Einzelaktien oder ETF – was ist besser?

Ein breit gestreuter ETF ist für viele Anleger die einfachere Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau. Einzelaktien bieten dagegen mehr Gestaltungsspielraum und höhere Chancen bei einzelnen Unternehmen – verlangen aber deutlich mehr Auswahl, Kontrolle und Risikobewusstsein.

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Wer Geld an der Börse investieren möchte, steht schnell vor einer grundlegenden Entscheidung: Soll das Kapital auf einzelne Unternehmen verteilt werden oder reicht ein ETF, der mit einem einzigen Wertpapier Dutzende, Hunderte oder sogar Tausende Aktien bündelt? Beide Varianten investieren letztlich in Unternehmen. Trotzdem unterscheiden sie sich erheblich darin, wie stark einzelne Fehlentscheidungen das Depot treffen können und wie viel Arbeit der Anleger selbst übernehmen muss.

Für viele Privatanleger spricht deshalb viel dafür, einen breit gestreuten Aktien-ETF als Kern des Depots zu verwenden. Nicht weil ETFs automatisch höhere Renditen liefern oder weniger schwanken müssten, sondern weil sich das Risiko einzelner Unternehmen sehr viel einfacher verteilen lässt. Wer dagegen gezielt Einzelaktien auswählt, kann erfolgreicher als der breite Markt abschneiden – muss aber ebenso akzeptieren, dass die eigene Auswahl schlechter laufen kann.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht nur: Einzelaktien oder ETF – was bringt mehr Rendite? Entscheidend ist vielmehr, welche Risiken man übernehmen möchte, wie viel Zeit man investieren kann und ob man überhaupt versuchen will, bessere Unternehmen als der Markt auszuwählen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Risikoverteilung

Eine Aktie steht für die Beteiligung an einem einzelnen Unternehmen. Wer beispielsweise 5.000 Euro vollständig in eine Aktie investiert, hängt mit diesem Betrag von der wirtschaftlichen Entwicklung genau dieses Unternehmens ab. Steigen Umsatz und Gewinne über Jahre deutlich, kann das sehr attraktiv sein. Gerät das Unternehmen dagegen in Schwierigkeiten, können erhebliche Verluste entstehen.

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Bei einem breit aufgestellten ETF verteilt sich das investierte Geld dagegen auf zahlreiche Unternehmen. Wie breit diese Streuung tatsächlich ausfällt, hängt vom zugrunde liegenden Index ab. Ein ETF auf einen einzelnen Branchenindex ist beispielsweise etwas völlig anderes als ein globaler Aktien-ETF mit Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Wirtschaftszweigen.

Genau darin liegt der wichtigste Vorteil eines breit gestreuten ETFs: Das Schicksal eines einzelnen Unternehmens hat für das gesamte Depot normalerweise wesentlich weniger Bedeutung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein ETF sicher ist. Fallen die Aktienmärkte weltweit kräftig, kann auch ein global diversifizierter Aktien-ETF deutlich an Wert verlieren. Diversifikation schützt vor allem davor, dass der Niedergang eines einzelnen Unternehmens einen großen Teil des Vermögens vernichtet. Das allgemeine Börsen- und Marktrisiko bleibt bestehen.

Einzelaktien und ETF im direkten Vergleich

Für die Entscheidung hilft es, nicht nur mögliche Renditen zu betrachten. Aufwand, Risikokonzentration und die Anforderungen an den Anleger unterscheiden sich mindestens ebenso deutlich.

Kriterium Einzelaktien Breit gestreuter Aktien-ETF
Diversifikation Muss selbst aufgebaut werden Je nach Index bereits sehr breit
Einzelunternehmensrisiko Vergleichsweise hoch Stark verteilt
Marktverluste möglich Ja Ja
Chance, den Markt zu schlagen Ja Im Regelfall nicht das Ziel
Risiko, deutlich schlechter als der Markt abzuschneiden Höher Bei marktbreiter Abbildung geringer
Analyseaufwand Hoch Vergleichsweise gering
Laufende Kontrolle Unternehmen regelmäßig prüfen Meist deutlich weniger aufwendig
Laufende Produktkosten Keine Fondsgebühr, aber Handelskosten möglich Laufende Fondskosten plus mögliche Handelskosten
Sparplan Je nach Broker und Aktie Bei vielen ETFs möglich
Einfluss auf einzelne Unternehmen Hoch Gering
Geeignet als einfache Kernanlage Nur mit ausreichender Streuung Häufig gut umsetzbar

Die Unterschiede zeigen, weshalb die Diskussion über Einzelaktien und ETFs nicht allein über Renditen geführt werden sollte. Eine Aktie kann sich vervielfachen. Sie kann aber ebenso einen großen Teil ihres Wertes verlieren. Bei einem breit gestreuten ETF werden solche extremen Entwicklungen einzelner Unternehmen innerhalb eines größeren Portfolios abgefedert.

Warum ein ETF für viele Anleger die einfachere Basis ist

Wer einen breit diversifizierten ETF kauft, muss nicht vorab entscheiden, welches einzelne Unternehmen in zehn oder zwanzig Jahren zu den Gewinnern gehören wird. Stattdessen beteiligt sich der Anleger an einem größeren Ausschnitt des Aktienmarktes.

Das ist ein erheblicher Unterschied. Bei Einzelaktien muss nicht nur erkannt werden, welches Unternehmen gute Zukunftsaussichten besitzt. Auch der Kaufpreis spielt eine Rolle. Ein hervorragendes Unternehmen kann eine enttäuschende Geldanlage sein, wenn Anleger dafür einen sehr hohen Preis bezahlen. Umgekehrt kann ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein, während sich seine Aktie über längere Zeit schwach entwickelt.

Bei einem breit gestreuten ETF verteilt sich dieses Auswahlproblem auf viele Unternehmen. Schwache Unternehmen können weiterhin Verluste verursachen, haben aber normalerweise ein geringeres Gewicht für das Gesamtportfolio. Gleichzeitig profitiert das Depot von Unternehmen, die sich besonders erfolgreich entwickeln.

Das macht ETFs gerade für Anleger interessant, die langfristig am Aktienmarkt investieren möchten, aber weder Geschäftsberichte analysieren noch regelmäßig einzelne Unternehmen überwachen wollen.

Ein ETF nimmt dem Anleger allerdings nicht jede Entscheidung ab. Der zugrunde liegende Index, die regionale Verteilung, Kosten, Fondsgröße und gegebenenfalls Ausschüttungsart bleiben relevante Auswahlkriterien. Ein vermeintlich einfacher ETF auf einen sehr konzentrierten Markt kann außerdem deutlich weniger diversifiziert sein, als der Begriff ETF zunächst vermuten lässt.

Einzelaktien können besser laufen – aber genau darin steckt das Risiko

Der Reiz von Einzelaktien ist leicht nachvollziehbar. Wer frühzeitig ein außergewöhnlich erfolgreiches Unternehmen auswählt und die Aktie lange hält, kann eine Rendite erzielen, die ein breit gestreuter Marktindex deutlich übertrifft.

Dieser Vorteil besitzt jedoch eine Kehrseite: Wer einzelne Unternehmen auswählt, kann nicht nur besser, sondern auch schlechter als der Markt abschneiden.

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den Unterschied. Angenommen, ein Anleger besitzt zehn Aktienpositionen zu jeweils 2.000 Euro. Das Depot hat damit einen Wert von 20.000 Euro. Eine der Aktien verliert aufgrund schwerwiegender Unternehmensprobleme 80 Prozent ihres Wertes. Alle anderen Positionen bleiben in diesem Beispiel unverändert.

Aus den ursprünglich 2.000 Euro dieser Position werden 400 Euro. Das Gesamtdepot sinkt auf 18.400 Euro – allein dieses Unternehmen verursacht damit einen Depotverlust von 8 Prozent.

Bei nur fünf gleich großen Aktienpositionen wäre derselbe Unternehmensverlust wesentlich gravierender. Eine Position hätte dann einen Anteil von 20 Prozent am Depot. Verliert diese Aktie 80 Prozent, reduziert sich der Gesamtwert des Depots allein dadurch um 16 Prozent.

Das Beispiel verdeutlicht, warum zehn oder zwanzig Aktien nicht automatisch dasselbe Risikoprofil bieten wie ein breit gestreuter ETF. Entscheidend ist außerdem, ob die Unternehmen tatsächlich aus unterschiedlichen Branchen, Ländern und Geschäftsmodellen stammen. Zehn Technologieaktien sind zehn Unternehmen, aber noch lange kein breit diversifiziertes Portfolio.

Die Zahl der Aktien allein sagt wenig über die Diversifikation aus

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Diversifikation ausschließlich über die Anzahl der Depotpositionen zu beurteilen. Ein Depot aus 20 Einzelaktien kann durchaus breit aufgestellt sein. Es kann aber ebenso stark konzentriert bleiben.

Besitzt ein Anleger beispielsweise überwiegend deutsche Automobilhersteller, Zulieferer, Chemiekonzerne und Industrieunternehmen, können viele Positionen gleichzeitig von ähnlichen wirtschaftlichen Entwicklungen getroffen werden. Konjunktureinbrüche, Energiepreise, Exportprobleme oder Veränderungen in bestimmten Absatzmärkten wirken möglicherweise auf mehrere Unternehmen gleichzeitig.

Auch bei ETFs lohnt deshalb ein Blick unter die Oberfläche. Ein ETF mit 100 Positionen muss nicht automatisch besser diversifiziert sein als einer mit 500. Entscheidend sind unter anderem die Gewichtung der größten Unternehmen, Länder- und Branchenkonzentrationen sowie die Regeln des zugrunde liegenden Index.

Bei einem nach Marktkapitalisierung gewichteten ETF besitzen besonders große börsennotierte Unternehmen automatisch ein höheres Gewicht. Ein globaler ETF verteilt das Kapital deshalb nicht gleichmäßig auf sämtliche enthaltenen Aktien. Trotzdem kann die Streuung erheblich breiter sein, als sie die meisten Privatanleger mit einigen selbst ausgewählten Aktien erreichen.

Wie viel Aufwand verursachen Einzelaktien wirklich?

Eine Einzelaktie sollte nicht allein deshalb gekauft werden, weil der Markenname bekannt ist oder sich der Aktienkurs in der Vergangenheit gut entwickelt hat. Wer einzelne Unternehmen auswählt, übernimmt im Grunde selbst einen Teil der Arbeit eines Portfoliomanagers.

Dazu gehört zumindest ein grundlegendes Verständnis des Geschäftsmodells. Anleger sollten beurteilen können, womit das Unternehmen sein Geld verdient, wie sich Umsatz und Profitabilität entwickeln, welche Schulden bestehen, wie stark der Wettbewerb ist und welche Risiken das Geschäftsmodell bedrohen könnten. Auch die Bewertung der Aktie gehört dazu: Ein gutes Unternehmen ist nicht zwangsläufig zu jedem Kurs ein guter Kauf.

Damit endet die Arbeit nach dem Kauf nicht. Die ursprüngliche Investmentthese kann sich verändern. Neue Wettbewerber können entstehen, Margen sinken, Schulden steigen oder ein ehemals wachsender Markt kann stagnieren. Wer Einzelaktien langfristig hält, sollte deshalb unterscheiden können, ob ein Kursrückgang lediglich eine normale Börsenschwankung darstellt oder ob sich das Unternehmen fundamental verschlechtert hat.

Bei einem breit gestreuten ETF fällt dieser unternehmensbezogene Aufwand weitgehend weg. Das ist kein nebensächlicher Komfortvorteil. Gerade bei langen Anlagezeiträumen kann eine Strategie wertvoll sein, die auch dann noch funktioniert, wenn Anleger zeitweise wenig Interesse oder Zeit für die Börse haben.

Kosten: Einzelaktien sind nicht automatisch günstiger als ETFs

Auf den ersten Blick scheinen Einzelaktien einen klaren Kostenvorteil zu besitzen. Bei einer Aktie fällt keine jährliche Fondsgebühr an. Ein ETF besitzt dagegen laufende Kosten, die häufig über die Gesamtkostenquote beziehungsweise TER angegeben werden.

Damit ist die Kostenfrage aber noch nicht vollständig beantwortet.

Wer ein Portfolio aus vielen Einzelaktien selbst aufbaut, benötigt mehrere Käufe. Spätere Umschichtungen, Nachkäufe und gegebenenfalls Verkäufe können zusätzliche Orderkosten verursachen. Auch der Spread – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs – spielt beim Handel eine Rolle. Wie relevant diese Kosten sind, hängt stark vom Broker, der Ordergröße und dem jeweiligen Wertpapier ab.

Bei einem ETF entstehen ebenfalls Handelskosten und Spreads. Hinzu kommen die laufenden Fondskosten. Bei kostengünstigen marktbreiten ETFs können diese laufenden Kosten allerdings vergleichsweise niedrig sein.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Beträgt die laufende Kostenquote eines ETFs 0,20 Prozent pro Jahr, entsprechen das bei einem Anlagebetrag von 20.000 Euro rechnerisch zunächst etwa 40 Euro jährlich. Bei 100.000 Euro wären es etwa 200 Euro. Die tatsächliche Abweichung des Fonds von seinem Index lässt sich allerdings nicht allein anhand der TER beurteilen; hierfür ist auch die tatsächliche Tracking Difference relevant.

Bei Einzelaktien entfällt diese Fondsgebühr. Dafür übernimmt der Anleger Auswahl, Gewichtung, Überwachung und gegebenenfalls Anpassung des Portfolios selbst.

Rendite: Warum der Vergleich schwieriger ist, als er aussieht

Bei der Frage „Was bringt mehr Rendite – Aktien oder ETF?“ steckt bereits ein Problem in der Formulierung. Auch ein Aktien-ETF besteht schließlich aus Aktien. Verglichen werden deshalb nicht zwei grundsätzlich unterschiedliche Anlageklassen, sondern zwei verschiedene Methoden, Aktien auszuwählen und zu bündeln.

Ein marktbreiter ETF versucht üblicherweise nicht, besonders aussichtsreiche Unternehmen herauszufiltern. Er bildet einen Index möglichst genau ab. Wer Einzelaktien kauft, trifft dagegen aktive Entscheidungen und weicht zwangsläufig von der Gewichtung des breiten Marktes ab.

Dadurch entsteht die Chance auf eine Überrendite – und gleichzeitig das Risiko einer Unterrendite.

Nehmen wir als reine Modellrechnung zwei Anleger, die jeweils 20.000 Euro investieren und anschließend 20 Jahre investiert bleiben. Anleger A erreicht nach Kosten durchschnittlich 7 Prozent Rendite pro Jahr, Anleger B aufgrund seiner Aktienauswahl 9 Prozent.

Aus den 20.000 Euro würden bei 7 Prozent rechnerisch rund 77.400 Euro. Bei 9 Prozent wären es rund 112.100 Euro. Zwei Prozentpunkte mehr Rendite pro Jahr würden über 20 Jahre in diesem Modell also einen Unterschied von fast 35.000 Euro erzeugen.

Doch genau hier liegt die entscheidende Unsicherheit: Vorher weiß niemand, welcher Anleger tatsächlich die höhere Rendite erzielen wird.

Erreicht das Einzelaktiendepot statt 7 Prozent beispielsweise nur 5 Prozent jährlich, wären nach 20 Jahren lediglich rund 53.100 Euro vorhanden. Schon zwei Prozentpunkte Unterrendite wirken über lange Zeiträume erheblich.

Für die Entscheidung ist deshalb nicht die theoretische Möglichkeit einer höheren Rendite entscheidend. Die wichtigere Frage lautet: Wie realistisch ist es, dass die eigene Aktienauswahl nach Kosten, Fehlern und Fehlentscheidungen langfristig besser abschneidet als eine breit gestreute Alternative?

Einzelaktien haben ein Risiko, das ein breiter ETF stark reduzieren kann

Aktienkurse schwanken aus unterschiedlichen Gründen. Einige Risiken betreffen nahezu den gesamten Markt: Rezessionen, Finanzkrisen, geopolitische Konflikte oder starke Änderungen der Zinsen können viele Unternehmen gleichzeitig treffen.

Dieses Marktrisiko lässt sich durch einen Aktien-ETF nicht beseitigen.

Daneben existieren jedoch unternehmensspezifische Risiken. Ein wichtiger Kunde kann verloren gehen, ein Produkt scheitern, das Management Fehlentscheidungen treffen oder ein Konkurrent das Geschäftsmodell unter Druck setzen. Im Extremfall kann ein Unternehmen insolvent werden.

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Dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation deutlich reduzieren.

Besitzt ein Anleger nur wenige Aktien, kann ein einzelner Unternehmensskandal das Depot erheblich belasten. Bei einem sehr breit gestreuten ETF besitzt ein einzelnes kleineres Unternehmen dagegen häufig nur einen geringen Anteil am Gesamtportfolio. Selbst ein vollständiger Wertverlust wäre dann für das gesamte Depot wesentlich leichter verkraftbar.

Genau deshalb sollte die mögliche höhere Rendite einer Einzelaktie nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist immer, welches zusätzliche Risiko für diese Chance übernommen wird.

Warum kleine Anlagebeträge besonders für ETFs sprechen können

Mit einem überschaubaren Anlagebetrag ist es schwieriger, ein breit gestreutes Einzelaktiendepot aufzubauen. Wer beispielsweise 3.000 Euro auf 20 Unternehmen verteilen möchte, könnte durchschnittlich lediglich 150 Euro pro Position investieren. Abhängig vom Broker und von der Handelbarkeit von Bruchstücken ist das nicht immer sinnvoll oder praktisch.

Mit einem breit gestreuten ETF lassen sich dagegen bereits kleinere Beträge auf zahlreiche Unternehmen verteilen. ETF-Sparpläne ermöglichen zudem regelmäßige Investitionen mit vergleichsweise kleinen Monatsraten.

Das ist besonders für Anleger relevant, die beispielsweise 100, 200 oder 300 Euro monatlich investieren möchten. Statt jeden Monat entscheiden zu müssen, welche einzelne Aktie gekauft werden soll, kann ein Sparplan den Betrag automatisiert investieren.

Mit wachsendem Vermögen ändern sich die Möglichkeiten. Wer beispielsweise ein Depot von 200.000 Euro besitzt, kann leichter mehrere Einzelpositionen mit sinnvollen Beträgen aufbauen als jemand mit einem Depot von 5.000 Euro. Die grundlegende Frage nach dem zusätzlichen Unternehmensrisiko bleibt trotzdem bestehen.

Steuern unterscheiden sich in wichtigen Details

Für private Anleger in Deutschland unterliegen Kapitalerträge grundsätzlich der Kapitalertragsteuer. Der Steuerabzug beträgt grundsätzlich 25 Prozent, hinzu kommen gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Bis zum Sparer-Pauschbetrag können entsprechende Kapitalerträge steuerfrei bleiben. Dieser beträgt derzeit 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro für zusammenveranlagte Ehegatten.

Bei Aktienfonds kommt eine Besonderheit hinzu: Erfüllt ein Fonds die steuerlichen Voraussetzungen eines Aktienfonds, sind für Privatanleger grundsätzlich 30 Prozent der Erträge von der Besteuerung freigestellt. Diese sogenannte Teilfreistellung soll unter anderem die steuerliche Belastung auf Fondsebene berücksichtigen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein ETF steuerlich immer günstiger ist als Einzelaktien. Fonds können außerdem der Vorabpauschale unterliegen. Bei ausländischen Einzelaktien können wiederum Quellensteuern auf Dividenden eine Rolle spielen.

Steuern sollten deshalb nicht zum alleinigen Entscheidungskriterium zwischen Einzelaktien und ETF werden. Für die langfristige Anlagestrategie sind Risikoverteilung, Kosten, Anlagehorizont und die Fähigkeit, die gewählte Strategie durchzuhalten meist wesentlich grundlegender.

Wann Einzelaktien sinnvoll sein können

Einzelaktien können gut zu Anlegern passen, die sich bewusst mit Unternehmen beschäftigen möchten und bereit sind, Verantwortung für ihre Auswahl zu übernehmen. Entscheidend ist, dass der Kauf nicht lediglich auf einem bekannten Markennamen, einem Aktientipp oder einer starken vergangenen Kursentwicklung basiert.

Wer Geschäftsmodelle analysieren kann, Bilanzen zumindest in ihren wesentlichen Punkten versteht und Unternehmensbewertungen einordnen möchte, findet mit Einzelaktien wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als mit einem marktbreiten ETF. Bestimmte Branchen oder Unternehmen können gezielt höher gewichtet oder vollständig ausgeschlossen werden.

Auch persönliche Überzeugungen lassen sich genauer abbilden. Ein Anleger kann beispielsweise bewusst Unternehmen auswählen, deren Geschäftsmodell er besonders attraktiv findet.

Diese Freiheit hat jedoch einen Preis: Jede Abweichung vom breiten Markt schafft die Möglichkeit, besser oder schlechter als dieser Markt abzuschneiden. Wer damit nicht leben möchte, gewinnt durch die zusätzliche Auswahlfreiheit wenig.

Wann ein ETF meist besser zur Situation passt

Ein breit gestreuter ETF ist besonders naheliegend, wenn der Anleger langfristig am Aktienmarkt beteiligt sein möchte, ohne regelmäßig einzelne Unternehmen analysieren zu müssen.

Das betrifft beispielsweise Berufstätige, die monatlich einen festen Betrag investieren möchten und eine möglichst wartungsarme Lösung suchen. Auch Börseneinsteiger profitieren davon, dass sie nicht bereits zu Beginn entscheiden müssen, welche fünf oder zehn Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten besonders erfolgreich sein werden.

Ein ETF kann außerdem helfen, emotionale Entscheidungen zu reduzieren. Bei Einzelaktien entsteht schnell eine persönliche Bindung an bestimmte Unternehmen. Anleger suchen dann mitunter gezielt nach Argumenten, die ihre ursprüngliche Kaufentscheidung bestätigen. Bei einem breit gestreuten Marktportfolio spielt das Schicksal eines einzelnen Unternehmens eine wesentlich geringere Rolle.

Automatisch rational wird das Verhalten dadurch allerdings nicht. Auch ETF-Anleger können in Börsenkrisen aus Angst verkaufen, Trends hinterherlaufen oder ständig zwischen Fonds wechseln. Die technische Einfachheit eines ETFs ersetzt deshalb keine vernünftige Anlagestrategie.

ETF und Einzelaktien lassen sich miteinander kombinieren

Die Entscheidung muss nicht zwingend „entweder oder“ lauten. Eine häufig gut nachvollziehbare Lösung ist ein sogenannter Core-Satellite-Ansatz.

Dabei bildet ein breit gestreuter ETF den Kern des Depots. Einzelaktien werden als kleinere Ergänzung hinzugefügt. Dadurch bleibt ein großer Teil des Vermögens diversifiziert, während der Anleger trotzdem einzelne Unternehmen auswählen kann.

Ein beispielhaftes Depot von 50.000 Euro könnte etwa zu 80 Prozent aus einer breit gestreuten ETF-Anlage und zu 20 Prozent aus Einzelaktien bestehen. 40.000 Euro bilden dann den diversifizierten Kern, während 10.000 Euro für gezielte Unternehmensinvestments zur Verfügung stehen.

Diese Aufteilung ist keine allgemeine Empfehlung und 80/20 keine optimale Quote für jeden Anleger. Sie zeigt lediglich das Prinzip. Auch 90/10, 70/30 oder ein vollständig ETF-basiertes Depot können je nach Strategie sinnvoll sein.

Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass ein Anleger sein Interesse an Einzelaktien ausleben kann, ohne automatisch sein gesamtes Vermögen von der Qualität der eigenen Aktienauswahl abhängig zu machen.

Dabei sollte allerdings regelmäßig geprüft werden, wie groß der Einzelaktienanteil tatsächlich geworden ist. Entwickelt sich eine einzelne Position außergewöhnlich stark, kann sie irgendwann einen erheblichen Anteil am Gesamtvermögen ausmachen. Aus einer ursprünglich kleinen Ergänzung entsteht dann möglicherweise unbemerkt ein Klumpenrisiko.

Vier typische Fehler bei der Entscheidung

Der erste Fehler besteht darin, vergangene Gewinner mit zukünftigen Gewinnern gleichzusetzen. Eine Aktie, die in den vergangenen fünf Jahren außergewöhnlich gut gelaufen ist, muss diese Entwicklung nicht wiederholen. Ein hoher Kurs kann bereits große Erwartungen an die Zukunft enthalten.

Ein zweiter Fehler ist Scheindiversifikation. Wer zehn Aktien aus ähnlichen Branchen oder ausschließlich aus einem einzigen Land hält, besitzt zwar mehrere Wertpapiere, aber nicht zwangsläufig ein gut diversifiziertes Portfolio. Dasselbe gilt für stark spezialisierte ETFs.

Der dritte Fehler betrifft die eigene Risikotoleranz. Einzelaktien können wesentlich stärker schwanken als ein breit gestreutes Portfolio. Eine Strategie funktioniert nur dann langfristig, wenn der Anleger solche Bewegungen tatsächlich aushält. Wer nach einem Kursverlust von 40 Prozent panisch verkauft, hat wenig davon, dass seine ursprüngliche Unternehmensanalyse theoretisch richtig gewesen sein könnte.

Besonders problematisch ist schließlich der Versuch, Verluste durch immer größere Nachkäufe auszugleichen. Ein niedrigerer Aktienkurs macht ein Unternehmen nicht automatisch attraktiver. Hat sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, kann ein Nachkauf das bestehende Risiko sogar erhöhen.

Eine einfache Entscheidungshilfe für das eigene Depot

Wer zwischen Einzelaktien und ETF schwankt, sollte sich weniger fragen, welche Variante spannender ist. Hilfreicher ist eine nüchterne Prüfung der eigenen Voraussetzungen.

  1. Möchte ich Unternehmen regelmäßig analysieren? Wer darauf keine Lust hat, hat mit einem breit gestreuten ETF wahrscheinlich die robustere Ausgangsbasis.
  2. Kann ich erhebliche Verluste einzelner Positionen akzeptieren? Bei Einzelaktien gehört dieses Risiko zur Strategie. Auch wirtschaftlich etablierte Unternehmen können stark an Wert verlieren.
  3. Ist mein Anlagebetrag groß genug für eine sinnvolle Streuung? Kleine Sparraten lassen sich mit ETFs häufig einfacher breit diversifizieren.
  4. Will ich den Markt schlagen oder an seiner Entwicklung teilnehmen? Einzelaktien ermöglichen bewusste Abweichungen vom Markt. Ein marktbreiter ETF akzeptiert dagegen im Wesentlichen die Entwicklung des abgebildeten Index.
  5. Kann ich meine Entscheidungen sachlich überprüfen? Wer an einer Aktie festhält, nur weil er sie bereits besitzt oder einen Verlust nicht realisieren möchte, riskiert emotionale Fehlentscheidungen.

Wer bei mehreren dieser Fragen unsicher ist, muss Einzelaktien deshalb nicht vollständig ausschließen. Ein breit diversifizierter ETF kann zunächst die Grundlage bilden. Einzelaktien lassen sich später ergänzen, wenn Erfahrung, Interesse und Depotgröße wachsen.

Fazit: Für viele Anleger ist der ETF die robustere Basis

Zwischen Einzelaktien und ETF gibt es keinen Renditeautomatismus. Eine hervorragend ausgewählte Aktie kann einen breit gestreuten ETF deutlich schlagen. Eine schlechte Aktienauswahl kann dagegen über viele Jahre erhebliche Rendite kosten oder im Extremfall zu einem nahezu vollständigen Verlust der jeweiligen Position führen.

Für viele Anleger ist deshalb ein breit gestreuter Aktien-ETF die einfachere und robustere Grundlage für langfristiges Investieren. Er reduziert den Analyseaufwand und verteilt das unternehmensspezifische Risiko wesentlich breiter. Das allgemeine Aktienmarktrisiko bleibt trotzdem bestehen – auch ein ETF kann zeitweise erheblich an Wert verlieren.

Einzelaktien werden vor allem dann interessant, wenn die Auswahl einzelner Unternehmen bewusst Teil der Strategie sein soll. Wer sich mit Geschäftsmodellen, Bewertungen und Unternehmensrisiken beschäftigen möchte, kann sie entweder als eigenständige Strategie einsetzen oder einem ETF-Kern beimischen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Wertpapiere zu besitzen, sondern zu verstehen, welche Risiken im eigenen Depot tatsächlich konzentriert sind.

Häufige Fragen zu Einzelaktien oder ETF

Einige Fragen tauchen bei der Entscheidung zwischen einem selbst zusammengestellten Aktiendepot und einem ETF besonders häufig auf. Dabei geht es vor allem um Rendite, Diversifikation und die sinnvolle Kombination beider Ansätze.

Sind ETFs sicherer als Einzelaktien?

Ein breit gestreuter ETF reduziert das Risiko, dass die Probleme eines einzelnen Unternehmens das gesamte Depot stark belasten. Sicher im Sinne einer garantierten Wertentwicklung ist er deshalb nicht. Fällt der gesamte Aktienmarkt, kann auch ein ETF erhebliche Verluste erleiden.

Kann man mit Einzelaktien mehr verdienen als mit ETFs?

Ja. Eine erfolgreiche Aktienauswahl kann deutlich besser abschneiden als ein breiter Marktindex. Umgekehrt kann sie ebenso deutlich schlechter laufen. Die Chance auf eine Überrendite entsteht gerade dadurch, dass der Anleger von der Zusammensetzung des Marktes abweicht.

Wie viele Einzelaktien braucht man für ein diversifiziertes Depot?

Eine bestimmte Zahl garantiert keine ausreichende Diversifikation. Neben der Anzahl sind Branchen, Länder, Geschäftsmodelle und die Gewichtung der einzelnen Positionen entscheidend. 20 sehr ähnliche Unternehmen können stärker konzentriert sein als ein deutlich breiter aufgestelltes Portfolio.

Kann man ETF und Einzelaktien gleichzeitig besitzen?

Ja. Eine mögliche Strategie besteht darin, einen breit gestreuten ETF als Kern des Depots zu nutzen und Einzelaktien als kleinere Ergänzung hinzuzunehmen. So lässt sich eine breite Basis mit gezielten Unternehmensinvestments kombinieren.

Sind Einzelaktien günstiger als ETFs?

Einzelaktien besitzen keine laufende Fondsgebühr. Dafür können bei Aufbau und Pflege eines größeren Aktiendepots Handelskosten und Spreads entstehen. ETFs verursachen ebenfalls Handelskosten und zusätzlich laufende Fondskosten, die bei günstigen marktbreiten Produkten vergleichsweise niedrig sein können.

Lohnt sich ein ETF auch mit 100 Euro monatlich?

Gerade kleinere regelmäßige Sparbeträge lassen sich über ETF-Sparpläne vergleichsweise einfach breit verteilen. Ob ein konkreter Sparplan sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Anlagehorizont, der persönlichen Risikotragfähigkeit, den Kosten und dem gewählten ETF ab.

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Sollte man Einzelaktien verkaufen und alles in ETFs investieren?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Vor einem Verkauf sollten unter anderem die bisherige Depotstruktur, vorhandene Gewinne oder Verluste, steuerliche Folgen und die gewünschte zukünftige Strategie betrachtet werden. Eine Umstellung muss außerdem nicht zwingend auf einmal erfolgen.

Was ist für Anfänger besser: Aktien oder ETF?

Für viele Einsteiger ist ein breit gestreuter ETF leichter zu handhaben, weil nicht sofort einzelne Unternehmen ausgewählt und laufend analysiert werden müssen. Wer sich intensiv mit Unternehmensanalyse beschäftigen möchte, kann parallel Erfahrungen mit Einzelaktien sammeln, ohne dafür zwangsläufig den gesamten Anlagebetrag einzusetzen.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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