Aktien kaufen für Anfänger – so funktioniert der Einstieg

Mit einem Wertpapierdepot, etwas Grundwissen und einem klaren Plan kannst du deine ersten Aktien selbst kaufen. Entscheidend ist nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt, sondern dass du verstehst, was du kaufst, welche Risiken du eingehst und wie viel Geld du dafür einsetzen kannst.

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Aktien wirken auf den ersten Blick komplizierter, als der eigentliche Kaufvorgang ist. Sobald ein Wertpapierdepot eröffnet und Geld auf dem zugehörigen Verrechnungskonto verfügbar ist, lässt sich eine Aktie bei vielen Banken oder Brokern innerhalb weniger Minuten kaufen. Schwieriger ist die Frage, welche Aktie geeignet ist, wie groß die Position sein sollte und wie sich unnötige Risiken vermeiden lassen.

Für Anfänger ist deshalb eine wichtige Unterscheidung sinnvoll: Aktien kaufen ist technisch einfach – sinnvoll in Aktien investieren erfordert dagegen Vorbereitung. Du solltest verstehen, dass du mit einer Aktie einen kleinen Anteil an einem Unternehmen erwirbst und dein eingesetztes Kapital erheblich schwanken kann. Einzelne Aktien können über Jahre hohe Gewinne erzielen, sie können aber ebenso deutlich fallen oder im Extremfall nahezu wertlos werden.

Wer langfristig investieren möchte, sollte Aktien deshalb nicht wie einen schnellen Einsatz auf steigende Kurse betrachten. Ein vernünftiger Einstieg beginnt mit ausreichend finanzieller Reserve, einem passenden Depot, überschaubaren Kosten und einer Strategie, die auch dann noch funktioniert, wenn die Börse einige Monate oder Jahre ungemütlich wird.

Inhaltsverzeichnis

So kaufst du deine erste Aktie

Der eigentliche Aktienkauf besteht aus wenigen Schritten. Du benötigst ein Wertpapierdepot, suchst dort nach dem gewünschten Unternehmen, legst Stückzahl oder Investitionsbetrag fest und erteilst anschließend eine Kauforder. Trotzdem lohnt es sich, jeden Schritt bewusst durchzuführen.

Eine sinnvolle Reihenfolge sieht so aus:

  1. Finanzielle Reserve aufbauen
  2. Wertpapierdepot eröffnen
  3. Geld auf das Verrechnungskonto überweisen
  4. Unternehmen und Aktie auswählen
  5. Wertpapier eindeutig über ISIN oder WKN prüfen
  6. Börsenplatz auswählen
  7. Stückzahl oder Investitionsbetrag festlegen
  8. Orderart bestimmen
  9. Kosten und Orderdetails kontrollieren
  10. Kauf bestätigen

Nach der Ausführung erscheint die Aktie im Depot. Dort siehst du normalerweise den aktuellen Kurswert, deine bisherige Wertentwicklung und weitere Informationen zur Position.

Der Kauf selbst ist damit abgeschlossen. Für deine langfristige Rendite sind anschließend aber weniger die wenigen Sekunden der Orderausführung entscheidend als die Qualität deiner Anlageentscheidung und dein Verhalten in guten und schlechten Börsenphasen.

Was du mit einer Aktie tatsächlich kaufst

Eine Aktie ist keine Zahl, die auf einem Börsenbildschirm steigt oder fällt. Sie verkörpert einen Anteil an einem Unternehmen. Kaufst du beispielsweise Aktien eines börsennotierten Konzerns, wirst du – wirtschaftlich betrachtet – zu einem sehr kleinen Miteigentümer.

Als Aktionär kannst du auf zwei Arten von einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung profitieren. Steigt der Unternehmenswert und damit langfristig auch der Aktienkurs, erhöht sich der Wert deiner Beteiligung. Zusätzlich können Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne als Dividende an ihre Aktionäre ausschütten.

Beides ist nicht garantiert. Ein Unternehmen kann Gewinne verlieren, Marktanteile einbüßen, Schuldenprobleme bekommen oder von neuen Wettbewerbern verdrängt werden. Selbst Unternehmen, die heute ausgesprochen erfolgreich erscheinen, können sich über viele Jahre deutlich schlechter entwickeln als erwartet.

Genau deshalb sollte sich die Entscheidung für eine Aktie nicht allein darauf stützen, ob das Unternehmen bekannt ist oder der Aktienkurs zuletzt gestiegen ist.

Wie viel Geld braucht man, um Aktien zu kaufen?

Eine hohe Einstiegssumme ist nicht zwingend erforderlich. Einige Aktien kosten nur wenige Euro pro Stück, andere mehrere Hundert oder sogar mehrere Tausend Euro. Zusätzlich ermöglichen manche Broker sogenannte Bruchstücke oder Sparpläne, über die bereits mit relativ kleinen monatlichen Beträgen investiert werden kann.

Technisch kannst du daher teilweise schon mit 10, 25 oder 50 Euro anfangen. Ob das sinnvoll ist, hängt allerdings stark von den Gebühren ab.

Nehmen wir eine vereinfachte Beispielrechnung:

Investitionsbetrag Kaufkosten Kostenanteil
50 Euro 5 Euro 10,0 %
100 Euro 5 Euro 5,0 %
500 Euro 5 Euro 1,0 %
1.000 Euro 5 Euro 0,5 %
2.000 Euro 5 Euro 0,25 %

Bei einem Aktienkauf über 50 Euro und fünf Euro Transaktionskosten müsste der Kurs zunächst mehr als zehn Prozent zulegen, damit allein die Kaufkosten ausgeglichen sind. Eventuelle Verkaufskosten kommen später noch hinzu.

Bei günstigen Brokern oder kostenfreien Aktiensparplänen kann die Rechnung deutlich besser aussehen. Trotzdem zeigt das Beispiel, weshalb der minimale Kaufbetrag nicht automatisch der sinnvolle Kaufbetrag ist.

Wie viel Geld sollten Anfänger in einzelne Aktien investieren?

Für die passende Summe gibt es keinen universellen Betrag. Entscheidend ist zunächst, dass du ausschließlich Geld an der Börse einsetzt, auf das du längere Zeit verzichten kannst.

Geld für Miete, Versicherungen, Urlaubsreisen, eine geplante Autoreparatur oder andere absehbare Ausgaben gehört grundsätzlich nicht in Aktien. Ebenso sollte eine ausreichende finanzielle Reserve vorhanden sein, bevor du beginnst, langfristiges Kapital an der Börse anzulegen.

Wie hoch der Aktienanteil anschließend ausfallen kann, hängt unter anderem von deinem Anlagehorizont, deiner finanziellen Situation und deiner persönlichen Risikotoleranz ab.

Noch wichtiger ist bei einzelnen Aktien die Größe jeder einzelnen Position. Wer beispielsweise 5.000 Euro vollständig in nur eine Aktie investiert, hängt finanziell stark von der Entwicklung eines einzigen Unternehmens ab. Bei zehn unterschiedlich verteilten Positionen ist dieses unternehmensspezifische Risiko bereits geringer, eine wirklich breite Diversifikation ist damit allerdings noch nicht automatisch erreicht.

Gerade für Einsteiger kann deshalb die Frage sinnvoll sein, ob einzelne Aktien überhaupt das Fundament des Depots bilden sollen oder eher eine Ergänzung zu einem breit gestreuten ETF.

Einzelaktien oder ETF: Was ist für Anfänger besser?

Wer eine einzelne Aktie kauft, entscheidet sich bewusst für ein bestimmtes Unternehmen. Ein breit gestreuter Aktien-ETF verteilt das Geld dagegen auf zahlreiche Unternehmen.

Das verändert das Risiko erheblich.

Einzelaktien Breiter Aktien-ETF
Auswahl einzelner Unternehmen Investition in viele Unternehmen
Höheres Unternehmensrisiko Unternehmensrisiko stärker verteilt
Eigene Analyse erforderlich Auswahl eines geeigneten Index und ETFs
Sehr hohe Einzelgewinne möglich Entwicklung orientiert sich stärker am Gesamtmarkt
Einzelne Aktie kann massiv verlieren Einzelne Unternehmenspleite hat meist geringeren Einfluss
Mehr laufender Analyseaufwand Meist geringerer Betreuungsaufwand

Ein ETF schützt nicht vor Börsenverlusten. Fällt der gesamte Aktienmarkt deutlich, kann auch ein breit gestreuter ETF erheblich an Wert verlieren. Der Unterschied besteht darin, dass dein Ergebnis weniger davon abhängt, ob du zufällig das richtige einzelne Unternehmen ausgewählt hast.

Für viele Anfänger kann es deshalb sinnvoll sein, den langfristigen Vermögensaufbau überwiegend breit zu diversifizieren und einzelne Aktien nur ergänzend zu kaufen. Wer bewusst ausschließlich Einzelaktien auswählen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass damit mehr Analyseaufwand und ein höheres Risiko von Fehlentscheidungen verbunden sind.

Wie eine breite Geldanlage grundsätzlich aufgebaut werden kann, erklären wir ausführlicher in unserem Ratgeber zum Vermögensaufbau.

Welches Depot braucht man zum Aktienkauf?

Aktien werden in einem Wertpapierdepot verwahrt. Ein solches Depot kannst du beispielsweise bei einer klassischen Filialbank, einer Direktbank oder einem Onlinebroker eröffnen.

Die Unterschiede liegen häufig weniger beim grundsätzlichen Funktionsumfang als bei Gebühren, Handelsmöglichkeiten und Bedienung.

Für Anfänger sind vor allem folgende Punkte relevant:

Orderkosten

Einige Anbieter verlangen einen festen Betrag pro Kauf oder Verkauf. Andere berechnen eine prozentuale Gebühr oder kombinieren Grundpreis und prozentualen Anteil.

Gerade wenn du kleinere Beträge investieren möchtest, können hohe Mindestgebühren deine Rendite spürbar belasten.

Depotgebühren

Viele Onlinebroker und Direktbanken führen Wertpapierdepots inzwischen ohne laufende Depotgebühr. Bei anderen Anbietern können monatliche oder jährliche Kosten entstehen.

Eine kostenlose Depotführung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Anbieter insgesamt günstig ist. Entscheidend sind die Kosten der Funktionen, die du tatsächlich nutzt.

Handelsplätze

Aktien werden je nach Unternehmen an unterschiedlichen Börsen und Handelsplätzen gehandelt. Ein Broker sollte zumindest diejenigen Handelsmöglichkeiten bieten, die für deine Strategie relevant sind.

Sparpläne

Wer regelmäßig kleine Beträge investieren möchte, sollte auf verfügbare Aktiensparpläne und deren Ausführungsgebühren achten.

Bedienung und Informationen

Ein extrem umfangreiches professionelles Handelssystem bringt einem Anfänger wenig, wenn jede einfache Order unnötig kompliziert wird. Übersichtliche Kosteninformationen, eindeutige Ordermasken und nachvollziehbare Abrechnungen sind oft wertvoller als zahlreiche Spezialfunktionen.

Wie findet man eine Aktie im Depot?

Nach der Depoteröffnung kannst du normalerweise über den Unternehmensnamen nach einer Aktie suchen. Trotzdem solltest du vor einem Kauf kontrollieren, ob du tatsächlich das richtige Wertpapier ausgewählt hast.

Besonders hilfreich sind dafür zwei Kennnummern:

ISIN: Die International Securities Identification Number identifiziert ein Wertpapier international eindeutig.

WKN: Die Wertpapierkennnummer wird vor allem im deutschen Markt verwendet.

Bei Unternehmen können teilweise verschiedene Aktiengattungen existieren. Außerdem tauchen bei einer Suche möglicherweise Aktien, Anleihen, Optionsscheine oder andere Finanzprodukte mit ähnlichen Bezeichnungen auf.

Verlasse dich deshalb nicht ausschließlich auf das Logo oder den Unternehmensnamen in der App. Prüfe vor der Order zumindest Wertpapierart, ISIN und gegebenenfalls die jeweilige Aktiengattung.

Welche Aktie sollten Anfänger kaufen?

Eine seriöse Antwort besteht nicht aus einer Liste vermeintlich „bester Anfängeraktien“. Ob eine Aktie attraktiv bewertet ist und in ein Depot passt, kann sich verändern. Selbst hervorragende Unternehmen können schlechte Investments sein, wenn zu einem überhöhten Preis gekauft wird.

Für Anfänger ist deshalb wichtiger zu lernen, wie ein Unternehmen beurteilt wird, statt einfach einen Aktientipp zu übernehmen.

Einige grundlegende Fragen helfen dabei:

  • Verstehst du, womit das Unternehmen sein Geld verdient?
  • Steigen Umsatz und Gewinne langfristig?
  • Wie hoch ist die Verschuldung?
  • Besitzt das Unternehmen nachhaltige Wettbewerbsvorteile?
  • Wie abhängig ist es von einzelnen Produkten oder Märkten?
  • Wie profitabel arbeitet das Unternehmen?
  • Welche Risiken bedrohen das Geschäftsmodell?
  • Ist die Aktie bereits sehr hoch bewertet?
  • Warum möchtest du gerade dieses Unternehmen kaufen?

Die letzte Frage ist besonders aufschlussreich. „Der Kurs ist zuletzt stark gestiegen“ ist keine Unternehmensanalyse. „Alle reden darüber“ ebenfalls nicht.

Du solltest zumindest in wenigen eigenen Sätzen erklären können, warum du an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens beteiligt sein möchtest und welche Annahmen deiner Entscheidung zugrunde liegen.

Ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie

Dieser Unterschied wird von Einsteigern häufig unterschätzt. Ein Unternehmen kann außergewöhnlich erfolgreich sein und seine Aktie trotzdem enttäuschend abschneiden.

Der Grund liegt in der Bewertung.

Angenommen, Anleger erwarten von einem Unternehmen in den kommenden Jahren extrem hohe Wachstumsraten. Diese Erwartungen können bereits im Aktienkurs enthalten sein. Wächst das Unternehmen später zwar stark, aber etwas weniger als erwartet, kann die Aktie trotzdem fallen.

Umgekehrt kann ein mäßig wachsendes Unternehmen eine interessante Investition sein, wenn der Markt sehr geringe Erwartungen eingepreist hat und die tatsächliche Entwicklung besser ausfällt.

Deshalb reicht die Frage „Ist das ein gutes Unternehmen?“ nicht aus. Anleger müssen zusätzlich fragen: Welchen Preis zahle ich für dieses Unternehmen?

Muss man Aktienkurse und Kennzahlen analysieren können?

Du musst kein professioneller Analyst sein, um Aktien zu besitzen. Wer gezielt einzelne Unternehmen auswählt, sollte sich aber zumindest mit grundlegenden Unternehmenszahlen beschäftigen.

Dazu gehören beispielsweise Umsatz, Gewinn, Verschuldung, freie Cashflows und Margen. Auch Bewertungskennzahlen können helfen.

Eine bekannte Kennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Ein KGV von 20 bedeutet vereinfacht, dass der Aktienkurs dem Zwanzigfachen des auf eine Aktie entfallenden Jahresgewinns entspricht.

Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Aktie mit KGV 10 automatisch günstig und eine Aktie mit KGV 30 automatisch teuer ist. Wachstum, Geschäftsqualität, Kapitalbedarf, Branchenstruktur und Risiken unterscheiden sich erheblich.

Kennzahlen sollten deshalb niemals isoliert betrachtet werden.

Die Börse ist nicht dasselbe wie das Unternehmen

Gerade in turbulenten Börsenphasen hilft eine weitere Unterscheidung. Der Aktienkurs zeigt, welchen Preis Käufer und Verkäufer aktuell am Markt vereinbaren. Dieser Preis kann sich innerhalb weniger Stunden erheblich verändern.

Der wirtschaftliche Wert eines Unternehmens verändert sich normalerweise nicht im selben Tempo.

Aktienkurse reagieren auf Unternehmenszahlen, Zinsen, Konjunkturaussichten, politische Ereignisse, Marktstimmung und Erwartungen. Deshalb kann selbst eine wirtschaftlich gesunde Firma zeitweise deutliche Kursverluste erleben.

Das bedeutet nicht, dass jeder Kursrückgang automatisch eine Kaufchance darstellt. Es zeigt lediglich, weshalb kurzfristige Kursschwankungen nicht mit der langfristigen Geschäftsentwicklung verwechselt werden sollten.

Market Order oder Limit Order?

Beim Aktienkauf musst du meistens eine Orderart auswählen. Für Anfänger sind insbesondere Market Orders und Limit Orders relevant.

Bei einer Market Order soll die Order zum aktuell bestmöglichen verfügbaren Preis ausgeführt werden. Der genaue Ausführungspreis steht vorher nicht fest.

Bei einer Limit Order bestimmst du dagegen den maximalen Preis, den du pro Aktie bezahlen möchtest.

Ein Beispiel:

Eine Aktie wird aktuell ungefähr zu 80 Euro gehandelt. Du setzt ein Kauflimit bei 79,50 Euro.

Dann gilt:

  • Liegt ein ausreichendes Verkaufsangebot bei maximal 79,50 Euro vor, kann die Order ausgeführt werden.
  • Steigt die Aktie direkt auf 81 Euro, wird die Order zunächst nicht ausgeführt.
  • Fällt der Kurs später innerhalb der Gültigkeitsdauer auf dein Limit, kann eine Ausführung stattfinden.

Limits können besonders bei weniger liquiden Aktien oder stärkeren Kursschwankungen sinnvoll sein. Sie verhindern allerdings nicht, dass die Aktie unmittelbar nach dem Kauf weiter fällt.

Warum der Spread beim Aktienkauf wichtig ist

Neben sichtbaren Ordergebühren entstehen beim Handel häufig indirekte Kosten über den sogenannten Spread. Damit ist die Differenz zwischen dem höchsten aktuellen Kaufangebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot gemeint.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Geldkurs: 99,80 Euro
Briefkurs: 100,20 Euro

Wenn du sofort kaufst, zahlst du ungefähr 100,20 Euro. Wolltest du im selben Moment wieder verkaufen, würdest du ungefähr 99,80 Euro erhalten.

Die Differenz beträgt 40 Cent beziehungsweise rund 0,4 Prozent des Kaufpreises.

Bei sehr liquiden Aktien während der Haupthandelszeiten sind Spreads häufig relativ niedrig. Bei kleinen Unternehmen, außergewöhnlichen Marktphasen oder wenig liquiden Handelszeiten können sie deutlich größer ausfallen.

Deshalb kann es sinnvoll sein, Aktien möglichst dann zu handeln, wenn der jeweilige Heimatmarkt beziehungsweise der maßgebliche Börsenplatz geöffnet ist und ausreichend Liquidität vorhanden ist.

Welchen Börsenplatz sollte man auswählen?

Viele Aktien können über mehrere Handelsplätze gekauft werden. In Deutschland stehen je nach Broker beispielsweise verschiedene Börsen und außerbörsliche Handelssysteme zur Auswahl.

Der niedrigste angezeigte Aktienkurs ist dabei nicht automatisch das günstigste Angebot. Entscheidend sind unter anderem:

  • Geld- und Briefkurs
  • Spread
  • Ordergebühren des Brokers
  • Liquidität
  • Handelszeit
  • mögliche zusätzliche Börsenentgelte

Bei einer liquiden Standardaktie können die Unterschiede klein sein. Bei größeren Kaufbeträgen oder weniger gehandelten Aktien lohnt sich ein genauer Vergleich.

Vor der Bestätigung einer Order solltest du deshalb immer den tatsächlichen Kaufpreis und die ausgewiesenen Kosten kontrollieren.

Was kostet der Kauf von Aktien?

Aktien verursachen nicht nur mögliche Kursverluste. Auch Kosten beeinflussen die Rendite.

Typische Kosten können sein:

Kostenart Wann sie entsteht
Ordergebühr beim Kauf oder Verkauf
Börsenentgelt je nach Handelsplatz
Spread indirekt beim Handel
Depotgebühr bei manchen Anbietern
Fremdwährungskosten bei bestimmten Auslandstransaktionen
Sparplangebühr bei kostenpflichtigen Sparplänen

Wie stark Gebühren wirken, zeigt ein einfaches Beispiel.

Du kaufst Aktien für 1.000 Euro und zahlst fünf Euro Kaufkosten. Später verkaufst du die Position wieder und zahlst erneut fünf Euro.

Damit entstehen zehn Euro direkte Transaktionskosten. Bezogen auf deine ursprünglichen 1.000 Euro sind das bereits ein Prozent.

Je häufiger du handelst, desto stärker können sich solche Kosten summieren.

Kaufen Anfänger besser einmalig oder über einen Sparplan?

Beide Varianten können sinnvoll sein.

Eine Einmalanlage eignet sich beispielsweise, wenn bereits ein größerer Betrag verfügbar ist und du ihn langfristig investieren möchtest. Ein Sparplan passt dagegen gut, wenn regelmäßig Geld aus dem monatlichen Einkommen angelegt werden soll.

Angenommen, du investierst monatlich 100 Euro in Aktien. Nach zwölf Monaten hast du insgesamt 1.200 Euro eingezahlt. Da sich der Aktienkurs während dieses Zeitraums verändert, kaufst du bei niedrigen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile.

Das schützt nicht vor Verlusten. Ein Sparplan verhindert auch nicht, dass du über einen langen Zeitraum fallende Kurse erlebst. Er nimmt dir allerdings die wiederkehrende Entscheidung ab, ob gerade der „richtige“ Moment zum Kaufen gekommen ist.

Bei einzelnen Aktien sollte trotzdem regelmäßig geprüft werden, ob die ursprüngliche Investmentthese weiterhin gilt. Automatisches Investieren ersetzt keine Unternehmensanalyse.

Sollte man auf den perfekten Einstiegszeitpunkt warten?

Viele Anfänger verbringen erstaunlich viel Zeit mit dieser Frage. Sie warten auf einen Börsencrash, eine bestimmte Kursmarke oder ein Signal, das ihnen Sicherheit geben soll.

Vollständige Sicherheit gibt es an der Börse jedoch nicht.

Nach einem starken Kursrückgang kann eine Aktie noch weiter fallen. Nach einem kräftigen Anstieg kann sie trotzdem jahrelang weitersteigen. Ob ein heutiger Kurs rückblickend günstig oder teuer war, lässt sich häufig erst deutlich später beurteilen.

Wer langfristig breit investiert, sollte deshalb stärker auf Anlagehorizont, Diversifikation und finanzielle Belastbarkeit achten als auf den Versuch, jeden Marktzyklus exakt vorherzusagen.

Bei Einzelaktien bleibt die Bewertung des jeweiligen Unternehmens allerdings wichtig. „Timing ist unmöglich“ bedeutet nicht, dass jeder Preis vernünftig ist.

Was passiert nach dem Aktienkauf?

Nach der Ausführung befindet sich die Position in deinem Depot. Der angezeigte Wert verändert sich anschließend mit dem Aktienkurs.

Steigt beispielsweise eine für 1.000 Euro gekaufte Position um zehn Prozent, beträgt ihr rechnerischer Marktwert ungefähr 1.100 Euro. Fällt sie um 20 Prozent, liegt er nur noch bei rund 800 Euro.

Solange du nicht verkaufst, handelt es sich um einen nicht realisierten Kursgewinn beziehungsweise Kursverlust.

Das macht einen Verlust allerdings nicht bedeutungslos. Die häufig verwendete Aussage „Verlust hat man erst beim Verkauf“ kann irreführend sein. Wenn eine Aktie dauerhaft an Wert verliert, ist auch dein Vermögen gesunken – unabhängig davon, ob du die Position bereits verkauft hast.

Aktien können deutlich stärker fallen, als Anfänger erwarten

Ein Verlust von zehn Prozent wirkt noch überschaubar. Bei größeren Rückgängen verändert sich die Mathematik allerdings erheblich.

Kursverlust Notwendiger Gewinn bis zum Ausgangswert
10 % 11,1 %
20 % 25 %
30 % 42,9 %
50 % 100 %
70 % 233,3 %
90 % 900 %

Fällt eine Aktie von 100 auf 50 Euro, beträgt der Verlust 50 Prozent. Um anschließend wieder auf 100 Euro zu steigen, muss sie sich verdoppeln und damit 100 Prozent zulegen.

Bei einem Verlust von 90 Prozent reicht dagegen selbst eine anschließende Verdreifachung bei Weitem nicht aus, um den ursprünglichen Wert wieder zu erreichen.

Diese Asymmetrie ist ein wichtiger Grund, weshalb Risikomanagement und Diversifikation so bedeutend sind.

Diversifikation schützt vor einem entscheidenden Fehler

Einzelne Unternehmen können scheitern. Selbst professionelle Anleger können nicht zuverlässig vorhersagen, welche Firmen in zehn oder zwanzig Jahren noch zu den Gewinnern gehören.

Diversifikation verteilt dieses Risiko.

Besitzt du beispielsweise nur zwei Aktien und eine davon verliert 80 Prozent, kann das dein gesamtes Depot erheblich belasten. Besteht ein Portfolio dagegen aus zahlreichen Unternehmen verschiedener Branchen, Regionen und Geschäftsmodelle, hat das Scheitern einer einzelnen Firma einen wesentlich geringeren Einfluss.

Diversifikation verhindert keine allgemeinen Börsenverluste. In einem breiten Crash können viele Aktien gleichzeitig fallen. Sie reduziert aber insbesondere das Risiko, dass eine einzelne Fehlentscheidung dein Anlagevermögen dauerhaft massiv beschädigt.

Dividenden sind kein zusätzliches Gratisgeld

Viele Anfänger interessieren sich für Aktien mit hohen Dividenden. Ausschüttungen können ein attraktiver Bestandteil der Aktienrendite sein, sollten aber nicht isoliert betrachtet werden.

Zahlt ein Unternehmen beispielsweise drei Euro je Aktie aus, verlässt dieses Geld das Unternehmen. Wirtschaftlich betrachtet wird dadurch Unternehmensvermögen an Aktionäre übertragen.

Eine hohe Dividendenrendite bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Aktie attraktiv ist. Manchmal ist die Dividendenrendite gerade deshalb ungewöhnlich hoch, weil der Aktienkurs wegen erheblicher Unternehmensprobleme stark gefallen ist.

Wichtiger als die Höhe einer einzelnen Ausschüttung sind unter anderem die nachhaltige Ertragskraft, Finanzlage und Kapitalverwendung des Unternehmens.

Welche Steuern fallen bei Aktien an?

Gewinne und Erträge aus Aktien können in Deutschland steuerpflichtig sein. Dazu zählen insbesondere realisierte Kursgewinne und Dividenden.

Für Kapitalerträge gilt grundsätzlich die Kapitalertragsteuer beziehungsweise Abgeltungsteuer. Hinzukommen können Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Über einen Freistellungsauftrag können Kapitalerträge bis zum verfügbaren Sparer-Pauschbetrag steuerfrei gestellt werden.

Bei einem deutschen Broker läuft die Besteuerung häufig weitgehend automatisch. Steuerpflichtige Kapitalerträge werden dann normalerweise direkt berücksichtigt und abgeführt.

Verkaufst du beispielsweise Aktien mit Gewinn, ist für die steuerliche Behandlung nicht allein der Verkaufserlös maßgeblich. Entscheidend ist vereinfacht die Differenz zwischen Anschaffungs- und Verkaufskosten unter Berücksichtigung der steuerlichen Regeln.

Bei ausländischen Brokern, besonderen Wertpapierkonstruktionen, Verlustverrechnung oder grenzüberschreitenden Sachverhalten können zusätzliche steuerliche Fragen entstehen. In solchen Fällen kann eine individuelle steuerliche Prüfung sinnvoll sein.

Muss man Aktien ständig beobachten?

Nein. Wer langfristig investiert, muss Kurse nicht mehrmals täglich kontrollieren.

Bei Einzelaktien solltest du allerdings verfolgen, ob sich fundamentale Bedingungen verändern. Dazu zählen beispielsweise größere Änderungen des Geschäftsmodells, erhebliche Übernahmen, zunehmende Verschuldung, starke Ergebnisverschlechterungen oder andere Entwicklungen, die deine ursprüngliche Kaufentscheidung infrage stellen.

Zwischen „Aktie niemals anschauen“ und „alle zehn Minuten den Kurs prüfen“ liegt ein großer Bereich vernünftigen Verhaltens.

Häufiges Beobachten kann sogar problematisch werden. Kurzfristige Kursschwankungen wirken emotional stärker, wenn jede kleine Bewegung verfolgt wird. Dadurch steigt die Gefahr impulsiver Käufe und Verkäufe.

Wann sollte man eine Aktie wieder verkaufen?

Eine starre Regel wie „bei 20 Prozent Gewinn verkaufen“ oder „Verluste niemals realisieren“ ist wenig hilfreich.

Ein Verkauf kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn:

  1. deine ursprüngliche Investmentthese nicht mehr stimmt,
  2. sich die wirtschaftliche Qualität des Unternehmens deutlich verschlechtert,
  3. die Position durch starke Kursgewinne einen unverhältnismäßig hohen Depotanteil erreicht,
  4. du dein Portfolio grundsätzlich neu strukturierst,
  5. du das Geld für ein langfristig eingeplantes finanzielles Ziel benötigst.

Ein Kursrückgang allein ist dagegen noch keine ausreichende Begründung. Entscheidend ist, warum der Kurs gefallen ist und ob sich deine ursprüngliche Beurteilung des Unternehmens geändert hat.

Genauso wenig ist ein Kursgewinn automatisch ein Verkaufsgrund. Gute Unternehmen können über sehr lange Zeiträume wachsen.

Aktien kaufen mit 100 Euro: ein realistisches Beispiel

Angenommen, du möchtest zunächst 100 Euro monatlich investieren und interessierst dich sowohl für breit gestreute Geldanlage als auch für einzelne Unternehmen.

Eine mögliche Struktur könnte beispielhaft so aussehen:

80 Euro monatlich: breit gestreuter Aktien-ETF
20 Euro monatlich: einzelne Aktie über einen Aktiensparplan

Nach einem Jahr wären insgesamt 1.200 Euro investiert:

  • 960 Euro in den breit gestreuten Teil
  • 240 Euro in die Einzelaktie

Das ist keine Anlageempfehlung, sondern ein Beispiel dafür, wie sich Einzelaktien als begrenzte Ergänzung statt als vollständige Geldanlage einsetzen lassen.

Entwickelt sich die Einzelaktie schlecht, betrifft der Verlust nur einen Teil des gesamten Aktienvermögens. Gleichzeitig kann ein Anfänger praktische Erfahrung mit Unternehmensauswahl, Kursbewegungen und Dividenden sammeln, ohne den gesamten Vermögensaufbau von einer einzelnen Firma abhängig zu machen.

Ein Börsencrash gehört zum Aktieninvestment dazu

Wer Aktien kauft, sollte nicht nur überlegen, wie sich Gewinne anfühlen. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie du mit einem erheblichen Verlust umgehen würdest.

Angenommen, du investierst insgesamt 10.000 Euro und das Depot fällt während einer schweren Börsenkrise auf 7.000 Euro. Würdest du die verbliebenen 7.000 Euro aus Angst verkaufen?

Falls du diese Frage spontan mit „wahrscheinlich“ beantwortest, ist dein Aktienanteil möglicherweise zu hoch.

Aktienmärkte durchlaufen immer wieder starke Rückgänge. Einzelaktien können noch wesentlich stärkere Verluste erleben. Deshalb sollte die eigene Risikotoleranz nicht danach beurteilt werden, wie optimistisch man sich während steigender Kurse fühlt.

Die bessere Frage lautet: Wie viel Verlust kann ich finanziell und emotional aushalten, ohne meine Strategie aufzugeben?

Häufige Fehler beim ersten Aktienkauf

Viele teure Anfängerfehler entstehen nicht durch mangelndes Fachwissen, sondern durch Emotionen und falsche Erwartungen.

Nur kaufen, weil eine Aktie gerade stark steigt

Starke Kursgewinne ziehen Aufmerksamkeit an. Wenn Medien, soziale Netzwerke und Bekannte plötzlich über dieselbe Aktie sprechen, entsteht schnell das Gefühl, etwas zu verpassen.

Der Kaufgrund sollte allerdings das Unternehmen und seine Bewertung sein – nicht die Angst, einem weiteren Kursanstieg hinterherzuschauen.

Das gesamte Geld in einen vermeintlichen Gewinner investieren

Selbst eine überzeugende Analyse kann falsch sein. Wer einen großen Teil seines Vermögens von einer einzigen Aktie abhängig macht, kombiniert Unternehmensrisiko mit Konzentrationsrisiko.

Je stärker dein Depot diversifiziert ist, desto weniger hängt deine finanzielle Zukunft von einer einzelnen Prognose ab.

Verluste aussitzen, ohne die Gründe zu prüfen

Langfristiges Investieren bedeutet nicht, jede Aktie für immer zu behalten. Ein Unternehmen kann dauerhaft an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob dein Kaufkurs bereits unterschritten wurde, sondern welche Zukunftsaussichten das Unternehmen heute besitzt.

Häufig handeln

Jeder neue Kauf oder Verkauf eröffnet eine weitere Gelegenheit für Gebühren, schlechte Entscheidungen und emotionales Verhalten.

Aktivität fühlt sich an der Börse häufig produktiv an. Tatsächlich kann Geduld langfristig wertvoller sein als permanentes Umschichten.

Auf Aktien-Tipps vertrauen

Ein Tipp aus einem Video, Forum oder sozialen Netzwerk enthält selten deine persönliche finanzielle Situation, dein Risikoprofil oder deinen Anlagehorizont.

Wenn du eine Aktie nicht selbst beurteilen kannst, solltest du zumindest nicht allein deshalb kaufen, weil jemand anderes besonders überzeugt auftritt.

Geld investieren, das bald gebraucht wird

Aktien sind ungeeignet für Geld, das zu einem festen Zeitpunkt kurzfristig verfügbar sein muss. Ein Börsenrückgang richtet sich nicht nach deinem nächsten Autokauf oder deiner Immobilienfinanzierung.

Je wichtiger und zeitlich näher ein finanzielles Ziel ist, desto kritischer sollte das dafür vorgesehene Geld gegenüber hohen Kursschwankungen betrachtet werden.

Checkliste: Vor deinem ersten Aktienkauf

Bevor du die erste Order bestätigst, kannst du diese Punkte durchgehen:

  1. Ich habe eine ausreichende finanzielle Reserve.
  2. Ich benötige das investierte Geld nicht kurzfristig.
  3. Ich verstehe das Geschäftsmodell des Unternehmens.
  4. Ich kenne die wichtigsten Risiken.
  5. Ich weiß, warum ich diese Aktie kaufen möchte.
  6. Ich habe nicht ausschließlich aufgrund vergangener Kursgewinne entschieden.
  7. Meine Position ist im Verhältnis zu meinem Gesamtvermögen nicht übermäßig groß.
  8. Ich kenne Ordergebühren und mögliche weitere Kosten.
  9. Ich habe Spread und aktuellen Kaufpreis geprüft.
  10. Ich habe die richtige Aktie anhand von ISIN beziehungsweise WKN kontrolliert.
  11. Ich habe entschieden, ob Market- oder Limit-Order besser passt.
  12. Ich könnte einen deutlichen Kursverlust finanziell aushalten.
  13. Ich weiß, unter welchen Umständen ich meine Investmentthese neu prüfen würde.

Wenn du mehrere Punkte nicht beantworten kannst, ist es meist vernünftiger, den Kauf noch nicht auszuführen und die offenen Fragen zunächst zu klären.

Ein einfacher Plan für Aktien-Anfänger

Der Einstieg an der Börse muss nicht mit einem großen Depot beginnen. Erfahrung lässt sich auch mit kleinen Beträgen sammeln.

Ein pragmatischer Ablauf könnte so aussehen:

Schritt 1: Finanzielle Grundlage schaffen.
Begleiche problematische Schulden und bilde einen Notgroschen, bevor du langfristiges Kapital größeren Börsenrisiken aussetzt.

Schritt 2: Anlageziel festlegen.
Überlege, wofür du investierst und welchen Zeitraum du zur Verfügung hast.

Schritt 3: Risiko bestimmen.
Entscheide nicht danach, welche Rendite du gerne hättest, sondern welche Verluste du tatsächlich tragen kannst.

Schritt 4: Depot auswählen.
Vergleiche Kosten, Sparpläne, Handelsmöglichkeiten und Bedienung.

Schritt 5: Diversifikation festlegen.
Entscheide, welchen Anteil ein breit gestreutes Investment und welchen Anteil gegebenenfalls einzelne Aktien erhalten sollen.

Schritt 6: Unternehmen analysieren.
Kaufe keine Aktie, deren Geschäft und wesentliche Risiken du nicht erklären kannst.

Schritt 7: Kleine erste Position eröffnen.
Du musst deine geplante Zielposition nicht zwingend mit einer einzigen Order aufbauen.

Schritt 8: Strategie dokumentieren.
Notiere, warum du die Aktie gekauft hast. Dadurch kannst du später besser unterscheiden, ob sich das Unternehmen tatsächlich verändert hat oder lediglich der Aktienkurs schwankt.

Dieser letzte Punkt wirkt unspektakulär, kann aber ausgesprochen hilfreich sein. Ohne dokumentierte Kaufthese wird eine Entscheidung rückblickend schnell umgedeutet.

Fazit: Der erste Aktienkauf sollte der Beginn einer Strategie sein

Aktien kaufen ist technisch unkompliziert. Depot eröffnen, Wertpapier auswählen, Order eingeben und Kauf bestätigen – der Vorgang selbst ist schnell erledigt. Die finanziell entscheidenden Fragen entstehen vorher: Wie viel Risiko kannst du tragen, wie breit ist dein Geld verteilt und warum möchtest du gerade dieses Unternehmen besitzen?

Für Anfänger ist es meist vernünftiger, zunächst mit überschaubaren Beträgen Erfahrung zu sammeln, Kosten niedrig zu halten und Diversifikation ernst zu nehmen. Einzelaktien können interessant sein, sollten aber nicht allein deshalb gekauft werden, weil ein Unternehmen bekannt ist oder sein Kurs zuletzt stark gestiegen ist.

Ein guter Einstieg an der Börse fühlt sich deshalb häufig weniger spektakulär an als erwartet. Es geht nicht darum, möglichst schnell den nächsten Kursgewinner zu finden. Es geht darum, einen Anlageprozess aufzubauen, den du verstehst und auch dann beibehalten kannst, wenn die Kurse zwischenzeitlich deutlich fallen.

Häufige Fragen zu Aktien kaufen für Anfänger

Beim ersten Aktienkauf tauchen häufig sehr praktische Fragen auf. Die wichtigsten Punkte lassen sich relativ klar einordnen.

Kann man mit 50 Euro Aktien kaufen?

Ja. Je nach Aktienkurs und Broker kannst du bereits mit 50 Euro investieren, beispielsweise über einen Aktiensparplan oder Bruchstücke. Achte besonders auf die Gebühren, da feste Orderkosten bei kleinen Beträgen einen großen prozentualen Anteil ausmachen können.

Welche Aktie sollte man als Anfänger zuerst kaufen?

Es gibt keine einzelne Aktie, die pauschal die richtige erste Aktie für Anfänger ist. Entscheidend sind Geschäftsmodell, Bewertung, Risiken und die Rolle der Aktie im gesamten Portfolio. Wer möglichst breit investieren möchte, kann außerdem prüfen, ob ein breit diversifizierter ETF besser zum eigenen Ziel passt.

Wie viele Aktien sollte ein Anfänger besitzen?

Eine feste Mindestzahl garantiert keine ausreichende Diversifikation. Zehn Aktien aus derselben Branche können beispielsweise wesentlich stärker voneinander abhängig sein als Beteiligungen an Unternehmen aus unterschiedlichen Regionen und Wirtschaftsbereichen. Für eine sehr breite Streuung sind globale Aktien-ETFs häufig einfacher als der Aufbau eines umfangreichen Einzelaktiendepots.

Kann man beim Aktienkauf mehr Geld verlieren, als man investiert?

Beim normalen Kauf einer Aktie ohne Kredit oder Hebel ist der Verlust grundsätzlich auf das eingesetzte Kapital dieser Position begrenzt. Fällt ein Unternehmen vollständig aus, kann die Aktie nahezu wertlos werden. Bei gehebelten Produkten, Krediten oder bestimmten Derivaten können andere Risiken gelten.

Wann ist die beste Uhrzeit zum Aktienkauf?

Bei Aktien ist häufig eine Handelszeit sinnvoll, in der der Heimatmarkt geöffnet ist und ausreichend Liquidität vorhanden ist. Dann sind Geld- und Briefkurse bei liquiden Aktien oft näher beieinander. Ein günstiger Spread garantiert allerdings keinen günstigen langfristigen Einstiegskurs.

Sollte man Aktien bei einem Kursverlust nachkaufen?

Ein niedrigerer Kurs allein ist kein ausreichender Kaufgrund. Prüfe zunächst, warum die Aktie gefallen ist und ob deine ursprüngliche Einschätzung des Unternehmens weiterhin gilt. Hat sich das Geschäftsmodell erheblich verschlechtert, kann ein Nachkauf das Risiko sogar erhöhen.

Sind Aktien für kurzfristiges Sparen geeignet?

Für Geld, das in absehbarer Zeit zuverlässig zur Verfügung stehen muss, sind Aktien wegen ihrer Kursschwankungen meist ungeeignet. Je kürzer der Anlagehorizont, desto größer ist das Risiko, gerade während einer schwachen Börsenphase verkaufen zu müssen.

Braucht man viel Finanzwissen, bevor man Aktien kauft?

Du musst nicht jede Bilanzposition analysieren können. Grundlagen zu Risiko, Diversifikation, Kosten, Orderarten und Unternehmensbewertung solltest du bei Einzelaktien jedoch verstehen. Wer noch keine Unternehmen analysieren möchte, kann sich zunächst mit breit gestreuten Anlageformen beschäftigen.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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