Ein Dispokredit gehört in der Regel zu den teuersten Möglichkeiten, sich kurzfristig Geld von einer Bank zu leihen. Entscheidend ist der Dispozins des jeweiligen Girokontos: Liegt dieser beispielsweise bei 12 Prozent pro Jahr und wird das Konto mit 1.000 Euro für einen Monat überzogen, entstehen ungefähr 10 Euro Zinsen. Für wenige Tage oder Wochen kann der Dispo deshalb praktisch sein. Wer dauerhaft im Minus bleibt, zahlt dagegen schnell einen spürbaren Betrag.
Wie werden die Kosten eines Dispokredits berechnet?
Beim Dispokredit fallen grundsätzlich nur für den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag und die tatsächliche Dauer der Nutzung Zinsen an. Ein eingeräumter Disporahmen allein verursacht normalerweise noch keine Kreditzinsen. Wer beispielsweise einen Dispositionsrahmen von 3.000 Euro besitzt, davon aber nur 500 Euro nutzt, zahlt die vereinbarten Dispozinsen auf diese 500 Euro.
Der Zinssatz wird üblicherweise als jährlicher Sollzinssatz angegeben. Für eine überschlägige Berechnung der Kosten kann folgende Formel verwendet werden:
Überziehungsbetrag × Dispozins × Nutzungstage ÷ 365
Bei einem Sollzinssatz von 12 Prozent und einer Kontoüberziehung von 1.000 Euro für 30 Tage ergibt sich beispielsweise:
1.000 Euro × 0,12 × 30 ÷ 365 = 9,86 Euro
Für einen einzelnen Monat wirken knapp 10 Euro zunächst möglicherweise überschaubar. Problematisch wird der Dispokredit vor allem dann, wenn das Girokonto über längere Zeit nicht mehr ins Plus kommt.
Was kostet ein Dispo bei längerer Nutzung?
Je länger und stärker das Girokonto überzogen wird, desto deutlicher werden die Kosten. Bleibt ein Betrag von 2.000 Euro beispielsweise ein ganzes Jahr im Dispo und beträgt der Sollzinssatz 12 Prozent, entsprechen die Zinsen rechnerisch rund 240 Euro für dieses Jahr.
Bei 3.000 Euro wären es unter denselben vereinfachten Annahmen bereits rund 360 Euro. Die tatsächlichen Kosten können etwas anders ausfallen, weil sich der Kontostand im Alltag verändert, Zahlungen eingehen oder abgebucht werden und Banken die Zinsen entsprechend ihrer Vertragsbedingungen abrechnen.
Gerade deshalb sollte nicht nur auf einzelne Zinsabbuchungen geschaut werden. Entscheidend ist, wie lange das Girokonto insgesamt im Minus bleibt und welcher Betrag durchschnittlich finanziert werden muss.
Warum ist der Dispokredit vergleichsweise teuer?
Der große Vorteil des Dispokredits ist seine Flexibilität. Innerhalb des eingeräumten Kreditrahmens kann das Geld normalerweise ohne separaten Kreditantrag genutzt werden. Geht anschließend Geld auf dem Girokonto ein, reduziert sich die Kreditinanspruchnahme automatisch.
Diese Flexibilität lassen sich Banken über vergleichsweise hohe Sollzinsen bezahlen. Ein Dispo ist daher eher als kurzfristige Liquiditätsreserve gedacht und weniger als Finanzierung für größere Anschaffungen oder dauerhaft fehlendes Einkommen.
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Ein Ratenkredit besitzt feste monatliche Raten und üblicherweise einen klaren Rückzahlungsplan. Beim Dispo fehlt dieser automatische Tilgungsmechanismus. Wer sein Konto dauerhaft mit beispielsweise 1.500 Euro überzieht und monatlich nur die entstandenen Zinsen ausgleicht, baut die eigentliche Verschuldung nicht ab.
Wie teuer ist ein Dispo für wenige Tage?
Für sehr kurze Zeiträume können die absoluten Kosten trotz eines hohen Zinssatzes relativ gering bleiben. Angenommen, auf dem Girokonto fehlen fünf Tage vor dem nächsten Gehaltseingang 600 Euro. Bei einem angenommenen Dispozins von 12 Prozent entstehen überschlägig:
600 Euro × 0,12 × 5 ÷ 365 = 0,99 Euro
In diesem Beispiel kostet die kurzfristige Überbrückung also ungefähr einen Euro. Genau für solche Situationen kann ein Dispositionskredit sinnvoll sein: Es fehlt kurzfristig Geld auf dem Konto, gleichzeitig steht bereits fest, dass zeitnah ein ausreichender Zahlungseingang erfolgt.
Anders sieht es aus, wenn aus fünf Tagen mehrere Monate werden. Dann wird aus einer kurzfristigen Überbrückung schleichend eine dauerhafte Finanzierung.
Der Zinssatz der eigenen Bank ist entscheidend
Wie teuer ein Dispokredit tatsächlich ist, lässt sich deshalb nicht mit einem einzigen allgemeinen Zinssatz beantworten. Banken legen ihre Konditionen selbst fest, und zwischen verschiedenen Girokonten können erhebliche Unterschiede bestehen.
Der aktuelle Sollzinssatz sollte in den Preis- und Leistungsverzeichnissen beziehungsweise den Kreditinformationen der Bank zu finden sein. Auch auf Kontoauszügen oder im Onlinebanking können entsprechende Angaben vorhanden sein.
Wer seinen Dispo regelmäßig nutzt, sollte den eigenen Zinssatz kennen. Schon wenige Prozentpunkte Unterschied können bei größeren Beträgen und längerer Nutzung einen merklichen Kostenunterschied verursachen.
Ein Beispiel zeigt die Größenordnung: Werden 2.500 Euro ein Jahr lang vollständig in Anspruch genommen, ergeben sich bei 9 Prozent rechnerisch 225 Euro Zinsen. Bei 13 Prozent wären es bereits 325 Euro. Der Unterschied beträgt damit 100 Euro pro Jahr.
Eingeräumter Dispo und geduldete Überziehung sind nicht dasselbe
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen einem vereinbarten Dispositionskredit und einer darüber hinausgehenden Überziehung. Der Disporahmen legt fest, bis zu welchem Betrag die Bank eine Überziehung des Girokontos grundsätzlich eingeräumt hat.
Wird dieser Rahmen überschritten oder besteht überhaupt kein vereinbarter Dispokredit, kann die Bank eine weitere Überziehung gegebenenfalls dulden. Darauf besteht jedoch nicht automatisch ein Anspruch. Außerdem können für eine solche geduldete Überziehung andere Zinskonditionen gelten.
Deshalb sollte der Kontoinhaber nicht davon ausgehen, dass jede Belastung über den Disporahmen hinaus ausgeführt wird oder dieselben Konditionen gelten. Maßgeblich sind die Vereinbarungen und Preisangaben der jeweiligen Bank.
Ab wann wird der Dispo problematisch teuer?
Eine feste zeitliche Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob die Überziehung tatsächlich kurzfristig wieder ausgeglichen werden kann.
Wer beispielsweise zehn Tage vor dem Gehaltseingang mit 300 Euro im Minus ist und anschließend wieder einen positiven Kontostand erreicht, nutzt den Dispo grundsätzlich anders als jemand, dessen Konto seit Monaten permanent zwischen 1.500 und 2.500 Euro im Minus liegt.
Ein Warnsignal ist insbesondere, wenn das monatliche Einkommen nicht mehr ausreicht, um das Girokonto zumindest zeitweise auszugleichen. Dann finanziert der Dispo nicht mehr nur einen kurzfristigen Engpass, sondern einen dauerhaften Fehlbetrag im Haushaltsbudget.
In einer solchen Situation sollte geprüft werden, wodurch das Minus entstanden ist und wie es dauerhaft abgebaut werden kann. Je nach persönlicher Situation kann eine günstigere Finanzierung zur Ablösung des Dispos infrage kommen. Eine Umschuldung löst allerdings nur dann das eigentliche Problem, wenn anschließend nicht erneut ein dauerhaftes Minus auf dem Girokonto entsteht.
Beispiel: Was kostet ein Dispo über drei Monate?
Angenommen, ein Girokonto wird für drei Monate durchgehend mit durchschnittlich 1.800 Euro überzogen. Der vereinbarte Sollzinssatz beträgt 11,5 Prozent pro Jahr.
Bei vereinfachten 90 Tagen ergibt sich:
1.800 Euro × 0,115 × 90 ÷ 365 = 51,04 Euro
Die Überziehung verursacht damit in diesem Beispiel rund 51 Euro Zinsen. Würde derselbe Betrag ein ganzes Jahr lang im Dispo bleiben, lägen die rechnerischen Zinsen bei etwa 207 Euro.
Das Beispiel zeigt den entscheidenden Punkt: Nicht allein der hohe Zinssatz macht den Dispo teuer. Besonders kostspielig wird die Kombination aus einem größeren Minus und einer langen Nutzungsdauer.
Fazit
Ein Dispokredit kann für einen kurzen finanziellen Engpass bequem sein, ist für eine dauerhafte Finanzierung aber meist eine teure Lösung. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Sollzinssatz der Bank, der Höhe des genutzten Betrags und der Dauer der Überziehung ab. Bei einem beispielhaften Zinssatz von 12 Prozent kosten 1.000 Euro Dispo für 30 Tage rund 9,86 Euro, bei dauerhafter Nutzung von 1.000 Euro dagegen rechnerisch rund 120 Euro pro Jahr. Wer regelmäßig oder über mehrere Monate im Minus bleibt, sollte deshalb nicht nur auf die nächste Zinsabrechnung schauen, sondern prüfen, wie der Dispo dauerhaft zurückgeführt werden kann.