Wie wird das Geld im Frühstart-Depot angelegt?

Die staatliche Frühstart-Rente soll nicht auf einem Sparkonto liegen, sondern langfristig am Kapitalmarkt investiert werden. Beim individuellen Frühstart-Depot erfolgt die Anlage über ein gesetzlich definiertes Standarddepot mit zwei Fondsbausteinen unterschiedlicher Risikoklassen.

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Das Geld der Frühstart-Rente soll tatsächlich investiert werden. Die monatlich vorgesehenen 10 Euro des Staates landen nach dem aktuellen Gesetzentwurf nicht einfach als Guthaben auf einem verzinsten Konto, sondern fließen in einen kapitalgedeckten Altersvorsorgevertrag. Damit unterscheidet sich die Frühstart-Rente grundlegend von einem klassischen Sparbuch oder Tagesgeldkonto: Wertschwankungen gehören zum Konzept, im Gegenzug bestehen langfristig höhere Renditechancen.

Für Eltern ist dabei ein wichtiger Punkt zu verstehen: Das individuelle Frühstart-Depot ist kein frei zusammenstellbares Wertpapierdepot, in dem beliebige Aktien, ETFs oder Fonds gekauft werden können. Gefördert werden sollen ausschließlich zertifizierte Standarddepot-Verträge Altersvorsorge. Diese arbeiten mit zwei Fondsbausteinen unterschiedlicher Risikostufen. Wie die Beiträge zwischen diesen Bausteinen aufgeteilt werden, kann grundsätzlich beeinflusst werden.

Daneben gibt es eine zweite Form der Anlage. Wird für ein anspruchsberechtigtes Kind kein individueller Vertrag abgeschlossen, soll das Geld nicht unverzinst liegen bleiben oder die Förderung verfallen. Stattdessen ist eine kollektive Kapitalanlage vorgesehen, die von der Deutschen Bundesbank verwaltet wird. Auch dort liegt der Schwerpunkt nach dem derzeitigen Konzept deutlich auf dem Kapitalmarkt und insbesondere auf Aktien beziehungsweise Aktienfonds.

Wichtig ist der Rechtsstand: Stand September 2026 ist die Frühstart-Rente noch nicht endgültig beschlossen. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf im August 2026 beschlossen, inzwischen liegt er dem Bundestag vor. Einzelheiten können sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren deshalb noch ändern.

Das Frühstart-Depot investiert am Kapitalmarkt

Die Grundidee der Frühstart-Rente besteht gerade darin, Kindern einen sehr langen Anlagehorizont zu eröffnen. Der Staat möchte nicht lediglich 10 Euro monatlich ansparen, sondern das Geld möglichst früh produktiv am Kapitalmarkt arbeiten lassen. Dadurch sollen neben den Einzahlungen auch Wertsteigerungen, Ausschüttungen und der langfristige Zinseszinseffekt zum Aufbau des späteren Altersvorsorgevermögens beitragen.

Für ein Kind, das die Förderung über zwölf Jahre vollständig erhält, summieren sich allein die staatlichen Einzahlungen auf 1.440 Euro. Wie viel daraus tatsächlich wird, hängt jedoch erheblich von der Wertentwicklung der Kapitalanlage und den Kosten ab. Bei langfristig positiven Kapitalmarktrenditen kann der Depotwert deutlich über den eingezahlten Betrag hinauswachsen. Gleichzeitig gibt es keine Garantie, dass der Wert des Depots zu jedem Zeitpunkt über den Einzahlungen liegt.

Genau deshalb ist die Anlage nicht mit einem Sparkonto vergleichbar. Bei Fonds und insbesondere bei Aktienanlagen können zwischenzeitlich Verluste von 20, 30 Prozent oder mehr auftreten. Entscheidend für das Konzept der Frühstart-Rente ist der ungewöhnlich lange Zeitraum: Das geförderte Kapital ist für die Altersvorsorge gedacht und soll grundsätzlich über Jahrzehnte investiert bleiben.

Im individuellen Frühstart-Depot gibt es zwei Fondsbausteine

Das geförderte individuelle Frühstart-Depot soll zwingend als sogenannter Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge ausgestaltet sein. Dieses Standardprodukt ist bereits im reformierten Recht zur privaten Altersvorsorge vorgesehen und soll ab 2027 angeboten werden.

Ein solcher Vertrag muss zwei unterschiedliche OGAW-Fonds vorsehen. OGAW steht vereinfacht für regulierte Investmentfonds, die bestimmte europäische Anforderungen erfüllen. Darunter können auch viele klassische Aktien-ETFs fallen.

Der erste Fonds muss einer niedrigen Risikoklasse angehören. Vorgesehen sind die Risikoklassen 1 oder 2. Dieser Baustein dient damit eher dem defensiveren Teil des Depots und kann beispielsweise stärker auf risikoärmere Wertpapiere ausgerichtet sein.

Der zweite Fonds gehört zu einer höheren Risikoklasse von 3, 4 oder 5. Hier können deutlich stärkere Kursschwankungen auftreten. Ein breit gestreuter Aktienfonds oder Aktien-ETF kann beispielsweise in diesen Bereich fallen. Gerade dieser renditeorientierte Baustein ist für einen sehr langen Anlagezeitraum interessant, weil Aktien langfristig höhere Ertragschancen bieten als sehr defensive Anlagen.

Das Standarddepot verbindet damit bewusst zwei unterschiedliche Aufgaben: Es soll ausreichend Renditechancen bieten, gleichzeitig aber die Möglichkeit schaffen, einen Teil des Vermögens risikoärmer anzulegen.

ETFs sind möglich – aber nicht vorgeschrieben

Häufig wird die Frühstart-Rente verkürzt als staatlicher ETF-Sparplan für Kinder beschrieben. Das trifft den Grundgedanken teilweise, ist rechtlich aber zu pauschal.

Ein ETF kann Bestandteil des Frühstart-Depots sein. Vorgeschrieben ist jedoch nicht, dass das Geld zwingend in einen bestimmten Welt-ETF wie einen MSCI-World- oder FTSE-All-World-ETF investiert wird. Ebenso wenig schreibt das Konzept bislang einen bestimmten Aktienindex vor.

Entscheidend sind vielmehr die gesetzlichen Anforderungen an das Standarddepot. Der Anbieter legt einen Fonds aus der niedrigeren und einen Fonds aus der höheren Risikoklasse fest. Dabei können passive ETFs verwendet werden, grundsätzlich kommen aber auch andere geeignete OGAW-Fonds infrage.

Für Eltern bedeutet das: Zwei Frühstart-Depots verschiedener Anbieter können durchaus unterschiedlich investieren. Anbieter A könnte beispielsweise mit einem günstigen globalen Aktien-ETF arbeiten, während Anbieter B einen anderen Fonds oder eine andere regionale beziehungsweise strategische Ausrichtung verwendet.

Die Bezeichnung „Frühstart-Depot“ allein sagt daher noch nicht genug über die tatsächliche Geldanlage aus.

Wer entscheidet über die Aufteilung des Geldes?

Beim Standarddepot besteht grundsätzlich die Möglichkeit, festzulegen, wie die Beiträge auf die beiden Fonds verteilt werden. Damit kann die Gewichtung zwischen dem defensiveren und dem risikoreicheren Anlagebaustein beeinflusst werden.

Denkbar wäre beispielsweise eine Aufteilung von 20 Prozent auf den defensiven Fonds und 80 Prozent auf den renditeorientierten Fonds. Ebenso könnte eine ausgeglichenere Verteilung gewählt werden. Welche Einstellungen ein konkreter Anbieter anbietet und wie sie praktisch vorgenommen werden, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Wird keine eigene Aufteilung gewählt, darf das Geld jedoch nicht einfach uninvestiert bleiben. Der Anbieter muss für diesen Fall eine vertraglich festgelegte Standardaufteilung vorsehen.

Gerade diese Voreinstellung verdient Aufmerksamkeit. Eltern sollten deshalb nicht nur darauf schauen, welcher Anbieter die Frühstart-Rente anbietet, sondern auch prüfen, wie dessen Standardportfolio tatsächlich zusammengesetzt ist. Zwei Produkte können denselben gesetzlichen Rahmen erfüllen und trotzdem unterschiedliche Aktienquoten, Fonds und Kosten aufweisen.

Eine hohe Aktienquote kann bei Kindern sinnvoll sein – sie ist aber nicht automatisch vorgeschrieben

Bei einem sechsjährigen Kind ist der Anlagehorizont völlig anders als bei einem Menschen, der wenige Jahre vor der Rente steht. Das Geld wird nicht für den Führerschein mit 18, die erste Wohnung oder das Studium angespart, sondern ist grundsätzlich für die Altersvorsorge bestimmt. Vom Beginn der Förderung bis zum 65. Geburtstag können damit fast sechs Jahrzehnte liegen.

Ein hoher Aktienanteil kann bei einem solchen Zeitraum finanzwirtschaftlich plausibel sein. Aktien schwanken kurzfristig stark, haben langfristig aber deutlich höhere Renditechancen als sehr defensive Anlagen. Je länger der Anlagezeitraum ist, desto mehr Zeit besteht außerdem, zwischenzeitliche Börsenkrisen wieder aufzuholen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Verluste ausgeschlossen wären. Auch ein weltweit gestreutes Aktienportfolio kann über mehrere Jahre schwach laufen. Niemand kennt die Rendite der kommenden Jahrzehnte. Eine hohe Aktienquote ist daher keine Garantie für einen bestimmten späteren Depotwert, sondern eine bewusste Entscheidung zugunsten höherer langfristiger Chancen bei gleichzeitig größeren Schwankungen.

Gerade bei der Frühstart-Rente ist diese Unterscheidung wichtig: Das Konzept nutzt bewusst Kapitalmarktrisiken, um langfristig höhere Renditechancen zu schaffen.

Was aus 10 Euro monatlich werden könnte

Wie stark die Anlageform ins Gewicht fällt, zeigt eine vereinfachte Modellrechnung. Angenommen, der Staat zahlt zwölf Jahre lang monatlich 10 Euro ein. Insgesamt fließen damit 1.440 Euro in das Depot. Anschließend wird kein weiterer Euro eingezahlt und das vorhandene Kapital bleibt bis zum Alter von 65 Jahren investiert.

Durchschnittliche Rendite Depotwert mit 18 Jahren Rechnerischer Wert mit 65 Jahren
3 % pro Jahr ca. 1.726 € ca. 6.926 €
5 % pro Jahr ca. 1.953 € ca. 19.351 €
7 % pro Jahr ca. 2.215 € ca. 53.253 €

Die Berechnung ist bewusst nur ein Modell. Sie unterstellt eine gleichmäßige Rendite, obwohl Kapitalmärkte tatsächlich stark schwanken. Inflation und eine spätere Besteuerung sind ebenfalls nicht berücksichtigt.

Trotzdem zeigt die Rechnung den entscheidenden Mechanismus: Für die langfristige Wirkung der Frühstart-Rente sind nicht nur die 1.440 Euro staatlicher Beiträge relevant. Noch wichtiger kann werden, wie lange und mit welcher Nettorendite das Kapital anschließend investiert bleibt.

Ein Unterschied von wenigen Prozentpunkten pro Jahr erscheint kurzfristig klein. Über mehrere Jahrzehnte kann er zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen. Deshalb sind Anlageform und Kosten beim Frühstart-Depot wesentlich bedeutender, als es bei einer monatlichen Einzahlung von lediglich 10 Euro zunächst wirkt.

Kosten können über Jahrzehnte viel Rendite kosten

Bei einem so langen Anlagezeitraum verdienen die Kosten besondere Beachtung. Nach dem derzeitigen Gesetzentwurf sollen für die im Rahmen der Frühstart-Rente verwendeten Standarddepot-Verträge die Effektivkosten in der Ansparphase auf maximal 1 Prozent begrenzt werden. Bis zur Volljährigkeit des Kindes dürfen außerdem keine Abschluss- und Vertriebskosten erhoben werden.

Diese Grenzen verhindern besonders teure Konstruktionen, bedeuten aber nicht automatisch, dass jedes angebotene Frühstart-Depot gleich günstig sein wird. Ein Produkt mit Effektivkosten nahe der Obergrenze kann langfristig deutlich mehr Rendite verbrauchen als ein sehr kostengünstiges Produkt.

Bei der Produktauswahl sollte deshalb nicht nur gefragt werden, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Interessanter ist, wie weit der Anbieter tatsächlich unterhalb der zulässigen Kostenobergrenze liegt.

Bei einer normalen Geldanlage kann ein Prozentpunkt Kostenunterschied bereits relevant sein. Bei einem Anlagezeitraum von mehreren Jahrzehnten potenziert sich seine Wirkung, weil jeder Euro, der für Gebühren verwendet wird, anschließend selbst keine Rendite mehr erwirtschaften kann.

Was passiert, wenn Eltern kein Frühstart-Depot eröffnen?

Die Förderung soll nicht davon abhängen, ob sich Eltern rechtzeitig mit Depots, Fonds und Anbietern beschäftigen. Deshalb sieht der Regierungsentwurf eine Auffanglösung vor.

Wird kein individueller Standarddepot-Vertrag abgeschlossen, sollen die für das Kind vorgesehenen Mittel kollektiv angelegt werden. Die Verwaltung der Kapitalanlage übernimmt nach dem derzeitigen Konzept die Deutsche Bundesbank. Die eigentlichen Anlagegrundsätze und die konkrete Ausgestaltung sollen über Anlagerichtlinien festgelegt werden.

Der Gesetzentwurf gibt bereits eine klare Richtung vor: Die kollektive Anlage soll global diversifiziert sein und vor allem in Aktien beziehungsweise Aktienfonds investieren. Damit wäre auch die staatliche Auffanglösung keine konservative Sparlösung, sondern eine kapitalmarktorientierte Anlage.

Interessant ist ein Detail aus der bisherigen Umsetzungsplanung. Für die Kalkulation des Verwaltungsaufwands arbeitet der Regierungsentwurf beispielhaft mit der Annahme einer physischen Nachbildung von zwei breit diversifizierten Aktienindizes – einem Index für die Eurozone und einem weiteren für weltweite Anlagen auf Fremdwährungsbasis.

Das ist allerdings noch keine verbindlich festgelegte Anlagestrategie. Die endgültige Zusammensetzung soll erst durch die vorgesehenen Anlagerichtlinien konkretisiert werden.

Individuelles Depot und kollektive Anlage sind nicht dasselbe

Beide Wege verfolgen dasselbe Ziel, funktionieren aber unterschiedlich.

Beim individuellen Frühstart-Depot existiert ein Vertrag auf den Namen des Kindes bei einem privaten Anbieter. Die gesetzlichen Vorgaben des Standarddepots bestimmen, welche Struktur das Produkt haben muss. Innerhalb dieses Rahmens können Eltern beziehungsweise die gesetzlichen Vertreter Einfluss auf die Aufteilung zwischen den beiden Fondsbausteinen nehmen.

Bei der kollektiven Anlage gibt es dagegen zunächst keinen individuellen privaten Depotvertrag. Die für Kinder ohne eigenen Vertrag vorgesehenen Beträge werden gemeinsam am Kapitalmarkt investiert. Daraus entsteht für das jeweilige Kind ein später abrufbarer Anspruch auf Startkapital.

Ein individueller Vertrag kann auch später noch abgeschlossen werden. Das auf das Kind entfallende Kapital aus der kollektiven Anlage soll dann übertragen werden können. Nach aktuellem Entwurf ist ein solcher Abruf bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres vorgesehen.

Für Eltern ist die Entscheidung daher nicht lediglich „Förderung oder keine Förderung“. Die Förderung soll grundsätzlich beide Gruppen erreichen. Die wichtigere Frage lautet, ob die Familie die Kapitalanlage über einen selbst gewählten Anbieter individuell gestalten möchte oder zunächst die staatliche Auffanglösung nutzt.

Verluste im Frühstart-Depot sind möglich

Kapitalmarktanlage bedeutet immer, dass der Depotwert schwanken kann. Wer das Frühstart-Depot eines Kindes regelmäßig betrachtet, sollte deshalb nicht erwarten, dass der Wert jeden Monat steigt.

Ein Aktienfonds kann beispielsweise nach einer Börsenkorrektur deutlich unter seinem bisherigen Höchststand liegen. Wird kurz zuvor Geld eingezahlt, können auch die neu erworbenen Fondsanteile zunächst Verluste aufweisen. Das ist kein technischer Fehler des Depots, sondern eine normale Eigenschaft von Wertpapieranlagen.

Gerade bei Kindern kann der lange Anlagehorizont helfen, solche Phasen auszuhalten. Gleichzeitig darf aus der langen Laufzeit nicht der falsche Schluss gezogen werden, das Risiko verschwinde vollständig. Auch langfristige Renditen sind nicht garantiert.

Eine breite Streuung reduziert vor allem das Risiko, von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Ländern abhängig zu sein. Sie schützt jedoch nicht vor allgemeinen Börsenrückgängen.

Das Standarddepot soll das Risiko vor der Auszahlung reduzieren

Die Konstruktion des Standarddepots endet nicht mit der Volljährigkeit. Wird der Vertrag weitergeführt, kann er später Teil der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge des inzwischen erwachsenen Kindes bleiben.

Für die Zeit kurz vor Beginn der Auszahlungsphase sieht das Standarddepot einen Mechanismus zur schrittweisen Verringerung des Risikos vor. Fünf Jahre vor der vorgesehenen Auszahlung sollen grundsätzlich höchstens 50 Prozent des vorhandenen Kapitals im risikoreicheren Fonds angelegt sein. Zwei Jahre vor der Auszahlung und zu deren Beginn sind grundsätzlich höchstens 30 Prozent vorgesehen.

Damit wird ein typisches Problem langfristiger Aktienanlagen berücksichtigt: Ein großer Börsencrash wäre mit 25 Jahren meist weniger problematisch, wenn das Geld noch jahrzehntelang investiert bleibt. Direkt vor dem geplanten Rentenbeginn könnte derselbe Kurseinbruch deutlich schwerer wiegen.

Der Vertragspartner soll allerdings andere Prozentsätze verlangen können. Das Standarddepot gibt also einen automatischen Mechanismus vor, lässt aber Spielraum.

Worauf Eltern bei der Anlage achten sollten

Sobald konkrete Frühstart-Produkte auf dem Markt sind, lohnt sich ein genauer Vergleich. Die staatliche Förderung ist bei geeigneten Verträgen zwar gleich, die Umsetzung durch die Anbieter muss deshalb aber nicht identisch sein.

Checkliste für den Vergleich eines Frühstart-Depots

  1. Prüfen, welche beiden Fonds tatsächlich verwendet werden. Entscheidend ist nicht nur die Risikoklasse, sondern auch, worin der Fonds investiert und wie breit er streut.
  2. Aktienanteil der Standardaufteilung ansehen. Wer keine eigene Auswahl trifft, sollte wissen, welche Aufteilung automatisch verwendet wird.
  3. Effektivkosten vergleichen. Die gesetzliche Obergrenze ist kein Zielwert. Niedrigere Kosten können über Jahrzehnte einen erheblichen Unterschied machen.
  4. Index und Fondsstrategie verstehen. Bei einem ETF sollte klar sein, welchen Markt der zugrunde liegende Index abbildet. Bei aktiv gemanagten Fonds sind Strategie und Kosten besonders relevant.
  5. Möglichkeiten für private Zuzahlungen prüfen. Eltern oder Großeltern sollen zusätzlich eigenes Geld einzahlen können. Dann gewinnt die Qualität des gewählten Produkts nochmals an Bedeutung.
  6. Nicht nur auf kurzfristige Wertentwicklung schauen. Ein Fonds, der in einem einzelnen Jahr besonders gut lief, muss deshalb nicht die bessere langfristige Lösung sein.

Vor allem der letzte Punkt kann bei einem Kinderdepot leicht unterschätzt werden. Ein Anlageprodukt für eine potenziell jahrzehntelange Altersvorsorge sollte nicht nach der Rangliste der letzten zwölf Monate ausgewählt werden.

Typische Missverständnisse beim Frühstart-Depot

Ein häufiger Irrtum besteht darin, die Frühstart-Rente mit einem normalen Kinderdepot gleichzusetzen. Ein gewöhnliches Depot kann beispielsweise für Ausbildung, Studium, Führerschein oder den späteren Start ins Berufsleben genutzt werden. Das geförderte Frühstart-Kapital ist dagegen für die Altersvorsorge vorgesehen und entsprechend langfristig gebunden.

Ebenso wenig sollte angenommen werden, dass jeder Anbieter denselben ETF verwenden wird. Das Gesetz definiert die Struktur des Standarddepots, schreibt aber keinen einheitlichen Welt-ETF für sämtliche Anbieter vor. Ein Vergleich der tatsächlichen Fonds bleibt deshalb sinnvoll.

Auch die staatliche Auffanglösung ist kein Sparkonto beim Bund. Nach dem bisherigen Entwurf soll gerade diese Anlage einen hohen Kapitalmarktbezug besitzen und global diversifiziert vor allem in Aktien und Aktienfonds investieren.

Schließlich ist eine hohe Aktienquote nicht mit garantierter hoher Rendite gleichzusetzen. Der lange Zeitraum verbessert zwar die Voraussetzungen für eine kapitalmarktorientierte Strategie, beseitigt aber weder Kursrisiken noch die Möglichkeit schwächerer langfristiger Ergebnisse.

Fazit: Das Frühstart-Depot soll bewusst Kapitalmarktrisiken nutzen

Das Geld der Frühstart-Rente soll nach dem aktuellen Konzept nicht konservativ geparkt, sondern langfristig investiert werden. Beim individuell eröffneten Frühstart-Depot geschieht dies über einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag mit zwei Fondsbausteinen: einem defensiveren OGAW-Fonds der Risikoklasse 1 oder 2 und einem chancenorientierteren Fonds der Risikoklassen 3 bis 5. Wie die Beiträge verteilt werden, kann grundsätzlich gewählt werden; ohne eigene Entscheidung greift die Voreinstellung des Anbieters.

ETFs können dabei eine wichtige Rolle spielen, sind aber nicht zwingend vorgeschrieben. Noch stärker aktienorientiert ist nach dem bisherigen Konzept die kollektive Auffanglösung für Kinder ohne individuellen Vertrag. Hier soll die Deutsche Bundesbank das Kapital global diversifiziert und vor allem in Aktien beziehungsweise Aktienfonds investieren.

Für Eltern wird deshalb nicht nur entscheidend sein, ob sie ein Frühstart-Depot eröffnen. Sobald konkrete Produkte verfügbar sind, sollte auch geprüft werden, wie das jeweilige Depot investiert, welche Fonds verwendet werden, welche Standardaufteilung gilt und welche Kosten tatsächlich entstehen. Bei einer möglichen Anlagedauer von mehreren Jahrzehnten können diese Unterschiede erheblichen Einfluss auf das spätere Altersvorsorgevermögen haben.

Häufige Fragen zur Anlage im Frühstart-Depot

Die Anlage der Frühstart-Rente unterscheidet sich in mehreren Punkten von einem normalen ETF-Sparplan oder Kinderdepot. Die folgenden Fragen betreffen vor allem die praktische Umsetzung nach dem derzeitigen Stand des Gesetzentwurfs.

Wird das Geld der Frühstart-Rente automatisch in ETFs investiert?

Nein. ETFs sind als Anlage grundsätzlich möglich, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Das individuelle Standarddepot muss zwei geeignete OGAW-Fonds unterschiedlicher Risikoklassen enthalten. Dabei kann es sich beispielsweise um ETFs handeln, der Anbieter kann im gesetzlichen Rahmen aber auch andere Fonds einsetzen.

Kann ich den ETF für mein Kind selbst auswählen?

Beim Standarddepot ist die Auswahl stärker eingeschränkt als bei einem normalen Wertpapierdepot. Der Anbieter legt die beiden Fondsbausteine des Standardprodukts fest. Der Vertragspartner kann grundsätzlich über deren Aufteilung entscheiden, aber nicht automatisch aus dem gesamten ETF-Angebot des Marktes wählen.

Kann das gesamte Frühstart-Geld in Aktien investiert werden?

Das Standarddepot muss sowohl einen defensiveren als auch einen risikoreicheren Fonds vorsehen. Wie weit eine sehr hohe Gewichtung des chancenorientierten Fonds beim jeweiligen Anbieter möglich sein wird, hängt von den konkreten Vertragsbedingungen ab. Für die kollektive Anlage sieht der Regierungsentwurf ausdrücklich eine global diversifizierte Anlage vor allem in Aktien beziehungsweise Aktienfonds vor.

Was passiert bei einem Börsencrash?

Der Wert des Frühstart-Depots kann deutlich fallen. Es gibt beim kapitalmarktorientierten Standarddepot keine Garantie, dass jederzeit mindestens die eingezahlten Beiträge vorhanden sind. Aufgrund des sehr langen Anlagehorizonts besteht jedoch grundsätzlich viel Zeit, zwischenzeitliche Börsenverluste wieder aufzuholen.

Wer investiert das Geld, wenn die Eltern kein Depot eröffnen?

Dann soll das Geld nach dem aktuellen Regierungsentwurf kollektiv angelegt werden. Die Kapitalanlage soll von der Deutschen Bundesbank durchgeführt werden. Vorgesehen ist eine global diversifizierte Anlage mit Schwerpunkt auf Aktien und Aktienfonds.

Ist die kollektive Anlage automatisch schlechter als ein eigenes Frühstart-Depot?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die endgültige Anlagestrategie der kollektiven Lösung steht noch nicht vollständig fest. Ein individuelles Depot bietet mehr Einfluss auf Anbieter und Anlageaufteilung, während die kollektive Lösung sicherstellen soll, dass auch Kinder ohne aktiv eröffneten Vertrag am Kapitalmarkt investieren.

Warum wird das Geld überhaupt in Aktien angelegt?

Der entscheidende Vorteil ist der lange Anlagezeitraum. Aktien schwanken stärker als sichere Zinsanlagen, bieten langfristig aber höhere Renditechancen. Da das Frühstart-Kapital für die Altersvorsorge vorgesehen ist, können zwischen dem ersten Beitrag und der späteren Auszahlung mehrere Jahrzehnte liegen.

Wird die Anlage später automatisch sicherer?

Beim Standarddepot ist für die Jahre vor Beginn der Auszahlungsphase grundsätzlich eine Verringerung des Anteils des risikoreicheren Fonds vorgesehen. Fünf Jahre vor der Auszahlung soll dessen Anteil höchstens 50 Prozent und zwei Jahre vorher grundsätzlich höchstens 30 Prozent betragen. Abweichende Prozentsätze können jedoch vereinbart werden.

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Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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