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Thesaurierend

Finanzlexikon A–ZThesaurierend
Thesaurierend bedeutet, dass erwirtschaftete Erträge einer Geldanlage nicht ausgeschüttet, sondern innerhalb der Anlage wieder investiert werden. Bei thesaurierenden ETFs und Investmentfonds verbleiben beispielsweise Dividenden und Zinserträge im Fondsvermögen. Dadurch können die wiederangelegten Erträge an zukünftigen Wertentwicklungen teilnehmen und langfristig zum Vermögensaufbau beitragen.
Auch bekannt als: Thesaurierung, ertragsansammelnd, gewinnthesaurierend, accumulating

Das Wichtigste in Kürze

  • Thesaurierende ETFs und Investmentfonds behalten erwirtschaftete Erträge im Fondsvermögen und legen sie automatisch wieder an.
  • Durch die Wiederanlage können auch bereits erwirtschaftete Erträge langfristig zusätzliche Renditen erzielen.
  • Die Anzahl der eigenen ETF-Anteile erhöht sich durch die fondsinterne Thesaurierung normalerweise nicht.
  • Auch thesaurierende ETFs können steuerpflichtige Erträge auslösen, beispielsweise durch die Vorabpauschale.
  • Thesaurierende Fonds eignen sich besonders für den langfristigen Vermögensaufbau, garantieren jedoch weder Gewinne noch eine höhere Gesamtrendite als vergleichbare ausschüttende Fonds.

Thesaurierend bedeutet bei einer Geldanlage, dass erwirtschaftete Erträge nicht an die Anleger ausgezahlt, sondern innerhalb der Anlage wieder angelegt werden. Besonders häufig begegnet der Begriff bei ETFs und Investmentfonds. Ein thesaurierender ETF behält beispielsweise Dividenden und andere Erträge im Fondsvermögen, sodass dieses Geld weiterhin investiert bleibt und langfristig zusätzliche Erträge erwirtschaften kann.

Für Anleger ist diese Unterscheidung besonders wichtig, wenn sie regelmäßig Geld investieren und über viele Jahre Vermögen aufbauen möchten. Während ausschüttende Fonds Erträge an die Anleger überweisen, verbleiben diese bei thesaurierenden Fonds im Anlagevermögen. Dadurch müssen Anleger erhaltene Ausschüttungen nicht selbst wieder investieren, um das Kapital möglichst vollständig im Markt zu halten.

Die Thesaurierung steht deshalb in engem Zusammenhang mit dem Zinseszinseffekt, langfristigen ETF-Sparplänen und dem Vermögensaufbau. Allerdings bedeutet die automatische Wiederanlage weder eine garantierte Rendite noch, dass thesaurierende Anlagen grundsätzlich besser abschneiden als ausschüttende Produkte. Entscheidend sind die persönlichen Anlageziele, die Kosten und die tatsächliche Entwicklung der Investition.

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Was bedeutet thesaurierend?

Der Begriff „thesaurierend“ stammt aus der Finanzwirtschaft und beschreibt die Einbehaltung und Wiederanlage erwirtschafteter Erträge. Statt Gewinne oder laufende Einnahmen auszuzahlen, verbleiben diese innerhalb eines Unternehmens oder Investmentfonds. Das vorhandene Kapital kann dadurch wachsen, ohne dass die Erträge zunächst an die Eigentümer oder Anleger fließen.

Bei Investmentfonds und ETFs bezieht sich die Thesaurierung insbesondere auf laufende Erträge aus den enthaltenen Wertpapieren. Dazu gehören beispielsweise Dividenden von Aktien und Zinszahlungen aus Anleihen. Ein thesaurierender Aktien-ETF verwendet solche Einnahmen innerhalb des Fonds weiter, anstatt sie regelmäßig auf das Verrechnungskonto der Anleger auszuschütten.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen laufenden Erträgen und Kursgewinnen. Steigen die Aktienkurse innerhalb eines ETFs, erhöht sich grundsätzlich auch dessen Vermögenswert. Dieser Kursanstieg ist jedoch nicht automatisch eine Thesaurierung. Von Thesaurierung spricht man vor allem dann, wenn erwirtschaftete Erträge im Fonds verbleiben und erneut investiert werden.

Auch außerhalb der Geldanlage wird der Begriff verwendet. Unternehmen können beispielsweise Gewinne thesaurieren, indem sie diese nicht als Dividende an ihre Anteilseigner ausschütten, sondern im Unternehmen behalten. Das Geld kann anschließend zur Finanzierung von Investitionen, zum Schuldenabbau oder zur Stärkung der finanziellen Reserven eingesetzt werden.

Wie funktioniert die Thesaurierung bei ETFs und Fonds?

Ein thesaurierender ETF investiert das Geld seiner Anleger entsprechend einer festgelegten Anlagestrategie. Bildet der Fonds beispielsweise einen Aktienindex ab, hält er direkt oder indirekt die dafür vorgesehenen Wertpapiere. Zahlen die enthaltenen Unternehmen Dividenden, erhält der Fonds entsprechende Erträge, soweit diese bei seiner Anlagekonstruktion anfallen.

Bei einem ausschüttenden ETF wird ein bestimmter Teil der verfügbaren Erträge regelmäßig an die Anleger ausgezahlt. Ein thesaurierender ETF behält diese dagegen im Fondsvermögen und legt sie entsprechend seiner Strategie wieder an. Dadurch erhöht sich das investierte Vermögen gegenüber einer ansonsten identischen Anlage, bei der die Ausschüttungen entnommen werden.

Die Wiederanlage erfolgt durch die Fondsgesellschaft. Anleger müssen dafür normalerweise keine zusätzliche Order erteilen und auch keinen neuen Sparplan einrichten. Die Thesaurierung geschieht innerhalb des Fonds und ist bereits Bestandteil seiner Anlagepolitik.

Dabei steigt nicht automatisch die Anzahl der ETF-Anteile im persönlichen Depot. Wer beispielsweise 50 Anteile eines thesaurierenden ETFs besitzt, hat nach einer Thesaurierung normalerweise weiterhin 50 Anteile. Der wirtschaftliche Nutzen der einbehaltenen Erträge zeigt sich vielmehr im Wert der einzelnen Fondsanteile.

Dieser Unterschied ist besonders relevant, weil Anleger die Wiederanlage häufig mit einem erneuten Kauf von ETF-Anteilen verwechseln. Tatsächlich bleibt ihre Anteilszahl normalerweise unverändert, während der Fonds die erhaltenen Erträge für seine Anleger weiter investiert.

Thesaurierend: Ein konkretes Beispiel mit 10.000 Euro

Ein Anleger investiert 10.000 Euro in einen thesaurierenden Aktien-ETF. Zur Vereinfachung wird angenommen, dass die enthaltenen Unternehmen innerhalb eines Jahres Dividenden in Höhe von 3 Prozent des ursprünglichen Anlagebetrags zahlen. Die Aktienkurse verändern sich während dieses Zeitraums nicht, und Steuern sowie Fondskosten bleiben für das Beispiel unberücksichtigt.

Auf das investierte Kapital entfallen damit Erträge von 300 Euro. Bei einem ausschüttenden ETF würden diese 300 Euro an den Anleger ausgezahlt. Sein verbleibendes Fondsvermögen hätte unter den genannten Annahmen weiterhin einen Wert von 10.000 Euro, während zusätzlich 300 Euro auf seinem Verrechnungskonto liegen.

Bei einem thesaurierenden ETF werden die 300 Euro hingegen im Fonds wieder angelegt. Der wirtschaftliche Wert der Investition beträgt unter denselben vereinfachten Bedingungen nun 10.300 Euro. Das Geld bleibt vollständig investiert und kann an zukünftigen Wertentwicklungen teilnehmen.

MerkmalThesaurierender ETFAusschüttender ETFUrsprüngliche Anlage10.000 €10.000 €Erwirtschaftete Erträge300 €300 €Auszahlung an Anleger0 €300 €Wert der ETF-Anlage nach dem Beispiel10.300 €10.000 €Zusätzliches Guthaben0 €300 €Gesamtvermögen10.300 €10.300 €

Das Beispiel zeigt, dass die Thesaurierung nicht automatisch einen höheren Gesamtertrag erzeugt. Beide Anleger verfügen zunächst über denselben wirtschaftlichen Vermögenswert. Der Unterschied liegt darin, wo sich das Geld befindet und ob es weiterhin investiert ist.

Würde der Anleger mit dem ausschüttenden ETF die erhaltenen 300 Euro ebenfalls vollständig und ohne zusätzliche Kosten investieren, könnte er grundsätzlich einen vergleichbaren Wiederanlageeffekt erzielen. Der thesaurierende ETF übernimmt diesen Vorgang jedoch automatisch.

Warum ist die Thesaurierung beim langfristigen Vermögensaufbau wichtig?

Die größte praktische Bedeutung der Thesaurierung liegt in der kontinuierlichen Wiederanlage von Erträgen. Anleger lassen ihre Dividenden und Zinseinnahmen im Investment und ermöglichen damit, dass auch dieses zusätzliche Kapital künftig an der Wertentwicklung teilnimmt. Besonders über lange Anlagezeiträume kann daraus ein erheblicher Unterschied gegenüber einer Strategie entstehen, bei der sämtliche Ausschüttungen dauerhaft entnommen werden.

Dieser Mechanismus wird häufig als Zinseszinseffekt bezeichnet. Bei Aktienanlagen handelt es sich allerdings nicht um einen garantierten Zins, sondern um die Möglichkeit, dass wiederangelegte Erträge zusätzliche Renditen erwirtschaften. Die tatsächliche Entwicklung hängt von den Kapitalmärkten ab und kann zwischenzeitlich auch deutlich negativ ausfallen.

Für langfristige Sparziele wie den Vermögensaufbau, die private Altersvorsorge oder die finanzielle Absicherung kann die automatische Wiederanlage besonders praktisch sein. Wer beispielsweise über 20 oder 30 Jahre regelmäßig einen ETF-Sparplan bespart, muss sich nicht zusätzlich darum kümmern, eingehende Ausschüttungen erneut anzulegen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass bei der internen Wiederanlage grundsätzlich keine gesonderten Wertpapierkäufe durch den Anleger erforderlich sind. Dadurch können individuelle Ordergebühren entfallen, die bei der manuellen Wiederanlage von Ausschüttungen möglicherweise entstehen würden. Die laufenden Fondskosten und andere Kosten der Geldanlage bleiben jedoch bestehen.

Wie stark kann sich die Thesaurierung langfristig auswirken?

Wie sich eine konsequente Wiederanlage entwickeln kann, zeigt eine vereinfachte Modellrechnung. Angenommen, ein Anleger investiert einmalig 10.000 Euro und erzielt über einen Zeitraum von 20 Jahren eine durchschnittliche jährliche Gesamtrendite von 6 Prozent. Diese Annahme ist ein Rechenbeispiel und keine Prognose für die tatsächliche Entwicklung eines ETFs.

Werden sämtliche Erträge wieder angelegt und ergibt sich rechnerisch jedes Jahr eine Rendite von 6 Prozent auf das jeweils vorhandene Kapital, wächst das Vermögen folgendermaßen:

Formel:

Endkapital = Anfangskapital × (1 + Rendite)^Anlagejahre

Berechnung:

10.000 € × (1,06)^20 = 32.071,35 €

Aus den ursprünglichen 10.000 Euro würden unter diesen Modellannahmen nach 20 Jahren rund 32.071 Euro. Das entspricht einem rechnerischen Vermögenszuwachs von ungefähr 22.071 Euro, bevor Steuern und Kosten berücksichtigt werden.

Würden die jährlich anfallenden Erträge dagegen vollständig entnommen und ließe sich das eingesetzte Kapital konstant mit 6 Prozent verzinsen, ergäben sich jährlich 600 Euro. Über 20 Jahre wären das insgesamt 12.000 Euro an entnommenen Erträgen. Zusammen mit dem ursprünglichen Kapital von 10.000 Euro beliefe sich das rechnerische Gesamtvermögen auf 22.000 Euro, sofern die Entnahmen unverzinst aufbewahrt werden.

Der Unterschied entsteht durch die Wiederanlage und den damit verbundenen Zinseszinseffekt. Er bedeutet nicht, dass ein thesaurierender Fonds grundsätzlich eine höhere Rendite erzielt als ein vergleichbarer ausschüttender Fonds. Werden Ausschüttungen ebenfalls vollständig reinvestiert, kann sich ein ähnliches Endvermögen ergeben.

Thesaurierend oder ausschüttend: Was ist der Unterschied?

Thesaurierende und ausschüttende ETFs können denselben Aktienindex abbilden und eine vergleichbare Anlagestrategie verfolgen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Verwendung der erwirtschafteten Erträge. Während thesaurierende Fonds diese innerhalb des Fondsvermögens behalten, zahlen ausschüttende Fonds Erträge an ihre Anleger aus.

EigenschaftThesaurierendAusschüttendVerwendung der ErträgeAutomatische Wiederanlage im FondsAuszahlung an AnlegerRegelmäßige GeldeingängeNormalerweise keineJe nach AusschüttungsintervallWiederanlage erforderlichErfolgt im FondsMuss selbst organisiert werdenGeeignet fürLangfristigen VermögensaufbauLaufende AuszahlungenZusätzliche KaufgebührenKeine Anlegerorder für interne WiederanlageBei manueller Wiederanlage möglichSteuerpflichtMöglichMöglich

Welche Variante besser geeignet ist, hängt hauptsächlich vom persönlichen Anlageziel ab. Wer Kapital langfristig aufbauen und nicht regelmäßig auf die Erträge zugreifen möchte, empfindet thesaurierende ETFs häufig als besonders unkompliziert. Wer dagegen bewusst regelmäßige Auszahlungen erhalten möchte, kann mit einem ausschüttenden ETF besser bedient sein.

Auch eine Kombination ist möglich. Anleger können beispielsweise während der Vermögensaufbauphase thesaurierende ETFs nutzen und später ihren laufenden Geldbedarf durch Anteilsverkäufe oder andere Anlagen decken. Ein automatischer Wechsel von thesaurierenden zu ausschüttenden Produkten ist dafür nicht zwingend erforderlich.

Welche Vorteile und Nachteile haben thesaurierende ETFs?

Die automatische Wiederanlage bringt mehrere praktische Vorteile mit sich, ist jedoch nicht für jede Anlagestrategie gleichermaßen geeignet. Besonders entscheidend ist, ob das Geld langfristig investiert bleiben oder regelmäßig zur Verfügung stehen soll.

VorteileNachteileErträge bleiben automatisch investiert.Keine regelmäßigen Barausschüttungen.Der Wiederanlageeffekt wird ohne zusätzliche Anlegerorders genutzt.Für laufenden Geldbedarf können Anteilsverkäufe notwendig sein.Der organisatorische Aufwand ist gering.Steuern können anfallen, obwohl keine Auszahlung erfolgt.Keine individuellen Kaufgebühren für die fondsinterne Wiederanlage.Anleger müssen gegebenenfalls Geld für Steuerzahlungen bereithalten.Gut für langfristige Anlagekonzepte geeignet.Der Wiederanlageeffekt schützt nicht vor Kursverlusten.

Die Vorteile hängen außerdem von den Eigenschaften des jeweiligen Fonds ab. Eine niedrige Kostenquote, eine angemessene Risikostreuung und eine passende Anlagestrategie können für die langfristige Entwicklung wesentlich bedeutender sein als die Frage, ob ein ETF thesaurierend oder ausschüttend ist.

Wie werden thesaurierende ETFs versteuert?

Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass thesaurierende ETFs während der gesamten Haltedauer steuerfrei seien. Tatsächlich können auch ohne Ausschüttungen steuerpflichtige Investmenterträge entstehen. In Deutschland spielt dabei insbesondere die sogenannte Vorabpauschale eine Rolle.

Die Vorabpauschale dient dazu, bestimmte Erträge von Investmentfonds bereits während der Haltedauer steuerlich zu erfassen. Ihre Berechnung richtet sich unter anderem nach dem gesetzlich festgelegten Basiszins, dem Wert der Fondsanteile und der tatsächlichen Wertentwicklung. Sie fällt nicht automatisch in jedem Jahr an und ist insbesondere durch den maßgeblichen Wertzuwachs begrenzt.

Bei Aktienfonds kann außerdem eine Teilfreistellung greifen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dadurch bleibt ein bestimmter Anteil der relevanten Investmenterträge steuerfrei. Auch der Sparer-Pauschbetrag kann bei der Besteuerung berücksichtigt werden, soweit er noch nicht ausgeschöpft ist.

Für Anleger ist wichtig, dass die Steuer auf eine Vorabpauschale grundsätzlich auch dann vom Verrechnungskonto eingezogen werden kann, wenn der ETF selbst keine Erträge ausgezahlt hat. Deshalb sollte auf dem Konto bei Bedarf ausreichend Guthaben vorhanden sein.

Werden die ETF-Anteile später verkauft, wird der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn ermittelt. Bereits während der Haltedauer angesetzte Vorabpauschalen werden dabei berücksichtigt, damit dieselben Erträge nicht nochmals in voller Höhe besteuert werden. Die konkrete steuerliche Behandlung hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und der persönlichen Situation ab.

Worauf sollte man bei thesaurierenden Geldanlagen achten?

Bei der Auswahl eines thesaurierenden ETFs sollte die Ertragsverwendung nur eines von mehreren Entscheidungskriterien sein. Mindestens ebenso wichtig sind der zugrunde liegende Index, die Zusammensetzung des Fonds, die laufenden Kosten und die Frage, ob das Produkt zum eigenen Risikoprofil passt. Ein weltweit gestreuter Aktien-ETF kann beispielsweise andere Risiken aufweisen als ein Fonds, der ausschließlich in Unternehmen einer bestimmten Branche investiert.

Auch die tatsächlichen Kosten verdienen Aufmerksamkeit. Die automatische Wiederanlage bedeutet nicht, dass der ETF kostenfrei arbeitet. Die Fondsgesellschaft erhebt weiterhin laufende Kosten, die sich auf die Wertentwicklung auswirken. Hinzu kommen möglicherweise Depotgebühren, Handelskosten oder Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufspreisen.

Bei der langfristigen Vermögensplanung sollte außerdem berücksichtigt werden, dass die Thesaurierung keine Verluste verhindert. Fallen die Kurse der enthaltenen Wertpapiere, kann auch der Wert eines thesaurierenden ETFs deutlich sinken. Wiederangelegte Dividenden stellen keinen Schutz gegen solche Marktschwankungen dar.

Schließlich ist die steuerliche Abwicklung relevant. Wer sein Depot bei einer deutschen Bank oder einem deutschen Broker führt, profitiert in vielen Fällen davon, dass die notwendigen Steuerberechnungen und Steuerabzüge automatisch vorgenommen werden. Bei ausländischen Depotanbietern können zusätzliche Pflichten im Rahmen der Steuererklärung entstehen.

Typische Fehler und Missverständnisse bei thesaurierenden ETFs

Ein häufiger Irrtum lautet, dass thesaurierende ETFs automatisch mehr Rendite erzielen als ausschüttende ETFs. Entscheidend ist jedoch die Gesamtrendite, also die Wertentwicklung einschließlich der Erträge. Zwei ansonsten vergleichbare Fonds können bei vollständiger Wiederanlage der Ausschüttungen langfristig ähnliche Ergebnisse erzielen. Unterschiede entstehen unter anderem durch Kosten, Steuern, Wiederanlagezeitpunkte und die tatsächliche Fondsverwaltung.

Ebenso falsch ist die Vorstellung, dass sich die Anzahl der eigenen ETF-Anteile durch die Thesaurierung automatisch erhöht. Die Wiederanlage findet innerhalb des Fonds statt. Anleger besitzen normalerweise weiterhin dieselbe Anzahl an Anteilen, deren Wert sich entsprechend der Entwicklung des Fondsvermögens verändert.

Auch der Begriff Zinseszinseffekt wird gelegentlich missverstanden. Bei einem Aktien-ETF gibt es keine feste jährliche Verzinsung. Wiederangelegte Erträge können künftig zusätzliche Gewinne ermöglichen, sind jedoch denselben Marktrisiken ausgesetzt wie das übrige investierte Kapital. Eine langfristig positive Entwicklung ist deshalb möglich, aber niemals garantiert.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Zugriff auf das investierte Geld. Thesaurierende ETFs verhindern grundsätzlich nicht, dass Anleger ihre Fondsanteile verkaufen. Sie zahlen lediglich keine regulären Ertragsausschüttungen aus. Wer Geld benötigt, kann bei börsengehandelten ETFs während der Handelszeiten entsprechende Anteile veräußern, muss dabei allerdings den aktuellen Marktpreis und mögliche Kosten berücksichtigen.

Für wen sind thesaurierende ETFs besonders geeignet?

Thesaurierende ETFs können besonders für Anleger interessant sein, die über viele Jahre Vermögen aufbauen möchten und während dieser Zeit keine regelmäßigen Ausschüttungen benötigen. Dazu gehören beispielsweise Berufseinsteiger, langfristige ETF-Sparer und Menschen, die ergänzend zur gesetzlichen Rente privates Vermögen aufbauen möchten.

Auch bei kleineren monatlichen Sparbeträgen kann die automatische Wiederanlage hilfreich sein. Wer beispielsweise jeden Monat 100 Euro investiert, muss sich nicht zusätzlich um kleinere Dividendenausschüttungen kümmern. Das gesamte investierte Kapital bleibt entsprechend der Fondsstrategie angelegt, ohne dass laufend neue Anlageentscheidungen getroffen werden müssen.

Weniger passend kann die thesaurierende Variante sein, wenn Anleger gezielt laufende Erträge zur Finanzierung ihrer Ausgaben erhalten möchten. Allerdings können auch thesaurierende ETFs Teil einer Entnahmestrategie sein, bei der regelmäßig einzelne Fondsanteile verkauft werden. Entscheidend ist daher nicht allein die Ertragsverwendung, sondern die gesamte persönliche Finanzplanung.

Häufige Fragen zu thesaurierend

Woran erkennt man, ob ein ETF thesaurierend ist?

Ob ein ETF thesaurierend ist, lässt sich normalerweise im Produktinformationsblatt, im Fondsprospekt oder in den Produktdetails beim Broker erkennen. Häufig verwenden Anbieter Bezeichnungen wie „Accumulating“, „Acc“ oder „thesaurierend“. Ausschüttende ETFs tragen dagegen oft Zusätze wie „Distributing“ oder „Dist“.

Die Abkürzungen sind allerdings nicht bei allen Anbietern identisch. Deshalb sollte die Ertragsverwendung anhand der offiziellen Fondsdokumente überprüft werden. Wichtig ist außerdem, nicht nur auf den Namen des zugrunde liegenden Index zu achten. Von einem Index können verschiedene ETF-Anteilsklassen existieren, darunter sowohl thesaurierende als auch ausschüttende Varianten. Selbst wenn beide denselben Markt abbilden, unterscheiden sie sich in ihrer Ertragsverwendung.

Wie oft werden Erträge bei einem thesaurierenden ETF wieder angelegt?

Ein thesaurierender ETF besitzt nicht zwangsläufig einen festen Wiederanlagetermin, der mit den bekannten Ausschüttungsterminen anderer Fonds vergleichbar ist. Die Fondsgesellschaft verwaltet eingehende Erträge entsprechend den Regeln und Abläufen des jeweiligen Fonds. Dividenden können beispielsweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingehen, weil die enthaltenen Unternehmen verschiedene Auszahlungstermine haben.

Anleger müssen deshalb nicht darauf warten, dass einmal jährlich eine sichtbare Thesaurierung im Depot stattfindet. Die interne Wiederanlage ist Bestandteil der laufenden Fondsverwaltung. Wie schnell erhaltene Erträge erneut investiert werden, hängt von der konkreten Umsetzung ab. Die wirtschaftlichen Auswirkungen spiegeln sich in der Wertentwicklung des Fonds wider.

Kann man sich bei einem thesaurierenden ETF Gewinne auszahlen lassen?

Ein thesaurierender ETF zahlt normalerweise keine regelmäßigen Ertragsausschüttungen auf das Verrechnungskonto aus. Anleger können jedoch bei Bedarf einen Teil ihrer ETF-Anteile verkaufen und sich den Verkaufserlös auszahlen lassen. Dadurch lässt sich auch aus einem thesaurierenden Fonds regelmäßig Geld entnehmen.

Allerdings unterscheidet sich ein Anteilsverkauf von einer klassischen Ausschüttung. Beim Verkauf reduziert sich die Anzahl der gehaltenen Anteile, und je nach Kursentwicklung kann ein Gewinn oder Verlust entstehen. Außerdem können Handelskosten und Steuern anfallen. Wer regelmäßige Entnahmen plant, sollte deshalb berücksichtigen, wie viel Geld benötigt wird, wie hoch das verbleibende Vermögen ist und welche Auswirkungen mögliche Kursverluste haben.

Ist ein thesaurierender ETF nach zehn Jahren steuerfrei?

Nein. Für gewöhnliche thesaurierende ETFs gibt es in Deutschland keine allgemeine Steuerbefreiung, die automatisch nach zehn Jahren Haltedauer eintritt. Steuerpflichtige Veräußerungsgewinne können daher auch dann entstehen, wenn die Fondsanteile über einen deutlich längeren Zeitraum gehalten wurden.

Die tatsächliche Steuerbelastung hängt unter anderem von der Höhe des Gewinns, möglichen Teilfreistellungen, bereits berücksichtigten Vorabpauschalen und verfügbaren steuerlichen Freibeträgen ab. Für bestimmte ältere Fondsanteile existieren besondere Übergangs- und Bestandsschutzregelungen. Diese sind jedoch nicht mit einer allgemeinen Steuerfreiheit nach zehn Jahren gleichzusetzen. Die Haltedauer allein führt bei neu erworbenen gewöhnlichen ETF-Anteilen grundsätzlich nicht zu einer vollständigen Steuerbefreiung.

Was passiert mit einem thesaurierenden ETF bei fallenden Kursen?

Auch ein thesaurierender ETF kann bei fallenden Börsenkursen erheblich an Wert verlieren. Die automatische Wiederanlage von Dividenden verhindert solche Verluste nicht. Wenn die im Fonds enthaltenen Wertpapiere deutlich an Wert verlieren, wirkt sich das grundsätzlich auch auf den Wert der ETF-Anteile aus.

Die Thesaurierung sorgt lediglich dafür, dass einbehaltene Erträge weiter investiert bleiben. Dadurch kann bei einer späteren Markterholung zusätzliches Kapital an der Wertentwicklung teilnehmen. Eine Garantie für die Erholung besteht jedoch nicht. Anleger sollten deshalb ihren Anlagehorizont, ihre Risikobereitschaft und die notwendige finanzielle Reserve berücksichtigen. Geld, das kurzfristig benötigt wird, gehört nicht allein wegen der Thesaurierung in einen Aktien-ETF.

Kann man einen thesaurierenden ETF in einen ausschüttenden ETF umwandeln?

Eine direkte Umwandlung einzelner ETF-Anteile von thesaurierend zu ausschüttend ist normalerweise nicht möglich. Beide Varianten werden häufig als getrennte Anteilsklassen oder eigenständige Produkte geführt und besitzen unterschiedliche Wertpapierkennnummern. Wer wechseln möchte, muss deshalb in vielen Fällen die bisherigen Anteile verkaufen und anschließend die gewünschte ausschüttende Variante kaufen.

Dabei können Transaktionskosten entstehen. Außerdem kann der Verkauf steuerpflichtige Gewinne auslösen, auch wenn das Geld unmittelbar wieder in einen anderen ETF investiert wird. Vor einem Wechsel lohnt sich daher die Prüfung, ob das gewünschte Ziel nicht auch durch regelmäßige Teilverkäufe oder durch eine Anpassung zukünftiger Sparraten erreicht werden kann.

Ist ein thesaurierender ETF für die Altersvorsorge sinnvoll?

Thesaurierende ETFs können sich für den langfristigen privaten Vermögensaufbau im Rahmen der Altersvorsorge eignen. Während der Ansparphase bleiben erwirtschaftete Erträge automatisch investiert und können an der weiteren Entwicklung der Kapitalmärkte teilnehmen. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, regelmäßige Ausschüttungen selbst erneut anzulegen.

Entscheidend ist jedoch die gesamte Anlagestrategie. Neben der Ertragsverwendung spielen die Risikostreuung, die Kosten, der verbleibende Anlagehorizont und die persönliche finanzielle Situation eine wichtige Rolle. Mit näher rückendem Ruhestand kann zudem eine schrittweise Anpassung der Vermögensaufteilung sinnvoll sein. Auch im Ruhestand können thesaurierende ETFs weiter genutzt werden, wenn ein durchdachter Entnahmeplan besteht.

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Fazit: Thesaurierend erleichtert die langfristige Wiederanlage

Thesaurierend bezeichnet die Einbehaltung und Wiederanlage erwirtschafteter Erträge. Bei ETFs und Investmentfonds bedeutet das, dass beispielsweise Dividenden innerhalb des Fondsvermögens bleiben, anstatt an die Anleger ausgezahlt zu werden. Dadurch kann das investierte Kapital langfristig vom Wiederanlageeffekt profitieren. Besonders für Anleger, die regelmäßig sparen und über viele Jahre Vermögen aufbauen möchten, ist diese automatische Vorgehensweise eine praktische Möglichkeit, ihre Geldanlage ohne zusätzlichen organisatorischen Aufwand fortzuführen.

Ob ein thesaurierender ETF tatsächlich die bessere Wahl ist, hängt jedoch von den persönlichen Zielen ab. Wer laufende Auszahlungen benötigt, kann mit ausschüttenden Fonds oder einer gezielten Entnahmestrategie besser zurechtkommen. Für den langfristigen Anlageerfolg sind außerdem die Gesamtrendite, die Risikostreuung, die laufenden Kosten und eine konsequent umgesetzte Anlagestrategie entscheidend. Die Thesaurierung unterstützt den Vermögensaufbau, ersetzt aber keine sorgfältige Auswahl der Geldanlage.