Wer mit 35 Jahren 30.000 Euro besitzt, kann sich fragen, ob das wenig, viel oder völlig normal ist. Mit 50 Jahren stellt sich dieselbe Frage vielleicht bei 100.000 oder 300.000 Euro. Solche Vergleiche sind verständlich, denn Vermögen entsteht über Jahrzehnte und lässt sich deutlich schwerer einordnen als ein monatliches Einkommen.
Die Zahlen für Deutschland zeigen zunächst ein klares Muster: Junge Haushalte besitzen im Regelfall vergleichsweise wenig, anschließend steigt das Nettovermögen kräftig an. Besonders hohe Werte werden typischerweise in den Jahren vor und rund um den Übergang in den Ruhestand erreicht. In der PHF-Vermögensbefragung der Deutschen Bundesbank lag das Median-Nettovermögen der Haushalte 2021 beispielsweise bei rund 11.400 Euro für die Altersgruppe 16 bis 24 Jahre, bei 65.200 Euro für 35- bis 44-Jährige und bei 299.300 Euro für 55- bis 64-Jährige.
Diese Werte sind allerdings keine Sollvorgaben. Sie beschreiben Haushalte und keine finanzielle Ziellinie, die jeder in einem bestimmten Alter erreicht haben müsste. Ob 100.000 Euro mit 45 Jahren viel oder wenig sind, hängt unter anderem davon ab, ob eine Immobilie vorhanden ist, wie hoch die Schulden sind, wie viele Personen zum Haushalt gehören und welche Altersvorsorge außerhalb des statistisch erfassten Nettovermögens besteht.
Durchschnittsvermögen nach Alter: Diese Werte geben Orientierung
Für einen Altersvergleich sind die Daten der Bundesbank besonders interessant, weil sie nicht nur Kontoguthaben oder Wertpapierdepots betrachten. Zum Nettovermögen gehören grundsätzlich Finanzvermögen und Sachvermögen wie Immobilien, Fahrzeuge oder Unternehmensbeteiligungen, von denen bestehende Verbindlichkeiten abgezogen werden. Künftige Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden dagegen nicht als Vermögen angesetzt.
Die folgende Übersicht basiert auf der PHF-Erhebung 2021. Für die Altersgruppen sind sowohl Median als auch Durchschnitt interessant:
| Alter der Referenzperson | Median-Nettovermögen | Durchschnittliches Nettovermögen |
|---|---|---|
| 16–24 Jahre | 11.400 € | 32.000 € |
| 25–34 Jahre | 18.700 € | 112.900 € |
| 35–44 Jahre | 65.200 € | 213.300 € |
| 45–54 Jahre | 154.700 € | 441.200 € |
| 55–64 Jahre | 299.300 € | 424.500 € |
| 65–74 Jahre | 231.000 € | 372.000 € |
| ab 75 Jahren | 129.500 € | 343.600 € |
Die Tabelle macht zwei Dinge deutlich. Erstens steigt das typische Vermögen im Laufe des Erwerbslebens erheblich. Zweitens liegen Durchschnitt und Median teilweise extrem weit auseinander. Bei den 25- bis 34-Jährigen stehen beispielsweise rund 18.700 Euro Medianvermögen einem Durchschnitt von mehr als 100.000 Euro gegenüber. Bei den 45- bis 54-Jährigen beträgt die Differenz sogar mehrere Hunderttausend Euro.
Genau deshalb kann der Durchschnitt bei der persönlichen Einordnung täuschen. Einige sehr vermögende Haushalte ziehen ihn stark nach oben. Wer unter dem Durchschnitt liegt, gehört deshalb keineswegs automatisch zur ärmeren Hälfte seiner Altersgruppe.
Warum der Median für deinen Vermögensvergleich wichtiger ist
Nehmen wir eine stark vereinfachte Gruppe von fünf Haushalten mit Nettovermögen von 10.000, 20.000, 30.000, 40.000 und 900.000 Euro. Zusammen besitzen sie eine Million Euro. Das Durchschnittsvermögen beträgt deshalb 200.000 Euro.
Vier der fünf Haushalte liegen trotzdem deutlich darunter.
Der Median beträgt dagegen 30.000 Euro. Sortiert man alle Haushalte nach ihrem Vermögen, liegt genau dieser Haushalt in der Mitte. Die eine Hälfte besitzt weniger, die andere Hälfte mehr.
Dieses Problem ist bei Vermögensstatistiken besonders relevant, weil Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt ist. Die Bundesbank ermittelte für 2021 ein durchschnittliches Nettovermögen von 316.500 Euro je Haushalt, während der Median lediglich 106.600 Euro betrug. 72 Prozent der Haushalte lagen damals unter dem Durchschnitt.
Die neuere PHF-Erhebung für 2023 bestätigt den großen Abstand. Das durchschnittliche Nettovermögen eines Haushalts lag bei rund 324.800 Euro. Inflationsbereinigt gingen die Vermögen gegenüber 2021 jedoch zurück. Auch der reale Median sank.
Für die Frage „Wo stehe ich im Vergleich?“ solltest du deshalb grundsätzlich zuerst auf den Median deiner Vergleichsgruppe schauen. Der Durchschnitt bleibt interessant, eignet sich aber schlechter als Maßstab für einen typischen Haushalt.
Mit 20 und Anfang 30 ist ein kleines Vermögen völlig normal
Zwischen Ausbildung, Studium und den ersten Berufsjahren bleibt häufig wenig Zeit für großen Vermögensaufbau. Gleichzeitig fallen Kosten für die erste eigene Wohnung, Einrichtung, Mobilität oder einen Umzug an. Manche starten zusätzlich mit BAföG- oder anderen Ausbildungsschulden.
Dass der Median der 16- bis 24-Jährigen in der PHF-Erhebung nur bei rund 11.400 Euro lag, ist deshalb wenig überraschend. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen waren es lediglich rund 18.700 Euro.
Gerade in dieser Lebensphase sagt der aktuelle Vermögensstand allerdings vergleichsweise wenig über die langfristige finanzielle Entwicklung aus. Ein 28-Jähriger mit 5.000 Euro Vermögen, stabilem Einkommen, überschaubaren Ausgaben und einer Sparrate von 500 Euro im Monat kann finanziell besser aufgestellt sein als jemand mit 40.000 Euro Vermögen, hohen Konsumschulden und dauerhaft negativem monatlichem Cashflow.
Interessanter wird deshalb die Richtung: Werden Schulden abgebaut? Existiert eine Rücklage? Bleibt regelmäßig Geld übrig? Wird ein Teil davon langfristig investiert? Wer diese Grundlagen früh schafft, hat noch mehrere Jahrzehnte für den Vermögensaufbau.
Zwischen 35 und 44 Jahren werden die Unterschiede größer
In der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen steigt der Median deutlich auf rund 65.200 Euro. Gleichzeitig nimmt die Streuung innerhalb der Altersgruppe zu.
Ein Grund ist, dass Lebensläufe zunehmend auseinandergehen. Manche Haushalte verfügen bereits über zehn oder mehr Jahre mit guten Erwerbseinkommen und haben kontinuierlich gespart. Andere haben lange studiert, Familien gegründet, berufliche Auszeiten genommen oder erst später höhere Einkommen erreicht.
Hinzu kommt der Immobilienbesitz. Wer beispielsweise eine Immobilie im Wert von 400.000 Euro besitzt und darauf noch 300.000 Euro Hypothekenschulden hat, verfügt allein daraus über rechnerisch 100.000 Euro Nettovermögen. Steigt der Immobilienwert und sinkt gleichzeitig die Restschuld, kann das Nettovermögen in den folgenden Jahren stark wachsen, ohne dass derselbe Betrag auf einem Konto angespart wird.
Genau hier beginnen einfache Vergleiche von Depot- oder Kontoständen zu versagen. Zwei 40-Jährige können jeweils 50.000 Euro Geldvermögen besitzen und trotzdem vollkommen unterschiedliche Nettovermögen haben, wenn einer zusätzlich Immobilieneigentum und der andere keine Sachwerte besitzt.
Mit 45 bis 64 Jahren wird häufig das höchste Vermögen aufgebaut
Zwischen Mitte 40 und dem Rentenalter treffen mehrere Effekte zusammen. Die Einkommen liegen bei vielen Erwerbstätigen höher als zu Beginn ihrer Karriere, Kinder werden finanziell selbstständiger und Immobilienkredite sind bereits teilweise oder weitgehend getilgt. Gleichzeitig hatten langfristige Spar- und Geldanlagen Jahrzehnte Zeit, sich zu entwickeln.
Das zeigt sich deutlich in den Zahlen. Der Median lag bei den 45- bis 54-Jährigen 2021 bei rund 154.700 Euro und bei den 55- bis 64-Jährigen bei rund 299.300 Euro.
Gerade diese Lebensphase zeigt aber auch, warum Vermögen nicht mit frei verfügbarem Geld gleichgesetzt werden darf. Ein Haushalt kann beispielsweise ein Nettovermögen von 350.000 Euro besitzen, davon aber 300.000 Euro in einer selbstgenutzten Immobilie gebunden haben. Für unerwartete Ausgaben oder die Finanzierung des Ruhestands ist dieses Vermögen nicht ohne Weiteres verfügbar.
Ein anderer Haushalt könnte bei demselben Nettovermögen 250.000 Euro in Wertpapieren, Tages- und Festgeld besitzen und zur Miete wohnen. Statistisch erscheinen beide ähnlich vermögend, ihre finanzielle Struktur unterscheidet sich jedoch erheblich.
Warum das Vermögen im höheren Alter wieder sinken kann
Die Vermögenskurve steigt nicht unbegrenzt weiter. In der PHF-Erhebung sank der Median von rund 299.300 Euro bei den 55- bis 64-Jährigen auf etwa 231.000 Euro bei den 65- bis 74-Jährigen und auf rund 129.500 Euro bei Haushalten ab 75 Jahren.
Dafür gibt es mehrere plausible Gründe. Nach dem Ende des Erwerbslebens wird häufig weniger neu gespart. Teile des angesammelten Vermögens können zur Ergänzung der Rente verwendet werden. Vermögen wird außerdem verschenkt oder im Rahmen vorweggenommener Erbschaften an Kinder und Enkel übertragen.
Ein sinkendes Vermögen im Ruhestand ist deshalb nicht automatisch ein finanzielles Warnsignal. Vermögen wurde schließlich auch dafür aufgebaut, später genutzt zu werden. Entscheidend ist vielmehr, ob vorhandenes Kapital, laufende Renteneinkünfte und andere Einnahmen dauerhaft zum gewünschten Lebensstandard passen.
Dein Nettovermögen richtig berechnen
Bevor du dich mit anderen vergleichst, solltest du wissen, welche Zahl du überhaupt vergleichen möchtest. Der Kontostand allein ist kein Vermögen im wirtschaftlichen Sinn.
Eine sinnvolle persönliche Vermögensbilanz umfasst beispielsweise Guthaben auf Giro-, Tagesgeld- und Sparkonten, Wertpapiere, Fonds und ETFs, private Renten- und Lebensversicherungen mit vorhandenem Vermögenswert sowie Immobilien und weitere relevante Sachwerte. Davon werden bestehende Schulden abgezogen. Genau dieses Grundprinzip – Vermögenswerte minus Verbindlichkeiten – verwendet auch die Bundesbank bei ihrem Nettovermögenskonzept.
Ein vereinfachtes Beispiel: Du besitzt 20.000 Euro auf Tagesgeldkonten und 70.000 Euro im Depot. Deine Immobilie hat einen aktuellen Wert von 350.000 Euro. Dem stehen noch 240.000 Euro Baufinanzierung und 5.000 Euro sonstige Schulden gegenüber.
Dein vereinfachtes Nettovermögen beträgt damit:
20.000 € + 70.000 € + 350.000 € − 240.000 € − 5.000 € = 195.000 €
Für die persönliche Finanzplanung ist eine solche Bilanz wesentlich aussagekräftiger als die Aussage „Ich habe 90.000 Euro gespart“.
Warum zwei Menschen gleichen Alters kaum vergleichbar sein können
Das Alter ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für einen Vermögensvergleich, aber kein ausreichendes Vergleichskriterium. Schon die Haushaltsgröße verändert die Aussage erheblich.
Die Bundesbank weist für 2023 beispielsweise für Einpersonenhaushalte ein durchschnittliches Nettovermögen von rund 221.800 Euro aus; der Median lag bei lediglich 37.700 Euro. Paarhaushalte erreichten deutlich höhere Vermögenswerte. Auch zwischen West- und Ostdeutschland bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede: Für 2023 lag der Median im Westen bei rund 143.200 Euro und im Osten bei rund 35.900 Euro. Unterschiede beim Wohneigentum spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wer seinen eigenen Vermögensstand beurteilen möchte, sollte deshalb möglichst Haushalte vergleichen, deren Lebenssituation tatsächlich ähnlich ist. Ein alleinlebender Mieter mit 100.000 Euro Finanzvermögen lässt sich nur eingeschränkt mit einem verheirateten Eigenheimbesitzer vergleichen, dessen Haushalt 300.000 Euro Nettovermögen besitzt.
Auch Erbschaften können den Vergleich erheblich verschieben. Ein selbst aufgebautes Depot von 150.000 Euro und eine geerbte Immobilie mit demselben Wert ergeben zwar rechnerisch dasselbe zusätzliche Vermögen. Sie sagen aber etwas völlig anderes über Einkommen, Sparleistung und bisherigen Vermögensaufbau aus.
Wohneigentum verändert Vermögensstatistiken massiv
Einer der größten Unterschiede entsteht durch Immobilien. Die Bundesbank stellt regelmäßig einen engen Zusammenhang zwischen Immobilienbesitz und hohen Nettovermögen fest. Immobilien sind deshalb nicht nur ein Wohn-, sondern auch ein bedeutender Vermögensfaktor.
Das führt zu einer wichtigen Besonderheit beim Altersvergleich. Junge Menschen besitzen seltener Immobilien. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Haushalte mit Wohneigentum, während gleichzeitig Hypothekenschulden zurückgeführt werden können. Dadurch wächst das Nettovermögen teilweise automatisch mit jeder Tilgungsrate.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Mieter zwangsläufig finanziell schlechter aufgestellt ist. Wer langfristig zur Miete wohnt und stattdessen konsequent Finanzvermögen aufbaut, kann ebenfalls ein hohes Nettovermögen erreichen. Für den statistischen Vergleich muss dieses unterschiedliche Vermögensprofil lediglich berücksichtigt werden.
Gesetzliche Rentenansprüche fehlen im klassischen Nettovermögen
Ein häufig übersehener Punkt betrifft die Altersvorsorge. Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden im PHF-Vermögenskonzept nicht als Vermögen erfasst. Private Renten- und Lebensversicherungen können dagegen während der Ansparphase zum Vermögen zählen.
Das kann die persönliche Interpretation erheblich verändern. Ein 60-jähriger Arbeitnehmer mit 150.000 Euro Nettovermögen und hohen gesetzlichen Rentenansprüchen befindet sich in einer anderen Ausgangslage als ein Selbstständiger mit demselben Nettovermögen, aber nur geringen gesetzlichen Ansprüchen.
Für die Frage nach der finanziellen Sicherheit im Alter reicht der reine Vermögensvergleich deshalb nicht aus. Spätestens ab Mitte 40 sollte zusätzlich betrachtet werden, welche laufenden Alterseinkünfte voraussichtlich zur Verfügung stehen und welche Versorgungslücke aus dem vorhandenen Vermögen geschlossen werden muss.
Unter dem Median zu liegen bedeutet nicht automatisch, finanziell zurückzuliegen
Statistiken verleiten schnell zu einer falschen Schlussfolgerung: Liegt das eigene Vermögen unter dem Median der Altersgruppe, entsteht der Eindruck, etwas nachholen zu müssen.
So einfach funktioniert Vermögensplanung nicht.
Ein 40-jähriger Haushalt mit 40.000 Euro Nettovermögen kann unter dem statistischen Median liegen und trotzdem finanziell stabil sein, wenn das Einkommen gut ist, keine problematischen Schulden bestehen und jeden Monat 800 Euro investiert werden. Umgekehrt können 200.000 Euro Vermögen wenig Sicherheit bieten, wenn fast alles in einem einzigen illiquiden Vermögenswert steckt und gleichzeitig die laufenden Ausgaben dauerhaft höher sind als die Einnahmen.
Der Altersvergleich beantwortet deshalb hauptsächlich die Frage: Wie sieht meine heutige Vermögensposition im Verhältnis zu anderen Haushalten ungefähr aus?
Er beantwortet nicht automatisch die wesentlich wichtigere Frage: Reicht meine finanzielle Entwicklung für meine persönlichen Ziele?
Deine Vermögensentwicklung ist wichtiger als eine einzelne Zahl
Für die eigene Finanzplanung lohnt es sich, das Nettovermögen regelmäßig zu erfassen. Ein jährlicher Vergleich reicht für die meisten Haushalte vollkommen aus. Interessanter als tägliche Depotbewegungen ist die langfristige Entwicklung der gesamten Bilanz.
Angenommen, dein Nettovermögen beträgt heute 50.000 Euro. Ein Jahr später sind es 61.000 Euro und nach einem weiteren Jahr 74.000 Euro. Dann erkennst du eine klare Entwicklung, selbst wenn du statistisch noch unter dem Median deiner Altersgruppe liegst.
Noch deutlicher wird der langfristige Effekt bei kontinuierlichem Investieren. Wer beispielsweise mit 30 Jahren bei null startet und anschließend monatlich 500 Euro investiert, zahlt bis zum 60. Geburtstag insgesamt 180.000 Euro ein. Bei einer rein angenommenen durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent pro Jahr würde daraus rechnerisch ein Kapital von rund 416.000 Euro entstehen. Das ist eine Modellrechnung: Tatsächliche Kapitalmarktrenditen schwanken, Kosten und Steuern können das Ergebnis verändern und zwischenzeitliche Verluste gehören bei Wertpapieranlagen dazu.
Der entscheidende Punkt ist nicht die konkrete Endsumme. Ein heutiger Abstand zu anderen Haushalten muss nicht dauerhaft bestehen bleiben. Sparrate, Einkommen, Rendite, Schuldenentwicklung und Zeit können die eigene Vermögensposition über Jahrzehnte erheblich verändern.
Vier Kennzahlen sagen mehr als der Altersdurchschnitt
Wer seine finanzielle Lage beurteilen möchte, sollte den statistischen Altersvergleich deshalb um einige persönliche Kennzahlen ergänzen.
Nettovermögen: Was bleibt übrig, wenn sämtliche relevanten Vermögenswerte den Schulden gegenübergestellt werden?
Liquiditätsreserve: Ist ausreichend kurzfristig verfügbares Geld vorhanden, sodass eine unerwartete Rechnung nicht über Dispo oder Kredit finanziert werden muss?
Sparquote: Welcher Anteil des verfügbaren Einkommens fließt regelmäßig in Rücklagen, Schuldentilgung oder langfristigen Vermögensaufbau?
Vermögensstruktur: Wie stark hängt das gesamte Vermögen von einer Immobilie, einem Unternehmen, einzelnen Wertpapieren oder anderen konzentrierten Positionen ab?
Diese Kennzahlen beantworten andere Fragen als der Vergleich mit Gleichaltrigen. Zusammen ergeben sie deshalb ein deutlich aussagekräftigeres Bild.
Ein typischer Fehler: Vermögen mit Geldvermögen verwechseln
Wenn Menschen über ihr Vermögen sprechen, meinen sie häufig ihr Erspartes. Dadurch entstehen schnell falsche Vergleiche.
Das Statistische Bundesamt weist für 2023 beispielsweise ein durchschnittliches Bruttogeldvermögen von 74.900 Euro je Haushalt aus. Das durchschnittliche Netto-Gesamtvermögen einschließlich Immobilien und unter Berücksichtigung von Schulden lag dagegen bei rund 230.400 Euro.
Wer 80.000 Euro auf Konten und im Depot besitzt, darf diesen Betrag deshalb nicht mit einer Statistik vergleichen, die zusätzlich Immobilienvermögen berücksichtigt. Umgekehrt ist ein Eigenheimbesitzer mit wenig Geld auf dem Konto nicht automatisch vermögensarm.
Vor jedem Vergleich muss deshalb geklärt werden, welche Vermögensdefinition verwendet wird. Sonst können zwei korrekte Zahlen zu einer vollkommen falschen Schlussfolgerung führen.
Auch Inflation verändert den Blick auf Vermögen
Eine weitere Falle sind nominale Vermögenszuwächse. Steigt das Vermögen von 200.000 auf 210.000 Euro, sieht das zunächst nach einem Gewinn von fünf Prozent aus. Bei gleichzeitig hoher Inflation kann die reale Kaufkraft trotzdem zurückgehen.
Genau dieser Effekt zeigte sich zwischen den PHF-Erhebungen 2021 und 2023. Das durchschnittliche Nettovermögen der deutschen Haushalte stieg nominal von rund 316.500 auf 324.800 Euro. Inflationsbereinigt sank es nach Berechnungen der Bundesbank jedoch von 268.700 auf 239.200 Euro.
Für langfristigen Vermögensaufbau zählt deshalb nicht allein, ob die Zahl auf dem Papier steigt. Entscheidend ist auch, welche Kaufkraft dieses Vermögen später besitzt.
So kannst du deinen eigenen Vermögensstand sinnvoll einordnen
Statt dich ausschließlich an einer Zahl für deine Altersgruppe zu orientieren, lohnt sich ein strukturierter Vergleich.
- Berechne dein tatsächliches Nettovermögen. Erfasse relevante Konten, Wertpapiere, Immobilien und weitere Vermögenswerte und ziehe sämtliche Schulden ab.
- Vergleiche dieselbe Vermögensdefinition. Geldvermögen sollte nicht mit Gesamtvermögen und individuelles Vermögen nicht ungeprüft mit Haushaltsvermögen verglichen werden.
- Nutze zuerst den Median. Er zeigt besser als der Durchschnitt, wo die Mitte der Vermögensverteilung liegt.
- Berücksichtige deine Haushalts- und Wohnsituation. Single, Paar, Familie, Mieter und Immobilieneigentümer starten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen.
- Betrachte deine Entwicklung. Ein steigendes Nettovermögen über mehrere Jahre ist für deine persönliche Finanzplanung meist wichtiger als der Abstand zu einer statistischen Vergleichsgruppe.
- Prüfe deine langfristigen Ziele. Vermögen soll letztlich konkrete Aufgaben erfüllen – beispielsweise Sicherheit schaffen, Wohneigentum finanzieren oder Einkommen im Ruhestand ergänzen.
Damit wird aus einem bloßen Vergleich eine tatsächlich brauchbare Bestandsaufnahme.
Fazit: Dein Alter liefert einen Vergleichswert, aber kein Vermögensziel
Das durchschnittliche Vermögen steigt in Deutschland mit dem Alter zunächst deutlich an. Noch hilfreicher für die persönliche Einordnung ist der Median: Er lag in der PHF-Erhebung 2021 bei rund 18.700 Euro für 25- bis 34-Jährige, 65.200 Euro für 35- bis 44-Jährige, 154.700 Euro für 45- bis 54-Jährige und erreichte bei den 55- bis 64-Jährigen rund 299.300 Euro. Danach sank er wieder.
Diese Beträge sind Orientierungspunkte und keine Vorgaben. Immobilienbesitz, Haushaltsgröße, Einkommen, Erbschaften, Schulden und Altersvorsorge können dafür sorgen, dass zwei gleichaltrige Menschen trotz vollkommen unterschiedlicher Vermögensstände beide finanziell solide aufgestellt sind.
Für deine eigene Finanzplanung ist deshalb weniger entscheidend, ob du heute exakt über oder unter dem Median liegst. Aussagekräftiger ist, ob dein Nettovermögen langfristig wächst, deine Schulden beherrschbar sind, ausreichende Rücklagen bestehen und dein Vermögen zu den Zielen passt, die du in den kommenden Jahrzehnten erreichen möchtest.
Häufige Fragen zum Durchschnittsvermögen nach Alter
Vermögensstatistiken sind nur dann hilfreich, wenn klar ist, welche Werte miteinander verglichen werden. Besonders häufig entstehen Fragen rund um Median, Immobilien und die richtige Berechnung des eigenen Vermögens.
Wie viel Vermögen sollte man mit 30 haben?
Eine verbindliche Sollsumme gibt es nicht. In der Bundesbank-Erhebung 2021 lag der Median des Nettovermögens für Haushalte mit einer Referenzperson zwischen 25 und 34 Jahren bei rund 18.700 Euro. Für die persönliche Finanzplanung sind zusätzlich Einkommen, Schulden, Sparrate und bisheriger Berufsweg entscheidend.
Wie viel Vermögen ist mit 40 normal?
Für die Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren lag das Median-Nettovermögen bei rund 65.200 Euro. Der Durchschnitt lag mit rund 213.300 Euro erheblich höher, weshalb der Median für einen typischen Vergleich meist aussagekräftiger ist.
Wie viel Vermögen haben Menschen mit 50?
Die PHF-Daten weisen für Haushalte mit einer 45- bis 54-jährigen Referenzperson ein Median-Nettovermögen von rund 154.700 Euro aus. Der Durchschnitt lag deutlich höher. Die Differenz zeigt, wie stark hohe Vermögen den Mittelwert beeinflussen können.
In welchem Alter ist das Vermögen am höchsten?
In der Altersaufteilung der PHF-Erhebung 2021 erreichte der Median bei den 55- bis 64-Jährigen mit rund 299.300 Euro seinen höchsten Wert. Danach sank er in den älteren Gruppen. Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Haushalt im Ruhestand Vermögen verliert; die Statistik beschreibt unterschiedliche Haushalte innerhalb der jeweiligen Altersgruppen.
Zählt eine Immobilie zum Vermögen?
Ja. Für das Nettovermögen wird grundsätzlich der Vermögenswert einer Immobilie berücksichtigt und die darauf entfallende Restschuld abgezogen. Eine Immobilie im Wert von 400.000 Euro mit einer verbleibenden Finanzierung von 250.000 Euro trägt vereinfacht 150.000 Euro zum Nettovermögen bei.
Gehört die gesetzliche Rente zum Nettovermögen?
Bei der hier verwendeten PHF-Definition der Bundesbank werden zukünftige Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder Pension nicht zum Nettovermögen gerechnet. Dadurch können zwei Haushalte mit gleichem statistischem Nettovermögen hinsichtlich ihrer späteren Altersversorgung trotzdem sehr unterschiedlich aufgestellt sein.
Ist Durchschnitt oder Median beim Vermögen wichtiger?
Für die Frage, was ein typischer Haushalt besitzt, ist der Median meist hilfreicher. Sehr hohe Vermögen einzelner Haushalte können den Durchschnitt stark erhöhen, während der Median lediglich den Wert bezeichnet, der die Verteilung in eine ärmere und eine vermögendere Hälfte teilt.
Wie oft sollte man sein Nettovermögen berechnen?
Für die langfristige Finanzplanung genügt meist eine jährliche Vermögensbilanz. Sie zeigt, ob das Nettovermögen über längere Zeit wächst und welche Vermögensbestandteile dafür verantwortlich sind. Bei größeren Veränderungen wie Immobilienkauf, hoher Kreditaufnahme oder einer Erbschaft kann eine zusätzliche Aktualisierung sinnvoll sein.