Buy and Hold: Warum langfristiges Investieren so erfolgreich sein kann

Buy and Hold setzt nicht darauf, den perfekten Zeitpunkt an der Börse zu erwischen. Entscheidend sind ein langfristiger Anlagehorizont, ein tragfähiges Portfolio und die Disziplin, auch schwierige Marktphasen auszuhalten.

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An der Börse wirkt Handeln oft produktiver als Nichtstun. Kurse steigen, Kurse fallen, Nachrichten verändern die Stimmung – und ständig scheint es einen Grund zu geben, Aktien oder ETFs zu kaufen, zu verkaufen oder das Depot umzubauen. Genau hier setzt Buy and Hold einen Gegenpunkt: Anleger investieren mit langfristiger Perspektive und halten ihre Anlagen über viele Jahre, statt auf kurzfristige Kursbewegungen zu reagieren.

Der Ansatz ist einfach, aber keineswegs banal. Sein möglicher Erfolg beruht auf mehreren Mechanismen: langfristigem Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinnen, wiederangelegten Erträgen, niedrigen Handelskosten und vor allem darauf, dauerhaft investiert zu bleiben. Wer ständig versucht, schlechte Börsentage zu vermeiden, muss schließlich nicht nur rechtzeitig verkaufen, sondern anschließend auch den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg treffen.

Buy and Hold bedeutet allerdings nicht, beliebige Aktien zu kaufen und sie anschließend für immer zu ignorieren. Die Strategie funktioniert nur dann überzeugend, wenn die Auswahl der Anlagen, die Diversifikation, das persönliche Risiko und der Anlagehorizont zusammenpassen. Gerade dieser Unterschied zwischen langfristigem Investieren und blindem Festhalten ist entscheidend.

Was Buy and Hold tatsächlich bedeutet

Der englische Begriff lässt sich mit „kaufen und halten“ übersetzen. Gemeint ist eine Anlagestrategie, bei der Wertpapiere mit der Absicht gekauft werden, sie über einen langen Zeitraum im Depot zu behalten. Kurzfristige Kursschwankungen sind dabei kein automatischer Anlass für einen Verkauf.

Bei einem breit gestreuten ETF kann das beispielsweise bedeuten, über Jahrzehnte regelmäßig zu investieren und auch während einer Börsenkorrektur oder eines Crashs investiert zu bleiben. Bei Einzelaktien ist die Sache anspruchsvoller. Dort muss weiterhin geprüft werden, ob die ursprüngliche Investmentthese noch trägt. Ein Unternehmen kann dauerhaft an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, überschuldet werden oder sogar insolvent gehen. „Buy and Hold“ darf deshalb nicht mit „Buy and Forget“ verwechselt werden.

Der eigentliche Kern der Strategie ist eine andere Haltung gegenüber Zeit: Nicht die Kursentwicklung der nächsten Woche oder des nächsten Jahres entscheidet über den Anlageerfolg, sondern die langfristige Entwicklung der gehaltenen Vermögenswerte.

Warum langfristiges Investieren funktionieren kann

Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen. Entwickeln sich Unternehmen langfristig erfolgreich, erzielen Gewinne und steigern ihre wirtschaftliche Leistung, können Aktionäre daran über steigende Unternehmenswerte und gegebenenfalls Dividenden teilhaben. Ein breit gestreutes Aktienportfolio bündelt dabei nicht nur ein einzelnes Unternehmen, sondern einen großen Teil der wirtschaftlichen Entwicklung verschiedener Unternehmen, Branchen und Länder.

Historische Kapitalmarktdaten zeigen, dass Aktien über sehr lange Zeiträume trotz Kriegen, Finanzkrisen, Rezessionen, Inflationsphasen und Börsencrashs erhebliche reale Wertzuwächse erzielen konnten. Das ist allerdings keine Garantie dafür, dass zukünftige Jahrzehnte genauso verlaufen. Selbst lange Anlageperioden können deutlich schwächere Ergebnisse bringen als historische Durchschnittswerte.

Für Buy-and-Hold-Anleger kommt ein zweiter Effekt hinzu: Sie müssen nicht ständig entscheiden, was der Markt als Nächstes macht. Dadurch entfällt eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt – kurzfristige Börsenbewegungen zuverlässig vorherzusagen.

Zeit reduziert nicht das Risiko auf null

Der häufig verwendete Satz „Aktien sind langfristig sicher“ führt deshalb in die falsche Richtung. Aktien bleiben Risikokapital. Ein langer Anlagehorizont kann die Wahrscheinlichkeit verringern, zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen, beseitigt aber weder Kursschwankungen noch Verlustrisiken.

Das lässt sich schon an großen Börsenkrisen erkennen. Zwischenzeitliche Verluste von 30, 40 oder sogar mehr als 50 Prozent sind bei Aktienmärkten historisch vorgekommen. Wer 100.000 Euro investiert hat, muss daher psychologisch und finanziell damit umgehen können, zeitweise vielleicht nur noch 60.000 oder 70.000 Euro im Depot zu sehen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage, wie lange jemand investieren möchte. Ebenso wichtig ist, ob das investierte Geld während einer schweren Börsenkrise tatsächlich unangetastet bleiben kann. Geld für den Hauskauf in zwei Jahren, eine unmittelbar bevorstehende größere Ausgabe oder die kurzfristige finanzielle Reserve gehört deshalb grundsätzlich nicht in ein reines Aktienportfolio.

Der Zinseszinseffekt wird mit der Zeit mächtig

Einer der wichtigsten Mechanismen langfristigen Vermögensaufbaus ist der Zinseszinseffekt. Bei Aktien und ETFs handelt es sich streng genommen nicht immer um „Zinsen“. Das Prinzip ist jedoch vergleichbar: Erwirtschaftete Erträge verbleiben im Vermögen und können in den folgenden Jahren selbst weitere Erträge erwirtschaften.

Bei thesaurierenden ETFs geschieht ein Teil davon automatisch, weil Ausschüttungen innerhalb des Fonds wieder angelegt werden. Bei ausschüttenden Anlagen können Anleger die erhaltenen Beträge selbst erneut investieren.

Wie stark der Faktor Zeit wirken kann, zeigt eine vereinfachte Modellrechnung. Angenommen, jemand startet mit 10.000 Euro und investiert zusätzlich jeden Monat 300 Euro. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent pro Jahr ergeben sich rechnerisch folgende Werte:

Laufzeit Eingezahltes Kapital Rechnerischer Depotwert Rechnerischer Wertzuwachs
10 Jahre 46.000 € ca. 67.400 € ca. 21.400 €
20 Jahre 82.000 € ca. 171.700 € ca. 89.700 €
30 Jahre 118.000 € ca. 361.600 € ca. 243.600 €

Die Rechnung unterstellt eine gleichmäßige Rendite von 6 Prozent und berücksichtigt weder Steuern noch individuelle Produktkosten. Die Börse entwickelt sich in der Realität selbstverständlich nicht gleichmäßig. Auf ein Jahr mit kräftigen Gewinnen kann ein deutlich negatives Jahr folgen.

Interessant ist deshalb weniger der exakte Endbetrag als die Größenordnung des Effekts. Nach 30 Jahren wären in diesem Beispiel 118.000 Euro eigenes Kapital eingezahlt worden. Der rechnerische Wertzuwachs läge mit rund 243.600 Euro mehr als doppelt so hoch. Zeit wird damit selbst zu einem wesentlichen Bestandteil der Vermögensbildung.

Umgekehrt lässt sich verlorene Zeit nur schwer kompensieren. Wer deutlich später beginnt, muss für dasselbe langfristige Vermögensziel häufig wesentlich höhere Beträge investieren.

Market Timing ist schwieriger, als es im Rückblick aussieht

Die Alternative zu Buy and Hold erscheint zunächst verlockend: vor einem Crash verkaufen, günstig zurückkaufen und anschließend wieder vom Aufschwung profitieren. Das Problem liegt darin, dass beide Entscheidungen rechtzeitig getroffen werden müssen.

Ein Anleger muss erkennen, wann ein Rückgang bevorsteht. Danach muss er bestimmen, wann der richtige Wiedereinstieg gekommen ist. Selbst ein erfolgreicher Verkauf löst das Problem also nur zur Hälfte.

Besonders schwierig wird Market Timing dadurch, dass sehr starke Börsentage häufig in turbulenten Marktphasen auftreten. Genau dann, wenn schlechte Nachrichten dominieren und viele Anleger besonders vorsichtig werden, können Kurse plötzlich kräftig steigen. Wer nach einem starken Einbruch zunächst auf eine Beruhigung wartet, kann einen wesentlichen Teil der Erholung verpassen.

Historische Untersuchungen illustrieren die Größenordnung. In einer Vanguard-Modellrechnung für den US-Aktienmarkt entwickelte sich eine hypothetische Anlage von 100.000 US-Dollar zwischen 1988 und Ende 2024 bei durchgehender Investition auf rund 4,9 Millionen US-Dollar. Wären lediglich die zehn besten Börsentage verpasst worden, wären es nur etwa 2,3 Millionen US-Dollar gewesen. Beim Verpassen der 20 besten Tage sank der Modellwert auf rund 1,4 Millionen US-Dollar.

Solche Rückrechnungen beweisen nicht, dass Buy and Hold zukünftig eine bestimmte Rendite liefert. Sie zeigen aber ein fundamentales Problem des Market Timings: Ein sehr kleiner Teil der Handelstage kann für die langfristige Entwicklung eines Portfolios außergewöhnlich wichtig sein – und diese Tage lassen sich nicht zuverlässig im Voraus identifizieren.

Buy and Hold spart Entscheidungen – und häufig Kosten

Jede Transaktion kann Kosten verursachen. Bei vielen modernen Brokern sind Kauf- und Verkaufsgebühren zwar deutlich niedriger als früher. Trotzdem können Ordergebühren, Spreads und andere Handelskosten die Rendite belasten. Je häufiger gehandelt wird, desto relevanter kann dieser Effekt werden.

Noch wichtiger ist häufig die Verhaltenskomponente. Ein Buy-and-Hold-Anleger muss nicht jeden Tag entscheiden, ob eine Nachricht einen Verkauf rechtfertigt. Das reduziert die Zahl möglicher Fehlentscheidungen.

Denn Menschen handeln an der Börse nicht immer rational. Nach starken Kurssteigerungen entsteht leicht die Angst, etwas zu verpassen. Nach einem Crash dominiert dagegen häufig die Sorge vor weiteren Verlusten. Daraus kann genau das Verhalten entstehen, das Anleger eigentlich vermeiden möchten: nach starken Kursanstiegen kaufen und nach erheblichen Verlusten verkaufen.

Eine langfristig festgelegte Strategie verschiebt die entscheidenden Fragen deshalb weg von der aktuellen Börsenstimmung. Statt „Soll ich heute verkaufen?“ lautet die sinnvollere Frage: „Hat sich etwas an meinem Anlageziel, meiner Risikotragfähigkeit oder meiner langfristigen Strategie verändert?“

Diversifikation entscheidet über die Qualität der Strategie

Buy and Hold ist bei einem weltweit diversifizierten Portfolio etwas völlig anderes als bei einer einzigen Aktie. Wer sein gesamtes Vermögen langfristig in ein Unternehmen steckt, kombiniert Buy and Hold mit einem erheblichen Konzentrationsrisiko.

Ein Unternehmen kann verschwinden. Ganze Branchen können an Bedeutung verlieren. Auch einzelne Länder können über sehr lange Zeiträume schwach abschneiden. Diversifikation verteilt diese Risiken.

Breit gestreute Aktien-ETFs können beispielsweise Hunderte oder Tausende Unternehmen enthalten. Das schützt nicht vor einem allgemeinen Börsencrash – wenn die globalen Aktienmärkte stark fallen, verliert auch ein Welt-ETF deutlich an Wert. Es reduziert aber die Abhängigkeit vom Schicksal eines einzelnen Unternehmens.

Diversifikation ist deshalb kein Instrument, das Verluste grundsätzlich verhindert. Sie soll verhindern, dass ein einzelner vermeidbarer Fehlschlag das gesamte Anlageergebnis dominiert.

Wer neben Aktien weitere Anlageklassen wie Anleihen oder liquide Reserven hält, kann die Schwankungsintensität des Gesamtvermögens zusätzlich verändern. Welche Aufteilung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Anlagehorizont, finanziellen Zielen und persönlicher Risikotragfähigkeit ab.

Buy and Hold mit ETFs und Einzelaktien unterscheidet sich deutlich

Bei einem breit diversifizierten Index-ETF passt Buy and Hold besonders gut zur Konstruktion des Produkts. Ein Index verändert seine Zusammensetzung im Laufe der Zeit. Unternehmen können aufsteigen, an Bedeutung verlieren oder aus einem Index herausfallen. Der Anleger muss diese Anpassungen nicht selbst durchführen.

Dadurch entsteht ein wichtiger Unterschied zu einem Depot aus einzelnen Aktien. Wer beispielsweise zehn Unternehmen auswählt und diese 30 Jahre lang ungeprüft hält, besitzt nach 30 Jahren nicht automatisch ein gut diversifiziertes oder qualitativ hochwertiges Portfolio.

Bei Einzelaktien muss langfristiges Investieren deshalb mit einer laufenden fundamentalen Prüfung verbunden werden. Verschlechtert sich ein Unternehmen strukturell, kann ein Verkauf trotz Buy-and-Hold-Ansatz sinnvoll sein. Die Strategie verlangt keine Treue zu einer Aktie um jeden Preis.

Bei breit gestreuten Indexanlagen liegt der Schwerpunkt dagegen stärker auf der strategischen Portfolioaufteilung und weniger auf der Analyse einzelner Unternehmen.

Ein Börsencrash ist der eigentliche Belastungstest

Solange die Kurse steigen, erscheint Buy and Hold einfach. Ob die Strategie tatsächlich zum Anleger passt, zeigt sich meist erst in einer schweren Krise.

Nehmen wir ein Aktienportfolio im Wert von 80.000 Euro. Bei einem Kursverlust von 40 Prozent sinkt sein Wert auf 48.000 Euro. Auf dem Papier fehlen plötzlich 32.000 Euro.

Um von 48.000 Euro wieder auf 80.000 Euro zu kommen, reicht anschließend übrigens kein Kursanstieg von 40 Prozent. Dafür sind rund 66,7 Prozent erforderlich. Prozentuale Verluste und anschließende Gewinne wirken aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausgangsbasis nicht symmetrisch.

Ein langfristiger Anleger muss solche Phasen nicht angenehm finden. Er muss sein Portfolio aber so konstruiert haben, dass er sie finanziell überstehen kann. Wer während eines Crashs verkaufen muss, weil das Geld für laufende Ausgaben benötigt wird, profitiert wenig vom langfristigen Charakter seiner ursprünglichen Strategie.

Deshalb beginnt Buy and Hold nicht mit der Auswahl eines ETFs. Es beginnt mit einer stabilen privaten Finanzplanung: ausreichende Liquiditätsreserve, keine kurzfristig benötigten Gelder im Aktienmarkt und eine Aktienquote, deren Schwankungen tatsächlich ausgehalten werden können.

Regelmäßiges Investieren kann die Umsetzung erleichtern

Viele Anleger setzen Buy and Hold über einen Sparplan um. Dabei wird beispielsweise monatlich ein fester Betrag in einen ETF investiert. Das hat einen praktischen Vorteil: Die Investition erfolgt unabhängig davon, ob die Börsenstimmung gerade euphorisch oder pessimistisch ist.

Bei niedrigen Kursen werden für denselben Betrag mehr Anteile gekauft, bei höheren Kursen entsprechend weniger. Regelmäßiges Investieren kann damit helfen, die Entscheidung über den vermeintlich perfekten Einstiegszeitpunkt aus dem Alltag herauszunehmen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass gestaffeltes Investieren mathematisch grundsätzlich besser wäre, wenn bereits eine große Geldsumme verfügbar ist. Wer einen vorhandenen Betrag über Monate zurückhält, verzichtet während dieser Zeit auf mögliche Marktrendite. Andererseits kann eine schrittweise Anlage für Menschen sinnvoll sein, die sich mit einer sofortigen großen Investition unwohl fühlen und andernfalls möglicherweise überhaupt nicht investieren würden.

Bei einem monatlichen Einkommen stellt sich diese Frage ohnehin anders. Wer jeden Monat 300 Euro für den langfristigen Vermögensaufbau zur Verfügung hat, kann das Geld investieren, sobald es verfügbar ist, statt zunächst auf einen vermeintlich besseren Börsenzeitpunkt zu warten.

„Halten“ bedeutet nicht, das Depot nie wieder anzusehen

Eine gute Buy-and-Hold-Strategie benötigt wenig Aktivität, aber nicht zwangsläufig gar keine. Das Portfolio sollte in angemessenen Abständen darauf geprüft werden, ob es noch zur persönlichen Situation passt.

Ein typisches Beispiel ist Rebalancing. Angenommen, ein Anleger möchte dauerhaft 70 Prozent seines Anlagevermögens in Aktien und 30 Prozent in weniger schwankungsanfälligen Anlagen halten. Steigen die Aktienkurse stark, kann daraus mit der Zeit eine Verteilung von 80 zu 20 werden. Das Portfolio ist damit riskanter geworden, obwohl der Anleger keine bewusste Entscheidung für mehr Risiko getroffen hat.

Durch Rebalancing wird die gewünschte Gewichtung wiederhergestellt. Das kann über neue Sparraten oder gegebenenfalls durch Umschichtungen erfolgen. Dabei sollten Kosten und mögliche steuerliche Folgen berücksichtigt werden.

Auch Veränderungen im eigenen Leben können eine Anpassung erforderlich machen. Wer sich dem Zeitpunkt nähert, an dem ein großer Teil des Vermögens benötigt wird, kann eine andere Risikostruktur brauchen als jemand, der noch 30 Jahre investieren möchte.

Buy and Hold bedeutet deshalb besser formuliert: langfristig an einer sinnvollen Strategie festhalten – nicht jede einmal getroffene Entscheidung unverändert konservieren.

Wann ein Verkauf trotz Buy and Hold sinnvoll sein kann

Ein Verkauf widerspricht der Strategie nicht automatisch. Entscheidend ist der Grund. Wer verkauft, weil der Aktienmarkt gestern drei Prozent verloren hat und morgen weitere Verluste befürchtet, betreibt im Kern Market Timing. Wer verkauft, weil sich sein finanzielles Ziel verändert hat, kann dagegen konsequent innerhalb seiner langfristigen Planung handeln.

Auch ein notwendiges Rebalancing, die Auflösung einer problematischen Einzelposition oder eine grundlegende Änderung der persönlichen Risikotragfähigkeit können sachliche Gründe für Anpassungen sein.

Bei Einzelaktien kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die ursprüngliche Investmentthese kann falsch geworden sein. Wenn ein Unternehmen dauerhaft Marktanteile verliert, seine Verschuldung problematisch steigt oder sich sein Geschäftsmodell fundamental verschlechtert, macht eine alte Kaufentscheidung die Aktie nicht automatisch weiterhin attraktiv.

Der Satz „Verluste sind erst Verluste, wenn man verkauft“ ist deshalb gefährlich verkürzt. Eine wertlose Aktie wird nicht dadurch wieder wertvoll, dass sie lange genug im Depot bleibt.

Die häufigsten Fehler bei Buy and Hold

Der vielleicht größte Fehler besteht darin, Buy and Hold erst im Aufschwung zu mögen und während des nächsten Crashs aufzugeben. Wer eine langfristige Strategie bei hohen Kursen beginnt, aber nach einem starken Einbruch verkauft, verbindet möglicherweise hohe Einstiegskurse mit niedrigen Verkaufskursen.

Ein zweiter Fehler ist eine zu hohe Aktienquote. Ein theoretisch renditestärkeres Portfolio bringt wenig, wenn seine Schwankungen psychologisch nicht ausgehalten werden. Ein etwas defensiveres Portfolio, das über Jahrzehnte konsequent gehalten wird, kann für einen Anleger praktischer sein als eine aggressive Strategie, die beim ersten schweren Crash abgebrochen wird.

Problematisch ist außerdem die Verwechslung von Geduld und Untätigkeit. Ein schlecht diversifiziertes Depot wird durch eine lange Haltedauer nicht automatisch besser. Hohe Produktkosten verschwinden ebenfalls nicht durch Zeit – im Gegenteil, wiederkehrende Kosten können sich über Jahrzehnte erheblich summieren.

Schließlich sollte Buy and Hold nicht zum Argument werden, finanzielle Ziele zu ignorieren. Wer in fünf Jahren einen Teil seines Vermögens sicher benötigt, sollte rechtzeitig prüfen, ob dieser Betrag weiterhin vollständig dem Aktienmarktrisiko ausgesetzt sein soll.

Für wen Buy and Hold gut umsetzbar sein kann

Besonders naheliegend ist die Strategie für Anleger mit einem langen Anlagehorizont, einer ausreichenden finanziellen Reserve und der Bereitschaft, deutliche Kursschwankungen auszuhalten. Sie müssen nicht ständig Börsenberichte verfolgen und keine kurzfristigen Kursprognosen erstellen.

Das macht Buy and Hold jedoch nicht automatisch zur passenden Lösung für jeden Euro des Vermögens. Kurzfristige Rücklagen und Geld für absehbare Ausgaben benötigen andere Eigenschaften als Kapital, das möglicherweise 20 oder 30 Jahre investiert bleiben kann.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Ist Buy and Hold die beste Strategie?“ Sinnvoller ist: „Welcher Teil meines Vermögens kann so langfristig investiert werden, dass ich auch während einer schweren Börsenkrise nicht darauf angewiesen bin?“

Wer diese Frage sauber beantworten kann, schafft eine wesentlich bessere Grundlage für langfristiges Investieren als jemand, der seine Strategie allein nach einer erwarteten Rendite auswählt.

Fazit: Bei Buy and Hold ist Durchhalten Teil der Strategie

Buy and Hold wirkt auf den ersten Blick fast zu einfach: investieren und abwarten. Tatsächlich steckt dahinter eine anspruchsvolle Entscheidung. Anleger verzichten bewusst darauf, kurzfristige Marktbewegungen vorherzusagen, und setzen stattdessen auf einen langen Anlagehorizont, Diversifikation, niedrige Kosten und die langfristige Entwicklung ihrer Anlagen.

Der entscheidende Vorteil liegt nicht darin, dass Verluste vermieden werden. Gerade Aktien können zwischenzeitlich erheblich an Wert verlieren. Buy and Hold versucht vielmehr, Anleger dauerhaft am Markt beteiligt zu halten, damit kurzfristige Angst oder Euphorie nicht ständig die langfristige Finanzplanung verändern.

Am überzeugendsten funktioniert der Ansatz deshalb nicht mit blindem Optimismus, sondern mit Vorbereitung. Wer ausreichend Liquidität außerhalb des Aktienmarktes hält, sein Portfolio breit aufstellt und nur Geld investiert, das langfristig verfügbar ist, schafft Bedingungen, unter denen auch schwierige Börsenjahre ausgehalten werden können. Genau diese Ausdauer kann über Jahrzehnte wichtiger werden als die nächste Kauf- oder Verkaufsentscheidung.

Häufige Fragen zu Buy and Hold

Buy and Hold klingt einfach, wirft in der praktischen Umsetzung aber einige Fragen auf. Besonders Anlagehorizont, Börsencrashs und die Auswahl geeigneter Wertpapiere sorgen häufig für Unsicherheit.

Wie lange sollte man bei Buy and Hold investieren?

Ein fester Mindestzeitraum garantiert keinen Gewinn. Bei Aktien sollte der Anlagehorizont jedoch grundsätzlich langfristig sein und eher in vielen Jahren als in Monaten gedacht werden. Je früher das Geld sicher benötigt wird, desto problematischer ist eine hohe Aktienquote.

Funktioniert Buy and Hold auch mit ETFs?

Breit diversifizierte ETFs eignen sich grundsätzlich für eine langfristige Buy-and-Hold-Strategie, weil sich mit einem Produkt zahlreiche Unternehmen abdecken lassen. Entscheidend bleiben jedoch der zugrunde liegende Index, die Diversifikation, Kosten und die Frage, ob das Risiko zum Anleger passt.

Muss man bei einem Börsencrash wirklich nichts tun?

Ein Kurssturz allein ist noch kein zwingender Grund, eine langfristige Strategie zu ändern. Sinnvoll ist allerdings zu prüfen, ob Portfolio, Risikotragfähigkeit und finanzielle Ziele weiterhin zusammenpassen. Wer das investierte Geld kurzfristig benötigt, hat ein anderes Problem als ein Anleger mit noch 25 Jahren Anlagehorizont.

Kann man mit Buy and Hold Geld verlieren?

Ja. Buy and Hold beseitigt das Verlustrisiko nicht. Einzelne Unternehmen können sogar vollständig ausfallen, und auch breit gestreute Aktienmärkte können über längere Zeiträume schwach abschneiden. Diversifikation und ein langer Anlagehorizont können Risiken reduzieren beziehungsweise besser handhabbar machen, aber keine Gewinne garantieren.

Sollte man bei hohen Börsenkursen mit dem Investieren warten?

Ob der aktuelle Markt kurz vor einer Korrektur oder vor weiteren Kurssteigerungen steht, lässt sich zuverlässig erst im Nachhinein erkennen. Bei langfristigen Sparplänen kann regelmäßiges Investieren die Abhängigkeit von einer einzelnen Einstiegsentscheidung reduzieren. Bei einer bereits vorhandenen größeren Summe müssen dagegen Anlagehorizont und Risikotragfähigkeit berücksichtigt werden.

Ist Buy and Hold dasselbe wie passives Investieren?

Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht vollständig identisch. Buy and Hold beschreibt vor allem die lange Haltedauer und den Verzicht auf häufiges Handeln. Auch ein Anleger mit sorgfältig ausgewählten Einzelaktien kann grundsätzlich eine Buy-and-Hold-Strategie verfolgen.

Wann sollte man eine Buy-and-Hold-Anlage verkaufen?

Mögliche Gründe sind ein erreichtes finanzielles Ziel, notwendiges Rebalancing, eine veränderte persönliche Situation oder – bei Einzelaktien – eine fundamental veränderte Investmentthese. Kurzfristige Angst vor fallenden Kursen ist dagegen typisches Market Timing.

Muss ein Buy-and-Hold-Depot regelmäßig kontrolliert werden?

Ja, allerdings muss daraus kein ständiges Handeln entstehen. In größeren Abständen kann geprüft werden, ob die gewünschte Vermögensaufteilung noch stimmt, die Produkte weiterhin zur Strategie passen und sich persönliche Ziele oder der Anlagehorizont verändert haben.

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Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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