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Tracking Difference
Das Wichtigste in Kürze
- Die Tracking Difference zeigt die tatsächliche Renditeabweichung eines ETF von seinem Vergleichsindex.
- Eine geringe und über längere Zeit stabile Abweichung spricht grundsätzlich für eine effiziente Indexnachbildung.
- Die Tracking Difference ist nicht mit der TER gleichzusetzen, da neben laufenden Fondskosten weitere positive und negative Effekte die ETF-Rendite beeinflussen.
- Beim Vergleich muss auf dieselben Zeiträume, denselben Index und die verwendete Berechnungskonvention geachtet werden.
- Die Tracking Difference sollte zusammen mit weiteren ETF-Kriterien betrachtet werden und nicht allein über die Produktauswahl entscheiden.
Die Tracking Difference zeigt, wie stark die tatsächliche Wertentwicklung eines ETF von der Wertentwicklung seines Vergleichsindex abweicht. Sie gehört damit zu den wichtigsten Kennzahlen, wenn Anleger beurteilen möchten, wie gut ein ETF seinen Index tatsächlich nachbildet. Gerade bei ETFs, die denselben Index abbilden, kann die Tracking Difference einen aussagekräftigeren Kostenvergleich ermöglichen als ein alleiniger Blick auf die angegebene Gesamtkostenquote.
Ein ETF auf den MSCI World, DAX oder S&P 500 soll grundsätzlich möglichst nah an der Entwicklung seines jeweiligen Index bleiben. In der Praxis entstehen jedoch Abweichungen. Verwaltungsgebühren, Transaktionskosten, Steuern, Erträge aus Wertpapierleihe und die konkrete Art der Indexnachbildung können dazu führen, dass der ETF etwas schlechter oder teilweise sogar besser abschneidet als der Index. Die Tracking Difference macht diese Abweichung sichtbar und zeigt, was beim Anleger tatsächlich von der Indexentwicklung ankommt.
Was bedeutet Tracking Difference?
Tracking Difference bedeutet auf Deutsch sinngemäß Nachbildungsdifferenz. Die Kennzahl beschreibt den Unterschied zwischen der Rendite eines ETF und der Rendite des zugrunde liegenden Vergleichsindex innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
Erzielt ein Index beispielsweise innerhalb eines Jahres eine Rendite von 8,00 Prozent und der darauf basierende ETF eine Rendite von 7,80 Prozent, beträgt die Tracking Difference 0,20 Prozentpunkte, wenn die Abweichung als Indexrendite minus ETF-Rendite dargestellt wird. Der ETF ist in diesem Zeitraum also um 0,20 Prozentpunkte hinter seinem Index zurückgeblieben.
In der Praxis ist allerdings auf die verwendete Berechnungs- und Vorzeichenkonvention zu achten. Teilweise wird die Differenz umgekehrt als ETF-Rendite minus Indexrendite angegeben. Dann würde dieselbe Abweichung mit minus 0,20 Prozentpunkten ausgewiesen. Anleger sollten deshalb nicht nur auf die Zahl, sondern auch darauf achten, wie sie vom jeweiligen Anbieter oder Datenportal definiert wird.
Die Tracking Difference ist besonders für ETF-Anleger relevant. Sie zeigt rückblickend, wie effizient ein Fonds seine Aufgabe erfüllt hat: die Wertentwicklung eines bestimmten Index möglichst genau nachzubilden. Bei zwei ETFs auf denselben Index kann der Fonds mit der niedrigeren angegebenen Kostenquote deshalb nicht automatisch derjenige sein, der für Anleger tatsächlich die bessere Wertentwicklung erzielt hat.
Wie funktioniert die Tracking Difference?
Ein Index ist zunächst eine rechnerische Größe. Ein ETF muss die im Index enthaltenen Wertpapiere dagegen tatsächlich oder über eine synthetische Konstruktion nachbilden. Dabei entstehen verschiedene Einflüsse, die dazu führen können, dass sich ETF und Index nicht vollkommen identisch entwickeln.
Einer der offensichtlichsten Faktoren sind die laufenden Fondskosten. Wird beispielsweise eine Gesamtkostenquote von 0,20 Prozent pro Jahr berechnet, belastet diese grundsätzlich das Fondsvermögen. Ohne weitere Effekte wäre deshalb zu erwarten, dass der ETF langfristig etwas hinter seinem Index zurückbleibt.
Die tatsächliche Abweichung kann aber kleiner oder größer sein. Ein ETF kann beispielsweise Einnahmen aus der Wertpapierleihe erzielen. Dabei werden Wertpapiere aus dem Fondsbestand gegen eine Gebühr vorübergehend an andere Marktteilnehmer verliehen. Ein Teil dieser Einnahmen kann dem Fonds zugutekommen und Kosten ausgleichen.
Auch die steuerliche Behandlung von Dividenden, Transaktionskosten, die Optimierung des Portfolios, Umschichtungen des Index und der Umgang mit Barbeständen können die Tracking Difference beeinflussen. Bei synthetisch replizierenden ETFs kommt zusätzlich die Ausgestaltung des Swap-Geschäfts hinzu.
Deshalb entspricht die Tracking Difference nicht automatisch der Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine ausgewiesene Kostenkennzahl. Die Tracking Difference zeigt dagegen das tatsächlich beobachtete Ergebnis gegenüber dem Index.
Beispiel: Tracking Difference bei einem ETF
Angenommen, ein ETF bildet einen weltweiten Aktienindex ab. Der Index steigt innerhalb eines Jahres einschließlich der für den Vergleich relevanten Erträge um 10,00 Prozent.
Der ETF erzielt im gleichen Zeitraum eine Rendite von 9,82 Prozent. Bei der Berechnung Indexrendite minus ETF-Rendite ergibt sich:
10,00 % − 9,82 % = 0,18 Prozentpunkte
Die Tracking Difference beträgt damit 0,18 Prozentpunkte. Der ETF ist innerhalb des betrachteten Jahres um 0,18 Prozentpunkte hinter seinem Vergleichsindex zurückgeblieben.
Interessant wird die Kennzahl vor allem beim Vergleich mehrerer ETFs. Ein zweiter ETF auf denselben Index könnte beispielsweise eine TER von nur 0,15 Prozent besitzen, tatsächlich aber lediglich 9,75 Prozent Rendite erzielen. Seine Tracking Difference läge dann bei 0,25 Prozentpunkten.
Ein dritter ETF könnte eine TER von 0,20 Prozent aufweisen und eine Rendite von 9,88 Prozent erreichen. Seine Tracking Difference betrüge lediglich 0,12 Prozentpunkte. Obwohl seine ausgewiesene TER höher ist als beim zweiten ETF, hätte er seinen Index in diesem Beispiel besser nachgebildet und dem Anleger eine höhere Rendite geliefert.
Genau darin liegt der praktische Nutzen der Tracking Difference: Sie betrachtet nicht nur einen ausgewiesenen Kostenbestandteil, sondern das tatsächliche Ergebnis der Indexnachbildung.
Warum ist die Tracking Difference für ETF-Anleger wichtig?
Bei einem passiven ETF besteht das zentrale Ziel normalerweise nicht darin, den Markt aktiv zu schlagen. Der Fonds soll die Entwicklung seines Vergleichsindex möglichst effizient abbilden. Eine dauerhaft geringe Abweichung ist deshalb ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Besonders relevant wird die Tracking Difference beim Vergleich mehrerer ETFs auf denselben Index. Viele Anleger achten zunächst auf die TER. Das ist sinnvoll, reicht für eine umfassende Beurteilung aber nicht aus. Ein ETF mit einer TER von 0,10 Prozent muss nicht zwangsläufig besser abschneiden als ein vergleichbarer Fonds mit 0,20 Prozent TER.
Über lange Anlagezeiträume können selbst kleine Renditeunterschiede durch den Zinseszinseffekt an Bedeutung gewinnen. Bleibt ein ETF Jahr für Jahr stärker hinter seinem Index zurück als ein vergleichbares Produkt, kann sich daraus langfristig ein spürbarer Unterschied beim Endvermögen ergeben.
Allerdings sollte die Tracking Difference nicht isoliert betrachtet werden. Fondsvolumen, Replikationsmethode, Handelskosten, Geld-Brief-Spanne, steuerliche Aspekte, Ertragsverwendung und persönliche Anlageziele können bei der ETF-Auswahl ebenfalls eine Rolle spielen.
Worauf sollte man bei der Tracking Difference achten?
Eine einzelne Tracking Difference für nur ein Jahr besitzt begrenzte Aussagekraft. Außergewöhnliche Marktbedingungen, Änderungen im Index oder besondere steuerliche und operative Effekte können das Ergebnis eines einzelnen Zeitraums beeinflussen. Aussagekräftiger ist deshalb die Entwicklung über mehrere Jahre.
Wichtig ist außerdem, tatsächlich vergleichbare Produkte gegenüberzustellen. Zwei ETFs können ähnlich heißen und dennoch unterschiedliche Indexvarianten verwenden. Bei einem Performanceindex werden beispielsweise Ausschüttungen anders berücksichtigt als bei einem reinen Kursindex. Auch bei internationalen Indizes können verschiedene Varianten hinsichtlich Quellensteuern und Dividendenberechnung existieren.
Eine negative Tracking Difference muss außerdem nicht automatisch etwas Negatives bedeuten. Wird die Kennzahl als Indexrendite minus ETF-Rendite berechnet, bedeutet ein negativer Wert, dass der ETF im betrachteten Zeitraum sogar besser als der Index abgeschnitten hat. Wird die umgekehrte Konvention verwendet, verändert sich die Interpretation entsprechend.
Entscheidend ist deshalb immer, welche Formel hinter der veröffentlichten Kennzahl steht. Erst dann lassen sich verschiedene Werte korrekt einordnen.
Tracking Difference berechnen
Die grundlegende Berechnung ist einfach, sofern die Rendite des ETF und die Rendite des passenden Vergleichsindex für denselben Zeitraum bekannt sind.
Bei der Konvention Indexrendite minus ETF-Rendite lautet die Formel:
Tracking Difference = Rendite des Index − Rendite des ETF
Erzielt der Index beispielsweise 6,50 Prozent und der ETF 6,28 Prozent, ergibt sich:
6,50 % − 6,28 % = 0,22 Prozentpunkte
Der ETF liegt damit 0,22 Prozentpunkte hinter seinem Index.
Erzielt der ETF dagegen 6,60 Prozent, ergibt sich:
6,50 % − 6,60 % = −0,10 Prozentpunkte
In diesem Fall hat der ETF den Index um 0,10 Prozentpunkte übertroffen.
Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen jedoch dieselben Zeiträume und die passenden Indexvarianten verwendet werden. Es wäre beispielsweise irreführend, die Gesamtrendite eines ausschüttenden ETF einschließlich Ausschüttungen mit einem Index zu vergleichen, bei dem Dividenden überhaupt nicht berücksichtigt werden.
Außerdem sollte die Tracking Difference möglichst über mehrere Zeiträume betrachtet werden. Ein ETF, der seinen Index über viele Jahre konstant mit einer kleinen Abweichung nachbildet, kann für langfristige Anleger interessanter sein als ein Fonds, dessen Ergebnisse stark schwanken.
Tracking Difference, TER und Tracking Error: die Unterschiede
Tracking Difference, TER und Tracking Error werden bei der ETF-Auswahl häufig miteinander verwechselt. Die Kennzahlen beantworten jedoch unterschiedliche Fragen.
KennzahlAussageTracking DifferenceZeigt die Renditedifferenz zwischen ETF und VergleichsindexTERZeigt bestimmte laufende Kosten des Fonds als jährliche KostenquoteTracking ErrorMisst, wie stark die Abweichungen des ETF vom Index im Zeitverlauf schwankenDie TER beantwortet damit vor allem die Frage, welche laufenden Kosten innerhalb ihrer Definition ausgewiesen werden. Die Tracking Difference zeigt dagegen rückblickend, wie groß die tatsächliche Renditedifferenz zum Index war.
Der Tracking Error betrachtet wiederum nicht primär die Höhe dieser Differenz, sondern deren Schwankungsbreite. Ein ETF kann beispielsweise jedes Jahr relativ konstant rund 0,15 Prozentpunkte hinter seinem Index liegen. Dann besitzt er zwar eine Tracking Difference, seine Abweichungen können aber sehr stabil sein.
Ein anderer ETF könnte in einem Jahr nahezu exakt mit dem Index laufen, im nächsten Jahr deutlich zurückbleiben und anschließend den Index leicht übertreffen. Seine durchschnittliche Tracking Difference könnte trotzdem ähnlich aussehen, während der Tracking Error aufgrund der stärkeren Schwankungen höher ausfällt.
Typische Fehler und Missverständnisse bei der Tracking Difference
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, Tracking Difference und TER gleichzusetzen. Eine TER von 0,20 Prozent bedeutet nicht automatisch, dass ein ETF jedes Jahr exakt 0,20 Prozentpunkte schlechter als sein Index abschneidet. Zusätzliche Kosten können die Abweichung erhöhen, während andere Erträge sie reduzieren können.
Ebenso problematisch ist die Annahme, eine besonders niedrige Tracking Difference garantiere auch für die Zukunft eine bessere Entwicklung. Die Kennzahl basiert auf vergangenen Daten. Veränderungen bei Kosten, Replikationsmethoden, steuerlichen Rahmenbedingungen oder der Fondsstruktur können zukünftige Ergebnisse beeinflussen.
Auch ein Vergleich unterschiedlicher Indizes führt schnell zu falschen Schlussfolgerungen. Die Tracking Difference eignet sich besonders gut zum Vergleich von ETFs, die tatsächlich denselben Index beziehungsweise dieselbe Indexvariante nachbilden.
Schließlich sollte eine kurzfristige Überrendite gegenüber dem Index nicht mit aktivem Anlageerfolg verwechselt werden. Bei einem passiven ETF kann eine negative Tracking Difference beispielsweise durch Wertpapierleiherträge, steuerliche Effekte oder technische Besonderheiten entstehen. Das bedeutet nicht, dass der Fondsmanager dauerhaft versucht, den Markt zu schlagen.
Für wen ist die Tracking Difference besonders relevant?
Die Tracking Difference ist vor allem für Anleger interessant, die ETFs langfristig für den Vermögensaufbau, einen Sparplan oder die Altersvorsorge einsetzen. Wer über Jahrzehnte investiert, sollte nicht ausschließlich darauf achten, welcher ETF auf den ersten Blick die niedrigste TER besitzt.
Auch beim Wechsel oder bei der erstmaligen Auswahl eines ETF kann die historische Nachbildungsqualität ein zusätzliches Entscheidungskriterium sein. Besonders bei bekannten Indizes existieren teilweise zahlreiche ETFs verschiedener Anbieter, deren Kosten und tatsächliche Nachbildungsqualität voneinander abweichen.
Für Anleger bedeutet das allerdings nicht, dass regelmäßig wegen kleiner Unterschiede zwischen ETFs gewechselt werden sollte. Verkaufskosten, Spreads, mögliche steuerliche Folgen und der Aufwand eines Produktwechsels können wesentlich stärker ins Gewicht fallen als eine geringfügige historische Differenz.
Häufige Fragen zur Tracking Difference
Kann die Tracking Difference negativ sein?
Ja. Wird die Tracking Difference als Indexrendite minus ETF-Rendite berechnet, entsteht ein negativer Wert, wenn der ETF besser abschneidet als sein Vergleichsindex. Steigt der Index beispielsweise um 8,00 Prozent und der ETF um 8,10 Prozent, beträgt die Tracking Difference −0,10 Prozentpunkte. Das kann unter anderem durch Einnahmen aus Wertpapierleihe, steuerliche Effekte oder eine effiziente Indexnachbildung entstehen. Eine negative Tracking Difference bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der ETF dauerhaft besser als der Index sein wird. Zudem verwenden Datenanbieter teilweise eine umgekehrte Vorzeichenkonvention. Vor einem Vergleich sollte deshalb immer geprüft werden, wie die Kennzahl definiert ist.
Ist eine niedrige TER wichtiger als eine niedrige Tracking Difference?
Beide Kennzahlen sind hilfreich, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Die TER zeigt bestimmte laufende Kosten des ETF, während die Tracking Difference erkennen lässt, wie stark die tatsächliche Wertentwicklung vom Vergleichsindex abgewichen ist. Für die rückblickende Beurteilung der Indexnachbildung kann die Tracking Difference deshalb besonders aufschlussreich sein. Trotzdem sollte die TER nicht ignoriert werden, da sie transparent ausgewiesene laufende Kosten sichtbar macht. Bei der ETF-Auswahl empfiehlt sich ein Gesamtbild aus Kosten, langfristiger Tracking Difference, Fondsgröße, Replikationsmethode, Handelsbedingungen und weiteren relevanten Produkteigenschaften.
Wie hoch sollte die Tracking Difference bei einem guten ETF sein?
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Wie groß eine übliche Abweichung ist, hängt unter anderem vom Index, von den laufenden Kosten, der Replikationsmethode, steuerlichen Einflüssen und den enthaltenen Märkten ab. Bei zwei ETFs auf exakt denselben Index ist grundsätzlich derjenige interessant, der den Index über längere Zeit effizient und möglichst konstant nachbildet. Dabei sollte nicht nur ein einzelnes Jahr betrachtet werden. Eine geringe durchschnittliche Tracking Difference über mehrere Jahre liefert ein deutlich aussagekräftigeres Bild als ein besonders gutes Ergebnis innerhalb eines kurzen Zeitraums.
Warum kann die Tracking Difference kleiner als die TER sein?
Die TER erfasst nicht sämtliche positiven und negativen Effekte, die die tatsächliche Fondsrendite beeinflussen. Ein ETF kann beispielsweise zusätzliche Erträge aus Wertpapierleihe erzielen. Auch steuerliche Unterschiede, effiziente Handelsprozesse oder Optimierungen bei der Indexnachbildung können dazu beitragen, dass ein Teil der laufenden Kosten kompensiert wird. Deshalb kann ein ETF mit einer TER von beispielsweise 0,20 Prozent über einen bestimmten Zeitraum weniger als 0,20 Prozentpunkte hinter seinem Index zurückbleiben. Die tatsächliche Tracking Difference ergibt sich aus dem Gesamtergebnis und nicht allein aus der ausgewiesenen Kostenquote.
Ist die Tracking Difference bei ausschüttenden und thesaurierenden ETFs vergleichbar?
Grundsätzlich ja, allerdings müssen die verwendeten Renditedaten korrekt vergleichbar sein. Bei einem ausschüttenden ETF dürfen ausgezahlte Dividenden nicht einfach unberücksichtigt bleiben, wenn seine Gesamtrendite mit einem Index verglichen wird, der Dividenden einbezieht. Entscheidend ist, dass ETF und Index auf derselben Ertragsbasis betrachtet werden. Andernfalls entsteht eine scheinbar große Tracking Difference, die lediglich auf unterschiedlichen Berechnungsmethoden beruht. Für private Anleger ist es deshalb meist sinnvoller, auf professionell aufbereitete Vergleichsdaten zurückzugreifen, statt ausschließlich Kursverläufe miteinander zu vergleichen.
Kann sich die Tracking Difference eines ETF im Laufe der Zeit verändern?
Ja. Die Tracking Difference ist keine dauerhaft feststehende Produkteigenschaft. Sie kann von Jahr zu Jahr variieren. Ursachen können unter anderem Veränderungen bei Fondsgebühren, Wertpapierleiherträgen, Quellensteuern, Indexanpassungen, Transaktionskosten oder der Replikationsmethode sein. Auch außergewöhnliche Marktphasen können vorübergehend größere Abweichungen verursachen. Deshalb ist ein mehrjähriger Vergleich besonders hilfreich. Anleger erhalten dadurch einen besseren Eindruck davon, ob ein ETF seinen Index dauerhaft effizient nachbildet oder ob die Abweichungen im Zeitverlauf erheblich schwanken.
Kann man ETFs allein anhand der Tracking Difference auswählen?
Nein. Die Tracking Difference ist eine wichtige Kennzahl, sollte aber nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Neben der Nachbildungsqualität können beispielsweise Fondsvolumen, Alter des ETF, Replikationsmethode, Ertragsverwendung, Handelskosten und die Geld-Brief-Spanne relevant sein. Entscheidend ist außerdem zunächst, ob der zugrunde liegende Index zur eigenen Anlagestrategie passt. Ein hervorragend nachgebildeter Index ist nicht automatisch eine geeignete Geldanlage für jeden Anleger. Erst wenn Index und Anlagekonzept feststehen, kann die Tracking Difference sinnvoll dazu beitragen, mehrere vergleichbare ETFs genauer zu beurteilen.
Fazit
Die Tracking Difference zeigt, wie erfolgreich ein ETF seinen Vergleichsindex tatsächlich nachgebildet hat. Anders als die TER betrachtet sie nicht lediglich ausgewiesene laufende Kosten, sondern das Ergebnis, das nach allen positiven und negativen Einflüssen gegenüber dem Index entstanden ist. Damit liefert sie besonders beim Vergleich mehrerer ETFs auf denselben Index wertvolle zusätzliche Informationen.
Für Anleger ist vor allem die langfristige Entwicklung relevant. Ein einzelnes Jahr kann durch Sondereffekte verzerrt sein, während mehrere Jahre zeigen können, wie effizient und konstant die Indexnachbildung funktioniert. Die Tracking Difference sollte deshalb gemeinsam mit TER, Tracking Error, Fondsstruktur und weiteren Produkteigenschaften betrachtet werden. So lässt sich besser beurteilen, welcher ETF einen gewünschten Index nicht nur günstig, sondern auch tatsächlich effizient abbildet.