Diversifikation: Wie breit sollte ein Depot aufgestellt sein?

Ein breit gestreutes Depot kann das Anlagerisiko reduzieren. Entscheidend ist aber nicht die Anzahl der Aktien oder ETFs, sondern wie unterschiedlich die enthaltenen Anlagen tatsächlich sind.

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Ein Depot mit fünf ETFs sieht auf den ersten Blick besser verteilt aus als eines mit nur einem Fonds. Doch dieser Eindruck kann täuschen. Wenn alle fünf ETFs überwiegend dieselben großen amerikanischen Unternehmen enthalten, entstehen zahlreiche Überschneidungen. Ein einziger weltweit investierender Aktien-ETF kann dagegen bereits mehrere Tausend Unternehmen abdecken und damit wesentlich breiter aufgestellt sein.

Für viele Privatanleger kann bereits ein globaler Aktien-ETF als Grundlage eines gut diversifizierten Aktiendepots ausreichen. Wer gezielt Einzelaktien kauft, benötigt dagegen eine größere Anzahl unterschiedlicher Unternehmen, um das Risiko einzelner Firmen zu begrenzen. Neben der Streuung innerhalb des Aktienmarktes entscheidet die Aufteilung zwischen Aktien und risikoärmeren Anlagen darüber, wie stark das gesamte Vermögen schwanken kann.

Diversifikation bedeutet deshalb weit mehr, als möglichst viele Wertpapiere zu besitzen. Eine durchdachte Depotstruktur verteilt das Kapital über verschiedene Unternehmen, Branchen, Länder und gegebenenfalls Anlageklassen. Welche Streuung sinnvoll ist, richtet sich nach dem Anlageziel, dem verfügbaren Kapital und der Bereitschaft, zwischenzeitliche Verluste auszuhalten.

Inhaltsverzeichnis

Wie viele Aktien oder ETFs braucht ein gut diversifiziertes Depot?

Eine feste Mindestanzahl an Wertpapieren gibt es nicht. Bei einem ETF ist entscheidend, welchen Index er abbildet und welche Unternehmen darin enthalten sind. Bei Einzelaktien kommt es darauf an, wie stark die Unternehmen wirtschaftlich voneinander abhängig sind und welchen Anteil sie am Gesamtdepot haben.

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Für die praktische Orientierung lassen sich unterschiedliche Ansätze unterscheiden:

Depotstruktur Mögliche Streuung Einordnung
1 globaler Aktien-ETF Oft mehrere Tausend Unternehmen Kann bereits eine breite Aktienbasis bieten
2–3 ergänzende ETFs Mehrere Regionen oder Marktsegmente Sinnvoll, wenn sie unterschiedliche Bereiche abdecken
5–10 Einzelaktien Begrenzte Anzahl Unternehmen Häufig noch deutliche Einzelwertrisiken
20–30 Einzelaktien Mehr Unternehmen und Branchen Kann Einzelwertrisiken deutlich verringern
40–50 Einzelaktien Noch größere Anzahl Unternehmen Zusätzliche Streuung möglich, aber höherer Verwaltungsaufwand

Die Zahlen für Einzelaktien sind Orientierungsgrößen und keine Garantie für ausreichende Diversifikation. Auch 30 Unternehmen können schlecht gestreut sein, wenn sie überwiegend aus derselben Branche stammen. Umgekehrt können 20 wirtschaftlich sehr unterschiedliche Unternehmen bestimmte Einzelwertrisiken deutlich stärker begrenzen als 50 eng miteinander verbundene Aktien.

Bei globalen Aktien-ETFs ist die Ausgangslage anders. Ein ETF auf einen breit angelegten Weltindex verteilt das Anlagekapital bereits auf zahlreiche Unternehmen. Deshalb müssen Privatanleger nicht erst mehrere Fonds kombinieren, um überhaupt eine nennenswerte Streuung zu erreichen.

Allerdings gilt eine wichtige Einschränkung: Ein breit diversifiziertes Aktiendepot bleibt vollständig den Risiken des Aktienmarktes ausgesetzt. Wenn die weltweiten Börsen gleichzeitig stark fallen, schützt auch eine große Anzahl verschiedener Unternehmen nicht zuverlässig vor Verlusten.

Was Diversifikation tatsächlich bewirkt

Der zentrale Gedanke der Diversifikation besteht darin, dass nicht alle Anlagen auf dieselben wirtschaftlichen Entwicklungen reagieren. Während ein Unternehmen Schwierigkeiten bekommt, kann ein anderes weiterhin gute Geschäfte machen. Verluste bei einzelnen Positionen können dadurch teilweise von Gewinnen anderer Positionen ausgeglichen werden.

Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied. Angenommen, du investierst 10.000 Euro vollständig in eine einzelne Aktie. Verliert dieses Unternehmen 40 Prozent seines Börsenwertes, sinkt dein Depot bei unveränderten anderen Faktoren auf 6.000 Euro.

Verteilst du dieselben 10.000 Euro gleichmäßig auf 20 Aktien, liegt der ursprüngliche Anteil eines Unternehmens bei 500 Euro. Verliert eine dieser Aktien 40 Prozent, beträgt der Verlust aus dieser Position 200 Euro. Unter der vereinfachenden Annahme, dass alle anderen Aktien unverändert bleiben, sinkt das Gesamtdepot lediglich auf 9.800 Euro.

Die Diversifikation hat in diesem Beispiel den Einfluss eines einzelnen Unternehmens erheblich reduziert. Sie verhindert jedoch nicht, dass mehrere Aktien gleichzeitig an Wert verlieren.

Unternehmensrisiko und Marktrisiko unterscheiden

Für die Beurteilung einer Depotstruktur ist die Unterscheidung zwischen zwei Risikoarten besonders hilfreich.

Das unternehmensspezifische Risiko betrifft einzelne Firmen. Dazu gehören Managementfehler, Produktionsprobleme, Bilanzskandale, der Verlust wichtiger Kunden oder das Scheitern einer Geschäftsstrategie. Dieses Risiko lässt sich durch die Verteilung auf viele unabhängige Unternehmen deutlich reduzieren.

Das allgemeine Marktrisiko betrifft dagegen große Teile des Aktienmarktes. Wirtschaftskrisen, steigende Finanzierungskosten, geopolitische Konflikte oder ein weltweiter Einbruch der Unternehmensgewinne können zahlreiche Aktien gleichzeitig belasten. Solche Risiken bleiben auch bei einer sehr breiten Streuung bestehen.

Genau deshalb ist Diversifikation kein Schutzschild gegen jeden Börsenverlust. Sie verhindert vor allem, dass der wirtschaftliche Erfolg eines einzigen Unternehmens über einen unverhältnismäßig großen Teil des Vermögens entscheidet.

Warum sich Aktien in Krisen häufig ähnlich entwickeln

Unter normalen Marktbedingungen können verschiedene Branchen unterschiedliche Entwicklungen zeigen. Beispielsweise reagieren Technologieunternehmen oftmals anders auf wirtschaftliche Veränderungen als Energieversorger oder Hersteller von Alltagsprodukten.

Bei schweren Börsenkrisen verändert sich dieses Verhältnis häufig. Anleger verkaufen gleichzeitig verschiedene Aktien, Unternehmen müssen ihre Gewinnerwartungen senken und Unsicherheit belastet zahlreiche Märkte. Dadurch können sich zuvor unterschiedlich verlaufende Anlagen plötzlich ähnlich entwickeln.

Dieser Zusammenhang wird durch die sogenannte Korrelation beschrieben. Sie misst, wie stark die Wertentwicklungen zweier Anlagen miteinander zusammenhängen. Eine hohe positive Korrelation bedeutet, dass sie sich häufig in dieselbe Richtung bewegen. Eine niedrige oder negative Korrelation kann dagegen zusätzliche Streuung ermöglichen.

Für Privatanleger ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Zwei Anlagen sind nicht automatisch eine gute Ergänzung, nur weil sie unterschiedliche Namen tragen. Entscheidend ist, welche wirtschaftlichen Risiken hinter ihnen stehen.

Wie breit sollte ein ETF-Depot aufgestellt sein?

Bei einem langfristig ausgerichteten ETF-Depot kann eine einfache Struktur ausreichen. Ein weltweit investierender Aktien-ETF deckt bereits einen erheblichen Teil des internationalen Aktienmarktes ab. Zusätzliche Fonds sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie bewusst andere Marktsegmente berücksichtigen oder eine gewünschte Gewichtung herstellen.

Die wichtigsten globalen Indexkonzepte unterscheiden sich dabei stärker, als ihre ähnlichen Bezeichnungen vermuten lassen.

MSCI World: Breite Streuung mit Schwerpunkt Industrieländer

Der MSCI World bildet große und mittelgroße Unternehmen aus 23 entwickelten Aktienmärkten ab. Dazu gehören beispielsweise die USA, Japan, Deutschland und weitere Industrieländer. Schwellenländer sind dagegen nicht enthalten.

Der Index umfasst mehr als 1.000 Unternehmen. Seine Gewichtung orientiert sich an der frei handelbaren Marktkapitalisierung. Besonders große börsennotierte Unternehmen erhalten deshalb ein höheres Gewicht als kleinere.

Diese Gewichtungsmethode sorgt dafür, dass der amerikanische Aktienmarkt und sehr große Unternehmen einen erheblichen Einfluss auf die Indexentwicklung besitzen können. Obwohl zahlreiche Länder vertreten sind, bedeutet die internationale Streuung also keine gleichmäßige Verteilung des Kapitals.

Ein MSCI-World-ETF ist damit eine breit angelegte Aktienanlage, bildet aber nicht den gesamten weltweiten Aktienmarkt ab.

MSCI ACWI und FTSE All-World: Industrieländer und Schwellenländer

Wer zusätzlich Unternehmen aus Schwellenländern berücksichtigen möchte, kann einen Index wie den MSCI ACWI oder den FTSE All-World betrachten. Beide Konzepte verbinden entwickelte Aktienmärkte mit ausgewählten Schwellenländern.

Der MSCI ACWI umfasst nach dem Stand von August 2026 rund 2.500 große und mittelgroße Unternehmen. Ein ETF auf einen solchen Index kann damit bereits eine umfassende internationale Aktienbasis darstellen.

Auch beim FTSE All-World werden zahlreiche Unternehmen aus verschiedenen Regionen berücksichtigt. Unterschiede entstehen unter anderem durch die Länderklassifizierung, die Indexmethodik und die jeweils enthaltenen Wertpapiere.

Ein ETF auf einen dieser weltweiten Indizes kann daher für Anleger geeignet sein, die ihr Aktiendepot möglichst einfach aufbauen möchten. Die Schwellenländer werden entsprechend ihrer jeweiligen Indexgewichtung berücksichtigt, ohne dass dafür zwingend ein zusätzlicher Fonds benötigt wird.

MSCI ACWI IMI: Zusätzlich kleinere Unternehmen berücksichtigen

Eine noch umfassendere Abdeckung des Aktienmarktes ermöglicht ein Index wie der MSCI ACWI IMI. Neben großen und mittelgroßen Unternehmen berücksichtigt er auch kleinere börsennotierte Gesellschaften, sogenannte Small Caps.

Dadurch werden zusätzliche Marktsegmente einbezogen, die in klassischen Weltindizes mit Schwerpunkt auf großen und mittelgroßen Unternehmen fehlen. Die breitere Abdeckung kann die Diversifikation ergänzen, garantiert allerdings keine höhere Rendite.

Kleinere Unternehmen können stärker schwanken, weniger liquide sein und in wirtschaftlich schwierigen Phasen besonders unter Druck geraten. Die Aufnahme zusätzlicher Unternehmen verändert deshalb nicht nur die Anzahl der Positionen, sondern auch die Risikostruktur.

Für viele langfristige Anleger sind sowohl breit angelegte Weltindizes ohne Small Caps als auch umfassendere Varianten mit kleineren Unternehmen grundsätzlich nachvollziehbare Ansätze.

Warum mehrere ETFs nicht automatisch mehr Sicherheit bringen

Eine der häufigsten Fehlannahmen beim Depotaufbau lautet, dass jeder zusätzliche ETF automatisch die Diversifikation verbessert. Tatsächlich kann ein zweiter oder dritter Fonds lediglich das Gewicht bestimmter Unternehmen erhöhen, die bereits im ersten ETF enthalten sind.

Nehmen wir ein vereinfachtes Depot mit 20.000 Euro:

ETF Anteil Anlagebetrag
MSCI World 50 % 10.000 €
S&P 500 30 % 6.000 €
Nasdaq-100 20 % 4.000 €
Gesamt 100 % 20.000 €

Auf den ersten Blick besteht das Depot aus drei unterschiedlichen ETFs. Tatsächlich sind zahlreiche große amerikanische Unternehmen in mehreren dieser Indizes vertreten.

Ein bedeutender US-Technologiekonzern kann beispielsweise gleichzeitig im MSCI World, im S&P 500 und im Nasdaq-100 enthalten sein. Seine wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst dadurch mehrere Positionen im Depot.

Mit der zusätzlichen Investition in S&P 500 und Nasdaq-100 wird nicht automatisch ein neuer, unabhängiger Risikobereich erschlossen. Stattdessen entstehen eine stärkere Gewichtung amerikanischer Aktien und zusätzliche Schwerpunkte bei großen Wachstumsunternehmen.

Das ist nicht grundsätzlich falsch. Wer bewusst stärker auf diese Unternehmen setzen möchte, kann eine solche Gewichtung wählen. Problematisch wird sie allerdings, wenn Anleger davon ausgehen, ihr Kapital sei durch die drei ETFs wesentlich unabhängiger verteilt.

Überschneidungen im Depot sichtbar machen

Um die tatsächliche Streuung zu beurteilen, reicht ein Blick auf die ETF-Namen nicht aus. Aussagekräftiger sind die größten Einzelpositionen, Ländergewichtungen, Branchenanteile und Indexzusammensetzungen.

Besonders hilfreich ist die Frage, welche Unternehmen in mehreren ETFs gleichzeitig vorkommen. Wenn derselbe Konzern in drei Fonds enthalten ist, müssen die jeweiligen Depotanteile berücksichtigt werden, um seine tatsächliche Gesamtgewichtung zu erkennen.

Angenommen, ein Unternehmen besitzt einen Anteil von 5 Prozent an ETF A und 8 Prozent an ETF B. Besteht das Depot jeweils zur Hälfte aus beiden ETFs, ergibt sich eine gesamte Unternehmensgewichtung von 6,5 Prozent.

Die Rechnung lautet:

50 % × 5 % + 50 % × 8 % = 6,5 %.

Bei einem Depotwert von 30.000 Euro wären somit 1.950 Euro indirekt in dieses einzelne Unternehmen investiert.

Dieses Beispiel zeigt, weshalb die tatsächliche Unternehmensgewichtung aussagekräftiger sein kann als die Anzahl der ETF-Positionen.

Die fünf wichtigsten Ebenen einer breiten Depotstreuung

Eine sinnvolle Diversifikation berücksichtigt verschiedene Risikodimensionen. Nicht jede Ebene muss durch einen eigenen ETF oder ein zusätzliches Finanzprodukt abgedeckt werden. Häufig sind bereits mehrere Ebenen innerhalb einer einzigen breit gestreuten Anlage enthalten.

1. Unternehmen: Abhängigkeit von einzelnen Firmen reduzieren

Je stärker ein Depot von wenigen Unternehmen abhängt, desto größer kann die finanzielle Auswirkung einzelner Fehlentwicklungen ausfallen. Das betrifft nicht nur unmittelbar gehaltene Aktien, sondern auch indirekte Unternehmensbeteiligungen über ETFs.

Bei einer gleichmäßigen Verteilung auf 20 Einzelaktien beträgt das Ausgangsgewicht jeder Aktie 5 Prozent. Wer dagegen 40 Prozent seines Depots in einer einzigen Aktie hält, besitzt selbst mit zahlreichen weiteren Positionen weiterhin ein erhebliches Konzentrationsrisiko.

Auch bei großen Weltindizes können wenige sehr hoch bewertete Unternehmen einen beträchtlichen Anteil ausmachen. Anleger sollten deshalb nicht nur prüfen, wie viele Unternehmen ein ETF enthält, sondern auch, wie hoch die größten Positionen gewichtet sind.

2. Branchen: Unterschiedliche Geschäftsmodelle kombinieren

Unternehmen aus derselben Branche reagieren oftmals ähnlich auf bestimmte Entwicklungen. Steigende Rohstoffpreise können beispielsweise für einzelne Energieunternehmen positiv sein, während sie die Kosten bestimmter Industrieunternehmen erhöhen.

Eine Streuung über verschiedene Branchen kann solche Abhängigkeiten reduzieren. Dazu gehören beispielsweise Gesundheitswesen, Industrie, Finanzdienstleistungen, Informationstechnologie und Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich.

Allerdings dürfen Branchenunterschiede nicht mit vollständiger Unabhängigkeit verwechselt werden. Eine globale Rezession kann sowohl Banken als auch Industrieunternehmen und Konsumgüterhersteller treffen.

3. Länder: Politische und wirtschaftliche Risiken verteilen

Die geografische Diversifikation verringert die Abhängigkeit von einem einzelnen nationalen Aktienmarkt. Unterschiedliche Wirtschaftsräume können sich bei Zinsen, Unternehmensgewinnen, Währungen und politischen Entwicklungen unterschiedlich entwickeln.

Wer ausschließlich deutsche Aktien hält, trägt ein erhebliches Konzentrationsrisiko auf den deutschen Aktienmarkt. Dieses Risiko verschwindet auch dann nicht vollständig, wenn große deutsche Konzerne einen beträchtlichen Teil ihrer Umsätze im Ausland erzielen.

Umgekehrt ist die Börsennotierung eines Unternehmens nicht identisch mit seiner tatsächlichen wirtschaftlichen Abhängigkeit. Ein amerikanischer Konzern kann weltweit Umsätze erzielen, während ein europäisches Unternehmen stark vom heimischen Markt abhängig ist.

Für eine belastbare Länderstreuung sollte deshalb sowohl die Indexgewichtung als auch die internationale Geschäftstätigkeit der Unternehmen berücksichtigt werden.

4. Unternehmensgrößen: Nicht ausschließlich Großkonzerne halten

Große börsennotierte Unternehmen dominieren viele bekannte Aktienindizes. Kleinere und mittelgroße Gesellschaften können andere Wachstumschancen und Risiken aufweisen.

Small Caps erweitern das Anlageuniversum, bringen jedoch häufig höhere Schwankungen, geringere Handelsliquidität und eine stärkere Abhängigkeit von Finanzierungsmöglichkeiten mit sich. Sie sind deshalb keine automatisch sichere Ergänzung.

Ob kleinere Unternehmen zusätzlich berücksichtigt werden sollten, hängt von der gewünschten Marktbreite und der persönlichen Risikobereitschaft ab.

5. Anlageklassen: Das Risiko des gesamten Vermögens steuern

Die bisher beschriebenen Formen der Diversifikation betreffen hauptsächlich die Streuung innerhalb des Aktienmarktes. Für die finanzielle Stabilität ist jedoch auch entscheidend, wie viel Vermögen überhaupt in Aktien investiert wird.

Tagesgeld, Festgeld und hochwertige Anleihen können andere Aufgaben übernehmen als Aktien. Während Aktien langfristige Renditechancen bieten, können risikoärmere Anlagen dabei helfen, kurzfristige Ausgaben zu finanzieren und große Vermögensschwankungen zu begrenzen.

Dabei unterscheiden sich die Risiken erheblich. Bankeinlagen unterliegen anderen Sicherungsmechanismen als Wertpapiere. Auch Staats- und Unternehmensanleihen können durch Zinsänderungen, Kursverluste oder Zahlungsausfälle belastet werden.

Eine breite Streuung innerhalb der Aktienanlage ersetzt deshalb nicht die Entscheidung über eine angemessene Aktienquote.

Wie viel Aktienrisiko ist sinnvoll?

Für die langfristige Vermögensentwicklung ist die Aufteilung zwischen Aktien und risikoärmeren Anlagen häufig wichtiger als die Entscheidung zwischen zwei ähnlich aufgebauten Welt-ETFs.

Ein Depot mit 100 Prozent globalen Aktien kann unter normalen Marktbedingungen hervorragend diversifiziert sein und trotzdem innerhalb einer schweren Krise erheblich an Wert verlieren. Für jemanden, der sein Geld in wenigen Jahren benötigt, kann eine solche Struktur ungeeignet sein.

Die passende Aktienquote richtet sich vor allem danach, wann das Geld benötigt wird, wie zuverlässig die persönlichen Einnahmen sind und welche Verluste finanziell wie emotional verkraftbar bleiben.

Drei Beispielportfolios mit unterschiedlicher Risikostruktur

Angenommen, drei Anleger besitzen jeweils 30.000 Euro frei verfügbares Anlagekapital. Ihre unterschiedlichen Ziele führen zu verschiedenen Depotaufteilungen.

Portfolio A: Sicherheitsorientierte Aufteilung

Von den 30.000 Euro werden 9.000 Euro in einen globalen Aktien-ETF und 21.000 Euro in geeignete risikoärmere Anlagen investiert. Damit beträgt die Aktienquote 30 Prozent. Diese Struktur reduziert die unmittelbare Abhängigkeit vom Aktienmarkt, bietet aber geringere Beteiligungschancen an langfristigen Aktiengewinnen.

Portfolio B: Ausgewogene Aufteilung

Hier werden 18.000 Euro in einen globalen Aktien-ETF und 12.000 Euro in risikoärmere Anlagen investiert. Die Aktienquote beträgt 60 Prozent. Das Vermögen ist damit stärker von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängig, besitzt aber weiterhin einen beträchtlichen stabilisierenden Anteil.

Portfolio C: Aktienorientierte Aufteilung

Bei einer Aktienquote von 90 Prozent fließen 27.000 Euro in einen globalen Aktien-ETF. Weitere 3.000 Euro liegen in risikoärmeren Anlagen. Diese Struktur richtet sich eher an Anleger mit langfristigem Anlagehorizont und hoher Verlusttoleranz.

Die drei Portfolios sind Modellbeispiele, keine allgemeingültigen Empfehlungen. Eine hohe Aktienquote kann selbst bei langem Anlagehorizont ungeeignet sein, wenn größere Kursverluste zu finanziellen Schwierigkeiten oder überstürzten Verkäufen führen würden.

Was ein Börsenverlust von 40 Prozent für die drei Portfolios bedeutet

Die Auswirkungen unterschiedlicher Aktienquoten lassen sich anhand eines vereinfachten Krisenszenarios verdeutlichen. Angenommen, der Aktienmarkt verliert 40 Prozent, während der risikoärmere Teil des jeweiligen Portfolios unverändert bleibt.

Beim sicherheitsorientierten Portfolio mit 30 Prozent Aktienquote entsteht ein rechnerischer Gesamtverlust von 12 Prozent. Aus 30.000 Euro werden 26.400 Euro.

Das ausgewogene Portfolio mit 60 Prozent Aktienquote verliert unter denselben Annahmen 24 Prozent. Sein Wert sinkt auf 22.800 Euro.

Das aktienorientierte Portfolio mit 90 Prozent Aktienquote verliert 36 Prozent und fällt auf 19.200 Euro.

Alle drei Depots können innerhalb ihres Aktienanteils identisch diversifiziert sein. Ihre möglichen Gesamtverluste unterscheiden sich dennoch deutlich, weil sie verschiedene Aktienquoten besitzen.

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In der Realität können auch Anleihen und andere Anlagen gleichzeitig an Wert verlieren. Das Beispiel isoliert deshalb bewusst den Einfluss der Aktienquote.

Diversifikation bei kleinen und großen Depotbeträgen

Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass Anleger erst mit einem größeren Vermögen sinnvoll diversifizieren könnten. Bei klassischen Einzelaktien mag die begrenzte Anlagesumme den Aufbau vieler Positionen erschweren. Breit gestreute ETFs machen eine internationale Aktienanlage dagegen grundsätzlich auch mit kleineren Beträgen möglich.

Ein Depot mit 1.000 oder 5.000 Euro

Bei einem Depotwert von 1.000 Euro wäre die Aufteilung auf 20 einzelne Aktien oftmals unnötig aufwendig. Jede Position hätte bei gleichmäßiger Gewichtung lediglich einen Wert von 50 Euro. Orderkosten und die praktische Verwaltung können dadurch unverhältnismäßig ins Gewicht fallen.

Ein breit gestreuter ETF kann mit demselben Anlagebetrag bereits zahlreiche Unternehmen abdecken. Ob dafür ein einmaliger Kauf oder ein Sparplan verwendet wird, hängt von den verfügbaren Konditionen und der gewünschten Anlagestrategie ab.

Auch bei 5.000 Euro besteht kein zwingender Grund, mehrere ETFs einzusetzen. Wenn ein Fonds die gewünschte internationale Aktienabdeckung liefert, entsteht durch zusätzliche Produkte nicht automatisch ein besseres Depot.

Entscheidender ist, dass das investierte Geld langfristig entbehrlich bleibt und ausreichend liquide Rücklagen außerhalb des Aktiendepots vorhanden sind.

Ein Depot mit 50.000 oder 100.000 Euro

Mit steigenden Anlagebeträgen nehmen die finanziellen Auswirkungen von Kursschwankungen zu. Ein Verlust von 30 Prozent bedeutet bei 5.000 Euro einen Rückgang um 1.500 Euro. Bei 100.000 Euro sind es bereits 30.000 Euro.

Die Diversifikation innerhalb eines globalen Aktien-ETF funktioniert unabhängig von der Höhe der Investition. Auch ein sechsstelliger Betrag kann grundsätzlich über einen einzigen breit gestreuten Aktienfonds investiert werden.

Bei größeren Vermögen gewinnen allerdings weitere Fragen an Bedeutung. Dazu gehören Liquiditätsreserven, die Risikoverteilung zwischen Anlageklassen, steuerliche Auswirkungen und gegebenenfalls die organisatorische Verteilung von Depotvermögen auf verschiedene Anbieter.

Mehrere ETFs sind dabei nicht zwingend notwendig. Sie können aber sinnvoll werden, wenn sich mit wachsendem Vermögen konkrete Anforderungen an die Portfoliozusammensetzung ergeben.

Wie viel darf eine einzelne Aktie im Depot ausmachen?

Wer neben ETFs gezielt Einzelaktien hält, sollte deren Gewichtung im Gesamtdepot beobachten. Besonders erfolgreiche Positionen können durch starke Kurssteigerungen über die Jahre erheblich größer werden als ursprünglich geplant.

Als freiwillige Risikoregel kann beispielsweise eine Zielgröße von höchstens 5 Prozent für eine einzelne unmittelbar gehaltene Aktie dienen. Diese Grenze ist keine wissenschaftlich zwingende Schwelle, sondern ein praktikabler Ansatz zur Begrenzung individueller Konzentrationsrisiken.

Bei einem Gesamtdepot von 40.000 Euro entsprächen 5 Prozent einem Wert von 2.000 Euro.

Eine Aktie mit einem Depotanteil von 15 Prozent hätte dagegen einen Wert von 6.000 Euro. Würde sie anschließend 50 Prozent verlieren, entstünde allein aus dieser Position ein Verlust von 3.000 Euro beziehungsweise 7,5 Prozent des ursprünglichen Gesamtdepots.

Zu beachten ist außerdem, dass dieselbe Aktie bereits indirekt in einem gehaltenen ETF enthalten sein kann. Die tatsächliche Unternehmensgewichtung liegt dann höher als der Anteil der unmittelbar gekauften Aktienposition.

Für Anleger, die Einzelaktien bewusst übergewichten möchten, kann eine größere Position durchaus Teil der persönlichen Strategie sein. Sie sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass sie damit zusätzliche Risiken eingehen, die durch eine gleichmäßigere Streuung vermeidbar wären.

ETF und Einzelaktien kombinieren: Wann ist das sinnvoll?

Ein Depot muss sich nicht ausschließlich aus ETFs oder Einzelaktien zusammensetzen. Beide Anlageformen können miteinander kombiniert werden, sofern ihre jeweiligen Aufgaben klar definiert sind.

Eine Möglichkeit ist die sogenannte Core-Satellite-Strategie. Dabei bildet eine breit diversifizierte Anlage den Kern des Depots. Ein kleinerer Anteil wird für gezielte zusätzliche Investitionen verwendet.

Angenommen, ein Anleger verfügt über 20.000 Euro. Davon investiert er 16.000 Euro in einen globalen Aktien-ETF und verteilt die verbleibenden 4.000 Euro auf ausgewählte Einzelaktien. Der breit gestreute Kern macht damit 80 Prozent des Portfolios aus, während 20 Prozent gezielt investiert werden.

Eine solche Struktur ermöglicht eigene Schwerpunkte, ohne das gesamte Depot von wenigen Unternehmen abhängig zu machen. Allerdings kann auch ein vergleichsweise kleiner Zusatzanteil die Gesamtgewichtung einzelner Unternehmen merklich erhöhen.

Außerdem ist nicht garantiert, dass die ausgewählten Einzelaktien besser abschneiden als der globale Aktienmarkt. Die zusätzliche Auswahl erzeugt vielmehr Chancen und Risiken, die über die breite Marktbeteiligung hinausgehen.

Wer keine besonderen Unternehmen analysieren möchte oder dafür nicht regelmäßig Zeit investieren kann, benötigt einen solchen Zusatzbereich nicht. Ein einfaches globales ETF-Depot kann ebenso eine schlüssige langfristige Anlagestrategie darstellen.

Welche Kosten verursacht zusätzliche Diversifikation?

Ein komplexeres Depot kann mehr Kosten verursachen, muss es aber nicht. Entscheidend sind die konkreten Produkte, die Ordergebühren und die Häufigkeit der Transaktionen.

Bei ETFs fällt unter anderem die laufende Gesamtkostenquote an, die als TER bezeichnet wird. Sie gibt bestimmte laufende Fondskosten an, bildet jedoch nicht sämtliche Kosten und Abweichungen gegenüber dem Index ab. Auch die Tracking Difference, also die tatsächliche Renditeabweichung zwischen ETF und Vergleichsindex, kann für die Beurteilung relevant sein.

Ein Fonds mit einer TER von 0,20 Prozent verursacht bei einem Anlagebetrag von 20.000 Euro rechnerisch laufende Kosten von 40 Euro pro Jahr, sofern die Berechnungsgrundlage vereinfacht konstant bleibt. Diese Kosten werden normalerweise innerhalb des Fondsvermögens berücksichtigt und nicht zusätzlich vom Girokonto abgebucht.

Ein weiterer ETF verursacht nicht automatisch zusätzliche prozentuale Gesamtkosten, wenn das bestehende Kapital lediglich auf zwei Fonds mit vergleichbaren Kostenquoten verteilt wird. Entscheidend ist die gewichtete durchschnittliche Kostenquote.

Anders sieht es bei zusätzlichen Käufen und Verkäufen aus. Angenommen, ein Anleger verteilt 2.000 Euro auf zehn Einzelaktien und zahlt jeweils 2 Euro Ordergebühr. Schon der erstmalige Kauf kostet 20 Euro. Das entspricht einem Prozent des investierten Kapitals, noch bevor mögliche Verkaufskosten oder Handelskosten berücksichtigt werden.

Bei kostenlosen oder günstigen Sparplänen können die direkten Orderkosten dagegen gering ausfallen. Dennoch bleiben Unterschiede bei Spreads, Produktkosten und den Bedingungen des jeweiligen Depotanbieters relevant.

Der wirtschaftliche Nutzen eines weiteren Fonds sollte deshalb immer gegen die zusätzliche Komplexität und mögliche Transaktionskosten abgewogen werden.

Rebalancing: Die gewünschte Verteilung langfristig erhalten

Selbst eine gut geplante Depotstruktur verändert sich im Laufe der Zeit. Aktienkurse entwickeln sich unterschiedlich, einzelne Branchen gewinnen an Gewicht und Anlageklassen entfernen sich von ihrer ursprünglichen Zielverteilung.

Rebalancing bedeutet, die vereinbarte oder selbst festgelegte Gewichtung wiederherzustellen. Dadurch wird verhindert, dass eine ursprünglich ausgewogene Strategie unbemerkt immer risikoreicher wird.

Ein Beispiel: Ein Depot mit 20.000 Euro besteht ursprünglich zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus risikoärmeren Anlagen. Der Aktienanteil beträgt 12.000 Euro, der übrige Anteil 8.000 Euro.

Steigt der Aktienanteil anschließend um 50 Prozent, während der andere Teil unverändert bleibt, ergibt sich ein neuer Gesamtwert von 26.000 Euro. Die Aktien besitzen dann einen Wert von 18.000 Euro und machen rund 69,2 Prozent des Depots aus.

Um die ursprüngliche Verteilung von 60 zu 40 wiederherzustellen, wären bei diesem Gesamtwert 15.600 Euro in Aktien und 10.400 Euro im risikoärmeren Teil vorgesehen. Rechnerisch müssten daher Aktien im Wert von 2.400 Euro umgeschichtet werden.

Eine Alternative besteht darin, neue Einzahlungen zunächst gezielt in die untergewichtete Anlageklasse zu lenken. Dadurch können unnötige Verkäufe und mögliche steuerliche Folgen vermieden werden.

Wie häufig sollte ein Depot neu gewichtet werden?

Für viele langfristig orientierte Privatanleger kann eine jährliche Überprüfung ausreichend sein. Häufigere Kontrollen sind nicht automatisch besser, insbesondere wenn sie zu hektischem Handeln führen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, erst bei größeren Abweichungen aktiv zu werden. Beispielsweise könnte ein Anleger eine Überprüfung vorsehen, wenn seine tatsächliche Aktienquote mehr als fünf Prozentpunkte von der gewünschten Zielquote abweicht.

Bei einer Zielquote von 60 Prozent Aktien würde dieser Ansatz einen möglichen Handlungsbedarf außerhalb einer Spanne von 55 bis 65 Prozent signalisieren.

Auch diese Grenzen sind selbst gewählte Orientierungswerte. Entscheidend ist eine nachvollziehbare Regel, die zur persönlichen Strategie passt und nicht durch kurzfristige Marktstimmungen ständig verändert wird.

Verkäufe können steuerpflichtige Gewinne realisieren. Deshalb sollten Anleger vor größeren Umschichtungen auch steuerliche Auswirkungen und Transaktionskosten berücksichtigen.

Typische Fehler bei der Diversifikation vermeiden

Die größten Probleme entstehen häufig nicht durch zu wenige Positionen, sondern durch eine falsche Vorstellung davon, wie gut die vorhandenen Positionen tatsächlich zusammenpassen.

Zu viele ähnliche ETFs kaufen. Mehrere Fonds auf stark überlappende Aktienindizes können den Verwaltungsaufwand erhöhen, ohne die Risikoverteilung wesentlich zu verbessern. Vor jedem zusätzlichen ETF sollte geprüft werden, welchen neuen Marktbereich er tatsächlich erschließt.

Den Heimatmarkt übergewichten. Manche Anleger investieren bevorzugt in Unternehmen aus dem eigenen Land, weil ihnen die Namen vertraut sind. Diese Vertrautheit ist jedoch kein Zeichen geringeren Anlagerisikos. Eine starke Konzentration auf deutsche Aktien kann das Depot unnötig von einem einzelnen Aktienmarkt abhängig machen.

Branchen-ETFs mit breiter Diversifikation verwechseln. Ein Technologie-ETF kann Dutzende oder sogar Hunderte Unternehmen enthalten. Trotzdem bleiben viele dieser Unternehmen von ähnlichen Markterwartungen, Bewertungen und wirtschaftlichen Entwicklungen abhängig.

Einzelne Gewinnerpositionen unbegrenzt wachsen lassen. Eine Aktie, die außergewöhnlich stark steigt, kann einen immer größeren Anteil des Depots einnehmen. Dadurch nimmt das Konzentrationsrisiko zu, obwohl keine zusätzlichen Käufe erfolgen.

Zu viele Positionen ohne klare Strategie halten. Ein Depot mit 15 ETFs kann schwieriger zu überblicken sein als eines mit zwei Fonds. Wer nicht mehr weiß, warum ein bestimmtes Produkt gekauft wurde, kann seine Risikoverteilung später kaum sinnvoll beurteilen.

Risikoarme Anlagen vollständig vernachlässigen. Ein weltweit diversifiziertes Aktiendepot eignet sich nicht automatisch für kurzfristige Sparziele. Geld, das in absehbarer Zeit für eine größere Ausgabe benötigt wird, sollte nicht allein wegen der internationalen Streuung vollständig am Aktienmarkt investiert werden.

Der gemeinsame Nenner dieser Fehler ist eine fehlende Unterscheidung zwischen der Anzahl der Anlagen und ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Wirkung.

Besondere Risiken: Arbeitgeberaktien, Immobilien und Kryptowährungen

Eine umfassende Vermögensbetrachtung sollte nicht beim Wertpapierdepot enden. Bereits vorhandene Vermögenswerte und die persönliche Einkommenssituation können erhebliche Konzentrationen verursachen.

Arbeitgeberaktien können ein doppeltes Risiko schaffen

Wer bei einem börsennotierten Unternehmen arbeitet und gleichzeitig einen großen Teil seines Vermögens in dessen Aktien investiert, verbindet sein berufliches Einkommen mit der Entwicklung desselben Unternehmens.

Gerät der Arbeitgeber in wirtschaftliche Schwierigkeiten, können sowohl der Arbeitsplatz als auch der Aktienkurs gefährdet sein. Besonders bei größeren Mitarbeiteraktienprogrammen lohnt sich deshalb eine regelmäßige Überprüfung der Gesamtposition.

Steuerliche Besonderheiten und mögliche Haltebedingungen sollten vor einem Verkauf geprüft werden. Grundsätzlich ist die zusätzliche wirtschaftliche Abhängigkeit jedoch ein wichtiger Punkt bei der Risikobewertung.

Eine eigene Immobilie verändert die Vermögensverteilung

Immobilienbesitzer besitzen häufig bereits einen erheblichen Vermögenswert in einer bestimmten Region. Gleichzeitig können laufende Darlehen, Instandhaltungskosten und regionale Preisentwicklungen das finanzielle Risiko beeinflussen.

Wer beispielsweise den Großteil seines Nettovermögens in einer selbst genutzten Immobilie gebunden hat, sollte diese Position bei seiner langfristigen Finanzplanung berücksichtigen.

Die Immobilie muss dafür nicht zwingend verkauft oder mit anderen Anlageprodukten ausgeglichen werden. Sie sollte jedoch nicht vollständig aus der Betrachtung des Gesamtvermögens verschwinden.

Kryptowährungen ersetzen keine breite Aktienanlage

Auch die Verteilung auf mehrere Kryptowährungen stellt nicht automatisch eine starke Risikodiversifikation dar. Viele digitale Vermögenswerte reagieren ähnlich auf Veränderungen der Marktstimmung und können gleichzeitig stark an Wert verlieren.

Hinzu kommen spezifische Risiken wie technische Schwachstellen, Verwahrprobleme, regulatorische Veränderungen und erhebliche Kursschwankungen.

Ein Portfolio aus zehn verschiedenen Kryptowährungen ist daher nicht mit einer Beteiligung an Tausenden Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen gleichzusetzen.

So überprüfst du die Diversifikation deines eigenen Depots

Die Qualität der Depotstreuung lässt sich mit einer strukturierten Bestandsaufnahme beurteilen. Dafür benötigst du zunächst die aktuellen Depotwerte und die grundlegenden Informationen zu deinen ETFs und Einzelaktien.

Checkliste: Depot auf Konzentrationsrisiken prüfen

  1. Aktuelle Gewichtungen ermitteln. Berechne für jede Position ihren Anteil am Gesamtdepot. Bei mehreren ETFs hilft zusätzlich die Aufteilung nach zugrunde liegenden Indizes.
  2. Größte Unternehmen identifizieren. Prüfe, welche Einzelaktien oder indirekten ETF-Beteiligungen besonders stark gewichtet sind. Berücksichtige dabei mögliche Überschneidungen.
  3. Länder und Regionen kontrollieren. Vergleiche die geografische Verteilung mit deiner gewünschten internationalen Streuung. Achte darauf, ob einzelne Märkte bewusst oder unbeabsichtigt dominieren.
  4. Branchenverteilung untersuchen. Ermittele, ob beispielsweise Technologieunternehmen oder Finanzwerte einen ungewöhnlich hohen Anteil besitzen.
  5. Aktienquote festlegen. Prüfe, welcher Anteil deines frei verfügbaren Anlagevermögens tatsächlich Kursschwankungen am Aktienmarkt ausgesetzt sein soll.
  6. Anlagehorizont berücksichtigen. Trenne langfristig investierbares Kapital von Geld, das für geplante Ausgaben oder finanzielle Notfälle benötigt wird.
  7. Kosten und Komplexität bewerten. Hinterfrage zusätzliche Fonds oder Einzelaktien, die keinen erkennbaren Mehrwert für die gewünschte Depotstruktur liefern.
  8. Eine Überprüfungsregel festlegen. Entscheide, in welchen Abständen du deine Gewichtungen kontrollieren und unter welchen Bedingungen du Anpassungen vornehmen möchtest.

Die Prüfung muss nicht dazu führen, dass sofort Wertpapiere verkauft werden. Häufig lässt sich die gewünschte Struktur bereits über künftige Sparraten, gezielte Einzahlungen oder das Weglassen weiterer Käufe verändern.

Gerade bei länger bestehenden Depots sind steuerliche Folgen wichtig. Eine theoretisch bessere Diversifikation rechtfertigt nicht automatisch jede Umschichtung, wenn dadurch hohe Kosten oder vermeidbare steuerliche Belastungen entstehen.

Wann ist ein Depot zu stark diversifiziert?

Von einer Überdiversifikation wird häufig gesprochen, wenn Anleger immer mehr Wertpapiere hinzufügen, obwohl sich die Risikostreuung kaum noch verbessert. Der Begriff bedeutet jedoch nicht, dass Tausende Unternehmen in einem Welt-ETF grundsätzlich zu viel wären.

Problematisch wird die zusätzliche Streuung vor allem dann, wenn sie zu unnötigen Kosten, unklaren Gewichtungen oder einer kaum noch nachvollziehbaren Anlagestrategie führt.

Wer beispielsweise bereits einen globalen Aktien-ETF besitzt, benötigt nicht automatisch weitere Fonds auf zahlreiche Länder, Branchen oder Unternehmenstypen. Zusätzliche Positionen verändern möglicherweise lediglich die Marktgewichtungen.

Auch bei Einzelaktien sinkt der zusätzliche Diversifikationseffekt mit zunehmender Anzahl häufig ab. Die ersten wirtschaftlich unterschiedlichen Positionen können das unternehmensspezifische Risiko deutlich reduzieren. Weitere Unternehmen bieten anschließend oftmals nur noch einen kleineren Zusatznutzen.

Es wäre allerdings falsch, daraus abzuleiten, dass eine besonders breite Aktienanlage grundsätzlich schlechter sei. Die sinnvolle Depotgröße wird nicht durch eine möglichst niedrige Anzahl von Wertpapieren bestimmt.

Einfachheit ist vor allem dann wertvoll, wenn sie mit einer nachvollziehbaren Risikoverteilung verbunden bleibt.

Fazit: Gute Diversifikation braucht keine große Anzahl an ETFs

Ein gut diversifiziertes Depot muss weder aus zahlreichen ETFs noch aus Dutzenden selbst ausgewählten Einzelaktien bestehen. Für viele langfristige Privatanleger kann ein breit gestreuter globaler Aktien-ETF bereits eine solide Grundlage sein. Zusätzliche Fonds sollten eine klar erkennbare Funktion übernehmen und nicht lediglich die Anzahl der Depotpositionen erhöhen.

Wer Einzelaktien bevorzugt, muss sich intensiver mit der Gewichtung einzelner Unternehmen, Branchen und Regionen beschäftigen. Eine Verteilung auf etwa 20 bis 30 wirtschaftlich unterschiedliche Aktien kann Einzelwertrisiken verringern, erreicht aber nicht automatisch die Breite eines globalen Aktienindex.

Für die finanzielle Stabilität ist letztlich auch entscheidend, wie viel des gesamten Anlagevermögens dem Aktienrisiko ausgesetzt wird. Eine sinnvolle Kombination aus langfristigem Anlagekapital, angemessenen Rücklagen und einer verständlichen Depotstruktur kann wichtiger sein als zusätzliche Produkte.

Das Ziel einer guten Diversifikation ist deshalb nicht die größtmögliche Anzahl an Positionen, sondern ein Depot, dessen Risiken bewusst verteilt, nachvollziehbar und langfristig tragbar sind.

Häufige Fragen zur Diversifikation im Depot

Bei der konkreten Umsetzung entstehen häufig Fragen zur Anzahl der Wertpapiere, zur Kombination unterschiedlicher ETFs und zur richtigen Gewichtung. Die folgenden Antworten helfen bei der Einordnung typischer Depotentscheidungen.

Reicht ein einziger ETF für ein diversifiziertes Depot?

Ja, ein einzelner breit gestreuter Welt-ETF kann für den Aktienanteil eines Depots ausreichen. Voraussetzung ist, dass der Fonds einen entsprechend umfassenden Index abbildet. Ein einzelner Branchen-ETF oder Länder-ETF bietet dagegen keine vergleichbare Streuung. Die passende Aktienquote und ausreichende finanzielle Rücklagen müssen unabhängig davon berücksichtigt werden.

Sind drei ETFs besser als ein ETF?

Nicht automatisch. Drei ETFs können die Streuung verbessern, wenn sie unterschiedliche Marktsegmente sinnvoll ergänzen. Bilden sie jedoch überwiegend dieselben Unternehmen ab, entsteht möglicherweise nur eine zusätzliche Konzentration. Entscheidend sind die tatsächlichen Überschneidungen und Gewichtungen.

Wie viele Einzelaktien sollte man mindestens besitzen?

Eine allgemeingültige Mindestanzahl existiert nicht. Etwa 20 bis 30 wirtschaftlich unterschiedliche Einzelaktien können unternehmensspezifische Risiken bereits deutlich verringern. Voraussetzung ist eine vernünftige Verteilung über Branchen und Märkte. Auch bei dieser Anzahl bleiben Konzentrationsrisiken möglich.

Sollte man MSCI World und S&P 500 kombinieren?

Eine Kombination ist möglich, erhöht aber gewöhnlich das Gewicht amerikanischer Unternehmen. Viele Aktien des S&P 500 sind bereits im MSCI World vertreten. Die Ergänzung sollte deshalb als bewusste Übergewichtung des US-Aktienmarktes verstanden werden und nicht automatisch als Verbesserung der Diversifikation.

Braucht ein ETF-Depot zusätzlich Schwellenländer?

Ein ETF auf den MSCI World enthält keine Schwellenländer. Wer auch dort investierte Unternehmen berücksichtigen möchte, kann einen ergänzenden Schwellenländer-ETF oder einen globalen Index mit Industrie- und Schwellenländern wählen. Die zusätzliche Einbeziehung kann die Marktabdeckung erweitern, bringt aber eigene wirtschaftliche, politische und währungsbezogene Risiken mit sich.

Ist ein Depot mit 100 Prozent Aktien ausreichend diversifiziert?

Innerhalb des Aktienmarktes kann es sehr breit gestreut sein. Auf Ebene der Anlageklassen besteht jedoch eine vollständige Abhängigkeit von Aktienkursen. Für Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder geringer Verlusttoleranz kann eine ergänzende Aufteilung auf risikoärmere Anlagen sinnvoll sein.

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Muss man sein Depot regelmäßig umschichten?

Nicht zwingend. Eine regelmäßige Überprüfung ist jedoch hilfreich, weil unterschiedliche Kursentwicklungen die ursprünglichen Gewichtungen verändern. Anpassungen können über neue Einzahlungen oder gezielte Umschichtungen erfolgen. Dabei sollten mögliche Steuern und Transaktionskosten berücksichtigt werden.

Kann zu viel Diversifikation die Rendite senken?

Eine breite Streuung begrenzt die Auswirkungen einzelner außergewöhnlich erfolgreicher Aktien, reduziert aber zugleich die Abhängigkeit von einzelnen Verlierern. Sie garantiert weder eine höhere noch eine niedrigere Rendite. Zusätzliche Kosten oder unnötige Umschichtungen können die Nettorendite allerdings belasten. Ziel ist eine angemessene Risikoverteilung und nicht die Maximierung kurzfristiger Gewinne.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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