Frühstart-Rente: Kann man die Geldanlage selbst auswählen?

Eltern sollen beim individuellen Frühstart-Renten-Depot Einfluss auf die Anlagestrategie haben. Eine völlig freie Auswahl beliebiger ETFs, Aktien oder anderer Wertpapiere ist innerhalb des geförderten Standarddepots jedoch nicht vorgesehen.

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Ja, die Geldanlage der Frühstart-Rente soll sich teilweise selbst auswählen beziehungsweise steuern lassen. Entscheidend ist allerdings, was unter „selbst auswählen“ verstanden wird. Eltern sollen einen Anbieter für das Frühstart-Renten-Depot ihres Kindes auswählen können und beim dort verwendeten Standarddepot Einfluss darauf haben, wie das Geld zwischen zwei Anlagebausteinen verteilt wird. Welche beiden Fonds überhaupt zur Verfügung stehen, bestimmt jedoch der jeweilige Anbieter.

Ein klassisches Wertpapierdepot, in dem Eltern beispielsweise aus Hunderten ETFs einen beliebigen Welt-ETF auswählen, zusätzlich einen Anleihen-ETF kaufen und später einzelne Positionen austauschen können, ist die geförderte Frühstart-Rente damit nicht. Das Konzept setzt bewusst auf ein vereinfachtes Standardprodukt mit eingeschränkten Wahlmöglichkeiten.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, weil die Frühstart-Rente häufig als staatlich gefördertes Kinderdepot beschrieben wird. Tatsächlich soll die staatliche Förderung nach dem derzeitigen Gesetzentwurf ausschließlich in einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge fließen. Stand 14. September 2026 befindet sich das Frühstartrentengesetz noch im parlamentarischen Verfahren. Der Gesetzentwurf wurde am 12. August 2026 vom Bundeskabinett beschlossen und Anfang September in den Bundestag eingebracht. Einzelheiten können sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren daher noch verändern.

Wie viel Auswahl gibt es bei der Frühstart-Rente?

Das vorgesehene Standarddepot verfolgt einen Mittelweg. Auf der einen Seite sollen Eltern nicht jede einzelne Anlageentscheidung selbst treffen müssen. Auf der anderen Seite soll die Geldanlage auch nicht vollständig starr vorgegeben sein.

Dafür enthält das Standarddepot zwei unterschiedliche Investmentfonds. Einer ist stärker auf Sicherheit beziehungsweise geringere Schwankungen ausgerichtet. Der andere soll höhere Kapitalmarktrisiken eingehen und dadurch größere Renditechancen ermöglichen. Welche konkreten Fonds dafür verwendet werden, legt der Anbieter des Standarddepots fest.

Die Anleger können anschließend beeinflussen, wie die Beiträge zwischen diesen beiden Fonds verteilt werden. Wer keine eigene Entscheidung trifft, übernimmt die vom Anbieter vorgesehene Standardaufteilung. Wer davon abweichen möchte, kann eine andere Gewichtung wählen. Nach der Konzeption des Standarddepots kann grundsätzlich auch die vollständige Anlage in nur einen der beiden vorgesehenen Fonds möglich sein.

Praktisch bedeutet das: Eltern wählen nicht unbedingt den konkreten ETF, können aber innerhalb des vom Anbieter vorgegebenen Systems darüber entscheiden, ob das Geld beispielsweise stärker chancenorientiert oder stärker defensiv angelegt werden soll.

Der Anbieter wählt die Fonds – die Eltern wählen die Gewichtung

Dieser Unterschied lässt sich am einfachsten an einem Modellbeispiel erklären. Ein Anbieter könnte für sein Standarddepot einen breit gestreuten Aktienfonds als Renditebaustein und einen defensiveren Anleihefonds als Sicherheitsbaustein vorsehen.

Die konkrete Fondsauswahl würde in diesem Fall vom Anbieter stammen. Eltern könnten aber beispielsweise entscheiden, ob die Beiträge zu 80 Prozent in den chancenorientierten Fonds und zu 20 Prozent in den defensiveren Fonds fließen oder ob eine andere zulässige Gewichtung genutzt wird.

Ein zweiter Anbieter könnte wiederum zwei vollkommen andere Fonds einsetzen. Deshalb beeinflusst die Wahl des Anbieters indirekt auch die Geldanlage. Wer ein Frühstart-Renten-Depot eröffnet, sollte daher nicht nur auf die Kosten des Vertrages achten, sondern auch darauf, welche Fonds der Anbieter für sein Standarddepot vorgesehen hat.

Das unterscheidet die Frühstart-Rente deutlich von einem frei geführten Junior-Depot. Bei einem normalen Wertpapierdepot können Eltern häufig selbst entscheiden, welchen konkreten ETF oder Fonds sie kaufen. Beim geförderten Frühstart-Renten-Standarddepot bewegt sich die Auswahl dagegen innerhalb eines gesetzlich und vertraglich enger vorgegebenen Rahmens.

Kann man einen beliebigen ETF für die Frühstart-Rente auswählen?

Nach dem derzeit vorgesehenen Modell grundsätzlich nein. Es soll nicht möglich sein, einen beliebigen ETF herauszusuchen und diesen anschließend einfach in das geförderte Frühstart-Renten-Depot einzubuchen.

Das Standarddepot darf lediglich die beiden vom jeweiligen Anbieter vorgesehenen Investmentvermögen verwenden. Das können durchaus ETFs sein. Welche Produkte konkret eingesetzt werden, hängt aber vom Anbieter ab. Das Bundesfinanzministerium nennt im Zusammenhang mit dem Standarddepot beispielsweise einen breit gestreuten Aktien-ETF als möglichen Renditebaustein und einen Staatsanleihen-ETF als möglichen Sicherheitsbaustein. Dabei handelt es sich um Beispiele und nicht um vorgeschriebene konkrete Produkte.

Für Eltern bedeutet das, dass der Vergleich verschiedener Anbieter wichtiger werden dürfte. Wenn mehrere Banken, Versicherer, Direktbanken oder andere zugelassene Anbieter unterschiedliche Standarddepots anbieten, können sich deren Fonds, Anlagestrategien und Kosten unterscheiden.

Die Wahlmöglichkeit findet damit eine Ebene früher statt: Statt aus sämtlichen am Markt verfügbaren ETFs einen einzelnen Fonds auszuwählen, entscheidet man sich zunächst für einen Anbieter und damit für dessen Standarddepot-Konzept.

Was sollte man bei den angebotenen Fonds prüfen?

Auch wenn die Auswahl auf zwei Anlagebausteine begrenzt ist, sollten Eltern die zugrunde liegende Geldanlage nicht ignorieren. Ein Fonds mit höherem Aktienanteil kann über mehrere Jahrzehnte deutlich höhere Renditechancen bieten als eine sehr defensive Anlage, schwankt allerdings stärker und kann zwischenzeitlich erhebliche Verluste aufweisen.

Bei einem chancenorientierten Fonds ist unter anderem interessant, wie breit das Kapital gestreut wird. Ein weltweit investierender Aktienfonds verteilt das Geld grundsätzlich über viele Unternehmen und Länder. Ein stärker regional oder thematisch konzentrierter Fonds kann dagegen erheblich stärker von einzelnen Märkten abhängen.

Auch die Kosten der verwendeten Fonds bleiben relevant. Für den geförderten Frühstart-Renten-Vertrag sieht der Regierungsentwurf zwar eine Begrenzung der Effektivkosten in der Ansparphase auf höchstens 1 Prozent vor. Bis zur Volljährigkeit sollen außerdem keine Abschluss- und Vertriebskosten erhoben werden dürfen. Trotzdem lohnt sich ein Vergleich günstiger und weniger günstiger Angebote, weil selbst scheinbar kleine Kostenunterschiede über mehrere Jahrzehnte die spätere Vermögensentwicklung beeinflussen können.

Bei zwei ansonsten vergleichbaren Standarddepots kann daher das Angebot mit einer transparenten, breit gestreuten und kostengünstigen Fondsauswahl langfristig attraktiver sein.

Wie stark sollte die Frühstart-Rente in Aktien investiert sein?

Eine allgemeingültige Aktienquote lässt sich daraus nicht ableiten. Bei der Frühstart-Rente besteht allerdings eine Besonderheit, die für die Risikobetrachtung wichtig ist: Das Geld wird nicht für den Führerschein, das Studium oder die erste Wohnung angespart, sondern ist langfristig für die Altersvorsorge vorgesehen.

Zwischen dem Beginn der Förderung im Kindesalter und einer späteren Auszahlung liegen mehrere Jahrzehnte. Ein solcher Anlagehorizont eröffnet grundsätzlich mehr Möglichkeiten, kurzfristige Schwankungen an den Aktienmärkten auszuhalten als bei Geld, das bereits in fünf oder zehn Jahren benötigt wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Aktienanlagen risikolos wären. Ein chancenorientierter Fonds kann zwischenzeitlich deutlich an Wert verlieren. Gerade starke Börsenkrisen können Verluste von mehreren zehn Prozent verursachen. Wer eine hohe Aktienquote wählt, muss deshalb akzeptieren, dass der Depotwert nicht kontinuierlich steigt.

Bei einem extrem langen Anlagezeitraum kann ein zu defensives Depot allerdings ebenfalls ein Risiko darstellen. Sehr sicherheitsorientierte Anlagen bieten häufig geringere langfristige Renditechancen. Gleichzeitig verringert Inflation die Kaufkraft des angesparten Vermögens. Die richtige Entscheidung betrifft daher nicht nur die Frage, wie viel Schwankung vermieden werden soll, sondern auch, wie viel langfristiges Renditepotenzial benötigt wird.

Warum die Aufteilung langfristig einen großen Unterschied machen kann

Die staatliche Frühstart-Rentenförderung soll monatlich 10 Euro betragen. Bei zwölf Förderjahren ergeben sich zunächst 1.440 Euro staatliche Einzahlungen. Wie hoch der Depotwert später tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem von der Wertentwicklung der Kapitalanlage ab.

Eine vereinfachte Modellrechnung zeigt den Effekt. Werden zwölf Jahre lang monatlich 10 Euro eingezahlt, ergeben sich bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 3 Prozent pro Jahr rechnerisch rund 1.730 Euro. Bei 5 Prozent wären es etwa 1.970 Euro und bei 7 Prozent rund 2.250 Euro.

Beispielrendite Einzahlungen Rechnerischer Depotwert nach 12 Jahren
3 % pro Jahr 1.440 € ca. 1.730 €
5 % pro Jahr 1.440 € ca. 1.970 €
7 % pro Jahr 1.440 € ca. 2.250 €

Die Werte sind reine Modellrechnungen. Kapitalmarktrenditen entstehen nicht gleichmäßig, tatsächliche Fonds können höhere oder niedrigere Ergebnisse erzielen und zwischenzeitlich Verluste verzeichnen. Auch Kosten und der genaue Zeitpunkt der Einzahlungen beeinflussen das Resultat.

Der größere Effekt entsteht ohnehin nach der Volljährigkeit. Bleibt das Kapital anschließend weitere Jahrzehnte investiert, können unterschiedliche Renditen langfristig enorme Unterschiede verursachen. Genau deshalb ist die Frage nach der Geldanlage wichtiger, als es bei einer staatlichen Einzahlung von zunächst nur 10 Euro im Monat erscheinen könnte.

Muss man überhaupt selbst eine Anlageentscheidung treffen?

Nein. Das Standarddepot soll gerade so konstruiert sein, dass keine laufenden Anlageentscheidungen notwendig sind. Wer die vom Anbieter voreingestellte Aufteilung akzeptiert, kann diese grundsätzlich beibehalten.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem klassischen Selbstentscheider-Depot. Eltern müssen weder regelmäßig Börsenkurse beobachten noch einzelne Wertpapiere kaufen oder das Depot ständig neu ausrichten. Das Standardprodukt soll eine einfache Kapitalmarktanlage ermöglichen, ohne dass dafür umfassende Börsenerfahrung erforderlich ist.

Trotzdem sollte die Standardeinstellung nicht automatisch als optimale Lösung für jedes Kind betrachtet werden. Vor Vertragsabschluss lohnt sich zumindest ein Blick darauf, welche beiden Fonds verwendet werden, wie die voreingestellte Verteilung aussieht und wie der Anbieter das Risiko im Laufe der Zeit verändert.

Was passiert vor dem Rentenbeginn mit der Geldanlage?

Beim Standarddepot ist ein sogenanntes Ablaufmanagement vorgesehen. In den Jahren vor Beginn der Auszahlungsphase soll das Vermögen schrittweise stärker in den risikoärmeren Fonds verschoben werden.

Der Hintergrund ist nachvollziehbar: Ein Börsencrash kurz vor dem geplanten Beginn der Altersvorsorge kann problematischer sein als ein Kursrückgang mehrere Jahrzehnte zuvor. Bei einem jungen Anleger bleibt viel Zeit für eine mögliche Erholung. Unmittelbar vor dem Beginn der Auszahlung kann dieselbe Schwankung deutlich schwerer wiegen.

Auch diese Umschichtung soll grundsätzlich automatisch erfolgen. Wer von der vorgesehenen Aufteilung abweichen möchte, soll nach den Regeln des Standarddepots jedoch Einfluss auf die Gewichtung nehmen können.

Damit verbindet das Modell langfristige Kapitalmarktanlage mit einer zunehmenden Risikoreduzierung in Richtung Auszahlungsphase.

Was passiert, wenn Eltern kein eigenes Frühstart-Renten-Depot eröffnen?

Auch in diesem Fall soll die staatliche Förderung nicht verloren gehen. Für Kinder ohne individuellen Standarddepot-Vertrag sieht der Gesetzentwurf eine kollektive Auffanglösung vor. Die Gelder sollen dort gemeinsam am Kapitalmarkt angelegt und von der Deutschen Bundesbank verwaltet werden.

Bei dieser kollektiven Anlage gibt es allerdings keine individuelle Auswahl der Geldanlage. Eltern können also weder einen bestimmten Fonds bestimmen noch eine persönliche Aktienquote festlegen. Auch private Zuzahlungen sind bei der kollektiven Lösung nicht vorgesehen.

Wer Einfluss auf die konkrete Anlagestruktur nehmen möchte, benötigt deshalb grundsätzlich einen individuellen Standarddepot-Vertrag bei einem Anbieter.

Die Auffanglösung erfüllt einen anderen Zweck: Sie soll sicherstellen, dass ein Kind die staatliche Förderung nicht deshalb verliert, weil die Eltern kein eigenes Depot eröffnen.

Kann man den Anbieter später wechseln?

Die Frühstart-Rente soll an das neue System der geförderten privaten Altersvorsorge anknüpfen. Ein langfristiger Vertrag muss deshalb nicht zwingend bedeuten, dass das Kind über Jahrzehnte beim gleichen Anbieter bleibt.

Spätestens mit der Volljährigkeit gewinnt diese Frage an Bedeutung. Der Standarddepot-Vertrag kann nach den vorgesehenen Regeln weiter bespart werden. Alternativ soll ein Wechsel in einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag möglich sein.

Damit verändert sich auch die Entscheidungsfreiheit. Während die staatliche Frühstart-Rentenförderung im Kindesalter an das Standarddepot gebunden sein soll, stehen später innerhalb der reformierten privaten Altersvorsorge weitere Möglichkeiten zur Verfügung.

Das sollte Eltern jedoch nicht dazu verleiten, die anfängliche Anbieterwahl völlig nebensächlich zu behandeln. Die ersten zwölf Jahre können bereits einen erheblichen Teil des späteren Anlagezeitraums prägen. Fondsqualität, Kosten und Anlagestrategie verdienen deshalb von Beginn an Aufmerksamkeit.

Frühstart-Rente oder zusätzliches Junior-Depot?

Eltern müssen sich nicht zwingend zwischen beiden Varianten entscheiden. Ein frei verfügbares Junior-Depot und die Frühstart-Rente erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Das Frühstart-Renten-Depot ist auf Altersvorsorge ausgerichtet. Das geförderte Kapital soll langfristig gebunden bleiben und grundsätzlich erst im höheren Lebensalter ausgezahlt werden können. Dafür gibt es staatliche Förderung und steuerliche Vorteile während der Ansparphase.

Ein normales Junior-Depot bietet dagegen wesentlich größere Freiheit. Eltern können beispielsweise selbst einen bestimmten ETF auswählen und das Portfolio innerhalb des verfügbaren Produktangebots verändern. Dafür gelten nicht die besonderen Förderregeln der Frühstart-Rente. Außerdem steht das Vermögen spätestens mit der Volljährigkeit grundsätzlich dem Kind zur Verfügung.

Wer zusätzlich für Studium, erste Wohnung oder andere Ausgaben im jungen Erwachsenenalter sparen möchte, sollte deshalb nicht automatisch sämtliches Spargeld in ein langfristig gebundenes Altersvorsorgeprodukt einzahlen. Die Frühstart-Rente kann einen Baustein darstellen, während frei verfügbares Vermögen einen anderen Zweck erfüllt.

Worauf Eltern bei der Auswahl eines Frühstart-Renten-Depots achten sollten

Sobald konkrete Frühstart-Renten-Produkte verfügbar sind, dürfte der reine Hinweis „Standarddepot“ für einen sinnvollen Vergleich nicht ausreichen. Entscheidend wird sein, wie die gesetzlichen Möglichkeiten tatsächlich umgesetzt werden.

Eine praktische Prüfung kann sich an diesen Punkten orientieren:

  1. Anlagefonds prüfen: Welche beiden Fonds verwendet der Anbieter und wie breit sind sie aufgestellt?
  2. Standardaufteilung ansehen: Wie werden neue Beiträge zwischen chancenorientiertem und defensivem Fonds verteilt?
  3. Kosten vergleichen: Wie hoch sind die tatsächlichen Effektivkosten des Vertrages?
  4. Änderungsmöglichkeiten prüfen: Wie einfach lässt sich die Aufteilung später anpassen?
  5. Ablaufmanagement verstehen: Wann beginnt die automatische Umschichtung in den defensiveren Baustein?
  6. Informationen vergleichen: Sind Wertentwicklung, Risiken und Kosten transparent und verständlich dargestellt?
  7. Nicht nur auf vergangene Renditen schauen: Eine gute historische Entwicklung ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Besonders die ersten drei Punkte dürften langfristig entscheidend sein. Ein Standarddepot soll einfach sein, aber „einfach“ bedeutet nicht, dass jedes Angebot wirtschaftlich identisch ist.

Häufiger Fehler: Anbieterwahl und Anlagewahl miteinander verwechseln

Bei der Frühstart-Rente lässt sich die Frage „Kann ich selbst investieren?“ nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Die verschiedenen Entscheidungsebenen müssen getrennt betrachtet werden.

Eltern können den Anbieter des individuellen Frühstart-Renten-Depots auswählen. Dadurch entscheiden sie indirekt mit, welche beiden Fonds überhaupt verfügbar sind. Innerhalb dieses Standarddepots können sie anschließend Einfluss auf die Verteilung zwischen dem defensiveren und dem chancenorientierteren Anlagebaustein nehmen.

Was nicht vorgesehen ist, ist die vollkommen freie Zusammenstellung eines eigenen Portfolios innerhalb des geförderten Frühstart-Renten-Standarddepots.

Wer beispielsweise unbedingt einen bestimmten Welt-ETF mit einer bestimmten ISIN besparen möchte, kann daher nicht davon ausgehen, dass dieser ETF in jedem Frühstart-Renten-Depot verfügbar sein wird. Entscheidend ist, welche Produkte der jeweilige Anbieter für sein Standarddepot festlegt.

Fazit: Mitbestimmen ja, vollkommen frei investieren nein

Bei der Frühstart-Rente soll die Geldanlage nicht vollkommen fremdbestimmt sein. Eltern können einen Anbieter auswählen und innerhalb des individuellen Standarddepots Einfluss darauf nehmen, wie stark die Beiträge zwischen dem risikoärmeren und dem chancenorientierteren Fonds verteilt werden.

Eine vollständig freie ETF- oder Wertpapierauswahl ist dagegen nicht vorgesehen. Die beiden verfügbaren Fonds werden vom jeweiligen Anbieter festgelegt. Gerade deshalb dürfte der Vergleich der Frühstart-Renten-Anbieter wichtig werden: Mit der Anbieterwahl entscheidet man indirekt auch über die verfügbaren Anlagebausteine, deren Kosten und deren Anlagestrategie.

Wer überhaupt kein individuelles Depot eröffnet, erhält nach dem derzeitigen Gesetzentwurf trotzdem die staatliche Förderung über eine kollektive Auffanglösung. Dort bestehen allerdings keine individuellen Anlagepräferenzen. Für Eltern, die bewusst Einfluss auf die Kapitalanlage nehmen möchten, ist das individuelle Standarddepot deshalb die flexiblere Variante.

Da das Frühstartrentengesetz am 14. September 2026 noch nicht endgültig verabschiedet ist, sollten konkrete Vertragsdetails erst anhand der endgültigen gesetzlichen Regeln und der tatsächlich ab 2027 angebotenen Produkte beurteilt werden.

Häufige Fragen zur Auswahl der Geldanlage bei der Frühstart-Rente

Die Frühstart-Rente verbindet staatliche Förderung mit einer vereinfachten Kapitalmarktanlage. Dadurch entstehen vor allem Fragen dazu, wie viel Entscheidungsspielraum Eltern tatsächlich haben und welche Möglichkeiten später bestehen.

Kann ich für die Frühstart-Rente selbst einen ETF auswählen?

Im vorgesehenen Standarddepot nicht vollkommen frei. Der jeweilige Anbieter legt zwei Fonds fest, die innerhalb seines Standarddepots verwendet werden. Eltern können die Aufteilung zwischen diesen Anlagebausteinen beeinflussen, aber nicht einfach jeden beliebigen am Markt verfügbaren ETF einsetzen.

Können 100 Prozent der Beiträge in den chancenorientierten Fonds fließen?

Das Standarddepot sieht grundsätzlich vor, dass der Anleger die Verteilung zwischen den beiden Fonds verändern kann. Nach der gesetzlichen Konzeption kann die Einzahlung auch vollständig auf einen der beiden Fonds konzentriert werden. Welche konkreten Möglichkeiten der jeweilige Vertrag bietet, sollte vor Abschluss geprüft werden.

Entscheidet der Staat, welche Aktien oder ETFs gekauft werden?

Bei einem individuellen Frühstart-Renten-Depot bestimmt nicht der Staat einzelne ETFs. Der Anbieter legt die beiden Fonds seines zertifizierten Standarddepots fest. Die gesetzlichen Regeln geben allerdings vor, welche Anforderungen das Produkt erfüllen muss.

Kann ich später die Anlagestrategie ändern?

Innerhalb des Standarddepots soll die Verteilung zwischen den beiden Anlagebausteinen angepasst werden können. Zusätzlich besteht später die Möglichkeit, den Vertrag weiterzuführen oder in einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag zu wechseln.

Was passiert, wenn ich keine Anlageentscheidung treffe?

Dann greift die vom Anbieter vorgesehene Standardaufteilung. Das Produkt ist ausdrücklich so gestaltet, dass Anleger nicht selbst regelmäßig Anlageentscheidungen treffen müssen.

Kann ich statt des Frühstart-Renten-Depots einfach ein normales Junior-Depot verwenden?

Ein normales Junior-Depot kann zusätzlich genutzt werden, ersetzt aber nicht den für die staatliche Frühstart-Rentenförderung vorgesehenen Standarddepot-Vertrag. Die staatlichen 10 Euro pro Monat sollen bei einem individuellen Vertrag ausschließlich in einen entsprechend zertifizierten Standarddepot-Vertrag fließen.

Gibt es eine Auswahlmöglichkeit bei der staatlichen Auffanglösung?

Nein. Bei der kollektiven Auffanglösung sind individuelle Anlagepräferenzen nach dem vorgesehenen Modell nicht möglich. Sie dient dazu, auch Kindern ohne individuell eröffnetes Depot die staatliche Förderung zukommen zu lassen.

Ist die Frühstart-Rente bereits endgültig beschlossen?

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf am 12. August 2026 beschlossen. Am 9. September 2026 berichtete der Deutsche Bundestag über die Einbringung des Regierungsentwurfs. Stand 14. September 2026 läuft das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren daher noch.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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