Die Miete wird fällig, der Stromanbieter verlangt Geld, eine Kreditrate steht an und zusätzlich liegt eine Mahnung im Briefkasten. Wenn Dein Kontostand nicht ausreicht, um sämtliche Verpflichtungen zu erfüllen, musst Du entscheiden, welche Rechnungen Du zuerst bezahlst. Dabei ist nicht automatisch die älteste Forderung am wichtigsten. Auch die lauteste Mahnung sollte nicht bestimmen, wohin Dein letztes verfügbares Geld fließt.
Grundsätzlich haben Zahlungen Vorrang, die Deine existenziellen Lebensbedürfnisse sichern. Dazu gehören insbesondere die Miete, Strom und Heizung, Lebensmittel sowie notwendige Medikamente. Daneben können Unterhaltsverpflichtungen, die Krankenversicherung, notwendige Mobilität und andere Zahlungen besondere Bedeutung haben. Kreditraten, Inkassoforderungen und sonstige Rechnungen müssen ebenfalls geklärt werden, dürfen aber nicht unüberlegt dazu führen, dass Du Deine Wohnung oder Deine grundlegende Versorgung verlierst.
Eine allgemeingültige Reihenfolge für jeden Haushalt gibt es nicht. Entscheidend sind die konkreten Folgen einer ausbleibenden Zahlung, bereits bestehende Rückstände und mögliche Fristen. Dieser Ratgeber zeigt Dir, welche Rechnungen bei Geldproblemen besonders wichtig sind, wie Du Dein verfügbares Geld sinnvoll einteilst und was Du unternehmen kannst, wenn es selbst für die wichtigsten Ausgaben nicht mehr reicht.
Welche Rechnungen haben bei Geldproblemen Vorrang?
Wenn Du nicht mehr alles bezahlen kannst, solltest Du Deine Ausgaben zunächst in zwei Bereiche einteilen: Zahlungen zur Sicherung Deines täglichen Lebens und andere finanzielle Verpflichtungen. Diese Unterscheidung hilft Dir, die unmittelbaren Folgen verschiedener Zahlungsrückstände besser einzuschätzen.
Eine Orientierung für die Zahlungsprioritäten bietet folgende Übersicht:
| Zahlung | Bedeutung bei Geldproblemen |
|---|---|
| Miete und notwendige Wohnkosten | Sehr hohe Priorität, weil Mietrückstände zur Kündigung und zum Wohnungsverlust führen können. |
| Strom, Gas und Heizung | Sehr hohe Priorität, weil bei erheblichen Rückständen eine Versorgungssperre drohen kann. |
| Lebensmittel und Medikamente | Unmittelbar notwendig, um Ernährung, Gesundheit und den täglichen Lebensunterhalt sicherzustellen. |
| Gesetzliche Unterhaltszahlungen | Besonders wichtig, weil gesetzliche Pflichten und gegebenenfalls besondere Vollstreckungsfolgen bestehen. |
| Krankenversicherung | Wesentlich für die Gesundheitsversorgung; bei Beitragsschulden können Leistungseinschränkungen entstehen. |
| Notwendige Mobilität und Kommunikation | Wichtig, wenn Du sie für Arbeit, medizinische Versorgung oder die Organisation Deines Lebens benötigst. |
| Kredite und sonstige Schulden | Müssen geklärt werden, stehen bei gewöhnlichen Konsumentenkrediten aber häufig hinter existenziellen Ausgaben. |
| Abonnements und verzichtbare Ausgaben | Können häufig reduziert, gekündigt oder nach den Vertragsbedingungen vorübergehend ausgesetzt werden. |
Die Tabelle beschreibt keine gesetzlich verbindliche Rangfolge. Eine bereits zugestellte Räumungsklage, eine unmittelbar bevorstehende Stromsperre, eine vollstreckbare Unterhaltsforderung oder eine drohende Ersatzfreiheitsstrafe können eine andere unmittelbare Reaktion erforderlich machen.
Wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen der Frage, welche Rechnung Du aus Deinem knappen Geld bezahlst, und der Frage, auf welches Schreiben Du zuerst reagieren musst. Eine gerichtliche Frist kann beispielsweise sofortiges Handeln verlangen, obwohl Du die betreffende Forderung nicht unmittelbar vollständig bezahlen kannst.
1. Miete bezahlen: Warum Deine Wohnung besonders wichtig ist
Für die meisten Mieter gehört die monatliche Miete zu den wichtigsten Zahlungsverpflichtungen. Gerätst Du damit in erheblichen Rückstand, kann der Vermieter das Mietverhältnis unter bestimmten Voraussetzungen fristlos kündigen. Im ungünstigsten Fall entwickelt sich aus einem anfänglichen Zahlungsproblem ein gerichtliches Räumungsverfahren.
Eine fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzugs kommt beispielsweise in Betracht, wenn Du an zwei aufeinanderfolgenden Zahlungsterminen mit der gesamten Miete oder einem rechtlich erheblichen Teil davon in Rückstand bist. Auch Rückstände, die sich über einen längeren Zeitraum auf mindestens zwei Monatsmieten summieren, können einen entsprechenden Kündigungsgrund darstellen. Entscheidend sind die gesetzlichen Voraussetzungen und die tatsächlich bestehenden Rückstände.
Deshalb solltest Du die laufende Miete nicht einfach aussetzen, um stattdessen Kreditraten oder Inkassoforderungen zu begleichen. Selbst wenn ein Gläubiger bereits mehrfach gemahnt hat, bedeutet das nicht, dass seine Forderung für Deine unmittelbare Lebenssituation wichtiger ist als die Sicherung Deiner Wohnung.
Was tun, wenn Du die Miete nicht vollständig bezahlen kannst?
Überprüfe zunächst, wie viel Geld tatsächlich fehlt und ob bereits Mietrückstände bestehen. Wenn eine vollständige Zahlung nicht möglich ist, kann eine Teilzahlung helfen, den Rückstand zu begrenzen. Sie verhindert eine Kündigung allerdings nicht automatisch. Eine belastbare Zahlungsvereinbarung solltest Du möglichst frühzeitig mit Deinem Vermieter besprechen und schriftlich festhalten.
Achte außerdem darauf, dass Zahlungen eindeutig zugeordnet werden können. Bestehen bereits ältere Rückstände, solltest Du bei einer Überweisung ausdrücklich den Mietmonat angeben, für den Du zahlen möchtest. Bei mehreren offenen Forderungen können Fragen der Zahlungszuordnung entstehen, die im Streitfall rechtlich geprüft werden sollten.
Droht ein Wohnungsverlust, solltest Du Dich unverzüglich an das zuständige Jobcenter, Sozialamt oder die kommunale Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit wenden. Unter bestimmten Voraussetzungen können Mietschulden übernommen werden, insbesondere wenn dies notwendig ist, um die Unterkunft zu sichern. Im Bereich der Grundsicherung erfolgt eine solche Unterstützung grundsätzlich als Darlehen; nach den sozialhilferechtlichen Regelungen kommen je nach Situation auch andere Leistungsformen infrage. Ein automatischer Anspruch auf die Übernahme sämtlicher Rückstände besteht nicht.
Wichtig: Wurde bereits eine Kündigung ausgesprochen oder eine Räumungsklage zugestellt, reicht eine einfache Ratenzahlungszusage möglicherweise nicht mehr aus. Die gesetzlichen Möglichkeiten einer nachträglichen Zahlung können eine fristlose Kündigung unter bestimmten Voraussetzungen unwirksam machen. Eine zusätzlich ausgesprochene ordentliche Kündigung wird dadurch jedoch nicht automatisch beseitigt. Hole in dieser Situation sofort Unterstützung bei einer Mieterberatung, einer kommunalen Fachstelle oder einem entsprechend spezialisierten Rechtsanwalt.
Bei selbst genutztem Wohneigentum haben die Raten für die Immobilienfinanzierung ebenfalls besondere Bedeutung. Anders als bei gewöhnlichen Konsumkrediten kann hier die Immobilie selbst als Sicherheit betroffen sein. Eine mögliche Zahlungspause sollte deshalb frühzeitig mit der finanzierenden Bank besprochen werden.
2. Strom und Gas: Die laufende Versorgung sichern
Direkt neben der Miete stehen Strom, Gas und andere notwendige Energiekosten weit oben auf der Prioritätenliste. Ohne Strom funktionieren zahlreiche Einrichtungen des täglichen Lebens nicht mehr. Eine unterbrochene Gasversorgung kann insbesondere während der Heizperiode erhebliche Auswirkungen haben.
Wenn Du Schwierigkeiten hast, Deine monatlichen Abschläge zu bezahlen, solltest Du deshalb frühzeitig reagieren. Die laufenden Zahlungen einfach einzustellen und stattdessen andere Schulden zu begleichen, kann die Situation zusätzlich verschärfen.
Eine Strom- oder Gassperre darf allerdings nicht bereits wegen jeder beliebigen offenen Rechnung durchgeführt werden. Für Haushaltskunden gelten gesetzliche Voraussetzungen. Der Zahlungsrückstand muss unter anderem bestimmte Mindestgrenzen erreichen. Grundsätzlich muss der Rückstand mindestens dem Doppelten des maßgeblichen monatlichen Abschlags entsprechen und zugleich mindestens 100 Euro betragen. Hinzu kommen gesetzliche Anforderungen an die vorherige Mahnung, Androhung und Ankündigung.
Nach den Regelungen des Energiewirtschaftsgesetzes muss eine Versorgungssperre grundsätzlich mindestens vier Wochen vorher angedroht werden. Der konkrete Beginn ist zusätzlich acht Werktage im Voraus anzukündigen. Außerdem darf eine Sperre nicht erfolgen, wenn ihre Folgen unverhältnismäßig wären, etwa bei einer entsprechend nachgewiesenen besonderen gesundheitlichen Gefährdung.
Was kannst Du bei einer drohenden Stromsperre unternehmen?
Kontaktiere Deinen Energieversorger umgehend und lasse Dir den tatsächlich offenen Betrag erläutern. Prüfe, ob die Rechnung stimmt und ob Deine bisherigen Zahlungen vollständig berücksichtigt wurden. Eine nachvollziehbare Teilzahlung kann sinnvoll sein, ersetzt aber nicht die Prüfung, ob die Sperre dadurch tatsächlich abgewendet wird.
Besonders wichtig ist die sogenannte Abwendungsvereinbarung. Befindest Du Dich in der Grundversorgung, kannst Du nach einer Sperrandrohung ein entsprechendes Angebot verlangen. Der Grundversorger muss Dir unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Vereinbarung anbieten, die eine zinsfreie Ratenzahlung für die erfassten Rückstände und die Fortsetzung der Versorgung vorsieht. Dafür musst Du die vereinbarten Raten sowie die laufenden Zahlungspflichten erfüllen.
Wird die Vereinbarung rechtzeitig vor der Unterbrechung in Textform angenommen, darf die Grundversorgung aufgrund der erfassten Rückstände zunächst nicht gesperrt werden. Prüfe jedoch unbedingt, ob die angebotenen Raten zusätzlich zu den laufenden Abschlägen finanzierbar sind. Eine Vereinbarung, die Dein monatliches Budget erneut überfordert, kann das Problem nur verschieben.
Bei einer unmittelbar drohenden Sperre solltest Du parallel beim Jobcenter oder Sozialamt nach Unterstützung fragen. Abhängig von Deiner Situation kann ein Darlehen oder eine andere geeignete Hilfe zur Sicherung der Energieversorgung infrage kommen.
3. Lebensmittel und Medikamente dürfen nicht zu kurz kommen
Die Sicherung Deiner Wohnung bedeutet nicht, dass Du Dein gesamtes verfügbares Geld für Miet- und Energieschulden verwenden solltest. Du benötigst weiterhin Lebensmittel, grundlegende Hygieneartikel und gegebenenfalls medizinisch notwendige Medikamente.
Berechne deshalb vor jeder freiwilligen Ratenzahlungsvereinbarung, wie viel Geld Du bis zum nächsten sicheren Zahlungseingang zum Leben brauchst. Berücksichtige dabei sämtliche Personen, für deren Versorgung Du verantwortlich bist. Ein Haushalt mit Kindern hat beispielsweise einen anderen laufenden Bedarf als eine allein lebende Person.
Gerade bei finanziellen Schwierigkeiten kann es hilfreich sein, notwendige Einkäufe für einen überschaubaren Zeitraum zu planen. Eine einfache Einkaufsliste, preisgünstige Grundnahrungsmittel und die Vermeidung unnötiger Spontankäufe können das verfügbare Budget entlasten. Entscheidend ist jedoch, dass Du nicht auf Kosten Deiner Gesundheit oder einer ausreichenden Ernährung versuchst, zusätzliche Kreditraten zu finanzieren.
Benötigst Du regelmäßig Medikamente oder eine medizinische Behandlung, solltest Du notwendige Ausgaben nicht eigenständig streichen. Besprich finanzielle Schwierigkeiten bei Zuzahlungen mit Deiner Krankenkasse oder der behandelnden Praxis. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Befreiung von gesetzlichen Zuzahlungen möglich sein.
Wenn überhaupt kein Geld mehr für Lebensmittel vorhanden ist, solltest Du kurzfristig Hilfe beim zuständigen Sozialleistungsträger suchen und den akuten Bedarf ausdrücklich schildern. Auch kommunale Beratungsstellen und gemeinnützige Hilfsangebote können bei der Überbrückung einer unmittelbaren Notlage unterstützen. Die Verfügbarkeit solcher Angebote unterscheidet sich regional.
4. Unterhalt, Krankenversicherung und weitere besondere Verpflichtungen
Nicht jede wichtige Rechnung lässt sich eindeutig hinter Miete und Strom einordnen. Manche Verpflichtungen besitzen aufgrund ihrer gesetzlichen Bedeutung oder ihrer Auswirkungen auf andere Menschen eine besondere Dringlichkeit.
Unterhaltszahlungen nicht einfach einstellen
Bist Du zur Zahlung von Kindesunterhalt oder anderem gesetzlichen Unterhalt verpflichtet, darfst Du diese Verpflichtung nicht wie eine gewöhnliche Konsumrechnung behandeln. Die Zahlungen dienen dem Lebensunterhalt einer anderen Person. Bei bestehenden Unterhaltstiteln können zudem besondere Vollstreckungsmöglichkeiten bestehen.
Wenn sich Dein Einkommen erheblich reduziert hat und Du den festgelegten Unterhalt nicht mehr aufbringen kannst, solltest Du umgehend klären lassen, ob eine Anpassung möglich ist. Ansprechpartner können das Jugendamt, eine geeignete Beratungsstelle oder ein Fachanwalt für Familienrecht sein. Besteht ein vollstreckbarer Unterhaltstitel, darfst Du nicht davon ausgehen, dass sich der geschuldete Betrag automatisch mit Deinem Einkommen reduziert.
Auch strafrechtliche Folgen sind unter den besonderen gesetzlichen Voraussetzungen einer Verletzung der Unterhaltspflicht möglich. Deshalb ist es wichtig, eine tatsächliche Leistungsunfähigkeit nachvollziehbar zu dokumentieren und rechtzeitig fachlichen Rat einzuholen.
Krankenversicherungsbeiträge ernst nehmen
Besonders Selbstständige und freiwillig Versicherte müssen häufig ihre Krankenversicherungsbeiträge selbst überweisen. Wenn das Einkommen plötzlich sinkt, können diese Beiträge eine erhebliche Belastung darstellen.
Bei größeren Beitragsrückständen können sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen Leistungseinschränkungen entstehen. Privatversicherte können beispielsweise in den Notlagentarif überführt werden. Der Versicherungsschutz entfällt dadurch nicht vollständig, der Leistungsumfang wird jedoch erheblich begrenzt.
Setze Dich deshalb bei Zahlungsproblemen frühzeitig mit Deiner Krankenkasse oder Deinem privaten Versicherer in Verbindung. Frage nach einer Anpassung einkommensabhängiger Beiträge, möglichen Ratenzahlungen und gegebenenfalls sozialrechtlichen Unterstützungsleistungen. Wer durch seine Beiträge hilfebedürftig wird, sollte außerdem prüfen lassen, welche Hilfen beim zuständigen Sozialleistungsträger infrage kommen.
Beruflich notwendige Ausgaben und wichtige Versicherungen prüfen
Ein Auto kann verzichtbar sein, wenn Du problemlos öffentliche Verkehrsmittel nutzen kannst. Benötigst Du es dagegen zwingend, um Deinen Arbeitsplatz zu erreichen, sind die notwendigen Mobilitätskosten wesentlich wichtiger. Gleiches kann für eine Fahrkarte, ein beruflich benötigtes Telefon oder einen unverzichtbaren Internetanschluss gelten.
Auch Versicherungen sollten nicht pauschal gekündigt werden. Die Kfz-Haftpflicht ist für ein zulassungspflichtiges Fahrzeug gesetzlich vorgeschrieben. Eine private Haftpflichtversicherung kann vor hohen finanziellen Belastungen durch Schadensersatzforderungen schützen. Bei einer bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherung kann eine unüberlegte Kündigung dazu führen, dass ein vergleichbarer Schutz später nicht mehr oder nur wesentlich teurer erhältlich ist.
Überprüfe deshalb zuerst, welche Absicherung tatsächlich notwendig ist und welche Verträge möglicherweise angepasst werden können. Frage bei Bedarf nach einer Beitragsstundung oder anderen vertraglichen Möglichkeiten, bevor Du langfristig wichtigen Versicherungsschutz aufgibst.
5. Kreditraten, Inkasso und sonstige Schulden: Was kann warten?
Wenn das Geld nicht für sämtliche Verpflichtungen reicht, geraten häufig auch Ratenkredite, Kreditkartenabrechnungen, offene Versandhausrechnungen oder Inkassoforderungen in Rückstand.
Diese Schulden verschwinden nicht dadurch, dass Du sie vorübergehend nicht bezahlst. Es können Verzugszinsen, rechtlich zulässige Mahnkosten und weitere Folgen entstehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Kreditverträge gekündigt und Forderungen gerichtlich durchgesetzt werden.
Trotzdem ist es bei einer gewöhnlichen Konsumfinanzierung häufig sinnvoller, zunächst die eigene Wohnung und den notwendigen Lebensunterhalt zu sichern, statt die letzte verfügbare Summe an die Bank zu überweisen.
Kreditraten frühzeitig mit der Bank besprechen
Wenn Du absehen kannst, dass eine Kreditrate nicht mehr tragbar ist, solltest Du vor dem Zahlungstermin Kontakt mit der Bank aufnehmen. Frage, ob eine befristete Ratenreduzierung, eine Stundung oder eine andere Vertragsänderung möglich ist.
Eine solche Lösung kann die unmittelbare Belastung verringern. Sie ist allerdings nicht automatisch kostenlos. Werden Zahlungen verschoben, können sich die Gesamtkosten erhöhen und die Rückzahlung verlängern. Lasse Dir deshalb die neuen Bedingungen schriftlich erläutern und überprüfe, ob die künftigen Raten tatsächlich in Dein Budget passen.
Besondere Vorsicht ist bei einer Umschuldung geboten. Ein neuer Kredit kann die monatliche Rate zwar reduzieren, gleichzeitig aber höhere Gesamtkosten verursachen. Wenn bereits die grundlegenden Lebenshaltungskosten nicht gedeckt sind, ist eine weitere Finanzierung in der Regel keine tragfähige Lösung.
Inkassoforderungen prüfen und nicht aus Angst bevorzugen
Inkassounternehmen treten teilweise sehr bestimmt auf und setzen kurze Zahlungsfristen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Forderung automatisch dringlicher ist als Deine Miete oder Stromrechnung.
Prüfe zunächst, ob die Hauptforderung tatsächlich besteht, ob Du bereits Zahlungen geleistet hast und ob die zusätzlich verlangten Kosten nachvollziehbar und berechtigt sind. Unterschreibe keine Ratenzahlungsvereinbarung, ohne ihre Bedingungen zu verstehen. Sie kann beispielsweise zusätzliche Kosten, ein Schuldanerkenntnis oder weitere rechtlich nachteilige Regelungen enthalten.
Auch kleine Teilzahlungen solltest Du nicht unüberlegt auf eine bestrittene Forderung leisten. Sie können rechtliche Auswirkungen auf die Anerkennung einer Schuld haben.
Besteht die Forderung zu Recht, kannst Du eine realistische Zahlungsvereinbarung vorschlagen oder um einen Aufschub bitten. Versprich dabei keinen Betrag, den Du nur bezahlen könntest, indem Du Deine Miete, Lebensmittel oder Stromabschläge vernachlässigst.
6. Welche Schreiben musst Du unabhängig von der Zahlungsreihenfolge sofort bearbeiten?
Eine wichtige Ausnahme betrifft gerichtliche Schreiben, behördliche Fristen und bereits eingeleitete Vollstreckungsmaßnahmen. Hier kann es erforderlich sein, unmittelbar zu reagieren, selbst wenn Du die betroffene Rechnung gerade nicht bezahlen kannst.
Erhältst Du einen gerichtlichen Mahnbescheid, solltest Du prüfen, ob die geltend gemachte Forderung berechtigt ist. Ein Widerspruch gegen eine unberechtigte Forderung muss grundsätzlich innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung beim Gericht eingehen. Gegen einen Vollstreckungsbescheid ist grundsätzlich innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch möglich. Ein Widerspruch sollte allerdings nicht allein deshalb eingelegt werden, weil Dir das Geld für eine tatsächlich berechtigte Forderung fehlt.
Auch Schreiben des Gerichtsvollziehers, Pfändungsbeschlüsse und Aufforderungen zur Vermögensauskunft dürfen nicht ignoriert werden. Ist Dein Girokonto bereits gepfändet oder steht eine Kontopfändung bevor, kann die Umwandlung in ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto, erforderlich sein. Damit lässt sich Guthaben innerhalb der geltenden gesetzlichen Grenzen schützen. Je nach persönlicher Situation können erhöhte Freibeträge oder individuelle Freigaben notwendig sein.
Eine weitere Besonderheit betrifft rechtskräftige strafrechtliche Geldstrafen. Werden sie nicht bezahlt und bleiben geeignete Maßnahmen zur Abwendung erfolglos, kann eine Ersatzfreiheitsstrafe drohen. Wer nicht zahlen kann, sollte sich deshalb frühzeitig an die zuständige Staatsanwaltschaft wenden und Möglichkeiten wie Zahlungserleichterungen oder die Tilgung durch freie Arbeit prüfen lassen. Eine gewöhnliche unbezahlte Privatrechnung führt dagegen nicht allein wegen der Zahlungsunfähigkeit zu einer Freiheitsstrafe.
Merke: Die Reihenfolge Deiner Überweisungen und die Dringlichkeit einer rechtlichen Reaktion sind zwei unterschiedliche Fragen. Auch ein Gläubiger, den Du momentan nicht bezahlen kannst, darf nicht einfach ignoriert werden.
Wie teilst Du Dein Geld ein, wenn es nicht für alle Rechnungen reicht?
Eine Zahlungspriorität ist erst dann praktisch hilfreich, wenn Du weißt, welche Beträge tatsächlich zur Verfügung stehen. Dafür brauchst Du keine komplizierte Finanzplanung. Eine einfache Gegenüberstellung Deiner sicheren Einnahmen und notwendigen Ausgaben genügt zunächst.
Gehe vom Geld aus, auf das Du tatsächlich zugreifen kannst. Berücksichtige anschließend die Kosten, die bis zum nächsten sicheren Zahlungseingang anfallen. Bereits verplantes oder möglicherweise gepfändetes Guthaben darfst Du nicht doppelt einrechnen.
Beispiel: 2.000 Euro Einkommen und zu viele offene Rechnungen
Angenommen, Du verfügst monatlich über ein Nettoeinkommen von 2.000 Euro. Deine laufenden notwendigen Ausgaben sehen folgendermaßen aus:
| Ausgabe | Monatlicher Betrag |
|---|---|
| Miete inklusive Nebenkosten | 800 € |
| Strom und Gas | 180 € |
| Lebensmittel und Hygiene | 330 € |
| Notwendige Medikamente | 40 € |
| Fahrtkosten zur Arbeit | 100 € |
| Telefon und Internet | 30 € |
| Gesetzliche Unterhaltszahlung | 220 € |
| Weitere notwendige Ausgaben | 100 € |
| Gesamte notwendige Ausgaben | 1.800 € |
Nach diesen Zahlungen verbleiben rechnerisch 200 Euro. Gleichzeitig musst Du jedoch eine Kreditrate von 380 Euro und eine weitere offene Rechnung über 250 Euro begleichen. Insgesamt werden für diese beiden Forderungen 630 Euro verlangt.
Selbst wenn Du die gesamten verbleibenden 200 Euro dafür verwendest, fehlen Dir 430 Euro. Die vollständige Bezahlung aller Rechnungen ist in diesem Monat unter den angenommenen Bedingungen also nicht möglich.
Die sinnvollere Vorgehensweise besteht darin, zunächst die notwendigen Ausgaben zu sichern und anschließend mit den anderen Gläubigern über tragfähige Lösungen zu sprechen. Dabei musst Du nicht automatisch die gesamten 200 Euro für Schulden verwenden. Sollten im Beispiel weitere unverzichtbare Ausgaben fehlen oder unmittelbar bevorstehen, muss auch dafür Geld berücksichtigt werden.
Das Beispiel ist bewusst vereinfacht. Es handelt sich weder um durchschnittliche Lebenshaltungskosten noch um eine verbindliche gesetzliche Berechnung.
Warum Du nicht sämtliche Gläubiger mit kleinen Beträgen bedienen solltest
Manchmal erscheint es gerecht, jedem Gläubiger wenigstens einen kleinen Betrag zu überweisen. Bei sehr knappem Geld kann diese Strategie jedoch dazu führen, dass Du am Ende mehrere Teilzahlungen geleistet hast, aber trotzdem Deine Miete nicht vollständig begleichen kannst.
Zudem verhindert eine beliebige Teilzahlung nicht automatisch weitere Mahnungen, eine Kündigung oder eine Vollstreckung. Entscheidend ist, ob die Zahlung rechtlich ausreicht oder ob mit dem jeweiligen Gläubiger eine wirksame Vereinbarung getroffen wurde.
Deshalb solltest Du vorhandene Mittel nicht wahllos verteilen. Prüfe zuerst, welche Zahlungen unmittelbar notwendig sind und welche konkreten Konsequenzen bei den übrigen Forderungen drohen. Wenn Du keine tragfähige Lösung für alle Gläubiger findest, kann eine koordinierte Schuldenregulierung mithilfe einer Schuldnerberatung sinnvoller sein als eine Vielzahl unverbundener Einzelvereinbarungen.
Was tun, wenn das Geld nicht einmal für Miete und Strom reicht?
Wenn Dein verfügbares Einkommen bereits für die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu niedrig ist, lässt sich das Problem nicht allein durch eine andere Zahlungsreihenfolge lösen.
Du benötigst dann eine Lösung, die Deine existenzielle Versorgung unmittelbar sichert und gleichzeitig verhindert, dass jeden Monat weitere untragbare Rückstände entstehen.
Staatliche Unterstützung prüfen und frühzeitig beantragen
Je nach Einkommen, Haushaltsgröße und persönlicher Situation können beispielsweise Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung oder Sozialhilfe infrage kommen. Welche Leistung zuständig ist und ob ein Anspruch besteht, hängt von den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen ab.
Seit Juli 2026 wird die frühere Leistung Bürgergeld als Grundsicherungsgeld bezeichnet. Bei einer bestehenden oder drohenden finanziellen Notlage kann das Jobcenter unter bestimmten Voraussetzungen auch besondere Darlehen gewähren. Für die Übernahme von Mietschulden und die Sicherung der Unterkunft bestehen eigene Regelungen.
Warte bei einer drohenden Kündigung oder Versorgungssperre nicht auf einen regulären Beratungstermin in einigen Wochen. Weise die zuständige Stelle ausdrücklich auf die Dringlichkeit hin und stelle erforderliche Anträge möglichst früh. Dokumentiere den Antrag und reiche vorhandene Nachweise ein. Eine bloße Anfrage ersetzt nicht immer einen notwendigen Leistungsantrag.
Mit Vermieter und Versorger eine tragfähige Lösung vereinbaren
Wenn bereits Rückstände bestehen, solltest Du die laufenden Verpflichtungen und die alten Schulden getrennt betrachten. Eine Ratenzahlung für Mietschulden kann beispielsweise nur funktionieren, wenn Du zusätzlich die aktuelle Miete bezahlen kannst.
Dasselbe gilt für Strom und Gas: Vereinbare keine Rückzahlungsrate, die dazu führt, dass Du schon den nächsten regulären Abschlag wieder nicht begleichen kannst.
Eine Vereinbarung sollte mindestens die Höhe der Rückstände, den monatlichen Zahlungsbetrag, die Fälligkeiten und mögliche weitere Bedingungen nachvollziehbar regeln. Achte darauf, keine finanziellen Zusagen zu machen, die auf unsicheren Einnahmen beruhen.
Professionelle Schuldnerberatung einschalten
Wenn sich mehrere unbezahlte Rechnungen angesammelt haben, kann eine anerkannte Schuldnerberatungsstelle helfen, Deine finanzielle Gesamtsituation zu ordnen.
Die Beratung unterstützt unter anderem dabei, Forderungen zu prüfen, existenzielle Ausgaben abzusichern und geeignete Möglichkeiten der Schuldenregulierung zu entwickeln. Je nach Situation können außergerichtliche Einigungen, langfristige Zahlungspläne oder eine Verbraucherinsolvenz geprüft werden.
Geeignete Anlaufstellen findest Du beispielsweise bei kommunalen Schuldnerberatungen sowie bei gemeinnützigen Organisationen wie Caritas, Diakonie oder anderen anerkannten Beratungsstellen. Viele öffentlich geförderte Angebote sind für Ratsuchende kostenlos. Erkundige Dich dennoch nach den konkreten Bedingungen.
Vermeide Anbieter, die gegen hohe Vorauszahlungen eine schnelle Schuldenfreiheit versprechen. Eine seriöse Beratung berücksichtigt Deine gesamte finanzielle Situation und stellt keine Ergebnisse in Aussicht, die sie nicht gewährleisten kann.
Typische Fehler bei der Reihenfolge offener Rechnungen
Bei Geldproblemen entsteht häufig zusätzlicher Schaden nicht durch eine einzelne unbezahlte Rechnung, sondern durch Entscheidungen, die unter erheblichem Zahlungsdruck getroffen werden.
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Kreditrate vollständig zu bezahlen und gleichzeitig Mietrückstände entstehen zu lassen. Ebenso problematisch kann es sein, auf eine besonders eindringliche Inkassomahnung sofort zu reagieren und dafür den monatlichen Stromabschlag ausfallen zu lassen.
Auch unkontrollierte Abbuchungen können Dein Budget durcheinanderbringen. Überprüfe deshalb Deine Kontobewegungen und bestehende Daueraufträge. Wenn eine Abbuchung für eine nachrangige Verpflichtung die Miete gefährdet, solltest Du rechtzeitig eine geeignete Lösung mit dem Gläubiger und gegebenenfalls Deiner Bank klären. Bereits geschuldete Beträge bleiben grundsätzlich bestehen, selbst wenn ein Lastschriftmandat beendet oder eine Abbuchung zurückgegeben wird.
Vorsicht ist außerdem beim Dispokredit geboten. Ein dauerhaft überzogenes Girokonto verursacht zusätzliche Zinskosten. Bei einem bestehenden Minus und einer drohenden Pfändung solltest Du frühzeitig fachlich klären, wie Du Deine Zahlungseingänge und das notwendige Guthaben schützen kannst.
Vermeide darüber hinaus, notwendige Versicherungen vorschnell zu kündigen oder einen neuen Kredit aufzunehmen, nur um alte Verbindlichkeiten kurzfristig zu bedienen. Beides kann neue Risiken schaffen, ohne die eigentliche Ursache Deiner Zahlungsprobleme zu lösen.
Das wichtigste Warnsignal ist jedoch ein dauerhaft negatives Haushaltsbudget. Wenn Deine notwendigen monatlichen Ausgaben regelmäßig höher sind als Deine sicheren Einnahmen, werden Zahlungsaufschübe allein die Situation nicht stabilisieren. Dann solltest Du frühzeitig Unterstützung suchen und sowohl Deine Ausgaben als auch mögliche Leistungsansprüche und die langfristige Tragfähigkeit Deiner Verpflichtungen prüfen.
Checkliste
Wenn mehrere Rechnungen gleichzeitig fällig sind, hilft eine klare Vorgehensweise. Mit den folgenden Schritten kannst Du kurzfristig Ordnung schaffen, ohne wichtige Fristen oder existenzielle Ausgaben zu übersehen.
1. Tatsächlich verfügbares Geld feststellen
Prüfe Deinen aktuellen Kontostand und notiere alle sicheren Zahlungseingänge bis zum nächsten Abrechnungstermin. Berücksichtige dabei, ob Dein Konto überzogen oder gepfändet ist und ob bereits vorgemerkte Abbuchungen bestehen. Plane nur mit Geld, das Dir tatsächlich zur Verfügung steht.
2. Alle offenen Rechnungen zusammentragen
Sammle Rechnungen, Mahnungen, Kontoauszüge, Kreditunterlagen und gegebenenfalls gerichtliche Schreiben. Notiere für jede Forderung den Gläubiger, den offenen Betrag, die Fälligkeit und mögliche bereits angekündigte Maßnahmen. So erkennst Du, welche Forderungen dringend geprüft werden müssen.
3. Existenzielle Ausgaben absichern
Ermittle, wie viel Geld für Wohnung, Strom, Heizung, Lebensmittel, Medikamente und weitere unverzichtbare Verpflichtungen benötigt wird. Berücksichtige dabei individuelle Besonderheiten wie Unterhaltspflichten, gesundheitliche Bedürfnisse oder notwendige Fahrtkosten zur Arbeit.
4. Akute Fristen und Risiken kontrollieren
Prüfe, ob eine Kündigung, Energiesperre, Kontopfändung oder gerichtliche Frist bevorsteht. Reagiere auf entsprechende Schreiben auch dann, wenn Du die geltend gemachte Forderung nicht bezahlen kannst. Bei rechtlich unklaren Situationen solltest Du kurzfristig fachkundige Unterstützung hinzuziehen.
5. Gläubiger kontaktieren und Vereinbarungen dokumentieren
Informiere betroffene Gläubiger möglichst früh über die Zahlungsprobleme und frage nach realistischen Möglichkeiten. Halte Absprachen schriftlich fest. Unterschreibe keine Vereinbarung, deren finanzielle oder rechtliche Folgen Du nicht ausreichend überblickst.
6. Hilfsansprüche und Schuldnerberatung prüfen
Wenn die grundlegenden Lebenshaltungskosten nicht gedeckt sind, solltest Du geeignete Sozialleistungen oder besondere Hilfen beantragen. Bei mehreren Gläubigern oder dauerhaft untragbaren Schulden ist zusätzlich eine anerkannte Schuldnerberatung sinnvoll. Bewahre Bescheide, Anträge, Schriftwechsel und Zahlungsnachweise auf.
Häufige Fragen zur Reihenfolge von Rechnungen bei Geldproblemen
Wenn das Geld nicht reicht, entstehen häufig Unsicherheiten darüber, ob bestimmte Rechnungen unbedingt sofort bezahlt werden müssen und welche Konsequenzen ein Zahlungsaufschub haben kann. Die folgenden Antworten helfen Dir, besondere Situationen besser einzuordnen.
Sollte ich zuerst die Miete oder meine Kreditrate bezahlen?
Bei einer gewöhnlichen Konsumfinanzierung hat die Sicherung Deiner Wohnung in einer finanziellen Notlage häufig Vorrang. Erhebliche Mietrückstände können eine Kündigung nach sich ziehen, während bei einer ausbleibenden Kreditrate zunächst die vertraglichen und gesetzlichen Folgen zu prüfen sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass Du den Kredit dauerhaft ignorieren darfst. Kontaktiere die Bank möglichst früh und frage nach einer tragfähigen Lösung. Handelt es sich um einen Immobilienkredit für selbst genutztes Wohneigentum, ist eine gesonderte Betrachtung erforderlich, weil die Immobilie als Sicherheit betroffen sein kann.
Muss ich Inkassoforderungen vor anderen Rechnungen bezahlen?
Nein. Eine Inkassoforderung erhält nicht allein deshalb Vorrang, weil das Schreiben besonders dringlich formuliert ist. Prüfe zunächst, ob die Forderung berechtigt ist und welche Fristen tatsächlich bestehen. Bei begrenztem Geld sind existenziell wichtige Ausgaben häufig vorrangig zu sichern. Allerdings solltest Du Inkassoschreiben nicht ignorieren, da berechtigte Forderungen weiterverfolgt werden können und zusätzliche Kosten entstehen können. Falls bereits gerichtliche Unterlagen zugestellt wurden, musst Du die entsprechenden Verfahrensfristen unabhängig von Deiner Zahlungsfähigkeit beachten. Bei unklaren Kosten oder Forderungen kann eine Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatung helfen.
Was passiert, wenn ich nur einen Teil meiner Miete bezahle?
Eine Teilzahlung kann den Mietrückstand reduzieren und zeigen, dass Du Dich um eine Lösung bemühst. Sie verhindert jedoch nicht automatisch eine Kündigung. Entscheidend ist insbesondere, wie hoch der verbleibende Rückstand ist und ob die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kündigung erfüllt sind. Wenn Du die vollständige Miete nicht aufbringen kannst, solltest Du den Vermieter frühzeitig kontaktieren und möglichst eine schriftliche Vereinbarung treffen. Droht bereits ein Wohnungsverlust, wende Dich zusätzlich an das Jobcenter, Sozialamt oder die kommunale Fachstelle zur Wohnungssicherung. Warte nicht, bis ein Räumungsverfahren eingeleitet wurde.
Kann ich eine Stromrechnung später bezahlen als eine Kreditrate?
Eine Stromrechnung solltest Du nicht ohne sorgfältige Prüfung zurückstellen, nur damit eine gewöhnliche Kreditrate vollständig bezahlt werden kann. Bei erheblichen Energierückständen droht unter bestimmten Voraussetzungen eine Versorgungssperre. Prüfe zunächst, ob bereits Rückstände und eine Sperrandrohung vorliegen. In der Grundversorgung können gesetzliche Möglichkeiten bestehen, die Sperre durch eine Abwendungsvereinbarung mit zinsfreien Raten zu verhindern. Für Kreditraten kannst Du parallel eine Stundung oder andere Zahlungsanpassung anfragen. Die passende Lösung hängt davon ab, welche Rückstände und Vereinbarungen bereits bestehen und welche Zahlung Du dauerhaft finanzieren kannst.
Soll ich meine Kreditkarte oder meinen Dispokredit zuerst ausgleichen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Zunächst musst Du sicherstellen, dass die notwendigen Lebenshaltungskosten gedeckt sind. Anschließend können der effektive Zinssatz, die Fälligkeiten, mögliche Vertragskündigungen und weitere rechtliche Folgen bei der Entscheidung helfen. Ein besonders teurer Dispokredit kann hohe laufende Kosten verursachen, während eine Kreditkartenforderung möglicherweise bereits unmittelbar fällig ist. Prüfe deshalb beide Verträge und versuche gegebenenfalls, mit den Anbietern eine Lösung zu vereinbaren. Eine neue Finanzierung ist nur dann sinnvoll, wenn sie nachweislich tragfähig ist und Deine Gesamtsituation tatsächlich verbessert.
Was mache ich, wenn mein Geld nicht einmal für Lebensmittel reicht?
Wenn Du keine ausreichenden Mittel mehr für Lebensmittel und andere grundlegende Bedürfnisse hast, solltest Du kurzfristig Kontakt zum zuständigen Jobcenter oder Sozialamt aufnehmen. Schildere ausdrücklich, dass eine akute finanzielle Notlage vorliegt und die Versorgung nicht mehr gesichert ist. Je nach Leistungsanspruch und individueller Situation können besondere Hilfen oder Darlehen infrage kommen. Auch kommunale Sozialberatungen und gemeinnützige Organisationen können geeignete Hilfsangebote vermitteln. Versuche nicht, eine solche Situation durch einen teuren kurzfristigen Kredit zu lösen, ohne dass dessen Rückzahlung realistisch gesichert ist.
Darf ich Versicherungsbeiträge einfach nicht mehr bezahlen?
Nein, ein unüberlegter Zahlungsstopp kann erhebliche Nachteile verursachen. Je nach Versicherungsart und Vertragsbedingungen können Beitragsrückstände zu Mahnungen, Leistungseinschränkungen oder zum Verlust von Versicherungsschutz führen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen, der Krankenversicherung, unverzichtbarem existenziellem Schutz und weniger wichtigen Zusatzverträgen. Kontaktiere den Versicherer frühzeitig und frage nach Anpassungen, Stundungen oder anderen Lösungen. Prüfe eine Kündigung erst, wenn Du die Folgen verstanden hast. Gerade bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann es schwierig sein, später einen gleichwertigen Vertrag abzuschließen.
Was soll ich tun, wenn ich jeden Monat neue Rechnungen nicht bezahlen kann?
Wenn die notwendigen monatlichen Ausgaben dauerhaft höher sind als Deine verfügbaren Einnahmen, handelt es sich nicht mehr nur um ein Problem der Zahlungsreihenfolge. Erstelle eine vollständige Haushaltsübersicht und prüfe, welche Ausgaben tatsächlich verändert werden können. Gleichzeitig solltest Du mögliche Ansprüche auf Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung oder andere Unterstützung untersuchen lassen. Bestehen mehrere Schulden, kann eine anerkannte Schuldnerberatung mit Dir eine umfassende Lösung entwickeln. Weitere Kredite und immer neue Ratenzahlungsvereinbarungen können die Situation verschärfen, wenn bereits die laufenden Lebenshaltungskosten nicht zuverlässig gedeckt sind.
Fazit
Wenn Du bei Geldproblemen entscheiden musst, welche Rechnungen Du zuerst bezahlst, sollte die Sicherung Deiner existenziellen Lebensgrundlage im Mittelpunkt stehen. Miete, notwendige Energieversorgung, Lebensmittel und Medikamente besitzen eine besondere Bedeutung, weil ausbleibende Zahlungen unmittelbar Deine Wohnsituation, Gesundheit und Versorgung gefährden können. Unterhaltsverpflichtungen, Krankenversicherung und andere wichtige Ausgaben müssen entsprechend Deiner persönlichen Situation berücksichtigt werden.
Eine besonders eindringliche Mahnung oder eine hohe Kreditrate bedeutet dagegen nicht automatisch, dass diese Forderung zuerst bezahlt werden sollte. Entscheidend sind die tatsächlichen Folgen eines Zahlungsrückstands, mögliche rechtliche Fristen und Deine finanziellen Handlungsmöglichkeiten. Gerichtliche Schreiben und behördliche Aufforderungen musst Du unabhängig davon rechtzeitig bearbeiten. Wer lediglich alle Gläubiger mit kleinen Teilbeträgen bedient, ohne die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu sichern, riskiert unter Umständen zusätzliche Probleme.
Wenn Du Deine Miete oder Stromrechnung nicht mehr vollständig bezahlen kannst, solltest Du frühzeitig handeln. Suche das Gespräch mit Vermieter oder Versorger, prüfe mögliche staatliche Hilfen und wende Dich bei einer drohenden Kündigung oder Versorgungssperre unmittelbar an geeignete Beratungsstellen. Tragfähige Vereinbarungen müssen nicht nur alte Rückstände berücksichtigen, sondern auch genügend Geld für die laufenden Verpflichtungen lassen.
Reicht Dein Einkommen dauerhaft nicht für die notwendigen Ausgaben, wird eine andere Zahlungsreihenfolge allein nicht genügen. Dann brauchst Du eine umfassendere Lösung, die Deine finanzielle Situation stabilisiert und bestehende Schulden realistisch berücksichtigt. Eine anerkannte Schuldnerberatung kann dabei helfen, die nächsten Schritte zu planen und zu vermeiden, dass einzelne kurzfristige Entscheidungen die finanzielle Belastung weiter erhöhen.
Die wichtigste Entscheidung bei akutem Geldmangel lautet deshalb nicht, welcher Gläubiger am dringendsten Geld verlangt, sondern welche Zahlung welche konkreten Folgen hat und wie Du Deinen notwendigen Lebensunterhalt sichern kannst.