Deutschland fehlen Fachkräfte – aber nicht überall und nicht in jedem Beruf. Die aktuelle Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit weist für das Jahr 2025 insgesamt 157 Berufsgattungen mit einem Fachkräfteengpass aus. Damit ist ihre Zahl zwar erneut gesunken: 2024 waren es 163 und 2023 noch 183. Besonders angespannt bleibt die Situation jedoch in Pflege- und Gesundheitsberufen, Teilen des Handwerks und Baugewerbes sowie in verschiedenen sozialen und technischen Berufen. Auch Berufskraftfahrer, Köche und Erzieher werden weiterhin stark gesucht.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Von einem flächendeckenden Mangel an Arbeitskräften kann derzeit keine Rede sein. In zahlreichen Berufen gibt es mehr Arbeitsuchende als freie Stellen, während Unternehmen in anderen Bereichen große Schwierigkeiten haben, Menschen mit genau der benötigten Ausbildung oder Berufserfahrung zu finden. Fachkräftemangel bedeutet deshalb nicht einfach, dass Deutschland zu wenige Menschen zum Arbeiten hat. Häufig passen Qualifikation, Beruf, Region und die Anforderungen der offenen Stellen nicht zusammen.
Für Beschäftigte und Berufseinsteiger kann diese Entwicklung erhebliche Folgen haben. Wer eine Qualifikation besitzt, die in einem Engpassberuf benötigt wird, verfügt häufig über bessere Möglichkeiten beim Arbeitgeberwechsel und kann bei Arbeitsbedingungen oder Gehalt eine stärkere Verhandlungsposition haben. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass jeder Engpassberuf hervorragend bezahlt wird. Gerade in Pflege, Erziehung oder bestimmten Handwerksberufen treffen ein hoher Personalbedarf und anspruchsvolle Arbeitsbedingungen teilweise auf Gehaltsstrukturen, die nicht allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden.
Wo der Fachkräftemangel derzeit besonders groß ist
Ein besonders deutlicher Fachkräftemangel besteht weiterhin dort, wo qualifizierte Beschäftigte nicht kurzfristig ersetzt werden können. Eine ausgebildete Pflegefachkraft, ein Elektroniker oder eine Physiotherapeutin lässt sich nicht einfach durch eine beliebige arbeitsuchende Person ersetzen. Ausbildung, Fachkenntnisse, Berufserfahrung oder staatlich geregelte Qualifikationen begrenzen das Angebot geeigneter Bewerber.
Nach der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit gehören Pflege- und Gesundheitsberufe sowie Bau- und Handwerksberufe weiterhin zu den besonders betroffenen Bereichen. Hinzu kommen unter anderem Erzieher, Berufskraftfahrer und Köche. Neu beziehungsweise erneut als Engpassberufe hinzugekommen sind 2025 beispielsweise Tätigkeiten der Vermessungstechnik sowie Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Dagegen wurden unter anderem für Softwareentwicklung, IT-Vertrieb und spanende Metallbearbeitung keine Engpässe mehr festgestellt.
Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt bei seiner Berechnung der sogenannten Fachkräftelücke ebenfalls zu einer weiterhin angespannten Situation. Für 2025 wurden rund 369.500 rechnerisch nicht besetzbare Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte ermittelt. Das waren zwar 24,1 Prozent weniger als im Vorjahr, dennoch konnte rechnerisch etwa jede dritte offene Stelle für qualifizierte Beschäftigte nicht passend besetzt werden. Besonders groß war die Lücke bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung: Auf diese Gruppe entfielen mehr als 225.000 rechnerisch nicht besetzbare Stellen.
Die folgende Übersicht zeigt einige Berufe mit besonders großen Fachkräftelücken im Jahresdurchschnitt 2025. Dabei handelt es sich um Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung auf Basis von Arbeitsmarktdaten. Die Fachkräftelücke ist nicht identisch mit der offiziellen Engpassbewertung der Bundesagentur für Arbeit, liefert aber einen guten Hinweis darauf, in welchen Berufsgruppen besonders viele passende Bewerber fehlen.
| Berufsgattung | Qualifikationsniveau | Rechnerische Fachkräftelücke 2025 |
|---|---|---|
| Bauelektrik | Fachkraft | 16.270 |
| Altenpflege | Fachkraft | 15.233 |
| Gesundheits- und Krankenpflege | Fachkraft | 13.390 |
| Kraftfahrzeugtechnik | Fachkraft | 13.327 |
| Elektrische Betriebstechnik | Fachkraft | 13.011 |
| Kinderbetreuung und -erziehung | Spezialisten | 13.351 |
| Physiotherapie | Spezialisten | 12.543 |
| Sozialarbeit und Sozialpädagogik | Experten | 11.077 |
Auffällig ist, wie unterschiedlich die Berufe sind. Der Fachkräftemangel konzentriert sich keineswegs ausschließlich auf akademische Tätigkeiten. Im Gegenteil: Gerade Beschäftigte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sind für viele Unternehmen besonders schwer zu finden. Elektriker, Pflegefachkräfte, technische Facharbeiter oder Kfz-Fachkräfte können auf dem Arbeitsmarkt daher ähnlich knapp sein wie hochqualifizierte Spezialisten oder akademische Experten.
Pflege und Gesundheit bleiben besonders angespannt
Kaum ein Bereich verdeutlicht die strukturelle Dimension des Fachkräftemangels so deutlich wie das Gesundheitswesen. Altenpflege sowie Gesundheits- und Krankenpflege zählen weiterhin zu den Berufen mit großen Personalengpässen. Hinzu kommen therapeutische Tätigkeiten wie Physiotherapie und Ergotherapie. Der Bedarf hängt hier nur begrenzt von der allgemeinen Konjunktur ab. Menschen benötigen medizinische Versorgung und Pflege auch dann, wenn die Wirtschaft schwächelt.
Gleichzeitig wirkt die Bevölkerungsentwicklung von zwei Seiten. Mit einer alternden Bevölkerung steigt tendenziell der Bedarf an medizinischen Leistungen und Pflege. Zugleich erreichen Beschäftigte selbst das Rentenalter und müssen ersetzt werden. Anders als in manchen konjunkturabhängigen Branchen verschwindet ein Teil dieser Nachfrage nach Arbeitskräften deshalb nicht automatisch in einer wirtschaftlichen Schwächephase.
Besonders sichtbar wird inzwischen die Rolle ausländischer Beschäftigter. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen seit 2014 von etwa sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt. Im Pflegebereich nahm die Zahl ausländischer Beschäftigter innerhalb eines Jahres deutlich zu, während die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit zurückging. Die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte wird damit zu einem immer wichtigeren Teil der Fachkräftesicherung.
Für Arbeitnehmer bedeutet ein Engpass allerdings nicht automatisch komfortable Arbeitsbedingungen. Gerade Pflegeberufe zeigen, dass eine starke Nachfrage nach Beschäftigten gleichzeitig mit Schichtdiensten, hoher körperlicher und psychischer Belastung sowie starren tariflichen oder institutionellen Vergütungsstrukturen auftreten kann. Wer einen Beruf nach seinen langfristigen Chancen beurteilt, sollte deshalb nicht allein auf die Zahl offener Stellen schauen.
Im Handwerk fehlen vielerorts ausgebildete Fachkräfte
Auch das Handwerk gehört zu den Bereichen, in denen Fachkräftemangel besonders sichtbar ist. Im Jahr 2025 konnten nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung rechnerisch weiterhin knapp 100.000 offene Stellen in Handwerksberufen nicht passend besetzt werden. Von 115 untersuchten Handwerksberufen wiesen 59 einen Engpass auf; bei 35 Berufen bestand dieser bereits seit mindestens zehn Jahren.
Besonders gefragt sind Fachkräfte in Gewerken, die für Gebäude, Energieversorgung und Infrastruktur benötigt werden. Dazu gehören beispielsweise Bauelektrik, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Teile des Bauhandwerks. Die Bauelektrik erreichte 2025 mit einer rechnerischen Fachkräftelücke von mehr als 16.000 sogar einen der höchsten Werte aller betrachteten Fachkraftberufe.
Die Entwicklung hat auch eine wirtschaftspolitische Komponente. Investitionen in Stromnetze, Gebäude, Verkehrsinfrastruktur oder erneuerbare Energien funktionieren nur, wenn ausreichend Menschen vorhanden sind, die Anlagen installieren, warten und bauen können. Milliardeninvestitionen allein erhöhen die tatsächliche Baukapazität nicht. Fehlen Elektriker, Monteure, Schweißer oder Straßenbauer, können Fachkräfte zu einem begrenzenden Faktor werden.
Interessant ist zugleich, dass eine hohe Nachfrage nach Fachkräften Nachwuchsbewegungen auslösen kann. In einigen Bauhandwerksberufen steigen inzwischen Bewerberzahlen und neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Das kann Engpässe langfristig reduzieren, wirkt aber nicht sofort: Eine Berufsausbildung dauert mehrere Jahre, anschließend müssen Erfahrungen aufgebaut werden. Kurzfristige Nachfrageanstiege lassen sich deshalb bei qualifizierten handwerklichen Tätigkeiten nur begrenzt ausgleichen.
Erziehung und soziale Berufe bleiben schwierig zu besetzen
Kinderbetreuung, Erziehung, Sozialarbeit und Sozialpädagogik gehören ebenfalls zu den Bereichen, in denen qualifizierte Beschäftigte knapp sind. In der Kinderbetreuung und -erziehung ergab sich für 2025 auf Spezialistenniveau eine rechnerische Fachkräftelücke von mehr als 13.000 Stellen. Sozialarbeit und Sozialpädagogik gehörten mit rund 11.000 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen zu den großen Engpassbereichen auf Expertenniveau.
Allerdings zeigt sich gerade hier, wie schnell sich Arbeitsmarktbedingungen verändern können. Neuere Daten aus dem Frühjahr 2026 weisen bei Kinderbetreuung sowie Sozialarbeit und Sozialpädagogik auf rückläufige Engpässe hin. Schwächere Engpässe bedeuten jedoch nicht automatisch, dass Einrichtungen problemlos Personal finden. Bei Spezialisten in der Kinderbetreuung waren im März 2026 beispielsweise weiterhin rund 12.200 Stellen rechnerisch nicht passend besetzbar.
Bei sozialen Berufen hängen Engpässe außerdem stark von staatlichen und kommunalen Entscheidungen ab. Personalbedarf entsteht nicht nur über private Nachfrage, sondern beispielsweise über Betreuungsschlüssel, Rechtsansprüche, Bildungsangebote und öffentliche Haushalte. Das unterscheidet diese Berufe von klassischen Marktbranchen, in denen Unternehmen bei schwacher Nachfrage unmittelbar weniger Personal einstellen können.
Technische Berufe: Nicht überall herrscht automatisch Mangel
Technische Qualifikationen werden häufig pauschal als besonders zukunftssicher bezeichnet. Die tatsächliche Arbeitsmarktlage ist deutlich differenzierter. Fachkräfte in Bauelektrik, elektrischer Betriebstechnik, Kfz-Technik sowie bestimmten Metall- und Infrastrukturberufen werden weiterhin stark gesucht. Gleichzeitig können andere technische Berufe durch konjunkturelle Schwäche zeitweise weniger angespannt sein.
Das zeigt sich beispielsweise im verarbeitenden Gewerbe. Sinkende Produktion und geringere Investitionen führen dazu, dass Unternehmen weniger neue Stellen ausschreiben. Der Fachkräftemangel kann dadurch statistisch zurückgehen, obwohl langfristig weiterhin Nachwuchsprobleme bestehen. Ein konjunktureller Rückgang des Personalbedarfs löst ein demografisches Problem also nicht zwangsläufig, sondern kann es zeitweise verdecken.
Im Frühjahr 2026 zeigte sich sogar innerhalb des Metall- und Elektrobereichs ein gemischtes Bild. Während die Arbeitsmarktlage insgesamt schwach blieb, nahmen Engpässe beispielsweise in Schweiß- und Verbindungstechnik, Metallbearbeitung, Metallbau sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik teilweise wieder zu.
Für die Berufswahl ist deshalb die konkrete Spezialisierung wichtiger als ein allgemeines Etikett wie „Technik“. Zwei Berufe innerhalb derselben Branche können völlig unterschiedliche Arbeitsmarktchancen bieten. Wer eine Ausbildung oder Weiterbildung plant, sollte deshalb möglichst genau prüfen, welche Qualifikation tatsächlich nachgefragt wird.
Berufskraftfahrer und Köche gehören ebenfalls zu den Engpassberufen
Fachkräftemangel betrifft nicht nur klassische Gesundheits-, Sozial- oder Ingenieurberufe. Die Bundesagentur für Arbeit nennt ausdrücklich auch Berufskraftfahrer sowie Köchinnen und Köche unter den Tätigkeiten mit Engpässen.
Bei Berufskraftfahrern spielen mehrere Faktoren zusammen. Die Tätigkeit erfordert entsprechende Fahrerlaubnisse und Qualifikationen, gleichzeitig sind Arbeitszeiten und längere Abwesenheiten je nach Einsatzgebiet belastend. Nachwuchsprobleme können deshalb nicht allein dadurch gelöst werden, dass Stellen ausgeschrieben werden. Unternehmen konkurrieren um eine begrenzte Zahl ausreichend qualifizierter Fahrer.
Ähnlich kann es in Gastronomieberufen aussehen. Eine freie Stelle und ein theoretisch verfügbarer Arbeitnehmer reichen nicht aus, wenn Qualifikation, Arbeitszeiten, Standort oder Arbeitsbedingungen nicht zusammenpassen. Gerade solche Beispiele zeigen, weshalb die Diskussion über Fachkräftemangel nicht ausschließlich auf die Zahl der Erwerbspersonen reduziert werden sollte.
Warum gleichzeitig Fachkräfte fehlen und Menschen arbeitslos sind
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Wenn mehr Menschen Arbeit suchen, müsste sich der Fachkräftemangel doch automatisch erledigen. Genau das geschieht jedoch nicht. Im Jahresdurchschnitt 2025 gab es nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung rund 1,25 Millionen qualifizierte Arbeitslose und etwa 1,11 Millionen offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte. Trotzdem wurden rund 369.500 Stellen als rechnerisch nicht besetzbar eingestuft.
Der entscheidende Begriff lautet Mismatch. Eine arbeitslose kaufmännische Fachkraft kann nicht ohne Weiteres eine offene Stelle in der Altenpflege besetzen. Ein arbeitsloser Arbeitnehmer in Sachsen zieht möglicherweise nicht für jede Stelle nach Bayern. Und eine offene Stelle für einen Elektromeister lässt sich nicht durch einen Bewerber ohne entsprechende Qualifikation besetzen. Qualifikation, Wohnort, Berufserfahrung, Arbeitszeitvorstellungen und Stellenanforderungen müssen ausreichend zusammenpassen.
Auch die Bundesagentur für Arbeit betont deshalb, dass derzeit keine Belege für einen allgemeinen Arbeitskräftemangel bestehen. 2025 waren im Jahresdurchschnitt rund 402.000 sozialversicherungspflichtige Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten gemeldet. Ein erheblicher Anteil entfiel auf Engpassberufe, gleichzeitig suchte nur etwa jede fünfte arbeitslose Fachkraft eine Beschäftigung in einem solchen Beruf.
Das macht die Lage komplizierter als die einfache Aussage „Deutschland fehlen Arbeitnehmer“. Deutschland verfügt über Arbeitskräfte, doch ihre Qualifikationen und die Nachfrage der Unternehmen passen nicht überall zusammen.
Warum der Fachkräftemangel trotz schwacher Wirtschaft nicht verschwunden ist
Ein Teil des Fachkräftemangels ist konjunkturell. Wenn Unternehmen weniger produzieren, weniger investieren und seltener einstellen, nimmt auch die Zahl der offenen Stellen ab. Genau dieser Effekt hat in den vergangenen Jahren zur Entspannung beigetragen. Die Zahl der offiziellen Engpassberufe sank von 183 im Jahr 2023 über 163 im Jahr 2024 auf 157 im Jahr 2025.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sich das Problem dauerhaft erledigt. Hinter vielen Engpässen steckt ein struktureller Effekt: Der demografische Wandel verändert das Arbeitskräfteangebot. Ältere Beschäftigte verlassen nach und nach den Arbeitsmarkt, während nicht in allen Berufen genügend jüngere Fachkräfte nachrücken. Besonders problematisch ist das dort, wo gleichzeitig der Bedarf steigt – etwa in Pflegeberufen – oder umfangreiche Investitionen zusätzliche Arbeitskräfte benötigen.
Fachkräftemangel kann daher in einer schwachen Konjunktur zurückgehen und in einem späteren Aufschwung schnell wieder deutlicher werden. Unternehmen, die während einer Krise weniger einstellen, benötigen bei steigender Nachfrage möglicherweise innerhalb kurzer Zeit zusätzliches Personal. Ist der Nachwuchs inzwischen weiter geschrumpft, kann der Engpass dann erneut stärker hervortreten.
Für private Haushalte ist dieser Zusammenhang ebenfalls relevant. Ein Mangel an Handwerkern kann Termine verlängern und Dienstleistungen verteuern. Personalknappheit in Pflege oder Betreuung beeinflusst die Verfügbarkeit entsprechender Angebote. Fehlen Fachkräfte beim Infrastruktur- und Wohnungsbau, können Projekte länger dauern. Der Fachkräftemangel bleibt damit nicht auf Personalabteilungen beschränkt, sondern kann mittelbar Preise, Wartezeiten und die Qualität von Dienstleistungen beeinflussen.
Bedeutet ein Engpassberuf automatisch ein hohes Gehalt?
Nicht zwingend. Knappheit verbessert grundsätzlich die Verhandlungsposition von Beschäftigten, doch Löhne entstehen nicht auf einem vollkommen freien Markt. Tarifverträge, öffentliche Arbeitgeber, gesetzliche Finanzierungssysteme, Margen der Unternehmen, regionale Unterschiede und die Produktivität einer Tätigkeit setzen Grenzen.
Ein gefragter Elektroniker kann in einer wirtschaftsstarken Region mit zahlreichen Arbeitgebern deutlich bessere Wechselmöglichkeiten haben als an einem Standort mit wenigen Betrieben. Eine Pflegefachkraft wird zwar fast überall gesucht, die Vergütung kann jedoch stark durch Tarifstrukturen und den Arbeitgeber bestimmt sein. Auch hohe Nachfrage nach Erziehern führt nicht automatisch zu denselben Gehältern wie in einem technischen Industrieberuf.
Wer einen Engpassberuf als Karrierechance betrachtet, sollte deshalb mindestens vier Punkte gemeinsam bewerten: tatsächliche Nachfrage, erreichbares Einkommen, Arbeitsbedingungen und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Ein Beruf mit sehr vielen freien Stellen kann finanziell weniger attraktiv sein als ein Beruf mit moderatem Fachkräftemangel, dafür aber hohen Gehältern und guten Aufstiegsmöglichkeiten.
Was der Fachkräftemangel für Arbeitnehmer bedeutet
Für Arbeitnehmer können Engpässe vor allem die Auswahlmöglichkeiten vergrößern. Wer eine stark gesuchte Qualifikation besitzt, findet häufig mehr potenzielle Arbeitgeber und muss einen Arbeitsplatzverlust möglicherweise weniger fürchten als Beschäftigte in Bereichen mit Bewerberüberschuss. Das verbessert indirekt auch die Position bei Verhandlungen über Arbeitszeiten, Weiterbildung oder Vergütung.
Besonders interessant kann eine Weiterbildung sein, wenn vorhandene Kenntnisse in einen Engpassbereich führen. Ein Berufswechsel allein wegen einer Statistik ist dagegen selten sinnvoll. Eine Umschulung kostet Zeit und Geld und sollte zu den eigenen Fähigkeiten sowie den tatsächlichen Arbeitsbedingungen des Zielberufs passen. Ein Beruf bleibt nicht automatisch jahrzehntelang ein Engpassberuf.
Auch bei der Gehaltsverhandlung lohnt ein differenzierter Blick. „Mein Beruf ist ein Engpassberuf“ ist allein noch kein Argument für eine beliebige Gehaltsforderung. Wesentlich stärker sind konkrete Faktoren wie Berufserfahrung, Zusatzqualifikationen, Verantwortung, nachweisbare Leistungen sowie die Zahl realistischer Alternativen auf dem regionalen Arbeitsmarkt.
Was der Fachkräftemangel für Berufseinsteiger bedeutet
Jugendliche und junge Erwachsene können Engpassanalysen sinnvoll als zusätzlichen Baustein bei der Berufswahl nutzen. Ein Beruf mit dauerhaft hoher Nachfrage bietet oft gute Einstiegsmöglichkeiten und kann die Wahrscheinlichkeit längerer Arbeitslosigkeit reduzieren. Dennoch sollte die Entscheidung nicht ausschließlich nach aktuellen Stellenzahlen getroffen werden.
Entscheidend ist vor allem, ob der Mangel strukturell oder nur kurzfristig besteht. Pflege, bestimmte Handwerksberufe oder technische Infrastrukturberufe dürften beispielsweise von längerfristigen Entwicklungen geprägt werden. Andere Engpässe können stärker mit einer vorübergehend hohen Nachfrage zusammenhängen und sich innerhalb weniger Jahre deutlich verändern.
Gerade eine duale Ausbildung sollte dabei nicht unterschätzt werden. Die aktuellen Daten zeigen, dass der Fachkräftemangel zu großen Teilen nicht auf Akademiker beschränkt ist. In zahlreichen Ausbildungsberufen fehlen mehr qualifizierte Beschäftigte als in manchen akademischen Tätigkeiten. Eine solide Berufsausbildung mit anschließender Spezialisierung, Meisterqualifikation oder Weiterbildung kann deshalb sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Beschäftigungschancen interessant sein.
Region und Arbeitgeber machen einen großen Unterschied
Ein bundesweiter Engpass bedeutet nicht, dass in jeder Stadt dieselbe Situation herrscht. Arbeitsmärkte funktionieren regional. In einer wirtschaftsstarken Region können zehn Arbeitgeber um dieselbe Qualifikation konkurrieren, während die Auswahl wenige hundert Kilometer entfernt deutlich kleiner ist.
Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle. Besonders kleine und mittlere Unternehmen haben häufig Schwierigkeiten, mit großen Konzernen um Fachkräfte zu konkurrieren. Nach Untersuchungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung unterscheiden sich die Engpässe zwischen den Bundesländern erheblich. In stärker ländlich geprägten Regionen entfällt ein besonders großer Teil der offenen Stellen in Engpassberufen auf kleinere und mittlere Unternehmen.
Für Arbeitnehmer bedeutet das: Bundesweite Fachkräftestatistiken liefern eine wichtige Orientierung, ersetzen aber keinen Blick auf den eigenen regionalen Arbeitsmarkt. Wer tatsächlich über einen Wechsel nachdenkt, sollte prüfen, wie viele passende Stellen im erreichbaren Umkreis angeboten werden, welche Arbeitgeber dahinterstehen und welche Gehälter sowie Arbeitsbedingungen realistisch sind.
Warum der Fachkräftemangel nicht einfach durch höhere Geburtenzahlen gelöst werden kann
Die demografische Entwicklung wird häufig als eine der Hauptursachen des Fachkräftemangels genannt. Selbst wenn heute deutlich mehr Kinder geboren würden, stünden diese jedoch erst in ungefähr zwei Jahrzehnten dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Für die kommenden Jahre müssen daher andere Hebel greifen.
Dazu zählen vor allem eine höhere Erwerbsbeteiligung, passende Weiterbildung, Zuwanderung qualifizierter Beschäftigter, bessere Übergänge von Ausbildung in Beschäftigung sowie Arbeitsbedingungen, durch die vorhandene Fachkräfte länger in ihrem Beruf bleiben. Teilzeitreserven können ebenfalls eine Rolle spielen, sofern Beschäftigte ihre Arbeitszeit freiwillig ausweiten möchten und Betreuung sowie Arbeitsorganisation dies ermöglichen.
Technologie und Automatisierung können den Bedarf an Personal in bestimmten Bereichen zusätzlich reduzieren. Allerdings funktionieren sie nicht überall gleich gut. Eine Verwaltungsaufgabe lässt sich möglicherweise weitgehend digitalisieren, während körpernahe Pflege, Kinderbetreuung oder viele handwerkliche Tätigkeiten weiterhin einen erheblichen menschlichen Arbeitsanteil benötigen.
Der Fachkräftemangel wird deshalb wahrscheinlich nicht durch eine einzelne Maßnahme verschwinden. Vielmehr entscheidet sich für jeden Beruf neu, ob Ausbildung, höhere Produktivität, Zuwanderung, attraktivere Arbeitsbedingungen oder technischer Fortschritt den Engpass reduzieren können.
Fachkräftemangel ist nicht gleich Fachkräftemangel
Eine hohe Zahl offener Stellen kann unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal wächst eine Branche stark und benötigt zusätzliches Personal. Manchmal scheiden besonders viele ältere Arbeitnehmer aus. In anderen Fällen ist die Fluktuation hoch, weil Beschäftigte den Beruf wegen belastender Arbeitsbedingungen verlassen. Und teilweise finden Arbeitgeber zwar grundsätzlich Bewerber, aber nicht zu den angebotenen Bedingungen.
Deshalb sollte der Begriff Fachkräftemangel nicht automatisch bedeuten, dass ein Beruf objektiv zu wenige Menschen hat und sich daran nichts ändern lässt. Auch Gehalt, Arbeitszeiten, Führung, Standort und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben beeinflussen, wie attraktiv eine offene Stelle ist.
Für die wirtschaftliche Einordnung ist genau diese Differenzierung entscheidend. Ein Beruf, in dem Fachkräfte aufgrund jahrelanger Ausbildung nicht kurzfristig ersetzt werden können, stellt ein anderes Problem dar als eine Branche mit hoher Personalfluktuation. Ebenso unterscheidet sich ein bundesweiter struktureller Engpass von einem regionalen Rekrutierungsproblem einzelner Arbeitgeber.
Fazit: Der Fachkräftemangel konzentriert sich auf bestimmte Berufe
Der deutsche Arbeitsmarkt leidet nicht unter einem pauschalen Mangel an Arbeitnehmern. Die entscheidende Herausforderung besteht darin, dass in bestimmten Berufen zu wenige passend qualifizierte Menschen für die vorhandenen Stellen zur Verfügung stehen. Besonders betroffen bleiben Pflege und Gesundheit, zahlreiche Handwerks- und Bauberufe, technische Fachrichtungen sowie Teile der Kinderbetreuung und sozialer Berufe. Auch Berufskraftfahrer und Köche gehören weiterhin zu den gesuchten Berufsgruppen.
Gleichzeitig hat sich die Situation zuletzt etwas entspannt. Die Zahl der von der Bundesagentur für Arbeit identifizierten Engpassberufe sank auf 157, und auch die rechnerische Fachkräftelücke ging deutlich zurück. Eine schwache Konjunktur reduziert momentan den Personalbedarf vieler Unternehmen. Die langfristigen Ursachen – vor allem die Alterung der Erwerbsbevölkerung und Nachwuchsprobleme in bestimmten Berufen – verschwinden dadurch jedoch nicht.
Für Arbeitnehmer und Berufseinsteiger können Engpassberufe attraktive Beschäftigungschancen bieten. Gute Jobaussichten allein machen einen Beruf jedoch noch nicht zu einer guten persönlichen Entscheidung. Gehalt, Arbeitsbelastung, Entwicklungsmöglichkeiten, regionale Nachfrage und die eigenen Fähigkeiten sollten mindestens ebenso stark berücksichtigt werden.
Häufige Fragen zum Fachkräftemangel
Ob ein Beruf tatsächlich vom Fachkräftemangel betroffen ist, lässt sich nicht allein an vielen Stellenanzeigen erkennen. Entscheidend ist, wie Angebot und Nachfrage nach passend qualifizierten Beschäftigten zusammenpassen. Die folgenden Fragen helfen bei der Einordnung.
Welche Berufe sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen?
Besonders ausgeprägt sind die Engpässe derzeit unter anderem in Pflege- und Gesundheitsberufen, verschiedenen Bau- und Handwerksberufen sowie in Erziehung und sozialen Tätigkeiten. Auch Berufskraftfahrer und Köche werden stark gesucht. Welche Berufe als Engpassberufe gelten, kann sich von Jahr zu Jahr verändern.
Wie viele Engpassberufe gibt es in Deutschland?
Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit weist für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe aus. 2024 waren es 163 und 2023 noch 183. Die Zahl ist damit gesunken, liegt aber weiterhin auf einem hohen Niveau.
Herrscht in Deutschland allgemein Arbeitskräftemangel?
Nein. Die Bundesagentur für Arbeit sieht derzeit keine Belege für einen allgemeinen Arbeitskräftemangel. In vielen Berufen gibt es ausreichend oder sogar mehr verfügbare Arbeitskräfte als offene Stellen; die Engpässe konzentrieren sich auf bestimmte Qualifikationen und Tätigkeiten.
Warum gibt es Fachkräftemangel, obwohl Menschen arbeitslos sind?
Arbeitslose und offene Stellen passen häufig hinsichtlich Beruf, Qualifikation oder Region nicht zusammen. Eine freie Stelle für eine Pflegefachkraft kann beispielsweise nicht durch einen arbeitslosen Beschäftigten aus einem völlig anderen Beruf besetzt werden. Dieses Ungleichgewicht wird als Mismatch bezeichnet.
Sind Handwerksberufe besonders gefragt?
In vielen Handwerksberufen bestehen erhebliche Engpässe. Besonders relevant sind unter anderem Elektro-, Bau-, Heizungs-, Sanitär- und Klimaberufe. Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung konnten 2025 im Handwerk rechnerisch knapp 100.000 offene Stellen nicht passend besetzt werden.
Bedeutet Fachkräftemangel automatisch ein höheres Gehalt?
Nein. Eine knappe Qualifikation kann die Verhandlungsposition verbessern, doch Gehälter hängen außerdem von Branche, Tarifverträgen, Region, Unternehmensgröße, Berufserfahrung und Verantwortung ab. Manche Engpassberufe bieten deshalb trotz sehr hoher Nachfrage keine außergewöhnlich hohen Einkommen.
Wird der Fachkräftemangel in Zukunft größer?
Das lässt sich nicht für jeden Beruf pauschal vorhersagen. Der demografische Wandel spricht jedoch dafür, dass der Ersatz ausscheidender Beschäftigter in zahlreichen Bereichen schwieriger wird. Gleichzeitig können Automatisierung, Zuwanderung, Weiterbildung oder eine schwächere Nachfrage Engpässe reduzieren.
Lohnt sich ein Wechsel in einen Engpassberuf?
Ein Engpassberuf kann gute Beschäftigungschancen bieten, sollte aber nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Wer eine Umschulung oder Ausbildung erwägt, sollte zusätzlich Gehalt, Arbeitszeiten, Belastung, Weiterbildungsmöglichkeiten und die Nachfrage in der eigenen Region prüfen.