Prämiensparen galt über Jahrzehnte als attraktive Möglichkeit, langfristig und ohne größere Risiken Vermögen aufzubauen. Besonders Sparkassen boten Sparverträge an, bei denen Kunden monatlich einen festen Betrag einzahlen und dafür neben den regulären Zinsen zusätzliche Prämien erhalten. Je länger der Vertrag läuft, desto höher können diese Prämien ausfallen. Gerade bei älteren Verträgen sind teilweise noch vergleichsweise großzügige Prämienstaffeln vereinbart.
Ob sich Prämiensparen tatsächlich lohnt, lässt sich allerdings nicht allein an einer hohen Prämie erkennen. Ein Vertrag mit 50 Prozent Sparprämie kann auf den ersten Blick ausgesprochen lukrativ wirken. Tatsächlich beziehen sich solche Prämien üblicherweise nur auf die innerhalb eines bestimmten Jahres geleisteten Sparbeiträge und nicht auf das gesamte angesparte Guthaben. Gleichzeitig können niedrige variable Zinsen die Gesamtrendite deutlich begrenzen.
Für Sparer ist deshalb entscheidend, wie das Zusammenspiel aus monatlicher Sparrate, Verzinsung, Prämienstaffel und Vertragsdauer funktioniert. Auch bestehende Verträge verdienen Aufmerksamkeit: Bei zahlreichen älteren Prämiensparverträgen gab es Auseinandersetzungen über fehlerhafte Zinsanpassungen und die Frage, wann Banken solche Verträge kündigen dürfen.
Wie funktioniert Prämiensparen?
Beim Prämiensparen vereinbart der Kunde mit einer Bank oder Sparkasse, regelmäßig einen bestimmten Betrag einzuzahlen. Häufig handelt es sich um eine monatliche Sparrate, beispielsweise 25, 50 oder 100 Euro. Das angesparte Guthaben wird verzinst. Zusätzlich zahlt das Kreditinstitut unter den vertraglich festgelegten Voraussetzungen eine Sparprämie.
Das Besondere ist die sogenannte Prämienstaffel. Sie legt fest, ab welchem Sparjahr eine zusätzliche Prämie gezahlt wird und wie hoch diese ausfällt. Bei vielen klassischen Verträgen steigt der Prämiensatz mit zunehmender Vertragsdauer. Damit soll ein Anreiz entstehen, möglichst lange regelmäßig weiterzusparen.
Anders als bei einem klassischen Festgeldkonto wird das Geld nicht zwangsläufig für eine feste Laufzeit zu einem garantierten Zinssatz angelegt. Viele Prämiensparverträge arbeiten mit einem variablen Grundzins, der sich während der Vertragsdauer verändern kann. Die Prämienstaffel ist dagegen häufig vertraglich festgelegt.
Die genaue Ausgestaltung hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Das betrifft insbesondere die Berechnung der Prämien, die Kündigungsrechte, mögliche Änderungen der Sparrate und den Zeitpunkt der Zinsgutschrift.
Wie werden die Sparprämien berechnet?
Bei einem typischen Prämiensparvertrag wird die Prämie als Prozentsatz der im jeweiligen Sparjahr vertragsgemäß eingezahlten Sparbeiträge berechnet. Das bedeutet: Nicht das gesamte angesparte Kapital erhält beispielsweise 30 oder 50 Prozent zusätzlich, sondern nur die dafür maßgeblichen Einzahlungen des betreffenden Jahres.
Wer monatlich 100 Euro spart, zahlt innerhalb von zwölf Monaten insgesamt 1.200 Euro ein. Beträgt die vereinbarte Jahresprämie 20 Prozent, ergibt sich daraus eine zusätzliche Gutschrift von 240 Euro. Bei einer Prämie von 50 Prozent wären es 600 Euro.
Diese Beträge können erheblich sein. Allerdings erhält der Sparer eine solche hohe Prämie bei klassischen Staffelmodellen häufig erst nach vielen Jahren. In den ersten Sparjahren fällt sie meist deutlich niedriger aus oder entfällt vollständig.
Wie hoch können die Prämien beim Prämiensparen ausfallen?
Die Prämienstaffel ist einer der wichtigsten Bestandteile des Vertrags. Sie bestimmt, wie stark regelmäßiges Sparen belohnt wird. Besonders ältere Sparkassenverträge enthalten teilweise Staffelungen, die nach 15 Jahren eine jährliche Prämie von 50 Prozent der maßgeblichen Sparbeiträge vorsehen.
Die folgende Tabelle zeigt eine frei gewählte Modellstaffel. Sie dient ausschließlich dazu, die Funktionsweise zu verdeutlichen und stellt kein aktuelles Bankangebot dar.
| Sparjahr | Prämie | Prämie bei 100 € monatlich |
|---|---|---|
| 1.–3. Jahr | 0 % | 0 € |
| 4.–5. Jahr | 3 % | 36 € |
| 6.–7. Jahr | 5 % | 60 € |
| 8.–9. Jahr | 10 % | 120 € |
| 10.–11. Jahr | 20 % | 240 € |
| 12.–14. Jahr | 30 % | 360 € |
| Ab 15. Jahr | 50 % | 600 € |
In diesem Beispiel steigt die jährliche Prämie bei unveränderter Sparrate von zunächst null auf 600 Euro. Sobald die höchste Prämienstufe erreicht ist, kann sie bei fortgesetzter vertragsgemäßer Besparung Jahr für Jahr erneut anfallen.
Gerade dieser Effekt macht ältere Verträge interessant. Wer die höchste Prämienstufe bereits erreicht hat, profitiert möglicherweise von einer Zusatzvergütung, die bei neu angebotenen Sparprodukten kaum in vergleichbarer Form zu finden ist.
Allerdings darf die Prämie nicht mit einer Verzinsung des Gesamtguthabens verwechselt werden. Wer nach 20 Jahren beispielsweise 30.000 Euro angespart hat und eine Jahresprämie von 600 Euro erhält, bekommt damit nicht automatisch eine Rendite von 50 Prozent auf sein Vermögen.
Beispielrechnung: Wie viel Geld entsteht durch Prämiensparen?
Um den finanziellen Effekt besser einzuordnen, betrachten wir einen Modellvertrag mit einer monatlichen Sparrate von 100 Euro und einer Laufzeit von 20 Jahren. Die Prämienstaffel entspricht dem vorherigen Beispiel.
Für die Berechnung nehmen wir zunächst an, dass die Prämien jährlich gutgeschrieben werden und während der gesamten Laufzeit ein unveränderter Grundzins von 0,5 Prozent pro Jahr gilt. Tatsächliche Prämiensparverträge können eine andere Zinsentwicklung und abweichende Gutschriftbedingungen haben.
Ergebnis nach 20 Jahren
<escape>| Bestandteil | Betrag |
|—|—:|
| Monatliche Sparrate | 100 € |
| Laufzeit | 20 Jahre |
| Eigene Einzahlungen | 24.000 € |
| Gesamte Sparprämien | 5.952 € |
| Rechnerische Zinsen | ca. 1.145 € |
| Endguthaben | ca. 31.097 € |</escape>
Die Modellrechnung unterstellt monatliche Einzahlungen am Monatsende, monatlich anteilig berechnete Zinsen und jährliche Prämiengutschriften zum Jahresende. Steuern bleiben unberücksichtigt. Rundungsabweichungen sind möglich.
Das Ergebnis zeigt, wie stark die zusätzlichen Prämien zum Vermögensaufbau beitragen können. Von den rund 7.097 Euro, die über die eigenen Einzahlungen hinaus entstehen, stammen 5.952 Euro aus Prämien. Die regulären Zinsen machen dagegen einen deutlich kleineren Anteil aus.
Gerade bei niedrigen Grundzinsen können attraktive Prämienstaffeln deshalb einen wesentlichen Teil des wirtschaftlichen Vorteils ausmachen.
Warum eine hohe Prämie nicht automatisch eine hohe Rendite bedeutet
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, die Prämienhöhe direkt mit einem Jahreszins gleichzusetzen. Tatsächlich fließen die monatlichen Sparbeiträge über viele Jahre in den Vertrag. Frühe Einzahlungen bleiben besonders lange gebunden beziehungsweise im Sparvertrag angelegt, während spätere Beiträge nur noch kurze Zeit bis zum betrachteten Enddatum verzinst werden.
Um die tatsächliche Wirtschaftlichkeit zu bestimmen, muss berücksichtigt werden, wann die einzelnen Einzahlungen erfolgen und zu welchen Zeitpunkten Zinsen und Prämien gutgeschrieben werden.
Dafür eignet sich die interne Rendite, auch als interner Zinsfuß bezeichnet. Sie beschreibt den rechnerischen jährlichen Ertrag unter Berücksichtigung sämtlicher Zahlungszeitpunkte. Bei der Bewertung eines bestehenden Vertrags sollte außerdem unterschieden werden zwischen der Rendite seit Vertragsbeginn und der Rendite, die sich ab heute durch weiteres Sparen erzielen lässt.
Prämiensparen oder Tagesgeld: Was ist besser?
Prämiensparen und Tagesgeld erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Tagesgeld eignet sich besonders für Geld, das kurzfristig verfügbar bleiben soll. Prämiensparen belohnt dagegen häufig die langfristige Fortsetzung regelmäßiger Einzahlungen.
Beim Tagesgeld wird grundsätzlich das vorhandene Guthaben mit dem jeweils geltenden Zinssatz verzinst. Beim Prämiensparen können zusätzliche Prämien die niedrige Grundverzinsung ausgleichen. Dafür müssen häufig bestimmte Vertragsbedingungen erfüllt werden.
Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Auf einem Tagesgeldkonto mit 20.000 Euro Guthaben und einem angenommenen Jahreszins von 2 Prozent entstehen bei unverändertem Zinssatz innerhalb eines Jahres 400 Euro Zinsen vor Steuern.
Bei einem Prämiensparvertrag mit ebenfalls 20.000 Euro Guthaben, 100 Euro monatlicher Sparrate, 0,5 Prozent Grundzins und einer Prämie von 50 Prozent auf die jährlichen Einzahlungen können im selben Zeitraum ungefähr 100 Euro Grundzinsen und 600 Euro Prämie entstehen. Die zusätzlichen Einzahlungen von 1.200 Euro sind dabei kein Ertrag.
Der Prämiensparvertrag würde unter diesen Modellannahmen also etwa 700 Euro Ertrag liefern. Allerdings ist dieser Vergleich nur eingeschränkt aussagekräftig: Beim Prämiensparen wird weiteres Kapital eingezahlt, während beim Tagesgeldbeispiel ein vorhandenes Guthaben betrachtet wird. Für einen belastbaren Renditevergleich müssen identische Zahlungsströme und Zeiträume zugrunde gelegt werden.
Der praktische Unterschied bleibt dennoch klar: Tagesgeld bietet gewöhnlich eine höhere Flexibilität. Ein älterer Prämiensparvertrag kann dagegen besonders attraktiv sein, wenn bereits eine hohe Prämienstufe erreicht wurde.
Prämiensparen oder ETF-Sparplan: Welche Unterschiede bestehen?
Auch mit einem ETF-Sparplan lässt sich regelmäßig Vermögen aufbauen. Das wirtschaftliche Prinzip unterscheidet sich jedoch grundlegend.
Beim Prämiensparen stehen vertraglich geregelte Zinsen und Prämien im Mittelpunkt. Ein ETF-Sparplan investiert dagegen in Wertpapiere, beispielsweise in Aktien zahlreicher Unternehmen. Die Wertentwicklung hängt von den Kapitalmärkten ab und kann zwischenzeitlich deutlich negativ ausfallen.
Ein breit gestreuter Aktien-ETF kann über lange Zeiträume höhere Renditechancen bieten. Garantiert ist das nicht. Selbst nach vielen Jahren sind Verluste möglich, insbesondere wenn das Geld während einer schwachen Marktphase benötigt wird.
Prämiensparen bietet bei einem gewöhnlichen Bankeinlagenprodukt dagegen keine aktienmarktabhängigen Kursschwankungen. Die nominale Sicherheit des Guthabens und die vertraglich vorgesehenen Leistungen müssen allerdings von der tatsächlichen Kaufkraft unterschieden werden.
Wer in fünf Jahren Geld für eine größere Anschaffung benötigt, sollte dieses nicht allein wegen möglicher Renditechancen in Aktien investieren. Bei einem langfristigen Vermögensaufbau über 20 oder 30 Jahre kann ein breit gestreuter ETF-Sparplan dagegen eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung sein.
Besonders bei bestehenden Prämiensparverträgen mit hoher Prämienstufe kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, den Vertrag weiterzuführen und zusätzlich einen ETF-Sparplan für andere Sparziele zu nutzen.
Welche Rolle spielen die variablen Zinsen?
Bei zahlreichen Prämiensparverträgen ist die Grundverzinsung variabel. Das bedeutet, dass der Zinssatz nicht dauerhaft feststeht, sondern während der Vertragslaufzeit angepasst werden kann.
Entscheidend ist, nach welchen Regeln diese Anpassung erfolgt. Gerade bei älteren Sparkassenverträgen gab es über Jahre Streit darüber, ob verwendete Zinsanpassungsklauseln wirksam waren und ob Kunden ausreichend Zinsen erhalten hatten.
Der Bundesgerichtshof hat sich mehrfach mit solchen Verträgen beschäftigt. Insbesondere Klauseln, die Kreditinstituten eine weitgehend freie Anpassung der Zinsen ermöglichten, wurden rechtlich beanstandet.
Für betroffene Sparer kann das bedeuten, dass ihnen Zinsnachzahlungen zustehen. Ob ein Anspruch besteht und wie hoch er ausfällt, hängt vom konkreten Vertrag, den verwendeten Klauseln, dem maßgeblichen Referenzzinssatz und weiteren rechtlichen Umständen ab.
Warum die Zinsanpassung so entscheidend ist
Schon geringe Zinsunterschiede können sich über lange Vertragslaufzeiten erheblich auswirken. Wird ein Sparguthaben über viele Jahre zu niedrig verzinst, betrifft das nicht nur einzelne Zinsgutschriften. Auch der Zinseszinseffekt kann geringer ausfallen.
Angenommen, ein Guthaben von 20.000 Euro wird über zehn Jahre durchschnittlich mit 0,5 statt mit 1,5 Prozent jährlich verzinst. Ohne weitere Einzahlungen und vor Steuern ergeben sich bei jährlicher Verzinsung ungefähr folgende Werte:
| Verzinsung | Guthaben nach 10 Jahren |
|---|---|
| 0,5 % jährlich | 21.023 € |
| 1,5 % jährlich | 23.211 € |
| Unterschied | 2.188 € |
Die Rechnung zeigt lediglich die Größenordnung eines Zinsunterschieds. Sie ist keine Berechnung möglicher Nachzahlungsansprüche aus einem Prämiensparvertrag.
Bei tatsächlichen Verträgen müssen die vereinbarten Sparraten, die Entwicklung des maßgeblichen Referenzzinses, die Zinsanpassungstermine und die Vertragsbedingungen berücksichtigt werden.
Können Sparer zu wenig Zinsen erhalten haben?
Ja. Bei bestimmten älteren Prämiensparverträgen können unwirksame Zinsanpassungsklauseln dazu geführt haben, dass Kunden über längere Zeit zu niedrige Zinsgutschriften erhalten haben.
Allerdings ist nicht jeder variable Zinssatz automatisch fehlerhaft. Entscheidend ist, ob die konkrete Klausel den rechtlichen Anforderungen genügt und ob die tatsächlich vorgenommenen Anpassungen korrekt waren.
Der Bundesgerichtshof hat im Zusammenhang mit unwirksamen Zinsanpassungsklauseln Grundsätze zur ergänzenden Vertragsauslegung entwickelt. Dabei können insbesondere ein geeigneter langfristiger Referenzzinssatz, das Verhältnis zwischen Vertragszins und Referenzzins sowie regelmäßige Anpassungsintervalle eine Rolle spielen.
Bei älteren Verträgen ist deshalb eine Prüfung sinnvoll, wenn die Zinsanpassung im Vertrag unklar beschrieben wird oder der Zinssatz über lange Zeit auffällig niedrig geblieben ist.
Wichtig ist außerdem die Verjährung möglicher Ansprüche. Bei bestimmten Prämiensparverträgen hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Ansprüche auf weitere Zinsbeträge grundsätzlich erst mit Beendigung des Sparvertrags fällig werden. Daraus können sich erhebliche Auswirkungen auf den Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist ergeben. Die rechtliche Bewertung hängt jedoch vom konkreten Anspruch und Vertrag ab.
Wer einen solchen Vertrag besitzt oder in den vergangenen Jahren gekündigt hat, sollte Vertragsunterlagen und Abrechnungen aufbewahren und mögliche Ansprüche rechtzeitig prüfen lassen.
Darf die Sparkasse einen Prämiensparvertrag kündigen?
Die Kündigung älterer Prämiensparverträge war Gegenstand zahlreicher rechtlicher Auseinandersetzungen. Hintergrund ist, dass manche Verträge für Kreditinstitute bei niedrigen Marktzinsen wirtschaftlich unattraktiv geworden sind, insbesondere wenn Kunden hohe Sparprämien erhalten.
Ob eine Kündigung wirksam ist, richtet sich nach den konkreten Vertragsbedingungen und den gesetzlichen Kündigungsregeln.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass eine Sparkasse einen bestimmten unbefristeten Prämiensparvertrag nach Erreichen der höchsten Prämienstufe grundsätzlich ordentlich kündigen konnte, sofern keine abweichende vertragliche Bindung entgegenstand.
Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Kündigung nach 15 Jahren automatisch zulässig ist.
Wann kann eine Kündigung problematisch sein?
Besonders sorgfältig geprüft werden sollten Verträge, bei denen eine längere Laufzeit oder eine darüber hinausgehende Prämienvereinbarung Bestandteil der vertraglichen Regelungen ist.
Ein Vertrag kann beispielsweise eine Prämienstaffel enthalten, die deutlich über das 15. Sparjahr hinausgeht. Ob sich daraus eine längere Bindung der Bank ergibt, hängt von der Vertragsgestaltung und deren rechtlicher Auslegung ab.
Auch Werbeaussagen, ergänzende Vereinbarungen oder ausdrücklich zugesagte Laufzeiten können für die Beurteilung relevant sein. Sie ersetzen allerdings nicht automatisch eine verbindliche Vertragsregelung.
Wer eine Kündigung erhält, sollte deshalb nicht allein auf die bisherige Vertragsdauer schauen. Entscheidend sind der ursprüngliche Sparvertrag, die Prämienstaffel, mögliche Nachträge und die Kündigungsbegründung.
Bei Zweifeln kann eine rechtliche Prüfung durch eine Verbraucherzentrale oder einen entsprechend spezialisierten Rechtsanwalt sinnvoll sein.
Lohnt es sich, einen bestehenden Prämiensparvertrag weiterzuführen?
Gerade bei älteren Verträgen ist die Antwort häufig interessanter als bei einem Neuabschluss. Wer bereits seit 15 oder 20 Jahren regelmäßig spart, hat möglicherweise eine hohe Prämienstufe erreicht und erhält bei fortgesetzter Besparung jedes Jahr einen beträchtlichen Zusatzbetrag.
Für die Entscheidung zählt nicht nur, welche Rendite der Vertrag in der Vergangenheit erzielt hat. Maßgeblich ist vor allem, welchen zusätzlichen Ertrag die nächsten Einzahlungen bringen und welche Alternativen zur Verfügung stehen.
Ein Beispiel: Ein Sparer zahlt monatlich 100 Euro ein und erhält auf die jährlichen Einzahlungen eine Prämie von 50 Prozent. Dadurch entstehen bei vollständiger Erfüllung der Vertragsbedingungen jährlich 600 Euro Prämie. Zusätzlich wird das angesparte Guthaben verzinst.
Wer den Vertrag beendet, verliert möglicherweise die Möglichkeit, diese Prämien künftig zu erhalten. Bei einem neu eröffneten Tagesgeldkonto gibt es dagegen üblicherweise keine vergleichbare zusätzliche Vergütung für regelmäßige Einzahlungen.
Allerdings muss geprüft werden, wie hoch der Grundzins ist, ob die Prämienstufe dauerhaft gilt und ob die Bank den Vertrag wirksam kündigen kann.
Warum die bisherige Vertragslaufzeit die Entscheidung verändert
Ein Neuabschluss und die Fortführung eines bestehenden Vertrags sind wirtschaftlich nicht gleichzusetzen.
Wer einen neuen Vertrag mit anfangs niedrigen Prämien abschließt, muss möglicherweise viele Jahre warten, bis sich hohe Prämien ergeben. Ein langjähriger Sparer hat diese Anfangsphase bereits hinter sich.
Für die zukünftige Entscheidung sind die früheren Einzahlungen versunkene Kosten. Sie sollten nicht dazu führen, einen schlechten Vertrag nur aus Gewohnheit fortzuführen. Gleichzeitig darf eine bereits erreichte hohe Prämienstufe nicht ignoriert werden.
Die entscheidende Frage lautet daher: Welche zusätzliche Rendite bringt mir die Fortführung ab heute, verglichen mit einer realistischen Alternative?
Wann ist Prämiensparen weniger attraktiv?
Nicht jeder Prämiensparvertrag bietet einen überzeugenden finanziellen Vorteil. Besonders kritisch sind Modelle mit niedriger Grundverzinsung, langen Wartezeiten auf attraktive Prämien und eingeschränkter Flexibilität.
Wer beispielsweise nur drei oder vier Jahre sparen möchte, profitiert von einer Prämienstaffel mit hohen Vergütungen ab dem zehnten oder fünfzehnten Jahr kaum. Die besonders attraktiven Vertragsbestandteile bleiben dann unerreichbar.
Auch die Inflation spielt eine wichtige Rolle. Liegt die jährliche Gesamtrendite unter der Inflationsrate, verliert das angesparte Geld trotz nominaler Erträge an Kaufkraft.
Eine Modellrechnung verdeutlicht diesen Zusammenhang: Steigt das Preisniveau jährlich um 2 Prozent, benötigt man nach zehn Jahren ungefähr 12.190 Euro, um die gleiche Kaufkraft wie mit 10.000 Euro zu Beginn zu besitzen.
Ein Sparvertrag, der über diesen Zeitraum nur eine durchschnittliche nominale Rendite von 1 Prozent erzielt, gleicht diesen Kaufkraftverlust nicht vollständig aus.
Bei der Beurteilung sollte deshalb nicht nur das Endguthaben betrachtet werden, sondern auch, was sich mit dem Geld später tatsächlich kaufen lässt.
Wie sicher ist das Geld beim Prämiensparen?
Klassisches Prämiensparen bei einer Bank oder Sparkasse ist grundsätzlich eine Form der Bankeinlage. Solche Guthaben unterliegen im Rahmen der gesetzlichen Voraussetzungen der Einlagensicherung.
Innerhalb der Europäischen Union sind grundsätzlich bis zu 100.000 Euro pro Einleger und Kreditinstitut gesetzlich geschützt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann für zeitlich begrenzte hohe Guthaben ein zusätzlicher Schutz bestehen.
Bei deutschen Sparkassen kommt das institutsbezogene Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe hinzu. Dieses soll insbesondere die angeschlossenen Institute schützen und ist als Einlagensicherungssystem anerkannt.
Die Einlagensicherung schützt jedoch nicht vor Inflation. Auch garantiert sie nicht, dass ein variabler Zinssatz dauerhaft auf einem bestimmten Niveau bleibt oder ein Vertrag unbegrenzt fortgeführt werden kann.
Für Sparer mit größeren Guthaben ist außerdem wichtig, dass die gesetzliche Sicherungsgrenze grundsätzlich sämtliche relevanten Einlagen bei demselben Kreditinstitut zusammenfasst. Mehrere Konten bei derselben Bank führen deshalb nicht automatisch zu mehrfachen Sicherungsgrenzen.
Welche Steuern fallen auf Zinsen und Sparprämien an?
Zinsen aus Prämiensparverträgen zählen grundsätzlich zu den steuerpflichtigen Kapitalerträgen. Auch Sparprämien sind regelmäßig als Kapitalerträge steuerlich relevant.
In Deutschland unterliegen solche Erträge grundsätzlich der Kapitalertragsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Allerdings können Kapitalerträge innerhalb des Sparer-Pauschbetrags steuerfrei bleiben. Dieser beträgt 1.000 Euro jährlich für Einzelpersonen und 2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare beziehungsweise eingetragene Lebenspartner.
Ein Freistellungsauftrag kann dafür sorgen, dass die Bank Kapitalerträge bis zur verfügbaren Höhe des Pauschbetrags ohne Steuerabzug auszahlt.
Wer mehrere Bankverbindungen besitzt, sollte darauf achten, dass die insgesamt erteilten Freistellungsaufträge den zulässigen Betrag nicht überschreiten.
Für die tatsächliche Rendite ist die Besteuerung relevant, weil ein Teil der gutgeschriebenen Zinsen und Prämien gegebenenfalls nicht vollständig beim Sparer verbleibt. Bei besonderen Vertragsgestaltungen kann die steuerliche Einordnung im Einzelfall abweichen.
Worauf sollte man vor einem Prämiensparvertrag achten?
Ein Prämiensparvertrag sollte nicht allein anhand der höchsten beworbenen Prämienstufe beurteilt werden. Die wirtschaftliche Qualität ergibt sich aus dem gesamten Vertragsverlauf.
Besonders wichtig sind die Grundverzinsung, die Prämienstaffel und die Frage, wie lange der Vertrag tatsächlich fortgeführt werden kann. Hinzu kommen die Möglichkeiten, Sparraten zu verändern oder das Guthaben vorzeitig zu entnehmen.
Eine praktische Prüfung lässt sich anhand weniger Punkte durchführen.
- Grundzins prüfen: Ist der Zinssatz fest oder variabel? Nach welchen Regeln darf er angepasst werden?
- Prämienstaffel vollständig lesen: Ab welchem Sparjahr gibt es Prämien und wann wird die höchste Stufe erreicht?
- Berechnungsgrundlage klären: Werden Prämien auf Jahresbeiträge, bestimmte Einzahlungen oder eine andere Grundlage gezahlt?
- Laufzeit und Kündigungsrechte prüfen: Welche Bindungen bestehen für den Sparer und für das Kreditinstitut?
- Verfügbarkeit klären: Welche Folgen haben eine vorzeitige Kündigung, eine Sparpause oder eine Änderung der Sparrate?
- Gesamtrendite berechnen: Wie entwickelt sich das Guthaben unter realistischen Zinsannahmen über die geplante Spardauer?
- Alternativen vergleichen: Welche Ergebnisse wären mit Tagesgeld, Festgeld oder einem anderen passenden Sparprodukt möglich?
Gerade bei variablen Zinsen sollten mehrere Szenarien betrachtet werden. Ein Vertrag kann bei einem bestimmten Zinsniveau attraktiv sein und bei einer deutlich niedrigeren Grundverzinsung wesentlich schlechter abschneiden.
Was tun, wenn man bereits einen alten Prämiensparvertrag besitzt?
Wer einen älteren Prämiensparvertrag besitzt, sollte zunächst die ursprünglichen Vertragsunterlagen zusammentragen. Dazu gehören insbesondere der Sparvertrag, die Prämienstaffel, mögliche Nachträge und möglichst sämtliche verfügbaren Jahresabrechnungen.
Anschließend lohnt sich ein Blick auf die bisherige Zinsentwicklung. Wurden die Zinsen über viele Jahre nur geringfügig angepasst, obwohl sich die allgemeinen Kapitalmarktzinsen deutlich verändert haben, kann eine Prüfung der Zinsanpassungsklausel sinnvoll sein. Eine auffällige Entwicklung allein beweist allerdings noch keinen Fehler.
Auch der aktuelle Vertragsstatus ist entscheidend. Läuft der Vertrag weiterhin, sollte die nächste Prämienstufe beziehungsweise die bereits erreichte höchste Stufe dokumentiert werden. Wurde der Vertrag gekündigt, sind Kündigungsschreiben und Auszahlungsabrechnung besonders wichtig.
Bei möglichen Zinsnachforderungen sollte nicht vorschnell auf Ansprüche verzichtet werden. Eine angebotene Vergleichszahlung oder eine abschließende Abrechnung kann rechtliche Folgen haben, wenn damit eine umfassende Erledigung vereinbart wird.
Eine individuelle Vertragsprüfung ist besonders sinnvoll, wenn hohe Sparguthaben, lange Laufzeiten oder erhebliche mögliche Nachzahlungen betroffen sind.
Fazit: Prämiensparen kann vor allem bei älteren Verträgen attraktiv sein
Prämiensparen ist ein vergleichsweise einfaches Sparmodell, dessen tatsächliche Wirtschaftlichkeit jedoch stark von den Vertragsbedingungen abhängt. Zusätzliche Prämien können die Gesamtrendite erheblich verbessern, insbesondere wenn ein Vertrag über viele Jahre fortgeführt wird und eine hohe Prämienstufe erreicht ist.
Für einen Neuabschluss sollte die gesamte geplante Laufzeit betrachtet werden. Hohe Prämien, die erst nach vielen Jahren gezahlt werden, machen einen Vertrag nicht automatisch besser als flexiblere Alternativen. Entscheidend sind die Gesamtrendite, die Verfügbarkeit des Geldes und die persönlichen Sparziele.
Bei älteren Prämiensparverträgen lohnt sich dagegen häufig eine besonders sorgfältige Prüfung. Neben attraktiven Prämienstaffeln können mögliche Ansprüche wegen fehlerhafter Zinsanpassungen oder Fragen zur Wirksamkeit einer Kündigung eine Rolle spielen. Wer einen solchen Vertrag besitzt, sollte ihn deshalb nicht allein wegen eines niedrigen Grundzinses vorschnell aufgeben.
Häufige Fragen zum Prämiensparen
Die folgenden Antworten klären wichtige Detailfragen, die bei der Nutzung, Fortführung oder Beendigung eines Prämiensparvertrags auftreten können.
Kann man beim Prämiensparen die monatliche Sparrate ändern?
Ob eine Änderung möglich ist, hängt vom Vertrag ab. Manche Verträge erlauben eine Anpassung der Sparrate, andere sehen feste monatliche Einzahlungen vor. Eine Änderung kann Auswirkungen auf die Prämienberechnung haben. Vor einer Anpassung sollte deshalb eine schriftliche Bestätigung der Bank eingeholt werden.
Kann man beim Prämiensparen eine Sparpause einlegen?
Eine Sparpause ist nicht bei jedem Vertrag vorgesehen. Werden vereinbarte Einzahlungen ausgesetzt, kann dies je nach Vertragsbedingungen Auswirkungen auf Prämienansprüche oder die Fortführung des Vertrags haben. Deshalb sollte vor einer Sparpause geklärt werden, welche Folgen entstehen.
Werden Sparprämien automatisch ausgezahlt?
Bei vielen Verträgen werden die Prämien dem Sparguthaben gutgeschrieben. Ob sie separat ausgezahlt oder dem Kapital zugeschlagen werden, richtet sich nach den Vertragsbedingungen. Auch der Zeitpunkt der Gutschrift kann unterschiedlich geregelt sein.
Kann man beim Prämiensparen Geld vorzeitig abheben?
Die Verfügungsmöglichkeiten unterscheiden sich je nach Vertrag. Teilweise können Guthaben unter Einhaltung bestimmter Fristen entnommen werden. Eine vorzeitige Verfügung kann allerdings Auswirkungen auf die Fortsetzung des Vertrags und zukünftige Prämien haben.
Gibt es Prämiensparen heute noch?
Prämiensparen ist nicht grundsätzlich abgeschafft. Klassische langfristige Prämiensparverträge mit hohen, über viele Jahre steigenden Prämienstaffeln werden allerdings deutlich seltener angeboten als früher. Ob aktuell ein passendes Produkt verfügbar ist, muss bei den jeweiligen Kreditinstituten geprüft werden.
Sind 50 Prozent Sparprämie wirklich 50 Prozent Rendite?
Nein. Die Prämie bezieht sich bei typischen Verträgen auf die maßgeblichen Sparbeiträge eines Jahres und nicht auf das gesamte Guthaben. Die tatsächliche jährliche Rendite ergibt sich erst aus sämtlichen Einzahlungen, Zinsen, Prämien und deren zeitlichem Verlauf.
Kann man nach einer Kündigung noch Zinsen nachfordern?
Das kann möglich sein, wenn der Vertrag eine unwirksame Zinsanpassungsklausel enthält und dadurch zu niedrige Zinsen gutgeschrieben wurden. Ob Ansprüche bestehen, hängt vom konkreten Vertrag und der rechtlichen Situation ab. Wichtig ist insbesondere, mögliche Verjährungsfristen zu prüfen.
Ist Prämiensparen für Kinder sinnvoll?
Ein Prämiensparvertrag kann grundsätzlich auch für langfristige Sparziele von Kindern geeignet sein, sofern ein entsprechendes Produkt angeboten wird und die Vertragsbedingungen passen. Entscheidend sind die Gesamtrendite, die Laufzeit und die Flexibilität. Bei sehr langen Anlagehorizonten sollten auch andere Sparformen in den Vergleich einbezogen werden.