Welche Fonds eignen sich für die Frühstart-Rente?

Warum bei der Frühstart-Rente breit gestreute Aktienfonds besonders interessant sind, welche Rolle der Sicherheitsfonds spielt und worauf Eltern bei Kosten, Risiko und Fondsaufteilung achten sollten.

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Wer bei der Frühstart-Rente an ein gewöhnliches Kinderdepot denkt, in das Eltern einfach einen beliebigen ETF legen können, liegt nach dem derzeitigen Konzept daneben. Die staatliche Förderung soll an einen besonderen Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge gebunden werden. Dort stehen nicht Hunderte Fonds zur freien Auswahl: Der jeweilige Anbieter legt grundsätzlich zwei Fonds fest – einen risikoärmeren Fonds und einen chancenorientierteren Fonds. Eltern können innerhalb dieses Rahmens über die Aufteilung entscheiden.

Für den langfristigen Vermögensaufbau dürfte vor allem der chancenorientierte Fonds entscheidend sein. Bei einem Kind im Grundschulalter liegen zwischen der ersten Einzahlung und einer möglichen Altersvorsorge-Auszahlung mehrere Jahrzehnte. Eine breit gestreute Anlage in internationale Aktien kann deshalb grundsätzlich besser zu diesem außergewöhnlich langen Anlagehorizont passen als eine dauerhaft sehr defensive Strategie. Kursschwankungen gehören allerdings dazu, und eine bestimmte Rendite ist niemals garantiert.

Wichtig ist der derzeitige Rechtsstand: Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zur Frühstart-Rente am 12. August 2026 beschlossen. Das Gesetzgebungsverfahren ist am 14. September 2026 noch nicht abgeschlossen. Vorgesehen ist ein Start zum 1. Januar 2027 mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021; für den Jahrgang 2020 soll die Förderung für 2026 rückwirkend berücksichtigt werden.

Die kurze Antwort: Welche Fonds passen zur Frühstart-Rente?

Für den chancenorientierten Teil der Frühstart-Rente erscheint ein kostengünstiger, sehr breit diversifizierter globaler Aktienfonds besonders geeignet. Das kann ein Indexfonds beziehungsweise ETF sein, sofern er die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und vom jeweiligen Anbieter für seinen Standarddepot-Vertrag ausgewählt wurde. Entscheidend ist weniger der Begriff „ETF“ als die Frage, wie breit der Fonds tatsächlich investiert, welche Kosten entstehen und welche Risiken enthalten sind.

Ein Fonds, der mehrere Tausend Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abbildet, bietet beispielsweise eine wesentlich breitere Streuung als ein Fonds, der ausschließlich deutsche Aktien, Technologieunternehmen oder einzelne Zukunftsbranchen hält. Gerade bei einer jahrzehntelangen Altersvorsorge sollte die Anlage nicht davon abhängen, ob eine einzelne Region oder Branche in den kommenden Jahrzehnten besonders erfolgreich sein wird.

Der zweite Fonds im Standarddepot erfüllt eine andere Aufgabe. Er soll deutlich risikoärmer ausgerichtet sein und kann insbesondere später dazu dienen, einen Teil des aufgebauten Vermögens vor größeren Kursschwankungen unmittelbar vor der Auszahlungsphase zu schützen. Für ein sechsjähriges Kind ist diese Sicherheitsfunktion zunächst erheblich weniger dringlich als für jemanden, der kurz vor der Altersvorsorge-Auszahlung steht.

Eltern können nicht jeden beliebigen Fonds auswählen

Das Standarddepot ist bewusst einfacher konstruiert als ein normales Wertpapierdepot. Nach den ab 2027 geltenden Regeln für das Altersvorsorgedepot legt der Anbieter beim Standardprodukt zwei OGAW-Fonds fest. Einer muss im maßgeblichen Basisinformationsblatt einer niedrigen Risikoklasse zugeordnet sein, der andere einer höheren. Konkret ist für den defensiveren Fonds eine Risikoklasse 1 oder 2 vorgesehen, für den chancenorientierteren Fonds eine Risikoklasse 3, 4 oder 5.

Eltern wählen damit normalerweise nicht aus einem vollständigen Fondsuniversum. Vielmehr entscheiden sie sich zunächst für einen Anbieter und damit indirekt auch für dessen Fondsauswahl. Anschließend kann die Aufteilung der Beiträge auf die beiden vorgesehenen Fonds beeinflusst werden. Wird keine eigene Aufteilung festgelegt, gilt die vertragliche Standardeinstellung des Anbieters.

Das verändert die entscheidende Frage. Eltern sollten nicht nur überlegen: „Welcher Fonds ist gut?“ Mindestens genauso wichtig wird sein: „Welcher Standarddepot-Anbieter verwendet überzeugende Fonds zu vernünftigen Gesamtkosten?“

Ein globaler Aktienfonds kann die sinnvollste Basis sein

Ein Kind, das mit sechs Jahren erstmals Förderung erhält, hat einen ungewöhnlich langen Anlagehorizont. Selbst mit 18 Jahren liegt die geplante Verwendung des Frühstartrentenvermögens normalerweise noch Jahrzehnte entfernt. Kurzfristige Kursschwankungen haben dadurch eine andere Bedeutung als bei Geld, das in zwei oder drei Jahren für ein Auto, eine Ausbildung oder eine Immobilie benötigt wird.

Für den chancenorientierten Bestandteil spricht deshalb vieles für einen Aktienfonds, der weltweit möglichst viele Unternehmen abdeckt. Ein solcher Fonds verteilt das Kapital auf unterschiedliche Länder, Branchen und Geschäftsmodelle. Schwächelt beispielsweise die europäische Industrie, können Unternehmen aus Nordamerika, Asien oder anderen Regionen einen Teil dieser Entwicklung ausgleichen. Diese Streuung verhindert Verluste nicht, reduziert aber die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen und Märkten.

Ein globaler Fonds muss allerdings nicht zwingend ein ETF sein. Auch ein aktiv gemanagter Aktienfonds kann die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Bei einem langen Anlagezeitraum gewinnt jedoch die Kostenfrage erheblich an Bedeutung. Jede dauerhaft höhere Kostenbelastung verringert den Betrag, der weiter investiert bleibt und seinerseits Erträge erwirtschaften kann.

Worauf es bei einem globalen Fonds wirklich ankommt

Ein überzeugender chancenorientierter Fonds sollte nicht nur das Wort „Welt“ im Namen tragen. Entscheidend ist, welche Märkte tatsächlich enthalten sind. Manche globale Indizes konzentrieren sich ausschließlich auf entwickelte Industrieländer. Andere beziehen zusätzlich Schwellenländer ein. Auch die Anzahl der enthaltenen Unternehmen kann erheblich variieren.

Für die Frühstart-Rente spricht grundsätzlich viel für eine sehr breite Lösung, bei der einzelne Unternehmen nur einen kleinen Anteil des gesamten Portfolios ausmachen. Eine solche Struktur benötigt keine Prognose darüber, welche Branche oder welches Land in 20, 30 oder 50 Jahren führend sein wird.

Auch die Gewichtung sollte betrachtet werden. Weltweite Aktienmärkte sind nicht gleichmäßig über Länder verteilt. Die größten Börsen und Unternehmen besitzen automatisch ein höheres Gewicht. Das ist bei marktkapitalisierungsgewichteten Fonds normal und nicht zwangsläufig ein Problem. Eltern sollten lediglich verstehen, dass „weltweit gestreut“ nicht bedeutet, dass jedes Land den gleichen Anteil erhält.

ETF oder aktiv gemanagter Fonds?

Für einen langen Anlagezeitraum besitzen ETFs einen offensichtlichen Vorteil: Viele breit gestreute Indexfonds können mit vergleichsweise niedrigen laufenden Fondskosten angeboten werden. Sie versuchen nicht, regelmäßig die besten Aktien auszuwählen, sondern bilden einen festgelegten Index möglichst genau nach.

Aktiv gemanagte Fonds verfolgen einen anderen Ansatz. Ein Fondsmanagement entscheidet, welche Unternehmen gekauft oder verkauft werden. Dadurch besteht theoretisch die Möglichkeit, den Vergleichsmarkt zu übertreffen. Gleichzeitig entstehen häufig höhere Kosten und das Risiko, dass die Entscheidungen des Managements langfristig schlechter ausfallen als der Markt.

Bei der Frühstart-Rente kommt hinzu, dass Eltern nicht unbedingt zwischen einem bestimmten ETF und einem bestimmten aktiven Fonds wählen können. Entscheidend ist, welche beiden Fonds der Anbieter in seinem Standarddepot festgelegt hat. Ein kostengünstiger aktiver Fonds mit überzeugender Diversifikation kann daher besser sein als ein schlecht konstruiertes oder unnötig spezialisiertes Indexprodukt.

Der Begriff „ETF“ allein ist deshalb kein Qualitätssiegel.

Diese Fondsarten eignen sich unterschiedlich gut

Fondsart Eignung als langfristiger Kern Wichtigster Punkt
Globaler Aktienindexfonds/ETF Sehr interessant Breite Streuung und möglichst niedrige Kosten
Globaler aktiver Aktienfonds Möglich Kosten und langfristige Strategie besonders prüfen
Mischfonds Bedingt interessant Aktienquote und tatsächliche Kosten analysieren
Renten- oder defensiver Fonds Vor allem als Sicherheitsbaustein Niedrigere Schwankungen, aber geringere Renditechancen
Branchenfonds Als Kern eher ungeeignet Hohe Konzentration auf einen Wirtschaftsbereich
Länderfonds Als Kern eher ungeeignet Starke Abhängigkeit von einem einzelnen Markt
Themenfonds Als Kern meist ungeeignet Trends können wechseln und Bewertungen hoch sein

Die Tabelle zeigt vor allem einen Grundsatz: Für die Frühstart-Rente ist nicht der spektakulärste Fonds automatisch der interessanteste. Ein langfristiges Vorsorgeportfolio benötigt keine Wette darauf, welche Technologie oder Branche im nächsten Jahrzehnt boomt. Ein einfacher, breiter Fonds kann gerade deshalb überzeugend sein, weil keine solche Prognose notwendig ist.

Branchen- und Themenfonds sind als Kernanlage problematisch

Künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, Robotik, Wasserstoff, Biotechnologie oder Cybersecurity können wirtschaftlich bedeutende Zukunftsthemen sein. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein spezialisierter Fonds auf diese Branchen eine überdurchschnittliche Rendite erzielen wird.

An der Börse zählt nicht nur, wie stark ein Markt wächst. Entscheidend ist auch, welche Erwartungen bereits in den Aktienkursen enthalten sind. Eine Branche kann wirtschaftlich hervorragend wachsen und Anlegern trotzdem enttäuschende Renditen liefern, wenn die Unternehmen zuvor sehr hoch bewertet waren.

Für eine jahrzehntelange Altersvorsorge ist ein Themenfonds deshalb als alleiniger chancenorientierter Baustein meist unnötig konzentriert. Dasselbe gilt für Fonds, die ausschließlich in deutsche, europäische oder amerikanische Unternehmen investieren. Eine globale Lösung verteilt das Risiko wesentlich breiter.

Der risikoarme Fonds hat eine andere Aufgabe

Der zweite Fonds im Standarddepot soll nicht mit dem Aktienfonds um die höchste Rendite konkurrieren. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, Schwankungen zu reduzieren und später einen größeren Teil des aufgebauten Vermögens zu stabilisieren.

Welche konkrete Anlageform Anbieter dafür verwenden werden, hängt von den jeweiligen Produkten ab. Denkbar sind beispielsweise Fonds mit sehr defensiver Anlagestruktur. Maßgeblich ist, dass der Fonds die vorgeschriebene niedrige Risikoklasse erreicht.

Für ein junges Kind stellt sich deshalb weniger die Frage, welcher defensive Fonds die beste Rendite verspricht. Interessanter ist, wie stark dieser Fonds bereits zu Beginn in die Gesamtanlage einbezogen wird. Eine sehr hohe defensive Quote kann das Risiko reduzieren, begrenzt auf Jahrzehnte gesehen aber auch die Renditechancen.

Der gesetzliche Standardmechanismus sieht zudem vor, dass vor Beginn der Auszahlungsphase schrittweise stärker in den risikoärmeren Fonds umgeschichtet wird. Fünf Jahre vor der Auszahlungsphase sollen grundsätzlich höchstens 50 Prozent des Kapitals im chancenorientierteren Fonds liegen; zwei Jahre vorher und zu Beginn der Auszahlung grundsätzlich höchstens 30 Prozent. Abweichende Prozentsätze können vereinbart werden.

Wie hoch könnte die Aktienquote bei einem Kind sein?

Eine für alle Kinder passende Quote gibt es nicht. Trotzdem lässt sich die Ausgangslage klar einordnen: Je länger das Geld investiert bleiben kann, desto leichter lassen sich zwischenzeitliche Kursschwankungen grundsätzlich verkraften. Bei der Frühstart-Rente ist der Anlagehorizont außergewöhnlich lang, weil das geförderte Vermögen der Altersvorsorge dienen soll und grundsätzlich nicht einfach zum 18. Geburtstag ausgezahlt werden kann.

Für Eltern mit hoher Schwankungstoleranz kann deshalb eine starke Gewichtung des chancenorientierten Fonds nachvollziehbar sein. Entscheidend ist, dass ein Börsenrückgang von 30, 40 oder in außergewöhnlichen Krisen auch mehr Prozent emotional ausgehalten wird. Wer nach einem starken Kursverlust in den defensiven Fonds wechselt, kann Verluste dauerhaft festschreiben und eine spätere Erholung verpassen.

Eine defensivere Mischung kann sinnvoll sein, wenn starke Schwankungen ansonsten dazu führen würden, dass die Strategie ständig verändert wird. Die mathematisch renditestärkste Strategie nützt wenig, wenn sie psychologisch nicht durchgehalten wird.

Warum der lange Anlagehorizont so viel verändert

Die staatliche Frühstartrentenförderung soll monatlich 10 Euro betragen. Werden von sechs bis einschließlich 17 Jahren insgesamt zwölf Jahre lang 10 Euro monatlich eingezahlt, kommen zunächst 1.440 Euro staatliche Einzahlungen zusammen.

Bei einer rein beispielhaften durchschnittlichen Wertentwicklung von 7 Prozent pro Jahr würden daraus bis zum 18. Geburtstag rechnerisch rund 2.200 Euro. Bliebe dieser Betrag anschließend ohne weitere Einzahlungen bis zum Alter von 65 Jahren investiert und würde weiterhin durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr erzielen, ergäbe sich rechnerisch ein Wert von ungefähr 53.000 Euro.

Das ist keine Prognose. Börsenrenditen verlaufen nicht gleichmäßig, die tatsächliche Entwicklung kann deutlich höher oder niedriger ausfallen. Inflation und spätere Besteuerung sind in einer solchen vereinfachten Modellrechnung ebenfalls nicht berücksichtigt.

Die Rechnung zeigt dennoch, warum bei der Frühstart-Rente selbst kleine Unterschiede bei Rendite und Kosten langfristig relevant werden. Das Kapital arbeitet möglicherweise mehr als ein halbes Jahrhundert. Genau deshalb sollte bei der Fondsauswahl nicht nur auf kurzfristige Sicherheit geschaut werden.

Kosten können über Jahrzehnte erheblich werden

Der Standarddepot-Vertrag soll in der Ansparphase durch einen Effektivkostendeckel begrenzt werden. Für die Frühstart-Rente sieht der Regierungsentwurf maximal 1 Prozent Effektivkosten vor; zusätzlich sollen bis zur Volljährigkeit keine Abschluss- und Vertriebskosten erhoben werden.

Dieser Kostendeckel bedeutet allerdings nicht, dass Eltern automatisch jedes Angebot bis zur Grenze von 1 Prozent akzeptieren sollten. Zwischen einem Vertrag mit beispielsweise deutlich unter 0,5 Prozent tatsächlicher Renditeminderung und einem Vertrag nahe der gesetzlichen Obergrenze kann über mehrere Jahrzehnte ein beträchtlicher Unterschied entstehen.

Eltern sollten deshalb nicht nur die laufenden Kosten des eigentlichen Fonds betrachten. Relevant ist die gesamte Kostenwirkung des Vertrags. Gerade beim Vergleich verschiedener Standarddepots dürfte die Kennzahl der Effektivkosten eines der wichtigsten Auswahlkriterien werden.

Ausschüttend oder thesaurierend?

Bei normalen Wertpapierdepots wird häufig darüber diskutiert, ob ein ausschüttender oder thesaurierender ETF sinnvoller ist. Bei einem langfristigen Altersvorsorgevertrag ist diese Frage weniger zentral als bei einem frei verfügbaren Depot.

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist entscheidend, dass Erträge nicht dauerhaft uninvestiert liegen bleiben. Werden Dividenden und andere Erträge wieder angelegt, können sie selbst weitere Erträge erwirtschaften. Dieser Zinseszinseffekt ist bei einem jahrzehntelangen Anlagezeitraum besonders bedeutsam.

Ob der konkrete Fonds technisch ausschüttet oder thesauriert, sollte deshalb nicht isoliert bewertet werden. Maßgeblicher ist, wie der Anbieter mit Ausschüttungen innerhalb des Vertrags umgeht und ob sie effizient wieder investiert werden.

Nachhaltige Fonds können geeignet sein – aber das Label reicht nicht

Eltern können Wert darauf legen, dass das Geld ihres Kindes bestimmte ökologische oder soziale Kriterien berücksichtigt. Ein entsprechend ausgerichteter globaler Aktienfonds kann grundsätzlich als langfristiger Baustein geeignet sein.

Allerdings unterscheiden sich nachhaltige Fonds erheblich. Manche schließen lediglich wenige Branchen aus, andere verändern die Zusammensetzung des Portfolios deutlich. Dadurch kann die Streuung geringer werden oder einzelne Branchen können ein deutlich höheres Gewicht erhalten.

Wer einen nachhaltigen Fonds bevorzugt, sollte deshalb dieselben Fragen stellen wie bei jedem anderen Fonds: Wie breit ist das Portfolio? Welche Unternehmen und Länder sind enthalten? Wie hoch sind die Kosten? Welche Risiken entstehen durch die Auswahlregeln?

„Nachhaltig“ ersetzt keine Analyse der eigentlichen Geldanlage.

Was Eltern bei verschiedenen Anbietern vergleichen sollten

Sobald konkrete Standarddepot-Angebote verfügbar sind, dürfte der Anbieter-Vergleich wichtiger sein als die Suche nach einem einzelnen bekannten ETF. Eltern sollten sich zuerst ansehen, welcher chancenorientierte Fonds und welcher defensive Fonds verwendet werden.

Danach zählen die Gesamtkosten, die voreingestellte Aufteilung, die Möglichkeit einer eigenen Aufteilung und die Regeln für spätere Umschichtungen. Ebenso interessant ist, ob Änderungen der Fondsaufteilung unkompliziert und ohne zusätzliche Kosten möglich sind.

Eine praktische Prüfung kann so aussehen:

  1. Prüfen, welcher chancenorientierte Fonds verwendet wird.
  2. Nachsehen, wie breit dieser Fonds über Länder und Branchen gestreut ist.
  3. Laufende Fondskosten und Effektivkosten des gesamten Vertrags vergleichen.
  4. Voreingestellte Aktien- beziehungsweise Risikoquote kontrollieren.
  5. Prüfen, ob und wie die Aufteilung selbst verändert werden kann.
  6. Regeln für spätere Umschichtungen nachvollziehen.
  7. Keine Entscheidung allein aufgrund vergangener Fondsrenditen treffen.

Besonders der letzte Punkt ist wichtig. Ein Fonds kann in den vergangenen fünf Jahren hervorragend gelaufen sein und trotzdem für die nächsten 50 Jahre keine bessere Wahl darstellen. Vergangenheitsrenditen zeigen, was passiert ist – nicht, welcher Fonds künftig die beste Entwicklung erzielen wird.

Eltern sollten Frühstart-Rente und normales Kinderdepot trennen

Ein normales Kinder- oder Juniordepot und die Frühstart-Rente erfüllen unterschiedliche Zwecke. Das Frühstartrentenvermögen ist für die Altersvorsorge vorgesehen und langfristig gebunden. Ein normales Kinderdepot kann dagegen beispielsweise für Ausbildung, Studium oder den späteren Start ins Berufsleben gedacht sein.

Nach dem Regierungsentwurf kann die staatliche Frühstartförderung deshalb auch nicht einfach auf ein bereits vorhandenes Kinderdepot überwiesen werden. Für die Förderung ist ein entsprechender zertifizierter Standarddepot-Vertrag erforderlich.

Familien können beide Ansätze kombinieren. Die staatlichen 10 Euro und mögliche langfristige Altersvorsorgebeiträge können im Frühstart-Vertrag liegen, während zusätzliches frei verfügbares Vermögen über ein separates Depot oder andere Sparformen aufgebaut wird.

Dadurch muss die Frühstart-Rente nicht gleichzeitig alle finanziellen Ziele des Kindes erfüllen.

Private Zuzahlungen machen die Fondsauswahl noch wichtiger

Nach dem derzeitigen Entwurf sollen zusätzlich zur staatlichen Förderung private Zuzahlungen bis zu insgesamt 6.840 Euro pro Jahr möglich sein. Diese können beispielsweise von Eltern oder Großeltern stammen.

Wer lediglich die staatlichen 10 Euro monatlich investiert, sollte die Kosten trotzdem ernst nehmen. Noch größer wird ihre Bedeutung jedoch, wenn über Jahre zusätzlich 50, 100 oder mehrere Hundert Euro im Monat eingezahlt werden.

Dann wird aus dem Frühstart-Depot möglicherweise ein wesentlicher Bestandteil des späteren Altersvorsorgevermögens. Ein breit gestreuter chancenorientierter Fonds, nachvollziehbare Regeln und niedrige Gesamtkosten gewinnen entsprechend an Gewicht.

Eltern sollten trotzdem berücksichtigen, dass zusätzlich eingezahltes Geld ebenfalls langfristig für die Altersvorsorge gebunden sein kann. Für Geld, das das Kind möglicherweise mit 18 oder 25 Jahren benötigt, kann ein separates und flexibleres Anlagekonto besser geeignet sein.

Was passiert, wenn Eltern gar keinen Fonds auswählen?

Die Frühstartförderung soll nicht verloren gehen, nur weil Eltern keinen individuellen Standarddepot-Vertrag eröffnen. Für diese Kinder ist nach dem Regierungsentwurf eine kollektive Kapitalanlage vorgesehen, die von der Deutschen Bundesbank verwaltet werden soll. Die Mittel sollen global diversifiziert und vor allem in Aktien beziehungsweise Aktienfonds angelegt werden.

Eltern wählen bei dieser Auffanglösung keine eigenen Fonds aus und können dort auch keine privaten Zuzahlungen leisten. Wird später ein individueller Vertrag eröffnet, soll das bis dahin aufgebaute Startkapital unter den vorgesehenen Voraussetzungen übertragen werden können.

Die kollektive Lösung verhindert damit den Verlust der Förderung, ersetzt aber nicht die Möglichkeit, einen individuellen Anbieter und dessen Standarddepot gezielt auszuwählen.

Häufige Fehler bei der Fondsauswahl

Ein typischer Fehler wäre, den Fonds mit der höchsten vergangenen Rendite auszuwählen. Gerade spezialisierte Technologie-, Rohstoff- oder Länderfonds können über einzelne Zeiträume beeindruckende Ergebnisse zeigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie als Kern einer jahrzehntelangen Altersvorsorge besonders geeignet sind.

Ebenso problematisch kann eine übertriebene Sicherheitsorientierung sein. Wer ein sechsjähriges Kind trotz eines extrem langen Anlagehorizonts fast ausschließlich defensiv investiert, reduziert zwar kurzfristige Schwankungen, verzichtet möglicherweise aber auf einen großen Teil der langfristigen Renditechancen.

Der dritte Fehler besteht darin, nur auf die Fondskosten zu schauen und die Vertragskosten zu ignorieren. Ein preiswerter ETF ist nicht automatisch günstig, wenn der gesamte Standarddepot-Vertrag zusätzliche Kosten verursacht. Maßgeblich ist deshalb die tatsächliche Renditeminderung durch alle relevanten Kosten.

Auch häufiges Umschichten ist keine überzeugende Strategie. Die Frühstart-Rente ist auf Jahrzehnte ausgelegt. Eine einfache, breit gestreute und konsequent durchgehaltene Strategie kann sinnvoller sein als der Versuch, regelmäßig auf Börsenentwicklungen zu reagieren.

Fazit: Breite Aktienfonds passen besonders gut zum langen Anlagehorizont

Für die Frühstart-Rente spricht beim chancenorientierten Bestandteil vieles für einen breit gestreuten globalen Aktienfonds mit niedrigen Kosten. Ein Welt-ETF kann diese Anforderungen erfüllen, sofern er für den jeweiligen Standarddepot-Vertrag zugelassen und vom Anbieter ausgewählt wurde. Noch wichtiger als das Kürzel ETF sind jedoch Diversifikation, Kosten und eine nachvollziehbare Anlagestrategie.

Eltern werden nach dem derzeitigen Modell nicht aus Tausenden Fonds frei wählen. Der Anbieter des Standarddepots legt einen defensiveren und einen chancenorientierteren Fonds fest. Deshalb sollte später nicht nur nach dem günstigsten Anbieter gesucht werden, sondern danach, welche beiden Fonds tatsächlich verwendet werden und wie hoch die gesamten Effektivkosten des Vertrags sind.

Bei einem Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten kann eine hohe Aktienorientierung nachvollziehbar sein. Garantien für eine bestimmte Rendite gibt es trotzdem nicht. Kursschwankungen und zwischenzeitlich erhebliche Verluste gehören zur Aktienanlage. Entscheidend ist daher eine Strategie, die langfristig durchgehalten werden kann und nicht bei jeder Börsenkorrektur verändert wird.

Häufige Fragen zu Fonds für die Frühstart-Rente

Welche Fonds am Ende tatsächlich angeboten werden, hängt von den Standarddepot-Anbietern ab. Einige Grundregeln zur Fondsauswahl lassen sich aufgrund der bereits geltenden Regeln für das neue Altersvorsorgedepot und des aktuellen Frühstartrenten-Entwurfs dennoch bereits ableiten.

Kann man für die Frühstart-Rente jeden ETF auswählen?

Nein. Nach dem vorgesehenen Modell wird die Förderung über einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag abgewickelt. Der Anbieter legt zwei Fonds fest, aus denen die Anlage beziehungsweise Aufteilung erfolgt. Ein beliebiger ETF aus einem bestehenden Kinderdepot kann daher nicht einfach für die Frühstartförderung verwendet werden.

Ist ein MSCI-World-ETF für die Frühstart-Rente geeignet?

Ein breit gestreuter Weltaktienfonds kann grundsätzlich gut zu einem sehr langen Anlagehorizont passen. Ob ein konkreter MSCI-World-ETF in einem Frühstart-Standarddepot eingesetzt werden kann, hängt jedoch davon ab, welchen Fonds der jeweilige Anbieter auswählt und ob dieser die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Außerdem enthält der MSCI World ausschließlich entwickelte Industrieländer und keine Schwellenländer.

Sind ETFs besser als aktive Fonds?

Nicht automatisch. ETFs besitzen häufig Kostenvorteile und ermöglichen eine sehr breite Streuung. Ein gut diversifizierter aktiver Fonds kann ebenfalls geeignet sein, sofern seine Kosten und Strategie überzeugen. Bei einem Anlagezeitraum von mehreren Jahrzehnten sollte eine dauerhaft höhere Kostenbelastung besonders kritisch geprüft werden.

Sollte die Frühstart-Rente zu 100 Prozent in Aktien investiert werden?

Eine hohe Aktienquote kann aufgrund des sehr langen Anlagehorizonts nachvollziehbar sein, ist aber nicht für jede Familie die passende Entscheidung. Aktien können zwischenzeitlich stark fallen. Entscheidend ist deshalb auch, welche Schwankungen akzeptiert werden können und ob die gewählte Strategie selbst in einer schweren Börsenkrise beibehalten würde.

Welche Rolle spielt der defensive Fonds?

Der defensive Fonds soll die Schwankungen des Depots begrenzen und gewinnt insbesondere vor Beginn der späteren Auszahlungsphase an Bedeutung. Im Standarddepot ist deshalb grundsätzlich eine schrittweise Reduzierung des chancenorientierten Anteils vorgesehen. Bei jungen Kindern steht dagegen zunächst der sehr lange Anlagehorizont im Vordergrund.

Sind Themen-ETFs für die Frühstart-Rente sinnvoll?

Als alleiniger Kern der Altersvorsorge sind Themen-ETFs meist deutlich konzentrierter als globale Aktienfonds. Sie hängen stärker von einzelnen Branchen oder langfristigen Trends ab. Für ein jahrzehntelanges Basisinvestment bietet eine breite weltweite Streuung in der Regel die robustere Ausgangslage.

Welche Kosten sollte ein Frühstart-Fonds haben?

Nicht nur die TER des Fonds ist relevant. Entscheidend sind die gesamten Effektivkosten des Standarddepot-Vertrags. Für die Frühstart-Rente sieht der aktuelle Regierungsentwurf eine Begrenzung der Effektivkosten auf 1 Prozent während der Ansparphase sowie den Verzicht auf Abschluss- und Vertriebskosten bis zur Volljährigkeit vor. Niedrigere Gesamtkosten können bei ansonsten vergleichbaren Angeboten langfristig vorteilhaft sein.

Kann man den Fonds später wechseln?

Die konkrete Wechselmöglichkeit hängt vom Vertrag und den gesetzlichen Vorgaben ab. Das Standarddepot arbeitet grundsätzlich mit den beiden vom Anbieter festgelegten Fonds. Nach Volljährigkeit soll das Frühstartrentenvermögen unter den vorgesehenen Voraussetzungen auch auf einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen werden können.

Andreas Langer
Andreas Langerhttps://www.nurgeld.de
Andreas Langer ist Gründer und verantwortlicher Redakteur von NurGeld.de. Er beschäftigt sich mit Finanzthemen rund um Sparen, Geldanlage, Banken, Kredite und den finanziellen Alltag. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich, sachlich und praxisnah aufzubereiten.

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