Altersvorsorgedepot ohne Garantie: Chancen und Risiken

Das neue Altersvorsorgedepot verzichtet bewusst auf eine Beitragsgarantie und eröffnet dadurch mehr Spielraum für Aktien und ETFs. Das erhöht die langfristigen Renditechancen – bedeutet aber auch, dass Verluste bis zum Rentenbeginn nicht ausgeschlossen sind.

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Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie gehört zu den wichtigsten Neuerungen der reformierten privaten Altersvorsorge, die zum 1. Januar 2027 startet. Anders als bei klassischen Riester-Produkten muss der Anbieter bei dieser Variante nicht sicherstellen, dass zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens die eingezahlten Beiträge vorhanden sind. Das angesparte Vermögen darf stärker am Kapitalmarkt investiert werden und kann deshalb über Jahrzehnte wesentlich stärker wachsen – gleichzeitig trägt der Sparer das Anlagerisiko.

Genau dieser Verzicht auf die Garantie ist kein nebensächliches Produktmerkmal, sondern der Kern des neuen Konzepts. Garantien kosten Renditechancen, weil Anbieter einen erheblichen Teil des Vermögens so anlegen müssen, dass zugesagte Mindestwerte auch bei ungünstiger Kapitalmarktentwicklung eingehalten werden können. Ohne eine solche Verpflichtung kann ein größerer Anteil langfristig in Aktienfonds und ETFs investiert bleiben. Für Menschen mit noch mehreren Jahrzehnten bis zum Ruhestand kann das ein erheblicher Vorteil sein.

Eine Garantie ist allerdings nicht automatisch schlecht und ein Produkt ohne Garantie nicht automatisch überlegen. Entscheidend sind Anlagedauer, Risikobereitschaft, Kosten, gewählte Fonds und die Frage, wie das Risiko vor dem Rentenbeginn reduziert wird. Wer diese Punkte versteht, kann besser beurteilen, ob ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie zur eigenen Vorsorgestrategie passt.

Was „ohne Garantie“ beim Altersvorsorgedepot wirklich bedeutet

Bei einem Altersvorsorgedepot ohne Garantie gibt es keine Zusage, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge zur Verfügung steht. Hat jemand beispielsweise über viele Jahre insgesamt 70.000 Euro eingezahlt, kann der Depotwert deutlich darüber liegen. Nach einem schweren Börsenrückgang könnte er theoretisch aber auch unter diesen 70.000 Euro liegen.

Das unterscheidet das Altersvorsorgedepot von den weiterhin möglichen Garantieprodukten. Bei diesen kann eine Garantie von 100 oder 80 Prozent der eingezahlten Beiträge vereinbart werden. Beim Produkt mit 100-Prozent-Garantie müssen zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens sämtliche eingezahlten Beiträge verfügbar sein; bei der 80-Prozent-Variante gilt entsprechend eine niedrigere Mindestabsicherung. Beim Altersvorsorgedepot entfällt diese Untergrenze vollständig.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, dass das Geld im Altersvorsorgedepot besonders riskant angelegt werden müsste. Ein breit gestreuter Aktienfonds unterscheidet sich grundlegend von einer spekulativen Wette auf einzelne Unternehmen. Trotzdem schwanken auch weltweit diversifizierte Aktienanlagen erheblich. Kursverluste von 20, 30 oder zeitweise noch mehr Prozent sind möglich und gehören zum Kapitalmarkt.

Ohne Garantie trägt der Anleger diese Schwankungen selbst. Im Gegenzug muss der Anbieter nicht permanent Kapital für die Erfüllung einer Garantie absichern. Dadurch kann mehr Geld renditeorientiert investiert werden.

Warum eine Garantie langfristig Rendite kosten kann

Eine Beitragsgarantie klingt zunächst überzeugend: Man bekommt zumindest zurück, was man eingezahlt hat. Bei einer jahrzehntelangen Altersvorsorge ist dieser Vergleich jedoch unvollständig. Entscheidend ist nicht nur, wie viele Euro am Ende vorhanden sind, sondern welche Kaufkraft dieses Geld dann besitzt.

Wer beispielsweise über 30 oder 40 Jahre spart, ist in erheblichem Umfang der Inflation ausgesetzt. Ein nominell garantierter Betrag kann real deutlich weniger wert sein. Gleichzeitig begrenzt eine hohe Garantie häufig den Anteil des Vermögens, der langfristig in renditestärkeren Anlagen investiert werden kann.

Besonders problematisch kann eine starre Beitragsgarantie werden, wenn die Kapitalmärkte während der Laufzeit fallen. Ein Anbieter muss dann weiterhin gewährleisten können, dass der garantierte Mindestbetrag zum vorgesehenen Termin vorhanden ist. Je nach Produktmechanik kann dadurch gerade nach Kursrückgängen eine Umschichtung in risikoärmere Anlagen notwendig werden. Eine spätere Erholung der Aktienmärkte kann dann nur noch eingeschränkt genutzt werden.

Beim Altersvorsorgedepot ohne Garantie besteht dieser Zwang nicht. Das Vermögen kann grundsätzlich stärker am langfristigen Anlagekonzept ausgerichtet werden. Wer noch 30 Jahre bis zum Ruhestand hat, muss beispielsweise nicht allein deshalb nach einem Börsencrash Aktien verkaufen, weil zu einem festen Zeitpunkt eine Beitragsgarantie erfüllt werden muss.

Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum der Gesetzgeber mit der Reform erstmals ein steuerlich gefördertes Altersvorsorgedepot ohne Garantie zulässt. Es soll möglich werden, langfristige Kapitalmarktchancen stärker für die private Altersvorsorge zu nutzen.

Wie groß der Renditeunterschied langfristig werden kann

Bei jahrzehntelangen Sparplänen wirken selbst kleine Unterschiede bei der jährlichen Rendite erheblich. Das lässt sich an einer einfachen Modellrechnung erkennen.

Angenommen, jeden Monat werden 150 Euro über 30 Jahre angelegt. Insgesamt fließen damit 54.000 Euro aus eigenen Sparraten in den Vertrag. Staatliche Zulagen bleiben in dieser vereinfachten Rechnung ebenso außen vor wie Steuern. Die dargestellten Renditen werden als durchschnittliche Renditen nach laufenden Kosten angenommen.

Durchschnittliche Rendite Einzahlungen Vermögen nach 30 Jahren
3 % pro Jahr 54.000 € ca. 86.800 €
5 % pro Jahr 54.000 € ca. 122.300 €
7 % pro Jahr 54.000 € ca. 175.400 €

Die Tabelle ist keine Renditeprognose. Niemand weiß heute, welche Kapitalmarktrenditen während der kommenden 30 Jahre tatsächlich erzielt werden. Sie zeigt aber, warum die Frage nach der möglichen Rendite bei langfristiger Altersvorsorge so wichtig ist. Zwischen drei und sieben Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite liegen in diesem Beispiel am Ende fast 90.000 Euro Unterschied.

Gerade bei einer langen Laufzeit kann deshalb eine Strategie problematisch sein, die zwar nominelle Sicherheit verspricht, dafür aber dauerhaft einen großen Teil möglicher Kapitalmarktrenditen aufgibt.

Umgekehrt wäre es ebenso falsch, aus der Modellrechnung abzuleiten, dass ein Altersvorsorgedepot automatisch sieben Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Börsenrenditen entstehen nicht gleichmäßig. Auf sehr gute Jahre können schwere Verluste folgen. Entscheidend ist die langfristige Durchschnittsentwicklung – und diese steht erst im Nachhinein fest.

Die größte Chance liegt im langen Anlagehorizont

Ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie spielt seine Stärke vor allem dann aus, wenn zwischen Vertragsabschluss und Renteneintritt noch viele Jahre liegen. Ein 25-Jähriger kann theoretisch vier Jahrzehnte oder länger investieren. Selbst zwischenzeitliche Börsenkrisen fallen bei einem solchen Zeitraum weniger stark ins Gewicht als bei jemandem, der bereits wenige Jahre vor dem Ruhestand steht.

Ein langer Anlagehorizont beseitigt das Aktienrisiko allerdings nicht. Er verändert lediglich dessen Bedeutung. Wer einen breit gestreuten Aktienmarkt während eines schweren Kurssturzes nicht verkaufen muss, hat Zeit, eine mögliche Erholung abzuwarten. Historische Entwicklungen zeigen, warum langfristige Anleger Aktien trotz erheblicher zwischenzeitlicher Schwankungen einsetzen. Eine Garantie für die Zukunft lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Hinzu kommt der Zinseszinseffekt. Erträge können innerhalb des Depots wieder angelegt werden und anschließend selbst weitere Erträge erwirtschaften. Je länger das Kapital investiert bleibt, desto stärker kann dieser Effekt werden. Gerade deshalb wiegen unnötig niedrige Renditen und hohe Kosten bei Altersvorsorgeprodukten über mehrere Jahrzehnte besonders schwer.

Das Verlustrisiko verschwindet nicht

Die wichtigste Gegenleistung für die höheren Renditechancen ist das Verlustrisiko. Ein Altersvorsorgedepot kann während einer Börsenkrise deutlich an Wert verlieren. Selbst ein sehr breit diversifizierter Aktien-ETF kann innerhalb relativ kurzer Zeit zweistellige prozentuale Verluste verzeichnen.

Solange der Renteneintritt noch Jahrzehnte entfernt ist, kann ein solcher Rückgang vor allem psychologisch unangenehm sein. Kritischer wird die Situation, wenn ein starker Kurseinbruch unmittelbar vor Beginn der Auszahlungsphase eintritt. Genau hier liegt eines der wichtigsten Risiken einer Altersvorsorge ohne Garantie.

Ein Beispiel macht das deutlich: Ein Depot hat kurz vor Rentenbeginn einen Wert von 200.000 Euro. Fällt der Aktienanteil so stark, dass der Gesamtwert vorübergehend um 25 Prozent sinkt, wären nur noch 150.000 Euro vorhanden. Wer dieses Kapital zu diesem Zeitpunkt in eine Rentenlösung übertragen oder mit Auszahlungen beginnen muss, kann nicht einfach davon ausgehen, dass genügend Zeit für eine vollständige Kurserholung bleibt.

Deshalb ist nicht nur entscheidend, wie während der ersten Jahrzehnte investiert wird. Mindestens ebenso wichtig ist, wie das Risiko in den letzten Jahren vor dem geplanten Rentenbeginn gesteuert wird.

Ablaufmanagement kann das Risiko vor der Rente verringern

Beim Standarddepot ist genau für dieses Problem ein Ablaufmanagement vorgesehen. Das Standardprodukt arbeitet mit einem renditeorientierten und einem vorsichtigeren Fonds. In den Jahren vor Beginn der Auszahlungsphase soll das Vermögen schrittweise stärker in den risikoärmeren Baustein umgeschichtet werden, sofern der Anleger nicht von dieser Voreinstellung abweicht.

Dadurch entsteht ein Mittelweg. In jungen Jahren kann ein hoher Anteil des Vermögens renditeorientiert investiert werden. Je näher der geplante Rentenbeginn rückt, desto stärker wird ein Teil des bereits aufgebauten Kapitals vor kurzfristigen Aktienmarktschwankungen geschützt.

Auch dieses Verfahren garantiert allerdings keinen bestimmten Depotwert. Risikoärmere Anlagen können ebenfalls im Wert schwanken, beispielsweise bei Veränderungen des Zinsniveaus. Außerdem reduziert eine frühzeitige Umschichtung in defensivere Anlagen die Renditechancen. Das richtige Tempo des Risikoabbaus ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen Sicherheit und weiterer Kapitalmarktteilnahme.

Ein Börsencrash mit 35 oder 60 ist nicht dasselbe

Bei der Bewertung eines garantiefreien Altersvorsorgedepots wird häufig nur gefragt, wie hoch Aktienverluste sein können. Mindestens ebenso wichtig ist der Zeitpunkt eines Verlustes.

Ein 35-Jähriger mit noch rund 30 Jahren bis zum geplanten Rentenbeginn kann einen Börsencrash anders behandeln als ein 64-Jähriger. Für den jüngeren Anleger kann ein Kursrückgang während der Ansparphase sogar bedeuten, dass neue Sparraten zu niedrigeren Kursen weitere Fondsanteile kaufen. Solange der Sparplan fortgeführt wird und sich die Märkte langfristig erholen, kann das einen Teil der Verluste ausgleichen.

Kurz vor der Rente kehrt sich diese Situation um. Dann ist bereits viel Kapital vorhanden, während nur noch wenig Zeit bleibt. Ein prozentual identischer Verlust betrifft deshalb einen wesentlich größeren Euro-Betrag und kann unmittelbaren Einfluss auf das spätere Alterseinkommen haben.

Das spricht nicht grundsätzlich gegen ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie. Es zeigt vielmehr, warum eine Altersvorsorgestrategie nicht über 30 oder 40 Jahre unverändert bleiben sollte.

Das Standarddepot reduziert Entscheidungen, aber nicht das Marktrisiko

Nicht jeder möchte selbst Fonds auswählen, Aktienquoten bestimmen und später über das richtige Ablaufmanagement entscheiden. Dafür wurde das Standarddepot geschaffen. Es soll eine einfache Form des Altersvorsorgedepots darstellen, bei der wesentliche Anlageentscheidungen voreingestellt sind.

Für das Standarddepot gilt außerdem eine Begrenzung der Effektivkosten auf höchstens 1,0 Prozent. Die Effektivkosten zeigen, um wie viele Prozentpunkte die durchschnittliche jährliche Rendite durch sämtliche berücksichtigten Vertragskosten reduziert wird. Beträgt die Rendite der Kapitalanlage beispielsweise fünf Prozent und die Effektivkosten liegen bei einem Prozentpunkt, bleiben rechnerisch vier Prozent vor der späteren Besteuerung.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Standarddepot und anderen Altersvorsorgedepots. Die gesetzliche Kostenobergrenze von einem Prozent bezieht sich auf das Standardprodukt. Wer ein anderes Altersvorsorgedepot wählt, sollte die tatsächlichen Kosten deshalb besonders genau vergleichen.

Gerade über mehrere Jahrzehnte können selbst scheinbar geringe Kostenunterschiede erhebliche Auswirkungen auf das Endvermögen haben. Eine kostengünstige Kapitalanlage kann deshalb wichtiger sein als zahlreiche Zusatzfunktionen, häufige Fondswechsel oder umfangreiche Beratungsleistungen.

Ohne Garantie bedeutet nicht unbegrenzte Spekulation

Der Begriff „Depot“ kann den Eindruck vermitteln, dass Anleger innerhalb des geförderten Vertrags beliebige Wertpapiere kaufen können. Das ist nicht der Fall. Für das Altersvorsorgedepot gelten Vorgaben, welche Vermögensgegenstände innerhalb des geförderten Rahmens zulässig sind. Die Produktauswahl soll renditeorientierte Kapitalanlage ermöglichen, gleichzeitig aber den Charakter einer langfristigen Altersvorsorge erhalten.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem gewöhnlichen Wertpapierdepot. Das Altersvorsorgedepot ist kein Tradingkonto. Ziel ist langfristiger Vermögensaufbau für das Alter und nicht die kurzfristige Spekulation auf einzelne Kurse.

Auch Anleger sollten diesen Gedanken beibehalten. Die Möglichkeit, Anlageentscheidungen selbst zu treffen, ist nur dann ein Vorteil, wenn daraus eine nachvollziehbare Strategie entsteht. Häufiges Umschichten, das Hinterherlaufen hinter zuletzt besonders erfolgreichen Fonds oder hektische Verkäufe während eines Börsencrashs können die theoretischen Renditevorteile eines garantiefreien Depots schnell zunichtemachen.

Das größte praktische Risiko kann der Anleger selbst sein

Ein Produkt ohne Garantie stellt höhere Anforderungen an das Verhalten des Sparers. Bei einem klassischen Garantieprodukt muss man sich zwar ebenfalls mit Kosten und Vertragsbedingungen beschäftigen, starke Kursschwankungen des eigenen Vorsorgevermögens stehen jedoch weniger im Vordergrund.

Bei einem Altersvorsorgedepot können solche Schwankungen sichtbar werden. Wer 100.000 Euro angespart hat und nach einem Börsenrückgang plötzlich nur noch 75.000 Euro im Depot sieht, muss damit umgehen können. Verkauft der Anleger aus Angst gerade während eines starken Kursrückgangs seine renditeorientierten Anlagen und steigt erst nach einer deutlichen Erholung wieder ein, kann aus einem vorübergehenden Kursverlust ein dauerhaft realisierter Verlust werden.

Die passende Risikostruktur ist deshalb nicht zwangsläufig die mathematisch renditestärkste. Sie muss auch psychologisch durchhaltbar sein. Ein etwas defensiveres Portfolio, das über Jahrzehnte konsequent beibehalten wird, kann im Ergebnis sinnvoller sein als eine aggressive Strategie, die beim ersten großen Börsencrash aufgegeben wird.

Für wen ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie besonders interessant sein kann

Besonders naheliegend ist das Konzept für Menschen, die noch einen langen Zeitraum bis zur Rente haben und erhebliche Wertschwankungen akzeptieren können. Je länger das Geld investiert bleibt, desto stärker können sich Renditechancen und Zinseszinseffekt bemerkbar machen.

Auch Anleger, die bereits Erfahrungen mit ETF-Sparplänen oder Fonds besitzen, dürften sich mit dem Grundprinzip leichter tun. Für sie ist der Verzicht auf eine nominale Beitragsgarantie möglicherweise weniger ungewöhnlich, weil sie ohnehin wissen, dass ein langfristiges Wertpapierdepot zeitweise deutlich schwanken kann.

Das Altersvorsorgedepot kann außerdem interessant sein, wenn Kosten und Anlagestruktur eines konkreten Angebots transparent und wettbewerbsfähig sind. Staatliche Förderung allein macht ein teures oder schlecht konstruiertes Produkt nicht automatisch attraktiv. Förderung, Kosten, Kapitalanlage und spätere Auszahlung müssen gemeinsam betrachtet werden.

Wann eine Garantie trotzdem sinnvoll sein kann

Nicht jeder Altersvorsorgende sollte automatisch die garantiefreie Variante wählen. Wer starke Verluste kaum aushalten kann und deshalb bei fallenden Märkten wahrscheinlich verkaufen würde, kann mit einem Garantieprodukt besser schlafen und möglicherweise auch konsequenter vorsorgen.

Relevant ist außerdem die verbleibende Laufzeit. Wer erst relativ spät mit der privaten Vorsorge beginnt und nur noch wenige Jahre bis zum Rentenbeginn hat, profitiert weniger vom langen Anlagehorizont. Gleichzeitig gewinnt das Risiko eines ungünstigen Börsenzeitpunkts an Bedeutung.

Für solche Anleger kann beispielsweise ein Garantieprodukt mit 80 Prozent Beitragsgarantie einen Mittelweg darstellen. Es bietet mehr Sicherheit als ein vollständig garantiefreies Depot, lässt gleichzeitig etwas mehr Spielraum für renditeorientierte Anlagen als eine hundertprozentige Garantie.

Die richtige Entscheidung besteht deshalb nicht darin, maximale Sicherheit oder maximale Aktienquote anzustreben. Entscheidend ist, welches Verhältnis zwischen Renditechance und Sicherheit zur persönlichen Situation passt.

Staatliche Förderung schützt nicht vor Anlageverlusten

Ein häufiger Denkfehler wäre, die staatliche Förderung mit einer staatlichen Absicherung des Depots gleichzusetzen. Beides hat nichts miteinander zu tun.

Für die neue geförderte private Altersvorsorge sind ab 2027 beitragsabhängige Zulagen vorgesehen. Bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro im Jahr beträgt die Grundzulage 50 Prozent der eigenen Einzahlung. Für den Teil zwischen 360 und 1.800 Euro beträgt sie 25 Prozent. Dadurch ist eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr möglich. Für Kinder und bestimmte weitere Gruppen bestehen zusätzliche Fördermöglichkeiten.

Diese Förderung erhöht das eingezahlte Vorsorgekapital. Sie verhindert aber keine Kursverluste. Auch staatliche Zulagen, die bereits im Depot liegen, nehmen an der Wertentwicklung der gewählten Kapitalanlage teil.

Das ist allerdings nicht zwangsläufig ein Nachteil. Je früher Förderbeträge in ein langfristig investiertes Depot fließen, desto länger können auch sie am Kapitalmarkt arbeiten. Aus einem jährlichen Zuschuss entsteht damit nicht nur der Zuschuss selbst, sondern möglicherweise über Jahrzehnte zusätzlicher Anlageertrag.

Auch die Auszahlungsphase gehört zur Risikobetrachtung

Die Diskussion über Garantien konzentriert sich häufig vollständig auf die Ansparphase. Altersvorsorge endet jedoch nicht am ersten Rententag. Auch danach muss das aufgebaute Vermögen möglicherweise noch 20, 25 oder 30 Jahre finanzieren.

Im neuen System kann zu Beginn der Auszahlungsphase grundsätzlich zwischen einer lebenslangen Leibrente und einem langfristigen Auszahlungsplan gewählt werden. Ein solcher Auszahlungsplan muss mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr reichen. Nicht ausgezahltes Vermögen kann bei dieser Variante grundsätzlich vererbbar bleiben; nach dem Ende des Auszahlungsplans sind allerdings keine weiteren Leistungen vorgesehen.

Damit entsteht eine zweite wichtige Entscheidungsebene. Die lebenslange Rente reduziert das Risiko, das eigene Vorsorgevermögen zu überleben. Ein Auszahlungsplan bietet dafür mehr Flexibilität und kann die Vererbbarkeit des verbliebenen Vermögens ermöglichen.

Wer ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie auswählt, sollte deshalb nicht ausschließlich auf die höchste mögliche Ansparrendite schauen. Entscheidend ist letztlich, welches verlässliche Alterseinkommen aus dem aufgebauten Vermögen entstehen kann.

Worauf Sparer Angebote ab 2027 prüfen sollten

Wenn die konkreten Produkte auf den Markt kommen, dürfte der Begriff „Altersvorsorgedepot“ allein wenig darüber aussagen, wie gut ein Angebot tatsächlich ist. Anbieter können sich bei Kosten, Fondsauswahl, Risikosteuerung, Wechselmöglichkeiten und späteren Auszahlungsbedingungen unterscheiden.

Besonders relevant sind die Effektivkosten, die Qualität und Breite der verwendeten Fonds, die vorgesehene Aktienquote sowie das Ablaufmanagement. Auch die Frage, wie einfach sich die Anlagestruktur später verändern oder der Anbieter wechseln lässt, verdient Aufmerksamkeit.

Beim Standarddepot nimmt der Gesetzgeber einen Teil dieser Komplexität heraus. Trotzdem bleibt ein Vergleich sinnvoll. Eine gesetzliche Kostenobergrenze bedeutet nicht, dass jedes Produkt automatisch gleich teuer ist. Ein Angebot mit Effektivkosten von beispielsweise 0,5 Prozent kann langfristig einen erheblichen Kostenvorteil gegenüber einem Vertrag haben, der die zulässige Grenze vollständig ausschöpft.

Verbraucher sollten deshalb nicht nur fragen: „Bekomme ich Förderung?“ Die bessere Frage lautet: „Was passiert nach Kosten, Risiko und Steuern tatsächlich mit meinem Geld?“

Häufige Fehler beim Altersvorsorgedepot ohne Garantie

Der erste typische Fehler wäre, „ohne Garantie“ mit „zu riskant“ gleichzusetzen. Eine breit diversifizierte langfristige Kapitalanlage ist etwas anderes als Spekulation. Das Fehlen einer Beitragsgarantie sagt zunächst nur aus, dass der Depotwert zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht zugesichert wird.

Der gegenteilige Fehler wäre ebenso problematisch: Ein breit gestreutes ETF-Portfolio ist nicht risikolos. Wer sich darauf verlässt, dass Aktien bis zu seinem persönlichen Rententermin zwangsläufig im Plus liegen, verwechselt langfristige historische Erfahrungen mit einer Garantie für die Zukunft.

Ein weiterer Fehler besteht darin, allein auf staatliche Zulagen zu achten und Kosten zu vernachlässigen. Eine attraktive Förderung kann über Jahrzehnte teilweise durch hohe Vertrags- und Fondskosten aufgezehrt werden. Gerade deshalb sollte die Effektivkostenquote bei jedem Angebot zu den ersten Kennzahlen gehören, die geprüft werden.

Schließlich sollte auch der Rentenbeginn nicht als fixes Ereignis betrachtet werden, bis zu dem zwangsläufig eine hohe Aktienquote bestehen bleibt. Ein durchdachtes Ablaufmanagement kann das Risiko reduzieren, dass ausgerechnet ein Börsencrash kurz vor der Auszahlungsphase einen großen Teil des aufgebauten Vermögens trifft.

Altersvorsorgedepot oder Garantieprodukt?

Die Entscheidung lässt sich auf einen grundlegenden Zielkonflikt reduzieren: Eine Garantie schafft Planungssicherheit für einen Mindestbetrag. Der Verzicht auf diese Garantie schafft mehr Spielraum für langfristige Rendite.

Wer 30 oder 40 Jahre Anlagezeit besitzt, Kursschwankungen akzeptieren kann und eine breit gestreute, kostengünstige Kapitalmarktanlage bevorzugt, dürfte im Altersvorsorgedepot ohne Garantie grundsätzlich größere Chancen sehen. Wer dagegen Sicherheit über einen bestimmten Mindestbetrag benötigt oder starke Wertverluste psychologisch kaum aushält, kann mit einem Garantieprodukt besser aufgehoben sein.

Dabei muss die Wahl nicht ausschließlich zwischen hundertprozentiger Sicherheit und maximalem Risiko liegen. Mit 80-Prozent-Garantieprodukten, unterschiedlichen Aktienquoten und dem Standarddepot entstehen verschiedene Abstufungen.

Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, welches Produkt allgemein „das beste“ ist. Die bessere Frage lautet, wie viel Sicherheit tatsächlich benötigt wird und welchen Preis man in Form entgangener Renditechancen dafür zu zahlen bereit ist.

Fazit: Mehr Renditechance gibt es nicht ohne Schwankungen

Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie beseitigt einen der größten Zielkonflikte der bisherigen geförderten Altersvorsorge: Kapital muss nicht mehr so angelegt werden, dass zu Rentenbeginn zwingend ein bestimmter Anteil der Beiträge erhalten bleibt. Dadurch können Aktien und ETFs wesentlich stärker für den langfristigen Vermögensaufbau genutzt werden.

Gerade für jüngere Sparer mit mehreren Jahrzehnten Anlagezeit kann das ein entscheidender Vorteil sein. Schon wenige Prozentpunkte Unterschied bei der langfristigen Rendite können durch den Zinseszinseffekt zu erheblich unterschiedlichen Altersvorsorgevermögen führen. Eine Beitragsgarantie kann daher teuer sein, obwohl ihre Kosten nicht unmittelbar auf einer Rechnung erscheinen.

Der Preis für die zusätzliche Renditechance sind echte Kapitalmarktrisiken. Das Depot kann zwischenzeitlich erheblich an Wert verlieren und auch zu einem ungünstigen Zeitpunkt unter den eingezahlten Beiträgen liegen. Deshalb gehören breite Diversifikation, niedrige Kosten, eine passende Risikostruktur und ein vernünftiges Ablaufmanagement zusammen.

Ob eine Garantie sinnvoll ist, sollte deshalb nicht aus dem Bauch heraus entschieden werden. Sicherheit besitzt einen Wert – aber auch einen Preis. Das Altersvorsorgedepot macht diesen Zielkonflikt ab 2027 deutlich sichtbarer und gibt Sparern erstmals innerhalb der geförderten privaten Altersvorsorge die Möglichkeit, bewusst mehr Kapitalmarktrisiko für höhere langfristige Renditechancen einzugehen.

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot ohne Garantie

Beim Altersvorsorgedepot entstehen vor allem Fragen dazu, was der Verzicht auf eine Garantie praktisch bedeutet, wie hoch das Verlustrisiko ist und ob eine solche Vorsorge auch für sicherheitsorientierte Sparer geeignet sein kann.

Kann ich beim Altersvorsorgedepot meine gesamten Einzahlungen verlieren?

Bei einer breit gestreuten Fondsanlage wäre ein vollständiger Verlust äußerst ungewöhnlich, eine gesetzliche oder vertragliche Garantie für den Erhalt der Einzahlungen besteht beim garantiefreien Altersvorsorgedepot jedoch nicht. Auch erhebliche zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, hängt wesentlich von der gewählten Kapitalanlage ab.

Ist ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie dasselbe wie ein ETF-Sparplan?

Nein. Zwar können ETFs eine wichtige Rolle spielen, das Altersvorsorgedepot ist jedoch ein gesetzlich regulierter und steuerlich geförderter Altersvorsorgevertrag. Es gelten besondere Regeln für Förderung, zulässige Anlagen und die spätere Auszahlung.

Gibt es beim Standarddepot eine Beitragsgarantie?

Nein. Auch das Standarddepot kann ohne Beitragsgarantie geführt werden. Es besitzt jedoch voreingestellte Anlagebausteine und ein Ablaufmanagement, das das Risiko in Richtung Rentenbeginn schrittweise reduzieren soll.

Sind Garantieprodukte ab 2027 abgeschafft?

Nein. Neben dem Altersvorsorgedepot bleiben Garantieprodukte möglich. Vorgesehen sind Varianten mit einer Garantie von 100 Prozent oder 80 Prozent der eingezahlten Beiträge zu Beginn der Auszahlungsphase.

Kann ein Altersvorsorgedepot kurz vor der Rente noch Verluste machen?

Ja. Ohne Garantie sind Verluste grundsätzlich auch kurz vor Rentenbeginn möglich. Deshalb ist die schrittweise Reduzierung des Kapitalmarktrisikos in den letzten Jahren der Ansparphase besonders wichtig.

Ist eine hohe Aktienquote für junge Sparer grundsätzlich besser?

Eine hohe Aktienquote bietet langfristig größere Renditechancen, verursacht aber auch stärkere Wertschwankungen. Sie ist nur sinnvoll, wenn die Verluste finanziell und psychologisch ausgehalten werden können und ausreichend Anlagezeit vorhanden ist.

Sind die Kosten bei jedem Altersvorsorgedepot auf ein Prozent begrenzt?

Nein. Die Begrenzung der Effektivkosten auf höchstens 1,0 Prozent gilt für das Standarddepot. Bei anderen Angeboten müssen Sparer die Kostenstruktur des konkreten Produkts besonders sorgfältig prüfen.

Was ist wichtiger: Garantie oder Rendite?

Das hängt vor allem von Laufzeit, Risikobereitschaft und persönlicher Planungssicherheit ab. Je länger die Ansparphase, desto stärker spricht vieles für die Nutzung von Kapitalmarktchancen. Je kürzer die verbleibende Laufzeit und je höher das Sicherheitsbedürfnis, desto wichtiger kann dagegen eine Garantie werden.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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