflegeversicherung. Privat Krankenversicherte benötigen eine private Pflege-Pflichtversicherung. Diese Absicherung bildet damit die gesetzlich vorgeschriebene Grundlage. Zusätzliche private Krankenversicherungen – beispielsweise für Zahnersatz, Krankenhausleistungen oder andere Extras – sind davon zu unterscheiden. Sie können im Einzelfall sinnvoll sein, gehören aber nicht automatisch zur notwendigen Grundabsicherung.Eine private Haftpflichtversicherung ist für fast jeden wichtig
Die private Haftpflichtversicherung zählt zu den wichtigsten freiwilligen Versicherungen. Sie greift grundsätzlich dann, wenn Versicherte anderen schuldhaft einen Schaden zufügen und dafür haften müssen – soweit der Schaden vom Vertrag erfasst ist. Besonders wichtig ist der Schutz bei Personenschäden. Verursacht beispielsweise ein Radfahrer einen schweren Unfall und wird ein anderer Mensch dauerhaft gesundheitlich beeinträchtigt, können Behandlungskosten, Verdienstausfälle, Schmerzensgeld und weitere Forderungen erhebliche Summen erreichen. Eine solche Belastung lässt sich aus normalen Rücklagen kaum auffangen. Genau deshalb gehört die Privathaftpflicht für die meisten Menschen zur Grundabsicherung. Vor einem Neuabschluss sollte allerdings geprüft werden, ob bereits Versicherungsschutz besteht. Kinder und junge Erwachsene können unter bestimmten Voraussetzungen noch über einen Familientarif ihrer Eltern abgesichert sein. Auch Paare können häufig gemeinsam versichert werden. Entscheidend sind die Bedingungen des jeweiligen Vertrags.Berufsunfähigkeit kann das Einkommen langfristig gefährden
Für Menschen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend durch ihre eigene Arbeitskraft verdienen, kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung besonders wichtig sein. Fällt das Arbeitseinkommen aufgrund einer längerfristigen gesundheitlichen Einschränkung weg, entsteht nicht nur kurzfristig eine finanzielle Lücke. Im ungünstigsten Fall fehlt über viele Jahre ein wesentlicher Teil des Einkommens. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung soll dieses Risiko durch eine vereinbarte monatliche Rente absichern, wenn die vertraglichen Voraussetzungen für eine Berufsunfähigkeit erfüllt sind. Ob und zu welchen Konditionen ein Vertrag erhältlich ist, hängt unter anderem von Beruf, Alter, Gesundheitszustand, gewünschter Rentenhöhe und Tarif ab. Gesundheitsfragen sollten beim Antrag vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Gerade bei dieser Versicherung lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich auf den Beitrag zu schauen. Vertragsbedingungen, versicherte Rentenhöhe und die konkrete Ausgestaltung des Schutzes sind wesentlich.Welche Versicherungen zusätzlich sinnvoll sind, hängt vom Leben ab
Nach der Grundabsicherung entscheidet die persönliche Situation. Wer beispielsweise ein eigenes Haus besitzt, hat andere Risiken als jemand, der zur Miete in einer kleinen Wohnung lebt. Eine Familie benötigt möglicherweise einen anderen Schutz als ein alleinstehender Berufseinsteiger. Eine Hausratversicherung kann sinnvoll sein, wenn der Verlust des Hausrats durch versicherte Gefahren finanziell schwer aufzufangen wäre. Dabei sollte der Wert des vorhandenen Hausrats realistisch betrachtet werden. Wer nur wenige und vergleichsweise günstige Gegenstände besitzt und einen vollständigen Verlust problemlos aus Rücklagen ersetzen könnte, hat einen anderen Absicherungsbedarf als ein Haushalt mit umfangreicher und hochwertiger Einrichtung. Für Eigentümer eines Wohngebäudes ist die Wohngebäudeversicherung wesentlich wichtiger. Schäden am Gebäude können schnell hohe Kosten verursachen. Je nach Standort und persönlichem Risiko sollte außerdem geprüft werden, welche Naturgefahren beziehungsweise Elementargefahren abgesichert sind. Wer ein Kraftfahrzeug hält, benötigt die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung. Teil- oder Vollkaskoschutz ist dagegen eine individuelle Entscheidung und hängt unter anderem vom Fahrzeugwert, Alter des Autos und davon ab, welchen Schaden der Halter selbst tragen könnte. Auch eine Tierhalterhaftpflicht kann sehr wichtig sein. Bei bestimmten Tieren können erhebliche Haftungsrisiken entstehen. Für Hunde bestehen zudem je nach Bundesland unterschiedliche gesetzliche Vorgaben zur Versicherungspflicht. Deshalb sollte hier die am Wohnort geltende Regelung geprüft werden.Familien sollten auch den Ausfall eines Einkommens betrachten
Bei Familien oder Paaren mit größeren finanziellen Verpflichtungen kommt ein weiteres Risiko hinzu: Was passiert, wenn eine Person stirbt und ihr Einkommen dauerhaft wegfällt? Eine Risikolebensversicherung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn Angehörige finanziell von einer Person abhängig sind. Das betrifft beispielsweise Familien mit Kindern oder Paare, die gemeinsam einen Immobilienkredit bedienen. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob jemand verheiratet ist. Wichtiger ist die wirtschaftliche Abhängigkeit. Kann der verbleibende Partner laufende Kosten, Kredite und die Versorgung der Kinder nicht allein tragen, kann eine entsprechende Absicherung besonders relevant sein. Für Alleinstehende ohne finanziell abhängige Angehörige besteht dieses Risiko in dieser Form dagegen häufig nicht.Rechtsschutz ist nützlich, aber nicht für jeden unverzichtbar
Eine Rechtsschutzversicherung kann vor hohen Kosten bestimmter Rechtsstreitigkeiten schützen. Sie gehört jedoch nicht in derselben Weise zur Grundabsicherung wie eine Privathaftpflicht. Ob sie sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Lebensbereiche abgesichert werden sollen und wie hoch das persönliche finanzielle Risiko eingeschätzt wird. Je nach Tarif können beispielsweise Privat-, Berufs-, Verkehrs- oder Wohnrechtsschutz enthalten sein. Wichtig ist, vor Abschluss genau auf versicherte Rechtsbereiche, Ausschlüsse, Selbstbeteiligung und mögliche Wartezeiten zu achten. Nicht jeder Rechtsstreit ist automatisch versichert.Viele Zusatzversicherungen sind eher Komfort als Existenzschutz
Bei Handyversicherungen, Brillenversicherungen, Garantieverlängerungen und verschiedenen anderen Spezialpolicen sollte besonders kritisch geprüft werden, welches finanzielle Risiko tatsächlich abgesichert wird. Kann ein möglicher Schaden ohne größere Schwierigkeiten aus dem Notgroschen bezahlt werden, ist eine Versicherung nicht zwingend erforderlich. Versicherungen verursachen schließlich laufende Beiträge und enthalten Bedingungen, Ausschlüsse und teilweise Selbstbeteiligungen. Das bedeutet nicht, dass solche Policen grundsätzlich schlecht sind. Wer einen bestimmten Schutz bewusst wünscht, kann ihn abschließen. Bei einem begrenzten Versicherungsbudget sollten existenzielle Risiken jedoch Vorrang vor vergleichsweise kleinen Schäden haben.So lässt sich der eigene Versicherungsschutz sinnvoll ordnen
Statt einzelne Versicherungen isoliert zu betrachten, lohnt sich ein regelmäßiger Gesamtcheck. Zuerst sollten Pflichtversicherungen und existenzielle Risiken betrachtet werden. Anschließend kommen Risiken hinzu, die aufgrund der persönlichen Lebenssituation besonders relevant sind. Eine sinnvolle Reihenfolge kann daher so aussehen:- gesetzlich vorgeschriebene Absicherung sicherstellen,
- existenzbedrohende Haftungsrisiken absichern,
- die eigene Arbeitskraft beziehungsweise das Einkommen betrachten,
- große Vermögenswerte wie eine Immobilie schützen,
- Angehörige bei finanzieller Abhängigkeit absichern,
- erst danach Komfort- und Zusatzversicherungen prüfen.