Welche Versicherungen sind überflüssig?
Häufig überflüssig sind Versicherungen für kleine, selbst tragbare Schäden, etwa Handy-, Brillen-, Reisegepäck- oder manche Geräteversicherungen. Entscheidend ist, ob ein Schaden die eigene finanzielle Situation ernsthaft gefährden würde und ob das Risiko nicht bereits anderweitig abgesichert ist.
Überflüssig sind vor allem Versicherungen, die kleine und finanziell gut verkraftbare Schäden absichern oder Risiken abdecken, die bereits durch andere Verträge geschützt sind. Häufig verzichtbar sind beispielsweise separate Handyversicherungen, Reisegepäckversicherungen oder spezielle Brillenversicherungen. Entscheidend ist jedoch die persönliche Situation: Eine Versicherung ist nicht allein deshalb sinnvoll, weil ein Schaden möglich ist. Sie sollte vor allem vor finanziellen Folgen schützen, die man aus eigener Tasche nur schwer oder gar nicht tragen könnte.
Große Risiken sollten vor kleinen Schäden kommen
Eine einfache Regel hilft dabei, notwendige von eher überflüssigen Versicherungen zu unterscheiden: Je stärker ein Schaden die eigene finanzielle Existenz gefährden kann, desto wichtiger ist eine passende Absicherung. Verursacht man beispielsweise einen schweren Personenschaden, können daraus sehr hohe Schadenersatzforderungen entstehen. Deshalb gehört eine private Haftpflichtversicherung für die meisten Menschen zu den wichtigsten freiwilligen Versicherungen. Auch der Verlust der eigenen Arbeitskraft kann langfristig erhebliche finanzielle Folgen haben, weshalb eine Absicherung der Arbeitskraft je nach persönlicher Situation eine hohe Priorität haben kann. Anders sieht es bei einem beschädigten Smartphone, einer kaputten Brille oder verlorenem Reisegepäck aus. Solche Schäden können ärgerlich und teuer sein, führen aber normalerweise nicht zu einer existenziellen finanziellen Belastung. Wer ausreichend Rücklagen besitzt, kann solche Risiken häufig selbst tragen. Versicherungen sollten deshalb nicht möglichst viele denkbare Schäden abdecken. Sinnvoller ist es, zuerst die Risiken abzusichern, deren finanzielle Folgen den eigenen finanziellen Spielraum deutlich übersteigen könnten.Diese Versicherungen sind häufig verzichtbar
Einige Versicherungen decken sehr begrenzte Risiken ab und stehen deshalb bei der persönlichen Absicherung meist weit hinten auf der Prioritätenliste. Ob sie tatsächlich überflüssig sind, hängt trotzdem vom Einzelfall ab. Handy- oder Smartphoneversicherung: Sie schützt je nach Tarif beispielsweise bei Beschädigung, teilweise auch bei Diebstahl. Allerdings können Selbstbeteiligungen, Ausschlüsse und Leistungsgrenzen den Nutzen einschränken. Wer den Verlust oder die Reparatur eines Smartphones aus seinen Rücklagen bezahlen könnte, benötigt dafür nicht zwingend eine eigene Versicherung. Reisegepäckversicherung: Der Verlust von Gepäck kann unangenehm sein, stellt für die meisten Haushalte aber kein existenzielles finanzielles Risiko dar. Zudem sollte geprüft werden, ob bestimmte Schäden möglicherweise bereits über andere Versicherungen abgesichert sind. Für viele Reisende ist eine separate Reisegepäckversicherung daher von geringerer Bedeutung als beispielsweise eine Auslandsreisekrankenversicherung. Brillenversicherung: Solche Policen übernehmen abhängig vom Vertrag einen Teil der Kosten für eine neue Brille oder bestimmte Schäden. Wer eine Ersatzbrille selbst finanzieren kann, sollte genau vergleichen, wie viel Beitrag über mehrere Jahre anfällt und welche Leistungen tatsächlich übernommen werden. Geräte- und Elektronikversicherungen: Beim Kauf eines Fernsehers, Laptops oder anderer Elektronik werden häufig zusätzliche Versicherungen oder Garantieverlängerungen angeboten. Vor dem Abschluss lohnt sich die Frage, wie hoch der maximale finanzielle Verlust tatsächlich wäre. Ist ein Ersatz aus vorhandenen Rücklagen problemlos möglich, kann es sinnvoller sein, auf die laufenden Versicherungsbeiträge zu verzichten. Auch spezielle Policen für einzelne Alltagsrisiken – etwa Schlüsselverlust, bestimmte Freizeitgegenstände oder einzelne Haushaltsgeräte – sollten kritisch geprüft werden. Viele kleine Versicherungsverträge können zusammen erhebliche laufende Kosten verursachen.Auch eine grundsätzlich sinnvolle Versicherung kann überflüssig sein
Nicht nur die Versicherungsart entscheidet über den Nutzen. Auch Doppelversicherungen können unnötige Beiträge verursachen. Ein typisches Beispiel sind Familien- oder Partnertarife. Zieht ein Paar zusammen, bestehen möglicherweise zunächst zwei private Haftpflicht- oder Hausratversicherungen. Abhängig von den Vertragsbedingungen kann anschließend ein gemeinsamer Vertrag ausreichen. Ähnliches kann bei Reiseversicherungen passieren. Bestimmte Leistungen können beispielsweise bereits über eine Kreditkarte, einen Automobilclub oder einen bestehenden Versicherungsvertrag enthalten sein. Vor einem zusätzlichen Abschluss sollte deshalb geprüft werden, welcher Schutz bereits vorhanden ist und unter welchen Voraussetzungen er gilt. Besonders bei Versicherungen, die während einer Buchung oder eines Kaufs angeboten werden, lohnt sich ein kurzer Blick auf bestehende Verträge. Ein zusätzlicher Abschluss ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil er bequem mit wenigen Klicks möglich ist.Restschuldversicherungen besonders kritisch prüfen
Beim Abschluss eines Ratenkredits wird teilweise zusätzlich eine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung angeboten. Sie soll je nach Tarif beispielsweise bei Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit die Kreditraten oder die verbleibende Kreditschuld absichern. Ein solcher Schutz sollte nicht automatisch zusammen mit dem Kredit abgeschlossen werden. Entscheidend sind die Kosten, die versicherten Risiken, Wartezeiten, mögliche Ausschlüsse und bereits vorhandene Absicherungen. Wer beispielsweise bereits über ausreichende Rücklagen, eine Risikolebensversicherung oder eine andere geeignete Absicherung verfügt, benötigt möglicherweise keinen zusätzlichen Schutz für den Kredit. Vor einem Abschluss sollte deshalb geprüft werden, welches konkrete finanzielle Risiko überhaupt noch offenbleibt.Hausrat-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung sind nicht pauschal überflüssig
Bei einigen Versicherungen hängt die Bewertung besonders stark von der persönlichen Lebenssituation ab. Eine Hausratversicherung kann beispielsweise wichtiger werden, wenn sich im Haushalt hochwertige Möbel, Elektronik, Kleidung oder andere Gegenstände befinden und deren vollständiger Ersatz nach einem größeren Schaden die eigenen Rücklagen überfordern würde. Wer dagegen nur einen überschaubaren Hausrat besitzt und dessen Verlust finanziell verkraften könnte, kann den Nutzen anders bewerten. Auch eine Rechtsschutzversicherung ist keine Pflichtversicherung. Sie kann jedoch sinnvoll sein, wenn hohe Kosten eines Rechtsstreits ein relevantes finanzielles Risiko darstellen oder bestimmte Rechtsbereiche für den Versicherten besonders wichtig sind. Dabei kommt es stark auf den gewählten Leistungsumfang an. Ähnlich verhält es sich mit einer privaten Unfallversicherung. Sie kann insbesondere dann eine Rolle spielen, wenn die finanziellen Folgen schwerer dauerhafter Unfallfolgen nicht anderweitig ausreichend abgesichert sind. Sie ersetzt jedoch keine umfassende Absicherung der Arbeitskraft, da dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen nicht ausschließlich durch Unfälle entstehen. Diese Versicherungen pauschal als unnötig einzustufen, wäre daher zu einfach. Entscheidend sind Vermögen, Einkommen, familiäre Situation und bereits bestehender Versicherungsschutz.Kleine Schäden selbst zu bezahlen kann günstiger sein
Wer jeden denkbaren finanziellen Schaden versichert, zahlt zwangsläufig viele Beiträge. Gerade bei kleineren Risiken kann es sinnvoller sein, stattdessen ausreichend Rücklagen aufzubauen. Angenommen, mehrere kleinere Zusatzversicherungen kosten zusammen 25 Euro monatlich. Das entspricht 300 Euro im Jahr und 1.500 Euro innerhalb von fünf Jahren – sofern sich die Beiträge nicht verändern. Ob sich diese Ausgaben lohnen, hängt davon ab, welche Schäden tatsächlich versichert sind und welche Leistungen im Schadenfall gezahlt würden. Das bedeutet nicht, dass Versicherungen grundsätzlich vermieden werden sollten. Vielmehr sollte zwischen selbst tragbaren Schäden und finanziell gefährlichen Risiken unterschieden werden. Ein kaputtes Smartphone für einige hundert Euro lässt sich möglicherweise aus dem Notgroschen ersetzen. Schadenersatzforderungen nach einem schweren Unfall können dagegen Dimensionen erreichen, die sich nicht sinnvoll über Rücklagen absichern lassen. Genau für solche Risiken sind Versicherungen besonders wichtig.So lassen sich unnötige Versicherungen erkennen
Bei bestehenden Verträgen lohnt sich regelmäßig eine Bestandsaufnahme. Dabei sollte nicht nur geprüft werden, wie hoch der Beitrag ist, sondern vor allem, welches Risiko der jeweilige Vertrag tatsächlich absichert. Hilfreich sind dabei einige einfache Fragen:- Welcher maximale finanzielle Schaden soll abgesichert werden?
- Könnte ich diesen Schaden problemlos selbst bezahlen?
- Besteht das Risiko tatsächlich in meiner aktuellen Lebenssituation?
- Ist derselbe Schutz bereits in einem anderen Vertrag enthalten?
- Welche Selbstbeteiligungen, Ausschlüsse und Leistungsgrenzen gelten?
- Stehen Beitrag und möglicher Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis?